Zuwanderer in Ausbildung: ab der 3. Generation mit gleichen Chancen

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BONN. Der ersten der Tod, der zweiten die Not, der dritten das Brot. Ganz so radikal wie Auswanderer und Neusiedler früherer Zeiten haben es die jüngsten Migrantengenerationen in Deutschland wohl nicht erlebt. Dennoch deutet das Sprichwort auf eine Realität hin, wie das BIBB in einer Studie zu Jugendlichen mit Migrationshintergrund ermittelt hat.

Jugendliche mit Migrationshintergrund, die der dritten Generation angehören, sind bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz ebenso erfolgreich wie Jugendliche ohne Migrationshintergrund, wenn sie nach der 9. oder 10. Klasse die allgemeinbildende Schule beenden und unmittelbar eine berufliche Ausbildung anstreben. Sie münden dann im Laufe von rund drei Jahren nach Schulbeendigung genauso oft und genauso schnell entweder in eine duale oder eine schulische Berufsausbildung ein.

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Jugendliche mit Migrationshintergrund gehen nach der Schule seltener direkt in Ausbildung über als ihre Altersgenossen. Benachteiligungen scheinen mit der dritten Generation aber weitgehend überwunden. Foto: mlinderer / pixabay (CC0 1.0)
Jugendliche mit Migrationshintergrund gehen nach der Schule seltener direkt in Ausbildung über als ihre Altersgenossen. Benachteiligungen scheinen mit der dritten Generation aber weitgehend überwunden. Foto: mlinderer / pixabay (CC0 1.0)

Das sind Kernergebnisse einer aktuellen Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zu den Übergängen in Berufsausbildung, differenziert nach Migrationsgenerationen. Auf Basis von Daten des Nationalen Bildungspanels haben die Forscher die Angaben von fast 6.000 Jugendlichen ausgewertet, die in den Jahren 2011 und 2012 nach der 9. oder 10. Klasse von einer Regelschule abgegangen sind.

Bei der dritten Generation handelt es sich um in Deutschland geborene und Migranten, deren Eltern ebenfalls schon in Deutschland geboren sind, die Zuwanderung erfolgte also bereits durch die Großeltern. Auch in dieser Generation haben Jugendliche bei Verlassen der Schule seltener ein Interesse an der direkten Aufnahme einer Berufsausbildung, als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Allerdings treffe dieser Befund im Vergleich zu Migranten der ersten und zweiten Generation nur noch sehr abgeschwächt, noch zu. Im Effekt sei aber immer noch bemerkbar, dass junge Menschen mit Migrationshintergrund selbst in der dritten Generation seltener eine berufliche Ausbildung aufnehmen als Jugendliche ohne Migrationshintergrund.

„Warteschleifen“ sind besser als ihr Ruf

Im Vergleich zu Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die der dritten Generation angehören, hätten jedoch diejenigen der zweiten Generation erheblich geringere Chancen, erfolgreich in eine berufliche Ausbildung einzumünden. Obwohl auch sie bereits in Deutschland geboren sind, fallen ihre Schulabschlüsse im Schnitt deutlich niedriger aus, was ihre Aussichten auf einen Ausbildungsplatz mindert. Aber selbst bei gleichem Schulabschluss münden junge Migranten der zweiten Generation langsamer und seltener in eine Berufsausbildung ein als diejenigen der dritten.

Die geringsten Chancen auf einen erfolgreichen Übergang in eine Berufsausbildung haben Jugendliche der ersten Migrationsgeneration – sie sind im Ausland geboren und selbst nach Deutschland zugewandert, meistens mit ihrer Familie. Sie verfügen nochmals über deutlich niedrigere Schulabschlüsse als Jugendliche der zweiten Generation. Die größten Schwierigkeiten sind dabei für diejenigen zu verzeichnen, die erst nach dem 6. Lebensjahr nach Deutschland gekommen sind. Sie haben in der Schule am schlechtesten abgeschnitten, bewerben sich verhältnismäßig häufig nicht um eine Ausbildungsstelle und nehmen insgesamt am seltensten eine Berufsausbildung auf. Allerdings sind diejenigen von ihnen, die bei Schulabgang eine betriebliche Ausbildung anstreben, zumindest nach zwei bis drei Jahren relativ erfolgreich und münden häufiger in eine berufliche Ausbildung ein als Jugendliche der zweiten Migrationsgeneration.

Die Ergebnisse zeigen nach Auffassung der BIBB-Forscher, dass die Herstellung gleicher Bildungschancen für Migranten eine Aufgabe ist, die sich über einen langen Zeitraum erstreckt und eine intensive Förderung der Jugendlichen nötig macht. Dabei müssten noch viel stärker als bisher die besonderen Problemlagen der Jugendlichen wahrgenommen und hierauf eingegangen werden. Überdies sei das Bewusstsein für den Wert einer Berufsausbildung für den späteren Lebensweg vor allem bei Jugendlichen der ersten Generation zu wenig ausgebildet und könne selbst in der dritten Generation nicht als gegeben vorausgesetzt werden.

Die schlechteren Chancen der jungen Migranten der ersten und zweiten Generation könnten zudem mit bei Betrieben eventuell bestehenden Vorurteilen ihnen gegenüber zusammenhängen. Daher sei es auch nach wie vor notwendig, mögliche Vorbehalte bei Betrieben gegenüber Jugendlichen mit Migrationshintergrund abzubauen. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels gelte es, das Potenzial aller Jugendlichen, unabhängig von ihrer Herkunft, besser auszuschöpfen. (zab, pm)

BIBB-Sonderauswertung legt nah: Flüchtlinge kommen in Ausbildung an

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1 KOMMENTAR

  1. Link zur Quelle:
    https://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/publication/show/9391

    Die Erhebung differenziert übrigens nicht nach der Herkunft der Migranten bzw. deren Eltern oder Großeltern. Außerdem widerspricht die hier wiedergegebene Pressemitteilungen diversen anderen Artikeln, wonach Migranten signifikant schlechtere Schulabschlüsse und Ausbildungschancen haben.

    Was jetzt stimmt, weiß ich nicht. Dem aktuellen politischen Narrativ nach zu urteilen, halte ich eine Verbiegung der Statistik bis die veröffentlichte Pressemitteilung plausibel erscheint, für leider nicht ausgeschlossen.

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