Umfrage: Mehrheit der Jugendlichen glaubt nicht an chancengerechte Bildung

62

BERLIN. Von Chancengerechtigkeit ist das deutsche Bildungssystem nach Meinung des überwiegenden Teils der darin befindlichen Jugendlichen weit entfernt. Dennoch blicken die meisten positiv auf ihre berufliche Zukunft, so die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage.

Jugendliche zweifeln an der Chancengerechtigkeit in der Bildung. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Jugendliche und junge Erwachsene zweifeln mehrheitlich und zunehmend an der Chancengerechtigkeit im deutschen Bildungssystem. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage zum deutschlandweiten Tag der Bildung am 8. Dezember. Die vom Stifterverband, den SOS-Kinderdörfern weltweit und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung ins Leben gerufene Initiative setzt sich nach eigenen Angaben für eine chancengerechte Bildung ein. Bundesweit finden zahlreiche weitere analoge und digitale Aktionen statt.

Im Auftrag der Initiative befragte das Meinungsforschungsintituts Forsa rund 1.000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 21 Jahren. Die Mehrheit (59 Prozent) von ihnen glaubt nicht, dass alle Kinder im Großen und Ganzen unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft die gleichen Chancen auf eine gute Bildung haben. Das sei der höchste und damit schlechteste Wert seit der ersten Befragung im Jahr 2015, so die Initiative. Seit 2018 habe die Skepsis kontinuierlich zugenommen; vor drei Jahren sei noch etwa die Hälfte (51 Prozent) von der Chancengleichheit in Deutschland überzeugt gewesen.

Die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Bildungschancen bildeten für die Jugendlichen die Qualität der Schule (92 Prozent), die Zuwendung und Unterstützung der Eltern (90 Prozent) sowie die eigene Motivation (86 Prozent). Der Anteil derjenigen, die in diesem Zusammenhang glaubten, dass der kulturelle Hintergrund der Erziehungsberechtigten einen großen Einfluss auf die Bildungschancen der Kinder habe, belief sich auf 51 Prozent. Das seien 20 Prozentpunkte mehr als bei der ersten Abfrage dieses Faktors im Jahr 2016.

Digitale Bildung während der Pandemie – geteilte Meinung zur Leistung der Lehrkräfte

In Deutschland konnte der Unterricht während der Pandemie häufig nur digital stattfinden. Besonders die Lehrkräfte waren hier gefragt. Durch das Homeschooling mussten sie ihren Unterricht völlig anders gestalten. Rund die Hälfte (53 Prozent) der Jugendlichen und jungen Erwachsenen war damit zufrieden, wie ihre Lehrerinnen und Lehrer den Unterricht im Homeschooling gestaltet hätten. Fast genauso viele (52 Prozent) sagen aber auch, dass ihre Lehrerinnen und Lehrer nicht so gut oder schlecht mit digitalen Lern- und Lehrmethoden vertraut sind.

Die Mehrheit der 14- bis 21-Jährigen (78 Prozent), die während der Pandemie am Distanzunterricht teilnehmen mussten, hatten dafür ein eigenes, bereits vorhandenes digitales Endgerät genutzt. Neun Prozent erhielten ein Gerät von der Familie, acht Prozent der Befragten mussten dafür extra ein eigenes Gerät erwerben und lediglich vier Prozent erhielten ein Gerät von der eigenen Schule, Hochschule oder Arbeitsstelle. Daher wünschen sich auch 47 Prozent der Befragten eine bessere Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit Tablets oder Notebooks für das Homeschooling.

Nach der Pandemie könne sich genau ein Viertel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen vorstellen, gleichermaßen im Präsenz- und Distanzunterricht zu lernen. Die Mehrheit (64 Prozent) würde es jedoch bevorzugen, wenn der Unterricht überwiegend oder ausschließlich in Präsenz stattfände. Den großen Vorteil des gemeinsamen Lernens vor Ort sehen die Befragten darin, dass mehr Möglichkeit zur individuellen Betreuung durch die Lehrkräfte bestehe (76 Prozent) und dass Schülerinnen und Schüler im Präsenzunterricht weniger abgelenkt seien (75 Prozent). Einen Vorteil des Distanzunterrichts sieht die Mehrheit der Befragten hingegen in der zeitlichen Flexibilität: Etwa drei Viertel (74 Prozent) der Befragten meinen, dass sie sich ihre Zeit zum Lernen im Distanzunterricht besser einteilen konnten.

Positiver Blick in die berufliche Zukunft – mit Selbstorganisation, Höflichkeit und Toleranz zum Erfolg

Trotz der Skepsis in Bezug auf die Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem blickt die große Mehrheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen positiv oder eher positiv (86 Prozent) in ihre eigene berufliche Zukunft. Auch zwischen den verschiedenen Befragtengruppen zeigen sich in dieser Frage keine großen Unterschiede: Schülerinnen und Schüler, Studierende oder bereits berufstätige junge Menschen waren alle ähnlich positiv gestimmt.

Die wichtigsten Kenntnisse für die persönliche berufliche Zukunft sind nach Angabe der Befragten Selbstorganisation (96 Prozent), Höflichkeit und Toleranz gegenüber anderen Menschen (94 Prozent) und Kenntnisse der deutschen Sprache (91 Prozent). Immerhin 61 Prozent der Befragten halten Kenntnisse über Klima- und Umweltschutz für sehr wichtig oder wichtig – und damit für relevanter als Kenntnisse in Politik und Geschichte (59 Prozent), Programmier- und Softwarekenntnisse (48 Prozent) oder Auslandserfahrungen (40 Prozent).

Deutschland soll sich auch international für chancengerechte Bildung einsetzen

Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 eine inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung in Deutschland sicherzustellen. Die große Mehrheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen (82 Prozent) hält es darüber hinaus für wichtig, dass sich Deutschland auch in anderen, ärmeren Ländern dafür einsetzt, dass das Bildungssystem inklusiv, chancengerecht und hochwertig wird. Die hohe Zustimmung zu dieser Frage sei seit dem Jahr 2018 nahezu konstant. (ots)

Studie: Chancengerechtigkeit in der Bildung hat sich verbessert – aber: „Deutschland verschenkt immer noch zu viel Potenzial“

Anzeige


62 KOMMENTARE

  1. Ich glaube auch nicht, „dass alle Kinder im Großen und Ganzen unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft die gleichen Chancen auf eine gute Bildung haben“. Allerdings meine ich das anders, als auch dieserr Artikel suggeriert.
    Wir sind das, was man normale Durchschnittsfamilie nennt mit durchschnittlichem Einkommen und durchschnittlich begabten Kindern, die lernen wollen, aber nicht können, wie sie möchten. Sie fühlen sich im Unterricht meist unterfordert, klagen über Langeweile und verlieren allmählich die Lust auf Schule.
    Meine Kinder haben den Eindruck, dass sich im Unterricht alles auf die „Schwachen“ konzentriert. Sie bestimmen das Unterrichtsniveau und -tempo. Sie stehen im Fokus der Aufmerksamkeit, während die pflegeleichten Schüler und Schülerinnen meist mit Arbeitsblättern beschäftigt und ruhig gestellt werden.
    Da es anscheinend Mode ist, sich auch in der Schule immer nur einzusetzen für die Armen und Schwachen, möchte ich auch mal die Stimme erheben für Kinder wie unsere. Sie leiden auch unter mangelnder Chancengerechtigkeit, haben allerdings keine Lobby. Wer eine starke Lobby hat, leidet meiner Meinung nach nicht unter Chancenungerechtigkeit. Jedenfalls nicht in der heutigen Zeit.
    Das muss auch mal gesagt werden, auch wenn ich mir vorstelle, dass ich damit nur Unmut oder Empörung jener Edelgemüter auf mich ziehe, für die es nur eine Perspektive gibt.

