Statt Quarantäne: Negativer Schnelltest reicht für Kontaktpersonen an Berliner Kitas

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BERLIN. Von Montag an können sich Kontaktpersonen von Infizierten an Berliner Kitas durch tägliche Tests der Quarantäne entziehen. Mit der Anwendung des sogenannten «Test-to-stay» -Verfahrens könnten Kinder und Beschäftigte dann weiter in der Einrichtung bleiben, auch wenn sie Kontaktpersonen eines positiv getesteten Covid-19-Falles in ihrer Kita-Gruppe seien, teilte die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie am Mittwoch mit. Voraussetzung sei, dass die Kontaktpersonen symptomfrei seien und fünf Tage in Folge negativ getestet würden.

Corona-Schutz? Gibt es in Kitas praktisch nicht. Foto: Shutterstock

Die Regelung gilt der Senatsverwaltung zufolge auch für geimpfte und genesene Kinder. Zur Umsetzung der Methode seien zusätzlich zwei Millionen Lolli-Tests bestellt worden, hieß es. Weitere sollen folgen. Eltern bekommen demnach drei Tests pro Woche, bei einem Infektionsfall fünf, um die Testungen an den aufeinanderfolgenden Tagen zu ermöglichen.

«Unser Ziel ist es, dass die Kinder weiterhin innerhalb ihrer festen Betreuungsgruppe am sozialen Geschehen in der Kita teilhaben können und wir gleichzeitig den höchstmöglichen Schutz vor einer Infektion sicherstellen», sagte Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) laut Mitteilung.

Laut Senatsverwaltung können Eltern aber auch entscheiden, ihr Kind nicht in die Einrichtung zu bringen, wenn es engen Kontakt zu einer positiv getesteten Person gehabt habe. Dann werde die Quarantäne wie bisher vom Gesundheitsamt ausgesprochen und bescheinigt. Wie bisher sollen demnach die Tests zuhause von den Eltern durchgeführt werden. Wenn ein Kind positiv getestet werde, müsse es in Quarantäne und sich einer Nachtestung unterziehen. dpa

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Georg
3 Monate zuvor

Werden die eigentlich irgendwann mal zugeben, dass es mitnichten um die soziale Teilhabe der Kinder im KiTa-Geschehen geht, sondern überwiegend um die Beaufsichtigung außer Haus, damit die Eltern ihrer Arbeit nachgehen können? Ich habe da meine Zweifel.

potschemutschka
3 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Sicher nicht! Es klingt eben viel besser, wenn man das Wohl der Kinder in den Fokus rückt und nicht die wirtschaftlichen Interessen.

Susanne
3 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Mit Sicherheit nicht, denn da könnte doch vielleicht noch der eine oder andere hellhörig werden und lieber Zuhause bleiben.

Verstehe immer noch nicht, warum man nicht einfach Mal 4 Wochen alles komplett dicht macht.

laromir
3 Monate zuvor

Vorallem macht es ja auch einen Unterschied, ob man eine Anordnung hat oder ob man das selbst entscheiden soll. Da hat man dann die A..-Karte wieder schön den Eltern zugeschoben. Aber das war ja schon die ganze Zeit so. Man hat elegant die Eltern verdonnert, wie sie das geregelt bekommen und großzügig gesagt, man habe ja Präsenzpflicht ausgesetzt, wäre ja jetzt jeder selbst verantwortlich blablabla. Und im Gegenzug so Eltern indirekt kaum Möglichkeiten gelassen als die Kinder in die Betreuung zu schicken. Der Umgang mit Kindern, Familien Erziehern und Lehrern ist einfach unterirdisch. Aber gut, Wirtschaft geht ja hier seit Jahren vor Wissenschaft.

