Startseite ::: Nachrichten ::: Internes Papier deckt auf: Sachsen-Anhalt bildet nur halb so viele Lehrer aus, wie das Land braucht – Ministerium: Müssen halt aus anderen Ländern abwerben

Internes Papier deckt auf: Sachsen-Anhalt bildet nur halb so viele Lehrer aus, wie das Land braucht – Ministerium: Müssen halt aus anderen Ländern abwerben

MAGDEBURG. Mit Blick auf den Lehrermangel hat Sachsen-Anhalt die Ausbildungskapazitäten schon aufgestockt. Das reicht Experten zufolge bei Weitem nicht. Der Wissenschaftsminister beklagt Fehler in der Vergangenheit. Und das Bildungsministerium will sich auf der Suche nach Berufsnachwuchs in anderen Bundesländern umschauen.

Schwupps, da ist der Lehrer weg. Foto: News4teachers

Schwupps, da ist der Lehrer abgeworben. Foto: News4teachers

Sachsen-Anhalt benötigt deutlich mehr Lehrer, als im Land selbst ausgebildet werden. Derzeit befasst sich eine Kommission im Bildungsministerium mit dem genauen Bedarf an neuen Pädagogen. Bis 2022 sei mit rund 1700 Absolventen an den Hochschulen zu rechnen, heißt es in einem internen Arbeitspapier der Kommission. Gebraucht werden bis zu diesem Zeitpunkt aber etwa 3500 neue Lehrer. Die gegenwärtige Anzahl der Lehramtsstudenten könne nicht einmal zur Hälfte den Einstellungsbedarf decken, heißt es in dem Papier.

Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sagte mit Blick auf die Einschätzung der Kommission: «Es ist in den letzten Jahren einfach zu wenig eingestellt worden.» Die Zahl der Lehramts-Absolventen habe an der Martin-Luther-Universität in den zurückliegenden Jahren jeweils etwa bei 330 gelegen. «Es sind aber in den letzten Jahren immer nur um die 100 eingestellt worden. Ich will es mal deutlich sagen: Wenn man in den letzten Jahren einfach kontinuierlich höher eingestellt hätte, hätten wir jetzt nicht diesen Wahnsinnsdruck und hohe Zahlen, die wir im Moment gar nicht generieren können.»

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Um den künftigen Lehrerbedarf zu decken, sei eine mehrgleisige Strategie nötig, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. «Kein Land kann den eigenen Bedarf vollständig selbst decken.» Wichtig sei auch die Anwerbung von Lehrern aus anderen Bundesländern. 2017 seien rund 30 Prozent der neu eingestellten Lehrer nicht in Sachsen-Anhalt ausgebildet worden. Die meisten kommen aus den Nachbarländern Niedersachsen und Sachsen.

Das Land bildet mittlerweile mehr Referendare aus. Die Zahl der Ausbildungsplätze stieg dem Ministerium zufolge in diesem Jahr von 630 auf 780, im kommenden Jahr sollen es 830 sein. Wichtig sei zudem, die Erfolgsquote der Lehramtsstudenten zu erhöhen, sagte der Sprecher. Derzeit kommen nur 61 Prozent der Studienanfänger zu einem erfolgreichen Abschluss. Willingmann wies darauf hin, dass die erhöhte Zahl von Lehramts-Absolventen erst in etwa fünf Jahren auf den Markt treten könne.

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Der bildungspolitische Sprecher der Linken-Fraktion, Thomas Lippmann, bezeichnete die Entwicklung als absolut bedrohlich. Die Ausbildungskapazität müsse so schnell wie möglich erhöht werden. Lippmann sprach sich für eine zumindest vorübergehende Lehrerausbildung in Magdeburg aus. Bislang werden Lehrer in Halle ausgebildet. Zudem sei es sinnvoll, die Lehrämter an Gymnasien und Sekundarschulen in einem gemeinsamen Lehramt zusammenzufassen. Das ermögliche mehr Effizienz und Flexibilität in Ausbildung und Einsatz.

