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Privatschule für besonders belastete Kinder unter Druck: Warum eine WDR-Recherche am eigentlichen Thema (Inklusion) vorbeigeht

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WILLICH. Warum bezahlen Jugendämter rund 2.000 Euro im Monat für einen Schulplatz an einer privaten Ergänzungsschule? Dieser Frage geht eine aktuelle Recherche des WDR am Beispiel der Carpe Diem in Willich bei Düsseldorf nach. Der Sender erhebt Vorwürfe gegen die Schule und stellt deren pädagogisches Konzept infrage – Elternschaft und Schulleitung widersprechen energisch und werfen dem WDR eine oberflächliche Recherche vor. Der Streit lenkt den Blick auf eine grundsätzliche Frage: Was geschieht mit Kindern und Jugendlichen, die im staatlichen Schulsystem keinen Platz mehr finden?

Aufgefangen. (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Mimoun (Name geändert, d. Red.) galt schon nach der ersten Klasse als Fall für die Förderschule. Er beteiligte sich kaum noch am Unterricht, die Lehrerin empfahl den Wechsel auf eine Schule mit abgesenktem Leistungsniveau. Seine Pflegeeltern wollten sich damit nicht zufriedengeben. Nach zahlreichen Untersuchungen stellte sich heraus: Der Junge war weder geistig beeinträchtigt noch lernunfähig. Er litt, typisch für Pflegekinder, an einer ausgeprägten Dyskalkulie. Nach einem Schulwechsel an eine inklusiv arbeitende Grundschule und eine kurze Förderung durch einen privaten Lerntherapeuten fand er den Anschluss – und erhielt eine Empfehlung für die Realschule.

Doch dort scheiterte er erneut – nicht an mangelnder Begabung, sondern an einem Schulsystem, das mit seiner Vorgeschichte wenig anzufangen wusste. Schließlich entschieden sich seine Eltern, ihn an der Privatschule Carpe Diem im nordrhein-westfälischen Willich anzumelden und das Schulgeld selbst zu bezahlen. Mimouns Geschichte steht exemplarisch für viele Schülerinnen und Schüler, die dort unterrichtet werden.

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Die Schule versteht sich als Ergänzungsschule für Kinder und Jugendliche, die im Regelschulsystem häufig gescheitert sind oder dort keine angemessene Förderung erfahren. Dazu gehören nach Angaben der Schule junge Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS, Dyskalkulie, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Traumafolgestörungen, Depressionen oder selbstverletzendem Verhalten ebenso wie Schulverweigerer. Viele kommen über Jugendämter, andere werden von ihren Eltern finanziert.

Wie belastet viele dieser Familien sind, schildern Elternbeiratsvorsitzende Natalie Still, Mutter Andrea Sauer und Schulsozialarbeiterin Anna-Lena Baches gegenüber der Rheinischen Post. Sie erzählen von einer Schülerin, die nach massivem Mobbing anderthalb Jahre lang keine Schule mehr besuchen wollte. Von einem Jungen mit selektivem Mutismus, der die Antworten kenne, in einer Prüfungssituation aber kein Wort sprechen könne. Von Kindern mit Autismus, ADHS, posttraumatischen Belastungsstörungen oder schweren Depressionen. Hinter nahezu jedem Schulwechsel stünden lange Leidensgeschichten mit Ärzten, Therapeuten, Jugendämtern und Schulen. Viele Eltern hofften zunächst gar nicht auf Bestnoten oder das Abitur. „Die Hoffnung“, schildern sie, sei vielmehr, „dass ihr Kind wieder Spaß an Schule findet“ und überhaupt wieder regelmäßig lernen könne.

