Schweinefleischverzicht in Kitas: Skandalisierung sorgt für Drohungen und beschäftigt die Polizei

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LEIPZIG. Zwei Leipziger Kitas hatten sich entschieden, beim gemeinsamen Mittagessen auf Schweinefleisch zu verzichten. Ein Beschluss, wie er in vielen anderen Kindertageseinrichtungen in Deutschland längst gefallen ist. Das Problem in diesem Fall: Die Bild-Zeitung erfuhr, dass die Kitas ihren Speiseplan wohl aus Rücksicht auf zwei muslimische Kinder geändert habe – und skandalisierte das Vorhaben. Eine der beiden Einrichtungen erhielt daraufhin Drohungen, wie der Mitteldeutsche Rundfunk berichtet. Die Polizei sah sich genötigt einzugreifen. 

Kinder können schon frühzeitig gutes Benehmen bei Tisch lernen, Foto: makelessnoise / flickr (CC BY 2.0)
Viele Kitas in Deutschland verzichten bereits auf Schweinefleisch zum Mittagessen. Es scheint problemlos möglich zu sein, solange die Bild-Zeitung nicht darüber berichtet. Foto: makelessnoise / flickr (CC BY 2.0)

«Aus Respekt gegenüber einer sich verändernden Welt werden ab dem 15. Juli nur noch Essen und Vesper bestellt und ausgegeben, die schweinefleischfrei sind», zitierte die Bild-Zeitung in ihrer Berichterstattung am Dienstag, 23. Juli 2019, aus einem Kita-Schreiben zu den Essensplänen. In dem Papier sei auch darauf hingewiesen worden, dass Süßigkeiten, die Schweinefleischbestandteile wie Gelatine enthielten, nicht mehr angeboten würden. Das treffe beispielsweise auf Gummibärchen zu. Nach Informationen der Bild-Zeitung habe sich die Kita-Leitung zur Menü-Änderung entschieden, um zwei muslimischen Mädchen im Alter von zwei und drei Jahren entgegenzukommen. Fromme Muslime sollen nach den Regeln des Islams kein Schweinefleisch essen.

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Viel mediale Aufmerksamkeit

Die Berichterstattung der Tageszeitung erzeugte mediale Aufmerksamkeit. Zahlreiche Politiker, auch auf Bundesebene bezogen Stellung, viele äußerten Kritik. In den sozialen Medien verselbstständigte sich die Angelegenheit rasant. Auf dem Kurznachrichtendienst stand das Thema unter dem Hashtag «#Schweinefleisch» am Dienstagvormittag deutschlandweit zeitweise auf Platz eins der am meisten diskutierten Themen. Viele Eltern nutzten den Hashtag, um zu berichten, dass es in der Kita ihrer Kinder schon lange kein Schweinefleisch oder auch überhaupt kein Fleisch mehr gebe – und damit die Entscheidung der Leipziger Einrichtungen zu normalisieren.

Neben vielen besonnenen Stimmen, sammelten sich auf Twitter aber auch zahlreiche hasserfüllte, rassistisch motivierte Nachrichten, unter anderem von AfD-Politikerinnen und -Politikern. Schließlich sah sich die Polizei genötigt, sich einzuschalten. Um mögliche Gefahren abzuwehren, postierte sie ein Einsatzfahrzeug vor den beiden benachbarten Einrichtungen, so ein Sprecher.

Entscheidung verschoben

Kita-Leiter Wolfgang Schäfer verteidigte seinen Entschluss zunächst via Bild-Zeitung: «Auch wenn es nur eine Familie wäre, die das Seelenheil ihres Kindes aus religiösen Gründen durch unreines Schweinefleisch beeinträchtigt sieht, setze ich diese Neuerung jetzt durch.» Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) verwies er darauf, dass die Mehrheit der Eltern die Entscheidung begrüßt habe. Ein 37 Jahre alter Vater sagte der dpa: In einer multikulturellen Kita sei der Verzicht auf Schweinefleisch ein Zeichen von Respekt gegenüber anderen Kulturen. «Man wird meinen Sohn nicht vom Wienerle wegbekommen, aber das bekommt er dann eben zuhause.» Die Mutter einer Vierjährigen bezeichnete die Debatte als «absurd». Es gebe dringlichere Probleme. Ihre Tochter merke nicht, ob sie Schweinefleisch esse oder nicht.

