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Das sind Deutschlands Lehrer des Jahres 2016 – Deutscher Lehrerpreis in Berlin verliehen

BERLIN. Wie wird man einer von Deutschlands Lehrern des Jahres? Benötigt wird, erstens, ein Schülerlob – wie dieses: „Frau Saas versteht es einfach, ihren Schülern ihr Wissen verständlich beizubringen und sie in allen Lebenslagen zu motivieren.“ Der Unterricht sei hart. Zu Beginn einer Stunde werde zuletzt Gelerntes abgefragt, Hausaufgaben gebe es genug und auch vor Sonderstunden schrecke die Lehrerin nicht zurück. Doch habe sie auf alle noch so verwirrend gestellten Fragen eine Antwort parat gehabt und sich mit großem Engagement dafür eingesetzt, „dass jeder sein Abitur besteht“. Dann, zweitens, müssen die Schüler dieses Lob verschriftlichen und bei der Jury des Deutschen Lehrerpreises einreichen. Und wenn die schließlich zustimmt – wie im Fall der Chemie- und Biologielehrerin Eva-Maria Saas vom Nordpfalzgymnasium in Kirchheimbolanden –gibt es eine Einladung zur Feierstunde nach Berlin.

Das sind die mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichneten Kolleginnen und Kollegen. Foto: Deutscher Lehrerpreis

Das sind die mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichneten Kolleginnen und Kollegen. Foto: Deutscher Lehrerpreis

Die Einladung haben insgesamt 16 Lehrerinnen und Lehrer sowie sechs Pädagogen-Teams aus zehn Bundesländern bekommen, heute wurden sie  ausgezeichnet. Rund 4.500 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte beteiligten sich in diesem Jahr an dem Wettbewerb, der seit 2009 jährlich von der Vodafone Stiftung Deutschland und dem Deutschen Philologenverband durchgeführt wird.

KMK-Präsidentin Claudia Bogedan, Senatorin für Kinder und Bildung der Freien Hansestadt Bremen, freute sich über das großartige Ergebnis des diesjährigen Lehrerpreises – auch weil ein Bremer Lehrer unter den Preisträgern ist: „Der Lehrerpreis macht deutlich, wie engagiert unsere Lehrkräfte in Deutschland sind. Und das ist auch dringend notwendig und wichtig, denn angesichts der Integration der Flüchtlingskinder ins Regelschulsystem stehen uns noch immense Aufgaben bevor. Inzwischen haben wir auch gute Rahmenbedingungen, denn in allen Bundesländern sind zusätzliche Lehrkräfte eingestellt worden, nicht nur für Deutsch als Zweitsprache, sondern auch für den Regelschulbetrieb. Jedoch brauchen wir noch mehr Lehrkräfte und das schnell. Die heute ausgezeichneten Pädagoginnen und Pädagogen sind da ein herausragendes Beispiel und hoffentlich Ansporn für den Nachwuchs, sich auch für den Lehrberuf zu entscheiden.“

Im Bereich „Schüler zeichnen Lehrer aus“, einer der beiden Wettbewerbskategorien, wurden 16 besonders engagierte Lehrkräfte von Schülerinnen und Schülern der diesjährigen Abschlussklassen nominiert. Dabei gingen vier Auszeichnungen nach Nordrhein-Westfalen.

  • Hildegard Hürtgen, Couven Gymnasium Aachen;
  • Heike Kriwet, Städtisches Gymnasium Wülfrath;
  • Theresa Lammert, Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Bornheim;
  • Cornelia Wilfert, Gymnasium Gerresheim Düsseldorf.

Drei Auszeichnungen vergab die Jury nach Baden-Württemberg:

  • Vanessa Haasis, Walther-Groz-Schule Albstadt;
  • Adina Hirschauer, Montfort-Gymnasium Tettnang;
  • Juliane Högner, Stiftsgymnasium Sindelfingen.

Je zwei Preisträger gibt es in Niedersachsen und Schleswig-Holstein

  • Stefan Hierholzer, Berufsbildende Schulen 1 des Landkreises Gifhorn;
  • Dagmar Vakalopoulos, Hoffmann-von-Fallersleben-Schule Braunschweig;
  • Arne Cardel, Elly-Heuss-Knapp-Schule Neumünster;
  • Katharina Tißler, Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Oldenburg i.H..

