Rabe vs. Wissenschaft: Wie der Hamburger Bildungssenator die Debatte verzerrt

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Ein Zwischenruf von News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek.

HAMBURG. Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe, als Sprecher der SPD-geführten Kultusministerien in Deutschland auch bundesweit nicht ohne Einfluss, hat in der Sendung „Markus Lanz“ „eine verkürzte Diskussion in der Wissenschaft“ um Schutzmaßnahmen in Schulen gegen Corona-Infektionen kritisiert. „Die Vorstellung, dass Deutschland ein ‚großer Einheitsbrei‘ ist, das passt nicht wirklich.“ Wer diese Wissenschaftler sein sollen, die generelle Schulschließungen oder Wechselunterricht für alle fordern, verriet Rabe in der Sendung allerdings nicht.

Ist sich sicher: Hamburger Bildungssenator Ties Rabe. Foto: Senatskanzlei Hamburg / Michael Zapf

Warum, so hatte Rabe zuvor rhetorisch gefragt, sollten Schüler in niedersächsischen oder schleswig-holsteinischen Landkreisen zu Hause bleiben müssen, wenn die Infektionszahlen in Bayern zu hoch seien? Seine Behörde, so Rabe, habe sich „große Mühe“ gegeben zu erkunden, woher die Corona-Infektionen an den Schulen kämen. Das Ergebnis beunruhige ihn wenig: Nur eine von fünf Ansteckungen waren ursächlich in der Schule entstanden, 80 Prozent kamen aus dem Freizeitbereich der Kinder – behauptete Rabe.

Tatsache ist allerdings, dass aus der Wissenschaft überhaupt keine Forderung kommt, den Schulbetrieb in Deutschland generell einzuschränken. Die Leopoldina empfiehlt in ihrer aktuellen Stellungnahme den Ländern dringend, einen Schwellenwert von Neuinfektionen festzulegen, ab dem Schutzmaßnahmen in Schulen (die außerhalb der Schulen ja selbstverständlich sind) greifen sollen. Das Robert-Koch-Institut sieht ab einem Inzidenzwert von 50 vor, Schulen in den Wechselunterricht zu nehmen und eine Maskenpflicht im Unterricht aller Jahrgänge, also auch der Grundschulen zu erlassen. Das wäre kein „Einheitsbrei“, das wäre lediglich ein einheitlicher Maßstab – den die Länder, auch Hamburg, leider seit Monaten verweigern.

Rabe hatte schon im Mai Kinder und Jugendliche für praktisch immun gegenüber Corona-Infektionen erklärt

Logisch gerechtfertigt wären unterschiedliche Maßstäbe für den Umgang mit dem Coronavirus nur, wenn sich beispielsweise in Hamburg eine weniger gefährliche Variante als in Bayern verbreitet hätte. Das allerdings hat noch nicht einmal der Bildungssenator der Hansestadt, der seine Thesen öffentlich forsch vorträgt und schon im Mai Kinder und Jugendliche für praktisch immun gegenüber Corona-Infektionen erklärt hatte, bislang vertreten.

Dafür behauptet er, dass in Schulen kaum Infektionen stattfinden. Als Beleg führt er seit Wochen eine – intransparente – Erhebung seiner Schulbehörde an, so auch gestern Abend. Dass diese Datensammlung medial zerpflückt wurde, dass es dabei schon peinlich deutlich nicht um Aufklärung, sondern um Bestätigung des Kurses geht (Tagesspiegel: Hamburger Zahlenspiele, um die Schulen offen zu halten“), ficht Rabe nicht an. Offenbar hat der SPD-Politiker von Populisten gelernt, dass man selbst Unsinn nur oft genug wiederholen muss, bis ein nennenswerter Teil der Öffentlichkeit daran glaubt.