Am Dienstagabend änderte Schäfer jedoch seine Meinung und setzte die Entscheidung über die Speiseplanänderung zunächst aus. Er begründete dies mit der medialen Aufregung. Im kommenden Kindergartenjahr, das Mitte August beginne, wolle er das Thema bei Elternabenden nochmals ausführlich diskutieren. Die Aufregung um die Entscheidung, in den Kitas künftig ganz auf Schweinefleisch und tierische Gelatine zu verzichten, könne er nur schwer nachvollziehen. Er betonte: «Wir sind überwältigt von der ganzen Sache.» (mit dpa)

Aus Rücksicht auf Muslime verzichten immer mehr Schulen und Kitas auf Schweinefleisch – das sorgt jetzt für Streit

Vorschaubild: Michael Stern / flickr / CC BY-SA 2.0

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28 KOMMENTARE

  1. Nun wäre es interessant, wie viele “besonnene Stimmen” und wie viele “hasserfüllte” es insgesamt gab und was die “besonnenen” so alles schrieben.
    Im uns benachbarten Kindergarten gab es immer wieder Kinder, die aus den verschiedensten Gründen kein Fleisch aßen. Die haben dann was anderes gekriegt, aber es wurde nicht der gesamte Speiseplan für alle Kinder umgestellt.

    • Ob für die indischen Kinder auf Rindfleisch generell verzichtet wird bzw. werden würde, sei auch einmal dahin gestellt. Werden wegen der laktoseintoleranten Kinder sämtliche Kuhmilchprodukte vom Speiseplan gestrichen? Wird das Essen für die jüdischen Kinder koscher zubereitet?

  2. Aus tierfreundlichen und zusätzlich aus gesundheitlichen und klimapolitischen Gründen bin ich nun auch dafür, tierische Erzeugnisse weitestmöglich zu reduzieren. Es ist gut, unsere Kinder beizeiten daran zu gewöhnen, denn in der Regel ist das eine Gewohnheitssache.

    Ansonsten habe ich nichts dagegen, auch mal ein Stück Fleisch zu essen. Die Tiere sollen aber so gut wie möglich gehalten und behandelt und so schnell und schmerzlos wie möglich geschlachtet werden. Wenn Fleisch dadurch sehr viel teurer wird (sodass auch die Erzeuger davon leben können), ist das für mich ok.

    Ich erwarte hier ganz klar das Einschreiten des Staates, weil er Einzelne dafür zu schwach ist.

    • Das sind alles Punkte, die ich akzeptiere. Bei einer KiTa ist das schon aus Kostengründen nicht möglich und speziell auf das Schweinefleisch wird aus ganz anderen Gründen verzichtet. Abgesehen davon gehe ich von Prozesten gerade von der Familie aus, wenn die KiTa weitestgehend auf Fleisch verzichten würde. Sie müssen sich nur mal die überbordende Fleischtheke in türkischen Supermärkten anschauen, um auf die trotz größeren Familien täglich verzehrte Fleischmenge zu schließen.

    • Ich fände es schlimm, wenn der Staat stets einschreiten würde, wo der Einzelne (angeblich) zu schwach für etwas ist. Für mich wäre das ein Horrorszenario an Willkür und Diktatur, bis hin in die privatesten Angelegenheiten.

    • @ xxx, bei uns gibt es nur einmal wöchentlich Fleisch.

      Wenn Kinder aus religiösen Gründen ein bestimmtes Essen nicht essen (dürfen), dann soll man ihnen mindestens eine Alternative anbieten. Was sollte man sonst machen? Sie zwingen, etwas zu essen, was sie nicht essen (dürfen)? Oder ihnen einfach kein Essen geben?

      Dass in diesem Falle einfach alle auf Schweinefleisch verzichten (müssen), liegt womöglich daran, dass zwei getrennte Essen zu aufwändig oder zu teuer sind??? (Über die Kosten wird ja auch regelmäßig gejammert – insbesondere auch von jenen, die gar nicht genug verdienen können.) Wenn es aber oder außerdem an den oben genannten Gründen liegt, ist es für mich akzeptabel und gut. Man schlägt hier zwei Fliegen mit einer Klappe, nee, drei: Tierleid vermeiden, Gesundheit fördern, Klimaschutz betreiben!