    • Ich beobachte seit Jahren, dass immer offener ein Umbau des gesamten Bildungssystems propagiert wird, der von den schwachen Lerner und den sozial Schwachen her gedacht ist. Das ist so, als ob man den Sport an den schwachen Sportlern orientieren würde mit dem Hauptziel, dass wirklich alle ein bestimmtes Minimal-Sportabzeichen erreichen. Gleichzeitig priest man die Förderung der Begabten. Aber das scheint mir eher eine Mogelpackung zu sein. Das sog. „Enrichment“ (man schlage mal unter diesem Stichwort nach) besteht in Ergänzungsangeboten, die aber mit der jeweiligen speziellen Begabung gar nicht korrelieren müssen. Das klingt nach purer Beschäftigung, damit die sich nicht allzu sehr langweilen. Dasselbe gilt in gewisser Weise für das Nachmittagsangebot an Ganztagsschulen.

    • @Stefania Kunze
      Sie sprechen mir aus der Seele! Nach über 40 Dienstjahren merke ich immer mehr, dass nicht nur die schwachen sondern auch die verhaltensoriginellen SuS fast meine gesamte Aufmerksamkeit mit Beschlag belegen.
      Pflegeleichte SuS ziehen immer den Kürzeren.
      Die „Schwachen“ machen ihre Übungen nicht? Verhaltensoriginelle rasten bei jeder Gelegenheit aus und hindern dadurch andere am Lernen? Macht nichts, denn das Mantra heißt nur “ Keiner darf zurückbleiben“. Das geht aber nur, wenn andere ausgebremst werden!
      Die Mehrheit der „pflegeleichten“ SuS, die auch dringend Aufmerksamkeit und Beachtung bräuchten, werden beschäftigt.
      Ich beziehe mich hier noch nicht einmal auf Kinder, die eine Lernschwäche haben, sondern auf diejenigen, die sich an keine Regel halten können, deren Resilienz kürzer ist als die Zündschnur eines Sylvesterböllers und deren Eltern dieses Verhalten noch unterstützen!

    • @Stefania Kunze
      Ganz Ihrer Meinung, sie sprechen mir aus der Seele! Das ist genau das Phänomen, das ich als Lehrkörper, der 25 Jahre auf dem Buckel hat, beobachten kann. Das heterogene Lernen keine Bereicherung und auch kein Lernen per se, hier wird kaum etwas gelernt; die Kinder werden entweder über-oder unterfordert. Ich werde keinem wirklich gerecht!
      Ich habe meine Erfahrungen im differenzierten Schulsystem und in der Einheitsschule machen dürfen. Chancengerechtigkeit kann ich nur im differenzierten, heterogenen System erkennen. Und ich könnte mir vorstellen, das sehen sehr, sehr viele Lehrer, bei denen die Bildung und ihr Unterricht an erster Stelle sehen, genauso.

    • Nö, überhaupt kein Unmut, Zustimmung, es ist nicht fair! Nützt nur wenig, denn die ‚schwierigen Fälle‘ üben jahrelang, wie ihre Probleme zu gewünschter Beachtung führen (müssen). Natürlich können wir uns kaum noch um die problemlosen Kinder kümmern: Inklusion, Integration, LRS, Dyskalkulie, Esstörungen, Schulverweigerer, Mobbing und dann die Erwartung, dass jeder Klassenlehrer mit seiner Klasse ‚zurechtkommt‘ und die Eltern sich nicht über (eigentlich angemessene) Noten und Maßnahmen beschweren.
      Gerade wird bei uns eine (völlig belanglose…) Änderung geplant, die ‚problemlosen‘ Kinder sollen gleichmäßiger auf alle Klassen verteilt werden, ‚damit es für die Kollegen dort einfacher wird‘. Es gäbe andere Möglichkeiten (deutlich verkleinerte ‚schwierige‘ Klassen, Doppelbesetzungen, Teams), aber das sprechen nur ‚alte Säcke‘ ohne Karriereambitionen in der Konferenz an, denn bei der Schulleitung macht man sich keine Freunde, die mag einfache Lösungen. Ich würde diese Kinder gerne unterstützen, aber die dafür nötige und geforderte Differenzierung kann niemand unter den gegebenen Bedingungen dauerhaft leisten, so bleibt es bei Einzelaktionen und dem Vertrösten auf Leistungskurse in der Oberstufe (GK sieht schon wieder anders aus). Ja, wer nach der 10 fertig ist, hat sich dann evt jahrelang gelangweilt und weit weniger als möglich gelernt…

    • @ Stefania Kunze
      Mein Sohn ist als sehr leistungsstarker Schüler in einer sehr leistungsschwachen und sozial problematischen Klasse.
      Er findet nicht, dass er zu kurz kommt und ich auch nicht. Die Zeit, die die Lehrkräfte für die anderen Kinder brauchen kann er prima zum selbständig arbeiten nutzen, denn das sollte er auch können, wenn er nach der 10 zum Gym wechseln will um Abi zu machen und Tiermedizin zu studieren. Und auch für ihn ist in der Klasse Zeit!
      Warum muss man sich zusätzlich zu seiner Gewinnerschleife auch noch eine Opferschleife anhängen? Aus Angst, anderen zu viel zu gönnen?
      Informieren Sie sich einmal, wie sehr es in der Mehrheitsgesellschaft, in neoliberalen und rechts/rechtskonservativen Kreisen in Mode gekommen ist, sich in Form einer Täter-Opfer-Umkehr diskriminiert zu fühlen.
      Heteros fühlen sich diskriminiert, weil sie nicht mehr Homos diskriminieren dürfen. Männer fühlten sich einst diskriminiert, weil sie ihre Privilegien mit Frauen teilen sollten, usw usf.
      Das ist ein sehr erbärmlicher Versuch! Und wie Sie sehen, sind Sie auch garnicht ohne Lobby, das zeigen die vielen zustimmenden Reaktionen. Aber vielleicht ist die Queen ja ohne Lobby…. die muss ständig neue Hüte tragen, während andere mit ihrem Geld machen können, was sie wollen.

      • Nur so ein Hinweis: Nach meiner Erfahrung müssen Sie von den Noten Ihres Sohnes mindestens eine bis zwei abziehen, um sie mit denen am Gymnasium vergleichen zu können. Besonders in Mathematik muss er zu Beginn der Oberstufe extrem viel nachholen. Da er ihrer Aussage nach sehr selbstständig und ehrgeizig ist, sollte das für ihn aber kein Problem sein.

      • „Warum muss man sich zusätzlich zu seiner Gewinnerschleife auch noch eine Opferschleife anhängen?“
        Gewinner- und Opferschleife sind zum Großteil Ansichtssache. Es lohnt sich immer, die Dinge auch mal aus anderer Perspektive zu betrachten. „Zu sozial ist unsozial“ hat schon Ludwig Erhard in weiser Voraussicht vor vielen Jahrzehnten gesagt. Und er hat in einer Weise Recht behalten, die ich mir früher nicht im Alptraum hätte vorstellen können.

    • Ich freue mich sowohl über Ihren Kommentar, liebe Frau Kunze, als auch über die überwiegende Zustimmung dazu. Wer Augen und Ohren an der Realität hat, kann nur bestätigen, was Sie schreiben.
      Bei einer so ideologisch überfrachteten und einseitig ausgerichteten Schulpolitik gehören auch die „pflegeleichten“ Schüler und Schülerinnen zu den Bildungsverlierern. Letztlich werden ALLE Kinder um ihre Lernchancen gebracht, weil das ganze System nicht stimmt und nur noch über Wasser gehalten wird durch eine Erleichterungspädagogik mit schleichendem Niveauverlust.
      Für ein rohstoffarmes Land, dessen Wohlstand ausschließlich auf Wissen und Können beruht, ist eine falsche Bildungspolitik eine (soziale) Katastrophe. Da kommt in der Zukunft noch einiges an Ernüchterung auf uns zu. Ob wir uns dann noch eine „fürstliche“ Sozialpolitik leisten können, um die uns die Welt angeblich beneidet, ist fraglich. Ich glaube nicht daran.