Die Leopoldina hatte in ihrer aktuellen Stellungnahme, an der auch RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler beteiligt ist, festgestellt: „Eine effektive Kontaktnachverfolgung ist vielfach nicht mehr möglich.“ Schon Anfang Oktober war auf einer Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel festgestellt worden, dass drei von vier Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar sind. In Hamburg, so will Rabe glauben machen, ist das  anders. News4teachers hatte versucht, das Geheimnis zu ergründen, wie die Hamburger Schulbehörde schafft, was den Gesundheitsämtern in Deutschland nicht mehr gelingt. Die Antwort der Pressestelle blieb im Vagen: „In Hamburg kooperieren die Schulleitungen sehr eng mit den regionalen Gesundheitsämtern bei der Kontaktnachverfolgung.“ Eine Nachfrage, was das denn konkret bedeutet, blieb ohne Antwort.

Mit die größten in Deutschland registrierten Corona-Ausbrüche an Schulen fanden in Hamburg statt

Von den drei größten bislang in Deutschland registrieren Corona-Ausbrüchen an Schulen fanden zwei an Hamburger Schulen statt – mit jeweils Dutzenden von infizierten Schülern und Lehrern. Wie das möglich ist, wenn die Infektionen doch praktisch nur in der Freizeit stattfinden, auch das wäre durchaus mal eine Erklärung von Herrn Rabe wert. News4teachers

Größter Ausbruch an Schule in Deutschland – ausgerechnet in Hamburg (wo der Bildungssenator am Vortag die Schulen für sicher erklärt hat)

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56 KOMMENTARE

  1. Vor allem hat Rabe wieder einmal das scheinlogische Narrativ von den angeblich durch Schulschließung vermehrten Ansteckungen zuhause aufgewärmt und sich mehrfach zu der Behauptung verstiegen, die Befreiung vom Präsenzunterricht verführe geradezu zu verstärkten Treffen mit Freunden, Bummelzügen durch die Stadt etc.
    Dazu Folgendes:
    – Die Alternative eventuelle Ansteckung in der Schule vs. wahrscheinliche Ansteckung in der Familie existiert gar nicht, da die SuS mehrheitlich nicht im Internat in Einzelzellen leben, sondern nach der Schule dem ‚Ansteckungsort Familie‘ sowieso und also zusätzlich ausgesetzt sind.
    – Befreiung von der Präsenzpflicht entbindet die SuS weder von der Teilnahme am digitalen Unterricht, ist also keine Freistellung im Sinne von ‚Blaumachen‘, noch von den verhängten Kontaktverboten. Gegen eventuell vormittags herumstreunende Scharen von Jugendlichen sollte natürlich in jedem Fall durch in der Stadt gerne überall präsente Ordnungskräfte konsequent vorgegangen werden: Bußgelder an die Eltern, die können ja dann die Weihnachtsgeschenke für die Zöglinge streichen, wenn diese meinen, sie müssten sich in Pandemiezeiten einen extra schönen Lenz machen.

    Auffällig war auch, dass Rabe mit keinem Wort auf das schlagende Argument von Robin Alexander einging, der zu bedenken gab, dass niemand ihn in die Stadt und in Kaufhäuser zwinge, dass seine Kinder aber sehr wohl in die Schule gezwungen würden, weshalb die Schulen für ihn der sensibelste Punkt in der Pandemiebekämpfung seien und zuallererst mit Befreiungs- bzw. Einschränkungsmaßnahmen bedacht werden müssten.

    Auf diesem Ohr sind allerdings die Herren und Damen Schulminister immer taub, der Unterschied zwischen Recht auf Bildung als Normalität und Pflicht zur Bildung auch unter Lebensgefahr will ihnen einfach nicht eingehen.

    Gefreut hätte es mich, wenn jemand einen Herrn Rabe, ehemaligen Lehrer, mal gefragt hätte, ob er die gleiche Politik befürworten würde, wenn er selbst immer noch Lehrer wäre und seinen Sicherheits- und Unversehrtheitsanspruch der Statistik (nur soundsoviel Promille infizierte Lehrer …) unterwerfen müsste.
    Ja, Lehrer sind Beamte, richtig, aber Lehrer sind keine Soldaten, Herr Rabe, Tonne, Frau Gebauer, Prien und wie sie alle heißen. Oder hab ich bei meiner Vereidigung was verpasst?