      Für mich ist der Staat die Institution, die im Namen der Allgemeinheit reguliert und handelt. @ m.n., das akzeptieren Sie doch in anderen Fällen auch (siehe Straßenverkehrsordnung, siehe BGB, siehe Verbraucherschutz …). Die Frage ist nur, wie eng oder wie weit der Rahmen sein soll, innerhalb dessen wir uns als “freie Bürger frei bewegen” dürfen. Ich bin dafür, dass er weit ist. Dass jeder Einzelne immer vernünftig, gut und richtig handelt bzw. handeln würde, wird doch nun niemand behaupten wollen. Dann bräuchten wir auch alle die oben in Klammern genannten Beschränkungen durch den Staat nicht.

    • “so schnell und schmerzlos wie möglich geschlachtet”
      Das sind Sie aber richtig blauäugig. Suchen Sie mal in Ihrer Stadt ein türkisches Lebensmittelgeschäft, das “halal” Fleisch anbietet. Das stammt von geschächteten Tieren. Diese Prozedur ist in Deutschland eigentlich als Tierquälerei verboten, aber weil es religiös begründet wird, lässt man das zu. Das breitet sich immer mehr aus, und es gibt immer mehr solcher Geschäfte. In Deutschland geht offenbar Religion über Tierschutz.

      • @ Carsten,

        ist das jetzt etwas, was Sie schon immer mal sagen wollten? Oder was hat das mit meinen Gedanken zu tun?

        Ich habe nicht gesagt, dass Tiere so schnell und schmerzlos wie möglich geschlachtet werden, sondern dass sie so schnell und schmerzlos geschlachtet werden sollten, dass das also eine Bedingung ist, unter der ich Fleischkonsum weiterhin akzeptieren kann/möchte. Ganz klar bin ich gegen das Schächten!

        Traditionen, die kein Leid verursachen, kann man tolerieren; Traditionen, die Leid verursachen, soll man aufgeben. Kriterium ist nicht die Tradition, sondern das Leid! Dazu zähle ich auch Schächten, dazu zähle ich auch Stierkämpfe, dazu zähle ich auch das Lebendig-Kochen von Tieren, ja, auch Hummer in Europa …

        • Okay, ich hatte den Eindruck, dass Sie all diese zugewanderten religiösen Regeln irgendwie zur Befolgung vorschlagen und notfalls verharmlosen. Vielleicht habe ich mich geirrt? Aber warum hat man denn den Leuten mit dem Schächten nicht von Anfang an die rote Karte gezeigt mit dem Hinweis, unser Tierschutzgesetz sei nicht verhandelbar? Weil man allgemein gegenüber Religion zu feige ist.

          Klar ist doch, was nach Abschaffung des Schweinefleischs in Kantinen folgen wird: Man wird fordern, in diesen Kantinen nur noch “halal” Fleisch zu verarbeiten, wieder “aus Respekt vor der sich verändernden Welt”. Das wird einigen Staub aufwirbeln, die AfD wird dagegen wettern, und schließlich wird man nachgeben. Vielleicht wird Bundeskanzler Habeck dann in einem Interview verkünden: “Wenn die AfD dagegen ist, dann wird es wohl doch richtig sein.” Und Herr Mazyek wird befriedigt zustimmen, weil für ihn das ein weiterer Etappensieg ist. Und was werden Sie sagen?

          • Gut, dass wir unser Missverständnis klären konnten.

            Was ich wozu sage? Wenn “halal-Fleisch” gefordert wird? Ich weiß nicht genau, was das ist. Die Kriterien dafür, unter welchen Bedingungen ich Fleischkonsum weiterhin akzeptiere, habe ich oben genannt.

            Ich würde noch zwischen privat und öffentlich (Schule) unterscheiden. Idealerweise gibt es in einer Schule mindestens zwei Angebote, die so sind, dass jedes Kind etwas für sich zu essen findet. Bei nur 1 Angebot wird das u.U. schwierig werden bzw. die Auswahl sehr eng. Dann gibt es womöglich jeden Tag Milchreis mit Zucker. (Hm, aber Zucker ist auch ungesund.)

          • PS: Ich begrüß(t)e nicht, dass das Schächten bestimmten Religionsgemeinschaften erlaubt wurde (Stichwort Tradition/Leid) und ich begrüß(t)e nicht, dass die Beschneidung doch nicht verboten wurde (bei Minderjährigen, die anderen mögen es selbst entscheiden). Aber auf mich hört ja keiner. 🙂

            Meine Meinung richtet sich nicht danach, wem sie gefällt. Aber ich bin auch nicht verantwortlich für das, was andere tun oder beschließen.