Der Westdeutsche Rundfunk zeichnet dagegen ein deutlich kritischeres Bild. Im Mittelpunkt der Recherche stehen die Aussagen einer Mutter, deren Sohn im vergangenen Jahr durch das Abitur fiel, eines ehemaligen Schülers, einer früheren Schülerin sowie eines ehemaligen Lehrers. Die Mutter wirft der Schule vor, die versprochene individuelle Förderung nicht eingelöst zu haben. Ihr Sohn sagt rückblickend: „Es hätte mir einfach weitergeholfen, eine engmaschige Betreuung zu haben, wie es ja auch im Vorhinein versprochen wurde.“ Zugleich räumt er ein: „Ich weiß, dass ich auch selbst schuld bin.“ Seine Mutter zieht dennoch ein bitteres Fazit: „Ich hab ihm damit absolut geschadet, statt ihm zu helfen.“

Auch andere ehemalige Schülerinnen und Schüler berichten dem WDR von Unterrichtsausfällen und fehlender Struktur. Lehrkräfte hätten sich teilweise „eher wie Freunde als in einer professionellen Lehrerrolle“ verhalten, sagt eine ehemalige Schülerin. Stunden seien ausgefallen, Klassenarbeiten nicht immer korrigiert oder zurückgegeben worden. Ein früherer Lehrer beschreibt die Arbeit mit den sehr unterschiedlichen Förderbedarfen als kaum leistbar: „Gerade in Klassen mit sehr unterschiedlichen Leistungsständen und Förderbedarfen war es kaum möglich, allen gleichzeitig gerecht zu werden. Dieser Spagat war im Schulalltag häufig nicht zu bewältigen.“ In einzelnen Fällen hätten Schülerinnen und Schüler aus seiner Sicht sogar eine Eins-zu-eins-Betreuung benötigt.

Ein weiterer Schwerpunkt der WDR-Recherche betrifft die Finanzierung der Schule. Eltern zahlen nach Angaben des Senders rund 1.200 Euro Schulgeld im Monat. Für Schülerinnen und Schüler, deren Platz über die Eingliederungshilfe finanziert wird, erhalten die Betreiber nach WDR-Recherchen dagegen mehr als 2.000 Euro monatlich von Jugendämtern. Schulleiter Luca Bonsignore begründet den Unterschied mit dem deutlich höheren Betreuungsaufwand. Die Entwicklung der Kinder müsse dokumentiert, Förderziele mit den Jugendämtern abgestimmt und regelmäßig überprüft werden. „Diese Leistungen sind bei einer rein privat finanzierten Beschulung nicht automatisch in demselben Umfang enthalten“, erklärt er gegenüber dem WDR.

Der WDR erhebt darüber hinaus einen weiteren Vorwurf. Er berichtet, dass ein Teil der Schülerinnen und Schüler seine Abschlussprüfungen nicht in Nordrhein-Westfalen, sondern an der zweiten Carpe-Diem-Schule im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr ablege. Dort dürfen staatlich anerkannte Privatschulen die Prüfungen selbst abnehmen; zentrale Abschlussprüfungen wie in Nordrhein-Westfalen gibt es nicht. Nach Recherchen des Senders seien Eltern in einem Schreiben aufgefordert worden, im Lebenslauf ihrer Kinder anzugeben, sie hätten die Schule in Bad Neuenahr ein halbes Jahr besucht. Tatsächlich seien die Jugendlichen jedoch erst zur Prüfungsvorbereitung und zu den Prüfungen dorthin gewechselt. Der WDR wirft deshalb die Frage auf, ob unterschiedliche landesrechtliche Regelungen genutzt worden seien, um Abschlüsse zu erleichtern.

Schulleiter Bonsignore weist auch diesen Vorwurf entschieden zurück. Schülerinnen und Schüler, die ihre Abschlussprüfung in Rheinland-Pfalz ablegten, nähmen über einen längeren Zeitraum an den dortigen Vorbereitungsangeboten teil. Diese müssten nicht vollständig in Präsenz erfolgen. Die entsprechenden Unterrichtsmaterialien würden den Jugendlichen zur Verfügung gestellt. Deshalb seien Angaben über den Schulbesuch aus seiner Sicht zutreffend. „Da ist nichts Illegales dran“, sagt Bonsignore. 29 Schülerinnen und Schüler seien im vergangenen Schuljahr zu Abschlussprüfungen angetreten, zehn davon in Bad Neuenahr, einer in Schleswig-Holstein, die übrigen in Nordrhein-Westfalen.

