ERFURT/BERLIN. Die Debatte um die Schulpflicht ist zu einer Grundsatzfrage der Bildungspolitik geworden. Ausgelöst wurde sie durch Pläne der AfD in Sachsen-Anhalt, Eltern künftig die Wahl zwischen Schulbesuch und Hausunterricht zu ermöglichen. Nun haben die Länder reagiert: Der Bundesrat stellte sich am Freitag mit breiter Mehrheit hinter die allgemeine Schulpflicht und forderte die Bundesregierung auf, sie bei künftigen Gesetzesvorhaben ausdrücklich zu schützen. Dahinter steht mehr als eine juristische Auseinandersetzung – Bildungsminister sehen die Schule selbst als demokratische Institution unter Druck.

Die Initiative ging von Thüringen aus. Der dortige Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) und Bildungsminister Christian Tischner (CDU) hatten einen Entschließungsantrag eingebracht, dem sich Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Saarland und Sachsen anschlossen. Der Bundesrat beschloss den Antrag am Freitag.
Die Botschaft ist eindeutig: Die allgemeine Schulpflicht soll als tragendes Prinzip des deutschen Bildungssystems ausdrücklich abgesichert werden. Die Bundesregierung wird darin aufgefordert, ihre Bedeutung „für ein leistungsfähiges, gerechtes und integrationsstarkes Bildungssystem“ bei allen künftigen Gesetzesvorhaben mit Bildungsbezug zu berücksichtigen und einer Schwächung entgegenzuwirken.
Nach Darstellung des Thüringer Bildungsministeriums bekennen sich die Länder damit „über Partei- und Ländergrenzen hinweg“ zur Schulpflicht als Fundament von Chancengerechtigkeit und gesellschaftlicher Integration.
Dass die Länder dieses Signal gerade jetzt senden, hat einen konkreten politischen Hintergrund. Die AfD in Sachsen-Anhalt fordert in ihrem Programm zur Landtagswahl im September „Bildungspflicht statt Schulzwang“. Eltern sollen künftig selbst entscheiden können, ob ihre Kinder eine Schule besuchen oder zu Hause unterrichtet werden.
„Die Schulpflicht ist nicht nur Garant für Chancengerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern auch für die offene Gesellschaft, die wir verteidigen und erhalten müssen“
Damit greift die Partei ein Grundprinzip des deutschen Bildungswesens an, das seit Jahrzehnten weitgehend unstrittig war. Für die Bildungsminister geht es deshalb längst nicht nur um eine organisatorische Frage des Unterrichts, sondern um die Rolle der Schule in einer demokratischen Gesellschaft. „Die Schulpflicht ist nicht nur Garant für Chancengerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern auch für die offene Gesellschaft, die wir verteidigen und erhalten müssen“, sagte Thüringens Bildungsminister Christian Tischner.
In die gleiche Kerbe schlägt Ministerpräsident Mario Voigt. „Schule ist mehr als ein Ort zum Lernen“, erklärte er. Wer die Schulpflicht aufweichen wolle, starte einen Angriff auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Auch Nordrhein-Westfalens Schulministerin Dorothee Feller (CDU), Koordinatorin der unionsgeführten Länder in der Bildungsministerkonferenz, sieht hinter den AfD-Plänen weitreichende Folgen. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung warnt sie davor, die Schule als Ort gemeinsamer Wissens- und Wertevermittlung zu schwächen. Dort lernten Kinder und Jugendliche, Fakten von Desinformation zu unterscheiden, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese argumentativ zu vertreten.
Genau darin sieht auch Tischner das eigentliche Ziel der AfD. Der Vorstoß sei Teil eines größeren Plans, staatliche Institutionen zu delegitimieren. Die Schule solle ihre Funktion verlieren, junge Menschen zu selbstständigem demokratischem Denken und Handeln zu befähigen.
Die Bildungsminister sprechen deshalb ausdrücklich nicht von Symbolpolitik. Ihr Antrag soll auch praktische Wirkung entfalten. Ein Hebel liegt nach ihrer Vorstellung bei den milliardenschweren Bildungsprogrammen des Bundes. Programme wie der Digitalpakt oder das Startchancenprogramm finanzieren inzwischen erhebliche Teile schulischer Entwicklung in den Ländern. Nach Auffassung der Initiatoren könnte der Bund diese Förderung künftig an die Beibehaltung der allgemeinen Schulpflicht koppeln.
„Die Haushaltssituation in vielen Bundesländern ist so angespannt, dass niemand mehr auf das Geld aus dem Digitalpakt oder dem Startchancenprogramm verzichten kann“, sagte Tischner im Gespräch mit der FAZ. Deshalb wünschen sich mehrere Länder, dass Staaten, die die Schulpflicht abschaffen oder deutlich abschwächen würden, von entsprechenden Bundesprogrammen ausgeschlossen werden könnten.
Ob es jemals dazu kommt, ist allerdings fraglich. Juristisch gilt die Schulpflicht bereits heute als ausgesprochen gut abgesichert.
Das Bundesverfassungsgericht hatte bereits 2006 die Klage evangelikaler Eltern zurückgewiesen, die ihre Kinder dauerhaft zu Hause unterrichten wollten. Das Gericht bestätigte damals ausdrücklich die allgemeine Schulpflicht. In Sachsen-Anhalt ist sie zusätzlich in der Landesverfassung verankert. Eine Änderung würde dort eine Zweidrittelmehrheit im Landtag erfordern – eine Mehrheit, die selbst bei einem starken Wahlergebnis der AfD derzeit nicht erreichbar erscheint.
