Mit Speck fängt man Mäuse – Land lockt Gymnasiallehrer mit Einstellungszusage an Grundschulen

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STUTTGART. Den Grundschulen droht in den nächsten Jahren akuter Lehrermangel. Das Kultusministerium von Baden-Württemberg will die Personalnot entschärfen und setzt dabei auch auf Gymnasiallehrer. Dafür wirft Ministerin Eisenmann einen Köder aus. Der VBE warnt allerdings vor einem Qualitätsverlust, wenn – wie vorgesehen – die nebenberufliche Qualifikation der neuen Kollegen zeitlich halbiert wird.

aut um: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg
Eisenmann will Gymnasiallehrer mit guten Angeboten locken.                     Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

Pädagogen, die nach ihrer Ausbildung zum Gymnasiallehrer an eine Grundschule gehen, sollen eine Einstellungszusage als verbeamtete Gymnasiallehrer erhalten. «So etwas gab es noch nie», betonte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Das Angebot gelte für die Einstellungen im Schuljahr 2018/19, für das eine Lücke von 500 Stellen an Grundschulen absehbar sei. Die Zusage werde in der Zeit nach dem aktuellen Lehrermangel an dieser Schulart eingelöst. Die durch eine Pensionierungswelle verursachte Durststrecke werde im Jahr 2021 vorüber sein, erläuterte Eisenmann.

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Hintergrund der Offerte ist, dass 1600 freien Stellen an den 2400 Grundschulen im Land im nächsten Schuljahr nur 1100 Bewerber gegenüber stehen. Zudem werden zu den 2000 Gymnasiallehrern mit nicht nachgefragten Fächerkombinationen etwa 2500 weitere im Schuljahr 2018/19 hinzukommen. Kaum Chancen auf eine Stelle am Gymnasium haben Lehrer, die Deutsch, Englisch, Spanisch oder Geschichte studiert haben.

Im laufenden Schuljahr hatten nur 30 Gymnasiallehrer das Angebot angenommen, in der ersten bis vierten Klasse zu arbeiten. «Das hat mich überrascht, weil die Alternative ist, keinen Job zu haben», sagte Eisenmann. Sie hatten allerdings nur verbesserte Chancen bei der Bewerbung auf eine Stelle an einem Gymnasium in Aussicht gestellt bekommen – aber keine verbindliche Zusage.

Beamtenverhältnis auf Probe

Der Einstieg in die Lehre an der Grundschule soll durch eine auf ein Jahr halbierte berufsbegleitende Zusatzqualifikation erleichtert werden. Nach Abschluss dieser Weiterbildung können die Lehrer ins Beamtenverhältnis auf Probe übernommen werden. Überdies lockert das Ministerium auch die Kriterien für die Interessenten: Bislang mussten Lehrkräfte zwei Fächer aus dem Fächerkanon der Grundschule abdecken. Künftig werden auch Pädagogen zugelassen, die lediglich ein grundschulaffines Fach mitbringen. Auch Lehrkräfte, die mindestens einen Vertretungsvertrag an einer Grundschule erfüllt haben, können sich bewerben.

Besonders erfolgreich waren die bisherigen Bemühungen des Kultusministeriums, die Personalnot einzudämmen, beim Reaktivieren von Pensionären. Derzeit besetzen 500 von ihnen 150 Stellen. Rund 300 Lehrer haben ihre Dienstzeit über ihre Altersgrenze hinaus verlängert; dadurch gewinnt das Land etwa 280 Stellen. Durch das Aufstocken von Teilzeit kamen 73 Stellen zusammen. Um Personal einzusparen, wurden landesweit gut 100 Klassen nicht geteilt, obwohl ihre Schülerzahl eigentlich zu hoch war.

An ein Schließen der vielen kleinen Grundschulen – rund 800 von ihnen haben weniger als 100 Schüler – denke sie nicht, unterstrich die Ministerin. Das Prinzip «Kurze Beine, kurze Wege» habe sich bewährt.

