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VBE schreibt einen offenen Brief: Sehr geehrte Frau Ministerin Gebauer – es hilft nicht, Grundschullehrer an den Pranger zu stellen…

DÜSSELDORF. Der VBE hat mit einem offenen Brief die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) angeschrieben – und darin seine Empörung über Gebauers Reaktion auf die schlechten Ergebnisse der IQB-Studie zum Ausdruck gebracht. Die Ministerin hatte am Freitag Konsequenzen angekündigt und gesagt: „Wir müssen einen Masterplan Grundschule erarbeiten“. Der Rechtschreibunterricht an den Grundschulen solle verbindlicher werden. Die umstrittene Methode “Lesen durch Schreiben” werde begrenzt. Sie wolle zudem einen verbindlichen Grundwortschatz für die Grundschulen einführen. Wir dokumentieren den Brief des VBE im Wortlaut.

Hat einen "Masterplan Grundschule´" angekündigt - und der sorgt für Ärger. Foto: Martin Kraft (photo.martinkraft.com) CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Hat einen “Masterplan Grundschule´” angekündigt – und der sorgt für Ärger. Foto: Martin Kraft (photo.martinkraft.com), CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

„Freitag, der 13. Oktober 2017, der Tag an dem die IQB-Studie von 2016 veröffentlicht und von Ihnen kommentiert wurde, hat eine große Welle der Entrüstung bei den Grundschullehrkräften ausgelöst. Dies zeigen unzählige Rückmeldungen, die uns erreicht haben und noch erreichen. Das Ergebnis der IQB-Studie, das jede Grundschullehrkraft hätte voraussagen können, bestätigt die Grundschulumfrage des VBE aus 2016. (News4teachers berichtete seinerzeit ausführlich. d. Red. – hier geht es zu dem Bericht.) Bereits hier wurde deutlich, dass die Rahmenbedingungen an den Grundschulen kein ordnungsgemäßes Arbeiten mehr zulassen.

Wen wundert es da, dass die 2016 getesteten Viertklässler in NRW in ihren Leistungen im Vergleich zum Jahr 2011 in ihren Kompetenzen im Zuhören, im Rechtschreiben und in Mathematik abgefallen sind? Grundschullehrkräfte erleben tagtäglich hautnah, wie sehr sie ihre Ansprüche von Jahr zu Jahr herunterschrauben müssen: Klassenarbeiten, die noch vor 5 Jahren geschrieben werden konnten, werden abgespeckt. In vielen Klassen sitzen Kinder, die es nicht schaffen ruhig zuzuhören, wenn eine Geschichte vorgelesen wird. Immer mehr Kinder lernen noch in der vierten Klasse das kleine Einmaleins auswendig.

Immer mehr Kinder erreichen Mindeststandards nicht: IQB-Viertklässler-Test sorgt für Entsetzen – wie beim PISA-Schock 2001

Als Reaktion haben Sie u.a. angekündigt, dass Sie einen Masterplan Grundschule vorlegen und die Methode Lesen durch Schreiben eingrenzen wollen. Sie vermitteln den Eindruck, die Methoden, mit denen an Grundschulen gearbeitet wird, sind falsch bzw. die Lehrkräfte setzen diese nicht richtig ein und auch das Fach Englisch muss auf die Probe gestellt werden. Gleichzeitig erwecken Sie den Eindruck, die Lösung der Probleme ist gar nicht so schwierig: Wir führen in den Grundschulen in NRW flächendeckend wieder den Fibel-Unterricht ein, dann klappt es wieder besser mit dem Lesen und dem Zuhören.

Sehr geehrte Frau Gebauer, wir vermissen, dass die Politik sich ehrlich macht und ihre Versäumnisse eingesteht. Die Lehrkräfte an den Grundschulen wünschen sich, dass sie in ihrer Professionalität ernst genommen werden und endlich die Gelingensbedingungen bekommen, die sie benötigen, um die gestellten Anforderungen bewältigen zu können.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist noch viel Luft nach oben. Die Grundschulen in NRW sind seit Jahrzehnten absolut unterfinanziert: Das Land NRW gibt pro Grundschüler 5000 € pro Jahr aus. In Bayern beträgt die Summe 6900 € (Statistisches Bundesamt, Ausgabe 2017).

Ein Beispiel aus der Praxis: Schulbücher dürfen in NRW in der Grundschule für ganze 36,00 € pro Grundschulkind angeschafft werden. Ein Mathematikbuch kostet im Schnitt ca. 20,00 €. Nur das Buch, die ergänzenden Förderhefte müssten extra bezahlt werden. Keine Grundschule kann sich das von ihrem Schulbuchbudget leisten.

GEW und VBE zum Absturz bei der IQB-Studie: Die Länder haben die Grundschulen vernachlässigt – und das ist jetzt die Quittung!

Hinzu kommt, immer mehr Eltern geben ihre Mitverantwortung für die Erziehung und die Lern- und Leistungsentwicklung ihrer Kinder an die Schulen ab, aber dort stehen nicht ausreichend Lehrkräfte, nicht genügend sozialpädagogische Fachkräfte und andere Professionen zur Verfügung, die die Lehrkräfte unterstützen und es zudem ermöglichen Kinder auch einmal in Kleingruppen individuell zu fördern.

Die Situation wird sich weiter verschärfen. Viele Lehrerstellen im Grundschulbereich können nicht mehr mit originär ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden. Die Schulen müssen auf Seiteneinsteiger zurückgreifen, die z. T. ohne jegliche pädagogische Vorqualifizierung in den Unterricht gehen und von den im System befindlichen Lehrkräften zusätzlich gecoacht werden müssen.

Es hilft nicht, die Augen vor den großen gesellschaftlichen Aufgaben zu schließen, deren Auswirkungen zuerst in den Kitas und Grundschulen zu spüren und wahrzunehmen sind. Die Anzahl der Kinder mit Schwierigkeiten im sozial-emotionalen Verhalten steigt jährlich. In vielen Klassen ist überhaupt nur schwer Unterricht möglich, da immer mehr Kinder es nicht gelernt haben, sich an selbstverständliche Regeln zu halten und somit konsequent stören.

Es ist auch keine Lösung, einzelne Methoden öffentlichkeitswirksam an den Pranger zu stellen und damit gleichzeitig die Arbeit von Hunderten von Grundschullehrkräften zu diskreditieren, die diese Methode seit Jahren erfolgreich anwenden. Die Probleme liegen ganz woanders und es ist jetzt Ihre Verantwortung diese zu lösen. Beispielhaft seien einige genannt:

  • In NRW sind 926 Stellen in der Grundschule unbesetzt.
  • Von 2787 Schulen sind 345 Schulen ohne Schulleitung und 670 ohne Stellvertreter.
  • Grundschulen haben mit 28 Wochenstunden die höchste Unterrichtsverpflichtung.
  • Grundschulen sind oft kleine Systeme und haben vielfältige Aufgaben auf wenige Köpfe zu verteilen, sie bekommen aber die wenigsten Anrechnungsstunden.
  • Die inklusive Beschulung der Kinder wurde und wird ohne Fortbildungen von Lehrerinnen und Lehrern mit minimalen Ressourcen auf den Rücken der Lehrkräfte umgesetzt.
  • Sonderpädagogen stehen nicht jedem System zur Verfügung.
  • Eine veränderte Lebenswelt der Kinder trägt enorm zu Stresssituationen bei Kindern bei.
  • Die Gewalt gegen Lehrkräfte nimmt stetig zu.

In Sachen Wertschätzung müssen die Lehrkräfte an den Grundschulen tagtäglich hinnehmen, dass sie die höchste Unterrichtsverpflichtung, die schlechteste Bezahlung, keine Beförderungsmöglichkeiten haben und deutlich weniger Stunden als die weiterführenden Schulen für besondere Aufgaben zur Verfügung gestellt bekommen.

IQB-Studie: Eine Klatsche für den Bildungsföderalismus – jetzt muss Schluss sein mit dem Klein-Klein!

Dass die von der IQB-Studie festgestellten Mängel nicht deutlich größer sind, ist allein dem herausragenden Engagement, das die Grundschullehrkräfte trotz schlechter Rahmenbedingungen vollbringen, zu verdanken.

Es ist höchste Zeit die Grundschulen nicht weiterhin massiv zu benachteiligen, sondern ihre Arbeit endlich wertzuschätzen und dies sowohl in der Bezahlung (A13/EG13) als auch in den übrigen Rahmenbedingungen auszudrücken.

Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern bereits fünf nach zwölf.

Mit freundlichen Grüßen,

gez. Anne Deimel
Beisitzerin Grundschule VBE NRW

gez. Udo Beckmann
Vorsitzender des VBE NRW”

 

NRW in der IQB-Studie unterdurchschnittlich

Bei der IQB-Viertklässler-Studie erreiche Nordrhein-Westfalen beim Lesen und in Mathe nur den 14. Platz im Vergleich der Bundesländer. In den Bereichen Zuhören und Rechtschreibung zählt Nordrhein-Westfalen zum Mittelfeld.

“Wir werden unser Hauptaugenmerk auf die Kinder richten, die schon in der Primarstufe die Mindeststandards verfehlen”, erklärte Schulministerin Yvonne Gebauer. Dies seien in Nordrhein-Westfalen je nach untersuchtem Bereich 13 bis 24 Prozent der Kinder. Gebauer: “Wir müssen schon vom ersten Schuljahr an dafür sorgen, dass kein Kind abgehängt wird. Das in dieser Deutlichkeit überraschend schlechte Abschneiden in Mathematik muss aufgearbeitet werden.”

 

177 Kommentare

  1. ZITAT: “Die Ministerin hatte am Freitag Konsequenzen angekündigt und gesagt: „Wir müssen einen Masterplan Grundschule erarbeiten“. Der Rechtschreibunterricht an den Grundschulen solle verbindlicher werden. Die umstrittene Methode „Lesen durch Schreiben“ werde begrenzt. Sie wolle zudem einen verbindlichen Grundwortschatz für die Grundschulen einführen.”

    Keine Fehlerdiskussion vor dem Feind? So sagte man damals in der DDR. In der Wendezeit wurde es dann als Schönfärberei angeprangert. Klar, niemand hört gerne Kritik, aber Kritik muss auch möglich sein.

    Was ich zitiert habe, finde ich voll richtig. Aber die 8 Punkte des VBE auch. Zusammen wird ein Schuh draus und nichts wird besser, wenn man einfach nur schweigt und nicht drüber reden darf !

    Oder aber Schönfärberei, wie damals in der DDR.

    • Die heutigen Methoden sind doch übrigens auch der Kritik an der vorhergehenden Methoden entsprungen, oder?

    • ProblemkindSchulsystem

      Ich finde es gut, dass die Lehrer auf die Barrikaden gehen. Aber geht das auch mal, ohne gleich den Schwarzen Peter an “die Eltern” weiterzureichen?! Das deutsche Schulsystem ist aus dem vorigen Jahrhundert; es konnte zunächst mit zu Hause zurecht geprügelten oder zumindest autoritär erzogenen Kindern arbeiten und sich später auf die häusliche Unterstützung der Alleinverdiener-Ehe verlassen.

      Wir haben ein absolut unterfinanziertes Schulsystem, in dem Nicht-Wertschätzung auf allen Ebenen stattfindet und “nach unten” durchgereicht wird. Es macht doch so keinem mehr Spaß.
      Unter bestimmten Bedingungen wird jedes Kind sozial auffällig. Unterschiede gibt es in der Toleranzgrenze und Anpassungskompetenz. Je größer hier der Rucksack an Problemen, desto höher die Anfälligkeit, egal ob der Rucksack Entwicklungsstörungen durch Behinderung heißt oder Scheidung der Eltern oder emotionale Verwahrlosung duch Upper class Eltern oder soziale Benachteiligung.

      Es kann doch nicht sein, dass Schule es z.B. nicht aushält, wenn ein Kind zum Scheidungskind wird. Es ist keine abartige Diagnos ESE sondern normal, wenn es einem Kind dann nicht gut geht und es empfindlich wird. Das ist jedoch kein Grund, es auf eine Sonderschule abzuschieben und dort unter ganz anderen Kalibern zum Wrack zu machen!

      Das Problem sind die Bedingungen und es sollten sich doch hier alle Beteiligten, ob Lehrer, Eltern oder deren Verbände zusammen gegen diese Art von Schule zusammenschließen und unüberlegt polarisieren!

      • ProblemkindSchulsystem

        PS: Es sollte heißen “anstatt unüberlegt zu polarisieren”.

      • Das deutsche Schulsystem ist und war nicht aus dem vorigen Jahrhundert,
        und schon gar nicht die Pädagogik aus der Kaiserzeit, auch wenn das ständig wiederholt wird.
        Bis 1990 lief es noch ziemlich gut, dann kamen in den Grundschulen die offenen Schulunterrichtsmethoden mit dem erzwungenen , einständigen Bearbeiten an Bergen von losen Blattsammlungen und der zunehmenden Entfremdung der Grundschullehrer von den Erstklässlern, wobei erstere sich zunehmend als Lernbegleiter verstanden.

        Es fehlt an emotionalem Bezug und der direkte Kontakt in der direkten Vermittlung korrekter Schreibweisen durch den Lehrer (Und der Lehrer der gibt acht, dass es jeder richtig macht ,Häschenschule ,Albertus Sixtus ,sächsischer Lehrer, mit Berufsverbot im dritten Reich). Diese müssen erst an ein Selbstständigkeit herangeführt werden mit korrekten Schreibweisen und strukturierten Leseübungen mit linguistisch basierten Methoden.

        Die Idötze brauchen mehr Führung und ich erachte es als kognitive Überforderung der meisten Schüler sich auf diese selbst organisierten Lernmethoden einz zu lassen.

        • Richtig! Einfach immer wiederzu behaupten, das Schulsystem sei völlig veraltet, ist nicht nur Augenwischerei, sondern Unwahrheit.
          In den letzten Jahrzehnten wurde auf Teufel komm raus Altes abgeschafft und Neues eingeführt mit tollsten Versprechungen.
          Wenn heute verbreitete Unzufriedenheit herrscht, dann stimmt etwas mit den Neuerungen (also den Reformen) nicht. Das ehrlich zu sagen, scheint aber nicht erwünscht. Lieber wird Sand in die Augen gestreut und etwas zum Sündenbock erklärt, was schon längst nicht mehr existiert.

        • Wo nehmen Sie eigentlich her, dass sich Grundschullehrkräfte von Erstklässlern entfremden?

          • Palim
            Die Weigerung, an der direkten Vermittlung richtiger Schreibweisen zu arbeiten, betrachte ich als solche und die Hinnahme von rein anlautlautorientierten Schreibstrategien, welche kryptische Schreibweisen ohne jeglichen Bezug zur deutschen Orthographie hervorbringen.
            Die schutzbefohlenen Erstschreiber bringen sich selbstständig irgend wie mit Buchstabenlauten, welche sich je nach Stellung der Vokale in der Silbe auch noch in ihrem Klang ändern,das Schreiben bei, wobei keine linguistischen Grundlagen angewandt werden.
            Eine Verunsicherung tritt dann bei den Schülern auf,wenn diese dann in der dritten Klasse feststellen, dass ihre Schreibstrategien falsch waren, diese aber wieder schwer abzutrainieren sind.
            Dann setzt der ganze Ärger der Schüler mit Nachhilfe und ständigen Gegenkorrekturen im Gefolge der falschen Schreibstrategien ein.
            Und man hat den Schülern auch früher Wörter zu schreiben gelehrt, wenn diese, jene Wörter in ihren bereits strukturierten Texten, benötigten.

