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Flüchtlingskinder: Studie fordert 3,5 Milliarden Euro pro Jahr mehr für die Schulen und Kitas

BERLIN. Um die Integration Hunderttausender junger Flüchtlinge ins Bildungssystem zu schaffen, besteht in den dafür zuständigen Bundesländern nach einer neuen Studie «dringender Handlungsbedarf». «Hierfür sollten die jährlichen öffentlichen Bildungsausgaben um 3,5 Milliarden Euro erhöht werden», heißt es im «Bildungsmonitor 2016», einer vergleichenden Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Zum Vergleich: Bund, Länder und Gemeinden hatten für 2015 Bildungsausgaben von 123,7 Milliarden Euro veranschlagt – 2,9 Milliarden Euro mehr als im Jahr davor.

Syrisches Flüchtlingskind in der Schule. Foto: UK Department for International Development (CC BY 2.0)

Syrisches Flüchtlingskind in der Schule. Foto: UK Department for International Development (CC BY 2.0)

Der Leiter der 13. IW-Bildungsmonitor-Studie, Axel Plünnecke, forderte am Dienstag einen höheren Stellenwert für Bildung in den Länderhaushalten. «Im Jahr 2017 werden allein rund 98.500 zusätzliche Kita-Plätze für die Flüchtlingskinder benötigt. Dazu braucht es Lehrkräfte für rund 200.000 zusätzliche Schulkinder und einen Ausbau der Berufsvorbereitung.» Um etwa 120.000 Flüchtlinge auf eine Ausbildung vorzubereiten, würden 1,2 Milliarden Euro gebraucht.

Plünnecke betonte: «Die zusätzlichen jährlichen Bildungsausgaben der öffentlichen Hand (…) können bereits in wenigen Jahren durch geringere Ausgaben bei Sozialleistungen in Folge einer besseren Arbeitsmarktintegration eingespart werden. Langfristig können vor allem die Investitionen in die Bildung der Kinder helfen, künftige Engpässe in Ausbildungsberufen zu mildern.»

Damit schlägt das IW in die gleiche Kerbe, in die im Juni VBE-Chef Beckmann geschlagen hatte. Er stellte fest: „Flüchtlingskinder brauchen Normalität und besondere Unterstützung zugleich. Unterricht in zu großen Klassen und zu kleinen Räumen ohne zusätzliche Unterstützung für die Lehrkraft ist nicht zielführend.“ Wichtig sei, dass gerade bei Aufnahme von Flüchtlingskindern in Regelschulklassen die Lerngruppengröße deutlich abgesenkt werde. Auf den zusätzlichen Bedarf an Aufmerksamkeit könne sonst nicht adäquat reagiert werden.

Um den Umgang mit Flüchtlingskindern zu erlernen und Überforderung zu vermeiden, sei zudem die Qualifikation von Lehrkräften und die Unterstützung durch multiprofessionelle Teams an den Schulen dringend notwendig. „Wer Bildung zum Schlüssel der Integration macht, darf das Schlüsselbund nicht in der Tasche verstecken“, so kommentierte der VBE-Chef die Situation, dass viele Kinder nicht oder lediglich mit Ersatzunterricht in den Flüchtlingsunterkünften beschult werden.

Die GEW hatte bereits im Dezember gefordert, einen verlässlichen Rahmen für Bildung für Flüchtlinge zu schaffen und konkrete Sofortmaßnahmen zu ergreifen. GEW-Chefin Marlis Tepe erklärte seinerzeit: „Es besteht Einigkeit, dass Bildung für Flüchtlinge nicht warten kann. Versäumnisse, die durch Warten in Erstaufnahmeeinrichtungen oder verzögerten Zugang zu Kitas, Schulen, Hochschulen und beruflicher Bildung entstehen, können später kaum noch aufgeholt werden. So wird Ausgrenzung statt Integration gefördert“, sagte sie heute. Bund und Länder trügen gemeinsam Verantwortung für ein „bildungspolitisches Konzept aus einem Guss“.

Auch wenn einzelne Bundesländer ihre Bildungsausgaben erhöht haben: Ein einheitliches bildungspolitisches Konzept zur Integration von Flüchtlingskindern in Deutschland gibt es bis heute nicht. News4teachers/mit Material der dpa

Zum Kommentar: Schluss mit dem föderalen Chaos – Wir brauchen endlich einen Masterplan für die schulische Integration der Flüchtlingskinder

Ein Kommentar

  1. Zum Thema Finanzierung der Schule bzw. Möglichkeiten der S’uS möchte ich das folgende Erlebnis wiedergeben:

    Nach der Zeugniskonferenz an meinem Gymnasium gingen Widersprüche gegen den Schulformwechsel einiger Kinder ein, die eine Besprechung der unterrichtenden Lehrkräfte nötig machte. In allen Fällen wurde die „rechtlich lückenlose“ Nichtversetzung bestätigt, ABER die Schulleitung verwies auf folgende Umstände in Duisburg:
    1. Fast sämtliche Realschulen in Duisburg sind geschlossen worden, wodurch es nur noch Gesamt- und Sekundarschulen oder Gymnasien gibt.
    2. Die Plätze an „Nicht-Gymnasien“ sind so ausgelastet, dass sie keine weiteren Kinder mehr aufnehmen können.
    3. Aufgrund der fehlenden Schulplätze und dem Übergang der Kinder aus den Flüchtlingsklassen in die Regelklassen werden „Auffangklassen“ eingerichtet, in die alle „Überschüsse“ eingegliedert werden.
    4. Die Folge ist, dass dem Einspruch der Eltern rechtlich widersprochen wird, aber die Kinder trotz schwerwiegender Defizite bei uns wiederholen müssen – Anweisung der Schulbehörde.

    Folglich werden die kommenden Klassen, die bisher schon über 30 S’uS zählten, noch weiter gefüllt.
    Wenn ich dann also Forderungen nach normalen oder sogar abgesenkten Klassengrößen höre, muss ich nur sarkastisch lachen, denn die Realität zeigt in Duisburg, dass bei Klassen mit über 30 Kindern noch Platz für Wiederholer und Flüchtlinge ist, da sie hier das Klima erfahren, bei dem Bildungserfolg garantiert wird.

    Um dem noch die Krone aufzusetzen, möchte ich an eine Informationsveranstaltung für die erweiterte Schulleitung erinnern, in der die Einrichtung von Flüchtlingsklassen in allen Schulen Duisburgs angeordnet worden ist. Hierbei erfolgte der Hinweis, dass die nötigen Lehrerstellen durch die Verwendung der rechtlich verpflichtenden Überstunden der Lehrkräfte geschaffen werden sollten. Die Ironie daran war, dass diese Überstunden an meiner Schule – wie auch an vielen anderen – bereits ausgeschöpft wurden, um den Flickenteppich an Unterricht zu erteilen, der uns möglich ist.

    Natürlich kann ich nicht für andere Städte sprechen, aber ich vermute das die Bedingungen für alle Beteiligten mit mehr als ein bischen Geld zu verbessern sind.

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