Neben Grundschullehrern fehlen auch Sonderpädagogen und Lehrer für Naturwissenschaften an weiterführenden Schulen. In diesen Bereichen seien schon zu Schuljahresbeginn Stellen unbesetzt gewesen. So seien Vertretungslehrer eingesetzt worden, die eigentlich kranke und durch Fortbildung verhinderte Lehrer ersetzen sollten. Nach den Worten von Eisenmann ist die Lehrerversorgung im Baden-Württemberg «auf Kante genäht». «Unterrichtsversorgung hat für mich höchste Priorität», resümierte die Ministerin. dpa

 

Was der VBE dazu meint

„In der aktuellen Notlage begrüßen wir den Versuch, den Lehrermangel an Grundschulen dadurch zu bekämpfen, indem man weitere Anreize für fachlich und pädagogisch vorgebildetes Personal wie Gymnasiallehrkräfte setzt“, so kommentiert der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, Gerhard Brand, das aktuelle Vorhaben des Kultusministeriums.

Brand moniert aber deutlich: „Dass sich der Lehrermangel besonders an Grundschulen niederschlägt, ist kein Wunder. Nicht umsonst haben wir 2.000 Lehrkräfte mit gymnasialer Ausbildung, die keine Stelle finden, während 500 Stellen an Grundschulen unbesetzt bleiben. Die Botschaft an die Landespolitik ist eindeutig: Wir brauchen A 13 für alle Lehrkräfte – und das angesichts des bevorstehenden Schülerzuwachses so schnell wie möglich.“
 
Bei den beabsichtigen Maßnahmen sieht der VBE Baden-Württemberg die Halbierung der berufsbegleitenden Qualifizierung auf ein Jahr kritisch. „Gymnasiallehrkräfte müssen die Gelegenheit bekommen, um sich methodisch und didaktisch den Anforderungen der Grundschule anpassen zu können. Wir sehen dies durch eine Halbierung der berufsbegleitenden Qualifizierung nicht mehr gegeben und fordern dringend, dass die Einarbeitungszeit bei zwei Jahren bleibt“, betont der VBE-Landeschef. „Auch wenn Gymnasiallehrkräfte fachlich sehr gut vorgebildet sind: Grundschulen haben ein anderes Anforderungsprofil als Gymnasien. Lehrkräfte müssen hier erheblich mehr Erziehungsarbeit leisten und sie werden Klassen vorfinden, die um ein Vielfaches heterogener sind als Gymnasialklassen. Das liegt auch daran, dass Grundschulen die Hauptarbeit bei Inklusion und bei der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund leisten. Für diese Herausforderungen ist eine begleitende zweijährige Qualifizierung dringend nötig“, erläutert Gerhard Brand.

“Nur ein grundschulaffines Fach ist zu wenig”

Dass künftig auch Gymnasiallehrkräfte, die nur ein grundschulaffines Fach mitbringen, eingestellt werden, heißt der VBE Baden-Württemberg ebenfalls nicht gut. „Die Lehrkräfte werden an Grundschulen zwei bis drei Fächer unterrichten müssen, um ihr Deputat zu erfüllen. Das heißt, es gibt mindestens ein bis zwei Fächer, in denen diese Lehrkräfte weder fachliche noch die entsprechenden methodisch-didaktischen Vorkenntnisse haben“, konstatiert der Landesvorsitzende. „Lehrerinnen und Lehrer mit nur einem grundschulaffinen Fach einzustellen und gleichzeitig die begleitende Qualifizierung um ein Jahr zu reduzieren, wird Auswirkungen haben. Wir sehen dadurch die Gefahr, dass Grundschulen dann ihre Schülerinnen und Schüler für den Übergang an weiterführende Schulen nicht mehr ausreichend vorbereiten können“, zeigt sich Brand über die beabsichtigen Maßnahmen besorgt.

 

Schulministerium plant höhere Besoldung für Grundschullehrer in NRW

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42 KOMMENTARE

  1. “Die durch eine Pensionierungswelle verursachte Durststrecke werde im Jahr 2021 vorüber sein, erläuterte Eisenmann.”

