Mehr Durchfaller im Abitur: GEW fordert flexibleres Gymnasium ab Klasse 11

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BERLIN. Die GEW fordert mehr Flexibilität in der gymnasialen Oberstufe, die auch eine unterschiedliche Dauer bis zum Erreichen des Abiturs zur Folge haben kann. «Auch am Gymnasium werden die Lerngruppen heterogener. Deshalb driften die Abiturnoten immer stärker auseinander», sagte Ilka Hoffmann, bei der GEW im Vorstand für das Thema Schule verantwortlich, der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Das Gymnasium müsse darauf reagieren. «Es ist dafür verantwortlich, dass möglichst alle Schülerinnen und Schüler das Abitur schaffen», sagte Hoffmann. Am Vortag war bekannt geworden, dass die Durchfallquote in den letzten Jahren gestiegen ist (News4teachers berichtete).

Ist eine individuell dehnbare Oberstufe die Lösung? Foto: pxhere

Die GEW schlägt eine Flexibilisierung ab Klasse 11 vor. «Die jungen Menschen sollen die Oberstufe in zwei, drei oder vier Jahren durchlaufen können», forderte Hoffmann. «Das ermöglicht, unterschiedliche Lerntypen zu berücksichtigen und insbesondere soziale Unterschiede aufzufangen.» Aktuell seien die Vorgaben der Kultusministerkonferenz von den Stundentafeln bis zum Abitur für eine solche Flexibilisierung zu starr.

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Flexible Oberstufe? Nein, danke

Der Gewerkschaftsvorschlag einer flexiblen gymnasialen Oberstufe mit unterschiedlicher Dauer bis zum Abitur stößt allerdings in großen Bundesländern bereits auf Ablehnung. Das sei keine Antwort auf mehr Heterogenität in den Klassen und würde die Schulen «vor nahezu organisatorisch unlösbare Aufgaben stellen», betonte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch auf Anfrage. Damit würden auch die Bemühungen der Kultusministerkonferenz für mehr Vergleichbarkeit zwischen den Bundesländern konterkariert. Bereits heute könnten Schüler je nach Leistung entweder Klassen wiederholen oder auch überspringen.

Auch Bayern lehnte den Vorstoß der Bildungsgewerkschaft GEW ab. «Der Vorschlag der GEW würde keine Verbesserungen bringen. Unser Konzept der individuellen Lernzeitverkürzung sorgt bereits für ein hohes Maß an zeitlicher Flexibilität im Gymnasium», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) in München. Mit dem Konzept der Individuellen Lernzeitverkürzung sollen Jugendliche in Bayern unterstützt durch entsprechende Förderung und Beratung ihr Abitur schon nach acht Jahren ablegen.

Seit einigen Jahren steigt die Quote der nicht bestandenen Abitur-Prüfungen an, wie eine Auswertung der Deutschen Presse-Agentur ergab. Während im Abiturjahrgang 2009 laut Statistik der Kultusministerkonferenz noch 2,39 Prozent der Schüler durchfielen, waren es 2017 schon 3,78 Prozent. Für 2018 liegen noch nicht aus allen Bundesländern Zahlen vor, die Tendenz bestätigt sich jedoch: In vielen Ländern stieg die Durchfaller-Quote erneut. Bundesweit stehen in den kommenden Wochen wieder die Abiturprüfungen an. dpa

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9 KOMMENTARE

  1. “Es ist dafür verantwortlich, dass möglichst alle Schülerinnen und Schüler das Abitur schaffen”

    Warum vergeben wir dann noch das Abitur, wenn es sowieso jeder bekommen soll? Ich meine die Frage ernst. Wenn in naher Zukunft über 80% eines Geburtenjahrgangs Abitur machen (laut aktuellen Prognosen), könnte man es sich auch ersparen überhaupt unterschiedliche Schulformen anzubieten und Leistungen zu verlangen, da es ja sowieso jeder schaffen soll.

    • Es ist ja das Ziel die Schularten abzuschaffen – siehe Hamburg, wo zum Beispiel die Stadtteilschulen eine erheblich bessere finanzielle und personelle Ausstattung erhalten als Gymnasien.

  2. Wenn das von GEW-Vertretern, wie Ilka Hoffmann das Abitur zum Standardabschluss wird, dann wird es nicht mehr lange dauern, bis Aufnahmeprüfungen an den Universitäten eingeführt werden.
    Damit erspart man den Schülern aus finanziell gut betuchten aber auch den Gang auf eine teure Privatschule, um die gewünschten Abschlüsse zu erreichen ohne zusätzlich zur Kasse gebeten zu werden.
    Dann müsste man nur noch das Niveau der Studienfächer absenken, um jedem noch so wenig geeigneten Kandidaten einen Abschluss des Studiums zu ermöglichen.
    Aber irgendjemand muss sich dann schließlich mit diesen Absolventen herumschlagen, diese ausbilden, anleiten und fördern, damit diese dann doch noch in die Nachfolge treten können.
    Oder man holt sich den akademischen Nachwuchs gleich aus dem Ausland und schickt unsere auf die Insel, in das Dschungelkamp die Shoppingexkursion oder in den Bachelorkurs.
    Da kann man sich richtig freuen, was da auf uns zukommt.

  3. Der GEW sind Studierfähigkeit und Leistungsbereitschaft offenbar völlig egal. Wie tanzen alle unseren Namen und bekommen dafür das Abitur.

  4. https://www.gew.de/hauptvorstand/ob-schule/
    Laut diesen Informationen hat Frau Hoffmann nie in einer Oberstufe gearbeitet, und das merkt man.
    “Ich blicke auf eine langjährige Arbeit an einer Förder- und einer Gemeinschaftsschule zurück.” (siehe https://www.gew.de/28-gewerkschaftstag/kandidatinnen-und-kandidaten/ilka-hoffmann/) und für diesen Bereich von Schule ist sie vermutlich auch kompetent. Wir können nur hoffen, dass ihr niemand in der Politik zuhört.
    Die flexible Oberstufe wird übrigens seit Jahrzehnten genutzt, indem Schüler nach der 11 oder nach der 13 die Schulzeit 1 Jahr verlängern.

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