  3. Ich finde, der wichtigste Satz im Artikel oben ist der, nach dem das alles “aus Respekt gegenüber einer sich verändernden Welt” geschieht. Kann jemand erklären, was sich in der Welt in diesem Sinne verändert haben soll? Schon bisher wurde niemand in Kitas und Schulen gezwungen, überhaupt Fleisch zu essen. Religionen haben heute nicht mehr und nicht weniger Rechte als zu Beginn der Bundesrepublik. Das Grundgesetz gilt für alle in gleiche Weise. Ich habe nie gehört, dass man in der christlichen Fastenzeit (werktags) sowie freitags generell in Kitas kein Fleisch anbietet, weil das eine religiöse Regel ist. Für die frommen Juden ist es verboten, Milch oder Sahne an die Soße von Fleischgerichten zu tun (z.B. Sahnegulasch, Lasagne). Wurde darauf Rücksicht genommen oder soll das künftig geschehen? Und was mag Thomas Gottschalk sagen, der immer so nett Reklame für Gummibärchen gemacht hat? Plötzlich sind sie “aus Respekt gegenüber einer sich verändernden Welt” unerwünscht.

    • Ja, aber das beschreiben Sie doch selbst, was sich verändert hat. Dass wir darauf Rücksicht nehmen, worauf wir früher keine Rücksicht nahmen, siehe auch behindertengerechte Zugänge zu Bahnhöfen, Gebäuden usw. Hat man früher auch nicht gemacht. Ist doch gut, dass man das jetzt macht, oder?

      Genauso hat man sich früher nicht darum gekümmert, wie die Tiere, die wir essen, leben und wie sie geschlachtet werden. Jetzt ist es vielen nicht mehr egal (siehe Kükenschreddern). Ist doch gut, dass sich das geändert hat. Da haben Sie noch ein Bespiel für den Respekt gegenüber einer sich verändernden Welt.

      • “Respekt gegenüber einer sich verändernden Welt”
        Nur leider fürchte ich, dass dieser Respekt (im Sinne des obigen Artikels) sich nicht auf die Tierhaltung, sondern immer nur auf Religion bezieht. Siehe das Problem mit “halal”.
        Herr Mückenfuß: Sie haben halt (vielleicht ungewollt) einen blauäugigen Eindruck gemacht durch eine Argumentation der Art: “Na, ist doch gut, auf den Islam Rücksicht zu nehmen, dann wird weniger Fleisch verzehrt, und den Tieren geht’s besser.” In Wahrheit führt doch gerade die Einführung islamischer Regeln zur MEHR Leid für die Schlachttiere. Man kann sich eben nicht per Gesundbeten einen lieben, netten, weichherzigen, menschen- und tierfreundlichen Islam wünschen. Man muss ihn schon so nehmen wie er ist.
        Es fällt doch auf: Alle christlichen Verbotsregeln scheinen in Deutschland mittlerweile abgeschafft zu sein bzw. ignoriert zu werden bis auf winzige Reste (am Karfreitag). Respekt vor dem Christentum: Fehlanzeige. Wäre es da nicht logisch, die islamischen Verbotsregeln ebenfalls zu ignorieren, zu reduzieren und langfristig abzuschaffen? Dann gäbe es auch weniger Konflikte in Kitas, Schulen usw.
        Zu den Stierkämpfen: Die sind selbst in Spanien mächtig in die Kritik geraten. Das Kükenschreddern ebenfalls. Aber Kritik an islamischen Verbotsregeln: Fehlanzeige.

        • Carsten60 (ZITAT): “Sie haben halt (vielleicht ungewollt) einen blauäugigen Eindruck gemacht durch eine Argumentation der Art: “Na, ist doch gut, auf den Islam Rücksicht zu nehmen, dann wird weniger Fleisch verzehrt, und den Tieren geht’s besser.””

          Ich würde Sie schon bitten wollen, korrekt zu zitieren und zwischen Ihren eigenen Meinungen/Auslegungen/Interpretationen und meinen tatsächlichen Aussagen genauer zu unterscheiden, sonst wirkt es unseriös und Sie diskreditieren sich selbst. Was Sie da als Zitat meiner Aussagen kennzeichnen, (auch wenn Sie davor schreiben “in der Art”, danach folgen dann eben doch Zitat-Anführungszeichen) ist ja von mir nicht gesagt worden, das schieben Sie mir unter, um dann gegen den Islam, “falsche Islamfreundlichkeit/-rücksicht” usw. zu wettern. Können Sie ja machen. Ist nicht mein Thema. Ich habe oben, finde ich, recht klar gesagt, was ich meine. Zweimal geben Sie nun aber meine Aussagen falsch wieder und zweimal als Zitat. Erst eins, bei dem Wesentliches fehlt und dann eins, das keins ist.

