„Einmalige Chance“ – Informatiker fordern Pflichtfach Informatik

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BERLIN/DÜSSELDORF. Die Deutsche Gesellschaft für Informatik setzt sich vehement dafür ein, Informatikunterricht für alle Schüler in Nordrhein-Westfalen verpflichtend zu machen. Angesichts des Digitalpakts und des Wechsels von G8 zu G9 in Nordrhein-Westfalen dürfe die Landesregierung nicht die Chance vergeben, die „Leitwissenschaft der Digitalisierung“ als Pflichtfach im Curriculum zu verankern. Geplante Änderungen gehen den Informatikern nicht weit genug.

In einem öffentlichen Brief fordert die Deutsche Gesellschaft für Informatik (GI) zusammen mit weiteren nationalen Organisationen und Verbänden die Landesregierung dazu auf, die aktuelle Verordnung zur Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung der Sekundarstufe I entsprechend anzupassen und Informatik als Pflichtfach einzuführen. Den Anforderungen der zunehmenden digitalen Vernetzung müsse „endlich“ im Schulcurriculum Rechnung getragen werden, so das Bündnis. Bislang sei in der Verordnung die Informatik lediglich als Wahlfach vorgesehen. Der Wechsel von G8 auf G9 biete jedoch die einmalige Chance, die Einführung eines Pflichtfachs ohne Einschnitte in andere Fächer durchzuführen.

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Informatik sei die Leitwissenschaft der Digitalisierung und daher als Pflichtfach unverzichtbar, findet die Deutsche Gesellschaft für Informatik. Foto: Gerd Altmann / Pixabay (CC0 p.d)

Neben der Fachgesellschaft zur Interessenvertretung der Informatiker, beteiligen sich sechs weitere Vereinigungen an dem Vorstoß. Mit einer Online-Petition will die GI außerdem ihre Forderungen unterstreichen.

Bundesländer wie Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern hätten bereits gezeigt, dass eine flächendeckende Einführung von Informatik als Pflichtfach mit einem kurzen Vorlauf umsetzbar ist. Die Gestaltung der Digitalisierung müsse nun auch in der NRW Schulpolitik vom Lippenbekenntnis zur Umsetzung gelangen. Trotz der Ankündigung der nordrhein-westfälischen Landesregierung, die Informatik weiter zu stärken, finde die notwendige Aufwertung des Faches nur bedingt statt.

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„Wer Bildung in einer zunehmend digital vernetzten Welt konsequent umsetzen will, muss obligatorischen Informatikunterricht einführen.“ betont GI-Präsident Hannes Federrath. Nach seiner Meinung bedürfe es zukünftig daher sowohl der pädagogischen und didaktischen Konzepte als auch informatisch gut qualifizierter Lehrkräfte. „Nordrhein-Westfalen hat jetzt die Chance, die Bildung und seine Schulen für das 21. Jahrhundert fit zu machen und sollte diese Chance nicht leichtfertig vergeben.“

Bildung in der digitalen Welt müsse sowohl aus anwendungsbezogener, gesellschaftlich-kultureller als auch technisch-gestaltender Perspektive in den Blick genommen werden. Dazu beizutragen, dass zukünftige Generationen an dem sich verändernden veränderten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen und politischen Leben teilhaben können, entspreche dem gesellschaftlichen Bildungsauftrag. In der Schule brauche es dafür mehr Zeit und mehr Raum.

Mittelfristig müsse die Informatik als Leitwissenschaft der Digitalisierung in der Schule weiter gestärkt werden. Auch wenn es Aufgabe aller Fächer sei, fachliche Bezüge zur Digitalisierung zu integrieren, brauche es hierzu einen eigenständigen Lernbereich, in dem die Aneignung der grundlegenden Konzepte und Kompetenzen für die Orientierung in der digitalen vernetzten Welt ermöglicht wird. (zab, pm)

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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19 KOMMENTARE

  1. Grundsätzlich finde ich ein Pflichtfach Informatik sinnvoll, aber welcher Klasse, da bin ich noch unschlüssig. Allerdings möchte ich davor warnen, die Schule mit allem Wünschenswerten zu überfrachten. Diese Tendenz gibt es ja schon lange. Die Schule soll ein Fach Ernährungskunde einführen, die Schule soll ein Fach “Erste Hilfe” einführen, die Schule soll dies und das und jenes …

    … und am Ende können alle Kinder tolle Projekte und Präsentationen durchführen, aber keines kann richtig lesen, schreiben, rechnen. Das wird nämlich an den Rand gedrängt bzw. dafür ist dann keine Zeit mehr.

