Ein Jahr Schülerbewegung «Fridays for Future»: „Wir haben unfassbar viele Menschen mobilisiert, aber…“

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MAINZ. Die jungen Klima-Aktivisten sind ungeduldig. Seit einem Jahr gehen sie auf die Straße. Aber passiert ist aus ihrer Sicht kaum etwas. An diesem Freitag gehen die Proteste in ihr zweites Jahr. In Mainz werden Tausende zu einer zentralen Demonstration erwartet.

„Fridays for Future“ hat Zehntausende von Schülern auf die Straße gebracht, um für mehr Klimaschutz zu protestieren. Foto: Jörg Farys / Fridays for Future / flickr (CC BY 2.0)

Das Stadtklima haben sie schon verändert, der globale Klimawandel aber ist nicht gestoppt. Seit einem Jahr laufen, hüpfen und tanzen Schülerinnen und Schüler mindestens einmal im Monat an den «Fridays for Future» durch Mainz, meist unterstützt von Eltern, Studierenden und Wissenschaftlern sowie abgestimmt mit gleichzeitigen Aktionen an vielen weiteren Orten. Am 18. Januar 2019 traten 1800 junge Menschen in Mainz zum ersten Mal in einen Schulstreik und folgten so der schwedischen Schülerin Greta Thunberg, die am 20. August 2018 vor dem Reichstag in Stockholm in den «Schulstreik für das Klima» trat.

«Das war damals unfassbar viel», sagt Maurice Conrad über die Beteiligung am ersten Schulstreik von «Fridays for Future» in Mainz. Seitdem wird mindestens einmal im Monat eine Demonstration oder ein Aktionstag organisiert, mit Teilnehmerzahlen zwischen 250 (August) und 10.000 (September). Für den kommenden Freitag erwarten die Veranstalter einer zentralen Demonstration in Mainz 7.000 bis 10.000 Teilnehmer aus Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

„Auf der Bundesebene sieht es sehr dünn aus“

«Wir haben es in diesem einen Jahr geschafft, unvorstellbar viele Menschen zu mobilisieren», sagt Conrad. «Was wir nicht geschafft haben, ist, diese Mobilisierung von Menschen in politisches Handeln umzusetzen.» Zwar sei auf kommunaler Ebene einiges passiert, was in die richtige Richtung gehe, etwa die Ausrufung eines Klimanotstands in Mainz, Trier, Landau und Koblenz.

«Aber auf der Bundesebene sieht es sehr dünn aus», fügt der Aktivist hinzu. Die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung sei letztlich nur das Eingeständnis, die 2015 vereinbarten Pariser Klimaziele nicht mehr erreichen zu können – also die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf deutlich unter zwei Prozent im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. «Diese Handlungslosigkeit wollen wir beenden», sagt Conrad, der mit 19 Jahren als bislang jüngstes Mitglied in den Mainzer Stadtrat gewählt wurde und die Piratenpartei vertritt.

Conrad sieht «Fridays for Future» zurzeit mitten in einem Prozess zur Weiterentwicklung ihrer Strategie: «Die Ortsgruppen überlegen: Wie treten wir in diesem Jahr auf?» Einfach so weitermachen, komme für die meisten nicht in Frage. «Man muss sich weiterentwickeln als politische Bewegung, sonst gehen wir unter.»

Runder Tisch für einen nachhaltigen Schulalltag

Dazu soll auch eine thematische Weiterentwicklung gehören. Bei der ersten Demonstration in diesem Jahr werden zum einen der Klimawandel als Fluchtursache, zum anderen die Brände in Australien in den Blick genommen. «In Australien sieht man, wie die Klimakrise ein ganzes Land lahmlegen kann», sagt der Schüler Shkodran Jonuzi aus Morschen im hessischen Schwalm-Eder-Kreis.

Weiterführen wollen die jungen Aktivisten auch die Kontakte zur Landespolitik. Zwar sei ein Treffen mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) «eher ein Kaffeekränzchen als eine politische Debatte» gewesen, sagt Conrad. Eine sinnvolle Sache sei aber der vom Bildungsministerium und der Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler (LSV) gestartete Runde Tisch für einen nachhaltigen Schulalltag. Die Idee dazu entstand unter dem Eindruck der «Fridays for Future». Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) zeigte sich beim Start des Runden Tisches «sehr froh über dieses Engagement, dass sich Schülerinnen und Schüler politisch engagieren für diese Ziele, die für uns alle überlebenswichtig sind».

