Der Fall Winterhoff und die „Tyrannenkinder“-These: Steckt dahinter der populistische Wunsch nach autoritärer Erziehung?

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BERLIN. Die Vorwürfe gegen den Bonner Kinderpsychiater Michael Winterhoff schlagen Wellen. Kein Wunder: Winterhoff ist nicht nur Arzt – sondern auch Bestsellerautor, der mit pointierten Titeln polarisiert („Warum unsere Kinder Tyrannen werden“) und daraus bildungspolitische Forderungen ableitet. Steckt dahinter ein „ganz bestimmtes Menschenbild und der Wunsch nach einer Veränderung der Gesellschaft, hin zu mehr autoritärem Denken im Umgang mit Kindern“, wie jetzt zu hören ist? Tatsache jedenfalls ist: So schlicht, wie Winterhoffs pädagogische Thesen klingen, ist die Realität nicht.

„Unsere Kinder wachsen zu Narzissten und Egozentrikern heran“, meint der Kinderpsychiater Dr. med. Michael Winterhoff. Foto: Shutterstock

„Es ist ja ein Skandal passiert: Die OECD, also Menschen, die sich um Wirtschaft kümmern, haben Einfluss genommen auf die Bildungspolitik und haben Ideen entwickelt – weit an dem, was Kinder brauchen, vorbei. Nämlich die, dass Kinder autonom groß werden sollen. Die Bildungspolitik hat das, ohne überhaupt mit Lehrern zu sprechen, von oben nach unten durchgedrückt“ – das sagt Dr. med. Michael Winterhoff, Kinderpsychiater und Bestsellerautor, der mit pointierten Titeln polarisiert („Warum unsere Kinder Tyrannen werden“, „Deutschland verdummt“, „SOS Kinderseele“) im Deutschlandfunk Kultur. Mit „der OECD“ meint Winterhoff augenscheinlich die (von der Industrieländervereinigung organisierte) Pisa-Studie, die „Ideen“, die er anprangert, sind Kompetenzorientierung, offene Unterrichtsformen und eine Lehrerrolle, die weg vom Alleinunterhalter hin zum Classroom-Manager führt.

„Lehrer sind jetzt nur noch ‚Lernbegleiter‘, decken eine Lerntheke, an der sich die Kinder bedienen sollen“

Damit offenbart Winterhoff seine schulpolitische Agenda, die auf einer recht einfachen Weltsicht beruht. Im Wortlaut eines weiteren Deutschlandfunk-Interviews klingt das bei ihm so: „Die meisten Kinder kommen heute mit sechs Jahren in die Schule und sind nicht mehr lern- und wissbegierig. Sie sind lustorientiert, auf der Stufe eines Kleinkindes. In der Schule haben sie nur dann eine Chance, wenn sie sich entwickeln können – am Gegenüber, in der Beziehung zu den Lehrern. Die Politik will aber seit der Jahrtausendwende autonomes Lernen, das heißt, die Lehrer sind nicht mehr direkte Bezugspersonen, sondern nur noch Lernbegleiter. Doch Bindung und die Orientierung am Lehrer sind wichtig, damit Kinder eine Chance haben, ihre Psyche zu entwickeln und lernen zu wollen.“

Oder so (im „Fokus“): „Lehrer sind jetzt nur noch ‚Lernbegleiter‘, decken eine Lerntheke, an der sich die Kinder bedienen sollen. Für die Ausführung ist das Kind verantwortlich. Es gibt Grundschulen, an denen Schulverträge mit den Kindern abgeschlossen werden, in den Pausen gibt es Viertklässler als Streitschlichter. Viele Kinder müssen Schallschutzkopfhörer tragen, um in Ruhe arbeiten zu können. Wir haben jetzt in vielen Bundesländern die Verbundschreibschrift und die Rechtschreibung abgeschafft.“

Winterhoffs Prophezeiung: „Wenn wir nicht gegensteuern, gerät unsere Gesellschaft in eine katastrophale Schieflage. Unsere Kinder wachsen zu Narzissten und Egozentrikern heran, die nicht auf Andere achten, sich nur um sich selbst drehen und lustorientiert in den Tag leben. Wertschätzung ist ihnen kein Begriff mehr. In einem Sozialstaat müssen die Menschen aber füreinander da sein. Doch Menschen, die sich wie kleine Kinder aufführen, nicht fähig sind zu arbeiten, die sprengen dieses System.“

Mit solchen Aussagen spricht Winterhoff insbesondere vielen konservativen Pädagoginnen und Pädagogen aus der Seele. Und mit manchem hat er sicher auch recht: Dass „verhaltensoriginelle“ Kinder den Unterricht sprengen und Lehrkräfte an ihre Belastungsgrenze bringen können – wer wollte dem widersprechen? Die Frage ist allerdings, ob sich daraus eine Gesellschaftsanalyse mit weitreichenden bildungspolitischen Konsequenzen drechseln lässt. Und welche.

Zeit-Redakteur Martin Spiewak nennt Winterhoff den „Thilo Sarrazin der Erziehung“ – und beschreibt in einem 2019 erschienenen Beitrag einen „düsteren pädagogischen Pessimismus, der das ganze Werk des Autors durchzieht“, eine „Pädagogik zum Gruseln“. Kinder und Jugendliche seien demnach rein lustbetonte Wesen, die eine kurze Leine benötigen. „Deutschlands Eltern haben es demnach verlernt zu erziehen. Statt ihrem Nachwuchs Grenzen zu setzen, behandeln sie ihn als Freund und Partner. Im Extremfall, der für Winterhoff meist die Regel ist, verbindet Erwachsene und Kinder eine Art ‚symbiotischer Beziehung‘. Die Folge: Die Sprösslinge haben keine Chance, sich zu entwickeln, ihre Psyche verkümmert auf dem Stand eines Säuglings. Wenn diese Kinder erwachsen werden, gefährden sie unseren Wohlstand, ja die ganze Gesellschaft“, so beschreibt Spiewak den Winterhoff’schen Ansatz.

Winterhoff – das legen aktuelle Berichte des WDR und der „Süddeutschen Zeitung“ jedenfalls nahe – hat seinen schlichten gesellschafts- und bildungspolitische Befund auch auf seine jungen Patientinnen und Patienten übertragen. Er stelle immer dieselbe,  unwissenschaftliche Diagnose „frühkindlicher Narzissmus“, anstatt etwa zu bemerken, wenn ein Kind unter den Folgen eines Asperger-Syndroms leide. Ehemalige Patientinnen und Patienten, darunter auch frühere Heimkinder, werfen ihm vor, dass er ihnen zum Teil ohne Indikation über Jahre ruhigstellende Neuroleptika verschrieb, vor allem das Mittel Pipamperon. Eine erste Anzeige gegen Winterhoff sei bereits erfolgt; weitere würden derzeit vorbereitet, so heißt es. Zudem soll er Jungen an ihren Genitalien untersucht haben. Es sei umstritten, ob das medizinisch tatsächlich notwendig war.

Winterhoff bestreitet die Vorwürfe vehement. Auf seiner Homepage hat er ein Statement dazu veröffentlicht. „Das Ziel des Einsatzes von Pipamperon ist in unserer Praxis bewusst keine Sedierung“, schreibt er dort. Und: „Vor einer medikamentösen Behandlung erfolgt immer eine körperliche und neurologische Untersuchung, um diese Faktoren als Ursachen von Verhaltensstörungen auszuschließen.“ Diese Untersuchung überlasse er bereits seit fünf Jahren einem Kinderarzt. Das Jugendamt Sankt Augustin kündigte trotzdem die Zusammenarbeit mit dem Kinderpsychiater. Man sehe aufgrund der Berichterstattung „ernstzunehmende Hinweise auf eine fachlich nicht vertretbare, schadenverursachende Arbeitsweise“, so heißt es.

Auch von Fachkolleginnen und -kollegen kommt scharfe Kritik am „System Winterhoff“ – und das schließt ausdrücklich seine Gesellschaftsanalyse mit ein. „Die Vorwürfe gegen Dr. Winterhoff waren uns in Bonn und Umgebung schon lange bekannt. Die Schweigepflicht gegenüber Patientinnen und Patienten verbot uns Bonner Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, gegen Dr. Winterhoff vorzugehen“, so schreibt der ebenfalls in Bonn ansässige Psychologe und Psychotherapeut Dieter Adler im Newsletter des Deutschen Psychotherapeuten Netzwerks. „Was wir von ehemaligen Patientinnen und Patienten zu hören bekamen, zeigt für mich deutlich sadistische Züge auf, die ich auch in seinen Büchern wiederfinden kann. Kindes-Missbrauch findet nicht nur im sexuellen Bereich statt. Vielleicht wird der Fokus der Öffentlichkeit jetzt auch einmal auf die anderen Bereiche des Machtmissbrauchs gerichtet. Kinder und Jugendliche brauchen auch hier unseren Schutz.“

„Statt elterliche Verantwortung und Kompetenz zu fördern, forderte Winterhoff Drill und kasernenähnliche Zustände“

Warum war Winterhoff so erfolgreich? Seine Bücher verkaufen sich hervorragend, er selbst tingelte durch die Fernseh-Talkshows und hielt zahlreiche Vorträge, auch vor Lehrkräften und Erzieherinnen. Adler: „Zum einen hat er Eltern quasi die Erlaubnis gegeben, aus ihrer Ohnmacht und erzieherischen Lethargie heraus zu dürfen. Eltern dürfen nicht nur ‚auf den Tisch hauen‘, sie müssen es sogar. Dass er dabei gleichzeitig Kanäle zur Abfuhr elterlicher Frustrationswut gegeben hat, ist vielen nicht entgangen. Und sie haben es auch ‚genutzt‘. Dies wurde untermauert durch eine Ideologie, in der Kinder zu den Schuldigen der Erziehungsmisere gemacht wurden. Statt elterliche Verantwortung und Kompetenz zu fördern, forderte Winterhoff Drill und kasernenähnliche Zustände.“

Tatsächlich erfährt Winterhoff für seine Thesen breite Zustimmung – bis in die Politik hinein. „Die einseitige Bevorzugung von freien Unterrichtsmethoden in einigen Bundesländern muss beendet werden“, forderten die bildungspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Landtagsfraktionen in einem Beschluss schon 2015 – nachdem Winterhoff vor ihnen referiert hatte. „Das ganz freie ‚Mach, was Du willst‘ ist aus unserer Sicht eine Katastrophe“, sagte die rheinland-pfälzische CDU-Abgeordnete Bettina Dickes seinerzeit. Das Ziel müsse sein: „Der Lehrer bestimmt, was gemacht wird. Die fehlende Bildungsreife vieler junger Leute ist auch auf eine Fehlentwicklung in Schulen zurückzuführen.“

So eingängig Winterhoffs Thesen sind – empirisch gesichert sind sie keineswegs. Rolf Göppel, Professor für Allgemeine Pädagogik an der Hochschule in Heidelberg, wies schon vor fünf Jahren darauf hin, dass die Forschungslage ein anderes Bild zeige, als Winterhoff postuliere, wie News4teachers berichtete.

Demnach haben 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland psychische Probleme – ein Wert, der (vor Corona, d. Red.) stabil sei. Dass Eltern nicht mehr über ihre Kinder bestimmen, sondern ihnen auch Mitspracherechte einräumen, sei gut so. Allerdings müsse das an der richtigen Stelle passieren: „Dabei darf es nicht um Fragen gehen wie: ‚Muss ich meinen Fahrradhelm anziehen oder nicht.‘“ Große Studien zeigten außerdem, dass Kinder, deren Meinung zu Hause gehört wird, sich eher als selbstwirksam empfinden. Dass sie also überzeugt davon sind, bestimmte Aufgaben erledigen und schwierige Dinge selbstständig bewältigen zu können. „Es gibt keinen Niedergang der Erziehungskompetenz auf breiter Front“, ist sich Göppel sicher.

Dass zudem die Probleme vielfältiger sind, als es die schlichte Analyse von Winterhoff vermuten lässt, lässt sich Aussagen entnehmen, die der langjährige Berliner Schulpsychologe Klaus Seifried in einem Interview mit der Zeitschrift „Grundschule“ bereits 2017 zu Protokoll gab. Angesprochen auf Verhaltensauffälligkeiten von Schülerinnen und Schülern erklärte er: „Das ist ein ganzes Spektrum. Einige leiden unter massiven Angstsymptomen, etwa durch Mobbingerfahrung. Sie trauen sich nicht, allein über den Schulhof zu gehen oder auch nur einen Satz im Unterricht zu sagen. Dann gibt es hoch aggressive Kinder, die andere in den Pausen schlagen und drangsalieren. Zum Teil mischt sich das: Ehemalige Opfer werden zu Mitläufern, die sich am Mobbing beteiligen. Viele haben erhebliche Lern- und Leistungsschwierigkeiten.“

Die Lern- und Verhaltensprobleme von Kindern aus wohlbehüteten, bildungsnahen Familien und von Kindern in sozialen Brennpunktschulen seien „völlig verschieden“, so Seifried. „Im letzteren Fall fehlt oft der Kontakt zur Schule, die Hilfe bei den Hausaufgaben, das Frühstück am Morgen oder das Interesse der Eltern für schulische Probleme des Kindes. Zu Hause wird kein Deutsch gesprochen. Sie kommen nicht zu Elternabenden. Viele Kinder gehen zu spät ins Bett, sind im Unterricht unruhig und unkonzentriert.“

Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern dagegen seien oft mit dem Erwartungsdruck der Eltern überfordert, so sagt der erfahrene Schulpsychologe. „Manche Eltern kümmern sich zu viel und es fällt ihnen schwer, ihr Kind loszulassen. Aber Kinder müssen altersentsprechend lernen, selbst Verantwortung für sich zu übernehmen. Andere Kinder sind es gewohnt, immer im Mittelpunkt zu stehen. Jeder Wunsch wird ihnen erfüllt. Sie müssen lernen, auf andere Kinder Rücksicht zu nehmen.“

„Er bezeichnet Kinder teilweise als Monster, spricht ihnen bis zum achten Lebensjahr eine eigene Persönlichkeitsentwicklung ab“

Angesichts dieser Befunde aus der Praxis wirkt die Gesellschaftsbeschreibung von Winterhoff arg eindimensional. Ist womöglich Ideologie im Spiel? Konkret auf die aktuelle Causa bezogen, sagt der Hannoveraner Kinder- und Jugendpsychiater Oliver Dierssen gegenüber dem „Spiegel“: „Hinter Winterhoffs Vorgehen steht augenscheinlich ein ganz bestimmtes Menschenbild und der Wunsch nach einer Veränderung der Gesellschaft, hin zu mehr autoritärem Denken im Umgang mit Kindern. Winterhoffs Bücher sind zu hart geschrieben, als wolle er damit nur glänzen: Er bezeichnet Kinder teilweise als Monster, spricht ihnen bis zum achten Lebensjahr eine eigene Persönlichkeitsentwicklung ab. Er stellt die Gefühle von Kindern infrage.“

Dierssen betont hingegen: „Ich lebe in einer ganz anderen Welt. In einer, in der Kinder noch immer wahnsinnige Ungerechtigkeiten erfahren. Zudem besteht der heutige therapeutische Konsens nicht mehr darin, in Kindern oder Eltern Schuldige zu suchen. Das führt zu Verhärtungen, nicht zu Lösungen.“ News4teachers

Immer mehr „Tyrannenkinder“: Warum viele Eltern bei der Erziehung versagen – eine Streitschrift

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110 KOMMENTARE

    • Ich habe mehrere Bücher von M. Winterhoff gelesen. Vor allem die vielen Beispielfälle haben mich verblüfft, denn sie deckten sich oft mit meinen Erlebnissen aus 40 Jahren Tätigkeit als Sonderschullehrerin. Die Zahl der verhaltensoriginellen, bis psychisch kranken Kinder (und z. T. auch Eltern)hat von Jahr zu Jahr zugenommen. Er behauptet nicht, dass alle Kinder und Eltern problematisch sind, aber das die Zahl erschreckend zunimmt. Er erläutert m. M. nach auch sehr gut die Ursachen. Einfach mal die Bücher lesen, nicht nur Medien dazu konsumieren. Danach mit der Wirklichkeit abgleichen und dann eine eigene Meinung bilden. Ich habe nirgendwo bei ihm gelesen, dass er Kindern eine eigene Persönlichkeit abspricht. Er unterscheidet aber wohl zwischen Kindern und Erwachsenen, ist das falsch? Ich glaube nicht.

      • Was ist denn „die Wirklichkeit“? Der Vorwurf lautet doch im Kern, dass Winterhoff unwissenschaftlich arbeitet (deutlicher ausgedrückt: Er ist ein Scharlatan) – in seiner Praxis ebenso wie in seinen Büchern.

        Wo sind denn die empirischen Daten, die belegen, dass die Zahl der psychisch kranken Kinder zugenommen hätte? Im Beitrag steht das Gegenteil. Mit Verlaub, nur weil Sie als Sonderschullehrerin das so wahrnehmen (kann ja an Ihrer Schule auch so sein), muss das noch lange nicht für ganz Deutschland gelten.

