„Wir sollten immer schauen, wen haben wir vor uns!“ Über die Gefahr von Etikettierungen von Schülern durch Lehrer (und was gute Gespräche bewirken)

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DÜSSELDORF. In der Regel gilt: Je älter die Kinder, desto schwieriger ist es, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und im hektischen Alltag überhaupt noch Zeit zum Austausch zu finden. In ihrem Buch „Der Zauber guter Gespräche“ hat die Therapeutin Ulrike Döpfner Tipps für eine gelungene Alltagskommunikation zusammengefasst und sich 100 kreative Fragen für alternative Gesprächseinstiege ausgedacht. Warum sich für Eltern die Frage „Wie war es denn in der Schule?“ überhaupt nicht als Gesprächseinstieg eignet, erzählt sie im Interview. Auch für Lehrer hat sie Ratschläge parat.

Kinder entwickeln sich – und das sollten Lehrer nicht übersehen. Foto: Shutterstock

News4teachers: Gibt es eine Zauberformel für gute Gespräche?

Ulrike Döpfner: Das wäre natürlich schön, aber so einfach ist es leider nicht. Ich denke, der erste wichtige Schritt ist es, dass Eltern immer wieder ihre eigene Haltung überprüfen. Denn wenn man mit einer entsprechenden Haltung in ein Gespräch geht. Dann macht man intuitiv schon vieles richtig.

News4teachers: Was macht diese Haltung aus?

Döpfner: Es ist wichtig, dass wir Kindern auf Augenhöhe begegnen und offen in Gespräche mit ihnen gehen. Außerdem ist die ungeteilte Aufmerksamkeit sehr wichtig. Wir sind ja mittlerweile von morgens bis abends ständig am elektronischen Senden und Empfangen. Und jeder kennt bestimmt solche Situationen: Das Kind fängt an zu erzählen und dann kommt ein Anruf und der Erwachsene sagt: „Ich gehe nur mal kurz dran.“ Dann ist das Gespräch unterbrochen und das Kind zunächst aus den Gedanken verschwunden. Aber Kinder sollten das Gefühl bekommen, dass man seine Aufmerksamkeit ganz ihnen widmet, dass man in dem Moment nur für sie da ist und Anrufe und Mails nicht so wichtig sind wie das, was das Kind uns erzählt. Das schafft letztendlich die Grundlage für eine vertrauensvoll Gesprächsatmosphäre, in der sich ein Kind öffnen kann.

News4teachers: Was würden Sie Eltern noch raten, damit Gespräche besser gelingen?

Döpfner: Eltern oder Erwachsene allgemein haben häufig die Tendenz, den Kindern zu sagen, was sie für richtig halten, also reflexartig Empfehlungen zu geben. Das ist verständlich, denn Eltern halten es natürlicherweise für ihre Aufgabe, den Kindern zu erklären, wie das Leben funktioniert. Aber im Grunde ist es viel wichtiger, sein Kind erst einmal sprechen zu lassen und sich selbst zurückzunehmen. Dabei kann uns die Technik des Aktives Zuhörens helfen.

Ulrike Döpfner hat das Buch „Der Zauber guter Gespräche“ geschrieben. Foto: Daniel Biskup
Ulrike Döpfner hat das Buch „Der Zauber guter Gespräche“ geschrieben. Foto: Daniel Biskup

News4teachers: Wie funktioniert Aktives Zuhören?

Döpfner: Beim aktiven Zuhören geht es darum, dass wir als Eltern wirklich versuchen, zu verstehen, was unser Kind uns mitteilen möchte – und dann das Gehörte mit eigenen Worten zusammenfassen. Wichtig ist, dass wir nicht nur den wahrgenommen Sachinhalt an unser Kind zurückzumelden, sondern auch die emotionale Aussage. Ich gebe mal ein Beispiel: Die Tochter kommt wütend nach Hause und sagt „Ich hasse Lisa, die spielt nur noch mit Anna.“ Dann sollte ich nicht reflexartig sagen: „Das ist doch nicht schlimm, ihr könnt ja auch zu dritt spielen“ oder „Ach, mach dir nichts draus, das war bei mir früher auch manchmal so.“ Besser wäre es, wenn man dann auf die Gefühle der Tochter eingehen und sie ihr rückmelden würde, zum Beispiel: „Du bist ganz schön wütend auf Anna und fühlst dich ausgegrenzt, richtig?“ Dann kommt ein Gespräch in Gang. Mein Kind kann mir rückmelden, ob ich es richtig verstanden habe und es hat die Möglichkeit, sich seiner eigenen Gefühle bewusst zu werden. So kommt es vielleicht sogar selbst auf eine Lösung für sein Problem.