Hintergrund sei, dass Ergänzungsschulen in Nordrhein-Westfalen staatliche Abschlussprüfungen nicht selbst organisieren dürften. Für einen Teil der Schülerschaft sei die Externenprüfung an einer für sie fremden Schule jedoch kaum zu bewältigen. Als Beispiel nennt Bonsignore Jugendliche mit selektivem Mutismus, die in einer unbekannten Umgebung vor unbekannten Prüferinnen und Prüfern häufig keine mündliche Prüfung ablegen könnten. Rheinland-Pfalz lasse hier andere Wege zu (nämlich Prüfungen von gemischten Teams aus Lehrkräften der Privatschule sowie externen staatlichen Lehrkräften, die eigens dafür in die Carpe-Diem-Schule kommen).

„Auch wir haben mit Krankheitsfällen zu kämpfen, auch wir haben keine Ersatzbank, auf der Lehrer sitzen und nur darauf warten, dass jemand krank wird“

Auch den Vorwurf unzureichender Unterrichtsqualität weist der Schulleiter weitgehend zurück. Dass Unterricht ausgefallen sei, bestreitet er allerdings nicht. „Auch wir haben mit Krankheitsfällen zu kämpfen, auch wir haben keine Ersatzbank, auf der Lehrer sitzen und nur darauf warten, dass jemand krank wird“, sagt Bonsignore der Rheinischen Post. Zusatzunterricht am Nachmittag und in den Ferien habe es dennoch gegeben. „Wir können das Abitur nicht garantieren“, fügt er hinzu. Dafür brauche es ebenso die Unterstützung der Eltern wie den Einsatz der Schülerinnen und Schüler selbst.

Sein pädagogisches Konzept beschreibt der Schulleiter als bewusst anders als das staatlicher Schulen. Kleine Klassen mit höchstens zwölf Schülerinnen und Schülern, individuelle Förderpläne, ein Unterrichtsbeginn erst um 9 Uhr und ein rhythmisierter Schultag sollten den Bedürfnissen der Schülerschaft entgegenkommen. Bis Klasse 9 gebe es keine klassischen Hausaufgaben; stattdessen könnten die Jugendlichen am Nachmittag freiwillige Angebote von Business-Englisch über Schach bis Fußball nutzen. „Es muss auch nicht jeder Abitur machen. Wir wollen nicht gegen den Menschen arbeiten. Das ist nicht unser Ansatz“, sagt Bonsignore.

Zugleich räumt der Schulleiter ein, dass die Schule nicht fehlerfrei arbeite. Vertretungsunterricht könne besser organisiert werden, ebenso das Fallmanagement und die Verlässlichkeit mancher Abläufe. „Im Bewusstsein, dass wir alle Fehler machen, lernen wir daraus und machen es besser“, sagt Bonsignore.

Die Diskussion hat Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte nach Angaben der Rheinischen Post verunsichert. Sie sorgen sich, dass Jugendämter ihre Unterstützung zurückfahren könnten. Elternbeiratsvorsitzende Natalie Still und Mutter Andrea Sauer berichten von Kindern, die im Regelschulsystem über Jahre gescheitert seien. Sauer erzählt von ihrem Sohn mit Asperger-Autismus und ADHS. „Er kam oft aus der früheren Schule und sagte: ,Mich will keiner.‘ Dann kam er hier nach Willich und sagte: ,Endlich versteht mich jemand.‘“ Auch Schulsozialarbeiterin Anna-Lena Baches widerspricht dem Eindruck, individuelle Förderung bleibe nur ein Versprechen. Gerade Kinder mit besonderen Beeinträchtigungen benötigten andere Rahmenbedingungen.