        • Ach, Bernd!
          Sie verkehren nicht in „Lehrerkreisen“.
          Die Zahl der „schwierigen“ Kinder nimmt zu. Einige Eltern kommen mit einem Kind nicht klar aber in der Schule soll der Lehrer mit 26 Kindern klar kommen.
          Da geht es ohne Regeln nicht – Regeln, die Kindern oftmals nicht mehr beigebracht werden.
          Winterhoff hat es sehr gut analysiert. Jetzt ist der Schrei der betroffenen Eltern laut. Nur weil die Zahl der schwierigen Kinder zugenommen hat und es natürlich nicht am Kind und den Eltern liegt.
          Irgendwer muss es sein …. Eltern sind es ja nicht.
          Da aber Winterhoff auf die Eltern zeigt, ist nun der SCHULDIGE gefunden.

          • Sie glauben gar nicht, in welchen Kreisen ich überall verkehre :).

            Sorry, mir ist das zu simpel. Natürlich ist der Lehrerberuf schwieriger geworden. Dass die Heterogenität zugenommen hat, steht außer Frage – auch dass die Inklusion aufgrund einer beschämenden Personalausstattung vor die Wand fährt.

            Aber ab wann ist ein Kind „schwierig“? Ist ein Underachiever „schwierig“? Ist ein missbrauchtes Kind „schwierig“? Ist ein Flüchtlingskind, das kein Deutsch spricht, „schwierig“? Ist ein Kind, das gerade die Scheidung seiner Eltern erlebt, „schwierig“?

            Eltern, die nicht erziehen (können oder wollen), hat es immer schon gegeben. Früher wurden ihre Kinder meist in die Sonderschule wegsortiert, heute schlagen sie verstärkt in den Regelschulen auf. Aber gibt es deshalb mehr davon? Womöglich nicht: Die Jugendgewalt zum Beispiel hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich abgenommen, was durchaus ein Indiz dafür sein kann, dass es keineswegs mehr Problemfälle unter Schülerinnen und Schülern gibt. Hier nachzulesen: https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/gangsterlaeufer/203562/zahlen-und-fakten

            Die Antworten auf solche Fragen sind nicht nebensächlich, sondern geben die Richtung vor, in der Lösungen liegen müssen: Geht es wirklich nur darum, „mal auf den Tisch zu hauen“ – und alles ist wieder so schön wie früher (so jedenfalls, wie sich das in der Rückschau von älteren Herrschaften verklärend darstellt). Oder muss nicht vielmehr die Schule für die Herausforderungen, vor die die Gesellschaft sie zunehmend stellt, personell ausgestattet werden. Heißt: multiprofessionell, im Zusammenwirken von Lehrerschaft, Sozialarbeit, Psychologie und Gesundheitskräften.

            Ein „blame game“, wie es Winterhoff übrigens genauso spielt wie Sarrazin, war noch nie konstruktiv. Damit lassen sich aber schön viele Bücher verkaufen.

        • @Bernd
          Ich behaupte nicht, das diese Beobachtungen auf alle zutreffen, aber meine persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen sind leider oft genug so, wie in seinen Büchern beschrieben. Ich beziehe mich ausdrücklich nur auf seine von mir gelesenen Bücher und meine persönlichen Eindrücke. Die in der Reportage angeführten Vorwürfe sind natürlich auch für mich schockierend, denn sie widersprechen dem, was ich den Büchern entnommen habe.

          • @potschemutschka

            Geht mir ebenso.

            Die o.g. Vorwürfe konnte ich nicht entdecken – in den von mir gelesenen Büchern.

            Die Beispiele fand ich einleuchtend, die Erklärungen auch.

            Bin vielleicht sehr dumm – aber ein bisschen mehr Erziehung und Grenzen-setzung bei all den Prinzen und Prinzessinnen kann nicht schaden.

            Man darf Kinder nicht sich selbst überlassen. Punkt.

            Es gibt nicht umsonst den „Witz“ zu den freien Kindergärten (ja, soooooo alt ist der schon!), wo ein Kindergartenkind die begleitende Kindergartenkraft fragt: „Machen wir heute was gemeinsam oder müssen wir schon wieder machen, was wir wollen?“

            Kinder brauchen Anleitung und Führung, jemanden, der sich um sie kümmert.

            Sonst fühlen sie sich nicht nur allein gelassen – sie sind allein gelassen.

            Und ich entsinne mich genau – in den Büchern, die ich von M.W. gelesen habe, wurde nie behauptet, er habe eine empirische Untersuchung gemacht.

            Er sprach von denselben zunehmenden Phänomen in allen Bevölkerungsschichten und nannte drei Gründe dafür, die alle die – ja letztlich psychische Verfassung (das kommt jetzt etwas hart rüber) der Eltern/Erziehungsberechtigten aufgreift.

            Sie alle haben etwas mit der eigenen Kindheit zu tun – was niemanden wundern dürfte.

        • @Bernd

          Ach, Bernd – die Realität sieht aber an (sehr) vielen Schulen so aus

          Keine empirischen Untersuchungen? Warum wohl? Die Ergebnisse würden dazu führen müssen, Geld zu investieren. In Schulen und KiTas. Und wer will das schon?!

          Wieso gibt es nur noch Schulbegleitungen und Förderbedarf für L- und G-Kinder? Weil es so viele mit Entwicklungsstörungen und -verzögerungen gibt!

          Und das will niemand bezahlen.

          • Das ist dann genauso valide wie die Behauptung der Kultusminister in Corona-Zeiten, die Schulen sind sicher – wer nicht empirisch erhebt, kann alles behaupten.

            Woher wissen Sie, dass es an „(sehr) vielen“ Schulen so aussieht, wie Winterhoff beschreibt? Arbeiten Sie an „sehr vielen“ Schulen? Oder sind das, mal wieder, gefühlte Wahrheiten?

          • Bernd 23. August 2021 um 06:20

            Jetzt wird es argumentativ grad extrem blöd: An wie vielen Schulen arbeiten SIE denn, Bernd?
            Also, wenn Sie Ihrer eigenen „Argumentationsstruktur“ folgen, dann können Sie auch nur so behaupten (!), dass es an „Ihrer“ Schule NICHT so ist wie von den anderen Foristen gesagt wird.
            Ja, es wird auch von Ihnen nur Behauptungen geben, oder haben SIE selber eine empirische Studie durchgeführt, die Sie uns anbieten können?
            Dann verlinken Sie bitte jetzt Ihre EIGENE Studie mit Motivations- und Erwartungshorizont, Erläuterungen zur Durchführung, Finanzierung und sonstiger Unterstützung und und und.
            Andernfalls andere Meinungen akzeptieren, es sind nicht nur bösartige Vollpfosten unterwegs!

          • Meine Argumentation bezieht sich eben nicht auf meine persönlichen Erfahrungen – also spielt es überhaupt keine Rolle, ob und an wie vielen Schulen ich arbeite. Ich orientiere mich an der Wissenschaft und an der Empirie, und schon die im Beitrag angeführten Befunde (haben Sie den überhaupt gelesen?) sprechen eine deutliche Sprache.

            Nochmal: Die Jugendgewalt hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich abgenommen (Quelle oben angegeben) – wie passt das denn mit Winterhoffs Behauptung zusammen?

            Wissenschaftler vertreten die These, dass das mit einer veränderten Erziehung einhergeht: „So stellten Heitmeyer et al. (1996) fest, daß Jugendliche, die in ihrer Kindheit Gewalt ausgesetzt waren, in höherem Maße Gewalt befürworteten. Ferner wiesen Jugendliche, die in der Kindheit Opfer von Gewalt waren, deutlich höhere Viktimisierungsraten und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit eigener Gewalttätigkeit auf.“

            Quelle: https://kfn.de/wp-content/uploads/Forschungsberichte/FB_80.pdf

            Wenn das stimmt, und mir scheint die Argumentation plausibel zu sein, dann ist die Erziehung alles in allem besser geworden – nicht schlechter. Probleme schließt das natürlich nicht aus. Aber eben andere, als Winterhoff glauben machen will.

            Übrigens: Meinungen sind das eine – falsche Tatsachenbehauptungen etwas ganz anders.

        • Seine Behauptungen sind schlicht unwahr und undifferenziert. Nur als kleine Auswahl:
          Wir haben nicht die Rechtschreibung abgeschafft. Wir bauen auch viel stärkere Bindungen zu unseren SchülerInnen auf als je zuvor. Und die Wahlfreiheit von Lernmaterial ist nicht beliebig, sondern stets zielführend. Durch das Auswählen lernt man übrigens, später, in unserer komplexer gewordenen Welt, sinnvolle Entscheidungen zu treffen, die auch moralisch tragfähig sind, weil hier die Wahrnehmung von Bedürfnissen trainiert wird – eigener Bedürfnisse und der Bedürfnisse Anderer. Winterhoffs populistische Vorstellungen von Erziehung passen zu einer Welt vor hundert Jahren. Es ist sehr schade, dass so viele Menschen auf seine autoritären Äußerungen hereinfallen.

  1. Oh, das ist Rufmord!!
    Es hat lange gedauert, bis die Eltern sich zum Gegenschlag zusammengerauft haben. – lach!
    War ja klar!
    Winterhoff meint eine ganz bestimmte Gruppe von Kindern, wer seine Aussage jetzt verallgemeinern…
    Jetzt sind wir an einem Punkt, wo man sich nicht mehr traut seine Meinung zu sagen – könnte ja sein, dass man auf der Verliererseite steht.
    Lieber Herr Winterhoff – lassen Sie sich nicht unterkriegen.

  2. Winterhoff hat richtig beobachtet und analysiert und jeder Lehrer wird das bestätigen, wenn er oder sie ehrlich zu sich selbst ist. Die derzeitige Kampange ist nur noch ekelhaft, ohne jede sachliche Kritik. Mal sehen, ob diese Worte hier durch die Zensur von news4teacher kommen als Beitrag zur Meinungsfreiheit.

    • Sehr geehrter Herr Bennert,

      die Meinungsfreiheit setzt voraus, dass es sich tatsächlich um eine Meinungsäußerung handelt – und nicht um eine (falsche) Tatsachenbehauptung. Dass es keine „sachliche Kritik“ an Winterhoff gebe, ist schon mal falsch – es geht um klare Sachverhalte wie Körperverletzung, die ihm vorgeworfen werden.

      Aber sei’s drum: Es gibt keine „Zensur“ auf News4teachers (die gab’s in der DDR, in Nazi-Deutschland und im Kaiserreich), es gibt klare Regeln für Leserzuschriften. Die orientieren sich relativ schlicht an den Regeln, die auch in den normalen Umgangsformen zwischenmenschlicher Kommunikation gelten. Wer Zweifel hat, was normale Umgangsformen sind, kann unsere Regeln gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/uber-uns/

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

  3. Die Bezeichnung von Michael Winterhoff als „Thilo Sarrazin der Erziehung“ trifft es sehr gut und beschreibt auch die Dringlichkeit, mit der man sich mit seinen Thesen verfassen muss. Also nicht in diesem Jahrhundert mehr… (und danach ist mir egal)

    • Dennoch: „populistisch“ ist offenbar immer das, was die anderen sagen. Der bekannte Slogan „no child left behind“ dagegen gilt nicht als populistisch, aber was ist er sonst? Es gilt auch nicht als populistisch, wenn Bildungsökonomen den Wert eines Menschen nach der “ Rendite“ messen, die seine „Bildung“ im Sinne von „Employability“ für die Arbeitgeber abwirft. Die Forderung „höhere Rente, aber früherer Renteneintritt“, die ich heute auf einem Wahlplakat sah, ist natürlich auch nicht populistisch, oder? Das Wort „populistisch“ wird zum Totschlagsargument gegen „die anderen“.
      Damit will ich nicht sagen, Winterhoff hätte Recht. Aber was passiert denn nun mit Kindern, denen niemand Grenzen setzt, die immer nur mit einer Anspruchshaltung durchkommen, bei denen jede Frechheit hingenommen wird? Werden die nicht zu Egozentrikern und Narzissten? Loten die dann nicht aus, wie weit sie gehen können?

      • Ich behaupte doch nicht, dass alle seine Thesen samt und sonders falsch sind. Aber so, wie er beispielsweise die Schulwirklichkeit darstellt, ist sie schlicht nicht. Nur will man es gerne an bayrischen Stammtischen so hören. Und das ist dann populistisch.

      • Populismus ist, wenn vielfältige Probleme monokausal auf eine einzige Ursache zurückgeführt werden, die sich idealerweise mit einem Sündenbock verbinden lässt: Migranten, Eltern, „die“ Politik etc.

        • … oder das gegliederte Schulsystem als der universelle Sündenbock für schlechte Leistungen bei PISA, für Arbeitskräftemangel, für zu wenige Arbeiterkinder an Universitäten, für zu wenig Förderung der Kinder von „bildungsfernen“ Eltern, für Ungleichheiten aller Art usw. usw. Aber die Leute, die dann als Allheilmittel die „inklusive eine Schule für alle“ propagieren, die gelten merkwürdigerweise nie als populistisch, sondern die schimpfen ihrerseits auf die Populisten auf der anderen Seite.
          Das ganze begriffliche „Koordinatensystem“ ist in Schieflage geraten, auch weil „populär“ und „Popularmusik“ positive Begriffe sind, „populistisch“ aber nur negativ besetzt ist. Letztlich bedeuten alle so etwas wie „was das Volk gerne hört“ (auch in emotionaler und nicht gut begründbarer Hinsicht). Ganz infam wird es, wenn „populistisch“ praktisch mit „falsch“ gleichgesetzt wird. Dann soll man lieber sagen: Winterhoff liegt falsch. Aber dem haben hier einige aus eigenen Erfahrungen widersprochen. Also ist das alles nicht so einfach wie Bernd sich das vorstellt.

        • Ich vergaß ganz zu erwähnen, dass das Wort „populistisch“ oben sogar im Titel auftaucht, womit dieser Titel an sich schon wertend (und eben nicht informativ) ist.
          Bleibt noch anzumerken, dass diese „autoritäre Erziehung“ (steht auch im Titel) in den letzten Jahrzehnten besonders im sog. „realen Sozialismus“ gepflegt wurde und wird, also in der UdSSR, der DDR, heute noch in China, Nordkorea. Das Gegenteil ist eine Erfindung des „dekadenten Westens“. Der Titel dagegen scheint eine gewisse Nähe zum „Rechtspopulismus“ zu unterstellen. Der Kommunismus als Rechtspopulismus, das müssten uns die Politologen noch genauer erklären.

  4. Ich habe insgesamt dennoch das Gefühl, dass Erziehungsberechtigte immer ofter mit ihrer Erziehungsaufgabe überfordert sind. Sie sind inkonsequent, ziehen keine klaren Grenzen und leiten ihre Kinder nicht in eine Selbstständigkeit. Sie machen zuviel für ihre Kinder und lassen selten ihre Kinder machen, weil es so bequemer ist.
    Das ist ein Problem.
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Sus klare Regeln schätzen,sowie die konsequente Einforderung, sich an diese zu halten. Sie fühlen sich dadurch ernst genommen.

    Die Wahrheit liegt immer irgendwo dazwischen. Und Erziehung erfordert auch immer Feingefühl.
    Und egal, was dem Autor vorgeworfen wird, wird meiner persönlichen Menung nach, die eine oder andere These davon losgelöst zu betrachten sein.

    Es gibt es Familien, wo die Kinder im Haushalt unaufgefordert mithelfen und welche, wo Kinder nach dem familiären Essen verdunsten – ohne sich um irgendetwas zu kümmern. Und das hat erst mal nichts nichts mit autoritärer Erziehung zu tun, sondern eher mit der Sensibilisierung für Aufgaben und Pflichten im familiären Umfeld.

    Das Ganze ist ein ziemlich heisses Eisen und man kann sich mit seiner Meinung leicht die Finger verbrennen, wie man Kinder zu selbstbewussten und selbstständigen Menschen erzieht.

  5. Seitdem meist beide Eltern Vollzeit arbeiten müssen, um halbwegs gut über die Runden zu kommen, die Kinder in der Schule und im Ganztag “ geparkt“ werden und Erzieher und Lehrer dort kaum eine Möglichkeit haben, adäquat einzugreifen und rücksichtsloses Verhalten zu sanktionieren, sind manche Kinder wirklich zu „Kotzbrocken“ mutiert.

    In den ViKos konnte man als Lehrer dann hautnah miterleben, dass es für einige Kinder absolut normal ist, auch mit ihren Eltern absolut respektlos umzugehen. ( „Ey, Alte, verschwinde! Und mach die Tür zu! VON AUßEN! Und wo bleibt der Kakao?“)

    Dann wundert man sich auch nicht mehr über deren schulisches Verhalten!

    Sonst hört man immer: „Zu Hause ist er/sie ganz lieb! Muss wohl an Ihrer falschen Ansprache als Lehrer liegen !!!“

    Winterhoff hat sicherlich Fehler gemacht! Medikamentierung ohne Überprüfung ist Körperverletzung! Da gibt es absolut NICHTS zu beschönigen.

    Aber er hat auch etwas angesprochen, das nicht politisch korrekt ist, aber vielen jungen Mitmenschen (und ihren Lehrern und Erziehern) das Leben schwer macht!
    Rücksichtslosigkeit, Egozentrik und ganz einfach schlechtes Benehmen soll toleriert werden? Warum eigentlich? Wem hilft das? Wird der „Kotzbrocken“ dadurch im Beruf erfolgreicher sein? Wird er/sie eine erfolgreiche Partnerschaft leben können?