          • Aha.

            Also wieder einmal die Unterstellung der unterlassenen Hilfeleistung, der Vorwurf, LuL würden Kinder allein lassen.

          • Das ist eben methodenimanent und nicht einem Fehlverhalten der Lehrer geschuldet.

          • Warum identifizieren Sie sich denn immer mit den von Ihnen propagierten Methoden?
            Sie haben diese verinnerlicht und diese sind zu einem Teil von Ihnen geworden, es fehlt Ihnen die kritische Distanz zu den Methoden.
            Sie lehnen grundsätzlich lehrergesteuerten Unterricht ab, sehen darin keine Vorteile und sind auch weniger als andere bereit zu variieren.
            Dann muss man sich auch über die Mehrarbeit nicht wundern, die einem dann irgend wann über den Kopf wächst.
            Warum nicht am Anfang eine sehr enge Führung und dann die Schüler sukzessive in die Freiheit entlassen.
            Aber erst einmal sollten die Schüler die Grundkenntnisse des Rechnens,des Lesens und des Schreibens erlernen, denn sonst ist der Weg viel zu fehlerträchtig und die Fortschritte sind deutlich langsamer.

          • @ Axel, genau !

          • @AvL
            “Dann muss man sich auch über die Mehrarbeit nicht wundern, die einem dann irgend wann über den Kopf wächst.”
            Mit einer solchen Behauptung führen Sie m.E. das Engagement einer jeglichen Lehrkraft ad absurdum. Warum sollte sich eine Lehrerin um ein Kind oder eine Klasse sorgen und sich Mühe machen, wo es doch sehr viel einfachere Wege gibt und Mehrarbeit zu vermeiden wäre?

            Davon abgesehen bin ich es leid, mir von Ihnen vorwerfen zu lassen, wie mein Unterricht angeblich sei, zumal Sie offenbar meine Beitäge nicht lesen.

        • ProblemkindSchulsystem

          Ja, das ist ein Dilemma: Wenn Lehrer meinen, offene Unterrichtsformen und selbstgesteuertes Lernen heiße, die Kinder sich selbst überlassen. In letzterem Fall kann das nicht funtkionieren. Aber das liegt nicht an der Methode, sondern an der Umsetzung.
          Methoden sind eh Mittel zum Zweck. Anscheinend ist hier verloren gegangen, dass es auf das Ziel ankommt. Die Methoden finden sich anhand der Persönlichkeit von Lehrern und Schülern – wenn Kompetenz bzw. Wille zur reflektieren Erfahrung vorhanden.

          • Hier merkt man, dass wenig Fachwissen vorhanden ist,
            was Unterrichtsmethodik anbetrifft , viel durcheinander geworfen wird und man sich so seine eigenen Vorstellungen macht. Wer nie die Methoden länger gesehen oder sie selbst praktiziert hat und sich mit ihnen auseinandergesetzt hat, hat einen verschobenen Blick darauf.

            Es ist die Frage, was selbst gesteuertes Lernen ist. Selbstgesteuert heißt, dass die SuS selbst aussuchen, was sie lernen wollen. Das hat vielleicht Rolf Robischon gemacht, aber fast alle Lehrer im öffentlichen Schulsystem machen das nicht.

            Ich verstehe aber, dass Sie meinen, die Schüler seien sich selbst überlassen und keiner kontrolliert und schaut, was sie machen. Gerade das ist im offenen Unterricht ein No go. Denn bei solchen Unterrichtformen müssen zwingend Möglichkeiten der Kontrolle, Hilfen und Reflexion geschaffen werden. Außerdem ist offener Unterricht kein selbstständiges Abarbeiten von Arbeitsblättern wie immer behauptet wird. Für den offenen Unterricht und den selbst entdeckenden Unterricht (selbst entdeckend muss nicht immer zu offen sein, aber er differenziert naturbedingt, weil jeder auf seinem Niveau entdeckt) und auch reflektierten Unterricht gibt es eine beträchtliche Anzahl von Methoden, auf die man zurückgreifen kann. Letztendlich ist es die Aufgabe des Lehrers, Unterrichtmethoden passend für seine Klasse und passend zum Thema und auch nach seinem eigenenm Vermögen auszuwählen und die Schüler durch diese Unterrichtsformen durch professionell zu betreuen. Ich kenne niemand, der sich dieser Aufgabe nicht bewusst ist und Däumchen dreht, während die Kinder arbeiten.

          • P.S.: Noch ein persönliche Bemerkung:
            Es ärgert mich maßlos, dass hier ständig Grundschullehrern die Fachkompetenz abgesprochen wird. Dagegen verwehre ich mich!

          • Ihren Ärger kann ich mehr als gut verstehen.
            Bei Herrn v. Lintig muss ich allerdings Weise sagen, dass er sich viel solides Wissen über Lese- und Schreiblernmethoden angeeignet hat, weswegen ich seine Meinung ernst nehme, auch wenn er in der Sache manchmal reichlich verbissen ist.
            Bei ProblemkindSchulsystem sehe ich die Sache anders. Hier herrscht tatsächlich kein Fachwissen, sondern nur aufdringliche Idologie und frömmelnde Besserwisserei.
            Dagegen und gegen die nicht zu übersehende Selbstgefälligkeit bin ich inzwischen total allergisch.

          • ProblemkindSchulsystem

            An ysnp und ABC: Das ist ein weiteres scheinbar verbreitetes Problem von Lehrern, dass sie immer von “Fachwissen” reden, von dem eigenen und dem, das andere nicht haben. Mir scheint, dabei bleiben Intuition, Phantasie, gesunder Menschenverstand, der Stellenwert sozialer Kompetenz und dem Einsatz der Schüler als “Lehrende” und noch ein paar mehr Dinge auf der Strecke. Ist ganz allgemein eine Beobachtung, die nichts mit Fachkompetenz oder Fachwissen zu tun hat, sondern mit Wahrnehmungen aus Selbsterfahrung. Aus dem Austausch mit anderen Menschen gleicher Wahrnehmungen schließe ich, dass dies keine Einzelwahrnehmung ist und es schon verschiedene Lehrer diesen Typus gibt.
            Ich werfe das ja niemandem vor.
            Aber Anderen unreflektiert Vorwürfe zu machen, ohne diese zu begründen, ist meine Wahrnehmung von verbreiteten und anscheinend für legitim befundenen Lehrerverhaltens, zumindest in diesem Forum.

            Und nicht zuletzt sich kryptische Namen in Foren zu geben, scheint ein beliebter Ausdruck von Lehrern zu sein mit viiieel “Fachwissen” (nach eigener Aussage).

          • Ist “ProblemkindSchulsystem” kein kryptischer Name?
            Sie werden sich vielleicht wundern, aber neben dem Fachwissen halte ich im Lehrerberuf genauso wie Sie Intuition, Phantasie und gesunden Menschenverstand für ebenso wichtig.
            Hier teile ich also voll und ganz Ihre Meinung. Am unwichtigsten oder sogar für schädlich halte ich ideologische Denkweisen. Sie sind m. E. zu starrsinnig, sektiererisch, selbstgefällig und weltfremd.

          • ProblemkindSchulsystem

            Ja, ich finde Ideologien auch schädlich. Es scheint sogar das Phänomen einer Ideologie der unbegründeten Ideologiebeschuldigung (fiktiver Feindbilder) zu geben. “ProblemkindSchulsystem” transportiert eine unmissverständliche Bedeutung, die sich jeder erschließen kann, nahm ich an. Zugegebenermaßen ist ABC auch irgendwie geläufig. Aber wie paßt die “Anfänger”-Bedeutung auf einen Träger von “Fachkenntnissen” oder meinten Sie das Ganze im Sinne von Simplifizierung komplexer Zusammenhänge (z.B. als Ideologie)??? Man weiß es nicht so richtig -daher “kryptisch”.

          • “Mir scheint, dabei bleiben Intuition, Phantasie, gesunder Menschenverstand, der Stellenwert sozialer Kompetenz und dem Einsatz der Schüler als „Lehrende“ und noch ein paar mehr Dinge auf der Strecke.”
            Das stimmt überhaupt nicht! Das sind reine Vorurteile!
            Zum angeblich kryptischen Nick: Zu diesem gibt es eine Geschichte bei 4teachers intern, wo ich denselben seit 2005 nutze. Bei den News schreibe ich mit Absicht unter demselben Nick. Ansonsten denken Sie einfach einmal an einen berühmten Nationalpark in den USA.

          • Danke @ABC für das Verständnis.

  2. Diese Ausführungen unterschreibe ich auch.
    Ich bin seit 38 Jahren Grundschullehrerin.

  3. Bitte kopieren und mit Neuer Ansprache an die Kultusministerin in Ba-Wü schicken. Und ganz ehrlich, mehr Gehalt macht mich nicht zwingend glücklicher, wenn sich an den Rahmenbedingen nichts ändert. Kleinere Klassen oder zwei Lehrer pro Klasse wären mein erster Wunsch und der zweite wäre genug Förderstunden für LRS, Dyskalkulie…etc. Damit Individualisierung überhaupt mögluch wird und eine echte Chancebgleichheit entsteht!

  4. So so, die angewandten Methoden, hier Spracherfahrungsansatz und Lesen durch Schreiben, wurden seit Jahren erfolgreich angewandt,ebenso wie eigenständiges Schreiben und Lesen Lernen mit Anlaut-Tabellen im Selbstlernmodell, ohne Gegenkorrektur und mit positiver Rückmeldung kryptischer Schriftbilder, weil sich diese Schreibweisen angeblich nicht einprägen.
    Man weicht hier der Kritik aus, verneint die flächendeckende Arbeit mit diesen Methoden um diese dann wieder vehement zu verteidigen.Es werden einseitig Einflussfaktoren, wie die soziale Herkunft der Schüler, das mangelnde Engagement der Eltern, die Inklusion und die Heterogenität der Schüler einseitig verantwortlich für das schlechte Abschneiden im IQB und VERA-Vergleich gemacht.
    Teile der Lehrer lehnen gar Vergleichsuntersuchungen ab.

    • Lehrer und Schulen haben Angst vor Repräsalien bei schlechten Ergebnissen, weil diese so oder so dem Lehrer angelastet werden.

      Sie haben übrigens in Ihrem Kommentar alle möglichen Punkte genannt, aber nicht die Aufgabe der Schüler, sich selbst auch mal auf den Hintern zu setzen, und die Aufgabe der Eltern, das zu kontrollieren und im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch zu korrigieren, generell sich mit der Schulbildung der Kinder zu beschäftigen.

      Das ist aber kein Vorwurf an sie persönlich, das ist der aktuelle Sprech der Bildungsforscher und Bildungspolitiker.

      • Richtig !

        Wobei wir nicht vergessen dürfen, in welchen prekären Beschäftigungsverhältnissen sich so manche Eltern beschäftigen. Die kommen nach Hause und sind einfach fertig !

      • Dafür muss man Eltern mit ins Boot nehmen, die das automatisierte Lesen Lernen unterstützen, gestützte Wortdiktate und Diktate unter Anleitung einüben, strukturierte Schreiblehrgänge etc.

        • Eins ist sicher: Wie schlecht die Ergebnisse auch immer sind, die LehrerInnen tragen öffentlich nie Verantwortung. Es wird eben munter externalisiert, mal ist die Besoldung, mal die Arbeitsmoral der SuS, mal die unbesetzte Schulleiterstelle Schuld. Und ich will mich da selbst gar nicht von freisprechen, habe das Spiel auch schon oft genug mitgespielt.

          Man stelle sich ein Krankenhaus vor, in dem ein Drittel der geschienten Brüche schief zusammenwachsen. Darauf angesprochen sagt der Arzt: “Da kann ich nichts für, das ist Biologie.”

          Das ist aus der Innensicht absolut verständlich, man ist in Überarbeitung, Frust etc. sicher, das Richtige zu tun. Aber das ist trotzdem nicht öffentlich vermittelbar und hilft auch nicht.

  5. Bernhard Färber

    “Zahlt uns mehr und dann wird alles wieder gut.”
    So einfach stellt sich die Lage allerdings leider nur im Gemüt von Lehrerverbandsfunktionären dar.
    Warum hat übrigens der VBE nicht ähnlich deutlich bei der Vorgängerregierung gegen die Benachteiligung der Grundschulen protestiert. Mit Frau Löhrmann war er zumindest bis vor einem Jahr meist auf Kuschelkurs.

    Wenn der VBE ehrlich ist, müsste er auch bei sich einen Kurswechsel einleiten, weg von seiner bisherigen Linie gegen Noten, gegen Vergleichsarbeiten, gegen Diktate, gegen mehr Leistungsorientierung.
    Offensichtlich sind die bayerischen Lehrkräfte auch ohne A 13 , dafür aber mit etwas mehr Leistungsanspruch recht erfolgreich.

    • Ja, auch dem kann ich nur zustimmen.

      Naja, das wissen ja hier alle von mir. 🙂

    • die Mitgliedsbeiträge sind an die Gehälter gekoppelt. mehr Arbeiter mit geringeren Gehältern sind schlechter als die bestehenden besser zu bezahlen, weil relativ gesehen weniger menschen neu eintreten.

    • Naja – da muss man aber doch beachten, wie sich die Schülerschaft zusammensetzt! Da sind Bayern und NRW wirklich zwei Paar Schuhe? In NRW ist der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund einfach deutlich höher.

      Ich brauche kein A13 zu meinem Glück. Ich brauche mehr Unterstützung, um allen Kindern ansatzweise gerecht zu werden.
      Und JA: Ich will den Kindern gerecht werden! Nicht den leistungsorientierten Eltern oder irgendwelchen Politikern, die (wenn man ehrlich ist) doch in der Regel nur einen minimalen Einblick in den Schulalltag haben.

    • “Mit Frau Löhrmann war er zumindest bis vor einem Jahr meist auf Kuschelkurs.” (Kommentar Bernhard Färber)
      Frau Gebauer muss sich jetzt mit den Versäumnissen ihrer Vorgängerin herumschlagen. In den Jahren 2011 bis 2016 gab es die grüne Schulministerin Löhrmann in NRW, und in genau diese Zeit fällt das Absacken der Leistungen der Grundschüler nach dem jetzt vorgestellten IQB-Test (ein Minus von 17 Punkten bei den Nicht-Migranten). Dasselbe übrigens in Baden-Württemberg (dort waren es SPD-Minister und ein Minus von 19 Punkten bei den Nicht-Migranten).
      Da könnte doch die Parteiideologie eine Rolle gespielt haben.
      Zumindest die überhastete Inklusion wäre ja nicht zwingend nötig gewesen. Also sind es auch hausgemachte Fehler. Jetzt
      den Migrantenanteil als Ausrede zu benutzen ist einigermaßen seltsam, denn der war den Behörden ja all die Jahre bekannt. Er ist nicht plötzlich, sondern über Jahrzehnte allmählich gestiegen. Bei dieser Studie lag er in NRW bei ca. 40 % und in Bayern bei ca. 31 %. Und dieser Unterschied soll dann alles erklären? Das leuchtet nicht ein (diese Anmerkung an Cata).