Je ein Preisträger in der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus“ kam in diesem Jahr aus Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen und – eben – Rheinland-Pfalz:

  • Nicolas Schmidt, Emmy-Noether-Gymnasium Erlangen,
  • Ines Weghenkel, Oberstufenzentrum Teltow-Fläming Luckenwalde;
  • Robert Wisz, Europaschule Schulzentrum Utbremen;
  • Florian König, Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim;
  • Eva-Maria Saas, Nordpfalzgymnasium Kirchheimbolanden).

Prof. Susanne Porsche, Mitglied des Beirats der Vodafone Stiftung Deutschland, betonte den Einsatz und die Leistung sowie das außerordentliche pädagogische Engagement der diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger: „Die Leidenschaft für eine Sache ist entscheidend für den Bildungserfolg von Kindern. Und für Leidenschaft braucht es engagierte und motivierte Lehrerinnen und Lehrer, wie sie heute ausgezeichnet werden.“ Für Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung Deutschland, ist die wichtigste Aufgabe des Deutschen Lehrerpreises „die öffentliche Wertschätzung des Lehrerberufes über alle Gesellschaftsschichten zu fördern und zu erhöhen“.

In der zweiten Kategorie des Wettbewerbs, „Lehrer: Unterricht innovativ“, reichten auch in diesem Jahr wieder eine Vielzahl von Lehrer-Teams aus ganz Deutschland innovative und fächerübergreifende Unterrichtsprojekte ein.

Den ersten Preis vergab die Jury an das Pädagogen-Team Dr. Torsten Buchholz, Benita Eberhardt-Lange, Dr. Stefan Gönnheimer, Johannes Schneider, Jutta Winnes-Goller um Projektleiter Dr. Patrick Bronner vom Friedrich-Gymnasium Freiburg in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Katja Maaß und Dr. Patrik Vogt vom Kooperationspartner Pädagogische Hochschule Freiburg für ihr Projekt „Smartphones im Unterricht“. In diesem Kooperationsprojekt zwischen den MINT-Fächern des Friedrich-Gymnasiums, der Pädagogischen Hochschule Freiburg und dem EU-Projekt „mascil“ erforschen Schülerinnen und Schüler, wie viel MINT mithilfe mobiler Endgeräte mö! ;glich ist. Über 60 Experimente wurden in einer Ausstellung präsentiert und online veröffentlicht. Das Smartphone-Konzept wurde anschließend auf alle Fächer an der Schule erweitert.

Heinz-Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, betonte die hohe Bedeutung von Team-Arbeit in den ausgezeichneten Unterrichtsprojekten: „Einerseits müssen in den einzelnen Fächern die Wissensgrundlagen gelegt werden, andererseits sollen die Schülerinnen und Schüler anschließend auch erfahren, dass man heutzutage Herausforderungen und Probleme nur meistern kann, wenn man möglichst viele Aspekte einbezieht. Vernetztes Denken und Handeln üben – dafür eignen sich an der Schule vor allem von Lehrerteams durchgeführte, fachübergreifende Projekte.“

Der zweite Preis in dieser Kategorie ging an das Team Bodil Ambrock, Stefanie Hummel, Pablo Vázquez um Projektleiter Matthias Laabs vom Luisen-Gymnasium Hamburg Bergedorf für ihr Projekt „Was braucht dieser Ort?“. In diesem fächerübergreifenden Projekt widmeten sich die Schülerinnen und Schüler der Frage “Was braucht dieser Ort?“ Dafür untersuchten sie ihren Stadtteil und entwickelten eigene Forschungsfragen. Arbeits-, Dokumentations-, Begegnungs- und Ausstellungsraum ist eine leer stehende Ladenfläche in der Alten Holstenstraße.

Der dritte Preis ging an das Team Andreas Betz, Matthias Grimm, Robin Pürschel, Andreas Steinkohl, Christoph Sümmerer, Christoph Weinhardt und Matthias Wollenhaupt um Projektleiter Andreas Deinhardt vom Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Roth für ihr Projekt „E-Car“. Dort wird nicht über E-Fahrzeuge geredet, sie werden gebaut. Gruppen von je fünf Schülerinnen und Schüler planen, fertigen, kalkulieren und präsentieren ein komplettes Elektrofahrzeug. Die Gesamtarbeitszeit beläuft sich auf ca. 400 Stunden/Person.

