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Was Erziehungsberater Eltern raten, die ihre Kinder zum Lernen motivieren wollen: Loben – und bloß nicht über Lehrer schimpfen!

BERLIN. Mit gezielter Unterstützung sollten Eltern ihre Kinder zum Lernen motivieren, sagen Erziehungsexperten. Was garantiert nach hinten losgeht: über die Schule (oder die Lehrkräfte) schimpfen. Eine Fachfrau warnt Familien vor zu viel Stress am Nachmittag.

Eltern sollten die Nachmittage entspannt angehen - raten Experten. Foto: vicki watkins / flickr (CC BY 2.0)

Eltern sollten die Nachmittage entspannt angehen – raten Experten. Foto:
vicki watkins / flickr (CC BY 2.0)

Die meisten Kinder freuen sich vor der Einschulung auf ihren neuen Lebensabschnitt. Endlich Schulkind! Aber die Umstellung von der spielerischen Kindergartenzeit zum Lernen in der Schule ist groß: Im Unterricht gilt es, aufmerksam und leise zu sein. Und ständig kommen neue Aufgaben, die gelöst und erledigt werden müssen. Ganz schön viel zu tun!

«Es ist keine Seltenheit, dass Kinder sich nach den ersten Wochen oder Monaten überfordert fühlen und eine Lernunlust entwickeln», sagt der Psychologe und Autor Fritz Jansen. Er befasst sich seit mehr als 20 Jahren mit der Lernmotivation bei Schülern. Es sei sehr wichtig, frühzeitig auf eine Lernunlust zu reagieren und die Kinder aktiv zu unterstützen.

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Im Alltag ist oft wenig Zeit für Gespräche. Doch für die Lernmotivation ist es von großer Bedeutung, dass die Kinder von ihren Erlebnissen erzählen können. Eltern sollten sich aufrichtig für die Schule interessieren und nachfragen, statt auszufragen, empfiehlt Hanna Hardeland, Lehrerin und Lerncoach aus Hamburg. Mit den Eltern das neue Wissen und die Erfahrungen zu teilen, macht Kinder stolz und schenkt ihnen Wertschätzung. «Das ist ein ganz großer Motivator!»

Motivierend ist natürlich auch Lob. Doch oft schauen Eltern bei den Hausaufgaben eher auf Fehler oder Dinge, die noch unvollständig sind. Auch wenn diese Hinweise manchmal nötig sind, braucht es daneben mindestens genauso viel Anerkennung für das, was richtig gemacht wurde. Denn: Grundschüler machen ihre Hausaufgaben noch nicht für sich selbst, sondern aus der Motivation, der Lehrkraft und den Eltern zu gefallen, sagt Jansen.

Viele Kinder sind nach der Schule müde und kaputt. «Deshalb sollte man ihnen vor den Hausaufgaben eine Pause zum Entspannen einräumen», sagt Imke Goldenstein, Lern- und Erfolgscoach aus Oldenburg. Sie empfiehlt nach dem Mittagessen eine mindestens 15-minütige Pause. «Bei Kindern, die schlecht abschalten können, ist eine Fantasiereise sehr hilfreich, um wieder runterzukommen.»

Daneben sei es aber wichtig, dass die Hausaufgaben zu einer festen Zeit im Alltagsprogramm stehen. «Das fördert die Disziplin und Arbeitsbereitschaft, am besten an einem schönen und ruhigen Arbeitsplatz, an dem das Kind sich wohlfühlt.» Mit kleinen Extras, zum Beispiel ab und zu neuen Stiften oder anderen Arbeitsmaterialien, kann die Motivation zusätzlich unterstützt werden.

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Hausaufgaben nerven, besonders wenn die anderen Familienmitglieder gerade nichts zu tun haben. Besser sei es deshalb, wenn auch die Eltern aktiv sind, sagt Hardeland. Ob Wäsche zusammenlegen oder Post erledigen: «Wenn Kinder sehen, dass die Eltern auch Aufgaben zu erledigen haben, fällt es ihnen schon etwas leichter, sich an die eigenen zu setzen.» Wenn alles erledigt ist, könne man dann gemeinsam zufrieden auf die erbrachte Leistung blicken.

Neben dem Blick auf die Leistung ist es wichtig, auch die Persönlichkeit des Kindes loben, sagt Jansen. Er rät dazu das Lob aufzuteilen: «50 Prozent für die Leistung und 50 Prozent für die Eigensteuerung.» Dafür können Eltern zum Beispiel betonen, wie aufmerksam oder geduldig das Kind bei den Hausaufgaben gewesen ist. «So lernen Kindern, dass sie nicht nur angenommen werden, wenn sie etwas leisten, sondern auch aufgrund ihres Charakters», sagt Jansen. «Das stärkt das Selbstvertrauen.»

Wenn Kinder Schwierigkeiten haben, die Hausaufgaben alleine zu machen, hilft es, kleinere Etappenziele zu planen. «Die Eltern können sich dann in der Nähe aufhalten und gerufen werden, wenn eine Aufgabe erledigt ist», sagt Hardeland. Wenn auf jede Etappe eine positive Bestätigung folgt, fällt es Kindern leichter, weiterzumachen. Langsam können die einzelnen Etappen dann größer werden.

„Positives Bild von der Zukunft“

«Ich kann das einfach nicht» oder: «Das ist viel zu schwer» – Kinder betrachten ihre Leistung oft sehr auf den Moment bezogen. Diese belastende Sichtweise können Eltern auflockern, zum Beispiel mit dem Satz: «Du kannst das noch nicht, und das ist auch ganz normal. Deshalb gehen alle Kinder in die Schule.»