  6. Der Gegenangriff gegen die schlechten Ergebnisse der IQB-Studie scheint diesen Verbandsfunktionären die beste Verteidigung.
    Es wird langsam Zeit die eigenen Methoden zu hinterfragen. Die Spirale der Analphabetisierung wird sich bei den Kinder dieser Kinder sonst noch weiter nach unten bewegen.
    Lernen war schon immer ein individueller Prozess, es ist sogar eine Binsenweisheit.
    Wir erleben inzwischen Studenten, die nicht über ausreichende orthographische Kenntnisse verfügen, denen es schwer fällt automatisiert zu lesen und ihre Gedanken flüssig und strukturiert in Satzgebilde umzusetzen. Wie sollen diese Menschen selbst unterrichten können?
    Warum will man nicht an die Grundlagen in den Kindergärten und in den Grundschulen gehen? Warum wird nicht von vornherein ohne Fehler zu schreiben gelehrt, Konzepte vermittelt, welche die direkte Phonem-Graphem-Beziehung ohne Bildchen abbilden ?
    Erfolgreicher Schreib- und Leseerwerb erst ab der 9. Klasse, so wie es dem Grundschulverband weiterhin vorschwebt, weil die eigenen favorisierten Methoden und Modelle nicht wirksam sind. Deshalb wurden auch über die Kultusministerkonferenz die Lernziele der vierten Klasse derart heruntergeschraubt, um die eigenen Methoden zu ermöglichen. Immer schön die Verantwortung auf die weiterführenden Schulen abschieben.

    • Es fehlt schlicht an Realismus und Methodenreflexion. Und es fehlt an guter Ausbildung. Wir wissen vergleichsweise gut, was funktioniert. Was aber faktisch passiert, entstammt den Selbstverwirklichlichungskursen der Hochschuldidaktik und der Verbände.

      • Aber die Lernergebnisse waren doch früher besser.

        War dann also auch die Ausbildung früher besser?

        Zumindest könnte man dann wissen, wie es geht, oder?

    • “Deshalb wurden auch über die Kultusministerkonferenz die Lernziele der vierten Klasse derart heruntergeschraubt, um die eigenen Methoden zu ermöglichen. Immer schön die Verantwortung auf die weiterführenden Schulen abschieben.”

      Aha Lernziele stehen also im Lehrplan?? Seit 2008 gibt es in NRW einen kompetenzorientierten LP!!
      Lernziele werden von den Lehrkräften anhand unterrichtlicher Themen gesteckt und der Lerngruppe entsprechend gesetzt.

      Weiterführende Schulen spielen das Ping Pong- Spiel doch ebenso. Zitat eines Lehrers:”Warum können die Kinder keine korrekte Rechtschreibung, wenn sie hier eingeschult werden?” —> Dieser Lehrer schrieb sodann “Kaffe” an die Tafel und meinte damit wohl den gemahlenen Kaffee!

      Die schiere Arroganz mancher Lehrkräfte besonders in Gymnasien (besser zu sein als andere bzw. elitär wirken zu wollen) ist einfach nur noch ekelhaft. Von diesen Lehrkräften würde so mancher nach kurzer Zeit in der GS das Handtuch werfen.

      • Die meisten Allgemeinmediziner würden nach kurzer Zeit in einer Kinderarztpraxis das Handtuch werden. Ihr letzter Absatz hat keinerlei Aussage, weil Grundschullehrer und Gymnasiallehrer zwei vollkommen verschiedene Angelegenheiten sind.

        Von Gymnasiallehrern wird verlangt, dass sie das angelieferte Rohmaterial zur geistigen Elite formen. Weshalb 60% eines Jahrgangs die Elite sind, ist mir schleierhaft.

        Ihr erster Kommentar ist Erbsenzählerei. Gemeint wurden mit dem Wort “Lernziele” die inhaltsbezogenen Kernkompetenzen, wie Sie sie in den Lehrplänen nachlesen können. Diese wurden extrem heruntergeschraubt. Das gilt allerdings auch für den mittleren Schulabschluss und das Abitur. Bei höheren Anforderungen könnten nicht 50% des Jahrgangs das Abitur und von den restlichen 50% nicht ein großer Teil den MSA schaffen.

      • Werden im Studium nicht mehr die Rechtschreibregeln vermittelt, oder trifft zu, was ich bereits an anderer Stelle schrieb, nämlich, wenn die Grundlagen nicht mehr vom ersten Schultag an vermittelt werden,dass dann beim späteren Umlernen Schwierigkeiten auftreten, die korrekten Grapheme anzuwenden und sich diese Probleme der Orthographie bis ins Erwachsenenalter nicht mehr auflösen lassen.Das erklärt auch warum auch Lehrer Methoden bedingt Schwierigkeiten haben sich von falsch programmierten Schreibungen zu lösen.Was einmal gelernt wurde bleibt hafften und bei jedem erneuten Gebrauch werden die Synapsen wieder neu durchlaufen und weiter gefestigt.
        Deshalb ist es doch auch sinnvoll vom ersten Schultag an korrekte Regeln in der Anwendung mit einzuüben, weil die Verschriftlichungen für fremde Wörter einfacher fallen.

        • haften

          • Wieder habe ich hier gelesen, die Gymnasiallehrer hätten eine widerwärtige Arroganz. Das liest man hier immer wieder, aber ich erkenne hier kein solches Verhalten. Im Grunde sind wir doch alle Handwerker, die die jeweiligen politischen Bildungsvorstellungen ausführen; wenn sich dann eine Methode (oder Ideologie) als falsch herausstellt, ist das doch nicht die Schuld des Lehrers, der macht nur, was ihm geheißen. Auch wenn ich es zum Beispiel lächerlich finde, wenn Unterricht in Pantoffeln stattfindet und Lehrer geduzt werden, würde ich das doch nie dem einzelnen Lehrer ankreiden. Ich plädiere demnach dafür, dass sich die Politik mit Anschuldigungen zurückhält, die Kernlehrpläne nach ihren Vorstellungen umschreibt und dann dabei zuguckt, wie wir es umsetzen. Aus diesem Grund würde ich die Aussagen unserer Ministerin auch nicht als Beleidigung verstehen, sondern als politische Einsicht, es in den letzen Jahren vergeigt zu haben.

  7. Wenn Schulministerin Gebauer den Unterricht nach ‘Lesen durch Schreiben’ (Schreiben nach Gehör/’Schreib’ wie du sprichst’) für falsch hält, kann sie sich auf zahlreiche Veröffentlichungen namhafter Linguisten, Grundschuldidaktiker und Psychologen (die Professoren Bredel, Thomé, Röber, Fuhrhop et al./des Hirnforschers Prof. Spitzers, des Biopsychologen Prof. Güntürkün et al.) berufen. Mit dem einprägsamen Slogan ‘Schreib’ wie du sprichst’ wird – nicht selten über Monate und oft Jahre hinweg – suggeriert, mit Hilfe einer Anlauttabelle (Lauttabelle, Buchstabentabelle) könne man Laut für Laut eines gesprochenen Wortes in Buchstaben übersetzen. Indes gilt es als unumstritten, dass es im Deutschen in dem Verhältnis zwischen Lauten und Buchstaben so etwas wie eine Buchstabentreue nicht gibt. Von daher gelten Anlauttabellen als zentrales Unterrichtsmittel im Anfangsunterricht als völlig ungeeignet. Charakterisierend für den Unterricht nach den Schreiben-nach-Gehör-Versionen war und ist – und wie schon vor Jahren für das Lehrwerk “Tinto” so beworben – der Leitgedanke: “Grundlage der Materialien in der Lehrwerksreihe ist die Idee, dass Kinder sich den Weg in die Schriftsprache weitgehend selbstständig erarbeiten können.” Dass es in der Grundschule zur Einführung unterrichtlicher Neuerungen, in diesem Fall zur Umsetzung einer Idee, nicht einmal ausreichender Forschungsergebnisse bedarf, die eine Reform begründen und absichern könnten, ist nicht neu. Ohne solide Erprobung mit Evaluationen über Jahre hinweg und ohne begleitende Longitudinalstudien, die zu validen Befunden hätten führen können, weist aber in besonderem Maße auch diese Reform alle Züge eines Experiments auf. Über Reformvorhaben dieser Art spöttelte denn auch der Erziehungswissenschaftler J. Oelkers, „dass ihre Erprobung paradoxerweise mit dem Ernstfall beginnt.“ Dass der Sprachwissenschaftler Prof. Dr. W. Sendlmeier über die Schreiben-nach-Gehör-Version des N. Sommer-Stumpenhorst ein vernichtendes Urteil fällt, ist nicht verwunderlich: “Dieser Ansatz ist eher eine Mischung aus unterlassener Hilfeleistung und gezielter Irreführung. Die erheblichen Schwächen dieser Didaktik, falls man sie überhaupt als eine Didaktik bezeich­nen kann, werden auch nicht dadurch kompensiert, dass Aspekte der Emotion und Motivation in den Vordergrund gerückt werden.” (Mehr dazu bei: http://www.grundschulservice.de/1746594.htm#Nr._23) Mehr als nur ein Geschmäckle hat es allerdings schon, wenn U. Beckmann, der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), nun die neuen Methoden des Rechtschreiberwerbs, worunter auch die ‘Rechtschreibwerkstatt’ des N. Sommer-Stumpenhorst fällt, als erfolgreich bezeichnet: Seit vielen Jahren lädt dieser Verband Sommer-Stumpenhorst zu Einführungs- und Fortbildungsveranstaltungen ein.

    • Danke für den präzisen und klar formulierten Kommentar. Ich schreibe hier seit einem 3/4 Jahr eigene und von anderen Eltern gemachte Erfahrungen und Argumente gegen bebilderte Anlaut-Tabellen, Lesen durch Schreiben,Spracherfahrungsansatz und eigenständigen Schriftsprach- und Leseerwerb ohne Korrekturen und negative Rückmeldungen von Fehlern durch Lehrer , welche teilweise scheinbar weder die Rechtschreibregeln beherrschen, die Risiken der Methoden ignorieren und negieren und so den Feldversuch für eine verkorkste Methode ermöglichen.
      Es wird Zeit , dass das Kultusministerium seiner Verantwortung nachkommt und dem gesamten Spuk Grenzen setzt und zumindest die jenigen Eltern ünterstützt, welche sich gegen derartige Methoden zur Wehr setzen.

  8. @XXX: Wenn das Niveau an den Gymnasien so unterirdisch ist, dann müssen Sie ja langsam Angst um Ihr Gehalt haben. Ist es denn nicht immer DAS Argument der Gymnasiallehrer, dass der Stoff und das Studium viel schwieriger sind? Da müsste ja ein kürzeres Studium auch reichen. Heutzutage kann man ja auch im Studium angeblich nicht mehr viel erwarten…..

    • Alle Grundschullehrer A13! Kumbaya!
      Mich interessiert, und ich hoffe, ihr könnt mir Auskunft geben, ob die Seminare und Fachleiter bestimmte Methoden im Sprachunterricht bevorzugen. Ich habe auch gelesen, dass die Grundschullehrer in ihren Methoden frei seien, aber sind dies auch die LAA? (Es geht mir um den Gebrauch der Anlauttabellen.)

      • Ich weiß es nicht. Allerdings werden die meisten LAA taktisch klug in Lehrproben die Methoden und Sozialformen auswählen, die den Fachleitern genehm sind. Dadurch wird das Schreiben des Unterrichtsentwurfs auch viel einfacher.

  9. Also ich bin Mutter einer Zweitklässlerin, habe erfolgreich studiert,wie auch mein Ehemann. Selbst die Generation der Urgroßeltern gehörte zu erfolgreichen Schul- und Universitätsbesuchern. Mit Entsetzen habe ich diese Woche meiner Tochter Lärmschutzkopfhörer im Internet bestellt, damit sie sich die von ihr erwarteten Kompetenzen in den Freiarbeitsphasen -am Wochenplan sitzend- selbst erkämpfen darf. Ich begreife nicht, wie man das noch Unterricht nennen darf. Die Studie zeigt, was Eltern schon lange ahnen – die Grundschulpaedagogik will leider zuviel, und verpasst dabei leider das Eigentliche oft. Liebe Kritiker, hätten Sie Spaß an der Schule gehabt und diese erfolgreich abgeschlossen, wenn sie sie erlebt haetten, wie Kinder aus der Generation meiner Tochter? Viele sicher nicht. Ich grüße herzlich aus der Welt der Silbenufos, der Karis und Bus, der umstrittenen Humdertertafeln und zu kombinierenden Zahlenstränge, der verzweifelten Mathelogikseiten und Dosendiktate.

    • “… die Grundschulpaedagogik will leider zuviel, und verpasst dabei leider das Eigentliche oft.”
      Das kleine Einmaleins wird meist nicht mehr auswendig gelernt, obwohl es noch in den Bildungszielen steht. Selbst Gymnasiasten können es heutzutage oft nicht. Man hält es nicht mehr für so wichtig. Zum Ausgleich gibt’s eine Art “neue Mathematik”, die sich Didaktiker ausgedacht haben. Das ist in der Tat eine Welt von Begriffen, die die jetzige Elterngeneration noch nicht kennengelernt hat, z.B. auch das halbschriftliche Rechnen. Das hat schon manchen zur Verzweiflung gebracht. Am besten mal zur Didacta gehen und in den bunten Schulbüchern blättern, spziell vom Cornelsen-Verlag. Da kann man staunen. Größere Buchläden genügen vielleicht auch.

      Zyniker könnten Ihnen natürlich entgegenhalten: Sie gehören offenbar zu der Spezies der traditionellen Bildungsbürger und propagieren eine unsoziale Ausgrenzung in Eliteschulen für eine kleine Oberschicht. Solchen Leuten muss man im Zuge des Bildungssozialismus mehr Sozialkompetenz beibringen. Der Unterricht musste sich deshalb grundlegend ändern. Und wo gehobelt wird, fallen Späne. Man vergleiche die Kulturrevolution in Maos China.

      • …ein heißer Vergleich, der mich doch zum Schmunzeln gebracht hat: Der Mao des Ländles schwingt die Fahne der Chancengleichheit nach getanem Kehrwochendienst über den Grundschulheften seiner Kinder, und huellt sich im Deckmäntelchen des Gutmenschentums, wenn das Klassenziel vom eigenen Kind nur durch Heimunterricht erreicht werden kann, Revolution beginnt ja bekanntlich immer ganz unten. Einfach schade, dass Justins Mama Schicht arbeitet, und leider abends müde ist und das Geld für den Hort nicht reicht.Aber wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne. Das nenne ich “wahrhaftig”.
        Die Grundschulen selbst sind nicht “schuld”, aber es braucht dringend eine Entzerrung, im Moment gewinnt niemand, vor allem nicht die, denen man entgegen kommen wollte, und die Kinder, die könnten, auch nicht. Dieses System weiter auszubauen, kann nicht die Lösung sein. Niemand ist gegen mehr Fachkräfte, aber dann bitte auch mal Methodik und Didaktik anpassen.

