BERLIN. Viele Hundert Schulleiterinnen und Schulleiter in Deutschland haben sich mit dem Ende des Schuljahres in den Ruhestand verabschiedet. Sie haben Schulen über Jahrzehnte geprägt und einen Wandel erlebt, wie ihn das Bildungssystem zuvor kaum kannte. Drei von ihnen haben kurz vor ihrem Abschied Bilanz gezogen. Obwohl sie an unterschiedlichen Schulformen und in verschiedenen Bundesländern gearbeitet haben, zeichnen ihre Erfahrungen ein erstaunlich einheitliches Bild davon, wie sich Schule verändert hat – und wo ihre größten Herausforderungen heute liegen.

Als sie ihren Dienst antraten, war Schule vielerorts noch erstaunlich überschaubar. Digitalisierung spielte keine Rolle, Inklusion war kein bildungspolitisches Leitbild, Ganztagsschulen waren eher die Ausnahme als die Regel. Migration stellte Schulen längst nicht vor dieselben Aufgaben wie heute, Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter gehörten vielerorts nicht selbstverständlich zum System. Lehrkräfte unterrichteten, Schulleitungen organisierten den Schulbetrieb. Heute sollen Schulen weit mehr leisten: Sie vermitteln Bildung, fördern individuell, integrieren, begleiten, erziehen und fangen zunehmend auch gesellschaftliche Probleme auf.
Für viele Hundert Schulleiterinnen und Schulleiter in Deutschland endet in diesen Wochen ein Berufsleben. Nach drei oder vier Jahrzehnten im Schuldienst verlassen sie ihre Schulen – und mit ihnen eine Generation, die den wohl tiefgreifendsten Wandel des deutschen Bildungssystems seit den 1990er Jahren erlebt und mitgestaltet hat.
Wie sehr sich der Beruf verändert hat, beschreiben drei Schulleiter exemplarisch: Klaus Amann, der nach 35 Jahren am Salvatorkolleg im baden-württembergischen Bad Wurzach in den Ruhestand gegangen ist, Martin Pohlmann-Strakhof, der nach 34 Jahren die Wessenberg-Schule in Konstanz verlässt, und Klaus Stephan, der nach 30 Jahren im Schuldienst die Leitung der Lise-Meitner-Gesamtschule in Duisburg abgibt. Ihre Schulen unterscheiden sich erheblich – Gymnasium, berufliche Schule und Gesamtschule. Ihre Bilanz dagegen fällt in vielen Punkten erstaunlich ähnlich aus.
Als Klaus Amann 1991 seinen Dienst am Salvatorkolleg begann, sei Schule zunächst über Jahre hinweg vergleichsweise konstant geblieben, sagt er gegenüber der Schwäbischen. Erst die ersten PISA-Ergebnisse hätten das System grundlegend verändert. Seitdem gehe es nicht mehr allein darum, Wissen anzuhäufen, sondern es anzuwenden, Zusammenhänge zu erkennen und begründete Entscheidungen zu treffen.
Mit dieser Entwicklung verbindet sich bis heute ein Vorwurf, den Amann entschieden zurückweist: Das Abitur werde immer leichter. Das sei, sagt er, „Quatsch“. Wer behaupte, heutige Abiturienten hätten es einfacher, „vergleicht Äpfel mit Birnen“. Die Anforderungen hätten sich verändert, nicht verringert. Heute gehe es stärker darum, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und daraus Schlüsse zu ziehen. „Aber das macht es nicht leichter.“ Auch die häufig angeführten besseren Abiturnoten seien kein Beleg für sinkende Anforderungen. Weil zugleich die Zulassungsgrenzen vieler Studiengänge gestiegen seien, helfe ein besserer Notendurchschnitt den Jugendlichen oft weit weniger, als allgemein angenommen werde.
„Man muss Schule zunehmend vom Schüler her denken und fragen: Was braucht er, damit er in unserem System zurechtkommt?“
Mindestens ebenso stark wie der Unterricht hat sich nach Amanns Beobachtung die Schülerschaft verändert. Migration und soziale Unterschiede spielten heute eine deutlich größere Rolle als zu Beginn seiner Laufbahn. Besonders während der Corona-Pandemie sei sichtbar geworden, wie unterschiedlich die Voraussetzungen seien, mit denen Kinder in die Schule kommen. Manche Familien konnten ihre Kinder intensiv unterstützen, andere kaum.
