Beckmann kritisiert KMK-Prognosen: Schülerzahlen sind veraltet, Flüchtlingszuwanderung und Inklusion wurden unterschätzt

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Der Lehrermangel in Deutschland geht aus Sicht von Pädagogen vor allem auf veraltete Prognosen zu Schülerzahlen der Kultusministerkonferenz (KMK) zurück. «Auf dieser Basis rechnen sich die Länder den Bedarf schön, obwohl bereits bei der Geburt des Kindes klar ist, dass es in spätestens sechs Jahren einen Platz in der Schule und pädagogisch qualifizierte Lehrkräfte braucht», sagte der Bundeschef des Verbandes Erziehung und Wissenschaft (VBE), Udo Beckmann, im Gespräch. Die KMK wies den Vorwurf als haltlos zurück.

Dem Verband ist es ein Dorn im Auge, dass zwischen der KMK-Prognose aus dem Jahr 2012 und einer neuen Prognose, die im ersten Halbjahr 2018 veröffentlicht werden soll, mehr als fünf Jahre lägen. Die Entwicklungen des Jahres 2015 mit der Flüchtlingszuwanderung und ihren Folgen für das Bildungswesen würden so erst mit großer Verzögerung abgebildet.

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Beckmann erwartet, dass die KMK bei aktuellen Ereignissen ihre Prognosen kurzfristig anpasse und mit den Ländern abgestimmt Konsequenzen daraus ziehe. Die Länder müssten sich verpflichten, für den eigenen Bedarf auszubilden und dafür Kapazitäten schaffen.

Nach Darstellung der KMK erarbeiten die Länder selbst regelmäßig – teilweise mehrfach im Jahr – eigene Prognosen. «Diese sind notwendige Planungsgrundlage für jedes Schuljahr in jedem Land. Die Kultusministerkonferenz fasst die Berechnungen der einzelnen Länder lediglich regelmäßig in einer Modellrechnung für ganz Deutschland zusammen».

Beckmann monierte, auch der Personalaufwand für die Integration von behinderten Kindern und Jugendlichen an den allgemeinbildenden Schulen sei unterschätzt worden. Die Inklusion sei zu lange als Sparprojekt betrachtet worden. «Die Politik hat es langfristig versäumt, auf diese Ereignisse adäquat zu reagieren, hat sogar Ausbildungskapazitäten nach unten geschraubt und Studienplätze mit Zugangsbeschränkungen verknappt», sagte Beckmann. dpa

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2 KOMMENTARE

  1. Ich denke, Beckmann hat Recht mit seiner Kritik. Die Schulpolitik wird zu viel vom Finanzminister gemacht, und die ganze Bürokratie ist zu schwerfällig.
    In NRW hat man vor Jahren das Lehramtsstudium an etlichen Universitäten abgeschafft (z.B. in Bonn) und an anderen konzentriert. Die Lehrämtler sollten speziell nach Köln. Dann war aber in Köln alles hoffnungslos überlaufen und überlastet, und man hat später das Lehramtsstudium in Bonn wieder eingeführt. Solche idiotischen Sachen passieren, wenn das den regierenden Parteipolitikern überlassen bleibt. Der “Schweinezyklus” lässt grüßen. Und dass Kinder erstmal 6 Jahre lang vor der Einschulung leben und man somit Zeit hätte, sich darauf einzustellen, ist eine Binsenweisheit. Nur die Schulbehörden und die KMK, die kommen damit nicht klar. Und die Inklusion als finanzielles Sparmodell ist ja wohl erst recht ein schlechter Witz. Da entscheiden offenbar Leute, die keine Ahnung haben, aber das richtige Parteibuch.

    • … und deren eigenen Kinder entweder nicht vorhanden, bereits aus dem Haus oder (weil Gymnasiasten) von der Inklusion nicht unmittelbar betroffen sein werden.

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