    Kinder haben Rechte, d’accord! Aber könnten sie nicht auch Pflichten haben? Z.B. die Pflicht, andere nicht mehr als nötig einzuschüchtern? Rücksicht zu nehmen? Andere zu achten?

    • Sie „könnten“ nicht nur Pflichten haben, sondern müssen es sogar. Wer das bestreitet, denkt wohl eher an sich selbst und seine schmückende „Großherzigkeit“ als an die Zukunft der Kinder.
      Das Leben ist nun mal kein Schlaraffenland, und lebenstüchtig wird nur, wer auch gelernt hat, Anforderungen und Pflichten zu erfüllen.
      Ihrem Kommentar kann ich nur zustimmen.
      Beim Punkt „Medikamentierung ohne Überprüfung ist Körperverletzung!“ frage ich mich allerdings, warum man nie etwas von einer justiziellen Anklage gehört hat, wenn die Sache so klar und bewiesen war. Winterhoff selbst stellt die Angelegenheit jedenfalls anders dar als seine Gegner. Hier wünschte ich mir mehr Klarheit über die Fakten und nicht über Behauptungen.

      • Wer bestreitet denn, dass Kinder auch (altersgerechte) Pflichten haben sollen? Die Schule ist ein einziger Pflichtenkatalog. Kenne aber keinen, der sie abschaffen will.

  6. Warum wird Kritik an linksideologischen Übertreibungen in der Kindererziehung (Stichwort: Laissez faire) eigentlich so gern „populistisch“ genannt, während Kritik an rechtsideologischen Übertreibungen (Stichwort: Große Strenge) als erwünscht und geboten gilt?
    Ich erinnere mich an A.S. Neill, seine Summerhill-School und seine antiautoritäre Pädagogik, die vor Jahrzehnten aufkam und bis heute den Zeitgeist bestimmt. Zwar nimmt keiner mehr den Begriff “antiautoritär” in den Mund, aber viele erziehen weiterhin nach dieser Devise, allerdings unter euphemistischen Begriffen wie “selbstbestimmtes” , “selbstorientiertes” oder auch “lustbetontes” Lernen.

    Die Wahrheit zwischen rechten und linken Erziehungsparolen liegt wie überall vermutlich auch hier in der Mitte. Als “populistisch” werden allerdings nur konservative Stimmen beschimpft. A.S. Neill und seine Werbung für antiautoritäre Erziehung wird bis heute nicht “populistisch” genannt, ebenso wenig wie andere linksideologische Ideen, egal, wie alt sie sind, welche Gebiete sie betreffen und wie der Praxistest mit ihnen ausfällt.

    Ich bin froh, dass es heute allmählich wieder konservative Stimmen in der Pädagogik gibt, die reale Erfahrung zu schätzen wissen und Gut-Machen von Gut-Meinen unterscheiden können. Die Bezeichnung “populistisch” sagt sowieso mehr über die politische oder weltanschauliche Einstellung des Sprechers aus als über die Sache selbst, die zur Diskussion steht.

    Dieser Artikel bei n4t hat mir übrigens auch sehr gut gefallen:
    https://www.news4teachers.de/2019/07/der-machtmechanismus-kindzentrierung-wie-tyrannenkinder-gemacht-werden/

    • @Birgit

      Interessant an der antiautoritären Summerhill-School ist, dass dort nicht alle Kinder aufgenommen wurden.
      Sie mussten schon ein wenig vorerzogen sein und wissen, wie Benehmen geht.

      • Und die Summerhill-Schule hatte ganz und gar nicht den Ehrgeiz, alle Kinder zu Akademikern zu erziehen!
        Ein Kind, dass nicht willens oder in der Lage ist, sich an die knapp 150 Regeln zu halten, wird nach Hause geschickt. Dort hat es dann eine Woche Zeit um darüber nachzudenken, ob diese Schule für ihn geeignet ist.

  7. Vor allem müssen Kinder lernen, dass es nicht immer nach ihrer Nase geht – dazu sind einfach zu viele Nasen in einer Klasse.

    Gemeinschaft sollte ein hohes Gut sein – aber wie, bei all den selbsternannten Königen?!

    Wieso interessiert sich – auch langfristig gesehen – niemand für die Kinder, die die Starallüren und das schlechte Benehmen mit vielen einhergehenden Störungen, Drohungen etc. über sich ergehen lassen müssen?

    Auch die tragen psychische Belastungen davon – Dank der Kinder anderer Leute.

    Bitte auch mal an die denken. Die gehen mit Bauch- und Kopfschmerzen zur Schule und verlieren den Spaß am Lernen.

  8. Der Herr mag über das Ziel hinaus schießen, im Kern hat er aber recht.
    Großen Teile unserer SuS würde ein gewisses Maß an Erziehung im Elternhaus gut tun.
    Keine drakonischen Körperstrafen wie zu Kaisers Zeiten, kein Drill wie im Boot-Camp aber konsequente Grenzen.
    Viele Eltern haben, aus meiner Sicht, das Augenmaß oder das Interesse für die Erziehung verloren.
    Es gibt den großen Teil der Helikopter-Eltern, welche im Bezug auf ihre Kinder die Realität nicht sehen (wollen?). Klausi ist halt hochbegabt und keiner außer uns kann das erkennen.
    Als zweite Gruppe gibt es Eltern die sich total aus der Erziehung verabschiedet haben. Für die ist die komplette Erziehung Sache der Schule. Sie selbst haben wohl Besseres zu tun.
    Erziehung ist frustrierend und macht echt Arbeit. Grenzen setzen und Einhalten ist schwer.
    Insgesamt ist die Entwicklung in der Erziehung wirklich beunruhigend.

  9. Wieso versucht man in diesem Land immer Löcher zu flicken, anstatt die Entstehung zu unterbinden?

    Mich macht diese Flickschusterei manchmal richtig krank.

    Unbestritten ist, dass die Zahl der psychisch belasteten Kinder zunimmt. Doch macht sich irgendjemand mal die Mühe zu überprüfen woran das liegt?

    Wir hatten Ende der 60er Jahre eine ganze Generation, denen durch Kurz Schuljahre nachgewiesenermaßen ein halbes Jahr Lernstoff fehlten und die zu nicht geringem Teil ohne abgeschlossene Ausbildung direkt in den Beruf gegangen sind. So sind die Kinder der 80er „erzogen“ worden. Auf der Straße, ohne elterliche Führung, weil beide Elternteile ganztags arbeiteten und ohne das Wissen, welchen Wert Bildung hat, sackte das Niveau und vor Allem die Fähigkeit zur Eigenorganisation und Selbstreflexion ins Bodenlose.

    Und jetzt jammern wir, weil die 3. Generation nicht pariert?

    Wer so kurz denkt ist kurzsichtig, egoistisch und tut das, was ich am Meisten hasse „er greift die Schwächsten – nämlich die Kinder“ an.

    Als Erstes sollten wir überlegen, was wie uns eigentlich vorstellen, was unsere. Kinder überhaupt lernen sollen? Für die Einen ist es Gehorsam. Für mich nicht! Ich hatte das Glück von klein auf lernen zu dürfen, dass es keinen Respekt verdient alt geworden zu sein, („Hab mal etwas Respekt vor dem Alter“ war in meiner Jugend ein sehr gängiger Satz) sondern vor dem wie sich Menschen verhalten.

    Ein klassisches Beispiel sind Strafarbeiten. So mancher verteilt sie wie Bonbons und in der nächsten Woche geht das Ganze von vorne los. Da stelle ich mir doch die Frage welchen Sinn dieses unsägliche Abschreiben der Schulordnung hat.

    Bevor wir uns auf die Kinder stürzen, sollten wir vielleicht anfangen die Eltern Verantwortung zu lehren. Was spricht eigentlich dagegen, dass Eltern, die keiner Arbeit nachgehen, zur Schule gehen müssen? Wäre es eine Motivation, wenn Sie jeden Tag zur Schule gehen und Hausaufgaben machen müssten, wenn Sie dadurch Gutscheine fürs Einkaufen bekämen? Bei dem geringen Satz mit dem sich bildungsferne Familien rum schlagen müssen, würde das mit Sicherheit funktionieren. Und würde dies nicht dazu führen, dass die Kinder einen anderen Zugang zur Bildung bekämen?

    Nicht nur, dass sie sehen, dass man fürs Lernen etwas bekommt, sondern auch, dass die Eltern einfach gezwungen werden präsent bei den Hausaufgaben zu sein, da sie ja selber auch etwas tun?

    Ich persönlich würde es gerne darauf ankommen lassen. Denn um auf mein Beispiel mit den Strafaufgaben zurück zu kommen, ich handhabe es so: wenn ich merke, dass ein Schüler meine. Arbeit nicht wahrnimmt, hole ich mir ihn dazu und lasse ihn ein wenig Lehrerluft schnuppern. Es hat noch nie lange gedauert, bis er versteht, wie viel Arbeit dahinter steckt und warum ich dafür so viel Geld bekomme. Das wirkt sich direkt auf die Kinder aus. Es wird Zeit, dass wir den Eltern die Möglichkeit geben erwachsen zu werden und diesen. Job selber zu machen.

    • @Lehrer mit Seele
      Ihr Nickname unterstreicht für mich die Beobachtung, dass die Gegner von Herrn Winterhoffs Position sich gern als einzig wahre Kindesversteher sehen und darstellen.
      Glauben Sie wirklich, dass Menschen mit anderer Ansicht keine Seele haben, kein Einfühlungsvermögen in Kinder und kein Interesse an dem, was ihnen erzieherisch gut tut und in der Entwicklung vorwärts bringt?
      ‚Ich habe eine Seele, die ich bei Andersdenkenden vermisse‘, ist kein Argument, sondern nur moralische Aufwertung einerseits und Abwertung andererseits.

    • @Lehrer mit Seele

      Losgelöst vom „Fall“ Winterhoff:
      „Was spricht eigentlich dagegen, dass Eltern, die keiner Arbeit nachgehen, zur Schule gehen müssen? Wäre es eine Motivation, wenn Sie jeden Tag zur Schule gehen und Hausaufgaben machen müssten, wenn Sie dadurch Gutscheine fürs Einkaufen bekämen?“

      Das ist ein interessanter Ansatz!
      Es ist mutet zwar zunächst ein wenig utopisch aber auch überlegenswert an, denn vielleicht kann es so gelingen einerseits Verständnis füreinander und andererseits für Mühe, Anstrengungsbereitschaft (auch mit Frustrationserlebnissen und deren Verarbeitung) sowie eine gewisse Grundhaltung gegenüber Arbeit (auch ohne – sofort – sichtbare Ergebnisse) zu schaffen.
      Warum sollte das nicht klappen? – Menschen lernen ja auch recht schnell negative Verhaltensweisen … und geben die an die nächste Generation weiter, was im Übrigen in allen sozialen Schichten so ist. Es kann – und sollte – auch mit positiven Verhaltensweisen klappen, allerdings wird das nicht von heute auf morgen gehen.
      Der „wunde Punkt“ ist aber wie immer, dass man in letzter Konsequenz niemanden wirklich zum Mitmachen zwingen kann. Das bedeutet, ein gewisser Teil würde lieber ganz ohne Anstrengung mit wenig auskommen (und dann aber trotzdem meckern über Ungerechtigkeit). Ich persönlich kann mir aber vorstellen, dass zuerst wohl wenige bei so einem Modell einsteigen und eine große Gruppe erstmal „die Doofen“ testen lässt und aus „sicherer Entfernung“ beobachtet, dann aber quasi nachrückt, wenn sich positive Erfahrungen (Selbstwirksamkeit PLUS materielle Vorteile) herumsprechen.
      Ich würde es auch gerne darauf ankommen lassen …

  10. Ich finde es sehr ehrlich, dass hier so viele zugeben, Winterhoffs Thesen etwas abgewinnen zu können. Ich kann auch verstehen, was an seinen Argumentationen für Lehrer*innen so akttraktiv ist. Aber Hr. Winterhoff hat mit seinen Diagnosestellungen wissenschaftlich und ethisch rote Linien überschritten, mit der vorgenommenen Medikation und therapeutischen Beziehungsgestaltung Macht missbraucht und somit mindestens einige seiner Patient*innen konkret geschädigt sowie über seinen Einfluss auf u.a. die Kinder- und Jugendhilfe auch systemisch unheilvoll gewirkt. Ich denke, seine Thesen und sein Menschenbild bzgl. Kindern lässt sich von diesem konkreten Handeln nicht völlig sauber trennen und so lädt diese ganze unschöne Geschichte alle Pädagog*innen dazu ein, immer mal wieder die eigenen Grundthesen zu hinterfragen.

    • Mich stört, dass Sie am Anfang die Wörter „ehrlich“ und „zugeben“ verwenden. Zugleich möchte ich Ihnen aber auch das Kompliment machen, mit einem rhetorischen Trick, alle Leser, die Herrn „Winterhoffs Thesen etwas abgewinnen können“, geschickt hinter die Fichte zu führen.
      Man fühlt sich von Ihnen so lobend verstanden, dass man kaum merkt, wie Sie mit Ihren Worten eine Unterstellung vornehmen.
      Ich z.B. brauche kein ehrliches Zugeben, um im Großen und Ganzen Herrn Winterhoffs Meinung zu teilen. Das brauchte ich nur, wenn es eine Schandtat wäre.

      Sollten Sie jedoch meinen, dass es heutzutage Ehrlichkeit und Mut erfordert um zuzugeben, dass man anderer Meinung ist als üblich, dann gebe ich Ihnen Recht. Dann kriegt man es kaum mehr mit Sachargumenten zu tun, sondern mehr mit persönlichen Angriffen.

    • Über die Diagnosestellungen und Medikation sollten die Krankenkassen und andere Ärzte urteilen, nicht wir Lehrer. Sollten sich die Vorwürfe gegen M. Winterhoff bestätigen, wäre das natürlich sehr unschön und evtl. ein Fall für die Ärztekammer. Bis dahin aber gilt m. M. nach die Unschuldsvermutung.

    • Sie sprechen ein interessantes Dilemma an, in welchem wohl jeder irgendwann mal steckt: eine Person, die etwas für einen persönlich Wertvolles geleistet hat, handelt gravierend fehl. Gebietet es jetzt die Moral, auch das wertvoll Geleistete abzuwerten, oder kann man das trennen? Ich habe das erste Tyrannenbuch gelesen, und fand es seinerzeit schlüssig und viele Verhaltensweisen von Kindern erklärend. Muss ich das jetzt verdammen, weil Winterhoff scheinbar in seiner Praxis später fehlhandelte?
      Schnelle und einfache Antworten gibt es hier meiner Ansicht nicht – ein klassisches Dilemma, wie es auch die evangelische Kirche in ihrem Verhältnis zum Reformator und Antisemiten Luther durchlebt.

      • Aufschlussreicher Vergleich. Geht es bei Winterhoff also um Religion? Das würde so manches erklären – in der Religion spielt Empirie keine Rolle, da reicht auch das „Gefühl“.

        • @Bernd
          Letztlich entscheidet jeder selbst, welcher Theorie er glaubt, sowohl auf Winterhoff als auch auf die Religion bezogen.
          Ich persönlich denke, dass Winterhoff aus seinen Erfahrungen heraus seine Thesen entwickelt hat – zur Religion hat zumindest er diese meines Wissens nach nicht erhoben, und wenn Sie meinen Post noch einmal in Ruhe lesen, werden Sie verstehen, dass ich keinen Zusammenhang zwischen Winterhoff und Religion hergestellt, sondern ein Beispiel für ein moralisches Dilemma beschrieben habe. Das mal fix zu verdrehen, war sicher reizvoll für Sie, aber unnötig.

          • Dafür gibt es eben Wissenschaft – da werden nicht nur Theorien aufgestellt, sondern auch mit Fakten belegt, die über anekdotische Erzählungen hinausgehen. Scharlatane haben das natürlich nicht nötig.

          • @Bernd
            Wissenschaft heißt auch, sich umfassend zu informieren und nicht über mehrere Bücher, die man nicht gelesen hat zu urteilen, nur weil man mal einen Vortrag dazu gehört hat.

          • Wissenschaft heißt, sich mit Wissenschaft zu beschäftigen – nicht mit unwissenschaftlichen Meinungsäußerungen und Glaubenssätzen. Sorry, ich weiß das: Ich bin Wissenschaftler.

            Ich urteile auch gar nicht über Winterhoffs Bücher. Ich urteile über seine Argumentation – da reicht ein Vortrag völlig, so komplex ist die nicht.

          • @Bernd
            Auch Sie sollten einräumen, dass es nicht „die Wissenschaft“ mit nur einer Meinung gibt, besonders nicht in Geisteswissenschaften wie der Pädagogik.
            Sie tun aber so, als ob es eine Wissenschaft gäbe, die aus einem Munde spricht.
            Dann suchen Sie sich die Stimmen aus, die Ihre Meinung bestätigen und maßregeln als „Wissenschaftskenner“ alle, die anderer Meinung sind als Sie.
            Da lobe ich mir doch alle Diskussionsteilnehmer, die bescheidener auftreten und sagen: „Ich bin der Meinung, dass…“ – „Ich glaube, dass…“ oder „Ich stimme dem Wissenschaftler XY zu, wenn er sagt, dass…“

          • Offenbar wissen auch Sie nicht, was Wissenschaft ist – Wissenschaft ist nicht „Meinung“, sondern eine auf Empirie gründende Annäherung an die Realität (wohlwissend, dass diese immer fehlerbehaftet sein kann). Dabei kann es natürlich Kontroversen darüber geben, wie die Empirie auszulegen ist. Es gibt aber keine Kontroverse darüber, dass zur Wissenschaft die Empirie gehört. Außer vielleicht in der Welt der „alternativen Fakten“.

