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Lehrermangel: GEW fordert, sich von der Ausbildung nach Schulformen zu verabschieden – um flexible Stufenlehrer zu bekommen (alle mit A13)

MÜNCHEN. Das bayerische Kultusministerium versucht, mit der Verschärfung von Teilzeit- und Frühpensionsregelungen dem akuten Lehrermangel vor allem in den Grundschulen Herr zu werden – und ruft damit die GEW auf den Plan. Die Gewerkschaft zeigt sich nach eigenen Angaben „irritiert“ über die Maßnahmen – und fordert stattdessen, die Zweitqualifizierung für Lehrkräfte anderer Schulformen zu verbessern, die vor allem im Gymnasium nicht unterkommen und jetzt ins Grundschullehramt wechseln. Überhaupt sieht die GEW die Ausbildung von Lehrkräften nach Schulformen kritisch – sie nimmt die aktuelle Situation zum Anlass, um die Ausbildung von Stufenlehrkräften, die flexibel in mehreren Schularten einsetzbar wären, zu fordern. –

Sollten Lehrkräfte schulformübergreifend ausgebildet werden? Foto: Fabio Gismondi / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Sollten Lehrkräfte schulformübergreifend ausgebildet werden? Foto: Fabio Gismondi / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Der Lehrermangel in Deutschland bringt immer mehr Kultusministerien in die Bredouille. Neueste Blüte: Wegen der Bewerberflaute an Grund- und Mittelschulen in Bayern dürfen viele Pädagogen dort zunächst nicht mehr in Frühpension gehen. Entsprechende Anträge für Februar 2018 sollen nicht genehmigt werden, wie ein Sprecher des Kultusministeriums mitteilte. Auch in anderen Bundesländern macht sich langsam Verzweiflung breit: Berlin hat bereits angekündigt, neue Grundschullehrkräfte künftig nach A13 bezahlen zu wollen (bekommt dafür aber Ärger mit den altgedienten Kollegen). Hessen und Nordrhein-Westfalen haben Pensionäre angeschrieben, um sie für den Schuldienst zurückzugewinnen – offenbar mit wenig Erfolg. Der Anteil von Seiteneinsteigern, Menschen also ohne pädagogische Ausbildung, wächst bundesweit.

Dass in Bayern nun verstärkt Lehrkräfte aus anderen Schulformen (vor allem Gymnasialpädagogen) in die Grundschulen kommen sollen, sieht die GEW kritisch – angesichts der zwar angebotenen, aber aus ihrer Sicht unzureichenden Kurzqualifizierung für die Primarstufe. „Die Unterrichtsqualität kann sinken, weil die Kolleginnen und Kollegen, die sich einer Zweitqualifizierung aussetzen nicht vernünftig weitergebildet werden“, so teilt die Gewerkschaft in einer Pressemitteilung mit. Und schiebt nach, um Missverständnisse zu vermeiden: „… und nicht weil Kolleginnen und Kollegen mit einem Schnitt von 3,5 eingestellt werden“ (was offenbar geschieht).

Der Lehrermangel in Deutschland wird langsam dramatisch: Bayern verbietet vielen Pädagogen, in Frühpension zu gehen

„Wie sollen in fünf Fortbildungsnachmittagen bzw. in zwei Basisveranstaltungen die Grundschulpädagogik, -didaktik und -methodik und die Grundlagen des Erstunterrichts auch nur einigermaßen sinnvoll vermittelt werden?“, fragt rhetorisch das Mitglied des Hauptpersonalrats, Ruth Brenner. „Bei einer Vollzeitunterrichtsverpflichtung frage ich mich zudem, wie Hospitationen möglich sein sollen.“

Die GEW fordert daher den bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) „mit Nachdruck“ auf, „die unmöglichen Rahmenbedingungen der Zweitqualifizierungen (Grund-, Mittel- und Förderschule) zu verbessern.“ In von der GEW bereits auf den Weg gebrachten Petitionen an den Bayerischen Landtag fordert sie unter anderem eine Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung, damit eigene Seminare für Nachqualifizierer und eine sinnvolle Hospitation möglich sind. „Den jungen Kolleginnen und Kollegen muss hier eine Perspektive geboten werden“, so heißt es.

