3.000 Lehrkräfte streiken in Berlin für kleinere Klassen und bessere Arbeitsbedingungen

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BERLIN. Dass kleinere Klassen für Schüler und Lehrer bessere Lehr- und Lernbedingungen bedeuten können, leuchtet ein. Allerdings fehlt dafür neben dem Geld auch ausreichend Personal – sagt Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). Die GEW in der Bundeshauptstadt ruft trotzdem zum Streik um bessere Arbeitsbedingungen auf – rund 3.000 Lehrkräfte folgen.

Wegen eines Warnstreiks zahlreicher Lehrer in Berlin sind an vielen Schulen am Donnerstag Unterrichtsstunden ausgefallen. Manche Schulen schlossen den ganzen Tag. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprach von knapp 3.000 Streikenden, die am Vormittag in Berlin-Mitte demonstrierten.

Zu dem eintägigen Warnstreik hatte die GEW aufgerufen, um ihre Forderung nach kleineren Klassen zu unterstreichen. Sie fordert, an Grundschulen die Klassengröße auf 19 Schüler zu begrenzen. Bisher sind bis zu 26 Kinder erlaubt.

Genauer: Die GEW fordert den Abschluss eines Tarifvertrages zum Gesundheitsschutz, in dem das Verhältnis von Schülern zu Lehrkräften und damit die Klassengröße an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen verbindlich geregelt wird. Unser Ziel ist, eine Verkleinerung der Klassen festzuschreiben und so durch eine geringere Arbeitsbelastung zum Gesundheitsschutz der Lehrkräfte beizutragen. Auch die Schüler*innen würden von kleineren Klassen enorm profitieren“, sagt Landeschef Tom Erdmann.

„Kleinere Klassen bedeuten weniger Lärm, weniger Vor- und Nachbereitung, weniger Korrekturen und mehr Zeit für Unterricht, Beziehungsarbeit, individualisierte Förderung“, erklärt Anne Albers, Leiterin des Vorstandsbereichs Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik der Berliner GEW.

Zur Umsetzbarkeit der GEW-Forderungen sagt Albers: „Natürlich erzeugt die Verkleinerung der Klassen zusätzlichen Personalbedarf. Dieses Personal ist in unseren Schulen dringend nötig und der Senat muss endlich dafür sorgen, dass ausreichend Lehrkräfte ausgebildet werden. Nicht alle Forderungen werden angesichts des Personal- und des Raummangels sofort umgesetzt werden können. Der Tarifvertrag soll aber in die Zukunft wirken und den Druck auf den Arbeitgeber erhöhen.“

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hatte eingeräumt, kleinere Klassen seien grundsätzlich zu befürworten, gleichzeitig gebe es aber immer noch einen deutlichen Lehrermangel. Daher könne es derzeit nicht um kleinere Klassen gehen. Die GEW twitterte am Donnerstag als Antwort: «Ja, Frau Giffey. Es ist eine Zeit des Kapazitätenschaffens. Deshalb sind wir hier, wir wollen einen Tarifvertrag für kleinere Klassen.»

„Im TV Gesundheitsschutz könnte ein Stufenplan zur Verkleinerung der Klassen mit Blick auf künftig mögliche zusätzliche Einstellungen und Personalaufwüchse vereinbart werden. Damit wäre eine echte, verlässliche Perspektive für Arbeitsentlastung geschaffen“, betont Udo Mertens, Leiter des Vorstandsbereichs Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik der GEW Berlin. „Das ist übrigens auch ein kräftiges Argument im Kampf gegen den Fachkräftemangel.“ Zu erwarten ist auch, dass eine Verkleinerung der Klassen dazu führt, dass der Krankenstand sinkt, weniger Lehrkräfte frühzeitig aus dem Beruf ausscheiden und weniger Lehrkräfte in Teilzeit gehen.