News4teachers: Funktioniert das wirklich, dass Kinder sich dann ernst genommen fühlen? Es kommt mir auch ein wenig überzogen vor, alles zu wiederholen.

Döpfner: Ich habe tatsächlich selbst irgendwann angefangen, das aktive Zuhören bewusst bei meinen Kindern einzusetzen, weil ich sonst von der Gesprächsführung her auch relativ direktiv bin. Man wiederholt ja nicht einfach das Gesagte, sondern versucht dem Kind das zurückzumelden, was man verstanden hat, vor allem den emotionalen Gehalt seiner Aussage. Am Anfang hat es sich erstmal ganz seltsam angefühlt und ich habe auch gedacht, den Kindern muss es doch auffallen, dass ich plötzlich ganz anders kommuniziere. Ich hatte aber eher das Gefühl, sie haben es als angenehm empfunden, weil sie nun das Gespräch führen konnten und ich nicht versucht habe, es in eine bestimmte Richtung zu lenken. Natürlich passt aktives Zuhören auch nicht für jede Gesprächssituation. Sinnvoll ist es, wenn man das Gefühl hat, das Kind hat etwas auf dem Herzen.

News4teachers: Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mich die Frage „Wie war es denn in der Schule?“ früher tierisch genervt hat – auch wenn meine Mutter natürlich ehrlich interessiert war. Warum empfinden viele Kinder so?

Döpfner: Das Problem ist, dass Kinder die Schule in der Regel als anstrengend empfinden und sie ähnlich wie Erwachsene nach einem Arbeitstag froh sind, wenn es vorbei ist und der spaßige Teil des Tages beginnt. Dann haben sie keine Lust, wieder von dem anstrengenden Teil zu berichten. Aber klar, Eltern sind natürlich daran interessiert, wie es in der Schule läuft, wie die Leistungen sind oder ob es schon Noten für die letzte Klassenarbeit gab. Ich glaube, man muss als Elternteil hier besonders aufpassen, dass man nicht in eine Art Verhörform kommt.

News4teachers: Wäre es sinnvoll Kinder einfach zu fragen, ob sie gerade Lust haben, darüber zu reden?

Döpfner: Ja. Man sollte ein Gespräch nicht erzwingen, sonst entsteht eine schwierige Dynamik: Die Mutter oder der Vater fragt, das Kind will nicht antworten und zieht sich zurück, die Eltern drängen darauf, etwas zu erfahren und das Kind macht komplett zu. Man entfernt sich immer weiter voneinander und spricht eigentlich nicht über das, was im Raum steht, nämlich dass das Kind keine Lust hat zu reden. Wenn man sagt: „Ich merke, du hast gerade gar keine Lust, darüber zu reden, oder?“ gibt es die Chance, dass das Kind möglicherweise etwas antwortet wie: „Stimmt. Ich hatte heute so viel Stress, deshalb ist mir das jetzt zu nervig“. Dann kann man das als Eltern verständnisvoll annehmen oder es ergibt sich möglicherweise ein Gespräch über den Stress, den das Kind hatte.

Das Timing für Gespräche ist auch sehr wichtig. Bei Teenagern, die ihre eigenen Wege gehen, finde ich es sehr sinnvoll, zu signalisieren, dass man als Elternteil verfügbar ist.

News4teachers: Wir reden nun schon die ganze Zeit von „den Kindern“. Es gibt doch sicherlich auch unterschiedliche Kommunikationstypen, auf die man auch unterschiedlich eingehen sollte, oder nicht?

Döpfner: Da gibt es natürlich ganz große Unterschiede. Ganz grob kann man unterscheiden zwischen eher introvertierten und eher extrovertierten Kindern. Vor allem bei den Kindern, die von sich aus nicht so viel reden, sollte man behutsam sein und nicht zu direktiv fragen, damit das Kind nicht das Gefühl bekommt, es wird ausgefragt. Es gibt auch Kinder, die sind sprachlich einfach nicht so gewandt und ziehen sich vielleicht deshalb zurück. Das ist dann die Herausforderung, Kinder nicht einfach als schüchtern abzustempeln, sondern ihnen auch die Möglichkeit zu geben, zu erzählen. Ihnen das Gefühl zu geben, deine Gedanken interessieren mich.