    • Ab Klasse 5. Wird z.B. in NRW aktuell erprobt. Überfrachten sollte man nicht, man muss jedoch die aktuelle Fächerauswahl überdenken. Es kann und darf nicht sein, dass Informatik in der heutigen Zeit keinen Platz in der Schule hat. Ich sehe es ähnlich wie sie. Es gibt nur 3 Fächer, die wichtiger sind als Informatik: Mathe, Deutsch und Englisch. Nur leider scheint das in vielen Bundesländern nicht angekommen zu sein. Da sind dann 10-12 Fächer wichtiger als Informatiker.

    • In Informatik fehlen die Lehrer, in “Informatik”, also informationstechnologische Grundbildung aka Word und Internet, sollte das so ziemlich jeder Naturwissenschaftler und Mathematiker hinbekommen. Die wachsen aber auch nicht auf den Bäumen.

  2. Bei solchen Forderungen sollten die Fordernden auch immer dazusagen, was genau sie denn unter “Informatik” verstehen. Die eigentliche Informatik, also Datenstrukturen, Algorithmen etc…, sind für die meisten Schüler viel zu abstrakt und auch nicht wirklich relevant. Auch Programmieren und Modethemen wie “Basteln mit Raspberry Pi” halte ich eher als Wahlfach für sinnvoll; nicht technik-affine Menschen, egal ob gross oder klein, finden sowas erfahrungsgemäss sowieso “nervig” und “blöd” und nehmen da nicht viel fürs Leben mit. “Wir arbeiten mit Word” oder “Blamier dich nicht bei Facebook” sind dann eher die Themen, die Schule den nicht-technik affinen Kindern anbieten kann, aber das hat mit Informatik im eigentlichen Sinne nichts mehr zu tun, und ob sowas tatsächlich in den Aufgabenbereich der Schule fällt ist zumindest diskutabel.

    Randbemerkung: Es ist im Moment ja schwer in Mode über “Algorithmen” zu fantasieren (in der Zeit steht dazu jeden zweiten Tag irgendein Artikel), aber für mich gehen die eigentlich immer am Thema vorbei, weil es da eigentlich um Macht und Monopole geht. z.B. ist es für jemanden, der Produkte oder Dienstleistungen online anbietet, extrem wichtig ob er bei Google gut gefunden wird. Das bedeutet, das wohl und wehe vieler Unernehmen und Unternehmer weltweit im Prinzip von der Willkür eines US-amerikanischen Unternehmens abhängt. Das kann man zu recht doof finden, aber ein halbes Schuljahr “Algorithmen” zu lernen ändert an der Situation nichts.

    • Ehrlich gesagt kann ich ihren Punkt nicht nachvollziehen. Warum sollten Datenstrukturen und Algorithmen zu abstrakt sein? Dann müsste man genauso die Mathematik und große Teile der Chemie und Physik aus dem Lehrplan entfernen, da dort ebenfalls abstrakt gearbeitet wird. Die Informatik ist in den meisten Themen deutlich greifbarer als z.B. die Mathematik. Zum einen haben sie keine künstlichen Sachzusammenhänge, sondern können auf aktuelle Technologien, Unternehmen, etc. zurückgreifen und zum anderen lassen sich die meisten Themen viel besser visualisieren als mathematische Themen.

      Darf ich fragen, ob Sie Kenntnisse über die Informatik haben? Ich bezweifle das stark, denn die Aussage “Bei solchen Forderungen sollten die Fordernden auch immer dazusagen, was genau sie denn unter “Informatik” verstehen.” würden Sie dann nämlich nicht tätigen. Im Artikel spricht die GI und genau jene dient mit ihren Bildungsstandards allen Bundesländern als Vorlage und Orientierung bei der Erstellung von Kernlehrplänen für die Sek I und II.

      Im übrigen: Wer der Meinung ist, dass die Informatik nicht als Pflichtfach eingeführt werden soll, und das ist natürlich völlig legitim, muss sich auch fragen, ob die Vielzahl der anderen Fächer dann genauso notwendig sind. Das Argument, dass viele es “nervig” oder “blöd” finden, können Sie auf jedes Fach projizieren, nur kann man eben leichter begründen, warum die Informatik einen wichtigen Stellenwert in der Schule einnehmen sollte, als es andere Fächer aktuell haben.

      • Ich unterrichte Informatik seit Jahren (Inhalte zum Beispiel: Tabellenkalkulation, Datenbanken, objektorientierte Programmierung). Meine Erfahrungen in diesem Bereich haben mich zu dieser Aussage veranlasst.
        Die Schüler nehmen Informatik (als Nebenfach) nicht ernst, machen insofern auch nichts für dieses Fach, sodass kaum etwas hängen bleibt. Lust am Programmieren haben höchstens 5 % eines Jahrgangs. Auch wenn man Lego-Roboter, Raspberry Pi, Calliope usw. verwendet, wird die Quote nicht besser.