    • Nee, die Grundschulpädagogik will nicht.
      Sie hat im Zuge des vermurksten G8 lediglich mehr Aufgaben auf’s Auge gedrückt bekommen.

    • @silbenufo Verstehe ich das richtig?:

      Dosendiktat = Schüler merken sich einen Satz und schreiben ihn auf? Was das mit einem Diktat zu tun hat, weiß ich nicht. Allerdings funktioniert es in Eigenregie ohne Lehrer, was wohl der Sinn der Sache ist.
      Hundertertafel = Ich hoffe, die ist in Klassenarbeiten nicht zugelassen. Das kleine 1×1 lernt man damit auf jeden Fall nicht auswendig.

      • Um hier weiteren Vorurteilen entgegenzuwirken:
        Dosendiktat = Abschreibübung, bei der man lernt sich immer mehr Wörter auswendig zu merken.
        Hundertertafel = dient zur Orientierung im Hunderterraum bei der Einführung desselben. Die Zahlenvorstellung kann über die Hundertertafel aufgebaut werden.
        An der Hundertertafel kann man zudem wunderbar mathematische Zusammenhänge in Form von Mustern erkennen, auch beim 1×1.
        Die Hundertertafel ist ein mengenorientiertes Material, kein lineares, wie der Zahlenstrahl (wir arbeiten auch mit dem Zahlenstrahl), zeigt aber die Bündelung von Zahlen gut. (5er System, 10er System)
        Es gibt Stimmen von Leuten, die in der Therapie mit Dyskalkulikern arbeiten, dass die Hundertertafel für diese Kinder nicht so viel nützt.
        Im Prinzip fährt man bei uns zweigleisig, wobei wir neuerdings eher mit Hunderterfeldern, Zehnerstangen und Einerwürfeln auf der einen Seite und auf der anderen Seite mit dem Zahlenstrahl arbeiten bei der Einführung in einen neuen Zahlenraum.
        Was soll denn ein Hunderterfeld bei einer Arbeit bringen? Bis dahin müssen sich die Schüler sicher im Zahlenraum bewegen können ohne Hilfen. Nur ganz schwache Schülern gibt man manchmal Anschauungsmaterial zur Unterstützung.

        • Wir machen es am anderen Ende der Republik genauso.

          “Arbeiten” schreiben wir in der 2. Klasse nicht, aber man kann testen, ob Kinder den Zahlenraum samt Hundertertafel erfasst haben. Dann ist im Test eine solche Tafel – meist blanko.

          Wie man wohl Arbeiten über Kafka schreiben lässt, ohne sein Werk einzubeziehen?

          • Genau, das habe ich vergessen. Es gibt Aufgaben, etwas in eine Blanco- Hundertertafel einzutragen, wenn diese Tafel eingeführt wird.

        • Danke. Meine Frage war rein sachlich gemeint, ohne Vorurteile und ähnliches.

          Diese Hundertertafel setze ich auch gerne in Klasse 5 oder 6 ein, wenn ich mir dafür die Zeit nehme und den Begriff der Primzahl behandle (Sieb des Eratosthenes). Die Verwendung in der Grundschule war mir unbekannt.

          • Vielleicht wundert sich dann so mancher Gymnasiallehrer, warum die Schüler das Sieb des Eratosthenes so schnell kapieren. Im Prinzip stellen wir die Vielfachen ebenso dar und wenn man das Hunderterfeld komplett markiert – ist jetzt aber nicht nötig in der Grundschule, kann man aber machen – bleiben die Primzahlen übrig. ; -)

        • Das stimmt. Einfach mal googeln. So sieht die Hundertertafel aus:

          https://www.grundschulmaterial.de/medien/Mathe/Klasse%202/Hundertertafel/c/3/1858/1002/p/1/

          Dort spricht man auch von einer möglichen Beamer-Präsentation. Mich befremdet das. Beamer in Klasse 2 ?

          • Klar,
            am Interaktiven Whiteboard … wenn man eines hat.

            Da kann man Zahlen in der Hundertertafel darstellen /färben oder in einer Blanko-Tafel markieren.
            Auch gibt es vorgefertigte Materialien, bei denen man z.B. Felder abdecken und aufdecken kann.
            Ähnliche Materialien gibt es aber auch analog, sowohl für die Lehrerhand/Tafel, als auch für die Schülerhand/den Tisch.

            Und es gibt seit ewiger Zeit grafisch sehr simpel aufgezogene PC-Spiele, in denen z.B. die Hundertertafel in Form eines Hauses mit 100 Fenstern gezeigt wird und das sieben-und-siebzig-ste Fenster beleuchtet werden soll – mit sehr direkter Rückmeldung.

    • Hier sind ja mal wieder Grundschulexperten am Werk!

      Die genannten Methoden haben mit der Feststellung, dass die genannte Arbeitsatmosphäre in der Klasse nicht dem Lernen dienlich ist, m.E. nur wenig zu tun: das eine sind die Methoden, das andere die Führung einer Klasse – mit neuem Fachbegriff: Classroom-Management.
      Tatsächlich gibt es Methoden, die eine gewisse Lautstärke produzieren, Partner- oder Gruppenarbeiten zum Beispiel, da die SuS miteinander sprechen sollen, was man allerdings auch in angemessener Lautstärke schaffen kann.
      Die aufgeführten Methoden sind jedoch leise, da ja niemand sprechen muss.

      Bei allem Genannten kann ich erklären, worin das Ziel liegt und warum es sinnvoll sein kann, es begrenzt einzusetzen …aber das möchte hier vermutlich ohnehin keiner lesen.

      Abgesehen von Klassenregeln und der Führung einer Klasse sind statt Lärmschutzkopfhörern übrigens akustisch gedämmte Klassen viel dienlicher, nahezu ein Segen. Statt einer Aufwärtsspirale habe ich die Empfindung, es gäbe eine Abwärtsspirale und die Kinder werden immer leiser. Aber dafür muss der Schulträger Geld springen lassen.

      Zum 1×1: Wissen Sie alle noch, wann, wo und wie Sie das 1×1 erlernt haben?
      Lehrkräfte legen auch heute sehr wohl Wert auf das Trainieren des 1×1, wieder und wieder und noch mal und wieder.
      Ansonsten: Inhalt Klasse 2: Erweiterung des Zahlenraumes von 20 auf 100, Add.+Subtr., Einführung des 1×1 – sprich: Kernaufgaben. … und tatsächlich ist man damit ein Jahr lang beschäftigt und selbst dann beherrschen es etliche Kinder nicht sicher.
      Viele Lehrkräfte bestehen dennoch schon in der 2. Klasse auf das Automatisieren des 1×1 und wiederholen dies in Klasse 3+4.

      Meine Perspektive ist gerade, dass es erschreckend ist, was Kinder trotz Übung nicht lernen und Eltern zu Hause nicht unterstützen. Das Kind wird morgens vor der Schule abgesetzt, mit etwas Glück durfte es sich zuvor ein Brötchen beim Bäcker kaufen. Alternativ stellt man dem Kind den Wecker und es geht allein und nimmt sich zuvor seblst ein abgepacktes Schokoladenbrötchen. Damit hat man seine Pflicht getan.
      Andere Kinder sind nicht knapp vor der Verwahrlosung, sondern so überbehütet, dass sie ohne mehrfache direkte Ansage nicht in der Lage sind, ein AH auf den Tisch zu legen, es an der genannten Stelle aufzuschlagen und das Arbeiten zu beginnen. Erziehung zur Unselbstständigkeit und Dauerbegleitung.
      Dazwischen bewegt sich Unterricht.

      • Es ist immer wieder erschreckend, wie wenig Gymnasiallehrer über die Arbeit an der Basis in der Grundschule wissen. Studierte Mathematiker wissen anscheinend nicht, warum wir mit der Hundertertafel arbeiten.

        • Es wäre schon hilfreich wenn angehende Lehrkräfte der SekI+II im Vorbereitungsdienst an Grundschulen hospitieren müssten (Abschnitt: zweite Schulform nach dem Examen).
          Während meiner Ausbildung (Seiteneinstieg als Anerkenner mit regulärem zweijährigem Vorbereitungsdienst) für das Lehramt GHR(HRGe) in NRW mussten wir Seiteneinsteiger zum einen Grundlagen der Erziehungswissenschaften nachholen (incl. Prüfung) als auch Grundlagendidaktik für das Fach Mathematik oder Deutsch an Grundschulen auf der Grundlage der Kernrichtlinien für diese Fächer an Grundschulen (ebenfalls mit Prüfung).

      • Das hier Beschriebene trifft ziemlich genau meine Meinung… und meine Beobachtungen, die ich in 38 Jahren Lehrertätigkeit an einer Grundschule gemacht habe und mache.

  10. @ ZITAT (silbenufo):

    “Die Studie zeigt, was Eltern schon lange ahnen – die Grundschulpaedagogik will leider zuviel, und verpasst dabei leider das Eigentliche oft. Liebe Kritiker, hätten Sie Spaß an der Schule gehabt und diese erfolgreich abgeschlossen, wenn sie sie erlebt haetten, wie Kinder aus der Generation meiner Tochter? Viele sicher nicht. Ich grüße herzlich aus der Welt der Silbenufos, der Karis und Bus, der umstrittenen Humdertertafeln und zu kombinierenden Zahlenstränge, der verzweifelten Mathelogikseiten und Dosendiktate.”

    So ist es !

  11. Liebe Redaktion!!!!

    Bitte berichten Sie mal 3 Tage lang nichts über die Grundschule. Dann können sich Greti und Bleti hier mal jemand anders suchen, über den sie sich lustig machen können. Die Leute haben keine Ahnung.

    Ich habe ein Thema vorzuschlagen: Warum schaffen es heutige Gymnasillehrer nicht mehr, die SuS zu einem anspruchsvollen Abitur zu führen und studierfähig aus der Schule zu entlassen? Früher waren die Philologen viiiiiel besser.

    • Dem stimme ich zu. Manchmal denke ich, ich bin hier im falschen Film. Ich schreibe nur deswegen etwas dazu, weil man vieles so nicht in der virtuellen Öffentlichkeit stehen lassen kann, weil Grundschule eben anders ist, alsdass sie hier in vielen Kommentaren hingestellt wird.

      • Ach ja, wie denn.Ich kenne hier vier ehemalig Lehramtsstudentinnen, die vom Grundschulstudium auf andere Gebiete gewechselt sind, weil denen die Perspektive auf ein derart Schüler fernes Arbeiten nicht gefiel.
        Wahrscheinlich müssen da einmal die Seminarleiter in den Universitäten in die Schulpraxis versetzt werden, damit diese einmal ihre eigene virtuelle Pädagogik und deren Erfolge direkt zu Gesicht bekommen, wenn man dann etwa in einer Duisburger Grundschule so fast der einzige ist, der den Kindern fließendes Deutsch vermitteln könnte, aber statt dessen Arbeitszettel mit kurzen Imperativen an seine Schüler zum selbständigen lernen verteilen muss.
        Ja von wem als dem Lehrer sollen dies Kinder denn fließendes Deutsch lernen.
        Alles natürlich individuell zugeschnitten mit minimalsten Ansprüchen an die Schüler, als Beschäftigungstherapie organisiert. Außerdem würden diese dann mal Grundprobleme kennen lernen, wie eine fehlende Arbeitshaltung von Schülern zur Freiarbeit, Wochenarbeit und Wochenplänen im selbstständigen Lernen, fehlendes Frühstück der Schüler und eigener Materialien, teilweise desinteressierte Eltern , welche zu keinem Gespräch erscheinen.
        Aber dann gibt es natürlich auch die ländlichen Gebiete mit einem geringen Migrationsanteil und überwiegend bürgerlich-konservativem Klientel, also geradezu paradiesische Verhältnisse.
        Aber genau dürfen sich jetzt auch an dieser neuen Pädagogik nach Barnitzki, Brügelman und Falko Peschel, der mit den Kleingruppen,offene Unterrichtsmethoden genießen, damit alle die gleiche Chancen auf Bildung haben , oder auch nicht.
        Und genau dagegen wehren sich diese konservativen Leute. Ja wie unmodern ist das denn,das geht doch schon mal gar nicht.

        • “… Außerdem würden diese dann mal Grundprobleme kennen lernen, ”

          Ja. Das würde vielen mal gut tun, die “Grundprobleme” in den “Grundschulen” kennen zu lernen.
          Wenn Studierende feststellen, dass sie dort nicht gut aufgehoben sind, ist es konsequent, sich ein anderes Betätigungsfeld zu suchen. Auch ich hatte PraktikantInnen, die sich Grundschule als “ein bisschen mit den Kleinen spielen” vorgestellt haben und “die sind ja alle so lieb” und “ich habe mittags gegen 12 Uhr frei”, dann aber die Realität betrachten durften: viel Individualität, viel Förderung, viel Inklusion, viel Arbeit.

          Da kommen dann hinsichtlich beeinträchtigten Kindern Sätze wie: “Können die Eltern denn nicht ein bisschen mehr mit dem Kind üben, dann ist es doch nicht mehr behindert.” Ob man bei einem blinden Kind auch fragen würde, ob die Eltern nicht ein bisschen mehr “sehen” mit dem Kind üben könnten?
          Andererseits sehen PraktikantInnen eben auch, was inzwischen zu den Aufgaben der Lehrkräfte hinzugekommen ist und dass sich viele völlig falsche Vorstellungen machen – um so besser, wenn sie rechtzeitig ein Praktikum absolvieren.

          Wer in der Grundschule bestehen will, muss handfest sein. Traumtänzer und Abgehobene werden das nicht können, aber auch nicht die, die immer meinen, es würde reichen, alles 1x zu sagen, 1x zu erklären oder alles wäre klein und niedlich.

        • Guter Kommentar, der sich nicht gegen die Lehrer richtet, wie immer wieder behauptet, sondern gegen ein lebensfremdes Bildungssystem mit seinen Begleiterscheinungen.
          Würden die Lehrer doch Kritik am System oder angeordneten Lehrinhalten und Methoden, die ihnen aufgedrückt werden und von anderen kommen als ihnen selbt, nicht so automatisch als Kritik an Ihrer Person oder Ihrem Berufsstand empfinden und deshalb eine Verteidigungshaltung einnehmen.
          Sie verteidigen damit das, was sie selbst quält. Sie sollten schon aus Gründen des Selbstschutzes darum mutiger sein im Zugeben von Fehlern, die sich ohne ihr eigenes Wollen und nur durch Verdonnern an den Schulen abspielen.
          Ich kann mir nicht vorstellen, liebe Grundschullehrer, dass ihr da alle nur gegen Überlastung, zu wenig Hilfe und zu viel Bürokratie seid, die große Linie aber gutheißt und deshalb Kritik an ihr als Kritik an euch selbst empfindet.

          • “Ich kann mir nicht vorstellen, liebe Grundschullehrer, dass ihr da alle nur gegen Überlastung, zu wenig Hilfe und zu viel Bürokratie seid, die große Linie aber gutheißt und deshalb Kritik an ihr als Kritik an euch selbst empfindet.”

