Auch Schwesig schränkt den Schulbetrieb ein – aber nur ein bisschen

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SCHWERIN. Nach Bayern und Sachsen reagiert nun auch Mecklenburg-Vorpommern auf die steigenden Infektionszahlen mit Einschränkungen im Schulbetrieb, allerdings mit vergleichsweise bescheidenen: Nach den Weihnachtsferien soll es für die Schüler ab Klasse 7 Distanzunterricht geben – eine Woche lang. Der GEW reicht das nicht.

Eine Woche Distanzunterricht: Manuela Schwesig, Regierungschefin von Mecklenburg-Vorpommern. Foto: SPD / Susie Knoll

«Die Zahlen gehen auch in Mecklenburg-Vorpommern weiter nach oben. Wir sind jetzt auch Risikogebiet», begründete Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) nach der mehrstündigen Videokonferenz die zusätzlichen Maßnahmen. Die zweite Infektionswelle drücke massiv aus südlichen Bundesländern und aus Polen auch nach Mecklenburg-Vorpommern herein. Deshalb gelte es, Kontakte, wo es nur geht, zu vermeiden.

Die Landesregierung bestreitet, dass die Schulen am Infektionsgeschehen nennenswert beteiligt sind

Das hat Konsequenzen für den Schulbetrieb: Schüler der oberen Klassenstufen und der Berufsschulen werden in der ersten Schulwoche nach den Weihnachtsferien, also vom 4. bis 8. Januar, zu Hause via Internet unterrichtet oder erhalten für diese Zeit Aufgaben. Der Unterricht für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 soll dann weiterhin in der Schule stattfinden und am 4. Januar nach Ende der Ferien beginnen. Lehrer sollen dort auch im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Weiterhin bestreitet die Landesregierung allerdings, dass die Schulen am Infektionsgeschehen nennenswert beteiligt sind: Wie Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) sagte, sei es bislang gelungen, „für 95 Prozent der Schüler im Land den Präsenzunterricht zu sichern“. Die Maßnahmen würden ergriffen, um den Vireneintrag weiterhin gering zu halten. Die Schulen sind sicher? Das sieht die Wissenschaft allerdings anders. (News4teachers berichtet aktuell über Stellungnahmen prominenter Virologen.) Auch die Lehrergewerkschaft GEW hält das für unglaubhaft.

GEW fordert Schutzmaßnahmen für Schüler und Lehrer: „Längst wissen wir, dass Kinder ebenfalls infektiös sind.“

„Die jüngeren sollen Schüler ohne Einschränkungen bereits ab 4. Januar wieder die Schule besuchen. Das bedeutet für Lehrkräfte und Schulkinder mindestens Kontakte zu 30 Haushalten auf engem Raum täglich“, so erklärten die beiden GEW-Landesvorsitzenden Annett Lindner und Maik Walm. „Längst wissen wir, dass Kinder ebenfalls infektiös sind. Ohne weitere Schutzmaßnahmen gefährdet dies aus unserer Sicht unnötig die Gesundheit der Lehrkräfte, der Kinder und ihrer Familien. Wenigstens drei weitere Tage mit einem Angebot der Notbetreuung wären ein gangbarer Weg auch für die Grundschulen“, erklären die Gewerkschafter. Auch für die Kitas hat die GEW den Wunsch, dass zum Schutz aller Beteiligten zumindest eine dringende Empfehlung ausgegeben wird, die Kinder noch drei Tage länger zu Hause zu behalten, wenn es den Eltern möglich sei.

Was den befristeten Distanzunterricht betrifft, so kritisiert die GEW, dass längst nicht alle Schulen technisch dafür auch gerüstet seien. „Insofern ist hier eine große Kraftanstrengung seitens der Lehrkräfte erforderlich.“ Die Gewerkschafts-Vorsitzenden erneuerten ihre Forderungen gegenüber dem Land nach Schutzausrüstung wie Masken und mobilen Luftfilteranlagen sowie einer angemessenen Unterstützung des digitalen Lernens. News4teachers / mit Material der dpa

Leopoldina: Schulpflicht sofort aussetzen – Weihnachtsferien verlängern – danach strenge Regeln für den Unterricht

 

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6 KOMMENTARE

  1. Warum muss man immer erst warten bis es zu spät ist ? Sachsen hat erfahren wie schnell es gehen kann und hat jetzt endlich die Notbremse gezogen.
    Leider hat Frau Schwesig nichts verstanden und das obwohl Sie selbst Mutter ist. Woran liegt es ? Arroganz ?
    Alle Schulen sollten ab nächsten Montag zu gemacht werden, damit die Kinder und Ihre Familien, sowie die Lehrer und Ihre Familien , wirklich ein gesundes Weihnachtsfest feiern können.