  2. Und leider ist auch kein/e Naturwissenschaftler/in in der Runde. Hauptsächlich JuristInnen und SprachlerInnen oder GesellschaftswissenschaftlerInnen.
    Da fehlt wahrscheinlich etwas ganz Grundsätzliches, was – siehe Koogle – auch keine/r zu lernen bereit ist.
    Ich gehe aber davon aus, dass die Runde bestens darüber informiert ist, dass keine/r von ihnen im Ernstfall rechtlich belangt werden kann. Über so etwas wie ethisch-moralische Skrupel scheinen die Herrschaften ja sowieso erhaben zu sein.

  3. „Nur eine von fünf Ansteckungen waren ursächlich in der Schule entstanden, 80 Prozent kamen aus dem Freizeitbereich der Kinder – behauptete Rabe.“

    Es ist ganz augenscheinlich, Aussagen, die nicht gefallen, sind Behauptungen. Aussagen, die gefallen, sind „Tatsachen“. 🙂 Aber so ist es ja immer. In diesem Falle verweise ich nur darauf, dass nicht nur Herr Rabe, sondern auch verschiedene andere Studien und Fachleute (z.B. die hier vielgescholtenen Kinderärzte) darauf verweisen, dass Schulen KEINE Infektionsherde sind und die Ansteckungen zumeist außerhalb passieren.

    • Aussagen, die nicht auf fundierten Quellen beruhen, sind Behauptungen. Das müssten Sie, @Oka, doch am besten wissen. Sie sind praktisch das Paradebeispiel dafür 😉
      Nennen Sie bitte Belege (aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen, Studien), die die Behauptung: „Schulen [sind] KEINE Infektionsherde“ stützen.

      • @Bauklötzchen: Die einen möchten von mir Quellen; die anderen beschweren sich, dass ich ständig meine Kommentare mit Quellen verlinke und prosten in die Welt hinaus, dass sie die aber keinesfalls lesen würden, das solle ich ja nicht glauben.

        Was denn nun? Quellen oder nicht? Ich weiß schon, nur solche, die Ihre Meinung unterstützen.

    • @Oka
      Dann verweisen Sie mal schön weiter auf verschiedene andere Studien und Fachleute die ihre Ansicht und die der Kultusminister stützen.

      Studien, die das Lüftungskonzept als das Beste präsentieren, und die auf Untersuchungen und Messungen in einem 190 qm-Klassenraum fußen sind einfach Quatsch. Oder will mir irgendjemand erzählen, dass das die durchschnittliche Klassenraumgröße in Deutschland ist.

      Studien, die Infektionsgeschehen unter Schülerinnen und Schüler relevant aus Zeiträumen mit Schulschließung, Wechselunterricht oder Sommermonate mit einbeziehen taugen auch nicht die Bohne.

      Diese beiden Beispiele nur mal als Anregung zum Nachdenken.

      • @Mutter aus HH

        Liebe Mutter aus HH,
        „mal als Anregung zum Nachdenken“ – ob das bei Oka auf fruchtbaren Boden fällt?
        Wir werden ganz bestimmt bald überrascht … Wenn im Finale bei „The masked KM“ das Oka-Kostüm abgelegt wird.
        😉

        • Ja.
          Ich bin sehr gespannt, wer sich dann outet.
          Frau Gebauer, Herr Rabe, Frau Hubig, Frau Eisenmann.
          Oder die Herren und Damen Staatssekretäre?
          Oka versucht zumindest Alles, um die Challenge des menschen- und grundrechtsverweigernden Zahlenlegastheniker zu gewinnen.Das muss man erstmal über Wochen und Monate durchhalten können.
          Mir tun die Menschen leid, die direkt in Ihrem Umfeld mit Ihnen konfrontiert sind, Oka!

          • Sorry, es tut mir leid, ich wurde schon als „die Berliner Amtsärzte“ geoutet, die alle keine Ahnung haben. 🙁

      • Telegramm angekommen. Steht aber was ganz anderes drin: „Schwurbelwoanders vermisst.“ Von: Kindergarten.

        Bitte melde dich schnell. Die machen sich schon Sorgen!

        • @Oka
          Berliner Amtsarzt?
          Da habe ich doch tatsächlich einen Ihrer Beiträge verpasst.
          Da könnte ich beinahe froh sein, nicht in Berlin zu leben und zu arbeiten.
          Wenn ich nur nicht im Laschet-Gebauer-Land gelandet wäre.