GEW bietet Kultusministern gemeinsames Vorgehen gegen Lehrermangel an – Tepe: „Die Situation geht auf die Knochen der Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen“

Um den Lehrermangel auf Dauer eindämmen zu können, muss laut GEW darüber hinaus eine besondere Maßnahme angegangen werden.  „Eine langfristige Lösung zur Bekämpfung des Lehrerinnen- und Lehrermangels streben wir über die Ausbildung von Stufenlehrkräften an, die in mehreren Schularten einsetzbar wären  – verbunden mit dem gleichen Eingangsgehalt A 13“,  sagt Johannes Schiller, Hauptpersonalrat der GEW. (Nach Stufen, also faktisch als Gesamtschullehrer,  sollten Lehrkräfte beispielsweise in Schleswig-Holstein ausgebildet werden; die CDU dort hatte allerdings vor ihrem Wahlsieg angekündigt, das Modell noch vor Einführung kippen zu wollen.)  „Kurzfristig sollten der Lotsendienst und die externe Evaluation ausgesetzt werden“, meint Schiller. Damit wären mehrere hundert Stellen für den Unterricht an Grund-, Mittel- und Förderschulen frei.“ So  könne das Kultusministerium darauf verzichten, den Kolleginnen und Kollegen „ihren wohlverdienten Ruhestand um ein halbes Jahr hinauszuzögern“. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

17 Kommentare

  1. Zitat:
    „sie nimmt die aktuelle Situation zum Anlass, um die Ausbildung von Stufenlehrkräften, die flexibel in mehreren Schularten einsetzbar wären, zu fordern.“

    Und was soll das für den Grundschullehrermangel bringen? Dieser Ansatz ist höchstens für weiterführende Schulen interessant, da es dort in verschiedenen Schularten ähnliche Stufen gibt.

    • Ihrem Zitat geht dieser Satz voran: „Überhaupt sieht die GEW die Ausbildung von Lehrkräften nach Schulformen kritisch – “
      Das erklärt, warum die GEW „die aktuelle Situation zum Anlass“ nimmt, ihren schon lange gehegten Wunsch nach der Ausbildung von Stufenlehrern statt Schulformlehrern in die Debatte einzubringen.
      Wer die Einheitsschule will, freundlicher gesagt: die Gemeinschaftsschule, braucht keine Lehrerausbildung für verschiedene Schulformen mehr und ist dankbar für jede sich bietende Gelegenheit, um die Ausbildung zum Stufenlehrer an „einer Schule für alle“ zu propagieren. Sie ebnet den Weg zu deren mittelfristiger Durchsetzung, denn ein gegliedertes Schulsystem geht der GEW schon lange gegen den Strich.

      Damit stellt sich wieder mal die Frage nach dem Selbstverständnis der GEW als Gewerkschaft und deren Aufgaben.

  2. Und beim Ärztemangel macht man das gleich mit: Proktologe, Zahnarzt oder Internist, alle bekommen die gleiche Ausbildung und man kann dann auch gut auf regionale Mängel reagieren!

    Wen vertritt die GEW eigentlich und welcher denkende Lehrer ist in diesem Haufen?

    • Ihre Frage stelle ich mir auch immer wieder. Ich bin schon vor ca. 10 Jahren aus dieser „Gewerkschaft“ wieder ausgetreten.

  3. Ich finde es richtig, nur noch 2 Lehrämter auszubilden – Grundschullehrer und weiterführende Lehrer. Man könnte sie ja auch wieder Unterstufen- und Oberstufenlehrer nennen.

    • Dann müssten die Grundschullehrer auch die Erprobungsstufe an weiterführenden Schulen übernehmen, also stundenweise an der eigentlichen Grundschule und an der weiterführenden Schule. Ersatzweise verlängert man die Grundschule bis auf Klasse 6, wie es in Berlin nach wie vor üblich ist.

  4. ZITAT: „Dann müssten die Grundschullehrer auch die Erprobungsstufe an weiterführenden Schulen übernehmen …“

    Warum?

    Ich hörte oft, durch die verlängerte Grundschule werden die Kinder nur länger verhätschelt und vertätschelt (wobei ich aber ein Freund des längeren gemeinsamen Lernens bin). In MeVo gehen die Klassen nach der Grundschule gemeinsam an die Orientierungsstufe der weiterführenden Schule (Klasse 5 und 6).

    Übrigens geht die Grundschule in Brandenburg auch bis Klasse 6.

    • Warum? Weil man sich zu Beginn des Studiums für eine Altersklasse entscheiden muss und ab Klasse 7 das fachliche Niveau mehr in den Vordergrund rückt.

      Abgesehen davon weiß ich nicht, wie auf diese Weise der Lehrermangel ausgeglichen werden soll, weil dann auch die angehenden reinen Sek I-Lehrer auf dem fachlichen Niveau der Sek II-Lehrer ausgebildet werden. Aus meiner eigenen Studienzeit weiß ich noch, dass die Sek I-Lehrer in den fachwissenschaftlichen Veranstaltungen auf (unterem) Sek II-Lehrer-Niveau massiv überfordert waren.

