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Junge Philologen sind entsetzt über schlechte Einstellungschancen für Gymnasiallehrer – Einsatz in Grundschulen nur „Notlösung“

STUTTGART. Mit „Entsetzen“ haben die Jungen Philologen zur Kenntnis genommen, dass in der diesjährigen Einstellungsrunde in Baden-Württemberg die Einstellungschancen der Absolventinnen und Absolventen des gymnasialen Vorbereitungsdienstes rapide gesunken sind. „Nur wenige Hundert Stellen sind den Referendarinnen und Referendaren im Listenverfahren angeboten worden. Bis auf wenige Mangelfächer und bestimmte Regionen des ländlichen Raumes sind die Einstellungszahlen eine Katastrophe“, kritisiert Jörg Sobora, der Landesvorsitzende der baden-württembergischen Jungen Philologen.

Lehrermangel – Sachsens Kultusministerin macht arbeitslosen Gymnasiallehrern ein Angebot: Einstellung, wenn sie ….

Besonders bitter sei, dass trotz aller Beteuerungen etwa 200 Stellen gestrichen wurden. Zusammen mit den sinkenden Pensionierungszahlen bedeute dies, dass viele Bewerberinnen und Bewerber kein Einstellungsangebot erhalten hätten und auch keines erhalten würden. „Statt gymnasiale Lehrkräfte in die Grundschulen zu schicken, sollte die Landesregierung lieber mehr Stellen an den Gymnasien schaffen, damit die Fülle an Aufgaben, vor allem auch außerunterrichtliche und verwaltungstechnische, von den Lehrkräften erledigt werden kann, ohne dass sie krank werden. Viele Lehrkräfte arbeiten am Limit und setzen ihre Gesundheit tagtäglich aufs Spiel“, so der Chef der Philologen-Nachwuchsorganisation weiter.

Die baden-württembergische Landesregierung plant  ihm zufolge, gymnasiale Lehrkräfte, die keine Stelle im gymnasialen Schuldienst erhalten haben, an den Grundschulen, wo Lehrkräfte fehlen, einzusetzen und für die Laufbahn Grundschullehramt weiterzubilden. Dazu meint Sobora, dass die Schaffung dieser Möglichkeit „für die sehr gut ausgebildeten, aber nunmehr arbeitslosen jungen Gymnasiallehrkräfte“ grundsätzlich zu begrüßen sei. Er gibt jedoch zu bedenken, dass es zwischen dem Grundschul- und dem Gymnasiallehramt einen deutlichen Unterschied gebe. Bei den jetzt vom Kultusministerium formulierten Bedingungen werde die Zahl derer, die dieses Angebot annehmen, nach Einschätzung der Jungen Philologen „deutlich überschaubarer“ sein als dies das Kultusministerium erwarte. Dort gehe man von 200 Bewerbungen aus (bei derzeit 700 unbesetzten Stellen an den Grundschulen).

Qualifizierung als Bonus

Die vorgesehene Qualifizierungsmaßnahme im Bereich Grundschulpädagogik und -didaktik müsse fundierter und solider gestaltet werden, als es jetzt vorgesehen sei, um den schulartspezifischen Erfordernissen vollumfänglich zu genügen. Des Weiteren müssten faire Bedingungen für einen späteren Wechsel ans Gymnasium definiert werden. Ein jahrelanger Einsatz einer gymnasialen Lehrkraft an der Grundschule müsse für zukünftige Einstellungsrunden am Gymnasium als Zusatzqualifikation, das heißt als Bonus für eine Einstellung am Gymnasium gewertet werden.

„Für die Betreffenden, die am Gymnasium jetzt keine Stelle bekommen, ist es natürlich schon bitter, nach sieben bis acht Jahren Universitätsstudium und Referendariat nun erneut die Schulbank drücken zu müssen. Da erscheint es schon angemessen, ihnen eine realistische Aussicht auf einen späteren Wechsel an diejenige Schulart zu ermöglichen, für die sie studiert haben und für die sie ja eine Lehrbefähigung besitzen“, meint Sobora. N4t

 

4 Kommentare

  1. Und warum können die nicht dahin gehen, wo Lehrer fehlen?

  2. Schön finde ich ja auch, dass ausgebildete Gymnasiallehrer eine Qualifizierungsmaßnahme absolvieren müssen, bevor sie in die Grundschulen geschickt werden. „Das bisschen Malen und Basteln“, das gern zur Abwertung der Grundschullehrertätigkeit zitiert wird, ist wohl doch nicht so ohne weiteres machbar….

  3. @ Marie

    Man kann das auch weniger böse auslegen. Der Grundschullehrer ist eben auch ein Spezialist auf seinem Gebiet und deshalb kann nicht einfach ein Gymnasiallehrer Grundschullehrer sein (Theorie). Als es noch keinen Lehrermangel gab, war das auch kaum möglich.

    Das heißt für mich aber auch, dass beide Lehrämter eben nicht GLEICH sind, wie ja so gerne „die Gegenseite“ behauptet. Leider wird DAS immer als Abwertung empfunden. Ansonsten höre und lese ich nie Abwertungen der Grundschullehrer. Es sind immer nur Grundschullehrer, die das vorbringen.

    • Wenn Sie mit Spezialist Lehrkräfte ohne pädagogische Befähigung meinen, haben Sie sicherlich Recht.

      So zu tun, als ob SekII-Lehrkräfte keinen 5/6er-Unterricht machen würden, ist absurd. Gleichzeitig wird dann aber GS-Lehrkräften die Befähigung abgesprochen, Gymnasiasten der Jahrgänge 5 und 6 unterrichten zu können. An jeder Gesamtschule werden in den Klassen 5 bis 10 Schüler und Schülerinnen sowohl von Lehrkräften der SekI und der SekI+II parallel unterrichtet, ohne das Unterschiede zu erkennen sind. Teilweise – Einverständnis der Bez.-Reg. voraus gesetzt – wird die lehrbefähigung von Lehrkräften der SekI in Mangelfächern sogar bis in die EF (Jahrgang 11) ausgeweitet …

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