      • Zitat:
        “Wer der Meinung ist, dass die Informatik nicht als Pflichtfach eingeführt werden soll, und das ist natürlich völlig legitim, muss sich auch fragen, ob die Vielzahl der anderen Fächer dann genauso notwendig sind.”
        Da sind wir schon beim Kern des Problems. Es kommen immer mehr Fächer dazu, die Schüler_innen sollen aber nicht mehr Unterrichtsstunden haben, also kürzt man bei anderen Fächern, was den Kenntnissen in diesen Fächern nicht zuträglich ist. Eine loose-loose-Situation.

  3. Welcher Informatiker geht für ein Drittel des Gehaltes, das er in der freien Wirtschaft verdienen kann an eine Schule 🙂 und ärgert sich dort mit unwilligen Schülern ab, für die Informatik als viel zu anstrengend empfunden wird – im Vergleich zu vielen anderen “Nebenfächern”.

  4. Ich stimme Quadratkuh zu, dass man die Inhalte definieren muss, wenn man über das Fach diskutiert.

    Themen aus den Bereichen “Blamier dich nicht bei Facebook” wie auch Mobbing mit sozialen Netzwerken, Gefahren im Chat und Internet, Prävention sind aber schon in Klasse 3/4 wichtig, da etliche Kinder bereits dann viel Zugang zum Internet und zu sozialen Medien erhalten. Alternativ kann man das gerne unter Strafe stellen.

    Inhalte der “informationstechnologische Grundbildung” oder “Wir arbeiten mit Word” wären dann neben anderer Medienbilung auch möglich und durchaus als Rüstzeug sinnvoll, zudem ein früher Zugang zu digitalen Medien als Werkzeug, bevor die Pubertät zuschlägt.

    Bei allem anderen, das eher als Spielerei gesehen wird, ist zu diskutieren, inwieweit dies Kinder an Informatik heranführt und frühzeitig ihr Interesse für das, was hinter den Geräten steckt, weckt.

    • Auch für Sie Palim: die Inhalte sind seit über 10 Jahren durch die im Artikel zitierte GI eindeutig definiert. Die Bundesländer orientieren sich bei der Erstellung der Kernlehrpläne an die Bildungsstandards der GI. Wenn man schon diskutieren möchte, sollte man sich auch informieren.

      Zudem beschreiben Sie dort keinen Informatikunterricht, sondern, sie sagen es ja selbst, informationstechnische Grundbildung oder Medienbildung. Da gibt es Schnittmengen zur Informatik, die gibt es aber auch zu anderen Fächern. Dazu gibt es seitens der GI auch Empfehlungen für die Primarstufe.

      “Bei allem anderen, das eher als Spielerei gesehen wird, ist zu diskutieren, inwieweit dies Kinder an Informatik heranführt und frühzeitig ihr Interesse für das, was hinter den Geräten steckt, weckt.”

      Können Sie das mal konkretisieren? Ich glaube, und das ist das Grundproblem, den meisten Personen ist nicht klar, was Informatik ist und was sie an der Uni oder in der Schule vermittelt. Es geht nicht um die Frage was vermittelt werden soll. Das ist nämlich ziemlich eindeutig. Es kann in der heutigen Zeit auch nicht die Frage sein, ob Informatik Einzug in die Schule erhalten soll. Es geht schlichtweg um die Frage wie dies umsetzbar ist und damit ist das fehlende Personal gemeint. Wir könnten schon ab kommenden Schuljahr von Klasse 1 bis 13 Informatik als Pflichtfach einführen. Obendrauf packen wir noch ITG und Medienbildung. Die Lehrpläne sind im Grunde auch vorhanden. Es fehlt aber an qualifiziertem Personal und daran wird es in Zukunft auch weiter scheitern. So einfach, wie im Artikel von der GI behauptet, ist es nämlich nicht. Niedersachsen ist zum Beispiel am mangelnden Lehrperson erst vor wenigen Jahren daran gescheitert.

      • Die Empfehlungen der GI waren mir nicht bekannt. Sie sind von Januar 19, also nicht so ganz alt.

