Wie soll der verpasste Lernstoff aufgeholt werden? Kultusminister setzen bislang nur auf freiwillige „Lernferien“ – und auf die Lehrer

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BERLIN. Der Befund ist unstrittig: Es gibt im kommenden Schuljahr viel Lernstoff aufzuholen. Die entscheidende Frage allerdings lautet: Wie? Lehrerverbände streiten sich darüber, ob zunächst mal flächendeckend mit Leistungstests erhoben werden soll, woran es hapert – oder ob die Lehrer das individuell ausmachen sollen. Darüber hinaus ist unklar, wie überhaupt eine Förderung aussehen soll, die alle bedürftigen Schüler erreicht. Die Länder fürchten hohe Kosten und vermeiden derzeit konkrete Aussagen. Sie finanzieren bislang lediglich punktuelle Aktionen in den Sommerferien.

Und wie geht’s jetzt weiter? Foto: Shutterstock

In einer bundesweiten Umfrage unter Lehrern aller Schulformen, die das Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der TU Dortmund in dieser Woche veröffentlichte, gaben vier von fünf (79 Prozent) an, dass die Schüler in vielen Fächern weniger gelernt haben als während des Regelunterrichts. Sogar 90 Prozent der Lehrkräfte stimmten der Aussage teils beziehungsweise komplett zu, dass sich die sozial bedingten Ungleichheiten aufgrund der Corona-Pandemie verstärkt haben. Studienleiterin Professorin Nele McElvany befand: „Das ist ein erschreckendes Ergebnis und bestätigt die Befürchtungen vieler Bildungsexperten.“ (News4teachers berichtete ausführlich über die Studie – und zwar hier.)

Wie sollen die Schulen mit dem Befund umgehen? Wie lassen sich die Lücken wieder schließen? Die KMK hat das Thema auf ihrer Sitzung am Donnerstag und Freitag behandelt. Ergebnis ist folgender Beschluss: „Die Länder ergreifen geeignete Maßnahmen, um mögliche Lernrückstände zu überwinden.“ Welche Maßnahmen sind das? Dazu wollen sich die Minister „fortlaufend beraten“ lassen, so heißt es im Sitzungsprotokoll. Im Klartext: Man weiß es nicht; es gibt bislang keinen länderübergreifenden Plan.

Lehrerverband: Verpflichtende Leistungstests für alle Schüler

„Wir werden auch im nächsten Schuljahr damit zu tun haben, die Lücken zu schließen, die das Homeschooling in den Wissensstand der Schüler gerissen hat“, sagt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“. Er schlägt vor: «Für Schüler mit starken Defiziten muss es verpflichtende Förderangebote geben, die zum Beispiel am Nachmittag stattfinden können.» Um festzustellen, welche Schüler das sind, sollten verpflichtende Leistungstests für alle Schüler nach den Sommerferien stattfinden.

Dagegen regt sich allerdings Widerstand. Die GEW Schleswig-Holstein lehnt verpflichtende Leistungstest für alle Schüler ab. Die Lehrer vor Ort wüssten in der Regel am besten, welche konkreten Hilfen ihre Schüler nötig haben. Es gebe auch sinnvolle Einzelverfahren, um individuelle Lernstände zu erheben. «Verbindliche standardisierte Leistungstests für alle Schülerinnen und Schüler nach dem Motto ‚Nun wollen wir mal sehen, was ihr alle so könnt!‘ halten wir deshalb für verzichtbar», sagt Henke.

Auch beim Förderunterricht, den die GEW ebenfalls für dringend geboten hält, setzt die Gewerkschaft auf individuelle Maßnahmen. Wichtig sei es, den Schülern eigenständiges Lernen zu ermöglichen und ihre Methodenkompetenz zu stärken – auch mit Blick darauf, dass das Schuljahr durch Corona-Ausbrüche immer wieder unterbrochen werden könnte. «Die Einrichtung von Lernbüros ist hier eine geeignete Maßnahme», sagte Henke. Dort unterstützen Lehrkräfte die Schüler beim selbstorganisierten Lernen. «Das könnte entscheidend dazu beitragen, Schülerinnen und Schüler auf erneute Schulschließungen vorzubereiten.»