  2. In BW haben die Schüler ein verkürztes Schuljahr G8 und haben in diesem Ausnahmezustand ein G7 Schuljahr absolviert. Die Bildung ist an den G8 Schulen sehr durcheeinander geraten durch die Pandemie. Eine sichere Bildung und eine Chance auf eine faire Aufarbeitung mit Rückenwindprogramm blieb aus. Die Mogelpackung ohne Inhalt ist an den Schulen verteilt worden und Chancen Gleichheit kann sich erst gar nicht entwickeln. Die Grundbasis ist in dieser schweren Krise nicht geschaffen worden.https://www.phv-bw.de/phv-bw-zu-einem-corona-aufholjahr-fuer-schueler-am-allgemeinbildenden-gymnasium-durch-uebergang-auf-g9-ab-september-2021/

  3. Natürlich: Jetzt wird die „Chancengerechtigkeit“ schon danach beurteilt, ob das Volk in Umfragen daran „glaubt“, und das nach einer jahrelangen Propaganda in allen Medien in der Richtung, dass es in Deutschland ja ach so ungerecht zugeht. Vermutlich werden bald die Gefährlichkeit von Viren sowie die Frage der Klima-Erwärmung auch nach dem Ergebnis von Umfragen beurteilt.
    Wichtiger wären wohl transparente Kriterien, wie diese „Chancengerechtigkeit“ objektiv gemessen wird — unabhängig von dem, was die Leute glauben oder nicht. Was genau ist denn eine „chancengerechte und hochwertige Bildung“ ? Heißt „hochwertig“ vielleicht „jeder macht Abitur“? Bei PISA wurde so argumentiert: Der Einfluss der sozialen Herkunft auf die Leistungsunterschiede beim Test wurde im OECD-Durchschnitt mit ca. 10 % beziffert und in Deutschland mit ca. 13 %. Diese drei Prozentpunkte hält man nun für ungeheuer wichtig und verkündet dann salbungsvoll Weisheiten der Art „in kaum einem anderen Land hängt der Bildungserfolg so stark von der Herkunft ab wie in Deutschland“. Ich nehme an, in USA ist diese Abhängigkeit in Wahrheit stärker, weil dort der kommerzielle Bildungssektor eine stärkere Rolle spielt. Man denke nur an private Elite-Universitäten mit horrenden Studiengebühren. In Frankreich ist sie sogar laut PISA stärker als in Deutschland (trotz des dortigen ungegliederten Schulsystems).
    Man sollte lieber mal fragen, was die Deutschen von der Minuszinspolitik der EZB oder — allgemeiner — von der EU-Bürokratie halten. Oder auch von unserer Abhängigkeit von russischen Gas-Lieferungen. Aber danach fragt man nicht. Das wird uns als „alternativlos“ verkauft.

  4. Man muss nur lange und oft genug diesen Unsinn wiederholen, bis ihn die Bevölkerung, die restlichen Politiker, Schulleitungen und Kollegien – und dann natürlich die Adressaten dieser angeblich wissenschaftlich seriösen „Studien“ und deren Eltern glauben!

    LRS, Dyskalkulie, ADS, ADHS, Autismus, Aspergersyndrom, Sozialphobie, Schulangst, Coronaschäden, angebliches Mobbing und was es noch alles so aus der sozialpädagogischen und psychologischen Trickkiste gibt, bestimmen den Unterricht.

    Nein, es gehört auch und vor allem zur Chancengleichheit, dass ich meine Kinder erziehe, sie lehre, dass nicht jeder Pups, der quer sitzt, pädagogischer oder psychologischer Würdigung bedarf – und dass ich als SchülerIn (ganz egal, ob in der 1. oder der 13. Klasse) selbst etwas zu meinem (Bildungs-)Erfolg beizutragen habe.

    So lange jede halbe Minute einer den Unterricht an die Wand zu fahren versucht, so lange Eltern alle erdenklichen Ausreden dafür finden und ärztlich bestätigen lassen, warum ihr Kind nicht reüssiert, weil es einfach an seine leistungsmässigen und erzieherischen Grenzen gekommen ist und die sich ganz besonders fähig denkenden KollegInnen immer neue küchenpsychologischen Ideen haben, was dafür jetzt der Grund sein könnte, so lange werden die „normalen“ SchülerInnen eben KEINE Chancengleichheit haben!
    Selbst tagtäglich erlebt im Schulalltag. Selbst erlebt in der Verwandtschaft: unerzogene Abkömmlinge, die die Sau rauslassen gegenüber allen und jedem und ihre Lustlosigkeit zelebrieren mit der Konsequenz schlechter, aber angemessener Noten, zu dritt einen Absturz vom hochbegabten Gymnasialschüler/in in die Förderschule. Wem wird die Schuld zugeschoben? Den Lehrern (einem ganzen Kollegium).

    So wird das auch in der derzeitigen bildungspolitischen Diskussion gehandhabt: SchulversagerInnen werden nicht geboren/nicht nicht erzogen, sie werden dazu gemacht!
    Ich könnte mich erbrechen! Lange halte ich (und viele der KollegInnen) das nicht mehr durch.

    • Sie haben nicht wirklich Ahnung worüber Sie schreiben und vermischen dazu noch einiges. Ich hoffe, Ihr Blick für die Probleme andere weitet sich in der Zukunft. Blicken Sie nicht so düster auf das Leben.

      • Wer nicht wirklich Ahnung hat, worüber er schreibt, sei dahingestellt. Sie nennen sich „TheTeacher“, dennoch kommt mir der Kommentar von Sujasa sehr realitätsnah und ungetrübt von Ideologie vor.
        Darum: Danke, Sujasa und allen anderen, die es wagen, anderer Meinung zu sein und dafür in Kauf zu nehmen, unsachlich und persönlich angegriffen zu werden mit Sätzen wie: „Sie haben nicht wirklich Ahnung worüber Sie schreiben und vermischen dazu noch einiges“.

      • @The Teacher
        Das sehe ich anders als Sie!
        Wirkliche Probleme gibt es bei Kindern: Autismus, LRS, Dyskalkulie, I-Kinder usw. Darum geht es Sujasas Post auch nicht!
        Ein Problem sind die steigende Anzahl an Prinzen und Prinzessinnen! Jeder quersitzende Pups wird psychologisiert.
        Das sorgt für Unterrichtsstörungen, die ALLE Kinder betreffen und am Lernen hindern!

        Dazu passt eine lange E-Mail, die ich heute bekam: NN (2.Klasse) hatte in seinem Nikolausstiefel das „falsche“ Lego-Set gefunden. Er war sauer.
        „Er ist mit Wut im Bauch zur Schule gegangen! Wir können das passende Set erst am Vormittag besorgen. Sie wissen, dass er mit Frustation nicht umgehen kann! Sorgen Sie dafür, dass er in der Schule viel gelobt wird, damit er nicht ausrastet und seinen Frust nicht an anderen Kindern ausläßt! Mit freundlichen Grüßen …“
        Noch hat dieses Kind, trotz mehrjährigem Wandern von Arzt zu Arzt, keine ärztliche Diagnose. Ich tippe aber einfach mal auf : Verzogen.

        • Dann wissen Sie aber sicher auch, dass die Prinzen und Prinzessinnen vor allem in der gut situierten Mittelschicht zu finden sind (vielleicht auch diejenigen, die sich über zu viel Aufmerksamkeit bei I-Kindern beschweren?) , während der Frust über diese an den „Armen und Schwachen“ ausgelassen wird, weil man sich gegen die besser behaupten kann. Das ist mit vermischen gemeint. Wenn die Klasse schwierig ist, schauen alle auf das GE-Kind und das soll dann zur Förderschule, weil es „doch eh nicht hierher gehört“, dabei ist das GE – Kind mit das unproblematischste und die Störenfriede sind diejenigen mit dem höheren IQ. Nur mal so aus der Praxis.

          • Frau Rupp, natürlich gibt es auch die sogenannte „Wohlstandsverwahrlosung“. Und zwar massenhaft! Ja, Sie haben in diesem Punkt absolut Recht!! Aber bitte: Benutzen Sie nicht die Kinder für klassenkämpferische Interessen!!!
            Wenn es wirklich um die Kinder geht, dürfte doch klar sein, dass sie auf ganzer Linie und egal aus welchem Elternhaus die eigentlichen Verlierer einer Bildungspolitik mit fragwürdiger Interpretation von Chancengerechtigkeit sind.