Imke Goldenstein erklärt: «Bei dem Gefühl von Misserfolgen geht es darum, dem Kind immer wieder deutlich zu machen, dass sich seine Fähigkeiten entwickeln.» Dazu gehört auch, ein positives Bild von der Zukunft zu vermitteln, etwa: «Wenn du so weitermachst, wirst du bald richtig gut in Mathe.» Auch die Erinnerung an vergangene Erfolge hilft – zum Beispiel an Lernsituationen, in denen das Kind zuerst Schwierigkeiten hatte, diese aber überwunden hat.

Über die Schule schimpfen oder über die Hausaufgaben der Lehrerin meckern? «Auf keinen Fall im Beisein des Kindes», warnt Hardeland. Die Worte der Eltern übertragen sich auf die Haltung des Kindes gegenüber der Schule. Ähnlich ist es mit eigenen Erlebnissen aus der Schule, ergänzt Goldenstein: «Es macht keinen Sinn, einem Grundschüler, der über Mathe klagt, zu erzählen, wie furchtbar man das Fach früher selber gefunden hat.» Von Bettina Levecke, dpa

 

Einmal Nichstun, bitte: Nachmittage mit Kindern nicht verplanen

FÜRTH: Nachmittags wird es für viele Eltern stressig: Bei der Arbeit alles stehen und liegen lassen, um das Kind aus der Kita oder Schule abzuholen. Statt Wiedersehensfreude gibt es jedoch oft Geknatsche, denn alle sind müde und genervt. Ein wenig kann es helfen, den Nachmittag so ruhig wie möglich angehen zu lassen – und möglichst alle Pläne zu streichen, sagt Ulric Ritzer-Sachs von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung.

Was viele Eltern vergessen: Nicht nur sie selbst haben gearbeitet. Auch Kindergarten oder Schule sind für die Kinder Arbeit. Viele Eindrücke und Lärm prasseln auf sie ein, so dass sie nachmittags erschöpft sind. «Kinder genießen es deshalb, einfach Zeit miteinander zu verbringen, auf der Couch zu sitzen und ein Buch zu lesen», sagt Ritzer-Sachs. Kurse und Aktivitäten sollten Eltern gut dosieren. «Natürlich gibt es auch Kinder, die nachmittags absolut nicht ausgepowert sind. Das müssen Eltern individuell entscheiden, was ihrem Kind guttut.»

Damit Eltern nicht völlig abgehetzt ihre Kinder abholen, sollten sie sich ein paar Minuten Zeit für sich nehmen, rät Ritzer-Sachs. «Wenn das geht, ist es toll, selbst erstmal bei einer Tasse Kaffee runterzukommen.» Wer entspannt ist, kann auch den Launen der Kinder gelassener begegnen. Wenn das nicht funktioniert, kann es zumindest helfen, beim Abholen noch Zeit in der Kita oder der Schule zu verbringen. Das gibt Kindern zum Beispiel die Möglichkeit, den Eltern Selbstgebasteltes oder Projekte zu zeigen – was ein bisschen Stress aus der Situation nehmen kann. dpa

 

5 Kommentare

  1. Klingt vernünftig.

  2. Da stecken viele gute Gedanken drin. Neu ist für mich folgende Aussage:
    „Besser sei es deshalb, wenn auch die Eltern aktiv sind, sagt Hardeland. Ob Wäsche zusammenlegen oder Post erledigen: «Wenn Kinder sehen, dass die Eltern auch Aufgaben zu erledigen haben, fällt es ihnen schon etwas leichter, sich an die eigenen zu setzen.» “
    Das werde ich mir merken für Beratungsgespräche. : – )
    Vielen Dank für diesen Artikel.

  3. Wie soll denn so der Helikopterführerschein gegenfinanziert werden? Oder gar die Rechtsschutzversicherung? Macht irgendwie keinen Sinn dieser Artikel.

    Im Ernst: Genau so wie im Artikel und den vorherigen Kommentaren sehe und wünsche ich mir das auch.

  4. Die Kinder werden zu Hause in der Regel so verwöhnt, dass sie keinerlei Aufgaben übernehmen müssen. So lernen sie, dass alle erledigt wird. Man muss sich nicht anstrengen, um Aufgaben zu erledigen; man sitzt sie aus und die Eltern erledigen sie letztendlich. So kommt es, dass das Kind daddelt anstatt zu lernen oder Hausaufgaben zu machen.
    Meine Kinder arbeiten im Haushalt regelmäßig mit. Sei es die eigene Wäsche mit Hilfe meiner Frau zu waschen und zusammenzulegen, oder den gemeinsamen Wocheneinkauf hoch in die Wohnung zu tragen (3. Stock ohne Aufzug) oder Abfall, Altpapier bzw. grüner Punkt herunterzubringen. Alle diese kleinen Aufgaben haben dazu geführt, dass meine Kinder auch die „Arbeit“ Schule mit einer entsprechenden Einstellung sehen und eigenständig arbeiten und lernen. Sie daddeln auch, aber in der Regel erst, wenn die Aufgaben erledigt sind.

    • „Die Kinder werden zu Hause in der Regel so verwöhnt, dass sie keinerlei Aufgaben übernehmen müssen.“
      Den Eindruck habe ich bei den Kindern meiner Klassen nicht. Es ist nach meinem Eindruck so, dass sie zumeist wegen der Berufstätigkeit der Eltern Aufgaben übernehmen müssen. Das Problem besteht eher da drin, dass die Mehrzahl der Eltern nur begrenzt Nerven haben und ihren Kindern (Grundschule) zu viel – was Schule betrifft – selbst überlassen. Z.B. werden Elterninfos nicht termingerecht wahrgenommen oder man muss nur einmal in die Schulränzen hineinschauen, wie es darin aussieht oder man sieht es auch wie Hausaufgaben gemacht werden.

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