        ““Bei allem anderen, das eher als Spielerei gesehen wird, ist zu diskutieren, inwieweit dies Kinder an Informatik heranführt und frühzeitig ihr Interesse für das, was hinter den Geräten steckt, weckt.”
        Können Sie das mal konkretisieren? ”

        Kann ich.
        Mir ist schon klar, dass das, was sonst genannt wird, in den Bereich Medienbildung gehört. Davon, da bin ich fest überzeugt, braucht es mehr im Bereich Schule.
        Meiner Meinung nach wäre es sinnvoll, dies in ein FAch zu stecken, da es untergeht, wenn man meint, jedes Fach könne da ein bisschen Beitragen.
        Sinnvoller fände ich ein Fach, das Inhalte aufgreift und so vorbereitet, dass man in anderen Fächern anknüpfen kann.

        Für den Bereich Informatik hatte ich anderes im Sinn.
        Für Sport ist es üblich, Kinder früh in den Sport zu bringen, spielerisch heranzuführen. Da geht es nicht um Hochleistungssport, aber durchaus um ausprobieren, animieren, bewegen, Lust an Bewegung finden … und dann auch um Training.
        In der Musik ist es druchaus üblich, Kinder in die musikalische Früherziehung zu stecken, Angebote für den vorschulischen Bereich. Auch da geht es ums Ausprobieren, Animieren, erste Erfahrungen, Hörschulung, Lust am Musizieren … und erst danach ums Training, ein Instrument etc.

        Wie ist das im Bereich Informatik?
        Ich kann das nicht mit Fachbegriffen füllen, da diese mir fehlen.
        Gemeint ist, dass man Kinder einerseits früh an die Technik generell heranführt.
        Zum einen geht es darum, alle zu erreichen, nicht nur Jungen, nicht nur gut situierte, sondern alle, um Talente zu wecken, zu finden, zu fördern. Da ist man womöglich bei den Jüngeren noch erfolgreicher, weil die Klischees zwar über die rosa Spielwelten auch verbreitet werden, Kinder im Grundschulalter aber durchaus noch gegen die sonst vorherrschenden Rollenklischees motiviert werden können und Technik darüber nicht allein Jungen vorbehalten bleibt.

        Zum anderen reicht das Stromkreisbasteln in der Schule und Werkzeugkunde als Technik-Aspekt womöglich nicht mehr aus, gerade weil Technik heute nicht allein aus strombetriebenen Geräten besteht, sondern in allem Informatik steckt.
        Gemeint ist, dass man Kindern durchaus vermitteln kann, dass die Geräte nicht allein zum Spielen oder als Werkzeug zu nutzen sind, sondern dass man selbst etwas programmieren oder steuern oder einrichten kann.
        Im Vergleich zu Musik: Man hört nicht nur Musik, man erzeugt selbst welche.
        Man nutzt nicht nur fertige Programme, sondern lernt, das man selbst etwas zusammenstellen, später schreiben kann und was es bewirkt.
        Es gibt einige Materialien dafür, die man auch mit Kindern nutzen kann. Da ist die Grenze zwischen Spiel und Lernen fließend, das ist sie bei Musik und Sport auch. Wenn es Spielerei ist und nur ums Daddeln geht, hat es in der Schule wenig zu suchen. Mir ist ein sinnvoller Hintergrund wichtig, der steht vor der Methode und vor dem Material.

        Die Grenze des für alle Begreifbaren bleibt dennoch im Blick und wird gleichermaßen zu einem entscheidenden Aspekt bei der Beurteilung, an welcher Stelle es nur Spielerei ist und bleibt. Da kann man nicht von mathematisch geprägten, vorgebildeten und interesierten Kindern ausgehen, sondern muss alle im Blick behalten und Informatik und Pädagogik zusammenbringen. So eine Art Früh-Informatik eben.
        … nun schaue ich mal, was die GI für die Grundschule empfiehlt.

        P.S.: Niedersachsen scheitert in ganz anderen Fächern auch am mangelnden Lehrpersonal. Wenn das den Inhalt des Unterrichts bestimmt, wird man da sehr bald sehr viel ändern müssen und kann sich solche Gedanken gleich sparen.

        • Nachtrag:
          Bevor nun wieder jemand meint, dass sei dann womöglich keine “richtige Informatik”, so wie sie an der Uni gelehrt werde – diese Antworten gibt es hier immer für Mathematik: Stimmt. In der Grundschule werden nicht die Inhalte der Universität vermittelt.
          Ohne die Inhalte der Grundschule kann man aber die Uni nicht besuchen und ohne einen Zugang zu grundlegenden Fähigkeiten in egal welchen Bereichen kann man darauf nicht aufbauen und wird nicht die für die Uni notwendigen Fähigkeiten erlangen.

          • Bezogen auf Lesen, Schreiben, Kopfrechnen haben Sie recht. Intelligenz, Gedächtnis, Arbeitsmoral sind eine Kombination aus Genen und Erziehung.

