Infektionen steigen auch an Grundschulen rasant – Maske im Unterricht

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HAMBURG. In Hamburg müssen seit Mittwoch auch Grundschüler im Unterricht in der Schule eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Darüber hatte Schulsenator Ties Rabe (SPD) in einem Schreiben an die Schulleiter informiert. Der Grund: Das Infektionsgeschehen an den Schulen weitet sich aus – auch an den Grundschulen.

Grundschüler müssen im Unterricht der Hamburger Grundschulen nun Maske tragen. Foto: Shutterstock

Behördensprecher Peter Albrecht erklärte die Vorgabe damit, das Infektionsgeschehen an Schulen habe in den vergangenen zwei Wochen deutlich zugenommen – auch an Grundschulen. Es handele sich jedoch ausdrücklich um eine zeitlich befristete Vorgabe bis zum 8. Januar. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt eine Maskenpflicht für alle Schüler im Unterricht ab einem Inzidenzwert von 50. Hamburg liegt jetzt bei 150. Bildungssenator Ties Rabe (SPD) hatte die Empfehlungen des RKI, zu denen auch Wechselunterricht gehört, „seltsam“ genannt und wie alle anderen Kultusminister verworfen.

An Hamburgs Schulen wurden am Montag 56 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Von den Infizierten sind 47 Schüler und 9 Schulbeschäftigte an insgesamt 43 Schulen, teilte die Schulbehördemit. Dabei handele es sich meist jeweils um einzelne Infektionen pro Schule. Im Wochenvergleich sei die Anzahl der Neuinfektionen damit um 24 Prozent gestiegen. Die Gesundheitsämter haben sechs Klassen in präventive Quarantäne versetzt.

Insgesamt haben zurzeit 192 Schulen 433 Menschen mit einer Corona-Infektion gemeldet, das sind 4 mehr als am letzten Schultag. Betroffen sind laut Bildungsverwaltung 340 Schülerinnen und Schüler  sowie 93 Schulbeschäftigte. In Quarantäne befänden sich derzeit 97 Klassen sowie 299 Schulbeschäftigte.

Klassenarbeiten können verschoben werden, wenn die betroffenen Schüler das mehrheitlich wünschen

Bis Dienstag mussten Eltern den Schulen mitteilen, ob ihre Kinder bis zum 8. Januar am Präsenz- oder am Fernunterricht teilnehmen sollen. Um große Härten für Schüler der Abschlussklassen aller Schulformen zu vermeiden, sollen hier bereits geplante Klausuren und Prüfungen auch in der Zeit vom 16. Dezember bis 8. Januar stattfinden. Sie können verschoben werden, wenn die betroffenen Schüler das mehrheitlich wünschen, teilte die Schulbehörde mit. Ausnahmen solle die jeweilige Schule regeln.

Am Mittwoch wollte die CDU-Fraktion einen Antrag in die Bürgerschaft einbringen, um die gesetzlichen Grundlagen für eine Unterrichtsübertragung per Video zu schaffen. «Der Schulsenator muss nun schnellstmöglich handeln und darf dies nicht weiterhin auf die lange Bank schieben», sagte ihre schulpolitische Sprecherin, Birgit Stöver. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte habe dem Senat bereits im Mai eine Beratung angeboten, um Digitalunterricht als Videostreaming aus den Klassenräumen rechtlich zu ermöglichen. dpa

Rabe vs. Wissenschaft: Wie der Hamburger Bildungssenator die Debatte verzerrt

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13 KOMMENTARE

  1. „Am Mittwoch wollte die CDU-Fraktion einen Antrag in die Bürgerschaft einbringen, um die gesetzlichen Grundlagen für eine Unterrichtsübertragung per Video zu schaffen.“

    In welcher Welt leben die denn? Das hätte man im MÄRZ oder APRIL tun müssen! Im Sommer wäre genug Zeit gewesen, um all die technischen Grundlagen zu schaffen, statt naiv darauf zu hoffen, dass die Schulen ein sicherer Ort sind.

    Dass sich auch Grundschüler infizieren, ist klar. Dessen ungeachtet haben ja schon mehrere KM damit gedroht, ab 10.1. die Grundschulen wieder wie gehabt (also ohne wirksamen Schutz) laufen lassen zu wollen.