          Das hingegen waren meine Kernaussagen:
          (1) Aus tierfreundlichen und zusätzlich aus gesundheitlichen und klimapolitischen Gründen bin ich nun auch dafür, tierische Erzeugnisse weitestmöglich zu reduzieren.
          (2) Wenn Kinder aus religiösen Gründen ein bestimmtes Essen nicht essen (dürfen), dann soll man ihnen mindestens eine Alternative anbieten.

          (Rest siehe oben)

          Es wirkt ein wenig so, als wenn Sie unbedingt über den Islam und ihre Ablehnung dazu diskutieren (missionieren?) wollen. Das ist nicht mein Thema (hier). Dafür stehe ich leider nicht zur Verfügung.

          • Ist ja gut! Worum ging es denn? Oben im Artikel ging es eben nicht um den Tierschutz, die Klimapolitik und die Gesundheit, sondern ausschließlich um eine religiöse Verbotsvorschrift und deren Auswirkung. Sie scheinen mir oben am Thema vorbei argumentiert zu haben. Man könnte auch sagen: Sie wollten unbedingt Ihre Meinung zu Stierkämpfen, Hummer, Küken, behindertengerechte Zugänge etc. hier ausbreiten. Das kann woanders geschehen, hier lenkt es nur ab. Ich bin beim Thema geblieben und habe mal christliche Verbotsvorschriften damit verglichen (die es ja auch gab: freitags kein Fleisch). Was soll das mit “missionieren” zu tun haben? Ich denke, eine Religion wird nachweislich nicht dadurch beeinträchtigt, dass man einige Verbote lockert oder abschafft. Oder sehen Sie das anders?

          • Carsten Sie haben recht. Ändern sich etwa der Inhalt und die Werte einer Religion, wenn die Kleidungsvorschriften und die Nahrungsvorschriften geändert werden ?

          • Es geht auch darum, dass man eben auch auf andere zugeht und nicht nur einseitig dogmatisch an eigenen und überbordeten Ritualen festhält, die zu anderen Zeiten ihre gesundheitliche Berechtigung inne hatten, nun aber wegen des Wegfalls der Trichinose, sich als unsinnig erweisen und sinnentleert sich darstellen, weil die Gefahr an einer Trichinose, zu erkranken nicht mehr besteht!

    • Ich habe keinen “Respekt gegenüber einer sich verändernden Welt”, denn Änderungen sind nicht zwangsläufig begrüßenswert. Im Gegenteil, manches ist so schlecht, dass ihm die Folgschaft aufgekündigt und der Kampf angesagt werden sollte. Sie selbst bringen dafür Beispiele.

      Was den Schweinefleischverzicht der Kitas wegen zweier muslimischer Kinder angeht, kann ich nur den Kopf schütteln. Die Geste wirkt auf mich eher peinlich als freundlich und verständnisvoll. Sie geht in Richtung “positiver Rassismus”, auch wenn es sich hier mehr um eine bestimmte Religion als um die Herkunft handelt.
      Ich kann mir sogar vorstellen, dass vielen Muslimen (nicht den Islamverbänden!) dieser Kitabeschluss unangenehm ist.

  4. Nora 25. Juli 2019 at 18:41

    Ich habe keinen “Respekt gegenüber einer sich verändernden Welt”, denn Änderungen sind nicht zwangsläufig begrüßenswert. Im Gegenteil, manches ist so schlecht, dass ihm die Folgschaft aufgekündigt und der Kampf angesagt werden sollte. Sie selbst bringen dafür Beispiele.
    ———————————-

    Ich? Das heißt dann also, weil ich ja die Beispiele gebracht habe, warum nicht alle Änderungen begrüßenswert sind und manchem der Kampf angesagt werden muss,
    – dass Sie gegen behindertengerechte Zugänge zu Bahnhöfen und Gebäuden sind?
    – dass Sie für das “Kükenschreddern” sind?
    und wenn ich meine Beispiele von oben dazu nehme
    – dass Sie auch für die Beibehaltung der widerlichen Stierkämpfe sind?
    – dass Sie für das Lebendig-Kochen von Hunden, Katzen … und hierzulande ja auch von Hummern sind?