News4teachers: Wie sieht es mit dem Alter der Kinder aus? Beginnen nicht spätestens mit der Pubertät ganz neue Probleme?

Döpfner: Man muss sich natürlich immer auf das sprachliche und geistige Niveau des Kindes einstellen, damit es einen versteht und damit man es nicht überfordert. Und das Timing für Gespräche ist auch sehr wichtig. Bei kleinen Kindern kann man sich noch die Momente aussuchen, wann man miteinander redet. Bei Teenagern, die ihre eigenen Wege gehen, die ihre eigene Freizeit und Aktivitäten planen, ist es gar nicht so leicht, überhaupt noch Momente für Gespräche zu finden. Da finde ich es sehr sinnvoll, zu signalisieren, dass man als Elternteil verfügbar ist. Einfach das Angebot zu machen, dass man beispielsweise an dem Nachmittag zu Hause ist und Zeit für einen Spaziergang oder einen gemeinsamen Tee hätte und dass man sich darüber freuen würde, sich mal wieder auszutauschen. Teenagern ist es außerdem besonders wichtig, auf Augenhöhe angesprochen zu werden, dass man sie eben nicht mehr wie Kinder behandelt, sondern ihre Meinung ernst nimmt und offen reagiert.

News4teachers: Sie arbeiten als Therapeutin und führen auch regelmäßig Elterncoachings durch. Inwieweit spielt das Thema Kommunikation dabei eine Rolle?

Döpfner: Unser Alltag besteht ja zum großen Teil aus Kommunikation und viele Probleme entstehen, wenn die Kommunikation nicht funktioniert. Dann ist es sinnvoll, sich solche Situationen anzusehen und zu überlegen, wie könnte man das ändern. Beispielsweise kommen Eltern zu mir, wenn sie das Gefühl haben, sie kommen nicht mehr an ihre Kinder heran. Da hat sich die Beziehung so verkantet, dass jedes Gespräch im Streit endet. Zum Glück helfen häufig wenige Stunden, um das aufzulösen, einfach dadurch, dass die Eltern eine andere Haltung einnehmen, etwas gelassener auf ihre Teenager reagieren oder auch das aktive Zuhöre praktizieren. Es kommen aber auch Eltern in schwierigen Situationen zu mir, zum Beispiel während einer Trennung, die sich beraten lassen wollen, wie sie darüber mit den Kindern reden sollten.

News4teachers: Haben Sie durch die Arbeit mit Eltern die Idee entwickelt, ein Buch zu dem Thema zu schreiben?

Döpfner: Ja, ich habe einfach häufig Eltern erlebt, die beklagen, dass sie gar nicht mehr so richtig mit ihren Kindern ins Gespräch kommen, sich nicht mehr austauschen. Und aus dieser Beobachtung entstand die Idee ein Buch zu schreiben, das Gesprächseinstiege liefert. Ich habe einfach gedacht, man müsste sich mal überlegen, wie man ganz neue Gespräche initiieren kann, um eben nicht immer zu fragen, wie es denn in der Schule war. So sind die 100 Fragen am Ende des Buches entstanden.

Das Buch „Der Zauber guter Gespräche“ von Ulrike Döpfner ist im Beltz Verlag erschienen. Foto: Beltz
Das Buch „Der Zauber guter Gespräche“ von Ulrike Döpfner ist im Beltz Verlag erschienen. Foto: Beltz

News4teachers: Sie beziehen sich auf das dritte Kapitel in Ihrem Buch mit dem Namen „100 Fragen, die Kinderwelten öffnen“.

Döpfner: Genau. Mir ging es um Fragen, die sich als Einstieg für Gespräche eignen, in denen man etwas über seine Kinder erfährt. Es sind Möglichkeiten, um mit seinen Kindern, über ihre Wünsche, Vorlieben oder Gefühle zu sprechen. Es gibt dabei ganz unterschiedliche Kategorien von Fragen, aber entscheidend ist, dass die Fragen alle keinen Nutzwert haben. Es geht darum, ein bisschen gemeinsam zu träumen und sich etwas auszumalen.

News4teachers: Können sie ein paar Beispiele nennen, was das für Fragen sind?