          • @Bernd
            Gestern antworteten Sie mir: „Offenbar wissen auch Sie nicht, was Wissenschaft ist…“
            Wenn Sie ständig Menschen, die anderer Meinung sind als Sie, in ihrem Wissen und Können herabsetzen und Ihre Meinung als alleiniges Ergebnis von „Wissenschaft“ darstellen, erübrigt sich jede Diskussion.

          • Nochmal (stöhn): Wissenschaft hat mit „Meinung“ nichts zu tun. „Das Wetter ist schön“ ist eine Meinungsaussage, die sich der Überprüfung entzieht – ebenso die Aussage: „Eltern erziehen schlecht“. Schön und schlecht sind rein subjektive Kategorien, also keine wissenschaftlichen. In der Wissenschaft geht es aber um nachprüfbare Fakten. „Die Temperatur beträgt heute 23 Grad“ – das wäre beispielsweise wissenschaftlich überprüfbar, also eine nach wissenschaftlichen Kriterien sinnvolle Aussage. Im Kontext dieser Erziehungsdebatte wäre zum Beispiel die Feststellung, bei immer mehr Kindern wird eine psychosomatische Störung diagnostiziert, sinnvoll – das stimmt aber gar nicht, wie uns der Beitrag oben informiert. Also zum x-ten Mal: Wo sind Daten, die Winterhoffs Thesen in irgendeiner Form belegen?

            Um mal Wikipedia zu zitieren: „Wissenschaft bezeichnet auch den methodischen Prozess intersubjektiv nachvollziehbaren Forschens und Erkennens in einem bestimmten Bereich, der nach herkömmlichem Verständnis ein begründetes, geordnetes und gesichertes Wissen hervorbringt. Methodisch kennzeichnet die Wissenschaft entsprechend das gesicherte und in einen rationalen Begründungszusammenhang gestellte Wissen, welches kommunizierbar und überprüfbar ist sowie bestimmten wissenschaftlichen Kriterien folgt. Wissenschaft bezeichnet somit ein zusammenhängendes System von Aussagen, Theorien und Verfahrensweisen, das strengen Prüfungen der Geltung unterzogen wurde und mit dem Anspruch objektiver, überpersönlicher Gültigkeit verbunden ist.“

            Nur weil sie Sie „meinen“, wissenschaftlich zu argumentieren, dann tun sie das noch lange nicht.

          • @Bernd
            Stöhnen möchte ich auch: Wenn Wissenschaftler zu verschiedenen Ergebnissen kommen, was nicht nur in der Pädagogik häufig der Fall ist, kann man sich je nach eigenem Geschmack die Aussagen herauspicken, die das eigene Urteil bestätigen, und behaupten: Ich argumentiere aber wissenschaftlich und ihr nicht. Ihr „meint“ oder „glaubt“ ja bloß und das gilt nicht.
            Können Sie sich nicht vorstellen, dass es Andersdenkende gibt, die es sachlich korrekter und redlicher finden, angesichts der unterschiedlichen Wissenschaftsergebnisse und ihrer eigenen daraus gewonnenen Überzeugung lieber von eigener „Meinung“ und „Glauben“ sprechen als von „wissenschaftlicher Erkenntnis“ oder „wissenschaftlicher Argumentation“, die den Anspruch auf alleinige Wahrheit erhebt.
            Nein, mit dem Herauspicken einer bestimmten wissenschaftlichen These, die Sie mögen und darum ins Feld führen, tun Sie auch nichts anderes, als „meinen“ und „glauben“. Voller Subjektivität schließen sich einer „wissenschaftlichen“ Sichtweise an und erklären andere, die es z.B. aus der empirischen Forschung gibt, als „nicht wissenschaftlich“. Da hilft auch nicht das Wikipedia-Zitat.
            Um es mit Ihren Worten auszudrücken: „Nur weil sie Sie ‚meinen’, wissenschaftlich zu argumentieren, dann tun sie das noch lange nicht.“
            Ich bin sogar überzeugt: Jede langjährige und erfahrene Lehrkraft hat mehr empirische Forschungsergebnisse aufzuweisen als jemand von außen, der Studienergebnisse je nach Gusto auswählt, um mit ihnen seine eigene mehr ideologische als realitäts- und praxisnahe „Meinung“ anderen überzustülpen.

    • „Aber Hr. Winterhoff hat mit seinen Diagnosestellungen wissenschaftlich und ethisch rote Linien überschritten, mit der vorgenommenen Medikation und therapeutischen Beziehungsgestaltung Macht missbraucht und somit mindestens einige seiner Patient*innen konkret geschädigt“. Tut mir leid, hier betreiben S I E eine absolut unangemessene Vorverurteilung. Soweit ich weiß, steht da Aussage gegen Aussage, und es gilt immer noch die Unschuldsvermutung. Mich persönlich stört an der ganzen Sache nämlich, dass die „Geschädigten“ jetzt erst, nach so vielen Jahren, damit ankommen. Als Eltern würde ich mich z.B. ganz genau infomieren, welches Medikament mein Kind bekommt und warum, und nicht Jahre später feststellen, huch, da war bestimmt was falsch.

  11. Ich habe aus Herrn Winterhoffs Büchern nie herausgegelesen, daß er Kinder zu „Gehorsamkeit“ erziehen will. Mein Eindruck ist eher, daß er von den Erwachsenen mehr Klarheit, Konsequenz und Struktur im Umgang mit Kindern fordert. Daß sie Kindern Halt geben, indem sie einen festen Rahmen vorgeben. Innerhalb dieses Rahmens müssen die Kinder natürlich die Möglichkeit zur Selbstentfaltung haben.
    Deshalb sollten die Grenzen so gesetzt sein, daß sie den Kindern zwar genug Platz lassen, um sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung nicht zu hemmen, gleichzeitig müssen sie aber auch erfahren können, daß es Mitmenschen gibt, die ebenso ein Recht auf freie Entfaltung haben wie sie selbst und das die eigene Freiheit dort endet, wo sie mit dem Freiheitsrecht des Anderen kollidiert.
    Diese Einsicht fällt vielen Kinder heute aber zunehmend schwer. Sie ihnen beibringen zu wollen, hat nichts mit „schwarzer Pädagogik“ oder „preußischem Drill“ zu tun.
    So habe ich die Thesen von Herrn Winterhoff auch nie verstanden. Umso mehr bin ich jetzt fassungslos über die Vorwürfe, die in der Sendung gegen ihn erhoben werden, da ich sie so gar nicht mit den Aussagen seiner Bücher in Einklang bringen kann.

    • @Marion

      Danke! Mir geht das genauso.

      Ich habe eben beide Bücher herausgekramt und quergelesen. Der Eindruck bleibt!

      Er beschreibt hingegen sehr deutlich auch die Sicht des Kindes und dessen Entwicklungsstand sowie das Verharren in diesem durch Beziehungsprobleme zwischen Kind und Eltern.

      Nicht abzustreiten ist sicherlich, dass sich diese Beziehungsprobleme (s.weiter unten in einem Beitrag vom Riesenzwerg) auch in KiTa und Schule fortsetzen, da wir alle auf derselben Welle schwimmen (müssen).

  12. Ich kann nichts zu einem eventuellen Fehlverhalten Herrn Winterhoffs sagen. Es ist aber meine Befürchtung, dass Winterhoff nun für eine Hexenjagd genutzt wird. Was nun nur nicht passieren darf ist, dass man nicht über Erziehung sprechen kann, ohne Buhrufe abzubekommen und in eine falsche Ecke gestellt werden zu können.

    Es ist auch meine Erfahrung, aus meiner Schule und aus vielen Rückmeldungen von vielen Kolleg*Innen anderer Schulen, dass wir einen großen Erziehungsnotstand haben, und dass Schule hier sehr oft Probleme lösen muss, für die sie nicht ausgestattet ist, und für die es auch keine passenden rechtlichen Rahmen gibt.

  13. @Bernd

    Ich arbeite nicht (mehr) an sehr vielen Schulen, habe aber zu vielen Kolleg:innen an vielen Schulen Kontakt. Die Aussagen sind flächendeckend sehr, sehr ähnlich.

    Außerdem ist es nicht das einzelne Kind, das „schwierig“ ist – es ist die Summe der Kinder, denn die Anzahl ist gestiegen – und das sehr deutlich.

    Konzentrationsprobleme (laaaaange vor Corona bereits), häusliche Missstände (welcher Art auch immer – die Bandbreite ist immens), digitale Ablenkung, fehlende Betreuung zu Hause bei den Hausaufgaben (Schulen bekommen selten Geld, hier täglich zwei Stunden für eine Hausaufgabenbetreuung anzubieten) … ewig dieselben Auflistungen – an allen Schulen und Klassen zu denen und mit denen ich Kontakt habe.

    Und – diese „Schwierigkeiten“ ziehen sich durch das ganze Schulleben. Der Lernstoff bleibt dahinter deutlich zurück (nicht erst seit Corona), die sozialen Kompetenzen gehen den Bach runter – es sei denn, „HAU drauf und beschimpfe respektlos alles, was sich bewegt und anderer Meinung ist“ zählt neuerdings zu gemeinschaftsförderlichen Kompetenzen.

    Wir haben ein Erziehungsproblem – PUNKT.
    Lösen wir nicht an den Schulen – PUNKT (dazu fehlen Sozialarbeiter, Psychologen…).
    Können wir im Einzelfall – PUNKT (es gibt keine Einzelfälle mehr…… ).

    Mir ist unklar, weshalb Sie sich gegen Aussagen dieser Art verwehren – täglich haben wir mit Schüler:innen zu tun und können diese gut einschätzen. Das haben wir gelernt. Die meisten von uns sind da richtig gut drin. Aber ein gewisser Bogen darf nicht überspannt werden – dann bricht er. Kommt aus der Materialforschung.

    In 45 Minuten habe ich in einer Klasse mit nur 30 Schüler:innen vielleicht für jede(n) eine Minute im Unterricht. Das ist zu wenig – auch für die nicht“schwierigen“ Schüler:innen.

    Es mag gut sein, dass immer noch im Kopf hängt – wir hätten vormittags Recht und nachmittags frei – das stimmt bei mir (und ja – meinen Kolleg:innen – seit 20 Jahren schon nicht mehr – falls es je so war.).

    Danke hier noch mal an Schröder – und Korrektur vornehmen: Wir sind KEINE faulen Säcke!

    Ich bin der festen Überzeugung – ohne uns wären noch viel mehr Kids chancenlos.

    Und: NEIN, ich schere ganz gewiss nicht alle Eltern über einen Kamm. Aber deren Kids leiden auch unter den „schwierigen“ Kindern und der Situation im Klassenraum und auf dem Schulhof.

    Unser rechtlicher Rahmen ist begrenzt – sehr sogar – und das wissen viele. Aussitzen wie Kohl scheint da der Weg vieler Eltern und Erziehungsberechtigter zu sein, die meinen, mit der Einschulung ein „Rundumsorglospaket“ gebucht zu haben und die Kids fremderziehen lassen zu können. (Das lasse ich nicht mal bei meinem Hund zu!)

    Erziehung ist wichtig – und die fängt im Elternhaus an. Wenn wir die Kids bekommen, liegt meist schon sehr viel im Argen.

    Winterhoff spricht in seinem Buch „Warum unsere Kinder Tyrannen werden ODER: Die Abschaffung der Kindheit“ von drei Beziehungsstörungen zwischen Kindern und Eltern.
    a) Partnerschaftlichkeit – Kinder werden aus der untergeordneten Rolle zwangsbefreit
    b) Projektion – Eltern begeben sich unter das Kind
    c) Symbiose – Wenn Eltern mit der Psyche ihres Kindes verschmelzen

    Bitte lesen und dann urteilen – ich konnte sehr viel nachvollziehen und hatte bei allen drei Störungen durchaus mehrere eigenen Beispiele vor Augen.

    Gleichsam stellt Winterhoff einen Lösungsansatz vor – Die Beziehungsfähigkeit wieder herstellen – Kinder wieder als Kinder sehen

    Für mich ergeben seine Schlussfolgerungen Sinn – Kids nach der Geburt so schnell wie möglich in die KiTa, ein Wesen unter vielen, dann in die Schule, ein Wesen unter vielen…. Da baut sich nicht wirklich viel an Beziehung auf.

    Gemeinsames Essen fällt weg, jeder sitzt vorm I-Phone, der PlayStation oder was auch immer. Und immer allein – virtuelle Freunde sind nicht geeignet für ein soziales Beziehungsgeflecht – sie sind nie da! Wie viele Eltern ebenfalls. Das soll kein Vorwurf sein, eher eine Beschreibung der Realität (Bernd, fragen Sie mal die Kids in der Schule, wie oft diese alleine zu Hause sind – auch, wenn die Eltern und Geschwistern sich dort ebenfalls befinden).

    Winterhoff spricht davon, unreifes Verhalten der Kids zu spiegeln – damit sie ihren eigenen Reifeprozess starten können. Ansonsten werden sie „klein“ gehalten.

    Aber bitte selber lesen – auch das Folgebuch: „Tyrannen müssen nicht sein – Warum Erziehung nicht ausreicht – Auswege“

    Und NEIN, ich erhalte keine Tanitiemen oder sonst etwas – es gibt auch Büchereien, da gibt es das Buch zum Leihen.

    Ein weiteres ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch ganz interessant: Axel Becker, Die Toleranzfalle – Was grenzenlose Liberalität uns und unseren Kindern antut.

    Denn wenn ich immer nur schön tolerant zulasse, was das Kind macht, lernt es auch etwas. Darüber darf gerne einmal nachgedacht werden.

    • Mit „Basta“ und „Punkt“ werden falsche Aussagen nicht richtiger. Auch wenn das offenbar der von Winterhoff gepredigten Methodik entspricht.

      „Gleichsam stellt Winterhoff einen Lösungsansatz vor – Die Beziehungsfähigkeit wieder herstellen – Kinder wieder als Kinder sehen“

      Was für eine dünne Suppe. Wollen Sie mit einer solchen Platitüde die Probleme von verwahrlosten Kindern drogensüchtiger oder alkoholkranker Eltern lösen? Haben Sie sich schon mal mit den Problemen von Kindern psychisch kranker Eltern beschäftigt? Scheidungskinder? Andersherum: Kinder von Helikoptereltern leiden nicht unter zu wenig Erziehung – sie leiden unter zu viel davon. Oder: Schätzungen des Bundesfamilienministerium zufolge sitzen im Durchschnitt pro Klasse ein bis zwei missbrauchte Kinder. Was haben die von Winterhoffs Ratschlag, „die Beziehungsfähigkeit wieder herzustellen“? Was ist mit traumatisierten Flüchtlingskindern, die Tod und Teufel erlebt haben? Oder, aktueller Fall aus Hamburg: Der 13-jährige Schüler, der einen Polizisten angegriffen hat, ist der Sohn eines Mannes, der gerade wegen Mordes vor Gericht sitzt – mit „Kinder wieder als Kinder sehen“ ist dem Jungen nicht geholfen.

      Das Schlimme an Winterhoff ist: Die gravierenden vielfältigen gesellschaftlichen Probleme, mit denen Schule konfrontiert ist, werden durch diesen dumpf-reaktionären Ansatz banalisiert. Druck auf die Eltern, damit die mal wieder „ordentlich“ erziehen – schon läuft der Laden wieder? Nein, tut er nicht.

      • Sie als Wissenschaftler propagieren ernsthaft, EIN Ansatz könne ALLEN Kindern in ihren jeweiligen Lebenssituationen gerecht werden, EIN Ansatz könne ALLE Probleme lösen? Schablone drauf und fertig? Dazu versteigen sich weder Winterhoff noch Riesenzwerg.
        „ Mit „Basta“ und „Punkt“ werden falsche Aussagen nicht richtiger. Auch wenn das offenbar der von Winterhoff gepredigten Methodik entspricht.“
        Nun, Riesenzwerg beschreibt Erfahrungen, die hier etliche Kollegen teilen. Da ist dann schon eine Menge Empirie dabei – zumindest sollte die Vielzahl dieser gleichartigen Beschreibungen einen Wissenschaftler dazu bringen, diese Erfahrungen nicht als „isolierte Einzelmeinung“ abzutun, sondern genauer hinzuschauen.
        Sie haben zur Meinungsfindung genau einen Vortrag gehört, keins der Bücher, welche den Ansatz von Winterhoff zur Bewältigung einer bestimmten Problemlage beschreiben, gelesen. Aus meiner Sicht ähneln Sie dem Blinden, der versucht, Farben zu beschreiben: Sie haben eine bestimmte Vorstellung vor Ihrem geistigen Auge – die hat mangels Erfahrung jedoch nur bedingt mit der Realität zu tun.