          • “Bevor nun wieder jemand meint, dass sei dann womöglich keine “richtige Informatik”, so wie sie an der Uni gelehrt werde – diese Antworten gibt es hier immer für Mathematik: Stimmt. In der Grundschule werden nicht die Inhalte der Universität vermittelt.”

            Das sagt auch niemand und das fordert auch nicht die GI. Gerade die Informatik kann viele ihrer Inhalte eben sehr realitätsnah abbilden, anders als die Mathematik. Deswegen beschreiben Sie oben auch keinen richtigen Unterricht zur Medienbildung. Der bestände eben auch nur aus Office, Umgang mit PC, Internetrecherche und ein paar weiteren Themen. Das kann man durchaus in der Unterstufe als kleine Kurse über 1-2 Jahre anbieten. Mehr braucht es da aber nicht.

            “Ich kann das nicht mit Fachbegriffen füllen, da diese mir fehlen.
            Gemeint ist, dass man Kinder einerseits früh an die Technik generell heranführt.
            Zum einen geht es darum, alle zu erreichen, nicht nur Jungen, nicht nur gut situierte, sondern alle, um Talente zu wecken, zu finden, zu fördern. Da ist man womöglich bei den Jüngeren noch erfolgreicher, weil die Klischees zwar über die rosa Spielwelten auch verbreitet werden, Kinder im Grundschulalter aber durchaus noch gegen die sonst vorherrschenden Rollenklischees motiviert werden können und Technik darüber nicht allein Jungen vorbehalten bleibt.”

            Das ist doch sehr stereotypisch und hat erstmal nichts mit der Informatik zu tun. Die Informatik fängt, wie jedes andere Fach auch, bei Null an. Man braucht auch keine Computerkenntnisse, da der Computer eben auch nur ein Werkzeug ist und in einem guten Informatikunterricht nicht im Vordergrund stehen sollte. In der Sek I ist das Interesse von allen Seiten sehr groß: Schüler, Schülerinnen und Eltern. In der Sek II lichtet sich dies, da das Interesse abflacht. Das haben Sie aber in jedem Fach.

            “Gemeint ist, dass man Kindern durchaus vermitteln kann, dass die Geräte nicht allein zum Spielen oder als Werkzeug zu nutzen sind, sondern dass man selbst etwas programmieren oder steuern oder einrichten kann.”

            Das ist vermutlich das größte Missverständnis bei vielen. Die Informatik hat erstmal wenig mit Geräten und Programmierung zu tun. Das wäre so als würde man das Arbeiten mit dem Taschenrechner und die Grundrechenart Addieren mit der Mathematik gleichsetzen. Es ist lediglich ein ganz kleiner Teil. Das kann und sollte thematisiert werden, aber es geht eben am Ende darum die Grundlagen der Informatik zu beherrschen und die sind, wie in der Mathematik auch, deutlich umfassender. Das ist etwas was ungemein stört. Gerade in der Politik wird der Fokus sehr stark auf die Programmierung gelegt.

            “P.S.: Niedersachsen scheitert in ganz anderen Fächern auch am mangelnden Lehrpersonal. Wenn das den Inhalt des Unterrichts bestimmt, wird man da sehr bald sehr viel ändern müssen und kann sich solche Gedanken gleich sparen.”

            Nur hat das in der Informatik eine ganz andere Dimension. Ja Lehrer fehlen überall und in fast jedem Fach. In der Informatik sieht es aber eher so aus, dass an weiterführenden Schulen mit über 1000 Schülern mit Glück 2-3 Informatiklehrer zur Verfügung stehen. Damit können Sie keinen verpflichtenden Informatikunterricht anbieten. Das reicht für die Sek II und dann haben diese Lehrer 80% ihres Deputats Informatik zu unterrichten.

  5. @FElixa
    Es ist schön, wenn Sie meinen Beitrag lesen.
    Wenn Sie der Meinung sind, es würden nur Stereotype verbreitet, dann schauen Sie sich das Grundschul-Dokument der GI an, das ich zu dem Zeitpunkt noch nicht gelesen hatte.
    Es tauchen recht ähnliche Angaben auf: “Geschlechtsbezogene Rollenbilder sind bei Kindern in der Grundschule noch nicht festgelegt. Es besteht daher die Chance, bereits in jungen Jahren auch Mädchen für Informatik zu begeistern, wenn in dieser Entwicklungsphase informatische Kompetenzen gefördert werden können”
    Es ist eben nicht egal, wann man damit beginnt. Mit 10, 11 oder 12 Jahren haben sich Rollenbilder schon verstärkt und Technik ist für Mädchen nicht länger von Bedeutung.