„Schon Siebtklässler sagen vor versammelter Klasse, dass sie gar nicht mehr in die Schule kommen müssten, weil es besser wäre, zu Hause unterrichtet zu werden“
Dennoch halten die Bildungsminister die Debatte keineswegs für theoretisch. Tischner berichtet von Veränderungen, die Lehrkräfte bereits heute beobachten. Bei Gesprächen mit Schulen werde deutlich, wie stark die AfD versuche, Schülerinnen und Schüler über soziale Medien anzusprechen. „Schon Siebtklässler sagen vor versammelter Klasse, dass sie gar nicht mehr in die Schule kommen müssten, weil es besser wäre, zu Hause unterrichtet zu werden“, schildert der Minister. Aus seiner Sicht zeigt dies, dass der politische Konflikt längst in den Schulen angekommen ist.
Dabei bleibt es nach Auffassung der Bildungsminister nicht bei der Schulpflicht. Im Bildungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt finden sich weitere Forderungen, die erhebliche Veränderungen nach sich ziehen würden. So soll die Landeszentrale für politische Bildung abgeschafft werden, die bislang zahlreiche Fahrten von Schulklassen zu Gedenkstätten finanziert. Außerdem fordert die Partei eine Neuausrichtung der Geschichtslehrpläne unter dem Schlagwort „Mehr Bismarck, weniger Hitler“.
Für Feller ist das „wirklich gefährlich“. Deutschland könne auf viele Entwicklungen seiner Geschichte stolz sein – gerade auch darauf, aus den Verbrechen des Nationalsozialismus eine stabile Demokratie entwickelt zu haben. Die Erinnerung an diese Verbrechen wachzuhalten, bleibe jedoch eine dauerhafte Verantwortung.
Auch Tischner erkennt darin eine politische Strategie. Die AfD wolle historische Zusammenhänge verschieben und den Nationalsozialismus relativieren. Gleichzeitig fehle in ihrem Programm selbst eine Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur. Ziel sei es, die Auseinandersetzung mit autoritären Herrschaftsformen insgesamt zurückzudrängen. News4teachers / mit Material der dpa










Man, und ich dachte schon: jetzt gibt’s endlich kleinere Klassen.
Im Ernst: eine rechts und eine links, so wies den Blauen gebührt. Danke Bundesrat, mehr davon bitte.
Was meinen Sie mit „eine rechts und eine links“?
Eine symbolische Ohrfige rechts, eine links ( geht auch nicht symbolisch )
*Ohrfeige
„Damit greift die Partei ein Grundprinzip des deutschen Bildungswesens an, das seit Jahrzehnten weitgehend unstrittig war.“
Wie alle anderen Grundprinzipien auch.
https://pruef-demos.de/
Die Reformation stellte auch einige Grundprinzipien der römisch-katholischen Kirche infrage, das Resultat ist nicht schlecht.
Die Reformation ist der historische Vergleich, den Sie zur AfD ziehen?
Spannend. Wo sehen Sie die Ähnlichkeiten?
Ich rede über Grundprinzipien, die “ seit Jahrzehnten weitgehend unstrittig“ waren und ob sie tatsächlich so sind.
Du sollst Gott ehren!!!
In der Kirche? Wer außer Ihnen hätte es gedacht….
Aber hey, nicht nur Sie kritisieren die Kirche pauschal 😉
https://www.rbb24.de/politik/wahl/brandenburg-buergermeisterwahlen/2025/brandenburg-havel-ob-afd-kandidat-broesicke-kirche.html
„Aber hey, nicht nur Sie kritisieren die Kirche pauschal “
Über das „pauschal“ könnten wir hier „streiten“. Rest stimmt – ich kritisiere die Kirche. Es kritisieren sehr sehr viele (inzwischen) die Kirche.
Ob die AfD das macht ist mir tatsächlich herzlich egal ehrlicherweise.
Ich kann das trennen und die Kirche und die AfD „überwiegend beschissen“ finden.
Das funktioniert. Sogar sehr sehr gut.
Der „Feind meines Feindes“ muss nicht „mein Freund“ sein. In keine Richtung. Das ist keine Kausalität. Ich kann beide kritisieren.
Tolle Sache, oder?
„Es kritisieren sehr sehr viele (inzwischen) die Kirche.“
Stimmt.
https://www.pz-news.de/pforzheim_artikel,-Regenbogenfahne-vor-Pforzheimer-Schlosskirche-geklaut-Evangelische-Kirche-erstattet-Anzeige-_arid,2356354.html
https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/katholische-kirche-papst-leo-kritisiert-segnung-homosexueller-paare-in-deutschland-a-e3bba8ed-13eb-4c72-9f6e-8fee4178e24b
https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/trump-papst-konflikt-100.html
https://www.focus.de/politik/deutschland/alice-weidel-afd-fraktionschefin-erhebt-schwere-vorwuerfe-gegen-die-kirche_id_8036449.html
„Der „Feind meines Feindes“ muss nicht „mein Freund“ sein.“
Ich hatte mir von einer Lehrkraft einen funken mehr Toleranz und Sinn fürs Grundgesetz erhofft, als dass Sie „Die Kirche“ pauschal (den Sie schreiben nichts anderes) als „Feind“ bezeichnen.
Aber um die Reihenfolge klarzustellen: Kritik an der AfD wird von Opossum ohne jeglichen Beleg mit der Reformation verglichen, weshalb Sie unbelegt zustimmen, denn es geht ja gegen „Die Kirche“…
Fangen Sie dann bei Artikel über die Kirche plötzlich an, die AfD zu kritisieren? 😉
„Ich hatte mir von einer Lehrkraft einen funken mehr Toleranz und Sinn fürs Grundgesetz erhofft, als dass Sie „Die Kirche“ pauschal (den Sie schreiben nichts anderes) als „Feind“ bezeichnen.“
Ihnen ist der Spruch bekannt hoffe ich? Sonst haben Sie eine gewaltige Bildungslücke diesbezüglich.
Falls nein? Holen Sie diese bitte nach.
Falls ja? Wo sehen Sie das Problem? Dann müssten Sie doch die Sinnbedeutung dahinter verstehen und checken, was mit „Feind“ gemeint ist.
