Gewerkschaft befürchtet eklatanten Lehrermangel

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HANNOVER. Ob die Schulen Ende August zur Normalität zurückkehren werden, hängt vom Infektionsgeschehen ab. GEW-Chefin Laura Pooth rechnet mit großen personellen Lücken – und die hätten nichts mit Corona zu tun.

Nach den Sommerferien werden an Niedersachsens Schulen nach Einschätzung der Bildungsgewerkschaft GEW Hunderte Lehrerinnen und Lehrer fehlen. «Wir haben einen riesigen Personalmangel», sagte GEW-Landeschefin Laura Pooth. Der Mangel sei besonders eklatant an Haupt-, Real- und Oberschulen.

Wird der Lehrermangel nach den Sommerferien ein Problem? Foto: ceiling / flickr / CC BY 2.0

Bisher hätten viele Gymnasiallehrer an diesen Schulformen ausgeholfen, doch ein großer Teil werde zum neuen Schuljahr wegen der Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren an die Gymnasien zurückkehren. «Uns fällt das chronisch unterfinanzierte Schul- und Bildungssystem auf die Füße», sagte Pooth. Sie habe die Sorge, dass die Politik die Corona-Krise für die Personallücken verantwortlich machen werde. Dabei gehe es um Versäumnisse der letzten Jahre.

Nach eigenen Angaben gehören in Niedersachsen 17 Prozent der Lehrkräfte wegen Vorerkrankungen zur Risikogruppe. Doch nur sechs Prozent arbeiteten im Mai wegen der Corona-Pandemie laut einer GEW-Umfrage ausschließlich im Homeoffice. Die Lehrkräfte begeben sich mit dem Präsenzunterricht in gesundheitliche Gefahr, um ihre Kollegen nicht im Stich zu lassen, wie Pooth sagte: «Das zeigt auch, wie groß die Motivation ist.»

Die Unterrichtsversorgung an den niedersächsischen Schulen lag im ersten Halbjahr 2019/2020 bei 99,6 Prozent (Stichtag 29. August). Laut Kultusministerium wurden 2019 rund 900 Lehrer mehr eingestellt als in den Ruhestand gingen. Zahlen für das zweite Halbjahr liegen noch nicht vor. Der kurzfristige Ausfall von Schulstunden wegen Erkrankungen ist bei der Unterrichtsversorgung nicht eingerechnet. Zudem sind es Durchschnittswerte, an Hauptschulen lag die Quote nur bei 94,3 Prozent. Die oppositionelle FDP im Landtag forderte bereits 1250 weitere Vollzeitstellen, um den Zusatzbedarf zu decken, der durch den ersten 13. Jahrgang an Gymnasien entsteht.

In der Corona-Zeit sei die Arbeit der pädagogischen und therapeutischen Fachkräfte an den Schulen immens wichtig, sagte die GEW-Chefin. Derzeit wollen laut Pooth fast 850 dieser in Teilzeit Beschäftigten auf eine Vollzeitstelle aufstocken, aber etwa 500 würden in Zwangsteilzeit gehalten. «Das ist ärgerlich und nicht nachzuvollziehen.» (dpa)

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