      • @Bernd

        Sorry Bernd,
        aber Ihr Beitrag ist ebenfalls „dünne Suppe“ nach Art einer Jugendherbergsküche aus den 70er Jahren mit bunter Einlage Marke „mal sehen was auf dem Boden liegt und dringend wegmuss“.

        Sie machen den weiten Kunst?griff von
        – Probleme von verwahrlosten Kindern drogensüchtiger oder alkoholkranker Eltern,
        – Problemen von Kindern psychisch kranker Eltern
        – Scheidungskindern (kleine Anmerkung von mir: Die MÜSSEN nicht zwangsläufig mehr Probleme haben als Kinder mit beiden leiblichen Elternteilen im gemeinsamen Haushalt),
        – Kinder von Helikoptereltern die an zu viel Erziehung (Echt jetzt – wirklich Erziehung?) leiden,
        bis hin zu
        – im Durchschnitt pro Klasse ein bis zwei missbrauchte Kindern und
        – traumatisierten Flüchtlingskindern, die Tod und Teufel erlebt haben.

        Bernd, hier finden sich eine Menge Lehrer … meinen Sie – als Wissenschaftler laut eigenem Bekunden – dass das alles Tüddelköppe sind, die Sie jetzt aber mal so richtig informiert und aufgeklärt haben, damit man an da unten im Dunkel der Basis endlich mal merkt, was sich 5 Tage die Woche so vor der eigenen Nase abspielt?
        Na, jedenfalls vielen Dank so weit, wäre aber doch nicht nötig gewesen -nee echt nicht.

        Abschließend dann der Coup mit dem „13-jährige Schüler, der einen Polizisten angegriffen hat, ist der Sohn eines Mannes, der gerade wegen Mordes vor Gericht sitzt – mit „Kinder wieder als Kinder sehen“ ist dem Jungen nicht geholfen. “

        Was man aber auch als Lehrer merkt: In Ihren Ausführungen fehlt etwas Entscheidendes!
        Nämlich die Antwort auf die Frage „Womit wäre dem Jungen denn geholfen?“

        Darüber verlieren Sie bisher leider kein einziges Wort (also weniger als „dünne Suppe“, nämlich „nüschte“) – auch nicht unter dem Artikel
        https://www.news4teachers.de/2021/08/brutaler-angriff-einer-schuelergruppe-auf-einen-polizisten-loest-grosse-bestuerzung-aus/
        (Zuletzt nachgeschaut am 23.8. um 23.59 Uhr.)

        Schade.
        Aber Sie können ja gerne konkret (!) nachlegen.
        Damit es nicht ausufert, würden mich fürs Erste Ihre – wie gesagt konkreten – Ideen zu dem besagten 13-jährigen Schüler, der einen Polizisten angegriffen hat, sehr interessieren.

        • Ich muss nicht nachlegen, der VBE (z. B.) – der ja auch weitgehend aus Lehrkräften besteht – hat längst vorgelegt. In einem Positionspapier zu „multiprofessionellen Teams an Schulen“ heißt es:

          „Die Heterogenität an den Schulen steigt stetig. Damit entsteht eine enorme Vielfalt an Bedürfnissen, Talenten, Interessen, Potenzialen, Begabungen, sozialen Problemen und Lebensmodellen. Nur durch einen konstruktiven Umgang mit dieser Diversität und die individuelle Förderung aller Kinder kann Bildungsgerechtigkeit erreicht werden. Lehrkräfte benötigen hierfür Unterstützung in Form von professionell ausgebildeten Fachkräften. Schule muss deshalb ein Ort multiprofessioneller Teams werden. Durch den dauerhaften Einsatz dieser Teams können die Kinder bestmöglich gefördert, eventuelle Problemlagen gemildert bzw. vermieden und Kontinuität und Planbarkeit hergestellt werden.

          Die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams bedeutet immer ein gemeinsames Arbeiten. Soll heißen: kooperatives Erarbeiten, Konzeptionieren und Handeln. Das kann den Unterricht selbst und Lernzeit betreffen, aber auch Fördergruppen und Förderunterricht, genauso wie fachbezogene oder fachunabhängige Projekte. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams. Das Teamteaching, die Arbeit einer Lehrkraft mit einer unterstützenden Fachkraft und das Ermöglichen eines punktuell separaten Arbeitens. Die Verantwortung für den Unterricht bleibt bei der ursprünglich zuständigen Lehrkraft.

          Voraussetzung für das gelingende Arbeiten in multiprofessionellen Teams ist die Bereitstellung zeitlicher und materieller Ressourcen für Kooperation und Organisation und die Etablierung fester Kooperationsstrukturen. Essenziell ist zudem die Unterstützung der Schulleitung durch die Bereitstellung dieser Ressourcen und Strukturen.

          Mitglieder eines multiprofessionellen Teams können je nach Bedarf vor Ort unterschiedliche Professionen bzw. Qualifikationsmerkmale besitzen. Es können sein: Sonderpädagogen, Erzieher, Schulsozialarbeiter, (Schul-) Psychologen, Schulbegleiter, Diplom-/Sozialpädagogen, (Jugend-) Sozialarbeiter, Integrationshelfer, Mitarbeiter der Jugendhilfe und Lern-/Physiotherapeuten. Die Koordination aller Mitarbeiter erfolgt über die Schulleitung. Qualitätsstandards sichern das Niveau der Unterstützung und sind durch zusätzliche Ressourcen der Schulverwaltung zu erarbeiten.

          Außerdem sollte ein Kompetenznetzwerk rund um die Schule aufgebaut werden. Dieses verbindet außerschulische Institutionen und Professionen zu einem verbindlichen Unterstützungssystem. Konkrete Ansprechpartner mit entsprechenden Kenntnissen und Ressourcen können bei Bedarf an den Schulen tätig werden. Hierzu zählen u.a. Schulärzte und Krankenschwestern, Präventionsbeauftragte der Polizei, Mitarbeiter aus Hochschulen, Werkstudenten, Handwerker.“

          Quelle: https://www.vbe.de/der-vbe/bundesverband/positionen-des-bundesverbandes/multiprofessionelle-teams

          Winterhoff ist natürlich einfacher, natürlich auch für die Kultusminister.

          • @Bernd

            Lieber Bernd,
            ich habe nach IHREN konkreten (!) Ideen gefragt:
            „Aber Sie können ja gerne konkret (!) nachlegen.
            Damit es nicht ausufert, würden mich fürs Erste Ihre – wie gesagt konkreten – Ideen …“

            Stattdessen eröffnen Sie mit „Ich muss nicht nachlegen, der VBE (z. B.) – der ja auch weitgehend aus Lehrkräften besteht – hat längst vorgelegt.“
            Lieber Bernd, wollte ich den VBE fragen, hätte ich es direkt getan.

            Dennoch wollen Sie hier ein ellenlanges Zitat des VBE (, dessen Position mir – wie den meisten Lehrerkollegen – durchaus vorher bekannt war,) als „stärkendes Manna des Tages“ verkaufen?
            Hinter dem Zitat schnell noch mal irgendwie den Namen Winterhoff dranklatschen und fertig ist … soll das etwa Ihre Antwort sein auf meine Bitte nach IHREN Ideen zum Fall des 13-Jährigen?

            Immerhin war das ein dürrer Lacher am Morgen, denn es erinnerte mich (leider nur) seeeehr entfernt an Martin Sonneborn: Der ist ja nicht nur deutscher Journalist und Politiker – viel länger noch ist er Satiriker.
            Ja, Satiriker.
            Bei DEM ist es (vor allem auch witzig präsentiert) wenn er vor etlichen Jahren einer Moderatorin in einem Studiointerview auf deren Frage antwortete:
            „Ich bedanke mich für Ihre Frage – beantworte aber zunächst eine andere.“
            Sie sind aber doch kein Satiriker, sondern benennen sich selbst als Wissenschaftler.
            Natürlich können auch Wissenschaftler einen Hang zum Lustigsein haben (Warum denn auch nicht?), aber sie sollten sich wenigstens bemühen (sic!) auf eine freundlich gestellte Frage sachlich klar zu antworten.
            Das bedeutet im aktuellen Fall so viel wie „Frage nach IHREN (!!!) Ideen = Antwort mit IHREN (!!!) Ideen.“

            Eine weitere Erwiderung auf meinen aktuellen Post braucht es nicht mehr, denn ich bin mir absolut sicher, dass Sie den Mechanismus von Frage und sachlich klarer Antwort als Wissenschaftler sehr wohl kennen und das sicher auch im ersten Anlauf hinbekommen hätten – wären denn EIGENE Ideen vorhanden.
            (Ein Wissenschaftler könnte doch auch im ersten Anlauf zugeben, dass er bzw. „sein“ Fachbereich – was auch immer der ist – keine konkrete Antwort auf diesen Fragestellung kennt und folglich auch gar nichts präsentieren kann. Ich persönlich habe da immer noch ganz infantile Ideale, auch bezüglich der Glaubwürdigkeit der Wissenschaft und den Wissenschaftlern – aber ich habe auch gelernt mit Enttäuschungen umzugehen.)

            Also vielen Dank für nix.

          • Geht es hier um die Sache – oder um irgendetwas Persönliches, das Sie zur beleidigten Leberwurst macht?

            Ich habe Ihnen einen Lösungsansatz konkret benannt, der von Praktikern stammt (ebensolchen wie Sie einer sind), der mir schlüssig erscheint, der allerdings auf einer ganz anderen Diagnose als der von Winterhoff beruht – und auch die Quelle dazu angegeben. Anders als Sie und manche Diskutierende hier maße ich mir nicht an, meinen persönlichen Erfahrungshorizont zum Maß aller Dinge zu machen.

            Genau das ist das Problem hier: die Bauchnabelschau. Wenn ich aus meinem Fenster schaue, ist das Wetter schön – bisschen kühl. Gibt’s den Klimawandel deshalb nicht?

          • Ach Bernd, ich schrieb es schon einmal:
            W. 23. August 2021 um 09:29
            Jetzt wird es argumentativ grad extrem blöd.

            Nachdem sich hier aber viele Schreiber mit Ihren Beobachtungen (oft über viele Jahre) beteiligt haben, haben Sie auch fleißig mitgeschrieben und können einfach keine Meinung gelten lassen die nicht Ihre ist.
            Ihre Vorgehensweise ist irgendwie immer gleich.
            Sie unterstellen z.B. mir ( Bernd 23. August 2021 um 10:33 ) natürlich mit einer Frage, ich hätte den Artikel womöglich gar nicht gelesen.
            Aber das ist schon ok, Sie machen das grundsätzlich bei jedem so und unterstellen was Ihnen gerade so durch Ihren Wissenschaftlerkopf geistert: Die einen haben Artikel nicht gelesen, die anderen sind beleidigt, die nächsten sind Ihnen politisch nicht genehm (es gibt Themen/andere Artikel wo das Ihr einziges Argument ist) und so weiter und so fort.
            Sie teilen gegen alles und jeden gerne aus, werden gerne persönlich, drehen und winden sich wie ein Aal und schlagen mit Worten kräftig um sich.
            Sind Sie nur auf der Suche nach ein bisschen Aufmerksamkeit?
            Ihre persönliche klare Position bleiben Sie auf direkte Nachfrage aber immer schuldig. Vielleicht ist das so weil Sie sich selbst ganz schwindelig schreiben.
            Sie verstecken sich dann hinter dem was Sie in dem Moment als Wissenschaft ansehen (immer nur ein winziger Ausschnitt der ganzen Lage), das kann man unter diesem Artikel hier besonders gut erkennen, aber es ist das Spielchen was Sie immer spielen.
            Das haben Sie jetzt empirisch ausreichend belegt.

            Wir haben verstanden, dass Sie ganz weit oben stehen:
            “ Bernd 23. August 2021 um 18:51
            Wissenschaft heißt, sich mit Wissenschaft zu beschäftigen – nicht mit unwissenschaftlichen Meinungsäußerungen und Glaubenssätzen. Sorry, ich weiß das: Ich bin Wissenschaftler.“

            Oder auch:
            “ Bernd 24. August 2021 um 06:49
            Offenbar wissen auch Sie nicht, was Wissenschaft ist – Wissenschaft ist nicht „Meinung“, sondern eine auf Empirie gründende Annäherung an die Realität (wohlwissend, dass diese immer fehlerbehaftet sein kann). Dabei kann es natürlich Kontroversen darüber geben, wie die Empirie auszulegen ist. Es gibt aber keine Kontroverse darüber, dass zur Wissenschaft die Empirie gehört. Außer vielleicht in der Welt der „alternativen Fakten“.“

            Sie alleine wissen was Wissenschaft ist.
            Sie alleine wissen was Sache ist und wo es langgeht.
            Sie alleine haben es drauf.

          • Wie ein Sprung in der Platte: Winterhoff hat recht, weil (manche) Lehrkräfte hier meinen, er hat recht. Belege? Kein einziger.

            Nicht mal die Probleme, um die es hier geht, werden klar definiert – diffuses Gemumpfe über Kinder und Eltern, mehr lese ich hier nicht. Kinder unter drei in Kitas zu geben, ist schlecht, Kinder Medien nutzen zu lassen sowieso, arbeitende Mütter erst recht – wo sind die Studien, die solche Behauptungen stützen? (Tatsache ist: Es gibt, im Gegenteil, viele Studien, die einen positiven Effekt von Kitas für die kindliche Entwicklung aufzeigen, auch von einem sehr frühen Kita-Besuch.)

            Das hier ist keine wissenschaftliche fundierte Debatte, nicht mal eine sachliche. Am Ende bleibt nur der persönliche Angriff – arm. Aber eben das Niveau, das Winterhoff bedient.

          • „Belege? Kein einziger.“
            Genau so ist es aber auch mit der anderen Platte, in der ein Sprung ist: „In heterogenen Lerngruppen wird besser gelernt, weil die Starken die Schwachen mitziehen.“ Dieses Gesäusel wird tausendfach von interessierter Seite wiederholt in der Hoffnung, am Ende glauben es alle. Aber Belege dafür gibt es keine. Hier im Forum haben etliche dem sogar deutlich widersprochen. Die GEW-Funktionäre und –Anhänger werden das aber weiter behaupten.

          • @Bernd
            Ein Zitat von Ihnen:
            „Das hier ist keine wissenschaftliche fundierte Debatte, nicht mal eine sachliche. Am Ende bleibt nur der persönliche Angriff – arm. Aber eben das Niveau, das Winterhoff bedient.“
            Und ein zweites hinterher, kurz zuvor von Ihnen formuliert:
            „Geht es hier um die Sache – oder um irgendetwas Persönliches, das Sie zur beleidigten Leberwurst macht?“
            Mittlerweile denke ich, dass W. Ihre Art der „Diskussionsführung“ treffend zusammengefasst hat. Wissenschaft geht anders (gibt eben in jedem Beruf die, die es schon drauf haben und die, die es noch lernen müssen).

  14. Hallo,

    ich möchte gerne etwas dazu schreiben.

    Vor ziemlich genau 30 Jahren war meine Mutter, damals sehr verzweifelt, mit meiner damals 13 jährigen Schwester bei Dr. Winterhoff vorstellig.
    Meine Schwester litt enorm unter der Scheidung meiner Eltern und wurde – salopp gesagt – verhaltensauffällig.
    Nun suchte sie Hilfe und es ergab sich, wie oft geschildert, dass Herr W. ein sehr (!) kurzes Gespräch mit meiner Mutter führte, in dem sie ihm, ähnlich wie ich hier, die Situation schilderte.

    Es folgten keine fünf Minuten mit meiner Schwester, alleine in seinem Büro.

    Er kam heraus und sagte zu meiner Mutter: „dieses Kind ist eine Zeitbombe und gehört sofort aus der Familie genommen“.
    Mehr gab es nicht zu sagen.

    Meine Mutter verließ die Praxis und beließ es bei diesem einen Termin. Aber sie folgte auch seiner „Aufforderung“ und so kam es, dass meine Schwester in ein Jugenddorf umziehen musste.
    Ich erinnere mich, damals keine 10 Jahre, wie verzweifelt sie war.

    Herr W. hat bewusst einem Kind, dass unter dem Verlust des Vaters litt, auch noch die Mutter genommen.
    Rückblickend ist das an Grausamkeit in diesem Fall nicht zu überbieten.
    Dass meine Mutter heute noch von Schuldgefühlen zerfressen ist, sei am Rande erwähnt.

    Und noch etwas möchte ich aus MEINER Beobachtung sagen:
    Es sind bei weitem NICHT (nur) Kinder, die sich sowohl egoistisch, wie auch rücksichtslos und arbeitsscheu zeigen.
    DAS fällt mir tatsächlich viel öfter bei den Erwachsenen auf.
    Egal, ob in Behörden, Geschäften oder Dienstleistungen. Kaum mehr einer steht (gefühlt) noch hinter der Arbeit, die er verrichtet.
    Rechtschreibfehler in Anschreiben, Verzögerungen in der Ausführung, patzige Antworten bei Telefonaten usw.
    Und auch in der Politik zeichnet sich all zu oft ab, worum es am Ende eigentlich geht.
    Die eigenen Belange auf Kosten anderer um das kurz runter zu brechen.