Für Amann folgt daraus eine grundlegende Veränderung pädagogischen Handelns. „Man muss Schule zunehmend vom Schüler her denken und fragen: Was braucht er, damit er in unserem System zurechtkommt?“ Gerade darin sieht er eine der wichtigsten Aufgaben moderner Schulen. Zugleich bewertet er die größere gesellschaftliche Vielfalt ausdrücklich positiv. Es sei ein Gewinn, wenn Kinder unabhängig von ihrer sozialen Herkunft oder ihrer Familiengeschichte den Weg aufs Gymnasium fänden.
Doch dieser Anspruch hat seinen Preis. Schulen übernehmen immer mehr Aufgaben, ohne dass ihre Ausstattung im gleichen Maße mitgewachsen wäre. Amann verweist auf die Digitalisierung, deren Finanzierung vielerorts ungewiss sei. Noch grundsätzlicher sei jedoch der Mangel an Unterstützungssystemen. Bildung und Erziehung gehörten gleichermaßen zum Auftrag der Schulen. Für den wachsenden Erziehungsauftrag fehlten jedoch oft die notwendigen Ressourcen. Eigentlich müssten Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter „an jeder Schule Standard sein“, sagt er.
Das auch für berufliche Schulen, die wie kaum eine andere Schulform die gesellschaftliche Vielfalt abbilden. Martin Pohlmann-Strakhof hat sein gesamtes Berufsleben an der Wessenberg-Schule in Konstanz verbracht. Als junger Lehrer kam er vor 34 Jahren zu der kaufmännischen Schule, später wurde er Schulleiter und schließlich geschäftsführender Schulleiter aller sieben beruflichen Schulen im Landkreis Konstanz. Dass ausgerechnet ein Germanist und Historiker eine kaufmännische Schule leitete, erscheint ihm rückblickend fast ungewöhnlicher als der Weg selbst.
Was ihn an beruflichen Schulen immer fasziniert habe, sei ihre besondere Zusammensetzung gewesen. „Es ist einer der letzten Orte, an denen die ganze Breite der Gesellschaft zusammenkommt“, sagt er gegenüber dem Südkurier. Jugendliche, die einen Hauptschulabschluss nachholen, lernen dort ebenso wie Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zum Einser-Abitur am Wirtschaftsgymnasium. Für Lehrkräfte bedeute das, sich immer wieder auf neue Voraussetzungen einzustellen. Pohlmann-Strakhof: „Jede Klasse braucht die passende Ansprache, die passende Art der Wissensvermittlung.“
„Die Zeiten, in denen Lehrkräfte nur Einzelkämpfer im Unterricht sind, sind vorbei“
Gerade diese Vielfalt habe seinen Blick auf Schule geprägt. Anders als früher lasse sich Unterricht heute kaum noch nach einem einheitlichen Muster gestalten. Unterschiedliche Bildungsbiografien, unterschiedliche Erwartungen und unterschiedliche Lebenswirklichkeiten verlangten nach größerer Flexibilität – nicht nur im Unterricht, sondern auch in der Organisation einer Schule.
Damit habe sich auch die Rolle der Schulleitung verändert. Lange Zeit gestalteten Lehrkräfte ihren Unterricht weitgehend unabhängig voneinander. Dieses Modell passe heute nicht mehr. „Die Zeiten, in denen Lehrkräfte nur Einzelkämpfer im Unterricht sind, sind vorbei.“ Schule funktioniere nur noch als Gemeinschaftsaufgabe. Deshalb habe er auch die Schulleitung bewusst als Team organisiert und den Austausch im Kollegium gefördert. „Ich habe mich immer als Sprecher und erster Interessenvertreter verstanden.“
Auch nach mehr als drei Jahrzehnten fällt seine Bilanz bemerkenswert positiv aus. „Keinen Tag habe ich meine Berufswahl bereut“, sagt Pohlmann-Strakhof. Lehrer zu sein bedeute, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten und sich dabei selbst ständig weiterzuentwickeln. Genau das sei für ihn über all die Jahre die eigentliche Konstante geblieben – obwohl sich Schule in fast allen anderen Bereichen grundlegend verändert habe.
Kaum jemand beschreibt diesen Wandel eindringlicher als Klaus Stephan. Nach 30 Jahren im Schuldienst, davon 13 als Leiter der Lise-Meitner-Gesamtschule in Duisburg-Rheinhausen, verlässt auch er in diesem Sommer seine Schule. Was ihm von diesen Jahrzehnten besonders in Erinnerung geblieben ist, sind weniger organisatorische Herausforderungen als die Begegnungen.