Döpfner: In der Kategorie „Wünsche“ gibt es zum Beispiel die Frage „Welche Filmfigur wärest du gerne?“ oder „Über welches Lob würdest du dich besonders freuen?“ Es gibt außerdem die Kategorien „Einstellungen und Werte“, da geht es beispielsweise um die Fragen „Was macht einen guten Freund aus?“ oder auch „Was kann man aus deiner Sicht tun, um Kriege zu verhindern?“ Es gibt sieben unterschiedliche Fragen-Kategorien, aber natürlich können sich Eltern auch noch ganz eigene, kreative Fragen dazu ausdenken.

News4teachers: Haben Sie noch weitere Tipps, wie man vielleicht ein Gespräch starten kann, das sich nicht nur um die Organisation des Alltags dreht?

Döpfner: Man muss natürlich zunächst erst einmal Momente im hektischen Alltag finden, in denen überhaupt solche Gespräche gedeihen können. Eine Idee ist, ein Superlativ-Ritual einzuführen, beispielsweise immer zu einer gemeinsamen Mahlzeit. Dann kann sich ein Familienmitglied eine Superlativ-Frage ausdenken, zum Beispiel „Was war das lustigste Erlebnis, das ihr heute hattet? Oder: Was war das nervigste, das ihr heute erlebt habt? Das ist etwas anderes als wenn man jemanden fragt, wie sein Tag war.

News4teachers: Haben Sie das Gefühl, durch Smartphones und die Digitalisierung ist es in den letzten Jahren noch schwieriger geworden, ruhige Momente für Gespräche zu finden?

Döpfner: Ich bin keine Kulturpessimistin, aber ich denke schon, dass die ständige Erreichbarkeit durch Smartphones eine Herausforderung ist. Es ist nicht so, dass Kinder und Erwachsene nicht mehr richtig kommunizieren können, aber wir müssen uns als Eltern heute bewusster als früher für Gespräche entscheiden, in denen man konzentriert aufeinander eingeht. Heutzutage sind die Tage von Eltern und Kindern einfach auch viel enger getaktet als früher und es gibt viel mehr Möglichkeiten, sich abzulenken.

Es ist ganz wichtig, offen und sogar neugierig zu bleiben und immer wieder zu schauen, wen haben wir vor uns.

News4teachers: Würden Sie sich für Smartphone-Verbote am Esstisch aussprechen?

Döpfner: Ich würde es niemandem vorschreiben wollen, wie er es in seiner Familie zu handhaben hat, aber ich glaube, zumindest bei den Mahlzeiten ist es wichtig und eine wunderbare Gelegenheit, dass man sich auf die anderen Teilnehmer des Essens konzentriert und sich nicht ständig ablenken lässt. Also insofern finde es richtig, dass es auch Momente am Tag gibt, in denen man Handys bewusst zur Seite legt.

News4teachers: Ist Ihr Buch eigentlich auch für Lehrkräfte und Pädagogen geeignet?

Döpfner: Im Prinzip ist es für jeden geeignet. Ich habe von vielen Erwachsenen, die keine Kinder haben, die Rückmeldung bekommen, dass die Grundlagen, die ich beschreibe, für alle Gespräche sinnvoll sind. Aktives Zuhören, ungeteilte Aufmerksamkeit, Offenheit, Vertrauenswürdigkeit – das sind ja alles Prinzipien, die auch für Gespräche unter Erwachsenen gelten und wichtig sind. Deshalb können natürlich auch Lehrer und Pädagogen Anregungen für Gesprächstechniken finden, die sie in ihrem Beruf anwenden möchten. Und viele Fragen aus dem Buch kann man auch im Unterricht stellen, als eine Art Fragerunde.

News4teachers: Was würden Sie speziell Lehrkräften im Umgang mit Kindern raten?

Döpfner: Wir haben teilweise sehr feste Vorstellungen von Kindern, das gilt für Lehrkräfte als auch für Eltern. Im Buch spreche ich von „Etikettierungen“. Lehrerinnen und Lehrer müssen ihre Schüler natürlich auch irgendwie in das Gesamtbild der Klasse einordnen: Wer ist schüchtern, wer redet immer rein? Aber Kinder verändern sich natürlich auch – körperlich, mental, emotional – und ich denke, es ist ganz wichtig, offen und sogar neugierig zu bleiben und immer wieder zu schauen, wen haben wir vor uns und dann eben nicht feststehende „Etikettierungen“ zu verteilen? Dazu passt ein Zitat von Maria Montessori: „Die Aufgabe der Umgebung ist nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.“ Das ist die große Herausforderung für Eltern und Pädagogen.