    Das klingt seltsam. Wenn es Pensionierungen nur aus Altersgründen sind, dann wusste man das ja schon seit langem. Warum also hat man sich darauf nicht vorbereitet?
    Wenn es aber eine Welle von plötzlichen Frühpensionierungen ist, dann ist nicht plausibel, dass das nach 2021 nicht mehr vorkommen soll.
    Schon die Vorgängerregierung mit einem SPD-Kultusminister hat doch immer betont, dass für sie Bildung und Schule wichtig ist. Warum also hat man diesen Lehrermangel produziert bzw. riskiert? Ob sich vielleicht das ständige Herumschrauben an den Lehramtsstudiengängen negativ auf deren Beliebtheit ausgewirkt hat? In BaWü gibt es noch Pädagogische Hochschulen. Im grün-roten Koalitionsvertrag von 2011 werden sie ausdrücklich lobend erwähnt. Wieso können die den Bedarf an Grundschullehrern nicht decken? Die Studentenzahlen waren doch jederzeit bekannt. Warum hat man dafür nicht rechtzeitig Werbung gemacht mit dem Anreiz einer Stellenzusage? Es sieht so aus, als ob unsere Regierenden sich lieber um Prestigeprojekte (im Schulbereich waren das z.B. die Gemeinschaftsschulen mit der Abschaffung von Noten) kümmern als um das, was man “Kerngeschäft” nennt. Und noch 2012 hieß es, es sollten über 12000 Lehrerstellen gestrichen werden, weil angeblich die Kinder ausbleiben oder weil sie nicht finanzierbar seien:
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article108256130/Kretschmann-streicht-Tausende-Lehrer-Stellen.html
    Das ganze hin und her hat schon fast satirische bzw. karnevalistische Züge angenommen.

    • Bildungsministerien konnten selbst als sie noch Kultusministerien hießen solchen vorhersehbaren Entwicklungen nicht planend begegnen.

  2. Alles nur geklaut – Fr. Gebauer hat doch in NRW die gleiche Zusage schon gemacht, um GY-Lehrkräfte in 2 Jahren außerhalb des Haushaltes bei der Wiedereinführung vom Schlafwagen-G9 am Start zu haben. Bleibt die Frage, wo in 2 Jahren die vielen lehrkräfte für GS und SekI von den Baümen gepflückt werden können, die GY-Quereisteiger gehen ja dann dank der Stellenzusage weg von den GS.

    • Hat ja kaum einer gemacht. Da sieht man mal wie unattraktiv die Sek2 Leute die Bezahlung und den Job generell finden.

      Kriegen die Sek2 Leute eiglt A13 die zwei Jahre?

      • Das ist Quatsch.

        Die meisten, die sich für die weiterführenden Schulen entscheiden, tun dies wegen der Schülerklientel und der jeweiligen Fächer (inhaltlich). Sie wollen dann auch nicht mit kleinen Grundschulkindern arbeiten und mit Grundschulthemen (1×1, Buchstaben). Eine Abwertung mögen Sie darin sogleich vermuten, ich tue dies nicht. Ich stelle nur fest. Oder wollen Sie bestreiten, dass man eine andere Schülerklientel und andere Inhalte an Grundschulen vermittelt?

        Man kann das immer wieder nachlesen, wo Lehramststudenten gefragt wurden, warum sie sich für dieses oder jenes Lehramt entschieden hätten.

        • Die Studierenden werden wohl kaum äußern, dass sie lieber nur A12 verdienen möchten und deshalb dieses gleichlange Studium und Referendariat absolvieren.

          • Das ist Quatsch. Sie behaupten weiterhin, den künftigen Lehrern ginge es nur ums Geld und sie suchten sich ihr Lehramt nach dem Gehalt aus.

            Warum studier(t)en denn dann überhaupt noch irgendwelche Studenten das Lehramt an Grundschulen. Bis vor kurzem mussten sie doch glauben, dann weniger zu verdienen?

            Oder sind nun die Grundschullehrer die Idealisten und die Gymnasiallehrer die Geldgierigen? Folgt ja aus IHRER Argumentation. Ich sage, das gute Gehalt steht nicht im Vordergrund der Lehramtswahl bei den meisten Studenten, sondern … (siehe oben).