            Mein Blickwinkel ist ein anderer.
            Ich finde eher selten, dass mir Methoden aufgedrückt werden, Lehrwerke manchmal, Lerninhalte schon eher, vor allem dank der Umstellung auf G8 sind viele Inhalte in der Grundschule gelandet und verbleiben nun offenbar dort, mit Vergleichsarbeiten und Inspektionen wurde sichergestellt, dass sie auch implementiert wurden. Einige Änderungen waren sicher dringend notwendig, anderes ist überflüssig.
            Nach knapp 10 Jahren wird vieles wieder alles umgewälzt und Neues vor die Nase gesetzt, dieses Mal folgen verpflichtende Fortbildung mit Monologen, natürlich auch wieder viel Bürokratie und Zusatzarbeit.

            Die Belastung selbst entsteht weit weniger durch Unterrichtsinhalte.
            Natürlich ist die Belastung durch Inklusion und Migration erheblich gestiegen. Dies ohne Unterstützung und Entlastung zu leisten, ist eigentlich nicht fachgerecht möglich. Sehr viele Grundschullehrkräfte denken aber generell vom Kind aus und bemühen sich immer, den Alltag dennoch möglichst gut zu gestalten, sodass für alle Lernen möglich ist. Da Grundschullehrkräfte schon immer für alle zuständig waren, liegt es ihnen eher fern, Kinder links liegen zu lassen – das zumindest ist meine Beobachtung und meine Erfahrung. Weil sie es sich so zu Herzen nehmen, sind sie in diesem Bereich für Kritik auch wesentlich empfänglicher.

            Ärgerlich und damit belastend sind aber auch die vielen zusätzlichen Aufgaben, erheblich mehr Bürkokratie, ständige Veränderung vor und zurück, kaum Planungssicherheit. Der Großteil der Arbeitszeit steckt inzwischen in den anderen Aufgaben, nicht mehr im Unterricht und dessen “normaler” Vorbereitung.

    • “Warum schaffen es heutige Gymnasiallehrer nicht mehr, die SuS zu einem anspruchsvollen Abitur zu führen und studierfähig aus der Schule zu entlassen? Früher waren die Philologen viiiiiel besser.”

      Da gäbe es viel zu sagen. Die (angeblich politisch und gesellschaftlich gewollte) Steigerung der Abiturquote auf 50-60 % zum Beispiel, Früher (als vor Jahrzehnten) war das nicht so, man konnte noch höhere Ansprüche an die SuS stellen. Gute Gymnasien waren Eliteschulen, auf denen sich ohne wirkliche Fähigkeiten nicht jeder halten konnte. Heute gibt es Gymnasiasten in der Oberstufe, die das kleine 1×1 und die Bruchrechnung nicht mehr richtig können und richtige Rechtschreibung auch nicht, von der Fähigkeit, einen selbst formulierten Aufsatz zu schreiben, ganz abgesehen. Sitzenbleiben ist “out”, jeder wird mitgeschleppt.
      Die Studierfähigkeit ist nur noch pro forma eins der Bildungsziele. Die Bildungsziele wurden fachlich entkernt und mit zahlreichen Bindestrich-Kompetenzen garniert. Man hat das Abitur herunterskaliert im Streben nach einer vermeintlichen sozialen Gerechtigkeit.
      Und man hat den Werdegang der Gymnasiallehrer ständig verändert, teils mit dem der Realschullehrer zusammengelegt (das gilt als besonders progressiv, ist in Bremen realisiert). Man hat erklärt, die sollen wegen der Heterogenität der SuS gar nicht so viel vom Fach verstehen, sondern mehr von Pädagogik und Didaktik und natürlich von Inklusion. Das hat sich nicht bezahlt gemacht. Etliche Gymnasiallehrer in Mathematik sind heutzutage eher fachlich schwach und haben selbst Schwierigkeiten.
      Kurz und gut: Was mississippi hier beklagt, ist der Endpunkt einer langen Entwicklung von Reformen und Reförmchen. Die Frage “warum ist das so?” sollte man also am besten jenen Politiker/innen stellen, die das alles angeleiert haben, vorzugsweise von rot-grün. Man wollte keine Eliteschulen, man argwöhnte eine Ausgrenzung durch das Bildungsbürgertum, und nun hat man bekommen, was man wollte. Das Gymnasium von heute ist die neue Form der Hauptschule, die Hauptschule ist zur Restschule geworden. Nun bitte nicht jammern!

      • Exakt meine Meinung. Danke dafür.

        Das Abitur ist zu einer Studierberechtigung verkommen, Studierbefähigung spielt keine Rolle mehr.

        Zur Mathematik: Beweise sind (in NRW) im Leistungskurs bei Unterricht nach Lehrplan optional, im Grundkurs aufgrund des Schülermaterials sinnlos. Mathematik im Sinne einer beweisenden Wissenschaft des Geistes, also das, was ich an dem Fach so faszinierend finde, gibt es in der Schule überhaupt nicht mehr — es sei denn der Lehrer nimmt sich ausdrücklich Zeit dafür.

        Nach Geschichten, die ich über die Qualifikationskurse Mathematik Sek I und Sek II gehört habe, sind die fachlichen Schwächen einzelner “Aufstockerlehrer” für mich keine Überraschung.

        • @xxx: Der Unterschied ist hier: Die Lehrer sind nicht Schuld. In der Grundschule sind sie es.

          • Lehrer werden auch an Gymnasien verantwortlich gemacht für schwache Schülerleistungen. Im Zweifel ist speziell der Mathematiklehrer schuld an allem, wobei alle Beteiligten wissen, dass man wegen Mathematik alleine weder hängen bleiben noch abgeschult werden kann. Dafür braucht es noch mindestens ein anderes (Haupt-) Fach und keinen Ausgleich.

          • Genau. Das ist die verkürzte Wahrnehmung Außenstehender.

            Die Lehrer aller Schularten stehen in der Kritik.

            Dass es hier besonders die Grundschullehrer trifft, liegt wohl auch an der Themenauswahl. Es wird ständig über A 13 berichtet und dann stellen einige das halt infrage und andere nicht. Und wir haben ständig die Diskussion um die Anlauttabelle. Das ist nunmal ein Grundschulthema.

            Grundschulen im Allgemeinen, aber natürlich nicht jeder Grundschullehrer im Besonderen stehen in der Kritik, den Kindern heutzutage nicht mehr ausreichend Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Das mag auf die hier Diskutierenden gar nicht zutreffen, aber sie fühlen sich ständig bemüßigt, “die anderen” zu verteidigen und sich selbst angegriffen zu fühlen. Fakt ist aber, dass diese Probleme bestehen und dann sollte man darüber reden dürfen, woran es liegt.

            Die Lehrer der weiterführenden Schulen sind hier wenig im Fokus. Das liegt doch aber nicht an ihnen. Das liegt an den immer gleichen Themen aus dem Grundschulbereich. Gerne darf da auch anderes diskutiert werden.

    • @ missis.,

      da stimme ich Ihnen wieder einmal zu. Bitte mal 3 Tage lang nichts über Grundschule und bitte auch mal 1 Woche lang nichts über A 13 und sonstige Gehaltsdebatten.

      Manchmal gibt es ja sogar an einem Tag zu einem Thema mehrere Artikel und es wird ständig das Gleiche diskutiert, aber es wird ja auch ständig das Gleiche berichtet.

      Passiert denn nichts anderes im Bildungsbereich? Was planen die künftigen Koalitionäre? Man liest gar nichts dazu (hier).

    • Liebe mississipi,

      wir verstehen Ihr Entsetzen über die Herabwürdigung von Grundschullehrern hier (wie überhaupt in unserer Gesellschaft) vollkommen – sind aber nicht der Meinung, dass Schweigen dagegen hilft. Wir möchten, im Gegenteil, dazu beitragen, die Situation zu ändern, und Grundschullehrern zu dem Respekt zu verhelfen, den ihr großes Engagement verdient. Dehalb legen wir lieber nach:

      http://www.news4teachers.de/2017/10/wie-politiker-die-wut-der-eltern-auf-die-grundschulen-anheizen-und-damit-allen-lehrern-schaden/

      Herziliche Grüße
      Die Redaktion

  12. Palim, Mississippi und Frau Langer,
    Sie alle drei haben völlig recht.
    Ich wüsste zu gerne, was hier los wäre, wenn der Unterricht und das Material der weiterführenden Schulen derart oberflächlich verrissen würde – und das von Eltern oder Lehrern, die noch nicht einen Tag lang in der Grundschule selbst unterrichtet haben!

  13. Und ysnp natürlich auch 🙂

  14. So, als Mutter möchte ich auch mal etwas loswerden. Meine 3 Kinder und ihre Freunde lernen alle nach meinem Bio-Leistungskurs-Ordner, weil die heutigen Biolehrer nicht in der Lage sind, Heftaufschriebe zu formulieren, mit denen man etwas anfangen kann. Mein Mann ist Diplom-Physiker. Auch er hat alle Hände voll zu tun. Was machen die eigentlich in der Schule den ganzen Tag?

  15. Ach ja, beim Elternabend geht es schon los. Die Fachlehrer erscheinen kurz, um zu sagen: “Also, ich bin der Herr xyz, ich unterrichte Ihre Kinder in Mathe. Bei mir zählt schriftlich zu mündlich 3:2. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.” Man erfährt nichts über die Arbeitsweise, Förderung schwacher Schüler oder besonders leistungsstarker, nicht worauf es in diesem Schuljahr besonders ankommt. Höchstens, dass man einen Taschenrechner bestellen muss über die Schule. Aber so ist das ja hier gewollt. Frontale Sitzordnung, eine Tafel, ein OHP, sonst nichts. So wie es wohl vor meiner Zeit als Schülerin schon aussah. Man hält sich strikt an das Mathebuch, denn so wissen die Eltern immer was drankommt und können die SuS zu Hause begleiten. Zum Glück hat mein Mann alle Mathescheine und übernimmt das. Herr v.L., Sie sind nicht der Einzige, der sich der Bildung seiner Kinder annehmen muss. Etwa 25 % aller deutscher Gymnasiasten nimmt Nachhilfe. Die Deutschen geben für Nachhilfe etwa 900 Millionen Euro im Jahr aus. Und das bestimmt nicht in der Grundschule.

    • Das läuft hier am Gymnasium deutlich besser und es wird den Kindern erfrischender Unterricht geboten und es hat sich bewährt, dass wir das regelmäßige Arbeiten zu Hause mit eingefordert haben ,teilweise eigenständig nach vorherigem Besprechen der Vorgehensweise und das regelmäßige , eigenständige Vokabeln lernen in Englisch.Es hilft eine richtige Mischung aus selbstständigem Arbeiten und geführtem Arbeiten.
      Aber leider haben die meisten Schüler andere Bedingungen. Merke, je mehr früh richtiges gelernt wird, desto einfacher fällt später der Lernfortschritt.

    • Lassen Sie uns einfach mal rechnen:

      60% aller Schüler besuchen das Gymnasium
      Nach Ihrer Angabe nehmen 25% von denen Nachhilfe
      Folglich kommen 45% aller Gymnasiasten ohne Nachhilfe aus.
      (Bei 50% Gymnasiasten entsprechend 37,5%)

      Bei dem Schüleranteil ohne Nachhilfe kommen wir in Regionen, die ich für ein Gymnasium als höchste Schulform für gesund halte.

      Gründe für Nachhilfe sind vielfältig. In Bayern z.B. in der Grundschule um den Übergang ins Gymnasium zu schaffen. Am Gymnasium z.B. auch, weil die Eltern überzogene Erwartungen an ihre Kinder haben. In NRW kommt noch die misratene Umstellung auf G8 dazu, die die Mittelstufe viel zu stark verdichtet.

      • und auch hier:
        “Der Unterschied ist hier: Die Lehrer sind nicht Schuld. In der Grundschule sind sie es.”

        Überzogene Erwartungen am Gymnasium sind Sache der Eltern, die ihre Kinder nicht realistisch eingeschätzt oder die falsche Schulform ausgewählt haben sollen,
        überzogene Erwartungen an den Grundschulen sind Sache der Lehrkräfte, weil sie schlechten Unterricht machen.

        • Es hängt in der Grundschule natürlich auch an den Eltern, die Kinder an ein regelmäßiges eigenständiges und gesteuertes Arbeiten heranzuführen.
          Das muss man denen auch sagen. Und dennoch ist es wichtig direkt die richtigen Graphem-Phonem-Verbindung zu vermitteln,ohne Fehlereinschleifung im Cortex, einer falschen “Programmierung”, und automatisierende Leseübungen durchzuführen,auch mit Hilfe der Eltern. Hier machen das sogar arabische Eltern mit dem Kieler Leseaufbau, und die lernen damit gleichzeitig unsere Sprache zu sprechen.

          • “Das muss man denen auch sagen.”

            Es steht im Förderplan, es wird in jedem Elterngespräch gesagt – jetzt protokolliert – und in jedem Telefonat und mal so zwischendurch… mit praktischen Beispielen für den Alltag oder Angaben, wie geübt werden könnte, sogar mit Material und Listen und Belohnungsdressur (ich mag das Wort) … und doch kommt es nicht an.

            Die eine Mutter sagt deutlich, dass ihr dafür (5-10 min täglich lesen) die Kraft fehlt), aber wir doch bitte mehr auf ihr Kind Acht geben sollten, sie würde ohnehin nicht verstehen, warum Lehrkräfte es nicht schaffen würden, dem Kind mehr beizubringen.

            Die andere Mutter hört, was sie hören möchte:
            Lehrerin: Ihr Kind muss dauernd geschickt werden.
            Mutter: Ja, mein Kind ist geschickt.
            Lehrerin: Ihr Kind ist in der Lage, die Aufgaben angemessen zu lösen, aber es beginnt gar nicht erst mit der Arbeit und stellt sich unwissend, BIS ihm geholfen wird.
            Mutter: Ja, das Kind muss zurück gehen, damit ihm geholfen wird.
            Lehrerin: Es wird erwartet, dass Ihr Kind selbstständig arbeitet.
            Mutter: Zuhause kann es alles. Man muss ihm nur GENAU sagen, was man haben möchte.

      • Woher nehmen Sie den wert, dass 60% ein GY besuchen? Vorallem 60% von was?

        In NRW gehen etwas über 42% der Grundschüler am Ende des 4. Schuljahres auf ein Gymnasium über. Da neben den Gymansien auch Gesamtschulen und Berufkollegs gymnasiale Oberstufen unterhalten, ist die Quote der SuS mit Abitur bezogen auf die Gesamtheit der Schulabschlüsse höher als 50% – vor allem dann, wenn sowohl die Fachhochschulreife und die allgemeine Hochschulreife als “Abitur” (aka Hochschulzugangsberechtigung) subsumiert werden.

        Btw Ihre Betrachtung lässt die Zahl der Gymnasiasten außer Betracht, die Nachhilfe im häuslichen Bereich (Papa oder Mama, Großeltern oder ältere Geschwister) erhalten.
        Darüber hinaus muss zwischen temporärer und dauerhafter Nachhilfe unterschieden werden.

        Ich kann nur schlussfolgern, dass Sie der Meinung sind, bestimmte SuS seien nicht gymnasialgeeignet. Vielleicht sind die Gymnasien aber nur nicht geeignet, einen Teil ihrer Schülerschaft entsprechend zu fördern?

        • Natürlich sind etliche Schüler nicht geeignet für ein Gymnasium, das seinen Namen auch verdient und damit auf ein Hochschulstudium vorbereitet. Dafür reicht auch eine Abiturquote von 30% locker aus, was dann nach Ihrer Rechnung alle derzeitigen Gymnasiasten sind, die ohne Nachhilfe auskommen.