    • Wenn man es böse sehen möchte, dann könnte man sagen:
      Früher kannte man kein ADHS, da waren manchen Schüler eben schlecht erzogen.
      Das Erstaunliche damals war aber eher, dass die Lehrer das damals unbekannt ADHS mit ihren unpädagogischen und strikten Erziehungsmethoden in 9 von 10 Fällen heilen konnten 🙂

      Heute wimmelt es von armen ADHS SuS. Dicht gedrängt mit Legasthenikern und Leuten mit Dyskalkulie.
      Auch da würde ich den Umfang der Leute die wirklich krank sind auf 25% schätzen.
      Der Rest kann einfach nur schlecht schreiben oder rechnen weil er wenig Interesse an dem Kram hat und so riesige Defizite angehäuft hat.
      Die Atteste sind oft nur nach langem Nerven der Eltern aus Gefälligkeit entstanden und weil es gerade in ist.
      Klar, früher war man mit Legasthenie ein armes Schwein. Heute bringt es jede Menge Vorteile.

      • @maxi
        Es ist schon sehr makaber, wenn sich diese Ansage ausgerechnet gegen die Gruppe (der ich eine Stimme gebe) richtet, die am meisten unter den überall herrschenden Klassenkämpfen zu leiden hat. Deren Belange verstummen zu lassen, würde bedeuten, dass die Klassenkämpfe und das nach unten treten ungehindert weiter gehen können. Welche Interessen vertreten Sie da? Wer benutzt hier Kinder? Lehrkräfte benutzen Kinder, um Eltern für Assis zu erklären, #1 benutzt Kinder um sich über die „Armen und Schwachen“ zu erheben, wohlwissend dass das hier Zustimmung findet auch wenn sie anderes daherheuchelte. Sie meinen, ich benutze Kinder, wenn ich das richtig stelle, da schwierige Kinder mitunter auch reich und intelligent sein können? Wenn also Weiße behaupten, dass Schwarze kriminell sind ist das in Ordnung – wenn man durch Aufzeigen von Kriminalität unter Weißen dies korrigieren will ist das ein moralisch verwerflicher Klassenkampf? Netter Versuch!
        Ihr Fazit : Es ist doch im Interesse aller, dass jedes Kind in der Klasse zu seinem Recht kommt und deshalb sondern wir die schwächsten aus – finde den Fehler!

  5. Das alles stört mich ehrlich gesagt überhaupt nicht.
    Die Eltern müssen mithelfen, mitarbeiten, sich die Mühe geben. Das ist nicht nur in Deutschland so. Das war immer und überall so.

    Sorry, aber das ist dein Kind! Nicht das Kind der Stadt.

    Aber was mich gewaltig stört, sind die Lügen, dass das Kind nur in den Schulgebäuden gut aufgehoben ist. Das ist schlicht einfach nicht war.

    Und noch dazu einige (bis viele) arrogante Lehrer, besonderes GS Lehrer, die jegliche Kommunikation mit Elternhaus vermeiden, aber sich reichlich das Recht nehmen zu predigen über alles, was die Eltern so falsch machen.

    Da kommt das wahre Gesicht des Systems zum Vorschein.

    Viele Kinder gingen gerade schon in der GS kaputt, weil sie nicht in genau vorbereitete Schublade passen.

    Also, ich bin total apolitisch, mit der Politik will ich wirklich nicht mehr zu tun haben. Ich habe zwei Bürgerschaften und ich will am liebsten die Beiden los werden.

    Aber hier gehet es nicht immer um die Politik und KM sondern um die einzelnen Menschen, die mit Kindern arbeiten und denken, dass sie Oberhand und Überlegenheit über allen Kindern in ihren Klassen haben. Das sorgt nur für die Revolte. Das gleiche gilt auch für die Eltern!

    Und genau das ist falsch.

    Mehr richtige Kommunikation ist gefragt. Das ist für alle Beteiligte gesund!

    Aber ja, es gibt dafür keine Zeit und keinen Willen mehr.

    Zu große Klassen, zu wenig Lehrer, zu dichter Stoff, zu viele ganz Tag beschäftigte Eltern und Lehrer, um zu von Monat zu Monat überleben zu können.

    Sklavengesellschaft? Nö, oder?

  6. Ich stelle fest: Das, was bis jetzt hier im Forum gesagt wurde, ist sozusagen das Gegenteil dessen, was im neuen rot-grün-roten Koalitionsvertrag in Berlin zum Thema Schule steht, was auch die GEW propagiert und was uns als angebliche Lehre aus PISA ständig von nahezu allen Medien eingeredet wird: Deutschland ist das Land der Bildungsungerechtigkeit. Wo bleiben diejenigen, deren Empörung Stefania Kunze oben erwartete?
    @ Redaktion: was ist eigentlich Ihre Einschätzung zu diesem Thema? Ich dachte bislang, Sie vertreten auch (GEW-konform) diese Mainstream-Sozialromantik, dass man alles und jedes an den Schwachen ausrichten muss (die quasi Narrenfreiheit haben) und dass dann die Interessen der anderen auf der Strecke bleiben müssen. Habe ich mich getäuscht?

    • Sehr geehrter Carsten60,

      wir vertreten keineswegs „(GEW-konform) diese Mainstream-Sozialromantik, dass man alles und jedes an den Schwachen ausrichten muss (die quasi Narrenfreiheit haben)“. Wir sind weder Sozialromantiker noch plädieren wir für Narrenfreiheit für irgendwen. Wir halten Chancengerechtigkeit – und zwar mehr davon – gleichwohl für unabdingbar. Gerne hier nachlesen: https://www.news4teachers.de/2018/01/draengender-denn-je-warum-wir-mehr-chancengerechtigkeit-im-schulsystem-brauchen-eine-gegenrede/

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

    • Aber was ist, wenn Ideologie auf Wirklichkeit trifft, so wie das im obigen Teil dieser Diskussion sich abzeichnet (ich meine damit nicht meine Beiträge, sondern die der anderen) ? Postulieren kann man immer viel („wir brauchen mehr Gerechtigkeit“), es kommt auch darauf an, dass das alles praktisch funktioniert. Und genau daran scheint es zu hapern. Die ewigen Klagen von Parteigenossen über Ungerechtigkeiten im Kapitalismus und das Theoretisieren der Theoretiker sowie das ganze politische Phrasendreschen bringen uns auch keinem Sozialismus näher. Auch da sind praktikable Vorschläge Mangelware. Vielleicht ist ja die Wunschvorstellung, dass es diese „Ungerechtigkeiten“ eigentlich nicht geben dürfe, schlicht verfehlt, weil zu utopisch? Niemand wünscht sich Ungerechtigkeiten, niemand betreibt sie bewusst. Aber es könnte doch sein, dass ein jedes größere System eben solche Ungerechtigkeiten produziert, ob man es will oder nicht. Jedes System folgt der in ihm vorhandenen Eigendynamik, nicht dem, was in Sonntagsreden so erzählt wird. Daher glaube ich auch, Herr Priboschek macht es sich in seinen Kommentaren zu leicht. Dasselbe gilt für die Beiträge von Gerd Möller (privilegierter Pensionär in der B-Besoldung). Lockere Sprüche liefern keine adäquate Antwort auf die obigen Beiträge von AusderPraxis, Konfutse, vhh und anderen.

      • „Niemand wünscht sich Ungerechtigkeiten, niemand betreibt sie bewusst. “

        So sicher?

        Die Kinder werden gezwungen zum Präsenzunterricht, obwohl….

