Vom Rollkino zum Stop-Motion-Film: Bilder animieren im Schulunterricht

0

DÜSSELDORF. Ob einfache optische Täuschungen oder mit dem iPad oder Smartphone gedrehte Stop-Motion-Filme: Mit bewegten Bildern lassen sich Geschichten erzählen, Sachverhalte anschaulich erklären und verschiedene Medien und Gestaltungsformen kennenlernen. Autorin Eva Hauck stellt auf News4teachers einige Ideen für verschiedene Altersgruppen vor, die Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Schulkindern ganz einfach umsetzen können.

Wie Lehrkräfte schon mit einfachen Mitteln mit Ihren Schülerinnen und Schülern bewegte Bilder kreieren können, zeigen Eva Hauck und Dorina Tessmann in ihrem Praxis-Buch zum Thema Animation. Foto: Shutterstock

Bilder in Bewegung zu versetzen, macht Kindern großen Spaß – das gilt sowohl für analoge als auch digitale Projekte. Dass bei der Gestaltung von animierten Objekten auch Grundprinzipien der Kinematografie gelernt und Erkenntnisse über optische Prozesse gewonnen werden, sind weitere wichtige Gründe dafür, das Thema Animation im Unterricht zu berücksichtigen.

Projekte für die ersten Grundschulklassen

Die Umsetzung von Animationsprojekten in der Schule ist ohne großen Aufwand und mit wenig technischem Equipment möglich. Schon Fünfjährige können in der ersten Grundschulklasse Erfahrungen im Umgang mit animierten Bildern sammeln. Für den Einstieg eignen sich sowohl das Rollkino als auch das Thaumatrop. Beide Projekte basieren auf optischen Täuschungen.

Foto: ©Uli Staiger – die licht gestalten

Für das Rollkino braucht man nur Papier und Stifte. Das Papier wird so geschnitten und gefaltet, dass zwei Blätter gleicher Größe entstehen, die an der oberen Kante verbunden sind. Dann zeichnen die Kinder zwei fast gleiche Motive auf die beiden Blätter, z. B. den Kopf eines Hundes, der auf dem unteren Bild die Zunge herausstreckt, auf dem oberen Bild den Mund geschlossen hat. Wickelt man das obere Blatt eng um einen runden Stift und streicht mit diesem schnell nach unten und oben über das untere Blatt, wird das obere Blatt ab- und aufgewickelt. Für die Zuschauenden sieht es aus, als würde der Hund die Zunge herausstrecken. Sie sehen eine Bewegung, die nicht real ist.

ViewSonic

Foto: Shutterstock

Medienbildung und kreative Projekte an Tablet und Co. kinderleicht:

Mit dem ViewBoard und der kostenlosen Software myViewBoard 

Unser digitales Allround-Whiteboard und die dazugehörige DSGVO-konforme Software myViewBoard sorgen schon für die Jüngsten für Abwechslung und gute digitale Bildung. Vor allem aber sind sie einfach und zeitsparend im Unterricht einzusetzen.

Lernen Sie in nur 45 Minuten, wie das ViewBoard Ihre pädagogische Arbeit unterstützt – ganz gleich welche Endgeräte Sie oder Ihre Schüler*innen nutzen!

Buchen Sie dazu jetzt direkt ein kostenloses Webinar mit unserem myViewBoard Experten Philip Meier oder schauen Sie sich auf unserer Education-Homepage um. Wir freuen uns auf Sie!

Ein Thaumatrop ist eine Pappscheibe, die man durch Ziehen an seitlich angebrachten Schnüren rotieren lässt. Auf beide Seiten der Scheibe wird mittig je ein Motiv aufgemalt, und zwar einmal seitenrichtig, einmal auf dem Kopf stehend. Beim schnellen Rotieren der Scheibe verschmelzen die Motive im Auge der Betrachter/-innen zu einem Bild. Malen die Kinder beispielsweise auf eine Seite einen Igel, auf die andere einen Apfel, trägt der Igel den Apfel auf seinen Stacheln spazieren, wenn die Scheibe rotiert.