Anders als in anderen Bundesländern sind in Berlin knapp 70 Prozent der 34.000 Lehrer und Lehrerinnen Angestellte und keine Beamten und dürfen daher streiken. News4teachers / mit Material der dpa

Bundesweites Novum: GEW ruft Lehrkräfte in Berlin zum Warnstreik auf – für kleinere Klassen

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Realist
1 Monat zuvor

„Allerdings fehlt dafür neben dem Geld auch ausreichend Personal – sagt Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD).“

Man erinnere sich: In den letzten Jahren (vor Corona) hatte der Staat (gesamtstaatlich) Überschüsse im zweistelligen Milliardenbereich. Da wurde natürlich NICHTS von in die Schulen investiert, denn „in guten Zeiten müssen man ja schließlich für schlechte Zeiten sparen.“

Jetzt fährt der Staat Milliardendefizite und investiert deshalb NICHTS in die Schulen (außer „Stuhl mehr“), well „in schlechten Zeiten müssen man ja sparen, ist doch logisch“. Ach ja, es gab ein paar Milliarden für Digitalisierung, nach monatelangen Verhandlungen ( ie IT-Industrie freut’s), zum Vergleich: Für die Bundeswehr gab es 100 Milliarden AN EINEM WOCHENENDE!

An Schulen und Bildung wird also IMMER GESPART. „Bildungsrepublik Deutschland“: Wer glaubt diese Lüge eigentlich noch?

Emma
1 Monat zuvor

In Brandenburg wird derzeit die Klassengröße auf 30 erhöht, als Vorbereitung auf kommende ukrainische Kinder. Sicher ist dies angesichts des Lehrermangels nicht anders möglich.
Trotzdem hoffe ich, dass die GEW da ein Auge drauf behält und diese Anordnung wirklich zeitlich begrenzt ist. Die Sorge ist da, einmal eingeführt, dass es dann so bleibt, weil es ja wieder irgendwie gehen wird.

Aleidis, von edlem Wesen
1 Monat zuvor
Antwortet  Emma

Womöglich ist das auch nur ein vorgeschobenes Argument, die Ukraineschüler, denn als 2015 tausende Kinder aus dem Nahen Osten kamen, mussten die Klassengrößen auch nicht geändert werden.

Lehrer sind dem Staat einfach zu teuer geworden, wie schon andere schrieben. Am besten spart man Lehrergehälter, wenn man weniger Lehrer braucht. Bei größeren Klassen braucht man weniger Lehrer. So einfach ist das.

Salentin
1 Monat zuvor

Naja, gewöhnlicherweise sind die Teilnehmerzahlern der Veranstalter immer etwas „hochgejubelt“. Bei der Ukraine-Demo sprachen mal die Veranstalter von 100 000 Teilnehmern und die Polizei von 20 000.

Es ist traurig, dass von etwa 20 000 angestellten Lehrern in Berlin nur (maximal) 3000 an einer Demo für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gehen.

Für die Wiederverbeamtung wären sie wohl alle auf die Straße gegangen?!?

uff
1 Monat zuvor
Antwortet  Salentin

Gekonnter Vergleich … Kriegsdemo und GEW-Aufruf.
Mal auf Ihre Anspielung:
Bei Ukraine-Demo waren „nur“ 20.000-100.000. Wäre der Krieg aktiv auch Deutschland betreffend, dann wären dort bestimmt alle hingegangen… Sind jetzt alle Menschen, außer die 20k-100k für Kriege?
O.o Ist das wirklich Ihr Ernst?

NichtSchonWieder
1 Monat zuvor
Antwortet  uff

Salentin ist ein Provokateur. Er nutzt Textbausteine aus dem Trollwerkzeugkasten. Muss man nicht kommentieren.

Salentin
1 Monat zuvor
Antwortet  uff

@uff, von den angeblich oder tatsächlich schlechten Arbeitsbedingungen an den Schulen sind (siehe unten bei einem Kommentator) 36 000 Lehrer betroffen, von denen 20 000 streiken dürften, aber nur 2 000 fanden das notwendig.

Verbeamtet werden wollen sie aber wohl alle. Was gab es da für heftige Diskussionen hier und anderswo und Drohungen, aus Berlin abzuwandern und was nicht alles.

fabianBLN
1 Monat zuvor
Antwortet  uff

Ein Vergleich bedeutet nicht Gleichsetzung. Das verkennen Sie. Salentin, das sollten Sie erfassen, hat nicht die Anti-Kriegs-Demo und die GEW-Demo gleichgesetzt, sondern die Unterschiedlichkeit der Zahlenangaben von Veranstaltern und Beobachtern. Was genau stimmt nicht an dieser Unterschiedlichkeit? Da hat entweder die eine oder die andere Seite mal eben so 80 000 Menschen „übersehen“.