Das ja mehr als albern …
„Aber um die Reihenfolge klarzustellen: Kritik an der AfD wird von Opossum ohne jeglichen Beleg mit der Reformation verglichen, weshalb Sie unbelegt zustimmen, denn es geht ja gegen „Die Kirche“…“
Vergleiche kann man machen. Nahezu immer sogar. Ob diese jedoch sinnvoll sind ist dann etwas anderes.
Man sollte viele Vergleiche jedoch nicht „gleichstellen“ [Wortwitz … Finde Sie diesen?].
Kann man das trennen, dann beherrscht man eine wahnsinnig wichtige und sinnvolle „Fähigkeit“.
„Fangen Sie dann bei Artikel über die Kirche plötzlich an, die AfD zu kritisieren? “
Das kann durchaus passieren. Wenn es sich ergibt … Klar. Würde ich machen. Warum denn auch nicht? Beides für mich „Institutionen“, welche ich kritisiere. Passt doch super, wenn man dann „jeweils gegenseitig“ beide halt kritisieren kann. „Nehme ich mit“.
Sie haben also Anhaltspunkte, wählen aber Ihrerseits einen historischen Vergleich, der Ihnen persönlich passt. Beeindruckend (faul).
Ich würde Sie ja kritisieren, aber Jesus wurde seinerzeit ja auch kritisiert 😉
„Ich rede über Grundprinzipien, die “ seit Jahrzehnten weitgehend unstrittig“ waren und ob sie tatsächlich so sind.“
Die AfD auch – die wollen an Grundgesetz, Rechtstaat und die Menschenrechte ran – erwarten Sie sich da ähnlich gute Ergebnisse?
Ohjejojeh, hier muss ein Nest sein:
Denn, während die Reformation im 16. Jahrhundert für Gewissensfreiheit und die Gleichheit aller Menschen vor Gott eintrat, stehen die AfD-Werte oftmals für eine strikte Abgrenzung, Nationalismus und die Einschränkung von Vielfalt.
Und vor allem:
Die evangelische und katholische Kirche haben sich in Deutschland deutlich von der AfD distanziert und betonen, dass nationalistische und rassistische Tendenzen mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar seien. Historiker und Theologen kritisieren zudem, dass die AfD zwar punktuell Martin Luther für sich vereinnahmt, um den „Reformationstag“ als deutsches Kulturgut zu instrumentalisieren, dabei jedoch die emanzipatorischen Grundwerte Luthers ignoriert.
Soso, wieder einer unterwegs…..
Die Schulpflicht ist aber kein Grundprinzip der Demokratie, sonst gäbe es sie in allen demokratischen Ländern. Sie darf deshalb infrage gestellt werden, unabhängig von afd.
….und was hat das mit der Reformation zu tun ?
Außer, “ dass die AfD zwar punktuell Martin Luther vereinnahmt “ wie Sie oben.
Soweit von mir, suchen Sie sich jemand anderen.
Weil hier von Grundprinzipien die Rede war?
Da geht der Vergleich (als Transfergedanken) halt durchaus.
Grundprinzipien waren jetzt historisch bedingt auch nicht immer mit unseren heutigen Grundprinzipien und Werten vertretbar.
Und das ist halt ein Wandel und Prozess. In vielen Jahrzehnten wird man eventuell auch auf heute so sehen.
Zu Luther, Kirche und AfD mal ein Gedankengang zur Anregung:
– AfD vereinnahmt punktuell Martin Luther [Bezug mitunter Faschismus, Antisemitismus usw.]
-> Sie nehmen die „emanzipatorischen Grundwerte“ jedoch nicht an [Welche waren das denn genau zu Luthers Zeit … Mal aus heutiger Perspektive und Sicht …]
– Die Kirche weißt (inzwischen) auf die emanzipatorischen Grundprinzipien hin [welche mitunter sie selbst bekämpften …]
-> Distanzieren sich jedoch von Antisemitismus von/bei Luther
Bisschen „zeitliches und gesellschaftliches“ Cherry-Picking und PR?
– Die Kirche distanziert sich von der AfD [Antisemitismus]
– Viele AfDler „werben“ mit dem christlichen Glauben [„Deutsch“, Kaiserlich, Vorbilder, Kultur]
Stellenwert von Frau jeweils? Nicht soo gut. Strukturelle Teilhabe von Frauen bei der Kirche [Vatikan]? Hm. Scheint mir nicht sooo emanzipatorisch?
Wie sah und sieht es mit „Verhütung“, „Sterbehilfe“ und „Schwangerschaftsabbruch“ aus?
Uh … Auch Überschneidungen.
Und jetzt kommt man daher und sagt: „Bildungspflicht ist gegen unsere demokratischen Grundprinzipien“? Echt jetzt … Heuchlerisch.
Und dann kommen Clowns wie R. an und sagen „aber die AfD ist doch für Bildungspflicht … Du Na…“ [Sehr überspitzt dargestellt].
Aber auf der anderen Seite wird die Kirche „legitimiert“? Weil diese sagt: Jaja, aber von der AfD … Da distanzieren wir uns.
Kannste dir eigentlich gar nicht mehr ausdenken, wie „Punkte“ so verschoben werden, dass sie wieder ins Narrativ passen halt.
Und in welchem Umfang.
Und nein, ich will nicht sagen: AfD und Kirche sind „Partner“. Das sind sie nicht.
Allerdings gibt es eben auch Überschneidungen in Punkten und überall muss man „einordnen“.
Ob bei Bildungspflicht.
Bei Parteien mit „christlich“ im Namen. Oder sonst wie und wo.
„Weil hier von Grundprinzipien die Rede war?
Da geht der Vergleich (als Transfergedanken) halt durchaus.“
Sie können gerne auch eigene Vergleiche einbringen, möglicherweise sogar welche von vor 100 Jahren und in Bezug auf Schule? 🙂
Also Schule in der Zeit der Weimarer Republik?
Oder die Grundprinzipien der Weimarer Republik?
Haben Sie vergessen, worauf Sie mit der Reformation hinaus wollten?