News4teachers: Damit sind wir wieder bei der offenen Haltung vom Anfang.

Döpfner: Ja, das ist das allerwichtigste. Dass wir nicht mit festen Vorstellungen in ein Gespräch gehen, sondern tatsächlich offen sind für das, was da kommt und auch darauf eingehen. Und dass wir trotz all der Hektik auch überraschende Gespräche zulassen, Gespräche, die einfach Spaß machen, in denen man miteinander träumt. Auch wenn es wie gesagt keine Zauberformel für gute Gespräche gibt, kann man damit vielleicht einen kleinen Funken Zauber hervorrufen. Laura Millmann / Agentur für Bildungsjournalismus

Zur Person

Ulrike Döpfner ist Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche und gibt auch Elternchoachings. Sie hat im belgischen Louvain-la-Neuve Psychologie studiert und zunächst als Kommunikationstrainerin gearbeitet. Vor kurzem ist ihr Buch „Der Zauber guter Gespräche – Kommunikation mit Kindern, die Nähe schafft“ erschienen.

 

 

 

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10 KOMMENTARE

  1. Kinder sind keine Erwachsenen. Bei gewissen Dingen haben sie ohne Diskussion zu gehorchen bzw. Anweisungen auszuführen. Im späteren Berufsleben müssen sie das ja auch.

    Selbstverständlich muss man sie bei Problemen unterstützen. Bei den vorgeschlagenen Diskussionen riskiert man aber Narzissmus usw., eines der Hauptprobleme heutzutage.

    • Narzissmus resultiert aus derartig autoritär erzogenen Kindern, die in eine Führungsrolle hinein erzogen wurden, um in autoritären Systemen andere zu beherrschen.
      Im späteren Berufsleben ergibt sich der Arbeitsablauf und die Tätigkeit aus den an einen herangetragenen und berufsbedingt sich stellenden Aufgaben. Vernunft ist angesagt, und die entspringt der Erkenntnis das Zweckmäßige und Sinnvolle umzusetzen.
      Wer keine Kinder erzieht und mit derart archaischen Erziehungsmodellen arbeitet, der sollte einfach mal richtig hinhören.
      Ich möchte derartige Lehrer nicht bei meinen Kindern erleben, und für die ist es auch besser, einer Begegnung aus dem Weg zu gehen.

      • Narzissmus entsteht aber auch, wenn jeder Wunsch sofort erfüllt wird, jede Art von Konflikten vorenthalten werden, nur Lob gegeben, aber Kritik vorenthalten wird, sprich Kuschelpädagogik und damit eher das Gegenteil von autoritärer oder archaischer Erziehung.

        • Erziehen sie vielleicht eigene Kinder in Richtung von eigenverantwortlichem und selbst reflektierendem Denken und Handeln oder stehen die bei ihnen alle auf Kommando stramm ?

      • @xxx
        Ihr Kommentar scheint mir für die Entstehung von Narzissmus weit zutreffender zu sein als der von Ignaz Wrobel.
        Zitat: „Die Forscher gehen davon aus, dass Kinder die Einschätzungen ihrer Eltern übernehmen. Wenn die Eltern sie für etwas Besonderes halten, dann tun sie es selbst auch. Wenn die Eltern sie mit Lob und Preis überschütten, dann erwarten die Kinder das auch von anderen. Kurz gesagt, Kinder lernen den Narzissmus von den eigenen Eltern.“

        https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/narzissmus-bei-kindern-entsteht-durch-die-eltern-13596312.html

        • Der abgedruckte Dialog behandelt aber als Thema nicht Narzissmus, sondern er erarbeitet den konstruktiven Dialog mit den eigenen Kindern im Bereich der Alltagskommunikation, wobei das Arbeitsfeld Schule mit eingearbeitet wird.
          Diese im Dialog herausgearbeitete Art der Kommunikation mit der Förderung von Selbstverliebtheit in Verbindung zu bringen, erscheint mir sehr grotesk.
          Anscheinend besteht hier bei einigen Mitmenschen noch Nachholbedarf im Bereich zwischenmenschlicher Kommunikation auf Augenhöhe.