          • Die Argumentation mit dem Geld ist Ihre, sofawolf, Sie bringen das Thema immer wieder auf den Plan.
            Grundschullehrkräfte sind wohl eher diejenigen, die weniger auf das Geld schauen, sie müssen ja A12 billigend in Kauf nehmen.
            Sek I-LuL ebenso.
            Warum bei gleichlanger Ausbildung und gleicher Qualifikation – sprich Prüfung 2. Examen – weiterhin nur A12 gezahlt wird, erschließt sich nicht.
            Und immer mehr Studierende wählen einen anderen Studiengang oder mit dem Wunsch Lehramt SekII, statt weniger Gehalt für gleich hohe Arbeitszeit und noch höhere Belastung zu wählen.
            (siehe dickebanks WDR-Reportage)

          • Sind das einzelne Stimmen innerhalb einer Dokumentation?

            Oder sind das repräsentative Umfragewerte?

            Man kann ja, je nachdem was man mit einer Reportage erreichen will, diese oder jene, mehr von diesen oder mehr von jenen zu Wort kommen lassen.

            Nein, dass es Ihnen nicht ums Geld ginge, stimmt nicht. Es geht Ihnen ums Geld. Um sonst nichts. Auf der einen Seite beschweren Sie sich darüber, dass Gym-Lehrer nicht fähig sind, an Grundschulen zu arbeiten (und umgekehrt???); auf der anderen Seite behaupten sie, alles sei doch das Gleiche zwischen den Lehrämtern. Sie widersprechen sich selbst. Es ist nicht das Gleich, auch wenn man gleich lange studiert hat und der Abschluss den gleichen Namen trägt.

          • Ich habe nicht gesagt, dass Gym-Lehrer nicht fähig seien, an Grundschulen zu arbeiten, sondern beschwere mich darüber, dass sie nicht abgeordnet werden und Grundschulen mit einer miserablen Unterrichtsversorgung sich selbst überlassen bleiben.
            DAS ist etwas ganz anderes!

            Zudem wüsste ich nicht, warum ein Gymnasiallehrer nicht in der Lage sein sollte, sich in die Didaktik des Erstunterrichts in Förderschul-Pädagogik einzuarbeiten, wie auch in fremde Fächer. Aber Einarbeitung wird es brauchen, weil die Inhalte aus Ihrer Perspektive zwar immer als quasi lächerlich dargestellt werden, damit aber noch nicht SuS im Alter von 5-7 mit geringen Vorkenntnissen vermittelt sind.
            Tatsächlich haben auch Grundschullehrkräfte bisher keine Ausbildung für Förderschul-Pädagogik, müssen diese aber zu nahezu 100% gleich für mehrere Schwerpunkte mit übernehmen. Warum also sollte das anderen Lehrkräften nicht möglich sein?
            Das ist nicht prickelnd und nicht optimal, stimmt, aber bei der derzeitigen Notlage wird man ja überlegen müsse, wie man den grundlegenden Unterricht in der Grundschule gewährleisten will.
            Dazu gibt es hier bisher keinerlei Gegenvorschläge.
            Und es ist sicherlich so, dass man auf manches Rücksicht nehmen kann, was die abgeordnete Lehrkraft betrifft, in einer Notlage kann sich aber niemand mehr die Rosinen herauspicken, sondern man muss irgendwie sehen, dass der Unterricht als solcher überhaupt erteilt wird, einschließlich der Notwendigkeiten in einer heutigen heterogenen Grundschulklasse.