    • „Der Hamburger Datenschutzbeauftragte habe dem Senat bereits im Mai eine Beratung angeboten, um Digitalunterricht als Videostreaming aus den Klassenräumen rechtlich zu ermöglichen.“

      Diesen Satz finde ich den Artikel sogar noch viel spannender. Da hat die zuständige Stelle proaktiv im MAI dem Senat, also auch dem Schulsenator, seine Hilfe angeboten, die rechtlichen Grundlagen zu schaffen.

      Das damit dann noch lange nicht auch die technischen und infrastrukturtechnischen Vorraussetzungen geschaffen sind ist klar. Aber es wär zumindest ein Anfang gewesen.

      Im November hatte ich einer Elternratssitzung den Schulleiter der Schule meiner Söhne gefragt, ob nicht für die Kinder in Quarantäne eine digitale Teilnahme am Unterricht per Video-Stream möglich wäre. Antwort des Schulleiters: Die Schule hat Equipment für einen Video-Stream. Die Menge reicht aber nicht um alle in Quarantäne befindlichen darüber zu versorgen. Entscheidender ist aber, aus datenschutzrechtlichen Gründen ist dies nicht möglich.

  2. Ich finde das alles einfach nur noch unmenschlich, vor allem allen Anwesenden in Schulen gegenüber mit wöchentlich an die 100-200 Kontakten.
    Wie viele täglich sterben und sich neu infizieren, wissen wir längst. Wie gefährlich dieses Virus sein kann, auch. Dass die Zahlen sich an allen Schulen entsprechend den Infektionszahlen häufen – ebenso. Kleinere Kinder haben vor allem stille Infektionen, wer noch glaubt, Schule sei sicher, der gehört zur Gruppe der Corona Leugner.
    Nur Lüften reicht einfach nicht. In Grundschulen muss mindestens Wechselunterricht mit reduzierter Stundentafel plus Maskenpflicht sein. Ebenso ein Stundenplan, der auch für Lehrer vorsieht, Kontakte zu reduzieren. Dass es gehäufte Fälle an Schulen gibt, ist kein Mythos.

    Alles andere: FFP Masken, Luftreiniger, frühzeitige Impfung, vermehrte Testungen, strikte Quarantäne Regelungen (nicht nur der Nachbar) wären wichtige Hilfsmittel, um Schule irgendwie zu gewährleisten. Wenn das der Politik zu schwer ist, sollten sie sich zunächst auf die am schnellsten umsetzbaren Lösungen konzentrieren. Nur auf im vollen Präsenzbetrieb ohne Masken oder komplett zu (mit der Vorlaufzeit von 2 Tagen) kann keine dauerhafte Lösung sein.
    Wenn es stimmt, dass Lehrer erst ab September 2021 geimpft werden können, sollte ein übervorsichtiges aber gut strukturiertes Modell für alle Schulen in Deutschland herrschen. Das Hin und Her führt zu mehr Problemen und mitunter auch Infektionen. Der Stufenplan in Berlin ist übrigens eine Farce. Wechselmodell erst ab 200er Inzidenz, wo Infektionsketten nicht mehr nachvollzogen werden können.

    Hinzu kommt der chronische Lehrkräftemangel…so schnell kommt Deutschland aus diesem Dilemma nicht heraus. Sollen wirklich noch mehr Langszeitkranke oder, ich will es nicht sagen, hinzukommen?

    • „Wenn das der Politik zu schwer ist, sollten sie sich zunächst auf die am schnellsten umsetzbaren Lösungen konzentrieren.“ Das hat doch die Politik. Lüften. Unser Klassenzimmer ist nach dem Lüften im 20-Minuten-Takt nach der zweiten Stunden meist ausgekühlt. Alle frieren. Sowas würde man keinem Politiker zumuten. Kindern im Alter von 6 bis 10 Jahren schon. Die können noch nicht selbst wählen und ihre Interessen sind somit von geringerem Belang.