        „Auch wenn Kinder oft nicht so schwer erkranken, seien die Folgen von Long Covid nicht zu vernachlässigen. „Wir müssen damit rechnen, dass ungefähr 4 bis 7 Prozent der Kinder, die an Covid symptomatisch erkranken, also Symptome bekommen, Long Covid entwickeln“, sagte Lauterbach.

        https://www.rtl.de/cms/long-covid-bei-kindern-karl-lauterbach-spd-kritisiert-politik-es-war-verantwortungslos-4870161.html

        „Lauterbach: Es stimmt, dass in der Regel die Krankheit harmlos verläuft. Aber wenn so viele erkranken, genügt die Regel nicht, sondern dann muss ich mir auch Sorgen machen, wenn nicht so viele relativ erkranken, aber doch absolut sehr viele. Man muss davon ausgehen, dass bei bis zu fünf Prozent der Kinder sich Long-Covid-Symptome ergeben. Und wenn man ganz ehrlich ist: Niemand von uns weiß genau, was die langfristigen Schäden von Covid bei Kindern sind. Das ist ja eine Erkrankung, die dann das Kind im Wachstum trifft, und es gibt Viruserkrankungen, die erst nach Jahren noch mal, wenn man so will, eine zweite Krankheitswelle zeigen. Das könnte auch bei SARS-CoV der Fall sein. Das kann niemand ausschließen.“

        https://www.deutschlandfunk.de/lauterbach-spd-zur-aktuellen-corona-situation-wir-laufen-100.html

        Interessant oder? Keine Absichten?

        • Ich meinte das so: die für gewöhnlich beklagten Bildungsungerechtigkeiten sind nicht bewusst durch eine Verschwörung entstanden, sondern haben sich innerhalb des Systems sozusagen „hinter dem Rücken der Beteiligten“ durch eine gewisse Eigendynamik entwickelt. So hat auch der „kulturelle Hintergrund der Erziehungsberechtigten“ (Formulierung aus dem obigen Artikel) gewiss einen Einfluss, aber das hat niemand bewusst gesteuert. Vielmehr hat niemand ein Rezept, diesen Einfluss auszuschalten. Das wird immer nur postuliert.

          • So ist es!! Es gibt keine Verschwörung, aber einen großen Mangel an Bereitschaft, die Tauglichkeit eingefahrener „Systeme“ an der Realität und ihren Resultaten zu messen. Man hält krampfhaft an bildungspolitischen Entscheidungen aus den Wolkenkuckuksheimen von Reißbrettexperten fest, auch wenn die praktischen Erfahrungen zeigen, dass es damit mehr abwärts als aufwärts ging.
            Die „Modernisierung“ des Bildungswesens hat schlimme Blüten getrieben, was aber kaum zu Eingeständnissen von Fehlern führte.
            Solange Irrtümer nicht eingestanden werden und krampfhaft an falschen, aber schönen Ideen festgehalten wird, blicke auch ich pessimistisch in die Zukunft.
            Hochfliegende Phantastereien, und ideologische Sonntagsreden sind leider populärer als die Niederungen der Realität.

          • „.. was aber kaum zu Eingeständnissen von Fehlern führte.“
            Das ist mir schon lange unangenehm aufgefallen: Schulreformer machen nie Fehler, jedenfalls wird davon nie geredet. Wenn es mal einen gigantischen Flop gibt (z.B. das G8-Gymnasium), dann wird das Zurückrudern mit großer Rhetorik irgendwie begründet, aber nie mit Fehlern der vorherigen Akteure. Wenn Reformen erfolgreich sind, dann sehen wir die blinkenden Orden auf der Brust der Reformer, und die Medien berichten eifrig darüber. Wenn aber Reformen nicht erfolgreich sind, schlagen sich die Reformer in die Büsche und sind verschwunden. Diskussionen finden dann nicht mehr statt.

    • Halloooooo, Narren sind nicht per se schwach und brauchen gerade deswegen ihre Narrenfreiheit. Bitte, ja, bitte-bitte, das wäre echt nett. Weil ich bin so schwach.

    • Interesant, aber…

      Wie ich die Redaktion News4Theachers verstanden habe, sie vertreten einen gesunden menschlichen Verstand.

      Wenn etwas menschenwidrig ist, ist es einfach, ganz egal, aus welcher Ecke es kommt.
      Und genau das ist ihre Stärke.

      • Was genau meinen Sie mit „menschenwidrig“ ? Ist vielleicht der ganze Kapitalismus in diesem Sinne menschenwidrig? Und wo ist das Rezept, alles besser zu machen?

        • Ja, leider, so sehe ich Kapitalismus, und Sozialismus und alle andere -ismuse.

          Nein, leider habe ich kein Rezept. Ich bin schon alt und mit dieser Pandemie habe ich aufgegeben zu denken, dass die Menschheit es besser könnte.

          Aber ich glaube immer noch an die Jugend, dass sie vielleich schaffen, wenn wir uns schon wieder nicht beeilen, ihnen das schon wider zu verderben.

  7. Was habt ihr eigentlich alle? Habe jetzt ein paarmal die GS-Zeit mit erlebt. Alle konnten am Ende lesen, schreiben, rechenen. Von den schwierigen Schüler*innen ( ihr nennt sie arme und schwache – finde den Fehler!) ist ein Teil zum Gym gewandert und ein Teil zur Oberschule. Das gleiche gilt für die angenehmen Schüler*innen, auch ein Teil zum Gym, ein Teil zur Oberschule. Und meine Tochter – das ärmste und schwächste Kind der Klasse mit Förderbedarf im Bereich GE hatte nie die Klasse gestört, hielt sich immer sehr gut an Regeln (steht auch im Zeugnis), hat ein paarmal pro Woche mit der Förderlehrerin an Aufgaben gearbeitet und von ihr dann Material bekommen, mit dem sie im Unterricht beschäftigt war, so dass sich die Klassenlehrerin ganz viel um die anderen kümmern konnte. Haben die anderen ein Diktat geübt, hat meine Tochter dasselbe in der Zeit abgeschrieben. Die Klassenlehrerin hatte wohl sich auch zwischendurch gefragt, ob meine Tochter nicht zu kurz kommt, aber diese hatte die ganzen vier Jahre da kein Problem gesehen. Meine Tochter war immer zufrieden mit dem Unterricht, nur hätte sie manchmal mehr Hilfe in der Pause gebraucht um mitspielen zu können, aber auch das hat oft geklappt. Und selbst meine Tochter mit GE kann jetzt so gut lesen, schreiben und rechnen wie man es, sagen wir mal als Bauerskind früher mit vier Schuljahren gebraucht hätte – also das nötigste geht.
    Wie oft habe ich jetzt schon irgendwo Sorgen gehört, dass die Kinder nicht lesen lernen usw. Am Ende konnten es immer Alle!

  8. Ich habe neulich was Neues gelernt:

    „Selektiver Mutismus ist durch selektives Sprechen mit bestimmten Personen oder in definierten Situationen gekennzeichnet.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Selektiver_Mutismus

    Könnten wir uns vielleicht darauf einigen, dass wir alle irgendwie plemplem sind und dann normal weitermachen und den Leuten, die es tatsächlich brauchen, die nötigen Fachleute, Rahmenbedingungen und Förderformen zukommen lassen? Ansonsten hätte ich die Frage, wie man mit LuL/EuE verfahren mag, die plötzlich ebenfalls Verhaltensoriginalitäten und Nachteilsausgleiche geltend machen. Ich hätte z.B. unkontrollierbare Schabernackimpulübersprungshandlungen im Angebot, die in der Kindheit angelegt wurden, auf welche sogleich tiefabstürzende Arbeitskontinuitätsdefizite bei mir und anderen folgen. Now what?

  9. Ich finde ja die Stelle aus Astrid Lindgrens Madita toll, wo es um „Richard“ geht:
    Der ist ein Klassenkasper, ein Störenfried, macht nur Unfug, beschädigt Schulsachen, macht viele Fehler, macht keine Hausaufgaben usw.
    Was haben Maditas Eltern gegen den gewettert. Der macht die ganze Klasse verrückt, der sollte verschwinden…
    Dann stellte sich auf einmal heraus, daß Richard garnicht existiert und Richard in Wirklichkeit Madita war. Interessante Erfahrung für Eltern, wenn man sich auf einmal fragen muss, ob man sich die ganzen verächtlichen Vorwürfe, Konsequenzen, die geforderte Ausgrenzung auch dem eigenen Kind wünschen würde.
    Da hatten Maditas Eltern wohl insgeheim gehofft, andere Eltern mögen mit ihrer Tochter verständnisvoller sein als sie es selber mit „Richard“ waren.
    Ach, Astrid… du warst einfach Klasse!