Fragen Sie Opossum 😉
Ich habe die Reformation gar nicht eingebracht. Lesen Sie nochmal genau.
Katholische Kirche hatte auch einige damals unstrittige Prinzipien, die Reformation anders betrachtete, und die Welt ist nicht runtergegangen.
„Grundprinzip des deutschen Bildungswesens“ darf auch angegriffen werden. Das Resultat muss nicht unbedingt schlechter sein.
Chancengerechtigkeit ist schon heute gefährdet: jemand kann sich teure private Schulen leisten, jemand muss in die lokale Schule gehen, sogar wenn der Unterrichtsausfall da sehr stark ist oder die Atmosphäre nicht besonders freundlich ist. Aber das ist ein anderes Thema.
„Katholische Kirche hatte auch einige damals unstrittige Prinzipien, die Reformation anders betrachtete, und die Welt ist nicht runtergegangen.“
Jup, so haben wir alle die Reformation gelernt, alles easy die Jahrzehnte darauf (augenroll)
Haben Sie nicht vielleicht einen besseren, vielleicht sogar schulbezogenen Vergleich?
Immerhin wurde die Bevölkerung bei der Reformation (theologisch) ermächtigt, während die AfD der Bevölkerung die öffentliche Bildung und Chancengleichheit untergraben wollen?
Private Krankenversicherungen oder Riesterrente fallen mir da eher ein als Luther 😉
„Die Schulpflicht ist aber kein Grundprinzip der Demokratie“
Stimmt, sie ist ein historischer Meilenstein für Bildung, Chancengleicheit und Gerechtigkeit gewesen.
Oder warum glauben Sie denn, haben es die Rechtsextremen in Deutschland, aber auch Trump, Putin etc. so ein großes Augenmerk auf die Schulen? 😉
Ich sehe nicht nur das Problem, dass die Demokratie durch den Hausunterricht gefährdet wird. Es ist ja auch so, dass irgend jemand diesen Unterricht übernehmen muss. Also wieder Frauen an den Herd? Vielleicht ist das ja das eigentliche Ziel der AfD.
Wenn es eine Wahl geben würde – eine Schule oder ein Hausunterricht, – dann würde es an den Eltern liegen, zu entscheiden, wo und von wem Kinder unterrichten zu lassen. Wie bei Elternzeit.
Und wie bei Elternzeit nicht viele sich leisten können, drei Jahre zu Hause zu bleiben, so wird es auch, meiner Meinung nach, mit dem Hausunterricht.
Ich denke aber, dass tatsächlich mehr Frauen als Männer im Fall des Hausunterrichts zu Hause bleiben würden, und nicht weil Männer sie zwingen.
Genau. Es liegt ja auch jetzt schon in der Entscheidung der Männer und Frauen, wer einen Großteil der Carearbeit übernimmt. Und wie geht’s in der Regel aus? Natürlich immer mit dem Argument, dass der Mann ja mehr verdient.
Ich könnte mir vorstellen, dass es Lehrer gibt, die dann nicht an Schulen, sondern privat unterrichten.
Bei einer Bildungspflicht gibt es die Möglichkeit des Schulbesuches …
Keine Ahnung woher immer die Gedanken „Aber dann gibt es keine Schule mehr“ kommen.
Ich habe nirgends behauptet, dass es dann keine Schule mehr gibt.
Achso, habe ich dann falsch verstanden/interpretiert. Sorry.
Dachte das wäre so die These dann davon, dass ja generell Frauen daheim bleiben „müssten“, da ja Schulen wegfallen würden.
Jetzt einmal eine “ dumme“ Frage , und nein, ich will damit nicht provozieren, sondern wissen, was andere denken:
Das Argument mir gegenüber in einer Diskussion war: Die Schulpflicht erleichtert doch gerade eine Gleichschaltung viel mehr. Hitler konnte gleichschalten, weil Weimar zuvor die Schulpflicht eingeführt hatte.
Die AfD würde es sich selbst mit ihrem Vorschlag der Bildungspflicht eher schwieriger machen, nicht einfacher.
Mein Gegenargument war natürlich, dass deshalb gerade Bildung Ländersache ist..Aber gibt es noch andere Argumente?.
Eine Gleichschaltung ist nur dann möglich, wenn Schulen und Lehrer mitziehen. Das käme für mich niemals in Frage. Eher gehe ich ins nahe Ausland oder suche mir einen ganz anderen Job.
Ich bin durchaus geneigt Ihnen das zu glaube. Zumindest wenn der Gegner aus der vorhergesehenen Ecke kommt und gut erkennbar agiert. Ob die Schule und die Lehrerschaft immer gegen alle Einflüsse so resistent ist, würde ich aber trotzdem bezweifeln.
Ich selber habe mir lange die Frage gestellt, warum die Gleichschaltung oft so gut funktioniert hat.
Da möchte ich unbedingt einen Text ans Herz legen, den man bei YouTube finden kann. „Sie hielten sich für frei“
„Jetzt einmal eine “ dumme“ Frage , und nein, ich will damit nicht provozieren, sondern wissen, was andere denken“
Dumm ist die „Frage“ (?) nicht. Das muss und sollte man auch diskutieren und sich genau überlegen.
„Das Argument mir gegenüber in einer Diskussion war:“
Gibt es dazu einen Bezug? Also warum der Diskurs und „mit wem“?
Spielt durchaus als Perspektive eine Rolle.
„Die Schulpflicht erleichtert doch gerade eine Gleichschaltung viel mehr.“
Das kann so sein. Die These ist mal an und für sich nicht falsch.
Warum kann? Das ist halt recht komplex.
Ein zentralisiertes Schulsystem ist für „Machtmissbrauch“ im Prinzip die beste Form. Warum? Weil man hier Staat und Bildung/Schule direkt vernetzt und „flächendeckend“. Hier kann man dann „Impulse“ nach und nach einbauen, damit man Wirkmechanismen aufbaut, welche … „Jemanden“ dienlich ist. Das kann man recht direkt machen oder niederschwellig und unterschwellig.