            Sicherlich habe ich mich über Jahre auf Erstunterricht und den Unterricht mit Förderschulkindern sowie Migranten spezialisiert, bin aber doch für mehrere Schulformen ausgebildet worden.
            Und auch wenn Sie hier immer wieder ein Schreckgespenst von “Einheitslehrer” konstruieren, ich verstehe generell nicht, was daran so schrecklich ist, ist es wohl so, dass die meisten Lehrer Klasse 5-10 unterrichten dürfen und können und sehr viele das auch zu einem Großteil ihrer Zeit machen, auch Lehrer am Gymnasium und SekII-LuL an GeSaS.
            Wenn Ihre Spezialisierung Unterricht in der SekII sein sollte, den Sie nur zu einem Teil Ihres Deputats wahrnehmen werden, warum kann meine dann nicht Unterricht zum Schulanfang sein, den ich _alle Jahre wieder_ zu einem Großteil meines Deputats erbringe, zudem die Binnendifferenzierung zum Förderschulunterricht, die in nahezu allen Klassen und Fächern zu leisten ist?

            Im übrigen schreiben SIE selbst einen Post weiter unten:
            “Man kann schon davon ausgehen, dass jeder Lehrer Grundlagen in Methodik und Didaktik und Pädagogik und Psychologie gelernt hat und somit grundsätzlich in der Lage ist, an allen Schularten zu unterrichten.”

        • Jedenfalls werden die besten unter den gymnasialen Examenskandidaten das nicht machen, sondern auf den regulären Weg vertrauen. Noten sind immer noch wichtig bei der Einstellung. Die Kandidaten mit schwachen Noten werden gerne 2 Jahre Grundschule in Kauf nehmen, wenn sie dafür eine feste Stelle haben. “Augen zu und durch!” Ob das aber gut für die Grundschulen ist? Ich weiß schon: hier wurde gesagt, Hauptsache da steht überhaupt jemand vor der Klasse. Wie wär’s eigentlich mit Robotern als Lehrer? Die sollen im Haushalt schon viel können. Fragen wir mal, was Bertelsmann davon hält.

          • Man kann schon davon ausgehen, dass jeder Lehrer Grundlagen in Methodik und Didaktik und Pädagogik und Psychologie gelernt hat und somit grundsätzlich in der Lage ist, an allen Schularten zu unterrichten. Zu den Grundlagen kommen aber die Spezifika der verschiedenen Schularten hinzu. Ja, das ist ja mein Reden, dass das eben nicht überall das Gleiche ist.

            Wenn also Gymnasiallehrer an Grundschulen unterrichten, dann wissen sie theoretisch schon, wie man eine Stunde hält. Das ist etwas anderes, als wenn jemand ohne jegliche Ausbildung das machen soll. Aber ansonsten, ja, es ist nicht das Gleiche – egal, welche Schulart. Das finde ich auch.

        • Das ist Quatsch, da Sek1 Lehrer auch nur A12 bekommen. Die ganze Argumentation mit Grundschulkindern bzw. Didaktik ist damit hinfällig.

          • Das ist Quatsch. Jeder Lehrer ist am besten für seine Schulart ausgebildet und daher am besten an seiner Schulart einzusetzen. Das bedeutet aber nicht, dass er sich nicht für eine andere Schulart “umgewöhnen” und “neu qualifizieren” kann. Ein ähnliches Rüstzeug ist vorhanden, aber eben nur ähnlich.

            Dass alle gleich ausgebildet werden und das Gleiche tun, ist übrigens IHRE Argumentation für gleiches Gehalt.

  3. Wenn es momentan irgendwo zu viele Gymnasiallehrer gibt und zu wenige Grundschullehrer, dann finde ich diesen Einsatz richtig. Die G-Lehrer sollten aber sicher nicht in Klasse 1+2 eingesetzt werden und bräuchten auch für danach etwas “Qualifizierung” für diese Altersgruppen, die sie ja nicht hatten.

    Dass man als G-Lehrer an einer Grundschule verdient wie ein Grundschullehrer, finde ich in Ordnung. Wer darüber klagt, den könnte man ja vielleicht mal darauf hinweisen, dass er sonst ggf. gar keinen Job hätte.

    • Die Gymnasiallehrer bräuchten anschließend Qualifizierung, weil sie die Altersgruppe am Gymnasium nicht hatten? Jeder beginnt seinen Beruf mit ebensolcher Ausgangslage, denn Studium, darin enthaltene Praktika und Referendariat sind ja bereits absolviert.
      Anders sieht es mit denen aus, die ein Fachstudium samt Master vorweisen, aber keine Pädagogik, keine Schulpraktika und kein Referendariat. Sie müssen ohne weitere Qualifizierung ein volles Deputat lehren und werden angesichts des Lehrermangels auch in Klasse 1+2 eingesetzt. Hätten die Schulen keinen Mangel, würden sie ja Lehrer dort einsetzen können.