  4. Wenn die Chaoten, die die Bildungsministerien leiten, seit dem Frühjahr an einen Plan B gearbeitet hätten, würde man jetzt nicht Russisch Roulette mit der Gesundheit von Lehrern. Schülern und deren Familien spielen. Es gab genug Zeit, Klassen mit Luftfiltern auszustatten und mit etwas Phantasie hätte man durch folgende Maßnahmen die Klassen teilen
    und 2 Schichten fahren können: Samstagunterricht (im 14tägigen Wechsel nur Nebenfächer)Kurzstunden (3×40 Minuten, 15’Minuten Pause, 3x40Minuten, Unterrichtsschluss der 1. Schicht, 12.30 Uhr oder 11.40 Uhr, Beginn der 2. Schicht, Verringerung der Stundenzahl pro Fach Vorgriffstunden für Lehrer (Überstunden die dann in der Zukunft abgebaut werden). Das ist alles nichts Neues. Samstagunterricht mit Kurzstunden gab es in NRW bis Anfang der neunziger Jahre, Vorgriffstunden mussten die Pädagogen auch in den neunziger Jahren leisten. Dummerweise hat man in den Bildungsministerien, wie Trump, nicht auf die Wissenschaft gehört und gehofft, die zweite Welle würde nicht so schlimm.

  5. Wieso werden Sie, Herr Priboschek, eigentlich nicht mal zu so einer Runde eingeladen? Mittlerweile dürften Sie doch auch dem Markus bekannt sein?
    Ich vermute doch glatt, dass sich bei der Bekanntmachung der Gästeliste sämtliche KM ausladen würden.

  6. Herr Rabe hatte in seiner Kindheit wohl zu wenig Mathematikunterricht. Er sagt:“Warum, so hatte Rabe zuvor rhetorisch gefragt, sollten Schüler in niedersächsischen oder schleswig-holsteinischen Landkreisen zu Hause bleiben müssen, wenn die Infektionszahlen in Bayern zu hoch seien?“…

    Ich wusste noch nicht das ein Wert von 127 pro 100.000 Einwohner niedrig ist, wenn es noch vor kurzer Zeit hieß, ab einem Wert von 50 auf 100.000 haben wir ein Risikogebiet…. Unglaublich, wenn dieser Mann in der nächsten Legislaturperiode im Amt beliebt, lege ich mein Arbeit nieder oder Wechsel das Bundesland!

  7. *Ironie an* HURRA *Ironie off*

    KMK Rabe erlaubt (unter Umständen und mit einer Menge Stolpersteine) an 23 von 158 Hamburger Schulen in den Klassenstufen 8 und 11 und an Stadtteilschulen auch Klasse 12 Hybridunterricht für maximal 6 Wochen bzw. bis zum Ende des Schulhalbjahres.

    https://www.hamburg.de/bsb/pressemitteilungen/14736078/2020-12-10-bsb-wechselunterricht-fuer-23-schulen-ab-klasse-8/

    Zur Einordnung der Zahlen:
    Hamburger Schulen im Schuljahr 2019/20
    (Erläuterung: Ohne Erwachsenenbildung.)
    Hamburg hat 412 allgemeinbildende Schulen, davon 75 Privatschulen.
    Es gibt 223 Grundschulen, 85 Stadtteilschulen, 73 Gymnasien und 31 Sonderschulen.
    Von den 26 staatlichen Sonderschulen sind 13 spezielle Sonderschulen und 13 Regionale Bildungs- und Beratungszentren (ReBBZ).