Wir haben, wie Sie richtig schrieben als „Mein Gegenargument war natürlich, dass deshalb gerade Bildung Ländersache ist“ eine dezentrale Struktur. Also Bildung ist Ländersache.
Das Problem dabei ist bzw. kann sein, dass sich der Bund deshalb „wenig(er) zuständig“ fühlt. Daher könnte man dies auch „aufweichen“ als Versuch und dies nach und nach „zentralisieren“. Dann hätte man potentiell eine mächtigere Struktur, um Menschen zu beeinflussen.
Das Problem bei einer „Bildungssache ist Ländersache“ sehen wir potentiell jedoch auch gerade … Wo ist die AfD stark? Wo kann sie Bildungsebenen eben leichter – da dezentral auf Länderebene – beeinflussen?
Das wäre durch ein zentralisiertes System natürlich wesentlich weniger anfällig. Warum? Naja, der Bund lenkt dann mehr. Gibt die Mittel und streicht sie. Darüber hinaus würde Bundesrecht dann ggf. Landesrecht aushebeln.
Jetzt zum Schulpflicht und/vs. Bildungspflicht. Das ist ein Dilemma und ein Kompromiss der AfD wohl. Warum? Naja, die Schulfplicht ist weniger anfällig für die Masse. Dann muss man diese auf andere Wege erreichen [also Hi…Jugend damals] – also über „Jugendtreffs“ und „Burschenvereine“ oder sowas.
Warum ist die Schulpflicht trotzdem als Forderung der AfD durchaus ein Kompromiss? Man würde „isolieren“ – d. H. alle die dem Staat/der Regierung misstrauen [was aktuell sehr viele sind] und den Medien und demokratischen Strukturaufbau entgegenstehen könnte man dementsprechend „rausbringen“. Also: Keine Aufklärung. Kein „Soziales Miteinander“. Keine „Begegnung mit anderen“. Usw. Das sind extrem starke psychologische und gesellschaftliche Hebel, um „zu spalten“ und durch eigene Medien und Kollektive dann zu Manipulieren und mit Populismus an Stimmen zu kommen. Man hetzt dann bspw. über diese Ebene. [Mehr als jetzt]
Was ist einfacher, wenn die AfD [stark] regiert? Naja auf Länderebene das aktuelle System. Daher die „Angst“ und Bedenken. Durchaus zurecht.
Gesamtgesehen [falls Bundesebene AfD weiter anwächst]? Hätte man wahrscheinlich auch viele Länder bereits ja abgedeckt (irgendwoher müssen die Stimmen dann kommen …) und könnte auf „Bildung muss mehr vom Bund gestützt“ argumentieren und gehen [Was ja viele auch so sehen, da es extreme Vorteile auch hat – rein systemisch]. Also man könnte hier bereits sein „Wählerkreis“ wahrscheinlich „mitnehmen“.
Bei Bildungspflicht? Als Opposition ein Kompromiss, den die AfD durchaus eingehen kann. Warum? Weil sie erstmal zumindest „separieren“ könnte. Wenn die Stimmen dann zunehmen und sie ggf. in Regierungsnähe wären, könnte man ggf. „umschwingen“ [„klappt(e) mit Bildungspflicht nicht, weil … andere Parteien unfähig“ als Argument“] und wieder eine Schulpflicht „aber so richtig gemacht“ fordern. Also mit neuem Lehrplan, einer Bundesebene als Bildung [oder Bundesteilebene] und strukturellen und ideologischen Prinzipien, welche aktuell eher „entgegnet werden“.
Und das ist und kann extremst gefährlich werden sowas.
Schule ist für jede politische Kraft/Regierung ein mächtiger Multiplikator – für was auch immer. Daher auch ständige Forderung von allen Seiten nach „Schule mach mal“, „Schule muss …“, sowie Kooperationen mit Organisationen – wie andere Schulen, Unternehmen, Sportvereine, Jugendamt, Arbeitsagentur, Hilfsorganisationen/1. Hilfe, Gesundheitsamt [Impfpässe, 6. Klasse] usw. usf.
Das muss man immer mit im Kopf haben.
Also als „Regierung“ würde man vermeintlich immer auf „Bundesebene“ oder „Landesebene“ mit Bildung gehen, wenn man „Machtfestigung“ will. Also auf Schulpflicht.
Der Kompromiss (und die Hoffnung einer Partei … Vermeintlich …) ist die Spaltung und kurzfristige kulturelle Abschottung.
Langfristig würde eine Bildungspflicht hier „als Machtfestigung“ weniger geeignet sein, außer man bildet ein „Parallelsystem“, welches „die Leute erreicht“. Und das könnte in heutiger Zeit bspw. über Digitalisierung und Social Media geschehen. Auch hier ist die AfD recht gut vernetzt … Leider.
Daher könnte die AfD diesen Kompromiss durchaus als Dilemma [ist es so oder so für sie] eingehen aktuell.
Zusätzlich kommt dazu, dass die AfD vermeintlich ja auch weiß, dass die Regierungsparteien und „andere Opposition“ (Linke, Grüne) sich komplett quer stellen werden.
Also können sie darüber das als Kulturkampfthema instrumentalisieren und nutzen. Und eben über diesen Weg dann für Spaltung sorgen.
Im Prinzip mehr oder weniger ein Dilemma für alle.
„Hitler konnte gleichschalten, weil Weimar zuvor die Schulpflicht eingeführt hatte.“
Stimmt zum Teil. Man hat und hätte zum einen diese Struktur auch „bilden können“ – falls diese nicht gegeben gewesen wäre. Und zum anderen wurde auch viel über Hitlerjugend usw. gemacht.
Heutzutage könnte man die Instanz der „Schulpflicht“ missbrauchen. Man könnte aber auch darauf verzichten und auf „mediale Wege“ und „mehr Burschenschaften“ usw. gehen.