„Die Eingliederungshilfe dient nicht in erster Linie der Verbesserung schulischer Leistungen, sondern der Sicherung von Teilhabe“

Die Frage nach der Qualität privater Ergänzungsschulen führt schließlich zur staatlichen Schulaufsicht. Zuständig für die Carpe Diem ist die Bezirksregierung Düsseldorf. Deren Leiterin der Schulaufsicht, Sylvia Wimmershoff, macht gegenüber dem WDR deutlich, dass die staatliche Anerkennung einer Ergänzungsschule nur bescheinige, dass dort die Schulpflicht erfüllt werden könne. „Sie gibt keine Aussage über die Qualität des Unterrichts oder der Schule“, erklärt Wimmershoff. Wegen der im Grundgesetz garantierten Privatschulfreiheit habe die Schulaufsicht zudem keine Möglichkeit, in die Unterrichtsinhalte einzugreifen.

Genau darin sieht Krefelds Stadtdirektor Markus Schön ein grundsätzliches Problem. Seine Stadt hat einen Fall, in dem Übernachtungskosten für Abschlussprüfungen in Rheinland-Pfalz abgerechnet wurden, der Bezirksregierung zur Prüfung vorgelegt. „Wenn wieder zu viele zuständig sind, ist keiner richtig zuständig“, sagt der SPD-Politiker. Gerade weil der Bedarf an Angeboten für inklusives Lernen weiter wachsen werde, brauche es aus seiner Sicht klarere gesetzliche Regelungen und eindeutig geregelte Zuständigkeiten für die Qualitätskontrolle solcher Schulen. „Wenn das Thema wichtiger wird, müssen wir auch genauer hingucken“, fordert Schön. Land und Bund müssten hier für mehr Klarheit sorgen.

Unabhängig davon halten mehrere Jugendämter an ihrer Zusammenarbeit mit der Carpe Diem fest. Gegenüber dem WDR erklären sie, die vereinbarten Förderziele würden erreicht. Zugleich verweisen sie darauf, dass der Schulplatz deutlich günstiger sei als andere Formen der Eingliederungshilfe. Die Stadt Düsseldorf betont darüber hinaus: „Die Eingliederungshilfe dient nicht in erster Linie der Verbesserung schulischer Leistungen, sondern der Sicherung von Teilhabe.“ Im Klartext: Ein Abschluss kann nicht garantiert werden.

Mimoun bestand in diesem Sommer den Mittleren Schulabschluss an der Carpe Diem. Dafür musste er sich insgesamt neun staatlich beaufsichtigten Prüfungen stellen – vier schriftlichen und fünf mündlichen; seine bisherigen Schulnoten gingen dabei nicht in die Abschlussbewertung ein. Zum Vergleich: Schüler an staatlichen Schulen in NRW absolvieren für die ZP10 drei schriftliche Prüfungen; die Vornote geht dabei jeweils zu 50 Prozent in die Endnote ein.

Nach den Sommerferien beginnt Mimoun eine Ausbildung zum Pflegefachmann – einem Beruf, für den Krankenhäuser händeringend Nachwuchs suchen. Als Förderschüler im staatlichen Schulsystem hätte er diese Chance wohl niemals bekommen. News4teachers 

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12 Kommentare
Jerunda
1 Tag zuvor

„Er litt, typisch für Pflegekinder, an einer ausgeprägten Dyskalkulie.“
Zu den Themen Dyskalkulie und LRS habe ich schon sehr viel gelesen. Aber dass ein typischer Zusammenhang zwischen Pflegekind und Dyskalkulie besteht, ist mir neu. Gibt es dazu eine Studie? Das würde mich wirklich sehr interessieren.

Jerunda
1 Tag zuvor
Antwortet  Redaktion

Danke! Dann war der, von mir zitierte, Satz aus dem Artikel nur unglücklich formuliert.
Vermutlich alle Menschen, die beruflich mit Kindern zu tun haben, wissen, dass Pflegekinder ein erhöhtes Risiko für Lernstörungen aller Art haben, nicht nur für Dyskalkulie.
Ich hatte gehofft, dass es vielleicht neuere Erkenntnisse über die nicht-genetischen Ursachen gibt, die eine (nach meinen Erfahrungen/ Beobachtungen) Zunahme von Dyskalkulie bei Schülern(nicht nur bei Pflegekindern) erklären können.