    • Oder kurz: Helikoptereltern sind kontraproduktiv, ebenso welche, die sich Prinzen und Prinzessinnen heranzüchten, und die, die den Aussagen der Lehrer über Fehlverhalten ihrer Kinder keinerlei Glauben schenken.

      • Der Bezug ist, dass Maditas Eltern gerne Richard los wären, damit Madita bessere Bildungschancen hat.
        Der Bezug ist, dass das auch für viele reale Eltern gilt.
        Und einige Lehrkräfte bilden für diese Eltern eine große Lobby, weil es auch im Sinne der Lehrkräfte wäre, wenn die Klasse aus lauter homogenen, gut „funktionierenden“ exakt gleich lernenden, fertig sozial entwickelten Kindern bestände.
        Ich kann mich nicht erinnern, in meiner Schulzeit (80er/90er) jemals eine Lehrkraft neben mir sitzen gehabt zu haben. Keine 10 und auch keine 5 Minuten. Es gab im vorbei gehen ein Blick über die Schulter und vielleicht eine Bemerkung und man konnte sich natürlich melden, wenn man etwas nicht verstand und kam auch dran, sofern es nicht zu viele Meldungen gab. Die Antwort erfolgte dann für alle und nicht persönlich. Nach der Stunde wurde vielleicht mal Smalltalk über die Theater-AG oder privates gehalten, aber nicht über Schulstoff, denn dafür war die Stunde da. Mails und Telefonate deswegen auch nicht und nur selten Elternabende und natürlich auch keine WhatsApp Gruppe, wo Mutti jeden Tag nach den Hausaufgaben fragen kann.
        Aussagen, wie „Ärmere und schwächere“ zeigen ganz gut, um welche Nebelkerze es hier geht.
        Eltern, die missgünstig gegenüber der Sonderbehandlung von I-Kindern sind, sollten sich mal fragen, ob sie nicht selber eine Sonderbehandlung und 1zu1 Betreuung möchten und für diese hohen Ansprüche andere Kinder los werden wollen.
        Wie gesagt gab es diese Ansprüche in meiner Zeit nicht und sowohl für meinen überdurchschnittlich begabten Sohn wie auch für meine geistig behinderte Tochter (abgesehen von den paar Stunden mit der Förderlehrerin) ist das auch so in Ordnung.
        Eltern wollen zu viel Prinzen/Prinzessinnenbetreuung und machen es sich einfach, indem an allem die I-Kinder Schuld seien, obwohl die Schulsituation noch nie dergleichen hergegeben hatte.
        Man müsste sich ja alleine schon fragen, woher Eltern wissen, dass ihre Kinder im Unterricht zu kurz kommen, obwohl sie garnicht mit in der Klasse sitzen. Ist es vielleicht die allgemeine Annahme, dass für das eigene Kind nichts gut genug ist? Und wenn I-Kind auf dem Flur mit Förderlehrerin Extraunterricht, dann bitte auch die eigene Prinzessin (als wäre das ein Maßstab)?

        • Jetzt vermischen Sie aber verschiedene Dinge. Weder im obigen Artikel noch in den obigen Beiträgen geht es um I-Kinder, der erste Beitrag im Forum handeln von einer Normalfamilie. Es geht ganz wesentlich um die, die körperlich und geistig „normal“ sind, aber meinen, sie können sich alles erlauben, ohne jede Rücksicht auf andere. Wir gehen doch von einem freien Willen aus, den schon Kinder haben, statt von Instinkten wie bei Tieren. So sollte es auch bei Richard und Madita nicht darum gehen, sie loszuwerden, sondern zu erreichen, dass sie sich besser benehmen. Ihre Freiheit endet an der Freiheit der anderen. Es kann eben nicht angehen, dass die Kinder sich geradezu herausgefordert fühlen, die Grenzen ihrer Unverschämtheiten auszuloten und dann mit Aufmerksamkeit noch belohnt zu werden. Das ist auch eine Art von „Darwinismus“ in falschem Sinne. Was heißt denn Sozialkompetenz und soziales Lernen? Man muss sich in die Lerngruppe einfügen und den eigenen Egoismus hintanstellen.
          Noch eins: Ich finde es etwas unglücklich, dass die populäre Figur von Pippi Langstrump nebenbei zur Schulfeindschaft beigetragen hat. Sie lästert ungeniert über die „Plutimikation“, die angeblich alle Kinder hassen. Wie hätte sie wohl reagiert, wenn man ihr gesagt hätte, wegen Corona dürfe sie eine Weile nicht zur Schule gehen? Hätte sie gejubelt?
          Um die Inklusion als solche ging es oben nicht. Da sind sich doch alle einig, dass das zusätzliches (!) Betreuungspersonal erfordert. Und wenn das nicht vorhanden ist, geht’s halt nicht. Aber vielleicht wird ja die Inklusion jetzt auf dem Rücken der anderen realisiert? Und das finden Sie richtig?
          Die „Chancengleichheit“ bezieht sich eigentlich nie darauf, dass I-Kinder später in höhere Funktionen (Minister, DAX-Vorstände oder so) vorstoßen oder Herzchirurgen werden. Im Artikel wird die „kulturelle Herkunft“ als Hindernis erwähnt. Das bezieht sich bestimmt nicht auf „I-Kinder“. Aber was heißt es eigentlich?

          • – Pipi Langstrumpf trägt zur Schulfeindschaft bei? Lol!

            – I-Kinder werden wohl später nicht in höheren Positionen sitzen? Frauen auch oft nicht! Sollen die dann bei noch mehr Lehrkräfteeinsparungen als nächste gehen?

            – Userin #1 schrieb nicht von I-Kindern? Bitte sinnentnehmend lesen! Sie bezeichnet sich als „normale“ Familie und nennt die Störenfriede „Arme und Schwache“, obwohl störende hochintelligent sein können und es gerade die Prinzen/Prinzessinnen aus der Mittelschicht sind, die mehr Aufmerksamkeit möchten. Dazu lassen Kinder sich leicht suggerieren und klagen mitunter Zuhause genau das an, was Eltern hören möchten. Nur mal so nebenbei.

            – Inklusion auf dem Rücken Anderer? Oder Exklusion auf dem Rücken Anderer! ZB Exklusion, weil die „normalen“ Kinder schwierig sind und ein friedliches GE-Kind für diese zurücktreten muss. Hört doch mal auf, I-Kinder für weniger wertvolle Menschen zu halten und deshalb von vornherein unterschiedliche Maßstäbe zu setzen. Wenn die „normalen“ Kinder wegen der I-Kinder ausgesondert und von der Gesellschaft getrennt werden, dann hätten wir die gleiche Diskriminierung. Gleichstellung ist keine Diskriminierung!

          • Das ist doch nur billige Polemik. Die Chancenungerechtigkeit im obigen Artikel wird nicht an den I-Kindern festgemacht, sondern an anderen Dingen, nämlich der sozialen und kulturellen Herkunft. Und ob Pippi Langstrumpf wirklich begeistert an einem Förderunterricht teilnehmen würde, der die Corona-bedingten Kompetenz-Defizite beseitigen soll? Ich denke, die Popularität von Pippi basiert auf ganz anderen Dingen. Sie wirkte auf mich eher wie ein wilder Tiger, der der Dressur im Zirkus entflohen ist und nun die Welt auf eigene Art erkunden möchte und eigene Maßstäbe setzt. welche Rolle spielt denn die Schule dabei? Pippi und die neue Kompetenzorientierung — das wäre eine richtige Lachnummer.
            @ Redaktion: Dieser Artikel ist als „Tagesthema“ gekennzeichnet, ist aber nicht sichtbar, wenn man unter „Rubriken“ eben die Tagesthemen anklickt. Er wirkt dann wie verschwunden. Ist das Absicht?