Die Struktur gibt es inzwischen. Die gab es damals einfach nicht. Das muss und sollte man aber genau so bewusst sich machen und werden.
Eine Schulpflicht ist erstmal „neutral“ – alles weitere hängt mitunter davon ab „wer den Lehrplan kontrolliert“. So oder so.
„Die AfD würde es sich selbst mit ihrem Vorschlag der Bildungspflicht eher schwieriger machen, nicht einfacher.“
Das stimmt strukturell gesehen auch, jedoch nur, wenn die AfD die Regierung stellen würde. Egal ob als Bund oder als Land – jeweils auf dessen Ebene halt.
Es ist und bleibt der Kompromiss meiner Ansicht nach … Und die AfD braucht weder Schulpflicht, noch Bildungspflicht gegebenenfalls, um „Machtmittel“ zu haben. Das ginge in beiden Fällen. Bei Schulpflicht nur als regierende Partei. Anders leichter. Aber um als Regierung irgendwie „die Stimmen zu bekommen“ braucht sie die Spaltung auf der einen Seite und das politische Wirr-Warr und „Mangelpolitik“ auf der anderen Seite.
Das sind mitunter die beiden stärksten Hebel meiner Meinung nach.
„..Aber gibt es noch andere Argumente?.“
Wie gesagt … Es ist nicht so einfach.
Es gibt sehr sehr gute Gründe für Schulpflicht. Als „Soll-Zustand“. Da sind wir nur leider nicht.
Es gibt sehr sehr gute Gründe für Bildungspflicht als Kompromiss des „Ist-Zustandes“.
Um der AfD zu entgegnen? Politisch? Macht Bildung und Schule „toll“. Das ist die beste und effizienteste Weise meiner Einschätzung nach. Macht kein „Mangelsystem“. Zeigt, dass eine Schulpflicht auch tatsächlich das bessere System ist, wenn man investiert. Überzeugt Menschen dort und anderswo mit Bildung und Gemeinschaft. Gibt dazu Ressourcen und Rahmenbedingungen. Und v. A. … Macht euch als Politiker und „Politik“ ehrlich.
Ansonsten sieht es potentiell so oder so eher düster aus. Egal ob „Schulpflicht“ (als gutes System, nicht wie jetzt) oder „Bildungspflicht“ (als Kompromiss).
Sorry, zwei mal Schulpflicht und Bildungspflicht tauschen hier:
„Naja, die Schulfplicht ist weniger anfällig für die Masse. Dann muss man diese auf andere Wege erreichen [also Hi…Jugend damals] – also über „Jugendtreffs“ und „Burschenvereine“ oder sowas.
Warum ist die Schulpflicht trotzdem als Forderung der AfD durchaus ein Kompromiss?“
Muss natürlich „Bildungspflicht“ hier sein.
Fragen sind äußerst hilfreich um einen Sachverhalt genauer zu beleuchten.
Nicht alle Staaten mit einer strikten Schulpflicht sind autoritär, aber kein autoritärer Staat wird auf das Mittel einer strengen Schulpflicht verzichten. Am besten wäre dazu sogar eine Kitapflicht, je jünger man Kinder beeinflussen kann, desto effektiver.
Kann ein Staat oder eine Regierung eine Bildungspflicht mit der Möglichkeit des häuslichen Unterrichts missbrauchen? Das ist ja faktisch nicht möglich. Es werden Vorgaben gemacht, aber solange die Heimschüler das geforderte Wissen in den Prüfungen anwenden können, lässt sich hier weniger beeinflussen als in der Schule. Können Eltern hier ihre Ansichten und Werte weitergeben, seien sie nobel und intelligent oder einfach nur krude? Klar, aber Eltern machen das sowieso. Keiner erzieht seine Kinder gegen seine eigenen Werte, mit allen vor und Nachteilen die individuelle Freiheit in unserem Staat verursacht.
Kann die Schule gleichgeschaltet werden und zur politischen Indoktrination genutzt werden? Klar, sie muss nicht, aber viele Staaten haben es sehr effektiv getan.
Sind heutige Lehrer gegen die Gleichschaltung immun? Vielleicht. Vielleicht reagieren die nicht mehr auf wortreich beschriebene Gefahrenlagen durch innere und äußere Gegner. Vielleicht wehren sie den Anfängen, wenn eine Regierung, mit großem Bedauern, aber eben aus eine Notlage heraus, manche Freiheiten ein klein wenig einschränken muss. Vielleicht.
Es ist höchst bedauerlich, dass die AFD sich dieses Thema herausgesucht hat, und damit die Chancen auf eine Bildungspflicht erheblich schmälert. Jetzt muss sich niemand mehr mit Argumenten auseinandersetzen, sondern kann einfach seinen Emotionen gegen die AFD folgen. Die Bildungspflicht, wie sie in Österreich schon lange ohne die AFD existiert, kann nichts dafür.
Absolut richtig erklärt und verstanden meiner Ansicht nach.
Man könnte sich mal Gedanken drüber machen, warum die AfD diese „Karte“ ausspielt.
Es ist eben ein Kompromiss … Wenn die AfD (langfristig) gesehen an die Regierung kommt, dann wäre eine Schulpflicht wesentlich effizienter, um „politisch zu indoktrinieren“.
Bei einer Bildungspflicht schwächen sie diesen Bereich potentiell für sich selbst, haben allerdings erstmal diese als Kulturkampfthema dann gespielt.
Würde man als demokratische Parteien mit einer Bildungspflicht tatsächlich entgegnen? Dann müsste man diese effektiv und sinnvoll gestalten. Dazu wäre das ein doppeltes Zugeständnis. Einmal, dass die „AfD“ dann einen Punkt hätte. Und einmal, dass man als politische Instanz bei „Bildung/Schule“ systemisch schon versagt hat. Beides wird man nicht eingehen und auch nicht „wollen“. Das ist der AfD aber auch bewusst … Also wird es halt dann zum Kulturkampfthema.