  8. Ich bitte hier mal um Aufklärung:
    Wie kann es sein, dass die BildungsministerInnen fast aller 16 Bundesländer, unabhängig ihrer Parteifarben, sich derart einig sind in ihrer Ablehnung wissenschaftlicher Fakten, wissenschaftlicher Ratschläge, der Meinung von Experten und Profis im Schulbetrieb, der Bitten von betroffenen Eltern und der juristisch gegebenen Verantwortung für die ihnen unterstellten Beamten, genannt „Fürsorgepflicht“? Ich habe von keiner dieser Herrschaften bislang auch nur ein einziges plausibles Argument gehört. Stattdessen werden empirische Daten lange Zeit nicht erhoben, dann unterdrückt, dann verfälscht und jetzt aktuell einfach geleugnet. Einzige Rückendeckung dafür kommt von ein paar Kinderärzten, die bislang in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung getreten sind, plötzlich aber die große mediale Bühne suchen und bekommen.
    Ich bin nun wahrlich kein Freund von Verschwörungstheorien, aber eine derartige Einigkeit bei ansonsten notorisch zerstrittenen Politikern kann doch nicht ganz zufällig sein. Da muss es doch zumindest ein gemeinsames Motiv geben, warum man mit aller Gewalt die Kinder in die Schule treiben will. Aber welches?

    • Vielen Dank, genau das wundert – und erschüttert – mich auch seit Wochen! Und wie kann ein Mediziner als Hamburger Bürgermeister die unwissenschaftliche Brühe aus Rabes Feder und Munde tolerieren, und wie Herr Lauterbach?

      • @Dompteur, Eltern müssen tatsächlich arbeiten gehen. Lehrer und Erzieher bekommen davon ihr Gehalt.

        Is tatsächlich so. Oder greifen wir mal den Vorschlag auf, dass alle Beamten und Politiker auf ihr Weihnachtsgeld verzichten und damit die Coronahilfen finanziert würden?

        • Lieber Oka, die Lehrer in NRW bekommen schon seit Jahren kein Weihnachtsgeld mehr. Und auch wenn Sie anderes andeuten: für ihr Gehalt müssen die auch arbeiten, immerhin über 50 Stunden pro Woche im Durchschnitt und auch in den Weihnachts“ferien“. Dafür finanzieren die dann nicht nur privat ihre Masken und ihr gesamtes Arbeitsgerät, sondern sponsern auch immer wieder Klassenfeiern und Bastelmaterial für die Kinder, Fördervereine und Spendensammlungen an der Schule oder auch die Einrichtung und Sanierung von Schulräumen. Was spendieren Sie denn Ihrem Arbeitgeber oder dem Steuerzahler allgemein aus Ihrer privaten Tasche?

          • Lieber Tacheles, anderswo bekommen Lehrer/Beamte aber noch Weihnachtsgeld.

            NRW-Lehrer bräuchten sich also einfach nur nicht zu ärgern, denn sie bekommen ja keins mehr.

        • P.S.: Und Sie werden es nicht glauben, auch die allermeisten Lehrer sind Eltern. Die haben im ersten Lockdown Homeoffice gestemmt, während die eigenen Kinder irgendwie nebenher laufen mussten, und trotzdem sind sie sicher, dass das besser ist, als reihenweise Kinder, Eltern und Großeltern krepieren zu lassen, nur damit sich irgendein Hanswurst im Ministerium profilieren kann. Sollte Ihnen das nicht zu denken geben?

          • Woher wissen Sie, dass alle Lehrer das besser finden, zuhause zu bleiben und Fernunterricht zu machen? Die meisten, die ich kenne, machen lieber Präsenzunterricht.

          • Also wie wollen Sie denn jetzt diskutieren, Oka? Wenn es gegen Lehrer geht, und Sie nur das Schlechteste annehmen wollen, dann pauschalisieren Sie was das Zeug hält. Wenn es darum geht, auch deren Leistungen anzuerkennen und die öffentlichen Stellungnahmen aller relevanten Verbände wahrzunehmen, dann wollen sie mit dem Skalpell differenzieren.
            Im Übrigen habe ich nie behauptet, Lehrer würden in der Masse gern Distanzunterricht betreiben, im Gegenteil. Da wollten Sie mich wohl missverstehen, um sich nicht auf eine sachliche Argumentation einlassen zu müssen, oder? Ein unbedarfter Beobachter könnte glatt meinen, Sie trieben sich hier nur als Troll herum, um wie so manches schlichte Gemüt über Lehrer zu lästern.

          • Lieber Tacheles,

            der Trollvorwurf scheint mir sehr beliebt und doch immer auch sehr hilflos zu sein. Wenn einem nichts anderes mehr einfällt (deshalb spare ich ihn mir).