        • “Die G-Lehrer sollten aber sicher nicht in Klasse 1+2 eingesetzt werden und bräuchten AUCH FÜR DANACH etwas “Qualifizierung” für diese Altersgruppen, die sie ja nicht hatten.”

          • Umgekehrt wären Sie, Palim, sicherlich auch nicht ohne Weiteres dazu in der Lage, von jetzt auf gleich aber wegen mir mit A13 Deutsch-Oberstufe oder sogar einen Deutsch-LK zu übernehmen, auch wenn das eher fachliche als didaktische Gründe hat.

            (Sie dürfen Deutsch gerne durch das Fach ersetzen, dass Sie am besten beherrschen.)

          • @ xxx.

            eben!

            Darin zeigt sich auch, dass es nicht das Gleiche ist, was man an unterschiedlichen Schularten arbeitet. Jeder ist auf seinem Gebiet spezialisiert.

          • Wenn dann doch aber “jeder auf seinem Gebiet spezialisiert” ist, warum kann man dann die unterschiedlichen Spezialisierungen nicht gleichwertig anerkennen?

  4. Hmm, wir haben Förderschullehrer die A13 haben, für eine Klasse durch den Mangel an eben jenen wurde mir kein Förderschullehrer zugeteilt. Heißt für mich : Differnezierte Aufgaben stellen, Klassenarbeiten von den 6 Förderschülern korrigieren, Zeugnisse verfassen. 2 der 6 sind sozial-emotional, alles ohne die Förderschullehrerin.

    Damit mache Ich doch die gleiche Arbeit wie die mit A13 besoldete andere Lehrerin. Das zeigt einfach nur, dass verschiedene Bezahlung im heutigen Schulsystem nicht nur absolut ungerecht ist, sondern meine Motivstion, gute Arbeit zu machen, immer weiter sinken lässt.

    • Auf diese Weise ist Inklusion und Schule natürlich schön billig, weil die A12-Kräfte den Laden am Laufen halten und unzählige zusätzliche Aufgaben übernehmen.
      Dass daraufhin viele dieses Studium nicht mehr ergreifen wollen, weil sie sich ausgenutzt fühlen und sich dies bis zu Studierenden herum spricht, ist die Kehrseite der “Geiz ist geil”-Mentalität in der Bildung.

      Da reichen nun auch keine Lippenbekenntnisse aus oder der Hinweis, dass die (längst vorab bekannte) Pensionierungswelle nur von kurzer Dauer sei, wenn schon absehbar ist, dass zurzeit zu wenige Studierende an den Universitäten sind, die bereits knapp vor der Prüfung sein müssten, wenn sie 2021 das Referendariat absolviert und ihr 2. Examen erreicht haben sollen.

      • In vielen Kommunen gibt es gleichlautende Ratsbeschlüsse (Schulauschuss) bzw. Beschlussvorlagen, die in etwa auf folgendes hinauslaufen:

        Die Inklusion von SuS mit Förderbedarfen in den Schwerpunkten L und ESE sei nach der GS am besten durch Schulen des “längeren gemeinsamen Lernens”, die im Ganztag geführt werden und somit eine verlässlichere Betreuung böten – also nicht an RS und GY – durchzuführen.

        • In Nds. nicht.
          Inklusion bedeutet hier die Aufhebung der FöS Lernen und ESE.
          Diese ist in der Grundschule bereits aufgehoben – sprich geschlossen – und in der Sek I im Gange, allerdings gibt es seitens der Nds-GroKo nun einen Erlassentwurf, der die Schließung der FöS SekI aufschieben soll und ein Einrichten von 5. Klassen WIEDER zulässt.
          Ansonsten gilt freie Schulwahl und ursprünglich auch eine Bestimmung, dass der Schulträger seine Schulen bis 2018 inklusiv gestalten – sprich umbauen – sollte (was sicherlich nicht erreicht wurde/ werden konnte).