Im zurückliegenden Jahr haben laut dem Präsidenten des Statistischen Landesamts, Michael Reichelt, 959 Frauen und Männer ein Lehramtsstudium in Sachsen-Anhalt begonnen. Abgeschlossen hätten es 366. Das seien 3,8 Prozent aller Absolventen im Land gewesen, bundesweit habe die Quote bei 8,9 Prozent gelegen. dpa

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8 Kommentare

  1. Wann gibt es endlich Stellen in der Deutschlehrerausbildung? Seit vielen Jahren ist die Situation für alle unerträglich und die Folgen unabsehbar. Hier hat die Politik – bundes- und landesweit – so was von verschlafen, aber ehrlich gesagt, die Presse auch, denn nie wurde über die schlimmen Zustände berichtet. Die Lehrkräfte, Kinder und Eltern – also eigentlich wir alle – müssen diese brutale Sparpolitik ausbaden. Vor der Wahl heißt es immer: “Mehr für Bildung!”

    • Wieso, wenn ich so unverschämt fragen darf? Germanistik studieren trotz der Bedingungen entsetzlich viele. Trauen sich die Dozenten nicht, durch knallharte Prüfungen in den ersten beiden Semestern auszusieben? In Medizin und der Biologie klappt das wunderbar. Die Veranstaltung heißt Physik, bei den Biologen zusätzlich Mathematik. In Germanistik halte ich Alt- und Mittelhochdeutsch in Wort und Schrift für geeignete Kandidaten. Überfüllte Seminare mit Gruppenreferat gegen Credit Points sind der falsche Weg.

      Ich gebe aber zu, dass die Möglichkeit Lehrpersonal über Drittmittel zu finanzieren, in den Sprachen im Gegensatz zu den Naturwissenschaften sehr begrenzt ist.

      • Die Situation sieht so aus: überfüllte Seminare, keine PrüferInnen, weinende Studierende, die die Scheine brauchen, aber nicht mehr in die vollen Seminare können. Und für die Lehrenden? Der wissenschaftliche Nachwuchs wird verheizt: alles soll bei der großen Überlast geschafft werden, die Haus- und Prüfungsarbeiten werden in den Ferien gelesen, das Wochenende wird durchgearbeitet, die Aussichten auf eine Festanstellung sind mies, nach einer Promotion dauert es für wenigen, die wirklich eine Profstelle bekommen, in der Regel weit über fünf bis sieben Jahre, bis sie diese sichere Position haben. Überstunden werden natürlich nicht vergütet und Profstellen werden häufig nur noch für fünf Jahre und auf Angestelltenbasis ausgeschrieben.

        • die berufsaussichten für die Lehrenden sind in mint genau so mies.

          die Politik muss halt erkennen, dass viele abiturienten auch viele Studierenden bedeutet. Gleichzeitig müssen die Hochschulen ohne Ressourcen möglichst viele der Anfänger wenigstens durch den Bachelor bringen. derselbe Teufelskreis wie in der Grundschule mit dem Gymnasium, am Gymnasium mit dem Abitur und an allen Schulen mit der inklusion. .

    • Letzendlich kann man das alles auf die Sparpolitik der letzten Jahrzehnte zurückführen. Wir alle wissen von den Stellenstreichungen im öffentlichen Dienst. 16.000 Stellen alleine bei der Polizei. Und warum sonst die wiederholten Kreisgebietsreformen mit immer größeren Einheiten, also längeren Wegen, längeren Wartezeiten, weniger Personal …

      Warum muss denn eigentlich überall eingespart werden, wenn doch die Steuereinnahmen sprudeln? Naja, sie sprudelten ja früher nicht so. Die Kosten mussten gesenkt werden und der Bürger wählt die Partei, die ihm mehr netto vom Brutto verspricht. Also Reduzierung der Steuereinnahmen.

      Und wie sollen dann mehr Stellen finanziert werden? In der Ausbildung, im Bildungswesen, im gesamten öffentlichen Dienst?

  2. “Wichtig sei zudem, die Erfolgsquote der Lehramtsstudenten zu erhöhen”

    Wie soll das gemacht werden?

    • Man kann die Anforderungen senken. Hat beim Abitur auch hervorragend funktioniert.

      (Vorausgesetzt, Qualität spielt keine Rolle.)

      • So wird es sein! Vor einem Jahrzehnt wären ja auch so viele Seiteneinsteiger undenkbar gewesen. Zurzeit sind die Koalitionsverhandlungen interessant. Schon mal etwas in den Nachrichten gehört, dass es Planungen im Bereich Bildung gibt? Ich leider auch nicht.

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