    Außerdem: einige haben es bereits angesprochen.
    Vorrang hat, dass beide Elternteile arbeiten gehen. Schon wenige Monate alte Kinder werden, teilweise einen ganzen Arbeitstag, „woanders“ betreut. Tagesmütter, Kitas, Hort, OGS und selbst DANN muss noch die Freundin (ich bin so eine) den Sohn von der OGS abholen, weil beide bis in den Abend arbeiten und die übrigen Betreuungspersonen auch mal nicht können.

    Ach so, wenn aber eine Mutter, wie ich, zu Hause bleibt, weil der Mann so gut verdient, dass es „passt“ (nein, reich sind wir nicht, wir brauchen aber kein fettes Auto und jedes Jahr Urlaub im Ausland, tragen Klamotten, solange sie tragbar sind usw), dann gilt man als faul oder steht im Verdacht, sich selbst aufzugeben oder sich vom Mann aushalten zu lassen.
    Wenn es heißt „ach, so ohne arbeiten gehen, das könnte ich nicht“ wundere ich mich immer wieder über „hast Du es gut, dass du zu Hause bleiben kannst“. Und das von meist den selben Personen! Nur eben an anderer Stelle geäußert.

    Und die Tendenz geht dahin, dass immer mehr Betreuungsplätze gebaut werden, aber immer noch kaum Personal da ist, diese überhaupt zu besetzen! Aber, jeder arbeitsfähige soll bitte auch arbeiten gehen.
    Familienpolitisch finde ich unser Land wirklich unterirdisch.
    Unsere Kinder wachsen in keinem Kinderfeindlichen Land auf und das spüren sie auch.
    Sie sollen nach Möglichkeit alle so schnell wie möglich „funktionieren“ und bis es soweit ist, nach Möglichkeit unsichtbar bleiben.
    All der Druck der Eltern wird mitgetragen und eventuelle Probleme, nämlich die, die in der langen Zeit der fremd Betreuung auch all zu oft auftreten, totgeschwiegen.

    • Die besonderen Herausforderungen, die Kinder heute erzieherisch darstellen, wurzeln weniger in ihrem Wesen (Narzissmus, wie in Hr. W. häufig diagnostizierte), sondern sind wie eh und je ganz einfach Ausdruck der Beziehungsgestaltung unter uns Erwachsenen, Folgen unseres Wirtschaftssystems etc. Kinder entwickeln sich durch Prägung. Wenn Verlierer unserer Gesellschaft ihre Kinder falsch erziehen, kann man ihnen als Eltern die Schuld zuweisen (und auch ich möchte sie keineswegs von ihrer Verantwortung freisprechen!)… im Prinzip sind wir aber alle mit verantwortlich. Vielleicht ist das schwerer zu akzeptieren als Hrn. Winterhoffs Thesen. Für eine echte Veränderung im Erziehungsnotstand müssten wir uns als Gesellschaft ähnlich fundamental ändern wie ggü. dem Klimawandel auch … daran sieht man ja, wie schwer uns das fällt. Die Hoffnung auf Star-Therapeuten ist da total verständlich, finde ich.

  15. Immer wieder wurden Kinder aus unserer Grundschule zu diesem Tyrannen geschickt. Ein Mädchen aus meiner Klasse, sehr angepasst, Kann- Kind, freundlich, klug, intelligent, hatte alle 4-5 Wochen Bauchweh und wollte nach Hause. Sie war Ganztagskind, nach der Schule in zahlreichen Vereinen und auch in sämtlichen Ferienbetreuungen angemeldet. Hin und wieder wurde ihr das zu viel und sie brauchte eine kleine Auszeit mit Mama. Und was meinte die Mutter? Sie kann ja nicht ständig aus Meetings raus, weil ihre Tochter Bauchweh hat und nicht funktioniert. Und was sagt Winterhoff? Das Kind ist schuld, natürlich, es manipuliert seine Mutter über seine Bauchschmerzen und das muss abgestellt werden. Mehr muss man nicht wissen zu diesem furchtbaren Mann.

  16. Wenn Herr Dr. W. jedem Patienten die gleiche Diagnose überstülpt und jeden Patienten unkritsich mit demselben Medikament therapiert, ist das mehr als fragwürdig und muss natürlich juristisch untersucht werden. Und er wird dann dafür geradestehen müssen, ohne Frage, wenn das alles so stimmt, wie in der bekannten ARD-Dokumentation berichtet wurde.
    Schlimm, erschreckend, entsetzlich.
    Ich habe meinerseits gute Einblicke in den Bildungsbereich und finde viele diesbezügliche Thesen Ws bestätigt, zu viele, als dass man immer nur von Einzelfällen sprechen könnte.
    Da steckt mehr dahinter, leider.
    Es treffen viele ungünstige Faktoren zusammen, ein paar Punkte zum Nachdenken:
    1. Fehler: Abschaffung der Grundschulempfehlung: Mein Kind muss auf jeden Fall aufs Gymasium, da sind ja seine Freunde, die will es ja weiter sehen, nur mit Abitur hat es gute berufliche Chancen. Folgen: Ungeeignete Kinder sind schon in den ersten beiden Jahren überfordert, überdreht, übermüdet, frustriert, stören, lärmen, werden meist frech, wenn man sie zu mehr Leistung auffordert oder schalten komplett ab, Vorschläge zur Verbesserung der eigenen Leistungsfähigkeit werden nicht angenommen, diese könnten ja das umfängliche Freizeit- und Familienprogramm stören, Eltern wollen das Niveau der Klassenarbeiten vorschreiben, den Lehrer unter Druck setzen, vor allem auch hinsichtlich der Benotung, und drohen mit dem Anwalt, die Schulleitung knickt meist aus Angst ein.
    Wenn Kinder nun noch zusätzlich neurologische Entwicklungsstörungen mitbringen und/oder verhaltensauffällig sind, ist das Tollhaus komplett. Man muss doch heute auch nichts mehr können, man kann doch alles googeln…
    Und die wenigen anderen, die wirklich etwas können, sind die „Bösen“, weil sie sich erlauben, darüber zu urteilen. Heute werden meist interessierte und lernwillige Kinder gemobbt, wenn sie gute Noten erhalten. Das ist eine verkehrte und verdrehte Welt, schlimm. Der Schein bleibt aber gewahrt, man kann immer sagen, dass das eigene Kind ja schließlich auf dem Gymnasium ist. Dabeisein ist oft alles.
    2. Fehler: Der so viel diskutierte offene Unterricht als alleinige Unterrichtsform ist meines Erachtens komplett verfehlt. Wenn eine völlige Inhomogenität von Schülerinnen und Schülern aufeinandertrifft, dann kann man nicht mehr lehrerzentriert unterrichten und ist gezungen, aus der Not eine Tugend zu machen und frei zu unterrichten, mit Binnendifferenzierung und Gruppenarbeit, was dann konkret meist so aussieht: ohrenbetäubender Lärm, in den Gruppen arbeiten max. nur 1-2 Schüler, der Lehrer hetzt nur noch hin und her, jeder macht irgendendwas, dann ist die Stunde um. Ergebnis: Null. Jede Arbeitsform hat irgendwie ihre Berechtigung, aber der offene Unterricht kann nur ein Element unter vielen anderen sein, den man vor allem mit älteren und guten Schülerinnen und Schülern am Ende eines Lernprozesses zur Ergänzung oder Abrundung durchführen kann, der aber nie am Anfang stehen kann. Wissen verankert sich in keiner lauten und unruhigen Umgebung, da geben auch die lernwilligsten Kinder irgendwann auf. Ruhe, Konzentration und gleiche Arbeitsprozesse hingegen geben Halt und Sicherheit.
    3. Fehler: Abschaffung der Hausaufgaben: gängige Argumente gegen Has: Hat mein Kind keine Zeit dazu, langweilt sich, ist unnötig, es soll in der Schule lernen, nicht zuhause.
    Richtig ist: Hausaufgaben in der richtigen Anforderung und in angemessenem Unfang nach der Vorbereitung in der Schule entsprechend gestellt sind immer eine Hilfe für das Kind, das daheim und nicht im Schulchaos sieht, ob es auch tatsächlich selbstständig ohne Hilfsperson arbeiten kann. Dann käme es mit Klassenarbeiten besser zurecht.
    4. Fehler: falsche Erwartungen wecken: Kinder, die anfangs schon überfordert sind, bleiben es auch in den folgenden Jahren. Spätestens nach der 10. Klasse ist für viele dann aber, seltsam, seltsam, Schluss. Die Enttäuschung ist meist groß, die Vorwürfe und das Unverständnis auch.
    5. Fehler: zu große Klassen
    Infolge der nicht gymnasialtauglichen Schüler auf einem Gymnasium nimmt die Klassengröße und der Lärm zu, ein Lehrer auf mehr als 30 Kinder: sehr schwierig.
    6. Fehler: Absenkung des Unterrichtniveaus und Noteninflation.
    Wie oben beschrieben, sind Kinder aus den unterschiedlichsten Gründen zu gymnasialen Leistungen immer weniger fähig. Wenn das nur ein oder zwei Fächer beträfe, nicht schlimm. Wenn ein Kind aber seit der 5. Klasse in nahezu allen Fächern Nachhilfe braucht, ist es auf der falschen Schule. Lehrer müssen ja – denn an sie werden paradoxerweise immer höhere Erwartungen gestellt – beweisen, dass man alle durchbringen kann, nur wie? Also die Noten heraufsetzen, die Leistungen absenken. Die Noten – in jedem Bundesland gibt es unterschiedliche Anforderungen – haben so eh nahezu keine Aussagekraft mehr.
    Was ist zu tun?
    Differenzieren und individuell fördern, realistisch und authentisch, nicht alle auf einem Haufen, sondern in der für jeden richtigen Umgebung mit Gleichgesinnten, das gibt Selbstvertrauen und Zuversicht.
    schulisch: kleinere Klassen, es Fachleuten überlassen, welcher Schulform ein Kind zuzuteilen ist, nicht überehrgeizigen Eltern, Grundkompetenzen der Schüler wieder fördern, denn die können auch digitale Medien nicht ersetzen
    -Das Kind nicht überfordern und Entwicklungs-, Verhaltens- und Lernstörungen von neurologisch geschulten Fachpersonal behandeln lassen, am besten mehrere Fachleute ausprobieren, eine Medikamention darf immer nur Notlösung sein.
    – Einsehen, dass solche Maßnahmen Zeit und Kraft brauchen, die man einem Kind zugestehen muss. Fazit: es nicht auch noch schulisch überlasten, nicht jeder kann alles schaffen, die Voraussetzungen müssen stimmen, notfalls die Schule wechseln und wieder ein glückliches Kind haben. Lieber einen guten Realschulabschluss als ein gefaktes Abitur mit 4,0.
    – Nicht alles Neue muss automatisch gut sein, nur weil es neu ist.
    -Was war zuerst: die Henne oder das Ei? Haben Kinder Störungen, weil sie angeboren sind oder werden sie erworben? Ist auch beides möglich? Diese Diagnostik bitte unbedingt neurologischen Fachleuten überlassen, Fakt ist nur, dass heute ein Diagnostizierungswahn herrscht, man staunt über die plötzlich so vielen Hochbegabungen (in Wirklichkeit nur 2 %), die sich aber seltsamerweise in den normalsten Dingen gar nicht zeigen wollen…, Störungsbilder tauchen auf, die man früher gar nicht kannte. War die Medizin früher so schlecht, oder woran liegt es? Seltsam alles, jeder mag sich einen eigenen Reim darauf machen.
    Über das alles gilt es nachzudenken. Ich denke, Dr. W. hat auf jeden Fall einen gesellschaftlichen Diskurs angestoßen, zu dem die Antworten noch zu finden sind.
    Das gelingt aber nur mit Objektivität, nicht mit Ideologie. Nur getroffene Hunde bellen.
    Die Kinder sind die Schwächsten und Unschuldigsten in einer Gesellschaft. Sie müssen vor Ideologie, Lügen und Überforderung geschützt werden.
    Erwachsene müssen echte und empathische Vorbilder sein, auf die sich das Kind verlassen können muss. Solch ein Kind wird bestimmt kein Tyrann, sondern selbstbewusst, zuversichtlich und anderen zugewandt.
    Eltern müssen ihren Kindern Realitätssinn vermitteln und die Fähigkeit, sich richtig einschätzen zu lernen. Das gelingt nur durch Vorleben. Eltern müssen ehrlich sein in ihren Gefühlen und im Umgang mit ihnen. Und Grenzen setzen, aber auch hier macht der Ton die Musik, und die Kinder müssen vermittelt bekommen, dass die Einhaltung von gewissen Strukturen zu ihrem eigenen Vorteil ist. Das hat in meinen Augen überhaupt nichts mit autoritär zu tun, solange Sinnhafitgkeit und Empathie die Grundlage dafür bilden.
    Kinder sind keine Tyrannen, können sich aber aus welchen Gründen auch immer tyrannisch aufführen.
    Es gibt sehr viele liebe, nette Kinder, die stark sind, weil sie innerhalb der Familie Zeit, Aufmerksamkeit und starke Bindungen erfahren, und Vorbilder haben, die es gut mit ihnen meinen.
    Auf bessere Zeiten, wie auch immer!

    • Dem, was Sie schreiben, werden viele zustimmen können. Ich habe auch das Gefühl, dass das stimmt. Aber wir haben auch die Phalanx der Sozialromantiker, die alles unter dem Aspekt einer sozialen Benachteiligung von Kindern aus bildungsfernem Milieu sehen. Unterstützt werden sie von Politikern einiger maßgeblicher Parteien. Die sollten sich jetzt und hier mal zu Ihrem Beitrag äußern und — wenn möglich — Lösungsvorschläge jenseits des üblichen Blabla unterbreiten. Was sagt z.B. Gerd Möller dazu, wo sind die Gesamtschulbefürworter?
      Normalerweise wird man hier angeschnauzt, wenn man schreibt, dass „gute“ Schüler gemobbt und ausgebremst werden (war da nicht was mit dem Strebervorwurf?). Man tut gern so, als seien „gute“ Schüler nur auf den Sozialstatus der Eltern zurückzuführen, so als wären Schüler keine Individuen mit eigenem Willen. Entsprechend seien die „schwachen“ Lerner ebenfalls nur auf den Sozialstatus der Eltern zurückzuführen. Man redet von einer Spaltung der Gesellschaft durch unser „ständisches“ Schulsystem aus dem 19. Jahrhundert, das Gymnasium wird verteufelt. Dabei dürfte die US-Gesellschaft trotz des einheitlichen Schulsystems und zahlreicher Aktivitäten wie „no child left behind“ noch mehr gespalten sein in arm und reich, in weiß und schwarz. Bei der sog. „sozialen Mobilität“ (also Auf- und Abstieg) steht Deutschland nämlich im internationalen Vergleich gar nicht schlecht da. Auch gibt es Zuwanderer aus einfachen Verhältnissen, die aufsteigen, aber ohne eigene Initiative und Leistung (auch in schulischer Hinsicht) geht das eben nicht.

  17. @Spiderman
    Es tut mir sehr leid für Sie und Ihre Familie, daß Sie so schlimme Erfahrungen mit Herrn Winterhoff machen mußten. Ich kenne, wie gesagt, nur einen Teil seiner Bücher und sah viele meiner eigenen Eindrücken, darin bestätigt. Über seine praktische Arbeit mit Kindern kann ich aber nichts sagen. Dem, was Sie im zweiten Teil Ihres Kommentars, über die Berufstätigkeit von Eltern schreiben, stimme ich voll und ganz zu. Unser Gesellschaftssystem ist darauf aufgebaut, daß alle Menschen einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Von Wirtschaft und Politik wird dieses System als das einzig wahre und richtige propagiert. In Fernsehen, in Zeitungen und anderen Medien wird der weitere Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung gefordert und forciert und niemand stellt jemals ernsthaft in Frage, ob das wirklich der einzig richtige Weg ist. Es wird nur noch über frühkindliche Bildung geredet, von frühkindlichen Bindung spricht keiner mehr.
    Wir muten es schon den Allerkleinsten zu, über viele Stunden täglich von ihren engsten Bezugspersonen getrennt zu werden. Gleichzeitig haben wir es in den Kitas aber häufig mit Eltern zu tun, die es am liebsten sähen, wenn ihr Kind bei uns komplett „in Watte gepackt“ werden würde.
    Das geht aber nicht. Kita bedeutet für Kinder nicht Friede, Freude, Eierkuchen und alles easy. Kita ist sehr häufig auch: Stress Lärm, Reizüberflutung, wenig Rückzugsmöglichkeit. Ohne Zweifel lernen Kinder auch viel im sozialen Miteinander.
    Aber die Dosis schätze ich inzwischen für viele Kinder als zu hoch ein.
    Am Anfang von Corona hatte ich noch die Hoffnung, daß vielleicht ein Umdenken einsetzt. Als aber nach ein paar Wochen in, gefühlt, jeder Talkshow eine Mutter saß, die sich darüber beschwerte, daß jetzt wieder alles an ihr hängen bliebe und doch bitteschön die Kitas gefälligst wieder öffnen sollten, schwand meine Hoffnung.
    Ich will damit nicht die Belastung der Mütter während der Coronakrise kleinreden.
    Die war definitiv groß. Aber warum wurde nicht mehr Unterstützung vom Partner eingefordert? Warum wurde von den Arbeitgebern nicht mehr Verständnis und Entgegenkommen Eltern gegenüber, verlangt? Warum wird bis heute nirgendwo ernsthaft darüber diskutiert, daß häusliche Erziehungsarbeit stärker honoriert werden muß.
    Gerade in Pandemiezeiten zeigt sich doch, wie zerbrechlich unser derzeitiges System ist. Wenn wieder mehr Kinder zu Hause betreut würden und die Kapazitäten in den öffentlichen Betreuungseinrichtungen den Kindern zur Verfügung stünden, die sie wirklich brauchen, hätten wir wahrscheinlich keinen Erziehermangel und Gruppengrößen, die ein wirklich pädagogisch gutes Arbeiten ermöglichen würden. Ich wundere mich auch über viele Eltern, die ihren Kindern häufig kaum noch Grenzen setzen können, aus Angst ihrem Kind damit zu schaden. Gleichzeitig finden sie aber gar nichts dabei es mit einem Jahr in der Krippe abzugeben oder ihren dreijährigen mit übler Bronchitis in den Kindergarten zu schicken, wei sie ja in die Arbeit müssen. Warum wehren sich Eltern nicht dagegen, daß sie mit ihrem Gehalt für
    eine 40Stunden-Woche, ihre Familie nicht mehr ernähren können? Wo sind die Proteste für ein Erziehungsgehalt?
    Statt dessen wird nur nach noch mehr öffentlichen Betreuungsmöglichkeiten geschrien. Als wäre das die einzig glückseelig machende Lebensform.
    Ich werde das nie verstehen. In 100 Jahren nicht! Das hat jetzt alles nur noch ganz entfernt mit der Debatte um Herrn Winterhoff zu tun. Aber man sieht dadurch auch, was er angestoßen hat.