            Wo genau habe ich denn unzulässig pauschalisiert. Ich werde gerne einräumen, dass das nicht für alle gilt. Tut es ja nie.

            Als ich die Idee eines bekannten Wissenschaftlers (Name vergessen) zum 13. Monatsgehalt der Lehrer angesichts der Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit anderer vorbrachte, wandten Sie ein, dass Lehrer in NRW schon lange kein Weihnachtsgeld mehr bekämen. Ja, Gott, dann beträfe das die eben nicht. Es ist nur kein Argument, um die Idee insgesamt zurückzuweisen.

            Irgendwo meinte ich gelesen zu haben, dass Sie schrieben, die Lehrer bei Ihnen gäbe gerne Distanzunterricht. Gerade finde ich es nicht wieder. Womöglich habe ich Sie mit jemandem verwechselt. Gut, dann nehme ich das Ihnenbezüglich zurück.

          • Ansonsten habe ich aber absolut keine Lust auf eine Gehaltsdiskussion. Ich wollte die Idee von Ranga Yogeschwar (so hieß er doch) mal hier einwerfen.

            Die reflexartigen Lehrerabwehrargumente, man verdiene ja eigentlich kaum etwas und man zahle ja so viel für seinen Unterricht, sah ich voraus. 🙂

        • 1.Ich kriege als niedersächsische Landesbeamtin seit 16 Jahren kein Weihnachtsgeld mehr und die 10 Jahre davor war es kein 13.Monatsgehalt,sondern ein „eingefrorener“ Betrag aus den 90ern. Da bekamen z.B. Banker noch bis zu 15 Monatsgehälter. Ab diesem Jahr gibts jetzt wieder 300€ brutto für uns.
          2. Auch ich bin Steuerzahlerin und finanziere somit das öffentliche Leben genauso mit wie alle anderen Steuerzahler. Übrigens gerne, weil ich die Infrastrukturen und den Sozialstaat sehr schätze.
          Von den 300 € Brutto „Zuwendung“ bleiben übrigens 155 € Netto übrig.

          • Tja, wenn man sich als Troll gefährdet, dann wird man wohl auch häufiger so genannt. Das erinnert mich doch hier jetzt sehr fatal an all die Diskussionen mit AfDlern, die sich beständig darüber wundern, warum man sie als Nazis, Verschwörungstheoretiker und Populisten bezeichnet. So wie die „reflexartigen Lehrerabwehrargumente“ vielleicht einfach nur Wahrheiten sind, die Menschen wie Sie, die chronisch allergisch gegen Fakten und sachliche Debatten sind, nicht wahrhaben wollen. Außer Stammtischpolemik und ad hominem haben Sie jedenfalls nichts angeboten, was diese Argumente widerlegen könnte. Auch da sehe ich schon wieder frappierende Parallelen zu den oben benannten Diskursen.
            Zum Inhaltlichen werde ich mich Ihnen gegenüber folgerichtig auch nicht weiter äußern. Denn wer nicht erkennt, dass eine Forderung nach Verzicht obsolet wird, wenn es das, worauf verzichtet werden soll, gar nicht gibt, dem ist auch nicht zu helfen. Und anders als Personen, die hier zu jeder Tageszeit trollen, muss ich eben für mein Geld arbeiten, da ist mir meine Zeit für solche Scheindebatten zu schade.

    • Herdenimmunität, Wirtschaftsförderung, nächste Wahl bzw. die entsprechenden potentiellen Wähler wären die Motive, die mir sofort einfallen.

    • Geld.

      Die Länder versuchen so vom Bund Geld zu erpressen. Und dann natürlich noch die Angst um die Wirtschaft.

      Schwarz und Rot sind sich da relativ einig. Wobei man oft beides eh nicht mehr auseinanderhalten kann.