Susanne
3 Monate zuvor
Antwortet  laromir

Ich sehe es eher kritisch, das überhaupt den Eltern zu überlassen. Es gibt einfach zuviele, die gar nicht erst testen…

Dreise
3 Monate zuvor

Früher haben Eltern ihre Kinder erzogen, heute lassen sie erziehen. Durchsuchung der Jüngsten zu Lasten der Erwachsenen die sich nicht impfen lassen. Herzlichen Glückwunsch. Es gibt übrigens auch Erzieher die sich nicht impfen lassen können. Herzlichen Glückwunsch, diese dürfen nämlich nicht entscheiden ob sie in Quarantäne gehen möchten oder nicht. Und bei all unseren positiven Nasentests waren die tollen Lollitests negativ. Absicht? Wer weiß.

Rosa
3 Monate zuvor

Kindergartenbetrieb und Versorgung der Kinder nicht mehr leistbar. Der Fachkräftemangel hat sich durch die Pandemie verstärkt. Teilweise läuft der Einrichtungsbetrieb nur in Notbesetzung mit gekürzter Betreuungszeit. Auch die Gruppen sind teilweise nur mit einer Betreuungskraft besetzt und man kann keinem der Kinder gerecht werden.https://www.mannheimer-morgen.de/videos_video,-kita-schliessungen-dekan-ralph-hartmann-ueber-fachkraeftemangel-und-die-kriterien-der-platzvergabe-_videoid,9774.html

Erzieherin im Ausnahmezustand
3 Monate zuvor

Wir sind am Limit. Absolut am Limit.
Seit Monaten arbeiten wir nur noch mit durchschnittlich 50% der Fachkräfte.

Momentaner Alltag:
3 Tage eingeschränkte Betreuung, weil zuviele Leute fehlen und wir sonst unsere Aufsichtspflicht nicht einhalten können, dann eine Kollegin wieder gesund und wieder 4 Tage „Regelbetrieb“ in Minimalstbesetzung plus drölf Überstunden für jeden. Dann weitere 2 Kollegen krank und alles wieder von Vorne. Der Planungsaufwand ist unvorstellbar. Einzelne Kollegen hüpfen am Tag gerne Mal durch 3 verschiedene Gruppen um Mal dies, Mal das abzudecken.
Begleitetes Hände waschen mit den Kids? Beim kommen und vor dem Mittagessen.
Oberflächen desinfizieren? Macht keine Sau mehr, weil keine Zeit mehr übrig.

Die Eltern lassen ihren Frust, ihre Verzweiflung und oft genug auch verbale Aggression an uns aus, weil für sie sonst niemand anderes zu greifen ist.
Quarantäne ist jetzt offenbar auch egal, das bedeutet es kommen noch mehr Kinder (ein Teil fehlte ja bisher immer aufgrund der Quarantäne Regeln), die dann womöglich noch mehr Kollegen anstecken.
Ich hab keine Ahnung, wie wir das noch länger aushalten sollen. Die Azubine hat aufgrund des Drucks und akuten Stressymptomen vor ein paar Tagen gleich die ganze Ausbildung hingeschmissen. Verheizt nach 6 Monaten. 2 Kollegen fehlen Grad längerfristig aufgrund von Burnout. Eine weitere muss wegen psychischer Belastungen nächste Woche in Reha.

Alle schreien nach Bildung und ihrer Wichtigkeit. Absolut richtig, aber in Kitas findet flächendeckend seit Monaten höchstens noch Verwahrung statt.
Von politischer Seite werden wir komplett übersehen. Es wird, wenn überhaupt, über Schulen gesprochen. Schutzmaßnahmen gibt es in Kitas NICHT. Gar nicht. Freiwillige Tests, die die Eltern oft seit Monaten liegen lassen. Keine Masken. Keine zuverlässig Niesetikette. Kein Abstand. Es ist noch weniger Schutz als in Schulen vorhanden, trotz noch höherem Risiko.

Trotzdem tun wir alles um die Kids und ihre Familien unterstützen zu können. Wir machen uns selbst dafür kaputt.
Und dann darf man sich noch anhören wir würden nur rumnölen und frei haben wollen.