    Zur Unterscheidung von Medienbildung und Informatik:
    Tatsächlich hat auch die GI zu Anfang von “Informatische Bildung und Medienerziehung” geschrieben und es nicht getrennt. In den “Strategie der Kultusministerkonferenz »Bildung in der digitalen Welt« und dem entsprechenden Kompetenzraster ist vor allem von der Anwendung die Rede und vom Umgang mit Medien.

    Zu den Inhalten
    Wenn Sie, Felixa, sich so gut eingearbeitet haben, können Sie ja die angesetzten Kompetenzen mit Leben füllen, sodass 8jährige, die noch nicht gut lesen und noch nicht bis 100 rechnen können, dennoch einen Lernerfolg in informatischer Bildung erhalten. Daran wird dann ersichtlich, wie durchdacht die Möglichkeiten bisher sind und wie hoch deren Akzeptanz ist.

    Ist Ihnen der Schwerpunkt zu sehr auf Algorithmen und Programmierungen gelegt, zeigen sie auf, welche anderen Bereiche sie wichtiger fänden und wie Sie diese umsetzen.

    Die GI schreibt:”Durch diese ausgewiesenen und etablierten Kompetenzen explorieren die Kinder
    in altersgemäßer Weise, wie Informatiksysteme arbeiten. Sie entwerfen und schreiben ↑ Programme, entwickeln kreative eigene Ideen und lernen problemlösende Strategien kennen. Dabei kommen z. B. altersgemäße und entsprechend gestaltete Mikrocontroller, programmierbares Spielzeug oder visuell anschauliche, blockbasierte ↑ Programmiersprachen zum Einsatz.” … und setzt damit ebenfalls einen Schwerpunkt auf das Programmieren.

    Zudem werden dort die “Spielzeuge” genannt, die ich gestern schon erwähnt hatte: Ihr Einsatz kann sinnvoll sein, wenn man auf bestimmte Aspekte den Fokus setzt und es schafft, diese auch den SuS zu vermitteln. Ebenso muss man dies dann in der Öffentlichkeit verständlich darstellen. Ansonsten ist es Spielerei. Dann wird die Akzeptanz entsprechend sein, die Spielzeuge werden in den Medien gepriesen, mit Geld des Digitalpaktes verkauft und liegen dann in der Ecke, weil die Zeit in Grundschulen knapp bemessen ist und fehlende didaktische Ansätze zu einem Ausschlusskriterium werden. Genau darin ist der Unterschied zwischen sinnvollem Spielen in der Grundschule und der Behauptung, es würde “Kuschelpädagogik” betrieben und ohnehin nur gespielt und nicht gelernt.

    Die genaue Ausgestaltung, die Sie anfragen, hat auch die GI noch nicht erbracht: „Die Ausgestaltung und Evaluation unterrichtlicher Beispiele findet zurzeit statt, wird zu einer Reihe konkreter Unterrichtsvorschläge verdichtet und zu einem späteren Zeitpunkt ergänzend zu diesem Dokument
    veröffentlicht.“
    Da können Sie Ihre Erfahrungen in der Grundschule ja der GI zur Verfügung stellen und das Team unterstützen.

    Zum Bereich Medienbildung vs. Informatik
    Meiner Meinung nach braucht es beides. Grundsätzliches im Bereich Informatik, aber eben auch Medienbildung. Die meisten Kinder gehen mit digitalen Medien um, Eltern schaffen die Begleitung nicht und, wie so oft, sind nicht alle Eltern verlässliche Erziehungspartner.

    Zum Lehrermangel:
    Wenn es das Fach als solches nicht gibt, warum sollte ein Land dann dafür Lehrkräfte ausbilden?
    Solange Medienbildung im Fokus steht und Lehrkräfte aller Fächer angesprochen sind, wird man auf deren Wissen und Können zurückgreifen müssen. Dies gilt insbesondere, wenn im Grundschulbereich, wo die Lehrkräfte des SU sich in diesen Bereich einarbeiten müssten.
    Wird auch dieses Thema in den Sachunterricht gesteckt, die Unterrichtszeit aber nicht verlängert, wird auch hier die Frage im Raum stehen, welche Inhalte vernachlässigt werden können, wenn Medienbildung UND Informatik dort aufgegriffen werden sollen.
    Aus Erfahrung kann ich sagen: Selbst gute Unterrichtsbausteine zur Medienbildung sind bei Lehrermangel und dauerhafter Vertretung sowie großer Stofffülle wenig wert und nur sehr schwer umsetzbar, selbst wenn man die Notwendigkeit sieht und hinter dem Einsatz dieser Themen in der Grundschule steht.