Mehr Lehrerstellen? Kultusminister flüchten sich in Allgemeinplätze

Die Crux: Fördermaßnahmen – egal welche – sind nicht umsonst zu haben. Sowohl der Deutsche Lehrerverband als auch die GEW fordern dafür mehr Personal für die Schulen. Das stößt bei den Landesregierungen allerdings auf wenig Gegenliebe. So flüchten sich die Kultusminister derzeit, wenn sie sich überhaupt zum Problem äußern, in Allgemeinplätze.

Beispiel Brandenburg. Mit der Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach den Sommerferien sollen die Schüler zusätzlich gefördert werden – stellte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Donnerstag im Potsdamer Landtag fest. «Dazu sollen die Schulen in der letzten Ferienwoche eine Dokumentation der vermittelten Inhalte erstellen und in der ersten Schulwoche das Wissen der Schüler in den Kernfächern ermitteln», erklärte sie. Anschließend solle an den Schulen ein Konzept für die dann notwendige individuelle Förderung der Schüler erstellt werden.

Welche Maßnahmen kommen dafür denn konkret infrage? Achselzucken. Erst nach den Ergebnissen der Untersuchungen werde darüber entschieden, ob es vielleicht auch an Samstagen oder in den Herbstferien Förderunterricht geben müsse, sagte Ernst – gab aber zu erkennen, dass sie ein Unterrichtsangebot am Wochenende wegen der Beeinträchtigung für das Familienleben grundsätzlich kritisch sieht.

Die Ferienangebot werden nicht reichen

So setzen die Länder derzeit konkret nur auf punktuelle Angebote in den Ferien. «Wir müssen davon ausgehen, dass trotz der vielseitigen Bemühungen in der häuslichen Lernzeit und der seit einigen Wochen wieder aufgenommenen Präsenzphasen bei den Schülern der weiterführenden Schulen Bildungsdefizite unterschiedlicher Art entstanden sind», sagt Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) in dieser Woche. Viele Eltern seien darüber in Sorge. Seine Lösung: das Programm „Sommerschule“, in dessen Rahmen die Lehrer von Oberschulen, Gymnasien und Förderschulen freiwillig (und unter Einbeziehung externer Partner) Unterrichtsangebote machen sollen.

Elf Millionen Euro stellt der Freistaat dafür zur Verfügung. Dass das nicht reichen wird, die entstandenen Defizite auszugleichen, ist Piwarz klar. „Das wird Aufgabe der Schulen im kommenden Schuljahr sein“, sagt der Minister einem Bericht des mdr zufolge. Jede Schule solle prüfen, welche besonderen Bildungsangebote sie für ihre Schüler hilfreich fände – und solle die Angebote dann eigenverantwortlich umsetzen.

Auch andere Bundesländer setzen bislang nur auf Ferienunterricht. In Rheinland-Pfalz werden dafür Lehramtsstudierenden und -anwärtern sowie Lehrkräfte, pensionierten Lehrkräften oder auch ältere Schülerinnen und Schülern herangezogen, „die dafür vorher geschult werden sollen“, wie das Ministerium versichert. Mecklenburg-Vorpommern spannt private Nachhilfe-Institute ein. Schüler und Eltern wurden per Rundbrief informiert, dass sie die Leistungen privater Lernanbieter in Anspruch nehmen können. Berechtigungsscheine gibt es zum Herunterladen. Das Land stellt zur Finanzierung eine Million Euro bereit.