Adele Horn
1 Tag zuvor

Da mein Sohn ebenfalls gerade ein Externenabitur in NRW abgelegt (und gut bestanden) hat, kann ich aus Erfahrung vielleicht noch Folgendes ergänzen: Staatlich anerkannte Ergänzungsschulen in NRW dürfen auch Schüler für die Abiturvorbereitung aufnehmen, die in der 10. Klasse keinen Qualifikationsvermerk erhalten haben. Das erklärt bereits zu einem guten Teil, warum die Durchfallquote höher ist als an staatlichen Gymnasien und Gesamtschulen. An der Schule meines Sohnes wurde durchaus gut individuell gefördert, aber irgendwo hat eben auch das ein Limit.

Rainer Zufall
1 Tag zuvor

„Doch dort scheiterte er erneut – nicht an mangelnder Begabung, sondern an einem Schulsystem, das mit seiner Vorgeschichte wenig anzufangen wusste.“
Aus Sicht des veralteten Systems kein Scheitern, sondern gewolltes Aussortieren aller, die seltsamerweise immer mehr werden…
Ach was, mit kostenlosen Rufen nach mehr „Eigenverantwortung“ wird das schon 😛

„Lehrkräfte hätten sich teilweise „eher wie Freunde als in einer professionellen Lehrerrolle“ verhalten, sagt eine ehemalige Schülerin. Stunden seien ausgefallen, Klassenarbeiten nicht immer korrigiert oder zurückgegeben worden.“
Oi, dann sind das aber keine guten Freunde!

„Schulleiter Luca Bonsignore begründet den Unterschied mit dem deutlich höheren Betreuungsaufwand.“
Dürfte Lehrkräfte mit Inklusionsklassen ja brennend interessieren… :/

„Als Förderschüler im staatlichen Schulsystem hätte er diese Chance wohl niemals bekommen.“
(seufz) 🙁

unfassbar
1 Tag zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Genau:
„Gerade in Klassen mit sehr unterschiedlichen Leistungsständen und Förderbedarfen war es kaum möglich, allen gleichzeitig gerecht zu werden. Dieser Spagat war im Schulalltag häufig nicht zu bewältigen.“

Rainer Zufall
23 Stunden zuvor
Antwortet  unfassbar

Sie versäumtes, dies zu rechtfertigen, weil es zu wenige Mittel gibt, anstatt Besserung zu fordern 😉

unfassbar
7 Stunden zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Es wird auf absehbare Zeit eher noch weniger Mittel geben als mehr.

447
1 Tag zuvor

Die geschilderten, möglicherweise objektivierbaren Missstände (Unterrichts-/Klassenarbeitsausfall, Vertretungs- bzw. Scheinunterricht) liessen sich mit genug Recherche wahrscheinlich auch an allen möglichen anderen Schulen (staatliche wie private) feststellen – so etwa auch an „meiner“ (ganz normalen) Schule.
Alles ganz legal, nix geheimes.

Wo nicht genug Lehrkräfte sind, sind nicht genug Lehrkräfte.
Wo keine Ressourcen sind, sind keine.

Ursache –> Wirkung.
Bestellung –> Lieferung.

Adele Horn
21 Stunden zuvor
Antwortet  447

Obendrein werden gerade diese Ergänzungsschulen von nicht wenigen Eltern als letzte Möglichkeit gesehen, ihre Sprösslinge durchs Abi zu treiben, wenn diese die Qualifikation für die staatliche Oberstufe verfehlt haben.