  2. Haben die Menschen in Ostdeutschland nicht schon genug gelitten?
    Erst fallen viele auf „mehr Netto vom Brutto“ rein und nun auf „Corona ist doch nur eine Grippe“

    Nur dieses Mal endet es tödlich.

  3. Es ist schön, dass nun endlich auch bei uns in MV über adäquate Präventionsmaßnahmen in Schulen nachgedacht wird. Es ist aber erst ein Anfang. Der Winter ist noch lang und wir haben keine Konzepte, die die Schüler, Lehrer, Eltern schützen.
    Betrachtet man die geforderten bekannten Anforderungen wie AHA+L, so kann man feststellen:

    Wir haben in MV in Schulen:
    Keinen Abstand: den gibt es in der definierten Gruppe nicht (Größe der Kohorte umfasst 2-4 Jahrgänge, nicht Klassen!)
    mäßige Hygiene: nur Hände waschen (vielleicht mit Seife, aber immer ohne Desinfektionsmittel)
    Ungenügend Alltagsmaske: es gibt noch immer keine Maskenpflicht im Unterricht, nirgends, für niemanden (außer jetzt Lehrer in der 1. Januarwoche), und was passiert danach?
    Lüften: Stosslüften läuft, Luftfiltergeräte hält unsere Bildungsministerin allerdings für gefährlich

    Wir brauchen:

    Abstand im Klassenraum durch Wechselunterricht in kleinen Gruppen, Alltagsmasken im Unterricht für alle (solange die Inzidenz über 50/100000 liegt), Luftfilteranlagen und CO2-Ampeln, Konzepte für die Betreuung kleiner Kinder und Konzepte, wie wir trotz Wechselunterricht auch schwache Schüler erreichen. Die Kultusminister sollten sich endlich um Bildungsgerechtigkeit unter Berücksichtigung des Gesundheitsschutzes kümmern! Schulen sind nicht sicher. Wir hangeln uns als Eltern dreier Kinder gerade von Quarantäne zu Quarantäne. So sieht kein verlässlicher Regelbetrieb aus.

    • @Mecklenbürgerin: „Wir hangeln uns als Eltern dreier Kinder gerade von Quarantäne zu Quarantäne.“ – Naja, aber man kann doch trotzdem in der Presseerklärung lautstark und stolz verkünden „Die Schulen sind offen“ – ist nicht mal gelogen: Dass Ihr(e) Kind(er) da gerade nicht hingehen dürfen (bzw. darf), ist ein unwichtiges, vernachlässigbares Detail, das sich im Interesse der politisch gewnschten Erfolgsmeldung problemlos ausblenden lässt.

  4. „Leider hat Frau Schwesig nichts verstanden und das obwohl Sie selbst Mutter ist. Woran liegt es ? “
    @TimMama
    Wenn man selbst ohne Platzprobleme komfortabel mit Gelass rundherum und lärmbefreit wohnt, jeder kann sich zurückziehen und ist seinen Aufgaben entsprechend ausgestattet … wenn man bei solchen Wohnverhältnissen seinen Nachwuchs auch nicht in eine überfüllte staatliche Schule schickt, dann sieht die Welt aus Muttersicht halt anders aus. Dann ist vieles entspannter – es gibt lauter Auswege.

  5. Das Virus macht vor keiner Barriere halt. Es bleibt,dass wir uns selber schützen müssen.Die Schulen, sollten absofort geschlossen werden. Die Landesregierungen ,mit Ausnahme Sachen, bringen die Schülerinnen und Schüler in die Gefahr, sich zu infizieren. Hier sollte endlich die Vernunft siegen und die Verantwortung.Den Querdenkern, die deutlich Querulanten sind, sei gesagt, Ihr handelt unverantwortlich und bringt selbst Eure Kinder in Gefahr !

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