„Ich war oft als Mensch gefragt“, sagt Stephan rückblickend laut einem Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Hinter vielen Gesprächen hätten keine dienstlichen Fragen gestanden, sondern persönliche Krisen, familiäre Probleme oder Schicksalsschläge. Nicht selten sei es darum gegangen, Schülerinnen und Schülern, Eltern oder auch Lehrkräften zuzuhören und ihnen Halt zu geben. Schule sei längst zu einem Ort geworden, an dem gesellschaftliche Entwicklungen unmittelbar sichtbar würden.
Wie sehr sich die Anforderungen verändert haben, macht Stephan an ganz konkreten Beispielen fest. Nach der Debatte über die sogenannten Remigrationspläne von Rechtsextremen seien viele zugewanderte Jugendliche verunsichert gewesen. Die Schule reagierte mit einer Arbeitsgemeinschaft und einer Plakataktion, um deutlich zu machen, dass alle Schülerinnen und Schüler willkommen seien. Mit dem Angebot islamischen Religionsunterrichts habe die Gesamtschule zudem bewusst ein gleichberechtigtes Angebot neben den etablierten Religionsfächern geschaffen. Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte seien nicht nur wegen ihrer Fächer eingestellt worden, sondern auch als Vorbilder für junge Menschen.
Für Stephan sind das keine zusätzlichen Projekte neben dem Unterricht. Sie gehören inzwischen zum Selbstverständnis vieler Schulen. Gleichzeitig wächst damit die Verantwortung der Lehrkräfte weit über die Vermittlung von Wissen hinaus.
„Wir sind ganz schlecht in frühkindlicher Bildung, weil viele erst mit fünf Jahren in die Kita gehen“
Besonders deutlich werde das für ihn an den Bildungsbiografien vieler Kinder. Wenn er einen Wunsch für das Bildungssystem frei hätte, dann würde dieser nicht bei den weiterführenden Schulen beginnen, sondern viele Jahre früher. „Wir sind ganz schlecht in frühkindlicher Bildung, weil viele erst mit fünf Jahren in die Kita gehen.“ Was dort versäumt werde, komme später in den Schulen an. Viele Fünftklässler seien mit elementaren Fähigkeiten wie dem Binden von Schnürsenkeln oder dem Umgang mit einer Schere überfordert.
Zugleich gingen beim Wechsel von der Kita in die Grundschule und später auf die weiterführende Schule immer wieder wichtige Informationen verloren. Für Stephan ist das kein Versagen der Kinder – sondern eine Schwäche des Systems.

Seine Konsequenz daraus fällt bemerkenswert optimistisch aus. „Kinder sind nicht dumm“, sagt er. Entscheidend sei, ihre Entwicklung in den Blick zu nehmen und nicht vorschnell ihre Abschlüsse oder Defizite zu bewerten. Die Lise-Meitner-Gesamtschule sei dafür ein gutes Beispiel. Von rund 150 Kindern, die jedes Jahr aufgenommen würden, bringe etwa ein Drittel eine Gymnasialempfehlung mit, ein Drittel eine Hauptschulempfehlung und das restliche Drittel liege dazwischen. „Dabei haben wir hier zum Start eine bunte Tüte.“ Trotzdem machten am Ende durchschnittlich rund 80 Schülerinnen und Schüler Abitur.
Woran misst ein Schulleiter den Erfolg seiner Arbeit? Für Klaus Stephan sind es nicht in erster Linie gute Abiturnoten oder prominente Karrieren. Zwar haben Schülerinnen und Schüler seiner Schule später in der Bundesliga gespielt oder an Olympischen Spielen teilgenommen. Besonders in Erinnerung geblieben seien ihm jedoch die Jugendlichen, mit denen Schule besonders schwer gewesen sei.
Mit manchen habe die Schule gemeinsam mit Eltern, Jugendhilfe oder Polizei neue Perspektiven entwickeln können. Andere seien trotz aller Bemühungen in die Kriminalität abgerutscht. Wieder andere seien mit Kriegserfahrungen und schweren Traumata nach Deutschland gekommen. Gerade diese Begegnungen hätten ihm vor Augen geführt, wie unterschiedlich die Voraussetzungen seien, mit denen Kinder und Jugendliche heute in die Schule kämen. Wer nach Flucht und Krieg zunächst therapeutische Hilfe brauche, werde im Schulalltag dennoch häufig an denselben Leistungsmaßstäben gemessen wie seine Mitschülerinnen und Mitschüler.