Förderangebote gibt es so nur für einen Bruchteil der Schüler

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat die Schulen ihres Landes aufgerufen, mit freiwilligen Unterrichtsangeboten in den Sommerferien die Schüler auf das kommende Schuljahr vorzubereiten. Das Land hat dafür fünf Millionen Euro bereitgestellt. Lehrer sollen damit zusätzlich vergütet werden. Auch Lehramts-Studenten können an dem Programm für Schüler der 1. bis 10. Klassen teilnehmen. Darüber hinaus erhalten die Schulen ein zusätzliches Budget, um externe Angebote von kultureller Bildung oder sportliche Aktivitäten anbieten zu können. Immerhin: Jede fünfte Schule im Land hat ihre Bereitschaft erklärt, sich an dem „Lernsommer“ zu beteiligen.

Heißt aber auch (wie die oppositionelle SPD kritisiert): Angebote gibt es nur für einen Bruchteil der Schüler im Land. «Ob die Teilnehmenden dann die sein werden, die zu Hause nicht die besten Voraussetzungen zum Lernen und zum digitalen Unterricht vorfinden, steht in den Sternen.» News4teachers / mit Material der dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Planlos ins nächste Schuljahr: Wie die Kultusminister sich in Corona-Zeiten blamieren

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28 KOMMENTARE

  1. An unserer Schule haben vor allem die Erstklässler etwas aufzuholen. Die Klassen 3 und 4 haben auch nach dem Shutdown keine nennenswerten Lernrückstände. Es kommt immer auch ein bisschen auf das Einzugsgebiet der Schule an. Nicht überall ist Neukölln, um es mal salopp zu sagen, d.h., man sollte differenziert schauen, wer Lernrückstände hat und wie weit diese tatsächlich gehen.

  2. Welche Unfähigkeiten der Politik sollen Lehrer eigentlich noch kompensieren?!

    Was wir alles in den letzten on top geleistet haben, ist kaum noch messbar.
    Auch wenn Eltern anderer Meinung sind, weil sie das Große und Ganze nicht verstehen, führt das alles, zumindest bei mir, zur Frustration.

    Liebe Kultusminister, schafft Vorraussetzungen und funktionierende Konzepte, dann beschulen wir auch die Kinder und holen den verpassten Stoff schon irgendwie nach!

    Onlineunterricht mit Blick auf den Datenschutz, halte ich für sehr bedenklich. Ich habe allein mit meiner Klasse täglich eine Stunde Videounterricht gemacht. Mittlerweile mache ich das nicht mehr. Datenschutzbeauftragte sitzen einem wohl im Nacken. Und außerdem, wer schützt eigentlich alle Lehrer davor, dass das eigene Bild nicht verfälscht und zum Lehrerbashing genutzt wird? Das ist nicht weit her geholt, sondern so an meiner Schule geschehen.

  3. „Ich habe allein mit meiner Klasse täglich eine Stunde Videounterricht gemacht. Mittlerweile mache ich das nicht mehr. Datenschutzbeauftragte sitzen einem wohl im Nacken.“ Davon sollte man auch allen Lehrern abraten. Die Rückendeckung der Kultusministerien und die Voraussetzungen, um das datenschutzkonform zu machen, sind schließlich nicht da.