          • Sehr geehrter Carsten60,

            die Tagesthemen sind keine eigene Rubrik und deshalb in der Übersicht nur über den Schriftzug darüber anzusteuern. Das Thema erscheint in „Praxis“, „Leben“, „Politik“ oder „Wissen“, wenn es dann entsprechend zugeordnet ist.

            Herzliche Grüße
            Die Redaktion

          • @ Redaktion: Der obige Artikel war mal ein „Titelthema“, daran erinnere ich mich doch. Er stand in voller Breite oben auf der Startseite. Jetzt ist er „degradiert“ zu einem „Tagesthema“ und taucht in der Rubrik „Titelthemen“ nicht mehr auf. Was hat das zu bedeuten?

          • Aber manche Themen verschwinden dadurch von der Bildfläche und sind nur noch erreichbar, wenn man genau weiß, dass es da einen bestimmten Titel gibt. Das nennen Sie „Aktualisierung“ ? Eigentlich sollten doch alle Artikel in der Reihenfolge ihres Erscheinens dann auch hinterher erreichbar sein, eben durch Anklicken der „Rubriken“. Gelöscht wird doch wohl keiner. Aber manche Artikel verbleiben monatelang von der Startseite anklickbar, andere sind ganz schnell verschwunden, ohne dass irgendwelche Prioritäten plausibel wären.

          • Lieber Carsten60,

            wir sind eine aktuelle Nachrichtenseite, nicht das Bundesarchiv. Wir aktualisieren die Seite täglich mehrmals und dadurch rutschen Beiträge von vorne nach hinten. Wenn in manchen Ressorts (z. B. Recht) nichts relevantes Neues passiert, dann verschiebt sich auch nichts. Die Beiträge, die nach hinten rutschen, bleiben aber auffindbar – sowohl über die Rubriken als auch über die Suchmaske. Über Google sowieso.

            Herzliche Grüße
            Die Redaktion

          • Welche Suchmaske? Die ist gut versteckt, stimmt’s? Auch die Beiträge im Forum kann man nicht auf einfache Weise zurückverfolgen, obwohl sie ja alle gespeichert werden. Man muss jeweils die Titel der Artikel kennen, sonst geht gar nichts. Besser wäre wohl eine chronologische Anordnung.

          • Gut versteckt? Rechts oben auf der Startseite auf die Lupe klicken. Herzliche Grüße Die Redaktion

  10. Von über 8 Millionen schulpflichtigen Kindern sind 1000 befragt worden. Dadurch wird jetzt in den Schulen bestimmt alles viel, viel besser. Wir brauchen auf jeden Fall noch mehr Umfragen und Studien, die uns erklären was in unseren Schulen schiefläuft.

    Wie wäre es denn, wenn wir uns Umfragen und Studien einfach mal sparen und das Geld, das dafür gebraucht wird, einfach mal den Schulen zukommen lassen?
    Was wäre, wenn wir in den Schulen mal die Bürokratie abbauen?
    Was wäre, wenn wir kleinere Klassen hätten?
    Was wäre, wenn wir mehr Lehrer hätten, die unterstützt durch Psychologen, Integrationshilfen, Pädagogen, Krankenschwestern, tatsächlich die Zeit zum Lehren hätten?
    Was wäre, wenn die Verantwortlichen unserer Bildungspolitik mal ihren Kopf aus dem Hintern ziehen?
    Was wäre, wenn Eltern und Lehrer ehrlich und lösungsorientiert zusammenarbeiten?
    Was wäre, wenn endlich aufgehört wird Eltern und Lehrer gegeneinander aufzuhetzen?
    Was wäre, wenn endlich akzeptiert wird, dass zum Bildungserwerb auch Eigenverantwortlichkeit gehört?
    Was wäre, wenn endlich mal klar ist, dass die grundlegende Erziehungsarbeit bei den Eltern liegt?
    Was wäre, wenn klar ist, dass Schule ein Ort zum Lernen, zum Austausch und zur Impulsgebung ist und keine Verwahranstalt?

    Aber, was weiß ich denn schon.Bin ja nur eine dumme Mutter.
    Ich warte einfach auf die nächste, höchst wichtige und garnicht Geldverschlingende Umfrage oder Studie, die mir dann nochmal erklärt, wo denn der Hase im Pfeffer liegt. Vielleicht verstehe ich die Ursachen dann besser und alles wird gut.

    • @Wiewunderland, ich bin ganz bei Ihnen, der Kommentar war nach all den pseudowissenschaftlichen Auslassungen mancher Kommentatoren hier, die die Realität entweder nur im Individuellen Umfeld sehen oder ganz ausblenden, sehr erfrischend ehrlich und spricht in pragmatischer Form die wirklichen Probleme unseres Bildungssystems an. Studien und viel BlaBla führen nicht zur Problemlösung. Warum wird chancengerechte Bildung immer nur am Angebot festgemacht? Es ist doch tatsächlich so, dass auch die „Nehmerseite“ in der Verantwortung ist. Und wahre soziale Selektierung findet ja bei uns doch fast ausschließlich in den Privatschulen statt, die sich nur eine Elite leisten kann. Warum werden diese Einrichtungen nicht wegen Diskriminierung angegriffen? Da wird die Hand draufgehalten, da ja die meisten unserer „Entscheider“ ihre Kinder dort gut aufgehoben wissen. Und das nenne ich Ungerechtigkeit, es kann wirklich keiner behaupten, dass nicht jedem Schüler Chancen gegeben werden, allerdings scheitert das Ganze oft an den Voraussetzungen. Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern müssten individuell betreut werden, samt Familie, dazu fehlt das Geld. Freiwillige Angebote werden meist nur von denen angenommen, die es auch ohne schaffen würden. Ich möchte damit sagen, dass man die Schule nicht nur immer auf eine Richtung fokussieren darf, sonst verlaufen alle Lösungsansätze im Sand. Ja, auch ich gehöre wohl zu denen, die keine Ahnung haben, worüber sie schreiben. Pragmatische Ansätze sind nicht mehr gefragt.

  11. Es gehört zu den Paradoxien bei dieser Diskussion um Chancengerechtigkeit, dass man einerseits festgestellt hat, dass die Jungs im Lesen schwächer sind als die Mädchen, dass überhaupt die Jungs neuerdings zu den Bildungsverlierern gezählt werden, dass man andererseits aber niemals eine Verhaltensänderung anmahnt. Alle rechtschaffenen Leute scheinen überzeugt zu sein, Jungs wollen Ringen, Raufen und Fußball spielen. Bücher lesen — das machen nur Streber und Stubenhocker, und die werden allgemein nur verachtet.
    Wie wär’s denn, wenn man mal laut und deutlich sagen würde: Ihr Jungs, übertreibt das mal nicht mit dem Fußballspielen und lest mehr Bücher? Vergesst den Strebervorwurf und werft den Männlichkeitswahn auf den Müllhaufen der Geschichte.
    Analog müssten die Mädchen, wenn sie denn ihre Defizite in Mathematik gegenüber den Jungs aufholen sollen, sich mal mit mathematikaffinen Dingen beschäftigen. Dazu gehört auch das Durchdringen logischer Strukturen im Alltag gegenüber rein emotionalen Beurteilungen in demselben Alltag. Das hat auch was mit Denkweisen zu tun.
    Das betrifft auch die Chancengerechtigkeit im allgemeinen. Wenn alle dieselben Chancen haben wollen, müssen sie sich auch ähnlich verhalten. Ohne Training wird man nicht zu einem Sportler, ohne Üben nicht zu einem Musiker. Und ohne Bildungsangebote aktiv anzunehmen und sich darauf einzustellen, wird man halt nicht gebildet.

    • Das gibt es ja auch! Die Jungen bei uns haben (bewusst!) gerade Hauswirtschaft /Kochen als Fach (bei einer männlichen Lehrkraft) und die Mädchen haben Werken. Am Boysday sollen Jungen in traditionell weibliche Berufe reinschnuppern, umgekehrt die Mädchen am Girls day in traditionell männliche Berufe.
      Und ich habe nebenbei vor allem ein Problem mit Waldorfschulen, wo Jungen höchstens „schlechtere“ Mädchen sein können.