Seine Botschaft an künftige Schulleitungen ist ebenso schlicht wie zeitlos: „Sie sollten ein hohes Maß an Verlässlichkeit und Ruhe ausstrahlen – die Zeiten sind unruhig genug.“ News4teachers
Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats Beruf Schulleitung.










„Auch die häufig angeführten besseren Abiturnoten seien kein Beleg für sinkende Anforderungen.“
Das soll wohl die These sein.
„Weil zugleich die Zulassungsgrenzen vieler Studiengänge gestiegen seien, helfe ein besserer Notendurchschnitt den Jugendlichen oft weit weniger, als allgemein angenommen werde.“
Und auf welchem Planeten ist DAS (der Satz direkt danach) jetzt ein die These stützendes Argument?
In der Welt, die man gedanklich oder zumindest geäussert leben muss,um SL oder mehr zu werden.
Simple Logik:
Je hochrangiger die Interviewpartner, desto mehr Elfenbeinturmzustimmung – sonst WÄREN sie nicht hochrangig.
Das heißt im Umkehrschluss: Je weniger Verantwortung – umso schlauer? Das glauben Querdenker auch…
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Nee, das ist zu platt – was Sie ja auch wissen.
Je weniger „Verantwortung“ (zweifelhafte Gleichsetzung mit Hierarchieposition an der Stelle mal geschenkt) desto weniger besteht die Gefahr, dass man sich „dem Amt entsprechend“ zurückhaltend und relativierend bezüglich der Probleme in der Praxis äußert.
Der Umkehrschluss ist nicht valide. Es hat nichts mit Intelligenz zu tun, “ umso schlauer“, sondern: Je mehr im Unterricht beteiligt, desto weniger Zustimmung zu den genannten Thesen. Auch mich würde interessieren, ob es das Kollegium des Schulleiters genauso sieht wie er.
Falsche Äquivalenz.
Mein Sohn hat gerade die Mittlere Reife (in BW) hinter sich gebracht. Er meinte, die Anforderungen in den Abschlussprüfungen waren geringer als in den Klassenarbeiten. Im Fach Deutsch hätten Rechtschreibung und Grammatik in den Pflichtteilen überhaupt nicht gezählt, im Aufsatzteil nur in Nuancen. Im Prinzip konnte er schreiben, wie er wollte – das kam ihm sehr gelegen, er ist alles andere als ein Rechtschreib-Ass.
Irgendwo beißen sich doch die Aussagen der Schulleiter und die der Universitäten und Ausbildungsbetriebe. Wenn die Anforderungen, auch im Abitur, nicht immer weiter sänken, woher kommen dann die Aussagen über immer mehr Absolventen, die nach der Schule die Basics nicht mehr beherrschen? Wo liegt der Missstand?
„Woher kommen dann die Aussagen über immer mehr Absolventen, die nach der Schule die Basics nicht mehr beherrschen?“
Die Aussagen sind so alt wie die Menschheit. Und: Sie dienen auch der Legitimation eigener Unzulänglichkeiten – es ist immer der schuld, der vorgearbeitet hat. (Unis vs. Gymnasien, Gymnasien vs. Grundschulen, Grundschulen vs. Kitas usw.)
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ist also die Aussage falsch oder müssen wir nur die Schuld anderen zuschieben, dann stimmt‘s wieder?
Die Aussage ist mit Vorsicht zu genießen. Herzliche Grüße Die Redaktion
„Schuld“ ist da relativ. Es ist eben ein durchgängiges Mangelsystem.
Primär Schuld ist die Systematik und die unzureichende Förderung und Stellung zu weniger Ressourcen mit schlechten Rahmenbedingungen.
Aber dadurch zieht sich das eben durch und „immer die vorherige Instanz“ ist „Schuld“.
Sollte man auch nicht allzu „persönlich nehmen“. Das ist systemisch so geprägt halt.
D. H. Wenn ein Kind im Bereich Mathematik noch den Stand der 2. Klasse hat und in Deutsch der 3. Klasse, dann werde ich bspw. in der 6. Klasse das nicht komplett „ausbaden“ können.
Ist dann halt so. Muss man sich leider auch bewusst machen und damit umgehen (lernen).