Darüber hinaus zeichnete die Jury noch drei weitere innovative Unterrichtskonzepte aus. Ein Sonderpreis ging nach Bayern an das Gymnasium Kirchheim in Kirchheim bei München (Volker Bast, Franz Huber, Christian Link, Angelika Matzke, Rosalinde Nürnberger, Torsten Oehl, Projektleiterin Susanne Strehlow, Tina Wefers) für das Projekt „Energetische 8samkeit“, der Sonderpreis der Wochenzeitung „Die Zeit“ nach Hessen an die Schule im Emsbachtal in Brechen (Eleonora Dubbert, Marco Fremdt, Projektleiterin Carina Merth, Helmut Zimmermann) für das Projekt „Persönlichkeitsbildung“. Den Sonderpreis der Cornelsen Schulverlage erhielt ein Pädagoginnen-Duo vom Max-Planck-Gymnasium im niedersächsischen Delmenhorst (Projektleiterin Dr. Erika Labinsky, Julia Pietyra) für die Schülerfirma „Living Library“.

Wollen Sie auch Lehrer oder Lehrerin des Jahres werden? Bewerbungen für die Wettbewerbsrunde 2017 sind ab jetzt auf www.lehrerpreis.de möglich.

Die Preisträgerin aus Ostdeutschland

Die Pädagogin Ines Weghenkel aus Luckenwalde ist als einzige Lehrerin in Ostdeutschland mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet worden. Die Deutsch- und Englischlehrerin war von ihren Schülern am Oberstufenzentrum des Landkreises Teltow-Fläming nominiert worden, teilte der Deutsche Philologenverband am Montag in Potsdam mit. Damit seien unter anderem ihr großes schulisches Engagement, ihre Hilfsbereitschaft außerhalb der Schule, die Konfliktberatung und die abwechslungsreiche Unterrichtsgestaltung belohnt worden, erklärte die Jury.

Die Pädagogin sieht ihre Schüler im Kampf an vielen Fronten, nicht nur im Klassenzimmer. Fehlende Vorbilder, Geldmangel und strukturschwache Gegenden, machten ihnen zu schaffen, sagte sie der «Märkischen Allgemeinen». «Da gibt es viele Sachen, die sie nicht verdauen», meinte sie. «Deshalb brauchen die Jugendlichen Mentoren.»

«Schüler zeichnen Lehrer aus – ein schöneres Lob kann es für Lehrkräfte kaum geben», schrieb Bildungsminister Günter Baaske (SPD) der Pädagogin in einer persönlichen Gratulation. Weghenkel gehöre zu den hochengagierten Lehrerinnen und Lehrern, «die die Schülerinnen und Schüler da abholen, wo sie stehen, sie fördern, unterstützen und auf ihrem Weg begleiten.» dpa

 

 

6 Kommentare

  1. Tja…anscheinend gibt es nur ausgezeichnete Lehrer an weiterführenden Schulen und zu Hauf an Gymnasien.
    Bauchpinselei auf hohem Niveau.

    • Nee, aber da kann ich als Interessierter die Schülerschaft aufforden eine schriftliche Eingabe an die Jury zu machen. Versuchen Sie das einmal mit Hauptschulempfohlenen:)

  2. „….der seit 2009 jährlich von der Vodafone Stiftung Deutschland und dem Deutschen Philologenverband durchgeführt wird.“
    Den Preis vergibt die Voadfone Stiftung zusammen mit dem deutschen Philologenverband und der sieht sich als Vertretung der Lehrkräfte der Schularten, die zum Abitur führen. Das sind also nicht die Lehrer des Jahres aller Schularten, sondern eben die obige Lehrergruppe. Vielleicht sollte man das einmal in der Definition richtig stellen, denn wenn der Titel so lautet, dann ist er irreführend und nicht wahrheitsgemäß.

  3. Bla bla bla, die Lehrere/innen die am meisten mit der Integration von Flüchtlingskindern zu tun haben, hat man leider vergessen: Grund, – soweit noch vorhanden Haupt – und Gemeinschaftsschullehrer/innen.

  4. Stefan Hierholzer

    Ich möchte das an dieser Stelle einmal richtig stellen, weil ich auch erst dachte ahja ne ist klar hauptsache mal gymnasium weil ist ja sooooo toll. also habe ich den juryvorstand gefragt wie das denn so ist.
    Fehlanzeige dieses Mal waren zu seinem Bedauern schlicht keine Zuschriften von bspw. Förderschulen dabei die er sich so gewünscht hatte. Obwohl es der Philologenverband ausrichtet sind bei weitem nicht nur die „oberen 10.00 dabei“
    also motiviert eure schüler_innen mit zu machen macht den preis bekannter und dann werden auch andere schulformen weiter gepushed.

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