    • Mir ist das ehrlich eigentlich jetzt zu doof mit ihnen darüber zu diskutieren, da ihnen einfach das Know-How dazu fehlt. Sie haben das Dokument scheinbar nicht richtig gelesen und/oder nur Kapitel 1 gelesen. Sie zitieren zudem insbesondere das Vorwort.

      “… und setzt damit ebenfalls einen Schwerpunkt auf das Programmieren.”

      Nein tun Sie nicht. Dazu müsste man aber die Kompetenzerwartungen lesen. Die Programmierung taucht explizit nur an 2 Stellen auf, genauso wie in den Empfehlungen und den KLP der Sek I und II: bei den Inhaltsbereichen “Algorithmen” und “Sprachen und Automaten”, wobei letzteres sich stark von der “klassischen” Programmierung unterscheidet.

      “Die genaue Ausgestaltung, die Sie anfragen, hat auch die GI noch nicht erbracht: „Die Ausgestaltung und Evaluation unterrichtlicher Beispiele findet zurzeit statt, wird zu einer Reihe konkreter Unterrichtsvorschläge verdichtet und zu einem späteren Zeitpunkt ergänzend zu diesem Dokument
      veröffentlicht.“”

      Da verstehen Sie die GI aber absichtlich falsch. Seit wann stehen konkrete Unterrichtsvorschläge in den KLP? Die GI ist so nett und bietet welche auf Grundlage ihrer Empfehlungen an. Sie können aber auch die Kompetenzerwartungen nehmen, diese wie einen KLP behandeln und selbst ihren Unterricht gestalten. So macht man es mit den herkömmlichen KLP ja auch. Oder man macht es wie die Bundesländer und erstellt auf Grundlage dieser Empfehlungen den eigenen KLP für die Primarstufe. Dazu muss man sich einfach nur die konkreten Kompetenzerwartungen, unterteilt in Inhalts- und Prozessbereiche, durchlesen.

      “Zudem werden dort die “Spielzeuge” genannt, die ich gestern schon erwähnt hatte: Ihr Einsatz kann sinnvoll sein, wenn man auf bestimmte Aspekte den Fokus setzt und es schafft, diese auch den SuS zu vermitteln. Ebenso muss man dies dann in der Öffentlichkeit verständlich darstellen. Ansonsten ist es Spielerei. Dann wird die Akzeptanz entsprechend sein, die Spielzeuge werden in den Medien gepriesen, mit Geld des Digitalpaktes verkauft und liegen dann in der Ecke, weil die Zeit in Grundschulen knapp bemessen ist und fehlende didaktische Ansätze zu einem Ausschlusskriterium werden. Genau darin ist der Unterschied zwischen sinnvollem Spielen in der Grundschule und der Behauptung, es würde “Kuschelpädagogik” betrieben und ohnehin nur gespielt und nicht gelernt.”

      Naja wer sich “Spielzeuge” kauft und keine Ahnung hat, wie man diese einsetzt oder im Nachhinein feststellt, dass man gar keine Zeit dafür hat, sollte sich selbst hinterfragen. Nur weil da “Spielzeuge” genannt werden (welche werden denn da genannt? Ich kann keine konkrete Nennung finden), muss man damit noch lange nicht arbeiten. Weiter hinten werden zu jedem Inhaltsbereich Beispiele genannt, die keine “Spielzeuge” benötigen. Informatik kann man ohne jegliche Technik vermitteln. Es kann bei durchdachter Planung aber sinnvoll sein informatische Grundlagen anhand von Technik darzustellen. Gerade das Erfolgserlebnis wird dadurch gestärkt, wenn am Ende der Mikrocontroller das gewünschte Ergebnis umsetzt, o.ä. Genau so formuliert es auch die GI: “Informatische Prinzipien lassen sich auch ohne Informatiksysteme erschließen, allerdings ist die von den Geräten ausgehende Motivierung der Kinder zu beachten”.

      “Zum Bereich Medienbildung vs. Informatik
      Meiner Meinung nach braucht es beides. Grundsätzliches im Bereich Informatik, aber eben auch Medienbildung. Die meisten Kinder gehen mit digitalen Medien um, Eltern schaffen die Begleitung nicht und, wie so oft, sind nicht alle Eltern verlässliche Erziehungspartner.”

      Ja das sehe ich auch so, ist aber keine Aufgabe der Informatik. Ob es ein eigenständiges Fach braucht und in welchem Umfang es stattfinden soll oder ob man es fachübergreifend thematisiert sei mal dahingestellt.