  4. Bei meiner 4. Klasse gibt es keine Lernrückstände, was das Wissen in den geforderten Fächern Mathe und Deutsch betrifft. Voraussetzung: Die Schüler haben alle Homeschoolingaufgaben so gemacht, wie ich sie angewiesen hatte. Ich bin bisher ohne Videokonferenzen ausgekommen. Ich setze auf detailliert formulierte Arbeitsaufgaben, Lernvideos, Musterlösungen, Lernapps, die ich einsehen kann, Rückmeldungen bei kritischen Aufgaben und zur Motivation Tools wie das Padlet.
    Was beim Homeschooling untergeht, sind die kompetenzorientierten Aufgaben, die im entdeckerischen Lernen, in der Denkarbeit und im kommunikativen Bereich liegen, wohingegen Übungsaufgaben beim Homeschooling gut gemacht werden können. Sinnvolles Argumentieren und Begründen z.B. lernt man übers Homeschooling nur begrenzt.
    Dass Schüler abwechselnd zeitlich begrenzt in Kleingruppen kommen und dann wieder im Homeschooling sind, finde ich eine gute Lösung in der augenblicklichen Situation.
    Bedauerlich ist, dass normaler Unterricht mit den ganzen motivierenden Methoden nicht stattfinden kann. Das merkt man vor allem im Fach Sachunterricht, dessen Lebendigkeit doch sehr von Schüleraktivitäten und Unterrichtsgängen geprägt ist. Hier ist bei mir der Unterricht weitgehend auf Textarbeit beschränkt, da ich in der Schule wenig digitale Möglichkeiten habe. Da kann man sogar im Homeschooling mehr machen lassen, indem man die Internetrecherche, Sachfilme anschauen und Quizfragen beantworten einbaut.
    Hier kann man wieder einen Bogen zur Digitalisierung schlagen: Wenn in der Schule Abstand gehalten werden muss und nur Frontalunterricht möglich sind, sind digitale Tafeln und Tablets eine methodische Bereicherung.
    Durch den derzeit stattfindenden Frotalunterricht werden so oder so weniger Schüler aktiviert wie in normalen Zeiten, wo man eine ganze Palette der Schüleraktivierung zur Verfügung hat.

    • …und die Schüler, die nicht WOLLEN, haben auch vorher schon weniger von meinem Unterricht mitgenommen.

      Wir können weder im Homeschooling noch im Präsenzunterricht Stoff „reinprügeln“, sondern nur motivieren und gute Angebote machen.

      Es gibt viele, die sich in den letzten Wochen genauso entspannt zurück gelehnt haben, wie vorher schon und passiv darauf gewartet haben, dass man ihnen „Lernhäppchen“ in den Mund schiebt…unterstützt oder ignoriert von den jeweiligen Eltern

      …genauso gibt es viele viele andere SuS, die in der letzten Zeit sehr intensiv gelernt haben und eine tolle persönliche Entwicklung mitgemacht haben. Ich rede da von 21 meiner 22 Viertklässler, die sich ordentlich mit dem Stoff beschäftigt haben und definitiv keinen Lernrückstand haben.

      • Die „Lernhäppchen“ müssen aber gut vorgekaut sein, ansonsten werden sie verweigert. Anstrengung seitens der Schüler vollkommen ausgeschlossen.

      • Das ist ein Grundproblem, dass viele die Verantwortung, was aus ihren Kindern einmal wird, immer mehr auf die Schule schieben.
        In den 60igern war ich ein Kind. Da hatten viele Eltern, egal welcher Schicht, die Einstellung, dass aus ihrem Kind etwas werden soll und sehr viele haben ihren Teil dazu beigetragen. Man hatte z.B. konsequent darauf geachtet, dass die Arbeiten der Schule ordentlich gemacht wurden.
        Diese Einstellung ist in der heutigen Elterngeneration nicht mehr so stark verbreitet. Ich konnte die schleichende Entwicklung als Lehrerin ab den 80igern beobachten (am Anfang war es aber noch ganz gut), als es immer mehr Problemfälle in dieser Richtung gab.
        Das war in Westdeutschland. In der DDR war die Entwicklung so oder so anders, hier hatte der Staat von vorneherein mehr eingegriffen.
        Irgendwie ist es schwer nachzuvollziehen, dass in heutiger Zeit einer steigenden Zahl von Eltern die Zukunft ihrer Kinder nur auf dem Papier oder durch „Reden“ wichtig zu sein scheint, aber ansonsten egal, d.h. sie lassen einen aktiven Einsatz dafür vermissen.