  18. Leben wir in einem rechtsfreien Raum? Der Mann gehört weggeschlossen! Ich hoffe die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits.

  19. Erschreckend, wie viele hier, wohlgemerkt scheinbar Lehrer Winterhoffs Aussagen zustimmen oder ihn gar zum Opfer der Medien machen. Dabei stehen Winterhoffs Aussagen teils im krassen Widerspruch zur modernen, wissenschaftlich fundierten Pädagogik und werden in der Fachwelt abgelehnt.
    Auch das hier einige in dieses populistische Horn tröten und mal wieder fordern Kinder bräuchten einfach mehr Grenzen, macht mich sprachlos. Die Ursachen für Verhaltensauffälligkeiten sind, wie Bernd hier schon schrieb, vielfältig und haben nur selten etwas mit einer quasi Laissez-fairen Erziehung zutun.
    Es gibt übrigens auch keine Daten, die Belegen, dass Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern zunehmen, ganz im Gegenteil, die Gewalt unter Kindern nimmt sogar ab.
    Das heißt nicht, dass die Arbeit mit Kindern heute nicht durchaus fordernder und anstrengender ist als vor 40 oder 50 Jahren. Die Ursache liegt jedoch nicht darin, dass Kinder verhaltensauffälliger sind, sondern an der heterogeneren Schülerschaft, der Inklusion und den Veränderungen im Unterricht.
    Hinzu kommt natürlich, dass sich auch die Kinder durch die heutige Erziehung verändert haben, ob man dies begrüßt oder ob man es als Belastung sieht, hängt wiederum stark von der eigenen Prägung ab.

    • Dem kann ich nur zustimmen. Ich bin auch entsetzt darüber, wie viele hier diesen Thesen zustimmen. Leider habe ich das auch schon in meinem eigenen Kollegium festgestellt. Traurig.

    • @Andreas
      „Hinzu kommt natürlich, dass sich auch die Kinder durch die heutige Erziehung verändert haben, ob man dies begrüßt oder ob man es als Belastung sieht, hängt wiederum stark von der eigenen Prägung ab.“
      Die Entwicklung, die ich persönlich sehe, ist, dass wir immer mehr Kinder in den Schulen treffen, die große Schwierigkeiten haben, ihre Bedürfnisse kurzfristig hintenan zu stellen. Was zuhause meist kein Problem ist, da sich Eltern im Normalfall direkt ihrem Kind und dessen Bedürfnisbefriedigung widmen können, wächst sich in der Schule mitunter zu mittleren Katastrophen aus. Ich erlebe immer mehr Kinder bzw. Jugendliche, die nicht in der Lage sind, Frustrationen wie „warten, bis man dran ist“, „ich kann die Aufgabe nicht anstrengungslos lösen“, „mein Wille bzw. mein aktuelles Bedürfnis ist nur einer/s von vielen“ angemessen zu bewältigen. Die Reaktionen darauf sind durchaus herausfordernd für alle anderen in der Gruppe befindlichen Menschen, und es kostet etliches an Zeit, um eine Atmosphäre im Klassenraum herzustellen, die Lernen überhaupt erst möglich macht.
      Der wachsende Anteil verhaltensorigineller (und ich meine keine Inklusions-) Kinder in den Klassen bedeutet, bei gleichbleibender bzw. wachsender Schülerzahl den Kindern immer weniger gerecht werden zu können – sowohl denen mit erhöhtem Zuwendungsbedarf als auch den anderen.
      Das zu begrüßen – ja, dazu bedarf tatsächlich einer besonderen eigenen Prägung.

      • „….die Reaktionen darauf sind durchaus herausfordernd für alle anderen in der Gruppe befindlichen Menschen…..“
        Aus diesem Grund hat eines meiner Kinder, obwohl es eigentlich kein großes Interesse am schulischen Lernen und auch nur eine Kann- Empfehlung hatte, sich fürs Gymnasium entschieden.
        Die Klassen sind dort zwar sehr groß, aber es kann ruhig und konzentriert gearbeitet werden. Warum das so ist, kann ich nur mutmaßen….Ich finde aber, dass respektvolles Zuhören und das Zurückstellen eigener aktueller Bedürfnisse, Voraussetzungen für ein zivilisiertes und auch schönes Zusammenleben sind. Zuhören dient nun mal nicht nur dem Informationsaustausch, sondern ist auch Zuwendung. Warum sollten wir unseren Kindern also das Erlernen dieser wichtigen Kompetenz vorenthalten? Weil irgendwelche Sytem- oder sonstige Theoretiker in neoliberalen Thinktanks wie der Bertelsmannstiftung, sich Theorien aushecken?
        Vor diesem Hintergrund verstehe ich, dass einige Eltern und Lehrer den Theorien des Hr, Winterhoff etwas abgewinnen können. Wenn man aber bedenkt, wie komplex die menschliche Psyche ist, erkennt man aber auch wie unterkomplex seine Theorien eben auch sind.
        Wenn auch nur ein Bruchteil dessen, was ihm in der ARD- Reportage vorgeworfen wurde, stimmt, dann hat sich Hr. Winterhoff als Arzt schwerwiegend fehlverhalten.
        Ich hoffe die zuständigen Behörden gehen den Anschuldigungen konsequent nach.

        • „… sich fürs Gymnasium entschieden“
          Ich habe mal eine Statistik zu solchen „Gewaltunfällen“ gesehen. Da ging es um diejenigen Fälle, wo ärztliche Behandlung nötig wurde und es hieß, an Hauptschulen sei die Zahl um ein Mehrfaches höher als im Durchschnitt, an Gymnasien unterdurchschnittlich. Auch das spielt eine Rolle, wenn „Gymnasialeltern“ gemeinerweise ihre Kinder dem „längeren gemeinsamen Nicht-Lernen“ an Haupt- und Gesamtschule entziehen wollen. Manche Kinder mögen halt keine ständigen körperlichen Auseinandersetzungen. Andere meinen zynisch, die Kinder müssten halt lernen sich durchzusetzen beim Kampf aller gegen alle.

          • Vielleicht kommt es an Haupt- und Gesamtschulen häufiger zu körperlichen Auseinandersetzungen, aber bitte unterschätzen Sie die Auswirkungen des Mobbing auf die psychische Gesundheit der Schüler und vermutlich auch einiger Lehrkräfte an Gymnasien nicht.
            In unserem Freundeskreis ist ein Mädchen durch zahlreiche Mobbingattacken im Klassenraum, aber auch durch eine perfide geplante Attacke über das Internet, seelisch schwer mißhandelt worden, mit schwerwiegenden Folgen für sie und ihre Familie.
            Meine Kinder haben einen stabielen Freundeskreis, der sich gegenseitig schützt, indem sie Mobbingangriffe in der Realwelt und im Netz, durch Solidaritätsbekundungen mit dem (potentiellen) Opfer, abwehren. Dem Mobber und seinen Mittätern geht es wohl um Anerkennung und deshalb lässen sie von einem Opfer ab, sobald sie merken, dass eben diese Anerkennung sich ins Gegenteil verkehren könnte.
            Und so sind die Opfer häufig die Einzelgänger, Zugezogenen…..und das ist GRAUSAM.

    • “ Es gibt übrigens keine Daten, die belegen, dass Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern zunehmen, ganz im Gegenteil die Gewalt unter Kindern nimmt sogar ab“

      Würden Sie so freundlch sein und die Studien, die diese Behauptung begründen, hier verlinken?
      Auch eine Beschreibung des Studiendesigns wäre wichtig,um überhaupt zu klären welche Formen der Gewalt untersucht wurden. Wurde z.B. die perfide Gewaltform des (Cyber) mobbing auch untersucht und auf welche Personenvergleichsgruppen wurde sich bezogen?
      Danke.

      • Da kann ich assistieren: https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/jugendkriminalitaet/Z-D-F_Jugendgewalt_Apr2019.pdf

        In dem Bericht des Deutschen Jugendinstituts zur Jugendgewalt heißt es unter anderem:

        „Neben den bereits genannten Datenquellen ist als Vollerhebung die nachstehende Statistik zu den gewaltbedingten Unfällen an Schulen (Raufunfallstatistik) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung besonders aussagekräftig. Diese nimmt alle von Schulen der Unfallversicherung angezeigten gewaltbedingten Unfälle auf. In der Betrachtung der Entwicklung zwischen 1997 und 2017 zeigt sich in den letzten Jahren – nach einem längeren Rückgang von körperlicher Gewalt – ein Anstieg in einzelnen Schulformen (insbesondere Haupt- und Realschulen). Die Anzahl der erfassten Frakturen bei Raufunfällen an Schulen befindet sich seit Jahren auf einem nahezu gleichbleibenden, sehr niedrigen Niveau. Für die vielfach vorgebrachte Brutalisierung von Jugendgewalt finden sich – mit Blick auf Raufunfälle an Schulen mit Frakturen, die als besonders schwerwiegend bewertet werden können – keine Belege.“

        Und, nein, Cybermobbing geht nicht in Vergleiche ein – das Delikt gab es vor 25 Jahren praktisch nicht.

        • Passt also: die Gewalt unter Jugendlichen nimmt nicht ab, sondern, wenn man die Daten im Bericht liest, nach einem langjährigen Rückgang seit ca. 2016 wieder zu.
          Ich selbst finde den DJI – Bericht zur Jugendgewalt jedoch nicht hilfreich zur Klärung der Frage, ob Kinder und Jugendliche im Verlauf der letzten 10 Jahre verhaltensauffälliger geworden sind: meldepflichtige Vorfälle (egal ob jetzt an die Unfallkasse oder die Polizei) sind Extremfälle – in den meisten Fällen führt ein auffälliges Verhalten zwar zur Störung des Unterrichts, aber nicht zur Anzeige. Ich kenne jedoch tatsächlich keine empirische Untersuchungen, wie oft und in welcher Form verhaltensbedingte Unterrichtsstörungen vorkommen und wie sich Anzahl und Art dieser Störungen im Laufe der Jahre entwickelt haben. Können Sie vielleicht mal derartige Studien verlinken?
          Wie gesagt, hier ist durch die täglichen Erfahrungen der Lehrkräfte ne Menge Empirie im Forum, und die meisten Beschreibungen ähneln sich…

          • Mit Verlaub, Meinungsäußerungen und anekdotische Erzählungen sind noch keine Empirie. Empirie würde schon mal voraussetzen, dass alle hier das gleiche Verständnis haben, wenn sie z. B. über Unterrichtstörungen sprechen – das wage ich zu bezweifeln. Wie komplex und vielgestaltig allein das Thema „Unterrichtsstörungen“ ist (und dabei kommen die Ursachen noch nicht mal zur Sprache), zeigt folgende, sehr interessante Arbeit auf: https://kobra.uni-kassel.de/bitstream/handle/123456789/11508/kup_9783737608367.pdf?sequence=1&isAllowed=y

            Ein Befund darin: Eine Studie kam zu dem Ergebnis, „dass Unterrichtsstörungen durchschnittlich alle 2,6 Minuten stattfinden. Dazu wurden sämtliche Situatio-
            nen protokolliert, ‚die dem Lehrer zu besonderer erzieherischer Tätigkeit
            Veranlassung gaben‘ und somit als Unterrichtsstörungen interpretiert werden können.“ Diese Studie stammt von 1958. Spätere Studien (etwa eine von 2004) kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Auch hier also: keine Belege für die Thesen von Winterhoff.

          • @Bernd
            Mit Verlaub, vielleicht sollten wir uns vorher darauf verständigen, wie Empirie hier definiert werden soll: da gibt es gefühlt so viele Definitionen wie es Forschende gibt 😉
            Ich verstehe darunter eine Erkenntnismethode, die auf Beobachtung der Tatsachen beruht – jetzt kann man sich streiten, was Tatsachen sind, klar, machen Soziologen sehr gern.
            Welche Studie aus 2004 meinen Sie, wie war darin „Unterrichtsstörung“ definiert, und gibt es was aktuelleres?

          • @Bernd
            Sie sprechen über empirische Sozialforschung, ich über Empirie. Ist nicht das Gleiche und zeigt: gut, die Gesprächsbasis doch mal zu klären.
            Ich wiederhole meine Bitte von vorhin: würden Sie bitte die von Ihnen erwähnte Studie von 2004 verlinken, und gern auch aktuellere Studien zu oben erwähntem Thema? Vielen Dank.

        • “ Und, nein,Cybermobbing geht nicht in Vergleiche ein- das Delikt gab es vor 25 Jahren praktisch nicht“ Also bezieht sich die These, Gewalt unter Kindern habe abgenommen, nur auf körperliche Gewalt und andere Delikte die in den Kriminalstatistiken auftauchen.
          Können Sie sich als Wissenschaftler erklären, warum die Wissenschaft sich mit der niederträchtigen und folgenschweren Gewaltform des (Cyber)mobbing so unengagiert beschäftigt?
          Jedem der mit Kindern zu tun und die (digitalen) Entwicklungen der letzten 20 Jahre beobachtet hat, war klar, dass sich Gewalttaten in den digitalen Raum verschieben werden.
          Warum verhält sich Wissenschaft auf diesem Gebiet so träge? Zur strafrechtlichen Verfolgung dieser Gewalttaten, wären wissenschaftliche Erkenntnisse über Täter und über die Auswirkungen auf die seelische Gesundheit der Opfer doch wichtig…

          • @Stina

            „Jedem der mit Kindern zu tun und die (digitalen) Entwicklungen der letzten 20 Jahre beobachtet hat, war klar, dass sich Gewalttaten in den digitalen Raum verschieben werden.
            Warum verhält sich Wissenschaft auf diesem Gebiet so träge?“

            Na eben drum! = Schönrechnen von Statistiken.
            1) Physische Gewalt der Rubrik „Hardcore-Klatsche“ mit RTW-Alarm wird statistisch seltener erfasst.
            (Vielleicht ist das auch deshalb rückläufig, weil es physisch anstrengend und damit unbequem ist und nicht so gut vom heimischen Sofa, WC, … funktioniert. Außerdem riskiert jeder Täter dann eine sofortige Retouren-Klatsche, auch blöd, der Fun-Faktor tendiert gegen Null.)
            2) Cybermobbing usw.? … Öhhh? Watt is datt dan? Och nö, uuuuuups – das erfassen wir ja gar nicht (wissenschaftlich valide). Na schade irgendwie …
            3) In der Summe gibt es also – wissenschaftlich erwiesen (vgl. schöne Statistiken), dann ist das auch so!!! – viiiiieeeeel weniger Gewalt unter Jugendlichen.
            4) Fertigmachen zum Freuen!

          • @Pit2020

            Sie machen es hier gerade wie Herr Winterhoff und unterstellen Kindern Dinge, zu denen sie nicht fähig sind. Kinder sind eben keine teuflischen Tyrannen, die gezielt und mit kühler Kalkulation planen, wie sie jemand anderem Gewalt zufügen können, damit sie ihre niederen Bedürfnisse (Fun-Faktor) befriedigen können.
            Die Ursachen für Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern blenden sie vollkommen aus genauso wie deren Regulationsstörungen und damit ihrem Unvermögen zu strategischem Denken, wie sie es ihnen unterstellen.

          • @ Acry 26. August 2021 um 10:08

            „Sie machen es hier gerade wie Herr Winterhoff und unterstellen Kindern Dinge, zu denen sie nicht fähig sind.“

            Boom Shaka Laka?
            Nö.
            Kein Treffer, nix versenkt, abgesehen von Ihrer Integrität – aber Sie haben einen „fancy“ Einstand hingelegt (, wenigstens habe ich Ihren Nick hier vorher noch nicht wahrgenommen).
            Congrats!