Animationsidee für ältere Schüler/-innen der Primarstufe

Ein Projekt für Schülerinnen und Schüler der höheren Grundschulklassen (ab 8 Jahren) ist ein selbst gestaltetes Wackelbild. Hierfür werden wieder zwei Versionen eines Motivs gebraucht. Die Kinder zerschneiden die beiden Bilder in ca. 0,5 cm breite Streifen. Anschließend werden die Streifen des ersten und zweiten Bilds abwechselnd auf einen im Ziehharmonikafalz gefalteten Fotokarton geklebt. Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man auf das Bild schaut, sieht man mal die eine, mal die andere Version des Motivs. Wird schnell am Bild gewackelt, nimmt man wieder eine Bewegung wahr, die gar nicht vorhanden ist. Geeignete Wackelbildmotive sind z. B. Figuren, die in einer Version still stehen und in der zweiten Version in die Luft springen. Den Kindern wird bei diesem Projekt Sorgfalt und Ausdauer abverlangt. Lehrkräfte können die Arbeit erleichtern, indem sie die Ziehharmonikafalze vorbereiten und für den Streifenzuschnitt Schneidemaschinen einsetzen.

Stop-Motion-Filme für Primarbereich (4. Klasse) und untere Sekundarklassen

Spätestens seit Beginn der Pandemie gehören digitale Medien auch zur Lebenswelt der jüngeren Schülerinnen und Schüler. Die Erfahrung, dass man das Smartphone oder Tablet kreativ einsetzen kann, um einen eigenen Animationsfilm zu drehen, haben jedoch die wenigsten gemacht.

Ein Filmprojekt lässt sich in Lerngruppen von acht bis zehn Kindern gut umsetzen. Für die Altersgruppe der Neun- bis Zwölfjährigen sind vor allem Legetrickfilme und Knetanimationen geeignet. Mittlerweile gibt es eine breite Auswahl an Stop-Motion-Software, die es ermöglicht, viele Einzelbilder zu einem Film zusammenzufügen. Für die Arbeit mit Kindern hat sich die kostenlose App „Stop Motion Studio“ bzw. das recht günstige Upgrade „Stop Motion Studio Pro“ bewährt.

Am Anfang des Projekts steht die Entwicklung des Plots. Für ältere Schülerinnen und Schüler kann es interessant sein, ein vollständiges Drehbuch zu verfassen. Meist genügt jedoch ein Storyboard als Grundlage. Es empfiehlt sich, eine Storyboard-Vorlage mit leeren Bildrahmen zu verteilen, in die die Kinder ihre Ideen hineinzeichnen. Häufig mangelt es nicht an großartigen Vorschlägen, aber es ist schwierig für die Kinder, auf eine stringente Handlung und die Umsetzbarkeit der Story im Film zu achten. Hier ist Hilfestellung vonseiten der Lehrkraft gefragt.

„Die Erfahrung, dass man das Smartphone oder Tablet kreativ einsetzen kann, haben die wenigsten gemacht.“

Haben sich die Kinder auf eine Geschichte verständigt, können die nun anfallenden Aufgaben Regie, Ton, Szenenbild, Licht, Kamera, Schnitt etc. verteilt werden. Die Gestaltung der Figuren und Kulissen muss nicht aufwendig sein. So lassen sich für eine Knetanimation Figuren aus Knete (Plastilin) schnell herstellen und während der Aufnahmen immer wieder verformen. Kleine Figuren mit einer breiten Standfläche kommen oftmals sogar ohne ein stabilisierendes Drahtskelett aus. Als Kulisse einer Gespenstergeschichte genügt beispielsweise ein Schuhkarton, der mit grauen Mauersteinen bemalt wird, um ein Burgverlies zu imitieren.

Foto: ©Uli Staiger – die licht gestalten

Große Sorgfalt ist bei der Positionierung des Aufnahmegeräts und beim Ausleuchten des Sets gefragt. Ein dreibeiniges Stativ hilft, die Kamera in Position zu halten. Steht ein solches Stativ nicht zur Verfügung, kann man sich mit Konstruktionen aus Plastikbechern, gefaltetem Karton, Legosteinen etc. behelfen. Damit die einmal eingerichtete Kamera nicht mehr bewegt wird, sind häufig auch Markierungen mit Klebeband hilfreich.