        • „Man hatte z.B. konsequent darauf geachtet, dass die Arbeiten der Schule ordentlich gemacht wurden.“ Das war noch Anfang der 90er so, als ich in die Schule ging.

        • Kleiner Nachtrag: Da war die DDR gerade „Geschichte“, der „alte Geist“ hat aber noch lange weiter existiert. Es stimmt, dass in der DDR Lehrer absolute Respektspersonen waren. Keiner wäre auf die Idee gekommen, das Handeln eines Lehrers öffentlich anzuzweifeln. Hinter vorgehaltener Hand wurde aber auch schon mal gelästert…

  5. „Durch den derzeit stattfindenden Frotalunterricht werden so oder so weniger Schüler aktiviert wie in normalen Zeiten, wo man eine ganze Palette der Schüleraktivierung zur Verfügung hat.“ Stimme voll zu. Ein guter digitaler Unterricht wäre eine Bereicherung gewesen. Man hätte die Pandemie als Chance begreifen und einen Sprung nach vorn machen können, statt die Rolle rückwärts ins Kaiserreich. Die Voraussetzungen dafür sind nicht gegeben, die Digitalisierung ist sehr teuer und m.E. von den Kultusministerien nicht gewollt.

    • Naja, gewollt vielleicht. So von der Idee her. Das betonen sie schließlich immer. Aber: Kostet es Geld, ist es nicht machbar, da das Land pleite ist.
      Ebenso sind viele Schulen/ Schulträger selber schuld. Wie viele (Grund-)Schulen gibt es, die eine hervorragende digitale Ausstattung haben und wie viele, die noch die Ausstattung der 90er haben?! Wenn die Schulen und Schulträger nicht wollen, dann kann die Landesregierung noch so viel Geld bereitstellen.

      • Und weil der IT- Experte des Schulträgers meint, das Konzept des IT-Experten der Schule tauge ihm nicht, da in der Stadtverwaltung andere Systeme und PC- Technik verwendet werden, wurde das vom Schulträger bewilligte Geld ( 45 T Euro) wieder gestrichen und es durfte kein neuer Computerraum eingerichtet werden (2017).

  6. Ich selber bin seit 33 Jahren im Schuldienst. Keiner hätte mit einer solchen Entwicklung gerechnet und ich war, genau wie alle meine Kollegen, gefragt und gefordert. Nachdem die Schule schon vor mehreren Wochen reduziert wieder angelaufen ist, bin ich voll im Dienst. Zwar ist immer nur eine halbe Klasse da, aber ich alsolviere meine volle Stundentafel.
    Und jetzt kommt der Hammer…..Ich soll in den Sommerferien Defizite ausbügeln? Welch absurder Gedanke! Die Wahrheit ist nämlich, dass ein nicht geringer Teil der Schüler die in der Coronapause erteilten Aufgaben einfach ignoriert und demzufolge nicht erledigt haben. Die Eltern, die laut nach Schulöffnungen geschrien haben, haben toleriert, dass Ihre Kinder nichts zu Hause tun. Und ich soll jetzt ich in die Bresche springen?
    Ich hoffe, dass viele Kollegen das ablehnen. Sollen doch die Kultusminister ihren Urlaub opfern und nicht die Lehrer für die Unfähigkeit der Bundesregierung verantwortlich machen.

  7. An meiner Schule haben die meisten Kinder ihre „Home-Aufgaben“ mehr als vorbildlich erledigt. Die Eltern stehen bei uns hinter der Schule und wollen, dass ihre Kinder was lernen. Die wenigen Schüler, die die häuslichen Aufgaben nur zum Teil erledigt haben, sidn diejenigen, die auch sonst durch fehlende Hausaufgaben und Materialien aufgefallen sind. Bei diesen Schülern brauchen wir als Lehrer mehr Handhabe, um einschreiten zu können, wenn zu Hause nicht gelernt wird und ständig Material fehlt. Es handelt sich bei uns um ganz wenige Fälle, bei denen allerdings die Eltern NULL Interesse an der Bildung ihrer Kinder zeigen.