    • Weil alle Kultus- und Bildungsminister ohne Fürsorge, ignorant und konzeptionslos unterwegs sind. Die Politik, die dort gefahren wird, ist schlichtweg mörderisch und dabei wird die Bevölkerung mit Halbwahrheiten hinters Licht geführt. Ich finde es immer wieder unfassbar, mit welcher Dreistigkeit die Damen Yvonne, Stefanie und Susanne auftreten. Eiskalt, unehrlich und natürlich fehlerlos, jegliche Kritik wird weg gelogen

    • Tacheles – als Person hohen Lebensalters kann ich exemplarisch 4 Generationen Schulpraxis vergleichen, beginnend mit den drastischen Provisorien nach 45.
      Über diese lange Zeit hat sich Eines nie verändert – es gab immer nur das Allernötigste an Verbesserung. Ich sehe eine große Ähnlichkeit mit den Erhöhungen staatlicher Transferleistungen – Politik schmückt sich mit den Millionen im Haushalt, einzelne Empfänger streichen 86 Cent/Monat mehr ein – SUPER!
      Ja, es gibt über die lange Zeit Verbesserungen – aber es sind faktisch immer nur die kleinstmöglichen Ausbesserungen von Schadstellen. Erneut aktuelles Uralt-Beispiel: die lernbehindernde Luftqualität in Klassenzimmern – ha, wäre jetzt nicht das Virus aufgetaucht…..
      Der harte Kern bsteht für mich aus zwei Fakten:
      (1) Die Zahl der Menschen in Schulen ist im Vergleich mit anderen Bereichen derart groß, dass der pro-Kopfbedarf für eine sachgerechte Arbeit dort zu extrem hohen Summen führen würde = die qualitative und quantitative Mängelverwaltung als Dauerzustand.
      (2) Der Steuerzahler hat nur als sporadischer Wähler Einfluss – geradezu mickrig angeichts der gewaltigen Entscheidungen. Die Fragen heißen „Wer muss die Steuerlasten tragen“ und „Wer bekommt welchen Anteil vom Steuerkuchen“. Aber wer „zuviel braucht“ oder „ineffektiv arbeitet“ hat schlechte Karten – nachhaltige Reformen? VIEL zu teuer! ( s. 1)

      Unterm Strich:
      Was sind Kinder, Bildung, Familie WERT?
      In 7 Jahrzehnten immer dieselbe Antwort: „ihr stört – und wir werden euch schon im Zaum halten…“

      Bizarr? Wo doch alle mal Kinder waren, danach oft genug auch Eltern?

      „Kinder sind Privatsache – überlegt euch vorher, ob ihr das stemmen könnt.
      Uns unter Zugzwang setzen? Versucht es doch….“

      Das Alltagsmanagement dieser „Privatsache“ ist derart aufreibend, dass allenfalls die Kraft für ewig wiederkehrendes Jammern bleibt.
      Schule, LuL sind „ergänzende Privatsache“ – also bleibt fein still, in eurer Mängelverwaltung….

  9. Könnte es daran liegen, dass die KMs i.d.R. im Rahmen ihrer eigenen beruflichen Expertise mit Schule nichts im Sinn und daher von Schule NULL!! Ahnung haben??? Herr Rabe mag ja als ehemaliger Lehrer die einzige Ausnahme in dieser erlauchten Runde sein (in unserem befreundeten Kolleg*innenkreis gelten diese Art von „Aufsteiger in die Kultusbürokratie“ als „Bildungsfrontdeserteure,“ die auf Kinder und Unterricht keinen Bock haben) was aber seine Aussagen zum Infektionsgeschehen eigentlich noch schlimmer macht als das hirnlose Gelüge (hirnlos, weil es mittlerweile so offenkundig falsch und verbohrt ist) seine KMK-Spießgesell*innen. Wenn Gebauer was dazu beiträgt, dann gehe ich seit Wochen bereits von Lügen, Behauptungen ohne Beleg, starrköpfiges Agieren entgegen der ihr zugewisenene Fürsorgepflicht usw. aus. Und das ist doch so schlimm daran: Man hatte bereits in den letzten 25 Jahren (solange bin ich mittlerweile im Schuldinest) bereits oft das Gefühl, dass die KMs sich nicht sehr gut mit den Bedingungen ander Basis – vor Ort auskennen…hat sich über quasi im Stundentakt über neue Säue geärgert, die durchs Dorf getrieben wurden, sich gewundert, warum bei sinnvollen Reformen keine ausreichende Erprobungs- und Bewährungszeit eingeräumt wurde. „Wir sind hier in NRW – da wird das, was sich bewährt hat und oftmals gut war konsequent abgeschafft!“ ist eine Standardaussage vieler erfahrener und engagierter Pädagog*innen. Das war schon immer doof, ABER: Nun zeigt sich eine völlig neue „Qualität“ in den KMs: Jetzt wird es persönlich, weil uns allen in und an Schule Beteiligten deutlich gezeigt wird, dass wir für die Verantwortlichen keinen Wert haben, der über die Masse hinaus geht, die sie zur Selbstverwirklichung ihrer politischen Karriere und der inneren Ideologie, dass in Schulen 1.nicht gearbeitet wird, denn allein deshalb wäre es erklärbar, dass nur hier (!!!!) alle Arbeitsschutzvorgaben quasi ausgehebelt wurden, 2. wir in und an Schulen keinen wirtschaftlichen Mehrwert erbringen, da wir nur Geld kosten, anstatt unmittelbar zur monetären Wertschöpfung beitragen, 3. vielleicht auch die eigenen Schuldrustrationen der kultusministeriellen Schulbiografie hier abgearbeitet werden. (denen werden wir es jetzt mal zeigen, den faulen und dauerprivilegierten Säcken).
    Kleine Übung zu Steigerungsformen für alle an und in Schulen Beteiligten: Feind-Todfeind – KM. Schade!!!!