      “Zur Unterscheidung von Medienbildung und Informatik:
      Tatsächlich hat auch die GI zu Anfang von “Informatische Bildung und Medienerziehung” geschrieben und es nicht getrennt.”

      Das stimmt. Der Unterschied wird erst in den Kompetenzerwartungen deutlich.

      “Zum Lehrermangel:
      Wenn es das Fach als solches nicht gibt, warum sollte ein Land dann dafür Lehrkräfte ausbilden?”

      Schritt 1 wäre sicherzustellen, dass in der Sek II genügend Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Das ist aktuell nicht gewährleistet und die Zahlen des Nachwuchs lassen wenig hoffen. An den meisten Schulen wird Informatik aktuell durch 1-2 Lehrkräfte gestemmt oder durch fachfremde Lehrkräfte aufgefangen. Wie soll man dann Informatikunterricht für die Sek I und die Primarstufe gewährleisten? Es geht nicht. Vorschläge nehme ich und alle anderen Informatiklehrer gerne auf.

      “Solange Medienbildung im Fokus steht und Lehrkräfte aller Fächer angesprochen sind, wird man auf deren Wissen und Können zurückgreifen müssen. Dies gilt insbesondere, wenn im Grundschulbereich, wo die Lehrkräfte des SU sich in diesen Bereich einarbeiten müssten.”

      Medienbildung ist genauso wenig das was Informatiklehrkräfte können. Auch ich muss mich dareinarbeiten, da das nur geringfügig mit den Inhalten des Informatikunterrichts oder Informatikstudiums zu tun hat. Die Schnittmenge zum Politik- oder Ethikunterricht ist meiner Meinung nach sogar größer als zur Informatik.

      “Es ist schön, wenn Sie meinen Beitrag lesen.
      Wenn Sie der Meinung sind, es würden nur Stereotype verbreitet, dann schauen Sie sich das Grundschul-Dokument der GI an, das ich zu dem Zeitpunkt noch nicht gelesen hatte.”

      Was soll das nun beweisen? Die GI hat keine Studie dazu durchgeführt. Sie behaupten und da zitiere ich Sie gerne:

      “Zum einen geht es darum, alle zu erreichen, nicht nur Jungen, nicht nur gut situierte, sondern alle, um Talente zu wecken, zu finden, zu fördern. Da ist man womöglich bei den Jüngeren noch erfolgreicher, weil die Klischees zwar über die rosa Spielwelten auch verbreitet werden, Kinder im Grundschulalter aber durchaus noch gegen die sonst vorherrschenden Rollenklischees motiviert werden können und Technik darüber nicht allein Jungen vorbehalten bleibt.”

      Das sind bloße Unterstellungen. Das wäre so als würde ich das von ihrem Unterricht behaupten, ohne dass ich dies nachgewiesen habe. Genauso wie diese Aussage von ihnen: “Mit 10, 11 oder 12 Jahren haben sich Rollenbilder schon verstärkt und Technik ist für Mädchen nicht länger von Bedeutung.” Sind Sie als Grundschullehrkraft dann dafür verantwortlich? Fördern Sie Rollenbilder? An der weiterführenden Schule sind diese laut Ihnen ja bereits gefestigt.

      Ich kenne genug Schulen, um zumindest die Gegenthese aufstellen zu können, und ihnen damit den Vorwurf zu entnehmen Rollenbilder zu fördern, dass Mädchen sehr wohl in der Sek I und II an Technik und gerade Informatik interessiert sind.

      Zudem zeigen die Studentenzahlen in der Informatik, dass jeder vierte Informatikstudent eine Frau ist. Es könnte höher sein, aber am Ende muss man auch die Entscheidungsfreiheit von Frauen akzeptieren. Das wird oft vergessen. Zudem müsste man dann mal schauen wie die Abschlussquoten ausschauen. Da wird die Lücke vermutlich deutlich geringer sein. Genauso könnte man das in Schulklassen machen. Wenn Sie 30 SuS haben, wovon nur 8 Mädchen sind. Diese jedoch die Noten 1 oder 2 haben, aber von den 22 Jungs ebenfalls nur 8 mit der Note 2 oder besser dastehen, zeigt das eher, dass Mädchen ihren Interessen oder ihren Fähigkeiten besser folgen als Jungs. Aus der eigenen Erfahrung könnte ich letzteres bestätigen, auch wenn es nicht repräsentativ ist.

      • “Mir ist das ehrlich eigentlich jetzt zu doof mit ihnen darüber zu diskutieren, da ihnen einfach das Know-How dazu fehlt.”

        Dann lassen Sie es sein.
        Vielen Dank.

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