    Na, dann kämpfen Sie mal dagegen an (bzw. dafür) und wir kämpfen dann gegen Sie und Ihren Kampf an. 🙂 Schaun wir mal …

    • Sie scheinen mich missverstanden zu haben. “Kükenschreddern” meine ich z. B. als Erfindung der Moderne, die zurückgedreht werden muss. “dagegen.. (bzw. dafür)” ist bei Ihnen und bei mir etwas durcheinander geraten.
      Im Übrigen finde ich es nicht so toll, wenn von einem Wir-Kampf gegen Einzelpersonen gesprochen oder aufgerufen wird.

      • Zitat: “… dass ihm die Folgschaft aufgekündigt und der Kampf angesagt werden sollte”

        Meine Replik darauf kennen Sie. Schön, wenn wir uns einfach nur missverstanden haben.

  5. Ich finde eine solche Maßnahme wie den Verzicht auf Schweinefleisch wegen zweier Kinder zwar übertrieben (man kann schließlich nicht auf alle Rücksicht nehmen), aber diese Diskussion um den Essenplan einer Kita in Sachsen ist doch nicht mehr als heiße Luft im Sommerloch und ähnlich interessant wie das Fernsehprogramm Norwegens nächsten Freitag.

    • Das plötzliche Verbot von Gummibärchen wäre auch was für Satire, etwa in “Neues aus der Anstalt”. Andernorts ist man schon viel weiter. Eine Erzieherin berichtet aus NRW:
      https://www.derwesten.de/region/schweinefleisch-aerger-in-kita-erzieherin-mit-noch-kontroverserem-vorschlag-id226580801.html
      Herrlich finde ich, dass die Kinder auch mal ihr Essen austauschen und die verqueren Regeln, die ihnen aufoktroyiert werden, ignorieren. Sowas sollte Schule machen: Die jüngere Generation ignoriert überflüssige Regeln der Älteren, bricht Tabus und hinterfragt Autoritäten. So ähnlich war das mal in der 1968er Studentenbewegung. Leider gibt es heute wieder mehr Anpassungsdruck.

      • Das ist keine Satire, sondern eher ein Zeichen für die Überflüssigkeit eines Schweinefleisch- oder sonstwas-Verbots aus nicht-medizinischen Gründen. In der Hausordnung kann man das ja festhalten: “Bei gemeinsamen Mahlzeiten ist ein ausch ausdrücklich erwünscht, um den Kindern eine Vielzahl unterschiedliche Aromen und Kochstile zu präsentieren.” Eltern, die damit nicht einverstanden sind, können ja eine andere KiTa auswählen.

        • Bei derartigen Äußerungen geht unser ehrenvoller Salafist gleich unter die Decke, da gegen Allahs Gebote, des auch bewusst so bezeichneten anderen Gottes, verstoßen würde, der alle seine Gedanken den dienenden Händen der Schreiber des Korans übertragen hatte und so diesen seinen unabdingbaren Willen auftrug, diese Gebote umzusetzen.
          Wie frei doch diese geistvollen Bilderstürmer sind, die sich in ein selbst gewähltes Gefängnis zwängen und wegen dieser selbst gewählten Isolation, den Rest der Menschheit einfach nur noch hassen und diesen den Tot und die ewige Verdammnis wünschen, in der sie sich selbst bestimmt durch Selbstindoktrination hineinmanövriert haben.
          Das Schweinefleischverbot und die rituelle Beschneidung waren schon in der Zeit vor dem Islam aus medizinischen Gründen verbreitet , und so dienen diese Rituale in ihrer alleinigen Umsetzung der Vermittlung eines Islam für Dumme.

  6. @ Carsten60, ja, das stimmt schon. Wir reden eigentlich aneinander vorbei. Ich habe den Schweinefleischverzicht aus ganz anderen Gründen gutgeheißen als er an dieser Kita erfolgte. Sie haben sich mit dem Grund “Religion” auseinandergesetzt, der gar nicht mein Thema war. Aber im Zusammenhang damit haben Sie mir Aussagen untergejubelt, die ich nicht getätigt habe.

    Um es klar auszudrücken: Wenn religiöse Gründe dabei helfen, Fleischverzehr zu verringern, ist mir das recht, wenngleich ich aus anderen Gründen dafür bin. 🙂

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