    • Schlimmer noch: vermutlich hatten alle KMs eine schlimme Schulzeit, wurden dort vermeintlich traumatisiert und wollen es jetzt den „fiesen“ Lehrern endlich mal so richtig heimzahlen!

  10. Ties Rabe geht noch weiter

    https://www.hamburg.de/bsb/pressemitteilungen/14740370/2020-12-11-bsb-schulsenator-im-gespraech-mit-kinderaerzten/

    Besonders folgenden Satz in dieser Pressemitteilung fand ich bemerkenswert:
    „Sie haben dabei insbesondere deutlich gemacht, dass sie vermehrt Kinder mit neu aufgetretenen oder verstärkten psychischen Belastungen wahrnehmen.“

    Um eins klar zu stellen, dass dem so ist möchte ich nicht mal in Frage stellen.

    Ich hinterfrage lediglich deutlich, worauf die psychischen Belastungen beruhen. In der Pressemitteilung wird suggeriert, dass diese auf den Schul-Lockdown im Frühjahr zurückzuführen sind.

    Mhhhh – ausschließlich nur darauf? Sorry, aber das wage ich zu bezweifeln. Ursache dürfte hier wohl eher eine muntere Gemengenlage sein. Nur weil Kinder und Jugendliche am Präsenzunterricht teilnehmen, ist alles rundherum doch nicht für sie ausgeblendet/ausgeschaltet.

  11. Hmh… Ich habe hier ein paar sehr passende Texte gelesen, die ich bezueglich @Oka sehr treffend fand.
    DANKE AN ALLE KOMMENTATOREN!!!!

    Wir wollen AUSSCHLIESSLICH, das an die Gesundheit aller Beteiligten gedacht wird und diese oberste Prioritaet hat!!! Sicherheit fuer unsere Kinder, Lehrer und allen Familien!!!
    Das scheint Ihnen Oka ja auch nicht wirklich wichtig zu sein…

  12. Sehr geehrter Oka, Sie sollten hier nichts schreiben, wenn Sie keine Ahnung von der Arbeit eines Lehrers haben. Ausserden hat HH auch lange kein Weihnachtsgeld mehr, es gibt nichts zu spenden und wenn sie neidisch sind auf Lehrer, dann machen Sie in der Schule doch mal ein Praktikum, damit Sie wissen, wie es da ist.

  13. Diese Woche hat Herr Rabe die Aufrechterhaltung des Schulbetriebs in Präsenz noch damit begründet, dass ein Homeschooling die Kinder zu sehr wegen der vielen häuslichen Gewalt gefährde. Das muss man sich einmal vorstellen. Als ob 90 Prozent der Hamburger Eltern ihre Kinder missbrauchen würden! Der Senator scheint inzwischen vollkommen in einer Parallelwelt abgetaucht zu sein.

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