            Btw:
            Ich habe mich in meinem Post (den vor Ihrem) nicht auf Wissenschaft oder im weitesten Sinne auf Empirie (ist ja auch so’n kompliziertes Ding 😉 ) verlassen, auch nicht nur auf eigene Beobachtungen (Geht ja gar nicht! Das haben wir unter diesem Artikel schon gelernt.) sondern auf die Erfahrungen, die mir über viele Jahre hinweg geschildert wurden von …
            Naaaa, wer weiß es? Wer weiß es?
            RICHTIG!
            Von SuS!!!
            Aber DIE haben ja von ihrem Leben und von ihren Erfahrungen am allerwenigsten Ahnung! (ICH meine das ironisch.)
            Im Übrigen finden sich ja in einer heterogenen Gruppe auch immer ganz viele Facetten, nicht nur „da Opfa“ und „Täter“ – was ja auch gar keine festgeschriebene „Rolle“ für das ganze Leben sein muss – sondern auch eine Menge mehr oder weniger Beteiligte, die durchaus pfiffiger reflektieren, als es so mancher Volljähriger vermag. („Volljährig“ und „erwachsen“ lässt sich ja nicht immer problemlos in einem Atemzug nennen, das ist auch schon wieder problematisch.)

            Tja, ich überlege grad, ob ich wohl in den nächsten U-Stunden in verschiedenen Kursen mal ein bisschen aus dem einen oder anderen Post zitieren und zur Diskussion stellen werde? Meine SuS mögen es nämlich sehr, wenn sie nicht nur „gesehen“ sondern auch ernst genommen werden, die sind das gewohnt (, ich bekenne mich schuldig an dieser Stelle).
            Damit hätte ich dann die „Show im Kasten“, vielen Dank für diesen hübschen kleinen Input.

          • @Pit 2020

            Das war jetzt viel Text und dennoch wenig Inhalt. Vor allem gehen sie nicht auf meine Punkte ein. Ich hoffe, so gestalten sie nicht ihren Unterricht.

          • @Acry 26. August 2021 um 19:58

            Das war jetzt von Ihnen nicht wissenschaftlich, dafür aber noch schnell das Sprüchlein „Ich hoffe, so gestalten sie nicht ihren Unterricht.“
            Jaja, SO geht Inhalt.
            🙂

  20. „Lehrer sind jetzt nur noch ‚Lernbegleiter‘, decken eine Lerntheke, an der sich die Kinder bedienen sollen“

    Unterricht an der Grundschule meiner Kinder:
    „Denke dir ein Thema aus. Finde Fragen zu dem Thema und bearbeite deine Fragen. Forsche dazu und teile uns deine Ergebnisse mit.“

    • Weil „denken“ ein starkes Verb ist (dachte, gedacht), müsste es eigentlich heißen „denk dir ein Thema aus“. Aber diese Feinheiten müssen in der Einwanderungsgesellschaft nach und nach untergehen, Sprache ist mehr und mehr nur noch dazu da, sich irgendwie verständlich zu machen, so wie Touristen im Ausland. „Hastu U-Bahn?“ Antwort: „Nein, isch habe Bus.“ Da weiß man auch, was vermutlich gemeint ist.

      • Grammatikalisch ist der Gebrauch des Verbs „denken“ im Imperativ in der zweiten Person Singular sowohl mit „denk“ als auch „denke“ vollkommen korrekt angewendet.
        In diesem Kontext wäre lediglich Ihr Hetzversuch gegen unsere Einwanderungsgesellschaft als „unfein“ zu bezeichnen.

        • Naja, der Duden erlaubt heutzutage schon fast alles, was oft genug geschrieben wird. Aber hier
          https://mein-deutschbuch.de/imperativ.html
          und hier
          https://www.deutschplus.net/pages/Formenbildung_imperativ
          steht es anders. Es heißt z.B.: der Imperativ der starken Verben im Singular wird gebildet, indem man in der 2. Person Singular die Endung -st wegstreicht. Also: „du denkst“ und folglich „denk!“. Ich finde auch, „denke mal an Oma“ oder „denke mal an deine eigene Kindheit“ klingt einfach gestelzt und schlecht. Bei Verben, die auf -t, -d, -m, -n enden, da steht das „e“, auch wenn sie stark sind (Beispiel: „finden“ mit „du findest“, „finde den Schlüssel wieder!“).
          Das alles habe ich doch nicht erfunden. Natürlich werden solche Regeln heute aufgeweicht. Aber glauben Sie vielleicht, die Einwanderungsgesellschaft würde die Sprache nicht verändern? Da wird noch einiges auf uns zukommen! Am Ende wird es heißen: „egal, Hauptsache, man weiß so ungefähr, was gemeint ist“. So wie die Ansage bei der Deutschen Bahn: „we arrive Frankfurt“.

  21. @Marion, vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.

    Herr W. war nur eine kurze Station auf einem recht langen Leidensweg. Und leider zeigte er meiner Mutter den denkbar bequemsten Weg, den schlussendlich sie zu verantworten hat.
    Man stellt sich im Nachhinein einfach die Frage, wie wäre es gekommen, wenn unsere Familie „echte“ Hilfe bekommen hätte.
    Mir ist absolut unbegreiflich, warum er das getan hat. Ohne tiefere Einblicke, sondern in einem Zeitrahmen von wenigen Minuten.

    Naja, Herr W. widerspricht sich in vielen Fällen selbst.
    Mal ist es die Gesellschaft, die für den Untergang der erzieherischen Welt verantwortlich ist.
    Ein anderes Mal sind es die Eltern, die sich von ihren Sprösslingen tyrannisieren lassen (wobei man hier seine Beispiele beleuchten sollte) und dafür sorgen, dass alles den Bach runter geht.
    Nein, alleine die Kinder sind die Schuldigen, die naturgegeben Narzissten sind.

    Herr W. hat in einem Buch folgendes Beispiel geschrieben, es sollte verdeutlichen, wie Kinder ihre Eltern manipulieren und wie unterwürfig Eltern reagieren.

    Ein Kindergartenkind, welches durchaus in der Lage ist, sich selbst an und auszuziehen tut dies, während des Kindergartenalltags.
    Wenn es nun abgeholt wird, weigert es sich nun vehement, sich anzuziehen.
    Laut W. ist dies ein Angriff auf (als Beispiel)die Mutter.
    Es lebe seinen Narzissmus und Egoismus usw.
    Für viele klingt dies schlüssig, schließlich KANN das Kind sich den ganzen Tag an und ausziehen. Zum rausgehen, schlafen…

    Eine Frau, die diese und viele andere Beispiele von einer anderen Seite betrachtete hat dazu eine ganz andere These:

    Das Kind hat stundenlang funktioniert, es hat sich an die allermeisten Regeln gehalten. Gegessen, wenn es „verlangt“ wurde, draußen gespielt, wenn es „verlangt“ wurde, geschlafen, wenn es verlangt wurde, sich entschuldigt, wenn es „verlangt“ wurde.
    Und dann kommt Mama, oder Papa, oder Oma…ich bin auch so eine, die der Frau von Herzen zustimmen kann, denn sie schreibt, dass schon das angezogen werden der Mutter, des Vaters…eine liebevolle Geste, nach einem langen, anstrengenden Tag empfunden wird. Man verwöhnt das Kind NICHT, wenn man ihm hilft. Es wird es auch nicht verlernen und schon gar nicht ist das Bedürfnis nach dieser Geste narzisstischer Natur.
    Man hilft dem Kind und „erlaubt“, dass es sich fallen lassen und sicher fühlen darf.

    Nun, es gibt viele Eltern, die mit versteinerten Mienen und / oder Schimpftiraden darauf bestehen, der Spross hat sich gefälligst selbst anzuziehen, schließlich hat sich genau diese These (und viele andere) in die Köpfe der Leute eingebrannt.
    Schade, denn mit so einer ungefährlichen und netten Geste wäre eine Menge Stress und Ärger in vielen Fällen erspart geblieben.

    Die These des Herrn W. Eltern würden ihre Kinder als Partner und Freunde sehen, sie mitentscheiden lassen: ja selbstverständlich, als was soll ich meine Kinder denn sonst sehen?
    Natürlich gibt es hier auch Regeln, natürlich gibt es hier auch ordentlich „Anschiss“, wenn Grenzen überschritten werden, trotzdem bevormunde ich meine Kinder nicht und wir beziehen ihre Bedürfnisse, um nichts anderes geht es, mit ein.

    Tja, wo sind die Proteste, Sie sagen es.
    Das frage ich mich auch.
    Ich befürchte, wir Eltern sind noch viel zu tief drin in dem täglichen Schauspiel, es gut zu machen. Ja, es ist ein Schauspiel.
    Die meisten „spielen“ glücklich, wach und liebevoll, während sie im inneren völlig überfordert sind mit Arbeit, Aussehen, Freizeitstress, Status, gute Ehepartner sein, gute Eltern sein, richtig „erziehen“ in der kürze der Zeit, den Haushalt schmeißen und natürlich, seiner Selbstverwirklichung nachgehen!

    Es muss erst richtig „weh tun“, wie so oft, bis sich Widerstand einstellt.

  22. Zu Winterhoffs Praxis kann ich nichts sagen. Wenn dort Kinder falsch diagnostiziert und behandelt wurden und Familien unter seinen Interventionen zu leiden hatten, tut mir das zutiefst Leid, und ich kann nur hoffen, dass Ärztekammer etc. den dringenden Handlungsbedarf sehen.

    Zu seinen Büchern: Beim Lesen beschlich mich des Öfteren das Gefühl, dass Hr. Winterhoff in meinem Unterricht saß und bei Elterngesprächen mit dabei war. Vielen Eltern fällt es schwer, sich abgegrenzt zu verhalten und ihrem Kind eine an der kindlichen Psyche orientierte Entwicklung zu ermöglichen. Um dieses Kernthema geht es Herrn Winterhoff vornehmlich, und man kann ihm durchaus vorwerfen, dass er dieses Sujet seit Jahren aufwärmt. An der Richtigkeit des grundsätzlichen Befundes ändert das jedoch nichts. Wenn sich Drittklässler wie 3jährige verhalten, ist etwas schiefgelaufen. Wenn einzelne Lehrerinnen und Lehrer dann noch in die gleich Kerbe schlagen und ums Kind tanzen wie ums goldene Kalb, verstärkt sich die Fehlentwicklung.

    Und nein – „abgegrenzt verhalten“ bedeutet nicht, bedingungslosen Gehorsam zu verlangen. Sondern liebevolle Konsequenz, Machtspielchen erkennen. Erkennen, wann das Kind den Erwachsenen steuert und das unterbinden. Herr Winterhoff differenziert hier in seinen Büchern sehr genau. Man muss ihn nur genauso genau lesen.

  23. Stopp! Bitte nicht weiter polarisieren! Die Crux liegt m. E. in der Heterogenität der Kinder und den personellen Kompetenzen in Verbindung mit den Rahmenbedingungen.

    So heterogen die Lebenswelten und die Biografien der Kinder sind, so verschieden sind auch die Bedingungen für sie, die ihnen eine Bildung und Erziehung nach staatlichem Auftrag bieten (sollten).

    Die Kunst des Lehrens wird heute untergraben durch pädagogisches sowie strukturelles Missmanagement. Anstatt mit objektiven Kompetenzen an subjektiv verortete Probleme und Haltungen heranzugehen, wird emotional gehandelt und argumentiert – auch und gerade von der Bildungspolitik.

    Über Menschen und ihre Werke und Handlungen wie Herr Winterhoff lässt es sich sicherlich streiten. Sie ändern aber weder objektive Bedingungen, noch nutzen sie dem einzelnen Kind oder der Lehrkraft, weil sie nicht genügend differenzieren und in der Breite Emotionen ansprechen, die sich in kumulierten Einzelfällen entladen. Da gebe ich Georg recht, das ist keine Wissenschaft, sondern Stimmungsmache.

    Der Wert der Lehre sollte wieder erkannt und und im Vordergrund stehen! Professionalisierung der Lehrkräfte, deren Anerkennung und eine Sensibilisierung von Eltern und Gesellschaft für die Verschiedenheit der Kinder sind das Gebot der Stunde! Die Schubladenpolitik im Bildungsbereich ist nicht nur ökonomisch billig, sondern auch moralisch! Der Frust entlädt sich an der falschen Stelle, da die Ursächlichkeit m. E. in der Vermittlung eines Bildes liegt, was den Einzelfällen nicht gerecht wird.

  24. Ich wurde Anfang der 60iger Jahre eingeschult. Wie ein Pfeil schossen wir Kinder in die Höhe um den Lehrer zu begrüßen. Nach einem „guten Morgen Herr/Frau Lehrer:in“ durften wir uns setzen. Die Hände hatten vor uns auf dem Tisch zu liegen. Trinken durften wir nur in den Pausen, zur Toilette auch.
    Wenn man sich umsah oder gar etwas flüsterte gab’s Stockschläge; bei den Mädchen auf die Hände, bei den Jungs auf’s Gesäß.
    Wir zitterten vor den Lehrern, und manche Kinder machten sich in die Hose vor Angst.
    Das alles hatte Gott sei Dank ein Ende als ich auf’s Gymnasium wechselte.
    Macht euch mal Gedanken über autoritäre Erziehung. Wollt ihr sowas wirklich für eure Kinder?

    • Ein Vorschlag: Lesen Sie doch erst einmal ein Buch von Winterhoff, gern das „Tyrannenbuch“, und kommentieren Sie erst danach. Sie werden bemerken, dass es mitnichten um Rohrstock- oder autoritäre Pädagogik geht.

      • Das mag augenscheinlich so sein, aber seine ‚Einheitsdiagnose‘ bei Heranwachsendenen schmerzt mich als Pädagogin ungemein. Berichten zufolge, soll er Heimkindern – ohne weitere Untersuchung- das Mittel zur Ruhigstellung (Pipamperon) über Jahre hinweg verordnet haben (vgl. z. B. https://taz.de/Neue-Vorwuerfe-gegen-Jugendpsychiater/!5791300/; Zugriff: 29.08.2021).

        Das fatale an solchen ‚Propheten‘ ist m. E., dass ihre Anhängerschaft sich immer gerade das herausfischt, was gerade zu ihrer (pädagogischen) Haltung passt.

        Wie ich weiter oben bereits geschrieben habe: Die Biographie jeden einzelnen Kindes steht auf der Agenda beim Lehren und Erziehen. Dass dies unter den aktuellen Bedingungen nicht oder nur im Kleinen praxisnah gelingt, liegt nicht an der falschen Einstellung, sondern hat m. E. systemische Gründe.

        Ja, es gibt Kinder, wo auch ich der Übezeugung nahe bin, dass sie böse, egozentrisch und nicht beschulbar sind (das übrigens oft auch OHNE den direkten Bezug zu Elternhaus oder Umfeld) . Aber mein Job ist es, auch diesen Kindern das Lesen und Schreiben beizubringen, das Rechnen zu vermitteln und ihnen eine Grundbildung zu vermitteln, die sie brauchen, um den Anschluss zu schaffen. Erziehersiche Maßnahmen versuche ich auch bei diesen Kindern immer im Rahmen von Respekt und Wahrung der Persönlichkeitrechte situativ angespasst umzusetzen. Dazu setze ich Grenzen, die ein Arbeiten ermöglichen und auch dazu dienen, die Rechte der anderen Kinder auf Bildung und Erziehung zu wahren.

        Ich arbeite transparent und tausche mich mit meiner Schulleitung und meinen Kolleg*innen aus; ich dokumentiere da, wo es mir nötig erscheint, um wietestgehend problemlos mit Eltern, Schul- und Jugendamt kommunizieren zu können.

        Dass so viele Kolleg*innen Herrn Winterhoff schätzen, kann ich persönlich nicht verstehen, da ich extreme Haltungen für nicht konsensfähig halte und weiß, dass Extreme immer weitere Extreme zur Folge haben und die Änderung der Haltungen damit immer schwieriger werden. Aber, ich verurteile die Kolleg*innen nicht, da sie aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen sicherlich Gründe haben, Herrn Winterhoffs Thesen zu folgen.

        Auseinandersetzungen über die Kinder und Jugend sind Teil der Menschheitsgeschichte; der gerade stattfindende Kulturwandel von der analogen zur digitalen Gesellschaft würzt den Diskurs noch einmal mehr nach. Dabei sitzen die Schulen im Fokus des Geschehens. Dass da ein ‚Erlöser‘ herbeigesehnt wird, ist verständlich. Ich denke aber, wir werden der Situation nur damit meistern können, wenn wir mit Unterstützung von Politik und Schulleitung zusammenarbeiten, uns austauschen und wissenschaftliche Erkenntnisse ernst nehmen und dabei immer die Kinder im Blick halten. Ich nehme mir die Zeit dafür, dies alles auch einzufordern; Lektüren von Herrn Winterhoff lese ich nicht (mehr), weil sie spalten und der Sache nicht dienen.

  25. Da graust es mir …

    https://m.youtube.com/watch?v=qyZ9UMmPoBk

    Ich fände es auch interessant und wichtig, wenn die Redaktion am Ball bei diesem wichtigen Thema bleibt – vor allem, da sich immer mehr Betroffene melden (Bspw. in sehr vielen Videokommentaren)

    Ich hoffe auf eine baldige Klärung des Themas, damit nicht noch mehr Kinder negativ betroffen werden und Familien darunter leiden (müssen)

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