Berlin: Schon jede vierte Schule ist eine „Brennpunkt-Schule“

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BERLIN. Besonders belastete Berliner Schulen sollen nach dem Willen von Bildungssenatorin Scheeres in den nächsten sechs Jahren 15 Millionen Euro jährlich an zusätzlicher Unterstützung erhalten.

Pro Schule seien von 2014 an bis zu 100 000 Euro pro Jahr vorgesehen, sagten Scheeres und Fraktionschef Raed Saleh (beide SPD). Das Geld werde in den Haushaltsentwurf für 2014/15 aufgenommen, die Pläne müssen aber noch vom Abgeordnetenhaus abgesegnet werden. Das Programm ist laut Saleh auf sechs Jahre ausgelegt und würde für die 207 Schulen pro Jahr insgesamt 15 Millionen Euro kosten.

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Rütli-Schule
Die Berliner Rütli-Schule geriet 2006 bundesweit als Problemschule in die Schlagzeilen. Foto: Lienhard Schulz / Wikimedia Commons (cc-by-sa-2.5/GFDL)

In dem Programm wird etwa jede vierte Berliner Schule als besonders belastet eingestuft. Saleh betonte, die Brennpunktschulen würden nicht nach Migrantenquote, sondern nach sozialer Situation ausgewählt. So sollen nach dem SPD-Plan alle Schulen gefördert werden, an denen mehr als die Hälfte der Kinder von Zuzahlungen zu Lernmitteln befreit sind. Schulen mit mehr als 75 Prozent Lernmittelbefreiung sollen 100 000 Euro im Jahr erhalten, solche mit 50 Prozent Lernmittelbefreiung präventiv zwischen 50 000 und 62 500 Euro bekommen.

Vom dritten Jahr an soll ein Teil des Geldes nur dann ausgezahlt werden, wenn vorher vereinbarte Ziele wie weniger Schulabbrecher, bessere Sprachkenntnisse oder mehr bestandene Abschlüsse erreicht wurden. «Wir verschenken an dieser Stelle kein Geld, sondern investieren in die Zukunft der Kinder», betonte Saleh.

Bei Besuchen sei ihnen aufgefallen, dass die Brennpunktschulen ganz unterschiedliche Probleme hätten, sagte Saleh. Dazu gehörten vor allem Sprachdefizite von Schülern und Eltern, Gewalt und Schulschwänzen. Deswegen sollen die Schulen nun selbst bestimmen können, wofür sie die zusätzlichen Mittel einsetzen. Viele Brennpunktschulen wollten vor allem mehr Personal wie Erzieher, Sprachmittler und Anti-Gewalt-Trainer.

Scheeres betonte, die Förderung sei «kein Reparaturprogramm für gescheiterte Schulen», sondern eine zusätzliche Unterstützung auch für Schulen, die in schwieriger Sozialstruktur bereits jetzt hohe Leistungen erbrächten.

Die Schulleiterin der Wedding-Schule, Angelika Suhr, berichtete, der Bildungsauftrag sei wegen der schwierigen sozialen Situation an ihrer Schule nur teilweise zu erfüllen. Sie wolle das Geld vor allem in die sozialpädagogische Arbeit stecken und bereits vorhandene Initiativen ausbauen. An der gebundenen Ganztagsschule im Stadtteil Wedding lernen 450 Kinder aus 26 Nationen. 95 Prozent haben einen Migrationshintergrund. (dpa)

(20.04.2013)

zum Bericht: 2000 Schüler ohne Deutschkenntnisse – Berliner Schulen reagieren auf Romazuwanderer

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1 KOMMENTAR

  1. Meiner Meinung nach müssen die Klassen konsequent und deutlich kleiner “gemacht” werden. Als Richtwert schwebt mir 14 Schüler vor (mit Ausnahmegenehmigung bis zu 16); die Stellung des Lehrers muss gestärkt werden; Schulen insgesamt sollten kleiner sein (in der Regel zweizügig, mit Ausnahmegenehmigung auch mal dreizügig). Aber das kostet, ich weiß. Die Frage ist, was sich eine Gesellschaft leisten will und schließlich ist man ja auch bereit, Geld für Kinder “auszuschütten” (und niemand weiß, was die Eltern damit machen) bzw. Lehrern noch bessere Gehälter zu zahlen, damit sie die Misere weiter aushalten. Vielleicht sollte man das Geld einfach mal anders einsetzen???

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