          Davon abgesehen führen doch auch RS und GY den Ganztag. Ist das in NRW anders?

          • Es gibt in NRW so gut wie keine GY im gebundenen Ganztag. Bei den RS dürfte die Quote inzwischen bei 50% liegen. Das hängt von der Konkurrenzsituation vor Ort ab.

          • Es gibt in Nds. so gut wie GAR KEINE Schulen im GEBUNDENEN Ganztag.
            Es geht IMMER um Betreuung am Nachmittag, um Angebote oder ggf. um teilgebundenen Ganztag, sprich Unterricht an 1-2 Tagen am Nachmittag, den es aber schon gab, als das Thema “Ganztag” noch gar nicht zur Debatte stand.

            Wie das wohl in BW ist?

          • Gebundener Ganztag heißt mindesten 7 Schulstunden je Wochentag plus eine 60-minütige Mittagspause. Alternativ geht der Unterricht an mindestens 3 Tagen über 8 Unterrichtsstunden plus 60-min. Mittagspause. Die SuS meiner Klasse haben so z.B. 3 x 8 WS und 2 x 6 WS. Darin enthalten sind 5 WS “Lernzeit” und eine Klassenlehrerstunde sowie eine Doppelstunde Pflicht-AG. Es bleiben also 28 WS Fachunterricht. Der Förder- und Forderunterricht liegt parallel zu den Lernzeiten.

          • An unserem örtlichen Schulzentrum SekI heißt es so:
            ” Die (Schule) ist eine Ganztagsschule und macht den SuS von Mo – Do ein ganztägiges Unterrichts- und FreizeitANGEBOT.
            An _zwei_ Nachmittagen endet der _Regelunterricht_ um 15.15 Uhr.
            Darüber hinaus können die Schülerinnen und Schüler an zwei weiteren Nachmittagen _auf freiwilliger Basis Angebote wählen_.”

            In den Grundschulen ist die Regel der Unterricht am Vormittag, der die Stundentafel abbildet und, sofern vorhanden, durch Lehrkräfte erteilt wird.
            Im Anschluss gibt es
            a) die Betreuung, die zur Verlässlichen Grundschule gehört, damit 5 Zeitstunden Schule gewährleistet werden, die von pädagogischen Mitarbeitern erteilt wird
            b) an den “Ganztages”-Schulen ebenfalls ein Angebot, das Mittagessen, Hausaufgaben_betreuung_ und Angebote aus Sport u.a. umfasst, ja nachdem, was der SL örtlich aus dem Budget finanzieren kann und auch von pädagogischen MitarbeiterInnen übernommen wird.
            In den letzten Jahren sollten auch Lehrerstunden in den Ganztag gehen, meist zur Aufsicht (halbe Anrechung) oder Hausaufgabenbetreuung.
            Von der Nachbargrundschule weiß ich, dass Lehrkräfte Vertretung im Ganztag übernehmen müssen, wenn die pädagogischen MitarbeiterInnen ausfallen.

            Wollte man diese Lehrerstunden in den Kernunterricht stecken, müsste man den Ganztag entsprechend ausstatten UND vernünftige unbefristete Verträge für pädagogische MitarbeiterInnen anbieten.
            Ebenso wäre, unabhängig vom Ganztag, vorstellbar, dass am Mittag an den Halbtagesschulen Hausaufgabenbetreuung (durch päd.Mitarb.) angeboten würde, z.B. jeweils in der 6. Std., wodurch sich die Betreuungszeit um ca. 1 Stunde verlängern würde.
            Aber auch in diesem Bereich ist der Schmalhans Küchenmeister.

          • Gebundener Ganztag heißt hier in NRW eben auch, dass der Unterricht – auch im Nachmittagsbereich – komplett von Lehrkräften und nicht von Erziehern oder sonstigem Personal abgehalten wird.