Ansonsten wird man sehr schnell vom System eingeholt und landet im Dauerfrust.
Was wäre sinnvoll? Naja „von unten nach oben“ ein tragendes System zu haben.
Primärfaktoren:
– Personal
– Zeit
– Wissen
– Raum
– Materialien / „Möglichkeiten der Umsetzung“
– „SuS-LuL-Teiler“/“Kind-EuE-Teiler“
Wird leider unzureichend gemacht.
In einem optimalen System würden Kinder meines Erachtens nach schon ab ca. 4 Jahren das Lesen lernen. Warum? Weil die meisten in dem Alter die Kapazität, das Interesse und den „Flow“ aufweisen. Warum nicht nutzen?
Bei dem Mangelsystem und Stresssystem verstehe ich allerdings, dass das vielerorts schlichtweg nicht möglich ist.
So übe ich in der weiterführenden Schule halt noch durchaus Dinge wie „nicht Buchstabe für Buchstabe zu lesen“. Oder „wie öffne ich eine Türe, betrete den Raum nahezu lautlos, schließe die Türe und setze mich ruhig und leise hin“. Oder „wie trage ich einen Stuhl, statt ihn durch den Raum zu zerren“.
Sind eigentlich keine Sachen, welche man in den Jahrgängen als „Basics“ lernen müsste … Ist aber halt so. Wichtig ist es.
Machen die Kids dann auch mit, kein Stress. Kostet halt dann Zeit – ist aber sinnvoll investiert. Für aller Nerven.
@Canishine
„Die Aussagen sind so alt wie die Menschheit.“ meint (nicht nur) @Redaktion, je nach Windrichtung wird das immer gerne angeführt (die alten Griechen ect ect …).
„Die Menschheit“ gibt es schon recht lange.
…
Ergo:
1) Lasse reden.
2) Alle.
😉
Wenn Universitäten anmerken, dass bei Studenten zunehmend einfachste Fähigkeiten nicht vorhanden sind und dies messbar belegbar ist – würde ich da ERSTMAL überhaupt keine Ausrede sehen (ausser es wären pädagogische Seminare —> geliefert wie bestellt in dem Fall).
Denn Universitäten können nicht beeinflussen, was an Schulen geschieht.
Genau so wenig, wie ich beeinflussen kann, dass Fünftklässler von Grundschule X bei uns fast alle Abi machen und die von Y sehr, sehr stark oft negativ auffallen.
Denn weder ich noch „meine“ Schule kann Grundschulen irgendwas vorschreiben.
„… und dies messbar belegbar ist…“
Ist es aber nicht. Weil nicht mal klar ist, was studienrelevante „einfachste Fähigkeiten“ zu Studienbeginn überhaupt sein sollen. Brückenkurse gab es schon in den 1970-er Jahren.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Man kann sich die Lage also auch ohne Alkohol schöntrinken.
Aber mit macht mehr Spaß
Heißt aber auch „doppelt Kopfweh“ … erst von der Realität – dann vom Schnappes!
Wo nix inne Birne is, kann auch nix wehtun. Der „horror vacui“ ist schmerzfrei
„„Wir sind ganz schlecht in frühkindlicher Bildung, weil viele erst mit fünf Jahren in die Kita gehen.“ Was dort versäumt werde, komme später in den Schulen an. Viele Fünftklässler seien mit elementaren Fähigkeiten wie dem Binden von Schnürsenkeln oder dem Umgang mit einer Schere überfordert.
Zugleich gingen beim Wechsel von der Kita in die Grundschule und später auf die weiterführende Schule immer wieder wichtige Informationen verloren. Für Stephan ist das kein Versagen der Kinder – sondern eine Schwäche des Systems.“
Da bin ich komplett bei Herrn Stephan.
Sprachentwicklung vergisst er noch zu erwähnen. Kinder, die mit fünf Jahren große Defizite haben, werden eingeschult, obwohl sie dem Unterricht gar nicht folgen können bzw. sich selbst adäquat artikulieren können.
Und was die Weitergabe von Informationen angeht, hat er auch recht. Es gibt wohl Verantwortliche, die meinen, Probleme würden sich bei einem Wechsel von Kita zur Grundschule bzw. Grundschule zur weiterführenden Schule in Wohlgefallen auflösen, so dass sie aus der Verantwortung raus sind. Anders kann ich mir das nicht erklären. Tatsächlich habe ich es so oft erlebt, dass gewisse Kinder so große Probleme hatten, wenn sie zu uns in die 5. Klasse kamen, dass klar war, dass diese bereits seit längerer Zeit bestanden haben mussten. Nur wusste niemand etwas davon, weil die Informationen nicht weitergegeben worden waren.