    • Für mich stellt sich die Frage, ob wir als Lehrer – was ich meistens auch tue, weil ich irrsinnigerweise hoffe, dass das Kind anders wird als seine Eltern – da so viel Energie verschwenden sollen.
      Da ist doch einmal die Politik gefordert, Bildungsinteresse zu fördern und durch Kampagnen, die Notwendigkeit von Bildung einzufordern. Dann sollte man sich auch überlegen, welche Leute man durch Steuergelder, die letztendlich von der arbeitenden Bevölkerung kommen, wirklich finanziell unterstützt, wenn sie keine Ausbildung bzw. keinen von außen her gesehenen akzeptablen Job machen wollen.

      Leicht ironisch: Man hat doch auch geschafft, der Bevölkerung einen großen Respekt von dem Coronavirus einzuimpfen, warum geht das nicht mit der Notwendigkeit von Bildung? Ich könnte mir da sogar dafür Werbeflme im Fernsehen und gewisse Pflichtbesuche zuhause vorstellen.

    • Das, was ihr schreibt, kann ich bestätigen.
      Auch ich sehe diese wenigen Fälle, die hier genannt sind oder die ysnp zum Gegenteil zu denen die wollen, darstellt.

      Tatsächlich scheint es seit der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichtes auch bei den anderen zu hapern.
      Während bei geschlossenen Schulen wirklich nahezu alle Familien ihre Kinder unterstützt haben, die Hausaufgaben, trotz Freiwilligkeit, bearbeitet wurden, ist dies nun weniger der Fall.
      Zwar gibt es für die Tage ohne Präsenzunterricht Aufgaben, diese scheinen aber nicht wichtig, werden weniger häufig erledigt, weit mehr Familien steigen wieder aus, haben die Aufgaben nicht einmal ausgepackt, geschweige denn angfangen.

      Es erschreckt mich immer wieder, wie wenig wichtig Bildung vielen ist.

  8. Nach dem Weltkrieg haben Kinder viel, viel mehr verpasst. Teilweise Stoff von mehreren Jahren. Ich verstehe die Aufregung nicht.

    • Die Eltern an unserer Schule, mit denen ich gesprochen habe, sehen das auch nicht panisch. Wie das aber in Großstädten, mit schwierigem Einzugsgebiet aussieht, mag ich nicht beurteilen. Diese Kinder brauchen dann aber auch nach Corona weiterhin mehr Unterstützung und Hilfe. Irgendwann wird man nicht umhin kommen, mehr Erzieher und Sozualarbeiter für Kinder aus schwierigen Lebenslagen einzustellen. Lehrer haben schon eine 50/55-Stundenwoche. Die Sommerförderung muss entweder als Überstunden bezahlt werden, oder man stellt endlich mal zusätzliches Personal ein, was schon lange vor Corona hätte passieren müssen! Die Unterstützungsbedüftigkeit der Kinder und Familien ist doch nicht erst durch den Virus verursacht worden.

  9. Das wäre doch mal eine Aufgabe für die konservativen Politiker. Dafür zu sorgen, dass fragliche Teile der Elternschaft die Schulbildung ihrer Kinder wieder Ernst nehmen. Für die Wirtschaft wäre es außerdem gut.

  10. Zu meiner Schulzeit gab es zwei Kurzschuljahre. Aus unserer Generation ist auch was geworden. Hier wird versucht hintenrum Lehrer für die Ferienbetreuung einzusetzen. Wenn zu viele das freiwillig mitmachen, ist es demnächst Standart.

    • „Wenn zu viele das freiwillig mitmachen, ist es demnächst Standart.“ Mag sein, aber dann muss es auch bezahlt werden, denn es sind Überstunden. Bei uns haben die Eltern eher kaum Interesse an Ferienbeschulung. Sie wollen die Zeit mit ihren Kindern verbringen und in den Urlaub fahren.