          (Dabei nehme ich grob vereinfachend und damit verfälschend an, dass nur die schwächsten 25% Nachhilfe benötigen und auch tatsächlich erhalten. Ferner beziehe ich mich nur auf dauerhafte Nachhilfe. Sehr viele Schüler werden wohl sporadisch ihre Eltern fragen, ob sie sie bei dem einen oder anderen Problem helfen können.)

          Das ist aber nicht das derzeitige Ziel der Bildungspolitik, was die Nivellierung der Anforderungen auf niedrigem Niveau zur Folge hat. Sie selber schreiben ja oft genug von einer Hochschulzugangsberechtigung im Unterschied zu einer Studierbefähigung. Dürfen und Können sind zwei verschiedene Dinge.

          Bei meiner Rechnung habe ich wohl zu hoch gegriffen, weil ich die Gesamtschulen und Berufskollegs nicht berücksichtigt habe. So oder so sind 50% mit Abitur viel zu viel. Die Folge davon können Sie z.B. hier nachlesen:

          http://www.dailymail.co.uk/news/article-5010037/Marcus-drives-Mercedes-Ashley-afford-petrol.html

          Ja, der Artikel bezieht sich auf England, und ja, über die Geschlechterrollen soll man sich nicht mal nicht aufregen. Anders als die Politik verkündet, bedeutet ein abgeschlossenes Studium in “Darstellender Kunst” nicht zwangsläufig ein erträgliches Einkommen. Ein Ingenieurstudium schafft halt nicht jeder, erst recht nicht, wenn die Universitäten ihr Anspruchsniveau noch widerwilliger und noch langsamer senken als die Gymnasien. Außerdem sind Ingenieure, die nicht rechnen können, oder Ärzte, die keine Ahnung von Anatomie haben, eine Gefahr für die Gesellschaft.

          • Ingenieurstudium – wenig Inspiration, mehr Transpiration.

            Ingenieurstudiengänge werden maßgeblich überschätzt.

            Der altehrwürdige Spruch

            “Früher wusste ich nicht wie Ingenieur geschrieben wird, heute bin ich selber einen!”

            hat durchaus seine Berechtigung – vorallem für B.Eng., da sind Techniker besser “ausgebildet”.

  16. @mississippi, da wäre so viel zu zu sagen… Auch ich bin Vater. Meine Tochter wechselte in M/Phy den Lehrer, verschlechterte sich von 3 auf 5, wechselte das Gym und steht jetzt überall 2 und besser. Das ist zum Verzweifeln. Keine Standards, keine Transparenz, keine Kontrolle. Die besten Schulen der Welt stehen in Holland, Kanada und v.a. in Finnland. Ein Bekannter von mir ist dort Schulaufsicht, daher kenne ich mich da aus. Die Finnen machen wirklich alles besser als wir. Wirklich alles, obwohl sie hier gelernt haben, wie es geht in den 70er Jahren. Peter Struck beschreibt das in 15 Gebote des Lernens anschaulich. In Finnland ist ein Lehrer verantwortlich für seine Schüler. Abschulen und ähnliche Spirenzien gibt es dort nicht. Verantwortlich sein heißt dort, bei natürlich viel kleineren Klassen und einer 7 jährigen Grundschulzeit, fördern, individualisieren und persönlich betreuen. Vorherrschende Lehrmethoden sind übrigens instruktiv. Bei uns schulen sogar die Gesamtschulen ab. Die stärksten Lehrer werden in Finnland unten eingesetzt. Aber von Systemfragen abgesehen zeigt Ihre Erfahrung, dass es stark von Einzelfällen abhängt, zum Glück wird andernorts auch seriös und engagiert gearbeitet. Dass es Glücksache ist, ist natürlich ein Skandal!

    • Wenn wir so kleine Schulklassen hätten wie in Finnland und dazu noch Personal, das die Lehrer entlastet, dann wäre auch bei uns vieles besser. Aber bei uns müssen es ja Riesenschulen sein mit über 1000 Schülern, kaum zusätzlichem Personal und dann am Gymnasium auch noch mit riesigen Klassen von 32 oder 33. Und ob die deutsche Version des “individualisierten Lernens” mit “Lernbegleitern” statt mit Lehrern bei den Finnen auf Zustimmung stoßen würde, halte ich für sehr fraglich. Wie man hört, gibt es dort auch viel Frontalunterricht, der bei uns als schrecklich altmodisch gilt. Bei PISA 2012 lagen die Finnen übrigens in Mathematik nur noch 5 Pünktchen vor Deutschland, warum eigentlich?

  17. @Jagothello: Ja, das kenne ich auch so. Wer in unserem Gymnasium einen bestimmten Lehrer in Mathe und Physik gleichzeitig bekommt, ist so gut wie versetzungsgefährdet. Das kann nicht sein.

    • Das tut mir leid. Bei gerechter Notengebung ist eine “5” in einem Nebenfach wie Physik, Geschichte, Kunst usw. ohne tatkräftige Mithilfe bzw. Nichthilfe des Schülers eigentlich unmöglich.

      • Ja, oder aber es fehlen die Grundlagen, die zuvor schon nicht erfolgreich vermittelt wurden.

        Und das hat man tatsächlich immer öfter! 🙁

    • Mississippi
      Es darf im Gymnasium nicht sein,dass die Lehrer sich nur auf die besten Schüler ihren Unterricht ausrichten, das sehe ich wie Sie.Die anderen muss man genauso versuchen mitzuziehen und nicht das Gefühl der eigenen Ohnmacht aufkommen lassen.

      • “Es darf im Gymnasium nicht sein,dass die Lehrer sich nur auf die besten Schüler ihren Unterricht ausrichten.”

        Ja, aber ist es denn so? Was passiert, wenn zu viele in der Klasse eine 5 bekommen? Gibt es dann nicht Schelte “von oben” ? Wird nicht Druck auf Lehrer ausgeübt? Man bemüht sich doch um Nivellierung und die Einbeziehung der Schwächeren, oder bestreiten Sie das grundsätzlich? Selbst zu meiner Schulzeit (ein paar Jahrzehnte her) kümmerte man sich nicht nur um die besten im jeweiligen Fach.

        • Ich habe das bei mississippi so verstanden, als sie Ansprach, dass bei der Besetzung der Fächer Physik und Mathematik der selbe Lehrer beides betreute.

        • Normalerweise gibt es die nivellierung auf niedrigem Niveau. Um die besten kann man sich kaum wirklich kümmern, weil schulformübergreifend meist die Schüler die Aufmerksamkeit bekommen (müssen), die sie am wenigsten verdienen. die inklusion kommt ggf. noch oben drauf.

          die Gymnasien oder eigentlich alle weiterführenden Schulen erwarten von Grundschulen lediglich, dass die Kinder lesen, schreiben und rechnen können (im kopf und schriftlich). Das geht leider viel zu oft schief, weil die grundschulen viel zu viele nebenkriegsschauplätze, insbesondere erziehungsaufgaben und die katastrophale inklusion aufgedrückt bekommen.

          • Das nehme ich anders wahr.
            Viele LuL erwarten von Gründschülern sehr viel mehr und achten zudem überhaupt nicht auf die curricularen Vorgaben.
            Gibt es Änderungen, schreien die Gymnasiallehrer am lautesten, dass die Kinder schlecht seien. Auch sonst ist vorherrschend, dass Philologen auf gemeinsamen Konferenzen an den Curricula vorbei diktieren möchten, was sie denn gerne noch alles hätten.
            Und etliche meinen offenbar immernoch, 4 Jahre GS sind wie 4 Jahre Gymnasium. Das Lernen in der Grundschule kann aber nicht gleichschnell sein, schließlich müssen SuS in der GS zunächst ankommen und verstehen, was Schule bedeutet, zudem muss Unterricht weitgehend anschaulich und aktivierend sein. Brügelmann hin, Fibeltrott her, Pädagogik erfordert, vom Kind aus zu denken und entsprechend zu agieren, Nürnberger Trichter gibt es nicht und Nürnberger Speichersticks auch nicht.

          • Nur um ein Beispiel zu nennen:
            In NRW ist die schriftliche Division im vierten Schuljahr nicht mehr Bestandteil der curricularen Vorgaben für die Grundschule.

            Nur in den Kernrichtlinien für die weiterführenden Schulen wird das Verfahren als bekannt vorausgesetzt.

          • @dickebank beides ist eine Frechheit.

          • ZITAT: “In NRW ist die schriftliche Division im vierten Schuljahr nicht mehr Bestandteil der curricularen Vorgaben für die Grundschule.”

            Sag ich doch. Grundlagen sind u.U. schon gar nicht mehr (erfolgreich) vermittelt worden.

          • @Palim: “Pädagogik erfordert, vom Kind aus zu denken und entsprechend zu agieren.”
            Wohl war! Doch leider hat der wohlklingende Satz Tücken. Erstens wäre zu fragen, welcher Pädagoge wirklich so gut weiß, was die Kinder denken, und zweitens tut sich die Frage auf, wie entsprechend richtiges Agieren aussieht.

            „Vom Kinde aus!“ ist ein altbekanntes Motto in der langen Geschichte der Pädagogik, das unzählige Bücher mit verschiedener Meinung füllt. Es ist auch richtig, aber in der Ausführung erheblich facettenreicher und schwieriger als im einfachen Hinschreiben und Lesen.

            Zu fragen wäre auch noch, ob die Pädagogik immer „erfordert, vom Kind aus zu denken und entsprechend zu agieren“.
            Ich glaube das nicht und halte darum ein Verabsolutieren, wie Sie es vornehmen, für falsch.

          • @Prasuhn
            Ich sehe das so wie Sie. Wenn die meisten Grundschullehrer meinen, sie als Pädagogen müssten grundsätzlich vom Kind aus denken und danach handeln, könnte das ein Grund für das hier vielgeschmähte Unterfordern, Verhätscheln und zu wenig Beibringen sein.
            Immer vom Kind auszugehen kann auch bedeuten, es zum Dirigenten und den Lehrer zum bequemen Handlanger und Wunscherfüller zu machen.
            Ob das sehr förderlich ist, wage ich zu bezweifeln. Ich glaube sogar, dass die Kinder sich gestandene Lehrer wünschen, die führen und sich nicht führen lassen.

          • Dem widerspreche ich deutlich. Grundschüler werden weder verhätschelt, noch unterfordert und ihnen wird auch nicht zu wenig beigebracht. Wir arbeiten mit den Schülern, so weit wir mit ihnen kommen und was geht. Ein sehr problematisches Feld ist die zunehmende Heterogenität der Grundschulklassen, sei es in Richtung Verhaltensauffälligkeit, Konzentration oder Lernschwierigkeiten. Die Extremfälle nehmen Jahr zu Jahr zu. Da “kuschelt” mit Sicherheit keiner, sondern bei uns ist die eigene Gesundheit verstärkt ein Thema (Stichwort: Lehrergesundheit).

          • Ich frage mich, wo ich etwas Verabsolutiert haben sollte und fand das Beispiel von dickebank ziemlich zielführend.
            Anders herum kann ich aber sagen: Unterricht, der die Kinder nicht bedenkt, sondern über ihre Köpfe hinweg erteilt wird, wird sie nicht erreichen. Unterricht, der die Kinder nicht im Blick hat, wird die Diagnostik vernachlässigen, Förderung nicht einsezten … ging es nicht in den Bedingungen um gute Schule um die Passung der Aufgabe?
            “Vom Kind aus zu denken” hat mit “Verhätscheln” gar nichts zu tun, ich stimme dem Beitrag von ysnp zu.

            Und ich frage mich, woher diese Unterstellungen immer kommen, die wiederum vorrangig an die Grundschullehrkräfte gegeben werden.
            An welcher Stelle wird Philologen vorgeworfen, sie würden die Abiturienten verhätscheln, weil sie die Studierfähigkeit ja nicht erlangen, wo sie doch aus den Grundschulen die lernfähigsten und selbstständigsten SuS erhalten, die dort zugegen sind?

          • “Wir arbeiten mit den Schülern, so weit wir mit ihnen kommen und was geht…Die Extremfälle nehmen von Jahr zu Jahr zu.”

            Das möchte ich bestätigen und habe aus Fr. Prasuhns Kommentar auch nicht dasselbe herausgelesen wie Stefan.
            Für eine wenig erwähnte Belastung neben den immer wieder genannten (Überlastung durch die Inklusion und Eingliederung von Flüchtlingskindern, Erziehungsdefizite usw.) halte ich den Wandel der Schulen vom halbtägigen Ort des Lernens zum ganztägigen Ort von Betreuung, um nicht zu sagen “Aufbewahrung”.
            So viel und langer Schultrubel ohne nennenswerte Möglichkeiten zum Rückzug und Ausspannen kann für Kinder nicht gut sein.

          • @ Stefan B.,

            ich hingegen stimme Ihnen grundsätzlich zu. Es mag bei ysnp anders sein (und in Bayern vielleicht sowieso), aber ich denke schon, an Grundschulen, wie ich sie kenne, wird viel verhätschelt und zu wenig beigebracht (unterfordert je nach Schüler, bei manchen sicherlich nicht).

            ZITAT: “Ob das sehr förderlich ist, wage ich zu bezweifeln. Ich glaube sogar, dass die Kinder sich gestandene Lehrer wünschen, die führen und sich nicht führen lassen.”

            Das habe ich immer wieder erlebt. Es gab Aussagen von 5.-Klässlern über Lehrer, die alles mit sich machen ließen, in der Art: “Sie hat es einfach nicht drauf.” 5. Klasse !!!

  18. Eigentlich wollte ich überhaupt nicht damit anfangen, die Gymnasiallehrer schlecht zu machen. Da ich selbst Lehrerin bin, weiß ich, was hinter den Kulissen läuft. Aber hier wird die Arbeit der Grundschullehrer permanent durch den Kakao gezogen und ich könnte hier loslegen und aus dem Nähkästchen plaudern, was mir an den Gymnasialkollegen alles nicht passt. Aber ich höre jetzt auf damit, denn ich weiß, ich sehe nur das, was bei mir ankommt. Lieber regle ich das vor Ort und lasse alle anderen Lehrer damit in Ruhe, die gar nichts damit zu tun haben. Man kann sein “Leid” nicht verallgemeinern und nicht an Unbeteiligten auslassen.

    • Doch, doch, machen Sie ruhig.

      Die betroffenen Lehrer/innen können Ihnen ja dann auch ihre Meinung dazu sagen.

      Aber jetzt zu den einen nichts sagen zu wollen und dafür zu sich selbst nichts mehr hören zu wollen, wohin soll das führen? Wie diskutieren wir dann, worin die immer schlechteren Lernergebnisse unserer Schüler zu begründen sind?

  19. ” Da Grundschullehrkräfte schon immer für alle zuständig waren, liegt es ihnen eher fern, Kinder links liegen zu lassen – das zumindest ist meine Beobachtung und meine Erfahrung. Weil sie es sich so zu Herzen nehmen, sind sie in diesem Bereich für Kritik auch wesentlich empfänglicher.”
    Palim sagt wie immer das Richtige. Gegenseitige Achtung und Respekt fände ich gut, damit meine ich alle Beteiligten. Kinder, Eltern, Lehrer, Kollegen.