Bei der Aufnahme ist die Onion-Skinning-Funktion nützlich, die in die meisten Stop-Motion-Programme integriert ist. Sie lässt die Kinder jeweils eine durchscheinende Version der vorherigen Aufnahme sehen, welche wie eine Zwiebelhaut über das Bild gelegt wird. So können ungewollte Verschiebungen auf dem Set schnell korrigiert werden.

Ungeduld der Beteiligten ist oft das größte Problem am Set. Die Lehrkraft sollte darauf achten, dass ausreichend Aufnahmen gemacht werden. Damit eine Bewegung als flüssig wahrgenommen wird, sind mindestens zwölf Bilder pro Sekunde erforderlich. Allerdings können nach Abschluss der Aufnahme in der Postproduktion Einzelbilder auch (mehrfach) kopiert werden, um eine Einstellung zu verlängern. Außerdem haben die Kinder die Möglichkeit, die Abspielgeschwindigkeit zu verändern, Musik und Geräusche sowie Text (für Vor- und Abspann sowie Sprechblasen etc.) einzufügen. Je nach Alter der Kinder spielt die Vermittlung von Hintergrundwissen zur Kameraeinstellung und -bewegung eine untergeordnete oder wichtigere Rolle. Häufig zeigt sich, dass auch jüngere Kinder beim Bedienen der Kamera intuitiv richtig agieren und adäquate Entscheidungen treffen, um den Fortgang der Handlung zu unterstützen oder Spannung zu erzeugen.

Ein schöner Abschluss des gesamten Projekts ist die Organisation einer Filmpremiere, bei der Eltern, Geschwister und Freunde die Arbeitsergebnisse der Kinder würdigen und feiern.

Die Autorin und das Buch zum Thema
Foto: Haupt Verlag

Eva Hauck ist Autorin zahlreicher Bücher zum kreativen Gestalten mit Kindern und Lektorin von Schulbüchern, insbesondere in den Bereichen Grundschule sowie Berufliche Bildung. Zusammen mit Dorina Tessmann hat sie das Buch „Kinder-Werkstatt Animation“ verfasst, das soeben im Haupt Verlag erschienen ist.

 

«Kinder-Werkstatt Animation» zeigt in 20 Projekten, wie sich Bilder animieren lassen. Kinder lernen grundlegende Animationstechniken und wichtige Vorläufer des Films kennen.

  • Projektideen für Kinder im Alter von 5 bis 15 Jahren
  • Kurz und knapp: Einfache Anleitungen mit erklärenden Zeichnungen, Materiallisten und vielen Fotos
  • QR-Codes führen zu Videos der animierten Objekte und zu Stop-Motion-Filmen
  • Umfangreicher Anhang mit Vorlagen, Glossar, Test und Urkunde
  • Optische Täuschung: Rollkino, Kaleidoskop, Wackelbild und 3-D-Illusion
  • Physikalische Kräfte: Pendel, Einrad, Stabmagneten, magnetisches Theater, Karussell, Kartonspule, Verwandlungskarte
  • Vorläufer der Kinematografie: Thaumatrop (Wunderscheibe), Daumenkino, Mutoskop, Phenakistiskop (Wunderrad), Zoetrop (Wundertrommel)
  • Stop-Motion-Film: Zeichentrick, Legetrick, Silhouettenanimation, Knetanimation
  • Ausprobiert und für gut befunden: Viele Projekte in diesem Buch wurden von Kindern umgesetzt

Auflage 2021
144 Seiten, durchgehend farbige Fotos und Illustrationen, 8 Videos
Klappenbroschur, 17 x 24 cm, 457 g
Haupt Verlag
EUR 24.00

Zum Bestellen klicken Sie hier auf die Verlagsseite.
Blick ins Buch: Kinder-Werkstatt Animation

Anzeige


HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here