  11. Es gibt auch an Gymnasien erhebliche Lernrückstände. Als erstes sollten die Lehrer niederschreiben, welchen Lernstoff sie laut Curriculum behandelt haben und was nicht geschaft wurde. Das kann als erstes für eine Nachholstoffanalyse für das nächste Schuljahr dienen. Ich habe von einigen Lehrern gehört, dass ja niemals der Stoff geschafft wird und daher egal sei oder es wurde auf G9 oder Wiederholung der Klasse im nächsten Jahr verwiesen.

    • Das war in allen vorangegangenen Schuljahren bisher auch schon so. Sollte ein Lehrer in einer Klasse ein Stoffgebiet nicht schaffen (man hat immer mal eine leistungsschwächere Klasse), dann beginnt er (oder der Kollege, der die Klasse übernimmt), im nächsten Schuljahr mit diesem Stoffgebiet. Wiederholt wird der Stoff des vorangegangenen Schuljahres außerdem noch.

  12. Guten Abend. Überlegte jemand jemals wie es einer alleinerziehende /der schaffen kann , nach 8 Stunden Arbeit, 1 Std kochen , 1 Std Haushalt und vieles mehr …..noch hausis 100 % machen zu können. Wo die Kinder alleine daheim hängen ohne Gefährten ! Keine Geschwister ! Wie nennen sie denn diese Leute und ihre Kinder? Wo bleibt der Auftrag der Schule wenn Kinder schon mit Abitur am besten in die 1.te klasae kommen sollen ,dämit die armen Lehrer nicht so viel zu tun haben .

  13. Unsere Kinder haben schon vor der Schließung Aufgaben für mehrere Wochen bekommen es war kein Zuckerschlecken für Kinder und Eltern. Das einzige was ausgefallen ist war Musik und Sport. Die Kinder haben alle Themen gelernt und waren ohnehin dank ihrer Lehrerin bereits fast mit dem Stoff der zweiten Klasse durch. Ich bin alleinerziehende Mutter und musste jeden Tag zur Arbeit und es war uns trotzdem möglich zwei Stunden zu lernen. Da es zu Hause sehr intensiv ist habe ich inzwischen sogar den Eindruck das mein Kind wesentlich mehr gelernt hat als jetzt im Präsenzunterricht. Ich bin inzwischen aber auch am Ende meiner Kapazität und freue mich auf die Ferien wo ich mein Kind selbstverständlich auch ein wenig mit dem Stoff der 3.Klasse vertraut machen kann ich finde auch Eltern tragen da einen Teil der Verantwortung und die sollte man diesbezüglich auch einfordern und nicht immer nur Schulen, Lehrer und den Steuerzahler.

    • Die Ursache des Problems, das Sie hier schildern, ist der Lehremangel. Dadurch kann dann kein regulärer, normaler Unterricht stattfinden und die Kinder müssen zu Hause Lerninhalte erarbeiten, die im Normalfall von einem ausgebildeten Lehrer vermittelt werden müssten. Das ist der stille Skandal, den wir alle seit Jahren scjweigend mittragen. Steuerzahler sind wir auch alle, unser Steuergeld wird aber nicht systemverbessernd in die Schulen gesteckt. Da sind andere Bereiche aus Sicht der Politik wichtiger. Den Politikern waren die Kinder und deren Bildung im Grunde immer schon nicht so wichtig.

  14. Die Ursachen der ganzen Problematik liegt weit zurück. Wie bereits eine Vorschreiberin erwähnte, sind Förderstunden schon seit Jahren (Jahrzehnten?) gestrichen. Nur ständiges Üben legt den SuS wirklich eine Grundlage für das nächste Schuljahr und für das Leben.
    Insofern sind die Lernbrücken in den Sommerferien nur das sprichwörtliche Pfeifen im Walde…

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