      Man kann sagen, dass Mädchen einen doppelten Vorteil haben : Auf der einen Seite gelten sie als emanzipiert, wenn sie stark sind, sich behaupten und vielleicht auch auf verschiedene Weisen „angreifen“ – das wird dann übergangen, weil es doch so ein gutes Zeichen ist, dass Mädchen nicht mehr die Unterdrückten sind (selbst, wenn sie nun selber unterdrücken). Auf der anderen Seite gibt es da immer noch diesen Beschützerreflex. Die Taten der Mädchen werden verharmlost, verniedlicht und sie werden als wehrlos und unschuldig gesehen. Kurz, greift ein Mädchen (verbal, psychisch, körperlich) an, dann finden die einen das harmlos und niedlich und die anderen sind stolz auf die erreichten emanzipatorischen Ziele und übergehen den angerichtet Schaden – zumindest wenn die Leid tragenden die Jungen sind!

      Die Jungen habe ich damit schon häufig völlig überfordert erlebt. Die Mädchen spüren schon ab dem Kigaalter ihre Privilegien als „die Guten“ bei den Erwachsenen. Wenn sie einen Jungen attackieren, sind sie zugleich mutig und auch unschuldig und normale Vorstellungen von Sozialverhalten scheinen für sie nicht zu gelten. Die Jungen wiederum haben den doppelten Nachteil : Ihnen wird oft nicht geglaubt, wenn sie Hilfe suchen und das Entsetzen ist nicht annähernd so groß, wie wenn ein Mädchen angegriffen würde . Davon, was los wäre, wenn Jungen sich wehren würden mal ganz zu schweigen…

      Im Kopf klappt das an professionellen Regelschulen aber schon gut, im Bauch vielleicht noch nicht so. Deshalb in der Gesellschaft auch noch nicht so. Hier haben Lehrkräfte, die das über Verstand objektiv angehen einen Vorteil gegenüber Eltern, die über den Bauch handeln. Es gibt aber meiner Erfahrung nach auch besonders unter älteren Lehrerinnen das, was ich einen Emanzipationskomplex nenne. Da kenne ich viele, die privat nicht so selbstbewusst sind und nicht so gut von Partnern behandelt wurden und vielleicht auch gerade deshalb einen „Erziehungsauftrag“ bei sich gesehen haben. Diese Lehrerinnen waren zB immer richtig glücklich darüber, dass Jungen die schlechteren Abschlüsse hatten. Man stelle sich umgekehrt mal einen männlichen Lehrer vor, der sich freut, wenn die Mädchen schlechtere Noten haben…

      Wirklich emanzipiert sind wir, wenn wir es nicht nötig haben, den Männern alles nach zu machen oder auch den Spieß umzudrehen und vor allem, wenn wir nicht nur die Rosinen heraus picken! Frauen sind keine besseren Menschen als Männer und machen, wenn sie Macht erlangen, dieselben verwerflichen Fehler! Emanzipation heißt, auch für diese negativen Aspekte Verantwortung zu übernehmen. Einer davon ist, dass wir die Wertschätzung gegenüber den Jungen verlernt haben, wodurch diese zu den „Schulverlierern“ wurden. Viele typisch „männliche“ Fähigkeiten sind heute weniger relevant – manche auch irrelevant und mit Mädchen kann man so gut kommunizieren, was heute ja so relevant ist.
      Kinder sind super Theaterkritiker*innen! Wenn man mal in sich geht und die Vorteile an typisch jungenhaftem Verhalten findet und daraus resultiert, dass man sie braucht und sie Verantwortung übernehmen lassen kann, dann wundert man sich, wie zugänglich Jungen auf einmal werden, wie gut sie zuhören und wie sozial sie sind. Sie müssen „gesehen“ werden, dann sehen sie auch nicht nur mit ihrem Cappi zu Boden oder verlieren sich in Rangeleien oder in ihr Handy.

      • @Indra Rupp, was Sie da ausführen, ist Ihre Meinung, aber sicher nicht allgemeingültig. Sie neigen dazu, alles zu kategorisieren und beharren darauf, wohingegen man durchaus auch gegenteilige Beobachtungen und Argumente anführen kann. Man darf nicht verkennen, dass auch innerhalb der Geschlechter ein völlig unterschiedliches Verhalten vorliegt, das hat mit Charakter und Wesenszügen zu tun, nicht mit Geschlecht. Frauen sind z.B. dankbar, wenn ihnen eine männliche Person beim Hochstemmen einer schweren Kiste hilft, da der männliche Körper einfach von Natur aus mehr Muskelmasse hat. Man kann dies natürlich auch als „Beschützerinstinkt“ sehen, wie Sie das ausdrücken, aber ich sehe es als Zweckmäßigkeit.
        Mädchen haben Privilegien? Mag sein, in bestimmten Bereichen. In anderen Bereichen haben die Jungs wieder Privilegien, wenn man es so nennen mag. Sie stellen die Sache ja gerade so dar, als ob die Jungs überhaupt keine Anerkennung erhalten und kein Selbstbewusstsein haben. Das ist doch absurd. Jungs als Schulverlierer, nun ja, das sehe ich völlig anders. Bei manchen Lehrern sind die fleißigen Mädchen, die immer ihre Hausaufgaben machen und den Unterricht nicht groß stören, sicher beliebt. Bei mir legt sich das, sobald sie zickig werden und man sie durchschaut. Dieses Verhalten möchte ich natürlich keinesfalls verallgemeinern, aber ein pfiiffig-„frecher“ Schüler, der ehrlich mit mir umgeht und auch zum Unterricht beiträgt, ist mir lieber als der/die angepasste Scheinheilige, die solange „brav“ sind, bis die Noten stehen.
        Und das Beispiel mit den „älteren Lehrerinnen“ mit Emanzipationskomplex, die es gern sehen, wenn Jungs die schlechteren Abschlüsse haben ….. also die müssen Sie mir mal zeigen, da zweifle ich Ihren psychologischen Sachverstand vehement an. Falls Sie auf einen Einzelfall abzielen, dann ist dies sicher meinungsprägend, aber auf alle Fälle nicht empirisch erwiesen.
        Wohin uns die erzwungene übertriebene Emanzipation führt, sehen wir an der Frauenquote, die in vielen Fällen völlig kontraindiziert und kontraproduktiv ist (siehe auch in der Politik). Seltsamerweise hat sich in den pflegerischen, kaufmännischen und erzieherischen Berufen ein Wandel, oh Wunder, ohne Quotenregelung entwickelt hin zu mehr Männeranteil, ganz ohne Zwang, auf natürliche Weise. Und das funktioniert auch in den meisten Fällen hervorragend. Die vorgefertigten Rollenmuster sind längst durchbrochen, da braucht es keine Belehrung oder verkrampfte Quoten, es braucht einfach Zeit.
        Chancengleichheit ist weder eine Sache des Geschlechts, noch eine Sache der Nationalität, wenn man die individuellen Backgrounds ausblendet. Und nur diese, zusammen mit Charakter und Umgang, prägen den Weg eines Menschen. Wer im Lehrberuf Schüler wegen ihres Geschlechts oder ihrer Herkunft unterschiedlich (im negativen Sinne) behandelt, der hat im Lehrberuf nichts verloren.

  12. https://www.kreiszeitung.de/politik/buergergeld-hartz-4-iv-vier-satz-grundsicherung-alg-regelsatz-arbeitsamt-sozialverband-empfaenger-geld-90950973.html

    Auch interessant im Bezug auf Chancengleichheit. Im H4/Bürgergeldregelsatz sind 1 Euro pro Monat für Bildung vorgesehen. Und nein, ich meine nicht, dass man immer noch was drauflegen kann, denn wo soll das herkommen. Aber dann doch bitte nicht auch noch diese Leute einfach für unwillig und somit selber Schuld erklären und es sich damit bequem machen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here