    • Ich würde die Schuld auch nie primär den Lehrern geben, sondern den illusionären und parteigeleiteten Schulreformern. Klar ist aber, dass schwächere Kenntnisse in der Grundschule sich fortpflanzen, denn die Oberschulen (auch das Gymnasium) sollen ja die Kinder so übernehmen und “dort abholen, wo sie sind”.
      Laut offiziellen Mitteilungen von Kultusbürokraten gibt es aber keine Bringschuld mehr, etwa der Grundschule gegenüber Realschule/Gymnasium oder des Gymnasiums gegenüber der Hochschule. Das macht die Sache so schwierig und führt zu leidigen Konflikten. Am Ende schimpft jeder auf jeden. Aber niemand übernimmt Verantwortung, wenn was schief geht. Oder habt ihr schon gehört, wer für das Desaster der letzten IQB-Studie ansatzweise sowas wie Verantwortung übernimmt?

  20. @xxx um 22.56 Uhr. Sehen Sie, so ist das, wenn man Schuld sein soll. Wir Grundschullehrer stehen hier öffentlich dauernd am Pranger.

    • Nein, mit Schuld sind zum ersten die verschiedenen Interessenverbände, welche über die K.M.-Konferenz Einfluss auf die Schulpolitik nehmen und den daraus ständig folgenden Reformen mit praktisch jeder neuen Wahlperiode und den nachfolgenden Änderungen (Frühbeschulung mit 5 Jahren, Beschulung bei Unreife,Jahrgang übergreifender Unterricht) der Arbeitsbedingungen,der Lehrpläne und neuer,oder falsch angewandter(Individualisierung) oder fehlerhafter(LDS) Lehrmethoden für die Lehrer und Schüler,welche keiner validen Untersuchung unterzogen wurden.
      Zum zweiten die desaströs, desorganisierte inklusive Beschulung,welche auch ohne große Testphase, mit unzureichenden Geldmitteln und teilweise ohne Einbeziehung der Eltern durchzogen wurde.
      Die Heterogenität der Schüler hat zwar einen großen Einfluss auf die Testergebnisse,sowie auf die angewandten Lehrmethoden, diese gehört aber zu den äußeren Rahmenbedingungen ,welche in jedem Ort eine andere Ausprägung zeigt(Ballungsräume versus ländliche Gebiete).Deshalb können die jeweiligen Lehrmethoden in den verschieden, von der Bevölkerungsstruktur der jeweiligen Kommune abhängig , auch anders gestaltet sein.
      Ebenso muss es bei der finanziellen Ausstattung der verschiedenen Schulen(z.B.Duisburg versus Kleve), in Abhängigkeit von deren Heterogenität der Schüler ,zu unterschiedlichen finanziellen und personaltechnischen Ausstattungen für Sozialarbeiter, Lehrer und mit Betreuern in Betreuungsplätzen kommen.

    • Diese Anschuldigungen sind in dem üblichen Bild vom fehlenden Fundament, auf dem sich kein Turm errichten lässt, begründet.

      Folglich klagen die Hochschullehrer über die mangelnden Leistungen der Gymnasiallehrkräfte und diese wiederun über die der Grundschullehrkräfte. Am Ende dieser Kette wird es jetzt problematisch, der Hinweis auf die fehlenden Voraussetzungen der Kinder, die ja im Elternhaus bzw. in einer Kita oder einem Kindergarten gelegt werden müssen, appelliert zu eindeutig an Pflichten der Erziehungsberechtigten, die ja gleichzeitig auch Wähler sind. Das ist auch der Grund warum an dieser Stelle die Politik sich nicht hinter die Lehrkräfte stellt. Es ist zu einfach subalterne Kräfte der Exekutive an den Pranger zu stellen, zumal diese sich nur behördenintern beschweren können, wovon die Öffentlichkeit nicht allzuviel mit bekommt – außer es werden öffentlichkeitswirksam Brandbriefe geschrieben.

      • dickebank

        Wenn diese aufgeführten Ursachen nicht erkennbar die Ursachen sind, dann muss man sich eben jene Bundesländer ansehen, welche die größten Abweichungen von den vorherigen Ergebnissen hatten und was in diesen Ländern geändert wurde. Da kommt man der Ursachenforschung schon näher.
        Da müsste man sich mal ansehen, was in Baden-Württemberg verändert wurde an den Unterrichtsmethoden, oder auch die neu eingeführten Kontrollen über die , wie Unterrichtsmethoden Lehrer,oder auch eine unvorbereitete, unterfinanzierte und personell schlecht ausgestattete Inklusion.Die ist nämlich nach dem finnischen Modell deutlich teurer als das deutsche Modell.

        • Antwort: Die Abschaffung der verbindlichen – allerdings in ihrer prognostischen Wirkung eher fragwürdigen – Grundschulempfehlungen.

          • Dafür gibt es ja die Erprobungsstufe 5/6. Da aber viele Eltern die Fähigkeiten ihrer Kinder über- und die Anforderungen der gewählten Schulform unterschätzen, kommt es zu deutlich mehr Ab- als Aufschulungen, die allerdings ihrerseits wieder den Lehrern in die Schuhe geschoben werden. Stichwort “nicht genug gefördert”, aber gleichzeitig zuhause noch etwas für die Schule tun, geht nicht wegen Ganztag und Sport und Musikschule und und und”. Ich möchte mal die Klagen hören, wenn Lehrer über mehrere Monate den Hausaufgabenerlass wörtlich nähmen und voll ausnutzten …

          • Müssen wir an Schulen im gebundnen Ganztag und machen wir auch.

          • Machen Schüler der Klassen 8-10 tatsächlich jeden Schultag 75 Minuten Hausaufgaben während der Lernzeiten? Ich behaupte mal, dass es keine Ganztagsschule gibt, die 5×75 min = 375 min oder 4×90 min pro Woche Lernzeiten anbietet. Die AGs kommen am Nachmittag noch oben drauf und während des Unterrichts dürfen ohne sich die Lernzeit schön zu rechnen nur _zusätzliche_ Unterrichtsstunden aufgrund des Ganztags zu Lernzeiten gerechnet werden. Förderstunden gehören nicht dazu.

            Lernzeiten verstehen sich natürlich ohne das Lernen von Vokabeln und der generellen Nacharbeit des Unterrichts. Das ist nämlich keine Hausaufgabe im Sinn von Hausaufgaben und folglich auch nicht von Lernzeit.

          • Nee, an Schulen des gebundenen Ganztages mit 5 mal 8 Schulstunden plus einstündiger Mittagspause oder mit 3 mal 9 und 2 mal 6 Unterricht plus Mittagspause sind Lernzeiten eingeschlossen. Diese Lernzeiten finden im Laufe des Unterrichtstages, also nicht nur im Nachmittagsbereich statt. Die Förderstunden finden parallel zu den Lernzeiten statt, da eine Ausweitung der Gesamtstundenzahl (188 Wochenstunden von Klasse 5 bis 10) nicht möglich ist.

          • Dachte ich mir. Mit anderen Worten wurde die effektive Arbeitszeit im Betrieb Schule durch Einführung des Ganztags kürzer. Ebenso dürften im Nachmittagsbereich in den Stillarbeitsräumen eher die Schüler sitzen, die es nicht bräuchten, während die, die es bitter nötig hätten, ihren Spaß in der Sport-AG haben. Das ist aber nicht weiter verwunderlich, weil auf die Hausaufgabenmoral dasselbe zutrifft.

          • Mitnichten, wie ich schon schrieb, im Nachmittagsbereich findet regulärer Unterricht statt. AGs kommen ontop zu den 34 bis 36 verbindlichen Wochenstunden. In den Unterrichtstag sind Lernzeiten integriert, zu denen parallel Förder- und Forderangebote liegen.

          • Ich vergaß zu erwähnen, dass es ja eine zentrale Forderung der Landeselternschaft an Gymnasien in NRW war, dass bei einer Rückkehr zum G9 die Zahl der verpflichtenden Unterrichtsstunden je Woche an allen weiterführenden Schulen von Klasse 5 bis 10 auf 164 WS begrenzt werden sollte.

            164 WS in sechs Jahrgängen und einer Fünf-Tage-Woche … auch eine Art Urlaub zu machen. Umgerechnet sind das nämlich etwas über 5 Unterrichtsstunden je Tag. Nur lässt sich damit die Pflichtstundenzahl für die einzelnen Fächer nicht mehr erreichen.

            Von den 164 WS müssen allein für die Hauptfächer (D, E, M, Wahlpflichtfach) von Klasse 5 bis 10 (3 mal 3 mal 6 plus 4 mal 3) 84 WS abgezigen werden. Somit blieben für die Fächer der Fächergruppe II (Nebenfächer) noch 80 WS verteilt auf sechs Jahrgänge übrig, wobei Sport dreistündig und Religion zweistündig je Jahrgang verpflichtend sind. Also sind von den 80 WS weitere 30 WS verplant. Der Rest muss dann für die Fächer Kunst, Musik, Geschichte, Erdkunde, Politik/SoWi, Chemie, Physik, Informatik und Biologie ausreichen – oder wie soll das gehen?

  21. Thorsten Schröder

    Ein Glück, dass ich nicht Lehrer geworden bin. Offensichtlich besteht in dieser Berufsgruppe nicht nur erbitterte Uneinigkeit über die Ziele und den Umgang mit Schülern, sondern auch ein Anerkennungswettstreit und bedenklich stimmender Applaus von außen und fragwürdiger Seite für die hier geäußerten zahlreichen, aber nur von wenig stammenden Vertreterinnen des Grundschulbereichs.
    Ich bin später und hier wahrscheinlich als Helikopter- eingestufter Vater. Hauptsache ist für mich, dass mein kürzlich eingeschulter Sohn ein zufriedenes Leben vor sich hat. Auf keinen Fall möchte ich, dass eine falsche Bildungspolitik und eine uneinige Lehrerschaft über sein Wohl und Wehe entscheiden.
    Am Wochenende habe ich hier ziemlich viel gelesen und muss sagen, dass ich bei allem Mitgefühl für die politisch verantwortliche Überlastung der Grundschullehrerinnen deren (Verzeihung!) “treudoofen” Glauben an die ansonsten richtige Richtung nicht teile.
    Am wichtigsten ist mir aber ein Zusammenfinden der Lehrer. Mein Sohn soll nicht in der Grundschule mit Samthandschuhen angefasst, wenig gefordert und verwöhnt werden und dann auf einer weiterführenden Schule zu hören bekommen, dass er auf der Grundschule ja nichts gelernt hätte.

    • Das ist aber die Realität.

      Und nun muss man überlegen, ob die weiterführenden Schulen genauso “samtweich” arbeiten und lehren sollen, dann bestünde der Unterschied ja nicht mehr, oder die Grundschulen wieder fordernder. Das ist der Streitpunkt.

      Einigkeit werden Sie nicht erreichen. Es wird immer unterschiedliche Meinungen geben. Wie sollte es unter den Lehrern anders sein als unter den Bürgern. Die wählen bekanntlich auch nicht alle nur die EINE Partei, in der sich alle wiederfinden.

      • Die Wahrscheinlichkeit, dass die weiterführenden Schulen per Erlass Samthandschuhe übergestülpt bekommen, halte ich für bedeutend höher als eine forderndere Grundschule. Das kommt nämlich beim Wähler besser an.

        • Thorsten Schröder
          Sie werden mit ihrem Sohn lesen üben müssen und die richtigen Grapheme ihm vermitteln und einüben müssen. Und auf jeden Fall alle Fehler verbessern und die richtige Schreibung einüben, sonst kriegen Sie das nicht mehr raus.

          • Eine insgesamt großartige Entwicklung der Pädagogik: Früher korrigierte die Schule die Rechtschreibung der Kinder, heute müssen es die Eltern tun. Und das angesichts der vielen Migranten, die vielfach (und verständlicherweise) selber unsicher dabei sind. Es ist nicht zu fassen …

          • Das ist hier in NRW auf Grund der skurilen Pädagogik des Spracherfahrungsansatz nötig.

          • “Früher korrigierte die Schule die Rechtschreibung der Kinder, heute müssen es die Eltern tun.”
            Wenn diese Aussage allgemein gemeint war, stimmt sie nicht.
            Hier meine eigene Weise, das sicher viele Lehrer so ähnlich machen: Ich kontrolliere so weit es mir möglich ist, alles nach, Schularbeiten und Hausaufgaben. Rechtschriftlich Falsches wird entweder von mir oder von den Schülern verbessert, mit Schülern individuell besprochen oder speziell geübt (je nach Leistungsstand). Wiederkehrende falsche Wörter z.B. in selbst verfassten Texten üben die Schüler anhand ihrer individuellen Rechtschreibkartei.
            Ich bin allerdings froh, wenn ich einige Schüler habe, wo die Eltern schon einmal vorher geschaut haben (ist nicht so so oft der Fall, viele begnügend sich mit der Nachfrage bei ihrem kind, ob die Hausaufgaben gemacht wurden), weil ich irgendwann nur noch drüberschauen kann, wenn es zu viel wird.

        • Lieber xxx: Wenn heutzutage 50 – 60 % eines Jahrgangs im Gymnasium angemeldet werden, wie ja immer geschrieben wird, dann kommt auch hier eine viel heterogenere Schülerschaft an als vor 20 Jahren mit Übertrittszahlen von vllt. 30 %.

          Die weiterführenden Schulen sollten sich anstatt auf den Grundschulen herumzureiten, auch dieser Aufgabe stellen und die Schüler bestmöglich fördern. Da ist ein Einheitsunterricht wahrscheinlich nicht mehr das Effizienteste. Es gilt, umzudenken und sich neuen Gegebenheiten anzupassen, was nicht gleichbedeutend ist mit einer Absenkung des Niveaus.

          • Die Absenkung des Niveaus übernimmt der Lehrplan schon von ganz alleine …

            Das Problem mit der Heterogenität haben Sie gut umschrieben. Ich persönlich halte es aber falsch, das Gymnasium zur neuen Hauptschule zu machen. Da die Politik anderer Meinung ist, muss ich das tolerieren und das best mögliche daraus machen.

          • 50% bis 60% erhalten eine Hochschulzugangsberechtigung, die Übertrittsquoten nach der Grundschule an ein GY liegen bei max. 45%.

            Die Klassen an GY sind also gar nicht so heterogen, wie die “Erlauchten Räte” dem gehobenen Dienst suggerrieren möchten.

            Bezüglich des “Leerplanes” bin ich aber einer Meinung mit @xxx.

          • Wenn man sich auf Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien beschränkt, also Gesamt-, Sekundar- und andere Schulen herausrechnet, gehen 62% aller Schüler in NRW auf ein Gymnasium, 32% auf die Realschule und 6% auf die Hauptschule.

            Umgerechnet auf eine Normalverteilung mit Mittelwert 100 und Standardabweichung 15 entspricht dies der Bereich von 77 bis 95 auf der Realschule. Darunter ist Hauptschule, darüber ist Gymnasium. Wenn Sie diese Zahlen mal mit dem IQ identifizieren, erkennen Sie doch eine kognitiv sehr große Heterogenität, weil auf den Gymnasien doch ein paar wirklich Hochbegabte mit IQ deutlich über 130 herumlaufen. Von den Eltern zu Hochbegabten erklärte Schüler gibt es deutlich mehr, aber das tut hier nichts zur Sache.