  3. Parallel zu dem ganzen Pandemie-Irrsinn innerhalb und außerhalb von Schulen findet man heute dann solche Pressemitteilungen der Hamburger Schulbehörde.

    https://www.hamburg.de/bsb/pressemitteilungen/14754336/2020-12-17-bsb-klimafreundlicher-schulbau/

    Alles wichtig, alles gut … ABER es gibt gerade aktuell brennendere Themen rund um Schule, die es nicht vertragen, wenn sie 2-3 Monate verschoben werden.

    Davon, dass das Timing menschlich gesehen extrem unsensibel ist, mal ganz von ab.

  4. Zum Titel:
    Wer hätte DAS gedacht?
    DAS konnte ja nun wirklich NIEMAND
    ahnen!
    Und täglich ein neues „HUCH“ von ganz oben….

  5. Ein schöner Artikel, den man gut auch als Kommentar an andere Artikel hier auf news4teachers heften könnte.

    https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2020/Schulschliessungen-Wankelmut-und-Wirrwarr,corona5862.html

    @Redaktion Schaut es euch einmal an.
    Ist aber auch sonst für jeden lesenswert.

    Hier schon mal einige Highlights aus dem Artikel:

    „… werden die Ergebnisse einer Studie zum Infektionsgeschehen an deutschen Schulen erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 vorliegen. Das gemeinsam mit der Kinderklinik der Universität Köln beauftragte Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) teilte dazu mit, das entsprechende Projekt sei am 10. Dezember gestartet, mit einer Laufzeit von neun Monaten. „Mit den vollständigen Ergebnissen ist also erst danach zu rechnen“, sagte Sprecher Andreas Fischer.“

    Mikrobiologe Michael Wagner: „Wenn ich nur die infizierten Kinder anschaue, und dann frage, gibt es noch andere nachgewiesene Infektion an den Schulen, ohne dass ich auch asymptomatische Kinder teste, dann kann ich keine Aussage machen, woher das Virus stammt. Also, wenn der Franz infiziert war, hat man dann die ganze Klasse getestet oder hat man nur gesagt, gibt es noch andere nachweislich Infizierte in der Klasse vom Franz? Eine Aussage kann ich nur machen, wenn ich zumindest die ganze Klasse von den infizierten Schülern getestet habe, und zwar nicht nur nicht nur einmal.“

    „Auf Nachfrage von Panorama gab die Hamburger Schulbehörde an, ihr sei als Publikationstermin „Januar 2021 avisiert“ worden. Wie eine sorgfältige wissenschaftliche Datenauswertung, die man erst im November beauftragt hat, und deren Projektbeginn am 10. Dezember war, bereits einen Monat später publiziert werden könnte, ließ die Behörde offen.“

    „Auch Michael Wagner, dessen Studie in Österreich während des Schuljahres 2020/21 alle drei bis fünf Wochen 10.400 Schüler und deren Lehrer an 243 repräsentativ ausgewählten Schulen testet, warnt: „Wenn das Infektionsgeschehen draußen hoch ist, kann ich eine Schule nicht so schützen, dass dort keine Übertragungen stattfinden. Ich habe das nie ganz verstanden, wie man sagen kann, in den Schulen passiert nichts, warum sich die Politik so verliebt hat in diese These. Es war ein politisches Narrativ, weil das natürlich vieles erleichtert, wenn es so wäre. Aber es ist ein wenig Wunschdenken. Und es ist auch ein wenig Kopf in den Sand stecken.““

  6. So lange für die Mehrheit der Eltern egal ist, ob in den Schulen der allgemein gültige Infektionsschutz eingehalten wird, und dieser demnach auch nicht von den Eltern eingefordert wird, wird sich auch nichts am Präsenzunterricht ändern.
    Es müssen erst landesweit! mehr „Nachweise“ erbracht werden, auch erst mehr Kinder und Lehrer sterben?
    Offensichtlich kümmert es tatsächliche die Minderheit der Eltern nicht genug, auch von aktiven Schulpflegschaften hört/ liest man kaum etwas.

    Ich frage mich ernsthaft woran das liegt?

    Manchmal habe ich bei einigen Eltern leider den Eindruck, das für sie das Virus draussen harmloser zu sein scheint, als die Betreuung der eigenen kids zu Hause.

    Ich würde mich freuen, falls ihr anderes berichten könnt, dies zu lesen. Ich hoffe ja immernoch…

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