Mein Sohn hatte das Glück, dass an „seiner“ Schule wirklich sehr wenig Unterrichtsausfall vorkam. Das war eins unserer Auswahlkriterien gewesen, und auch einer der Hauptgründe für den Wechsel an eine Privatschule. Neben der Möglichkeit zu Distanzunterricht bei Grippewellen, rein digitalen Lehrbüchern usw. Auch dort hatten/haben aber alle Lehrkräfte das zweite Staatsexamen, und die Klassenstärke lag bei ca. 10. Man konnte Nachhilfe direkt bei den Lehrkräften in der Schule dazu buchen, es gab Kontakte zu Psychologen, wenn man wollte, usw. Dennoch sind einige jetzt durchs Abi gerasselt. Mit Ansage. Trotz aller Bemühungen der Schule.

Selbst mit noch so gutem Kraftfutter und Training kann ein Clydesdale nun mal kein Epsom Derby gewinnen. Von der Illusion sollte man sich vielleicht auch endlich mal verabschieden.

447
7 Stunden zuvor
Antwortet  Adele Horn

Klingt alles logisch, was Sie sagen.
Gut ist ja, wenn das Modell für Sie gepasst hat.

Persönlich habe ich im staatlichen Schuldienst nur ein einziges mal wirklich förderungsfähige Bedingungen vorgefunden – intetessanterweise war dieser Förderkyrs auch auf zehn begrenzt und zusätzlich mit einer Sonderpädagogin ausgestattet.

Funktionierte auch.

Schon ein Jahr später liess dann die Landesregierung die Maske fallen: Erst 12, dann 13, dann 15 SuS, erst fehlte die Sonderpädagogin „mal“, dann immer öfter…konnte man dann linear verfolgen, wie die Erfolge entsprechend absanken.

Weil es eben dann fake-Förderung war, einfach nur „mehr Fachunterrichtsstunden“ abgekippt auf SuS mit Fachproblemen.

Palim
10 Stunden zuvor

Für Kinder mit besonders hohem Bedarf an Betreuung und Förderung hat das Schulsystem keine Möglichkeiten.So verliert man Kinder früh und sie haben kaum eine Chance darauf, überhaupt je oder wieder ins System zu finden.

Die Förderung für andere Kinder vor Oberschule der Feststellung des Unterstützungsbedarfes war von Beginn an zu gering (NDS: 2 Std pro Klasse pro Woche, wenn Personal vorhanden ist) und wird weiter zurückgefahren (keine Überprüfung gewollt, möglich).
Den Spagat muss Schule überall leisten und gerät täglich an Grenzen (nicht nur in dieser Hinsicht).
Die Forderungen müssen aber an die Politik gehen, denn trotz Fortbildung, Arbeit im Team ist der herrschende Mangel nicht aufzufangen, sondern läuft derzeit viel über das Überengagement der Lehrkräfte.

Den Mangel im System spüren neben Lehrkräften die Kinder mit Schwierigkeiten am stärksten, da sie keine zusätzliche Kraft haben, auch das noch zu kompensieren. Eine Unterrichtsversorgung unter 100%, die kaum die Pflichtstunden abdeckt, Streichung von Zusatzbedarfen wie DaZ, Zusatzstunden im Brennpunkt, Sportförderung, Begabtenförderung (ohnehin wenige Stunden für wenige Schulen) entfallen und werden über das gesamt Jahr (oder mehrere in Folge) nicht ersetzt. Zusätzliche Stunden zur Förderung in D/Ma oder bei Dyskalkulie/ LRS (u.a.) sind gar nicht vorgesehen in der Zuteilung der Stunden.

Wenn schon die Grundausstattung ab Klasse 1 nicht stimmt, kann nur noch das Allernötigste umgesetzt werden. Da hilft auch nicht die Umstellung auf irgendein anderes Unterrichtsmodell, das zum einen auch Lehrkräfte für die Umsetzung benötigt, zum anderen aber auch Lehrkräfte für die Schulentwicklung braucht, eine Aufgabe, die zur Überlastung hinzu kommt und an der Überlastung durch Mangel nichts ändern wird.

Für Kinder mit erheblichem zusätzlichen Bedarf braucht es aber ganz andere Mittel und Wege, wenn man ihnen helfen will, damit sie ihre Fähigkeiten für sich und für die Gesellschaft einbringen können.