      Konkret: Eine Hauptstudiumsveranstaltung Mathematik für GHR entsprach einer abgespeckten Variante Grundstudiumsveranstaltung Mathematik für GyGeDiplom (2. Semester). Die überforderten Studenten waren auch, aber bei Weitem nicht nur die den Vorurteilen voll entsprechenden „Primi-Mäuschen“.

  5. ZITAT: „Aus meiner eigenen Studienzeit weiß ich noch, dass die Sek I-Lehrer in den fachwissenschaftlichen Veranstaltungen auf (unterem) Sek II-Lehrer-Niveau massiv überfordert waren.“

    Also wenn schon der Stoff der Sek-II-Lehrer für Sek-I-Lehrer überfordernd ist, was ist er dann erst für GS-Lehrer? Noch ein Indiz dafür, dass in den unterschiedlichen Lehrämtern Unterschiedliches gefordert und zu leisten ist und deshalb auch Gehaltsunterschiede gerechtfertigt sind.

    • In den meisten Bundesländern gibt es einen einheitlichen Studiengang für Primat- und Sekundarstufe I. Innerhalb dieses Studienganges gibt es die Schwerpunkte Primar- und Sekundarstufe I.
      Vor nicht allzu langer Zeit gab es das lehramt GHR – also für Klasse 1 bis 10.

      Die unterschiedlichen Studieninhalte von Dipl.-Ing. TU und FH oder den MAsterabsolventen vin TUs und Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind immer noch die gleichen wie ehedem, nichts desto trotz werden beide Absolventengruppen – so sie sich denn für den Staatsdienst entscheiden – in den höheren Dienst eingestuft. Lediglich Bachelor of Engeneering werden in den gehobenen Dienst in der Eingangsstufe (A9/E9) nach Abschluss des Vorbereitungsdienstes übernommen.

      Dass das bei Lehrkräften anders ist, verstößt gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz.

    • Sie sind absolut unmöglich! Als ob Sek 2 Lehrer klüger wehren als Grundschullehrer! Allein diese Aussage disqualifiziert Sie und zeigt, dass IhrE Intelligenz und Ihre soziale Qualifikation sehr unterdurchschnittlich ist!!!!

      • Es sollen bitte einmal alle Gymnasiallehrer für 4 Wochen in die Grundschule müssen und Inklusion, Integration und Kooperation mit dem Kindergarten leisten und alle Fächer unterrichten müssen, ob sie das studiert haben oder nicht. Wenn nicht, auf auf in die Fortbildungen, so wie wir auch.

  6. Da doch wohl meistens ab Klasse 5 der „Fachunterricht“ beginnt, also mehrere neue Fächer hinzukommen, finde ich es gerechtfertigt, in den zwei Varianten Unterstufenlehrer (1-4) und Oberstufenlehrer (5-12/13) auszubilden, könnte mir aber gut vorstellen, dass man für die Sek-II eine Zusatzqualifizierung braucht, aufbauend auf der Ausbildung des Oberstufenlehrers.

    • Ich finde auch, dass man für den Unterricht in Klasse 1 und 2 eine Zusatzqualifizierung benötigt, aufbauend auf dem Studium der „Allgemeinen Lehrkraft“ – natürlich mit entsprechender Honorierung.

    • Na ja. Das mit den vielen neuen Fächern sollte man in Klasse 5/6 nicht überbewerten. Bis auf kunst, sport, musik und evtl. Religion sollte jeder Lehrer jedes Fach in Klasse 5/6 unterrichten können. Religion nur, weil die Kirche etwas dagegen haben könnte. Die Angst der naturwissenschaftler um ihre Sammlung ignoriere ich dabei mal.

      • Wie gesagt sollte. Der Eindruck, dass die meisten Gymnasiallehrkräfte vor Erst- und Zweitklässlern in Schwierigkeiten gerieten, ist nicht von der Hand zu weisen.

        Beim direkten Vergleich an Gesamtschulen müssen sich Lehrkräfte mit einem Lehramt mit dem Schwerpunkt GS, die in der SekI als Fachlehrer eingesetzt werden, auch nicht hinter den Lehrkräften SekI+II verstecken. Bis Klasse 10 haben sie als Fachlehrkräfte die gleichen Rechte und Pflichtenwie die SekI+II-Kollegen. Der Fachuntericht der Inhaber unterschiedlicher Lehrämter unterscheidet sich wirklich nicht nach der Eingruppierung in höheren und gehobenen Dienst.

        Es gibt kaum ein Lehramt in NRW, das – an einer Schule, die ich gut kenne – nicht unterrichten würde.

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