Die AfD hat hier ernsthaft wenig zu verlieren mit „dieser Karte“.
Zudem könnte sie halt bei einer Bildungspflicht dann (weiterhin und vermehrt) über Social Media agieren. Dieser Weg wäre sogar (vermeintlich) einfacher dann.
„Sind heutige Lehrer gegen die Gleichschaltung immun? Vielleicht. Vielleicht reagieren die nicht mehr auf wortreich beschriebene Gefahrenlagen durch innere und äußere Gegner. Vielleicht wehren sie den Anfängen, wenn eine Regierung, mit großem Bedauern, aber eben aus eine Notlage heraus, manche Freiheiten ein klein wenig einschränken muss. Vielleicht.“
Jedes (Ur-)Großeltern waren Widerstandskämpfer.
Nur komisch, dass es den Krieg trotzdem gab.
Überlegt euch das mal genau … Wieviel da dran und drin steckt. Und dann überlegt nochmal, wie das Wahlverhalten sich die letzten zehn Jahre geändert hat. Die Sozialisation und der gesellschaftliche Wandel.
Die Unerfahrenheit vieler mit solchen massiven Indoktrinationen. Die Selbstüberschätzung im psychologischen Bereich diesbezüglich. Viele Social-Tests zu Rassismus, Diskriminierung, Gruppierung, Massengefüge usw. usf.
Ich persönlich … Würde bei „Sind heutige Lehrer gegen die Gleichschaltung immun? Vielleicht.“
Eher ein relativ klares „nein“ geben.
Das hätte man damals wahrscheinlich auch so gesehen und gesagt … Und doch gab es diese Kriege. Komischerweise war man immer „der Angegriffene“. Wie eben bei aktuellen Kriegen auch … Komisch. Das ändert sich auch nicht im historischen Ablauf der Jahrtausende … Warum sollte es „jetzt“ so weit sein?
Traurigerweise nimmt die AfD so auch das „Bildungspflicht“ als Option der Regierung gegen eine AfD (erstmal) raus und festigt ggf. die „entgültige Festlegung auf Schulpflicht“ (ohne Ressourcen und Rahmen). Und das kann ggf. der AfD nochmal gewaltig in die Karten spielen. Aber hey … Auch das wusste man dann ja nicht.
Ein ehrlicher und fachlicher Diskurs wird durch die AfD als „Themenbeansprucher“ (mal wieder …) rausgenommen. Top. Genau das, was das Ziel sein könnte – nicht muss.
Einfach nur noch traurig, wie man einer solchen abartigen Partei politisch ständig in die Karten spielt. Und das teilweise vermeintlich bewusst und in Kauf nehmend … Anders kann man es sich nicht mehr erklären. Sorry.
„Man könnte sich mal Gedanken drüber machen, warum die AfD diese ‚Karte‘ ausspielt.“
Ist das so schwer? Die AfD sammelt alle Querdenker, Reichsbürger und religiösen Fundamentalisten ein, die sie bekommen kann.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Tun sie doch mehrheitlich so oder so schon?
Und klar könnte dies dann ausgeweitet werden, da dann der „Pflichtbesuch“ von Schule nicht gegeben wäre.
Jedoch ist zum einen natürlich auch mit Schulpflicht noch sowohl das elterliche/familiäre Wirken, als auch die Peer-Group nicht von wenig Einfluss.
Zum anderen bekommen viele – auch und gerade diese Leute – noch zusätzlich eine Bestätigung, dass Schule ihre Narrative teilweise noch prägt. Warum? Weil wir einfach in einem Mangelbereich oft agieren. Teilweise dazu ideologische Prägungen ohne Ressourcen. Und diese Menschen eben nur einen begrenzten Einblick auch bekommen. Das Negative überwiegt dann psychisch gesehen.
Also ich sehe da tatsächlich ja sowieso schon dies als gegeben … Ansonsten kann man die hohe Wahlquoten und -prognosen ja gar nicht erklären. Es zeigt die Ohnmacht und Unfähigkeit der Regierung und des Staates. Muss man einfach knallhart so sagen.
Und hier nicht im Bereich Bildung nachhaltig und sinnvoll zu agieren – ist ein massiver Fehler.
Ist Ihnen ja auch klar. Und trotzdem … Sieht man zunehmend die „Splittung“ eben politisch zu.
Die aktuelle Regierung macht ja vermeintlich mal alles mögliche, damit viele „unzufrieden“ sind, bleiben und werden.
Therapeutenmangel? Kein Problem … Stimmen wir halt mal am 10.07. für einen erweiterten Mangel zu. Top.
Renten? Pensionen? Och, arbeitet lieber mal mehr und länger. Und dann schauen wir mal, ob ihr was abbekommt. Erstmal einzahlen – dann schauen. Ja. Bestimmt viele von begeistert bei dieser strukturellen Fehlsystematik.
Ständiges „“Beamtentum – ja/nein“ hilft sicherlich auch bei Berufsfindung, wenn man studiert und noch weniger Sicherheit auf Verbeamtung hätte. Dann mehrfach. [Ich würde aktuell ja sowieso von Verbeamtung abraten … Aber gut. Muss jeder für sich selbst wissen]
Ganz ehrlich … Wenn man die Bildungspflicht komplett durch die AfD als Thema raus nimmt … Dann wird das so oder so nochmal in 10-15 Jahren eben zum System-Shutdown führen. Wenn wir so weiter machen. Und die Anzeichen gehen halt leider in diese Richtung.
Was mich etwas … „Abfucked“ ist nur, dass dies dann wieder irgendwie keine politische Instanz „wissen konnte“ und „wusste“ – obwohl das von so vielen Beratern und Fachleuten bereits mehrheitlich dargelegt wird. Der Richtweg ist absolut klar erstmal, bis man handelt.
Keine Ahnung … Wie will man denn tatsächlich „alle Querdenker, Reichsbürger und religiösen Fundamentalisten“ begegnen mit einem Mangelsystem? Glaubt doch keiner dran, dass man die Masse hier abholen kann und wird.