Hat man gewisse Informationen, kann man das bei der Zusammensetzung von Klassen berücksichtigen oder im Vorfeld mit den Betroffenen sprechen und/oder bereits Hilfen beantragen usw. Gerade beim Wechsel von Kita zu Grundschule ist das mMn elementar. Je jünger die Kinder sind, desto besser kann man gegensteuern. In den weiterführenden Schulen ist es nämlich oft zu spät. Da sind die Kids im Normalfall 10, einige aber schon 11 und einige sogar bereits 12 Jahre alt.
Wir haben als GS schon immer einen guten Kontakt zu den weiterführenden Schulen im Ort. Üblicherweise treffen wir uns vor der Klassenbildung und geben Infos zu unseren Kindern. Leider ist es aber so, dass immer mehr Eltern keine Freigabe für diese Gespräche erteilen, damit „das Kind unbelastet starten kann“.
… und die komplette Schülerakte auch nicht weitergegeben wird – außer die Stammdaten.
Mit den Zeugnissen…..also die bereinigte Akte.
… eben, alles „unbeschriebene Blätter“.
Und damit ist nicht der Akteninhalt gemeint
Bei uns ist das leider nur bei einigen Grundschulen so. Und so gibt es oft böse Überraschungen.
Außerdem hängt es ja auch von der Größe der Orte und das Einzugsgebiet ab, ob solche Gespräche vorher möglich sind, denn je mehr Grundschulen abgeben, desto schwieriger wird da die Koordination.
Es würde ja reichen, wenn man wüsste, dass ein Kind eine Schulbegleitung hat, dass es gerade erst umgezogen ist, gerade erst aus der DaZ-Klasse an der XYZ-Schule zu uns wechselt usw.
Es gibt Grundschulen, die sehr kooperativ sind, andere leider gar nicht.
Und was den Übergang von der Kita zur Grundschule angeht, sieht es doch nicht besser aus, oder?
Beim Übergang 4/5 treffen sich bei uns im Landkreis alle abgebenden GS- Klassenlehrer/innen so 6 Wochen vor den Wechseln mit den aufnehmenden wfS und regeln die besonderen Fälle! Da wird auch vorher niemand gefragt oder informiert…wir machen das seit Jahren so! Passt!
Nur die Kitas sind da problematisch, leider… und die dokumentieren auch nicht sauber und umfassend!
„Da wird auch vorher niemand gefragt oder informiert…“. Nee, den Stress tue ich mir nicht an. Wenn die neue Schule keine Freigabe hat, werde ich den Teufel tun und trotzdem über das Kind reden. Wenn Eltern das rausbekommen (und das werden sie), hat man ratz-fatz eine Klage am Hals.
Nicht zwingend. Ich kenne auch Schulen in unserem Einzugsgebiet, die das „unter der Hand“ so machen. Am Ende erfährt von außen niemand, was bei diesen Gesprächen übermittelt wird. Wenn 10 Kinder besprochen werden und „aus Versehen“ über Kind 11 gesprochen wird – wie soll das rauskommen?
Das heißt nicht, dass ich das Vorgehen begrüße, aber dass man über besonders problematische Fälle informiert sein möchte und dies eventuell Einfluss auf die Klassenbildung nimmt, um Problemefelder im Vorfeld auszuschließen, verstehe ich ein Stück weit.
Hier gibt es die Viereinhalbjährigentestung und die Vorschuloption.
Ca. die Hälfte eines ersten Jahrgangs war dann an der Schule bereits in der Vorschulklasse.
Da hat man dann einigermaßen ein Bild, was so auf einen zukommt und die Klassen können dann entsprechend zusammengestellt werden.
Aber lückenlos ist so ein System nie.
Wo ist denn hier?
Da, wo ich arbeite, ist das nicht so.
Es ist ja schön, dass es Orte gibt, an denen das alles kein Problem gibt, bei uns ist es aber so, wie Herr Stephan es beschreibt.
Und ich glaube auch, dass das ein Problem ist.
Nachtrag: Ja, die Eltern sind da wirklich ein Problem! Sie denken oft, dass die GS schuld an den besonderen Verhaltensweisen wäre.