    • Heranwachsende Kinder sollen also nach ihrer Lesart in „gewissen Dingen“ Erwachsenen bedingungslos und ohne Diskussion gehorchen bzw. deren Anweisungen auszuführen, wie später im Beruf auch.
      1. Mitarbeiter sind keine werktätigen Untertanen, denen man nur Befehle erteilen muss.
      Besser ist es, wenn diese eigenverantwortlich ihrer Arbeit wertgeschätzt nachgehen dürfen.
      2. Mitarbeiter sind geschätzte Kollegen, ohne deren konstruktive und kooperative Mitarbeit eine gut organisierte, sowie erfolgreiche Zusammenarbeit nicht möglich sind.
      Ohne eine gute Teamarbeit von der Putzfrau, dem Springer, der Anästhesieschwester/Pfleger, dem operationstechnischen Personal einschließlich Op-Schwestern und Pflegern, den Anästhesisten und schließlich den Operateuren und Assistenzärzten und des Koordinators finden keine gut durchorganisierten und reibungslosen Arbeitsabläufe mehr statt.
      3.Es existieren drei Wege der beruflichen Mitbestimmung. Der beste ist der der nach dem Betriebsverfassungsgesetz praktizierte Weg, weil die Mitarbeiter mit in die betrieblichen Entscheidungen mit eingebunden sind.
      Beim dritten Weg, der kirchlichen Mitbestimmung, ist in Teilen der MAV-Vertreter, das große Jammern angesagt.

      Der obige Artikel legt gerade ein anderes Verhalten nahe, als sie es schildern, denn er beschreibt dass es dem Kind ermöglich werden soll, seine Gefühle und Denkweisen den Eltern mitzuteilen, damit es selbst eigene Lösungswege findet, sowie damit man den Zugang zum Kind offen hält und eine sich verschließende Haltung des Kindes vermeidet.
      Es macht wenig Sinn dauernd nachzubohren, wenn der Zeitpunkt zur situationsbezogenen Problemlösung und Besprechung der Probleme vom Zeitpunkt unangebracht ist.
      Schließlich bewirkt eine positiv emotional zugewandte Erziehung, die den Kindern schließlich die Entwicklung von Vernunftdenken in Eigenverantwortung ermöglicht, die Entwicklung einsichtiger Denkstrukturen im Sinne von vernünftigen und selbstständigen Handeln und Denken.
      Ansonsten findet man sich als Eltern irgendwann auf der Couch beim Psychotherapeuten wieder, so man die Kinder nicht emotional verlieren will.
      Es macht wenig Sinn, Menschen zu brechen, um diese dann in einer ständigen Abhängigkeit zu halten. Der Untertanenstaat eines von „Gottes Gnaden“ berufenen Kaiser Wilhelm ist längst passé.

    • „Kinder sind keine Erwachsenen. Bei gewissen Dingen haben sie ohne Diskussion zu gehorchen bzw. Anweisungen auszuführen.“

      Ja, stimmt. Kinder sind Kinder.
      Und bei gewissen Dingen sollten sie gehorchen.

      Das steht aber nicht im Widerspruch dazu, dass man sich mit Kindern unterhält und beschäftigt, dass man mit ihnen über unterschiedliche Themen spricht und dabei ihre Augenhöhe, ihren Horizont und ihr Ausdrucksvermögen berücksichtigt.

      Bestimmt wäre etlichen Erwachsenen heutzutage mit einem solchen Buch geholfen, sodass sie überhaupt verstehen, dass man mit Kindern sprechen kann und dies auch tun sollte.

      Anderen nutzen die besonderen Fragestellungen oder Anleitungen, um Kinder besser zu erreichen, wenn es ihnen sonst nicht gelingt.

      Wenn man Kinder nicht zu Wort kommen lassen will, braucht man das Buch sicherlich nicht.

  2. Danke für den Buchtipp und die Anregungen zur offenen Gesprächsführung, denn mit dem Beginn der Pubertät wird der verbale Austausch schon schwieriger, aber schließlich entwickeln die Lieben eigene Vorstellungen und Ansichten vom Leben in der Gesellschaft.

  3. Erst habe ich gedacht: „Mal wieder ein Buch, was sicher kein Lehrer braucht!“ Und dann liest man den Kommentar von xxx und wird eines Besseren belehrt.

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