            (Die dahinterstehende Annahme, dass die Verteilung der Schüler auf Gesamt- und Sekundarschulen dieselbe ist, wie auf Gymnasien, Realschulen und Hauptschulen, ist natürlich grob falsch, weil der dortige Anteil echter Gymnasiasten deutlich zu gering ist. Außerdem ist das Konzept des IQ eher fragwürdig. Es soll hier nur als grobe Veranschaulichung dienen. Bei der tatsächlichen Übergangsquote von 42% auf das Gymnasium käme man auf IQ ab 103, allerdings gibt es noch eine Überschneidung mit Gymnasiasten auf Gesamtschulen. Auf den anderen Schulformen gibt es noch viel mehr Überschneidungen.)

          • Was soll dieser Taschenspielertrick? GemS, SekS und GeS sind in NRW Teil der Schullandschaft.

          • Neulich habe ich auf einer Fortbildung gehört, dass sich der IQ ganz normal nach Gauß verteilt. Einen IQ über 130 (ab da beginnt die Hochbegabung) haben 2% der Bevölkerung. D.h. von 100 Schülern sind es 2 Schüler. Das macht pro Klasse höchstens 1 Schüler, wenn überhaupt.

          • ysnp: “… dass sich der IQ ganz normal nach Gauß verteilt.”
            Das tut er, aber der Mittelwert 100 und die Standardabweichung werden jeweils neu justiert. Das sind keine absolute Größen. Wenn man in zwei Ländern beides separat macht, dann bedutet 100 im dem einen nicht auch 100 in dem anderen. Man kann das auch international auf 100 normieren. Manche Leute haben herausgefunden, dass dann die PISA-Durchschnitte so in etwa mit den IQ-Durchschnitten übereinstimmen, also D in der Mitte, Finnland und Japan darüber, Türkei und Katar deutlich darunter.

            Jetzt kann sich Anna wieder aufregen über vulgär-Darwinistsche Theorien mit einer Nähe zur AfD. Allein schon “IQ” überhaupt zu erwähnen ist politisch nicht mehr korrekt, merkt euch das.

          • Leiden Sie unter einem Syndrom, dass Sie zwingt, dauernd “AfD” zu sagen (und den seltsamen Imperativ “merkt euch das” hinterherzuschieben)?

            Warum soll man denn angeblich nicht mehr IQ sagen dürfen? Man darf sogar “Hitler” sagen – kommt allerdings, wie immer, auf den Kontext an.

          • Bernd: Schauen Sie einfach, was Anna nettes über mich geschrieben hat.

          • Ich finde hier überhaupt nichts entsprechendes.

          • Bernd: siehe 24.10. um 9:10 (erst drei Tage her) unter “Merkt eigentlich niemand, dass Heterogenität in einer Klasse kein Sparmodell ist…”
            Suchet, so werde ihr finden. Ich hatte bis dahin nichts von AfD geschrieben, Anna glaubte aber, mich der AfD zuordnen zu sollen. So ist das hier.
            1955: Ein einziges kluges Wort, und schon gilt man als Kommunist.
            2017: ???

          • Gegen Migrantenkinder, gegen einen angeblichen rot-grünen Mainstream, der Andersdenkenden Karrieren verbaut, und einen Nazi-Begriff haben Sie auch noch untergebracht – sind das denn nicht alles AfD-Positionen?

          • Nein. Wo soll das bei der AfD stehen? Und ich habe das nirgends abgeschrieben.

            Aber warum kommt denn das Wort “Intelligenz” nicht mehr vor, wenn Schulkinder getestet werden oder Berichte zum Bildungsstand geschrieben werden? Wir sind doch sonst so testfreudig. Hat es seit 1949 einen einzigen repräsentativen Intelligenztest an Schulen gegeben? Alle Unterschiede sollen immer nur sozial erklärt werden.

          • Weil dann wahrscheinlich etliche der Anwalts- und Arztkinder das Gymnasium verlassen müssten – während begabte Arbeiterkinder dort ihren Platz einnehmen würden. Die Schülerschaft am Gymnasium wird natürlich zu einem guten Teil durch eine Sozialauswahl bestimmt, und das war in Deutschland noch nie anders. Wenn Sie den Zugang durch Intelligenztests regeln würden – was meinen Sie, was das für einen Aufstand des Bürgertums bringen würde.

            Das ist aber garantiert keine AfD-Forderung.

          • Quatsch. Die VerA-Tests dürfen ja auch nicht dem Übergang aufs Gymnasium dienen. Aber nicht aus dem Grund, den Sie nennen. Gerade rot-rot-grün-GEW wären dagegen. Es könnte nämlich auch umgekehrt kommen. Kein einziger der praktizierten Tests dient der Verteilung von Zertifikaten oder so. Ein IQ-Test wäre nur interessant zum Vergleich etwa mit PISA oder so.

          • Bernd
            Die Arbeiterkinder kommen erst gar nicht mehr auf den Stand, wie 1970. Das sehen Sie auch an den Untersuchungsergebnissen von Prof.Steinig aus Siegen.

    • “Das ist aber die Realität.”

      Nein, sofawolf, das ist eben NICHT Realität.
      Es ist NICHT so, dass an der Grundschule alle Kinder mit Samthandschuhen angefasst würden. Es gibt Anforderungen, Regeln und Konsequenzen, Absprachen, Klassenarbeiten …
      Sie picken sich irgendwelche Horror-Stories aus irgendwelchen Medien und haben selbst dem Unterricht der Grundschule vermultich schon lange nicht mehr beigewohnt.
      Glauben Sie auch, wenn es schreckliche Berichte von Urlauben gibt, dass sämltiche Hotels und Urlaubsquartiere unbewohnbar sind und bleiben zu Hause? Essen Sie noch die Brötchen eines Bäckers oder pflanzen Sie Ihr Getreide inzwischen selbst an?

      Es stimmt NICHT, dass zu wenig gefordert oder gefördert würde.
      Sicherlich finden viele Grundschullehrkräfte, dass es weitaus besser ginge, wenn die Bedingungen entsprechend wären.
      Aber alle Grundschulen müssen Förderkonzepte vorlegen und umsetzen, betreiben Leseförderung seit Jahren und haben “Programm”, wie sie Begabte herausfordern: mit Wettbewerben, Sinus-Aufgaben, differenziertem Arbeitsmaterial.
      Viele Lehrkräfte der Grundschule stöhnen, weil sie nahezu jede Unterrichtsstunde mehrfach vorbereiten, auf verschiedenen Niveaustufen. Nicht in jedem Fach geht dies mit offenen Aufgaben und nicht immer ist es sinnvoll, sodass es dann eben unterschiedliche Angebote braucht. Wie differenzieren Sie Ihren Unterricht?

      Auch kann ich NICHT zustimmen, dass Kinder auf der Grundschule verwöhnt würden.
      Ja, auch ich kenne verwöhnte Kinder. Aber ich kann sehr deutliche Elterngespräche führen, wenn Kinder in Watte gepackt werden und nichts alleine machen können oder dürfen und entsprechend unfähig in den Klassen sitzen, wenn sie auf sich gestellt sind.

      Dass Eltern anschließend “auf einer weiterführenden Schule zu hören bekommen, dass er auf der Grundschule ja nichts gelernt hätte.” ist eine ebensolche Behauptung. Und sollte es zu so einem Spruch kommen, kann man den Sek I. Lehrkräften auch unterstellen, dass sie sich mit so einem Satz von jeglichem Engagement und jeglicher Verantwortung freisprechen.

      Wie kann man leichtsinnig Ängste schüren, an den Grundschulen würde 4 Jahre lang nur gespielt?
      Es wird unreflektiert unterstellt, dass Grundschullehrkräfte ihren Aufgaben nicht nachkämen.
      Zudem erwecken solche Ansprüche, dass noch mehr Inhalte der Sek I. in die Grundschulen gesteckt werden, da wir ja offenbar nicht genug zu tun haben und nur “spielen”.
      Es grenzt an Verleumdung, so etwas zu verbreiten.

      Hier werden nur Methoden an den Pranger gestellt?
      Nein. Eben nicht.
      Es wird unterstellt, dass Grundschullehrkräfte generell ihre Klasse nicht im Griff hätten, nicht erziehen, keine Regeln einfordern und die Kinder den ganzen Tag sich selbst überlassen. Dieses Urteil wird in Unkenntnis der Realtität getroffen, ebenso in Unkenntnis der Bedingungen und auch in Unkenntnis von Didaktik und Methodik der Grundschulpädagogik.
      Solche Aussagen als “Realität” darzustellen, ist einfach unverschämt!

  22. Vielen Dank, Palim.

  23. @xxx: Hier bleibt man sitzen, wenn man das Gymnasium nicht schafft oder man muss die Schule verlassen. Nach Klasse 10 wechseln viele der schwachen Schüler auf die Beruflichen Gymnasien und haben somit G9 und die Allgemeine Hochschulreife. Wie ist das bei Ihnen? Wenn die Reaktion auf die hohen Anmeldezahlen eine Absenkung des Niveaus ist, bleibt es natürlich bei den vielen Schülern.

    Wie wäre es, wenn die gebeutelten Gymnasien von Anfang an auch den MSA anbieten würden, d.h. wer bis Klasse 8 oder 9 entsprechende Leistungen erbringt, geht den Weg zum Abitur und wer nicht, geht den Weg zum Mittleren Schulabschluss? Hört sich bissel gemein an, aber so könnte man das Niveau des Abiturs höher halten.

    • Problem in NRW ist, dass die Sek I nach Klasse 9 endet. die Schulpflicht erst nach Klasse 10. Zu Zeiten des G9 hatte man den MSA nach Klasse 10 automatisch. Außerdem gibt es in NRW die Gesamtschulen, die nach wie vor das G9 fahren, aber mit einer Klientel und auf einem Niveau, das die G9-Vertreter nicht haben wollen.

      • In Berlin wird die MSA-Klausur auch an Gymnasien geschrieben, und zwar nach Klasse 10. Jeder Gymnasiast erwirbt damit formal auch den MSA. Das stößt aber auf viel Kritik bei den Lehrern, weil sie einen überflüssigen Korrekturaufwand geltend machen. An den Gymnasien fällt übrigens kaum einer dabei durch, die Klausuren sind nach unten angepasst. Hier eine berüchtigte Matheklausur von 2016:

        http://www.tagesspiegel.de/berlin/schulabschluss-in-berlin-lehrer-finden-mathe-pruefungen-pillepalle/13756836.html

        Da wird auch die “neue Fundamental-gleichung” der Schulpolitik beschrieben: niedriges Niveau = niedrige Durchfallzahlen.

      • Der MSA kann frühestens nach 10 Vollzeitschulbesuchsjahren und nach Vollendung des 16. Lebensjahres vergeben werden. Hier lag ja der grundsätzliche Webfehler der schwarz-gelben G8-Regelung in NRW. Also entweder in die EF mitschleppen oder ein Jahr Berufsschule, die definitionsgemäß eine Schule der SekII ist.

        Ein Übertritt nach Abschluss der SekI an einem GY an eine Gesamtschule, um das 10. Schuljahr dort zu volenden, ist lt. NRW-APO-SekI nicht statthaft.

        • Besonders letzteres ist ein wahrscheinlich / hoffentlich von der Politik “nur” übersehener Ausnahmefall, weil nur sehr wenige Schüler nach Klasse 9 vom Gymnasium auf eine Gesamt- oder Realschule gewechselt sind. Falls die Regierung Rüttgers / Sommer das bewusst so eingefädelt haben, ist es eine Frechheit. Sonst hat ein Schüler auf einem Gymnasium, der die Versetzung in die Einführungsphase zwei Mal nicht schafft, mit Glück den Hauptschulabschluss nach Klasse 9, weil keine Real- oder Gesamtschule einen solchen Schüler aufnehmen muss, auch nicht in deren Klasse 9.

          • Nein, war es nicht. Die Bestimmungen sind mit der Einführung des G8 genauso beschlossen worden. Wer in NRW ean einem GY am Ende des 9. Schuljahres die SekI abgeschlossen hatte bzw. dessen Versetzung in die EF gefährdet war, durfte nicht an eine andere Schulform der SekI wechseln, um dort den MSA zu erlangen und die Vollzeitschulpflicht zu erfüllen. Es blieb lediglich der Wechsel an ein BK.

            Die zahl der nicht sechzehnjährigen war übrigens in den Folgejahren nach schwarz-gelb gar nicht so gering, ging doch auf deren Gesetzesinitiative die Einschulung mit fünf Jahren und die jahrgangsgemischte Eingangsphasezurück. Das hat ja dan auch 12 Jahre später unter ror-grün zu den vielen minderjährigen Abiturienten geführt.

          • Letzteres haben die Universitäten auch beklagt. Andererseits hatten die acht (!) Jahre Zeit, sich darauf vorzubereiten, unabhängig davon, dass die Wehrpflicht 2011 ausgesetzt wurde, weil diese nur die Männer betraf.

          • Warum muss man sich darauf vorbereiten, dass innerhalb einer Legislatur ein und dieselbe Regierung Maßnahmen beschließt, die nicht auf einander abgestimmt sind und darüber hinaus vergisst diese mit dem Bund abzustimmen?

            Wie hätten sich die Hochschulen denn einstellen sollen?
            Die minderjährigen Studenten konnten sich ja nicht einmal ohne Vollmacht der Eltern einschreiben. Und ob Elternsprechtage an den Fakultäten adäquat der neuen Situation gewesen wären, wage ich zu bezweifeln.

          • Aus der Presse ging hervor, dass die Hochschulen von den nicht-volljährigen Studienanfängern sowohl überrascht als auch überrollt wurden. Das geht in dieselbe Richtung wie die Abschaffung des Zivildienstes, die schon seit Jahrzehnten absehbar war, aber alle Wohlfahrtsverbände die billigen Arbeitskräfte angenommen haben in der Gewissheit, dass das irgendwann abgeschafft wird. Ich behaupte sogar, dass die Wehrpflicht gerade wegen des Zivildienstes so lange durchgehalten wurde. Mehr möchte ich dazu aber nicht schreiben, weil das zu off-topic ist.

  24. Warum zieht man die SuS denn dann die ganze Zeit mit, wenn sie nicht in der Lage sind, einen anständigen MSA zu machen?

    • Na warum wohl? Weil man wie bei 5-Jahresplänen Erfolge verkünden will, dass nun mehr SuS höhere Abschlüsse erreicht haben, alles aufgrund der großartigen Maßnahmen der jeweiligen parteiorientierten Schulpolitik im Lande.
      Nebenbei: vielleicht auch, weil Herr Schleicher sonst bei der Vorstellung der nächsten PISA-Studie an Deutschland mäkelt.
      Und außerdem : “No child left behind.”

      • No child left behind wird derzeit durch ewig langes Warten oder überhaupt nicht mehr voranschreiten umgesetzt. Ist ja auch am einfachsten.

        • Dieses Motto geht auf die ehemalige Schulministerin B. Sommer zurück. Frau Kraft und Frau Löhrmann haben diese Devise dann als “Kein Kind zurück lassen” übernommen.

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