Ich finde, es ist an der Zeit solche Entscheidungen zu verbieten. Der Datenschutz ist so oft eine echte Bürde in unserem Metier.
Manchmal ist auch einfach die Schule „das Problem“. Wir haben explizit angefragt und um Weitergabe der Informationen gebeten (in BW) – dies wurde aber aus Datenschutzgründen abgelehnt. Begründung für unseren Wunsch: Wir möchten nicht wieder bei Null anfangen.
Halt wie immer fallabhängig.
Natürlich merkt man, „wo es im Schnitt“ besser läuft und wo nicht.
Uns muss man gar keine SuS-Akten vorlegen als Privatschule. Das entscheiden die staatlichen Regelschulen jeweils. Allerdings ist eben die Aufnahme ohne „Wissen“ dann auch so eine Sache … Können wir dann halt auch ablehnen ggf.
Wir selbst müssen alles an Regelschulen weitergeben.
Meistens bekommen wir jedoch die SuS-Akten (mit Inhalt).
Ab und an auch ein Empfehlungsschreiben (von Lehrkräften).
Sicherlich drei wertvolle Meinungen. Warum gibt es keine Stimme aus dem Osten der Republik?
Auch keine aus dem Norden – nu? Herzliche Grüße Die Redaktion
Tatsächlich hatte ich mich auch gefragt, wie die Auswahl der drei scheidenden Schulleiter erfolgt ist.
Erstmal: super, dass Sie hier dem Bodenpersonal ohne Verbandshintergrund (?) eine Stimme geben.
Beim nächsten mal wäre es toll, wenn Ihre Wahl dann vielleicht auf aktive Frontschweine fiele, die sicherlich weniger altersmilde und versöhnlich, dafür etwas weniger erwartbar antworten würden.
Tja, …so ist das heute immer öfter:
Irgendjemand hat halt immer was zu kritisieren und zu meckern.
Die ewige Unzufriedenheit…
Da ändert auch ein voran geschicktes Lob nichts dran.
Am Mathe in Bayern:
Objektiv feststellbar ist:
Der Abiturstoff ist deutlich weniger geworden, hier hat eine Erleichterung statt gefunden.
Behauptung der Bildungspolitikerparodien:
Weil wir Kompetenzen abprüfen ist der Schwierigkeitsgrad gleich geblieben, weil jetzt nicht mehr eine Stoffmenge abgefragt wird, sondern Zusammenhänge.
Meine subjektive Meinung dazu:
Der Schwierigkeitsgrad ist eher gestiegen. Nicht wegen Fachfragen, sondern weil die Kompetenzfetischisten unfähig sind, fachlich klare Anforderungen zu kommunizieren. Die Schüler können daher nicht mehr das Fach lernen, sondern müssen Ratekompetenz entwickeln. Sie müssen lernen (im nüchternen Zustand) zu erraten, was sich ein Kompetenzquarkknödel bei einer „Sachbezugsaufgabe“ zusammenphantasiert hat.
Vielen Dank für den Artikel, indem drei Schulleiter aus ganz verschiedenen Schularten zu Wort kommen.
Auch die Hervorhebung einzelner Aspekte:
spricht mich – selbst ehemaliger Schulleiter – sehr an. Hier wird quasi als Quintessenz in diesem Artikel ein Bild neu gedachter Schule entwickelt. Teamarbeit ist heute unerlässlich, Entscheidend sind die frühen Jahre der Kindheit (wenn ich an die neuen KI-Kuscheltiere denke, wird es mir ganz schummerig). Schüler/innen als Subjekt mehr in den Mittelpunkt rücken, auch das ist ja eine alte These, immer aktuell.
Wir sehen, wie viele so engagierte Pädagogen arbeiten und mit Herzblut bei der Sache sind: am Schüler/ an der Schülerin.
Versuchen wir ganz klar zu sehen, dass es eine sehr große Bewegung braucht, um in Zukunft die nötigen Mittel (BRD, Land, Kommunen) zu haben, um den großen Anforderungen gemäß, GUTE Schule zu machen. Leider werden derzeit die Ressourcen für andere Bereiche zweckentfremdet. Lasst uns da immer wieder den Finger in die Wunde legen!
Vielen Dank und Gruß an die Schulleiterkollegen, die in den verdienten Ruhestand gehen. Und vielen Dank an die Redaktion.
Axel Weinstein