Die Schülerkundgebungen sind an keiner Partei spurlos vorbeigegangen. Den stärksten Rückhalt erfährt die Bewegung von den Grünen. «Die Forderungen von „Fridays for Future“ sind nicht nur radikal, sondern auch wissenschaftlich begründet», sagt der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag Rheinland-Pfalz, Bernhard Braun. Mit den Aktionen der jungen Menschen sei das Thema Klimaschutz ganz nach oben auf die politische und gesellschaftliche Agenda gebracht worden.

Alle seien weiterhin aufgefordert, Druck zu machen um eine wirksame Reduzierung der CO2-Emissionen zu erreichen, erklären die Mainzer «Parents for Future» vor der ersten großen Demo im neuen Jahr. Das Motto dazu bringt die wachsende Ungeduld der Aktivisten zum Ausdruck: «#DieUhrTickt – Ein Jahr? Nix passiert!» Von Peter Zschunke, dpa

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10 KOMMENTARE

  1. Gäbe es workshops an Schulen statt zentraler Kundgebungen mit Plakateschwenken, würden Journalisten nicht immer auf spektakuläre Großereignisse schauen und das „Druck machen“ verherrlichen, dann könnte sich die Sache positiv weiterentwickeln.
    Klimabewusstes Leben erfordert Reflektion und Veränderung des eigenen Lebens und Konsumierens.

  2. @Pfälzer
    Es tut mir leid, aber Sie haben das Prinzip der medialen Aufmerksamkeit bzw. das Ausüben von Druck missverstanden. Wenn es jeden Freitag in den Schulen Deutschlands Workshops geben würde, würde das absolut niemanden interessieren. Nach 3 Monaten würden die Workshops aufgrund der Personalkosten eingestellt werden und alles wäre wie zuvor. Personen wie Luisa Neubauer wären unbekannt und hätten absolut keine Machtposition – Veränderung wäre dadurch nicht möglich. Es ist absolut krass und aus meiner Sichtweise heraus sehr positiv, wie schnell sich das Umweltbewusstsein in die Köpfe der Menschen befördern lässt….ohne Druck ist solch ein Prozess nicht möglich.

    • Sie haben das Prinzip medialer Aufmerksamkeit auch nicht verstanden. Sie brauchen nicht nur das Interesse der Medien, Sie brauchen auch ihr Wohlwollen. Es gibt diverse andere Themen, die zumindest aktuell erheblich größere Probleme bereiten, aber den Medien nicht passen.

    • Oh, ist Umweltbewusstsein in die Köpfe der Menschen befördert worden? Ich habe daran Zweifel, sachlich begründet durch Beobachten meiner Schüler und anderen Mitmenschen. Forderungen an das Handeln der Politik zu stellen ist eine Sache. Wenn die Bahn tatsächlich besser ausgestattet, geringer besteuert und viel mehr genutzt wird, dann hat FfF tatsächlich etwas Gutes erreicht. Aber wenn „die Politik“ Kohlekraftwerke früher abschaltet, aber zugleich (Digitalisierung!) alle mehr elektrische Energie nutzen werden, was wird das bringen? Richtig, Stromimporte aus Frankreich und Polen.
      Ich bleibe dabei, eine nachhaltige Energiewende muss im Leben der Menschen verwirklicht und gegründet werden. Lernt man das kritische Reflektieren des eigenen Lebens auf Demos? Berichten Sie mal!

  3. Was FFF-Bewegung braucht ist ein Paradigmawechsel auf der Erkenntniseben. Das heißt konkret.
    1. eine umfassende Evolutionsprozss-Theorie und
    2. die epochenwendende, evolutionseigene Geniepunkt-Innovation.
    Beide sind erkannt und machtpolitisch getestet. Aber FFF-Spitzen haben keine Ahnung, oder wollen diese Theorie- und Innovations-Lücke nicht zur Kenntnis nehmen. Wir, die DIE KREATIVEN, 1. evoluitonsprohjekt- und goethe-politische Partei der Welt, informieren über unseren Erkennntnisstand – auf http://www.die-kreativen-partei.de
    Das jugendliche Gehüpfe und der Frust auf den FFF-Demos wird so lange anhalten, bis die obigen Erkenntnisse in die Diskussion eingetreten sein werden.

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