            Anders ist das nur bei GS, die im offenen Ganztag geführt werden. Offen heißt hier, dass der Ganztag eben nicht verpflichtend für alle ist. Die OGS besteht also aus dem Vormittagsunterricht und dem anschließenden und von den Eltern zu zahlenden Betreuungsangebot einschließlich Mittagsverpflegung.

            Der gebundene GAnztag ist kostenfrei, es müssen lediglich die Kosten für die Mittagsverpflegung getragen werden, wenn ein Kind daran teilnimmt.

  5. Ich verstehe hier so einige nicht. Wenn ma die Aussagen zusammenfasst, dann ergibt sich folgendes Bild:
    – Lehrkräfte der SekI+II wählenm dieses Lehramt nicht, weil es besser dotiert ist und mehr Aufstiegsmöglichkeiten bietet.
    – Lehrkräfte der SekI sind nicht in der Lage Unterricht in den entsprechenden Jahrgangsstufen (5 bis 10) an einem GY zu unterrichten und deshalb trotz identischer Studien- und beamtenrechtlicher Voraussetzungen nur mit A12 abzuspeisen.
    – Referendare (und die gibt es nur für die Laufbahngruppe 2, zweites Einstiegsamt) sollten trotz Stellenzusage nicht in die GS gehen.
    – Eine hundertprozentige Unterrichtsversorgung an GY ist das legitime Recht der Eltern, die ihr Kind an einem GY angemeldet haben.
    – Die Unterrichtsversorgung in der Primarstufe und der sekI geht SekI+II-Lehrkräfte nichts an und sie sind in keinem Fall bereit dort auszuhelfen – da das unter ihrem Niveau ist.
    – GY-Lehrkräfte sind Fachlehrkräfte, die aus prinzipiellen Gründen das Klassenlehrerprinzip und den damit verbundenen fachfremden Unterricht ablehnen.
    – Selbst Fachlehrer mit GY-Ausbildung und GS-relevanten Fächern sehen sich nicht in der Lage die Unterrichtsversorgung an GS sicher zu stellen, da sie weder im Studium noch im Vorbereitungsdienst auf SuS der Primarstufe vorbereitet worden sind. (Wer das Lehramt GHR hat und im Vorbereitungsdienst in der SekI eingesetzt worden ist, der musste hier in NRW im Abschnitt andere Schulformeinen Monat an einer GS hospitieren ).

    Fazit, die Unterrichtung jüngerer SuS ist den Lehrkräften der SekI+II nicht zumutbar. Und warum wendet sich der DPhV dann grundsätzlich gegen eine Integration der Erprobungstufe (Jhg. 5/6) in die Primarstufe und hält die Unterrichtung von SekI-SuS an allen Schulformen der SekI nicht für genügend qualifiziert, um darauf eine gymnasiale Oberstufenzeit erfolgreich abschließen zu können?
    Etwas weniger Standesdünkel wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung.

    Und da die GY-Pauker ja der Meinung sind, Inklusion ist von den minderbezahlten Lehrkräften anderer Schulformen zu erbringen, täte eine Hospitanz an einer anderen Schulform gut. Ihr werdet sehen, dass GS und Gemeinschaftsschulen zu vielfältiger Inklusions- und Integrationsleistung befähigt sind, warum sollte es ihnen nicht auch mit Studienräten gelingen?

    • @dickebank: Studienräte berufen sich darauf, dafür nicht ausgebildet zu sein, während man bei Grundschul – und Gemeinschaftsschullehrern davon ausgeht, dass sie Integration und Inklusion auch so hinkriegen. Wir sind nämlich Eier legende Wollmilchsäue

    • Warum erinnert mich das Ganze an das St. Floriansprinzip?
      Ich wäre z.B. bereit in meinen fachwissenschaftlichen studierten Fächern am Gymnasium zu unterrichten. Schließlich habe ich die Fächer als Gymnasiast selbst am Gymi durchgezogen und habe diese dann um einiges darüber hinaus studiert. Das einzige, das mir fehlt, ist das didaktische Knowhow ab Klasse 10/11, doch darüber würde ich mir jetzt keine Sorgen machen – ich bin ausgebildete GHS- Lehrkraft.

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