Es führt eben absolut kein Weg daran vorbei, dass man „umdenkt“ – also im Sinne von tatsächliche Ressourcenbildung und Rahmenbedingungen zu stellen.
An manchen Schulen würde ich mal behaupten, dass sich die „Peer-Groups“ nicht gerade wenig radikalisieren und viele Schulen dagegen versuchen anzukommen, aber „unter gehen“. Dazu haben Sie ja bereits auch Beispiele gebracht …
Also ja, ich verstehe und sehe Ihr Argument … Allerdings passiert das sowieso und wird vermeintlich auch „ausgeweitet“. Den Trend sah man und sieht man doch …
„Tun sie doch mehrheitlich so oder so schon?“
In der Schulverweigerer-Szene ist sicher noch was zu holen. Dazu kommen Rechtsextremisten, die die AfD weiter an sich bindet: Wer will sie noch daran hindern, ihre Kinder gemeinschaftlich als strammen Nazi-Nachwuchs aufzuziehen, wenn es keine Schulpflicht mehr gibt?
Rechtsextreme Jugendgruppen und Parteien nutzen Ferienlager zur weltanschaulichen Indoktrination, bspw. durch militärischen Drill oder völkische Erziehung. Bekannte, teils verbotene Netzwerke wie „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ) oder „Sturmvogel“ organisieren diese Camps, um Kinder gezielt abzuschirmen und im Sinne ihrer Ideologie zu formen. Gerne hier nachlesen: https://www.campact.de/blog/2023/01/sturmvogel-rechtsextreme-erziehung-ohne-staatliche-stoerung/
Herzliche Grüße
Die Redaktion
„Man könnte sich mal Gedanken drüber machen, warum die AfD diese „Karte“ ausspielt.“
Kann man, muss aber letztlic immer nur Spekulation bleiben. Karte ausspielen können die probieren, ist aber wahrlich keine Trumpfkarte. Mit dem Wahlversprechen Fingerhakeln zu einer olympischen Disziplin zu machen kann man wahrscheinlich ähnlich viele Stimmen gewinnen. Es ist ein absolutes Randthema und die Menschen, die sich für eine solche häusliche Unterrichtspflicht interessieren, würde ich nicht als Kernklientel dieser Partei sehen. Die immer wieder gerne aufgeführten „Spinner“ werden mit dem Modell nicht angesprochen. Es verpflichtet zum Unterricht nach Standardlehrplan mit umfangreicher Externistenprüfung. Bei Nichtbestehen der Nachprüfung ist man lebenslang zurück in der Standardschulpflicht. Wenn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Gleichwertigkeit zum Schulunterricht anzunehmen ist, z.b. wenn man vorhat mit seinen Kindern von morgens bis abends nur „Mein Kampf zu lesen, dann wird der häusliche Unterricht von vornherein untersagt.
Eigentlich ist der Vorschlag wahrscheinlich hauptsächlich eine Kritik am Schulsystem, so wie der politische Gegner es im Moment betreibt. Kritik am Schulsystem haben wir hier aber 3-5 mal die Woche, aus allen Richtungen. Das wäre jetzt nichts aufregendes.
Die Indizien sprechen auch keineswegs dafür, dass die AFD mit dem Vorschlag irgendein spezifisches Ziel verfolgt. Sie haben ja 1:1 das österreichische Modell kopiert und als einziges eigenes Zutun mit dem schwammigen Begriff „Bildungspflicht“ versehen. In Österreich nennt man das „allgemeine Schulpflicht“, diese kann aber auch durch einen gleichwertigen häuslichen Unterricht erfüllt werden. Es ist also eine Unterrichtspflicht.
In Österreich hat das weder zu einer Revolution noch zu einer Spaltung der Gesellschaft geführt. Eigentlich bekommt davon kaum jemand irgendetwas mit, außer den paar wenigen Familien die das durchführen. Komplett unspektakulär. Das wird in D nicht anders sein, egal welche Partei das einführen würde.
Aus meiner Sicht ist es ziemlich unsinnig, so eine Sache nach dem konkreten Nutzen zu einer bestimmten Zeit für oder gegen eine Partei zu beurteilen. Man sollte immer an die möglichen Gefahren denken. Was sollte schon groß schief gehen, wenn man, wie in den Niederlanden exakte Register über seine Bevölkerung inklusive der ethnischen Zugehörigkeit führt? Solange die Wehrmacht nicht einmarschiert macht das gar nichts. Was dann allerdings passiert ist.
Aus meiner Sicht ergibt die Erfüllung der Schulpflicht durch häuslichen Unterricht keinen Nachteil, wenn die Gleichwertigkeit sichergestellt ist. Wer seine Kinder zu Extremisten erziehen will, tut das so oder so. Wenn die Schulen nicht durch eine extremistische Regierung gleichgeschaltet sind, kann man sein Kind in die Schule schicken. Wenn aber irgendein Regime das umbauen würde, hätte man bis zur Abschaffung, eine weitere Option um seine Kinder vor rechts- oder linksradikalen Extremisten zu bewahren. Wer Angst vor der AFD hat, sollte die Einführung also eher befürworten.
Jap, sehe ich aktuell ähnlich.
Bin ja – wie ich auch hier schon öfter schrieb – für die Bildungspflicht aktuell.
Oder man stellt eben Ressourcen und Rahmen, damit eine Schulfplicht tatsächlich sinnvoll und gezielt funktioniert.
Wird Zweites nicht gemacht, dann ist Ersteres einfach die logischste und ehrlichste Schlussfolgerung.
Ganz unabhängig der Forderungen einer AfD. Man sollte sich auch nicht die Themen von einer AfD diktieren lassen oder ihnen nur ansatzweise ständig den Ball zuspielen, damit diese solche Themen „ankern“.
Lernen wir allerdings anscheinend auch nicht mehr …