Ich beobachte das auch schon lange.

Applausfürsalentinesundweltverbesser
1 Monat zuvor
Antwortet  Salentin

Hier ein konstruktiver Vorschlag, Herr/ Frau/ (oder Neutral) Salentin:
Bewerben Sie sich als Lehrer/in und zeigen Sie ALLEN LuL( den faulen Säcken aber auch), wie man es VIEL besser macht! Bildung Deutschlands wird gerettet, hurra!
Viel Erfolg!
(Ironie aus)

Aleidis, von edlem Wesen
1 Monat zuvor

Ich kann Salentin verstehen, für A/E 13 gingen die Berliner Lehrer in Massen auf die Straßen und für die Verbeamtung schrieben sie Petitionen und drohten mit Massenabwanderung. Für kleinere Klassen geht nur ein kleines Häufchen auf die Straße. Das ist schon sehr traurig mitanzusehen.

uff
1 Monat zuvor
Antwortet  Salentin

@fabian
Das ist nur eine Sache, auf die er/sie hindeutete. Zwischen den Zeilen können Sie bestimmt lesen? Gerade durch das Argument der „Verbeamtung“ hat er/sie doch einen Vergleich offengelegt.
Das was Sie hier erwähnen stimmt. Vielleicht waren es ja auch mehr? Wer weiß …

Aber die Aussage, dass nur 2000 demonstrierten und daher alles supi ist, ist eben auch dort gegeben. Und hier würde man dann logisch Schlussfolgern, dass er/sie auch meint, dass Krieg super ist, sonst würde doch jeder demonstrieren?
Oder wo ist mein Denkfehler?

Honigkuchenpferd
1 Monat zuvor
Antwortet  uff

Da mangelt es vor allem an Denken, @uff. (jemandem zu unterstellen, er/sie fände den Krieg super. Und das glauben Sie ja auch nicht wirklich, das ist eher ein gehässiges „Schlussfolgern“, um jemand anderen zu diskreditieren)

uff
1 Monat zuvor
Antwortet  Honigkuchenpferd

@Honigkuchenpferd
Natürlich glaube ich das nicht.
Genauso diffamierend und diskreditierend ist die Aussage, dass es doch dann super läuft, wenn nicht alle Demonstrieren?
Das Beispiel zeigte doch nur auf, dass das auch in andere Richtungen geht. Und vor allem: Beides falsch ist.
Klar ist es gehässig, aber die Schlussfolgerung steht im Kontext der Behauptung, oder nicht? Rein rational gesehen – ohne Emotionen in der Schlussfolgerung zu sehen.

Carsten60
1 Monat zuvor

Wo sind denn die Klassen am kleinsten? An Förderschulen. Und wo sind sie am größten? An Gymnasien in Berlin ca 28-30 pro Klasse. Alles andere liegt dazwischen.
Und wo müssen die Klassen nun am dringendsten verkleinert werden? Das geht nicht klar hervor aus dem obigen Artikel.

Rosa
1 Monat zuvor

Auch in BW fordert der PhV-BW kleinere Klassen und vor allem Lernrückständen gerecht zu werden. Vor allem auch der Aufnahme der Flücktlingskinder gerecht zu werden und die in das Schulleben zu integrieren.https://www.phv-bw.de/phv-bw-zum-artikel-ministerin-weiss-nicht-wie-viel-schule-derzeit-ausfaellt-in-den-stuttgarter-nachrichten-vom-04-04-2022/ Frau Schopper als KM von BW betreibt auf hohem Niveau Augenwischerei und setzt Forderungen an die Schulen die nicht zu leisten sind.

Kalkspatz
1 Monat zuvor

Es gibt aber 36.000 Lehrer in Berlin! Da sind 3.000 etwas schwach. Andere Medien nennen noch weniger. Anscheinend wollen/brauchen die Berliner Lehrer keine besseren Arbeitsbedingungen und alles ist gut bei ihnen.

oO
1 Monat zuvor
Antwortet  Kalkspatz

Anscheinend brauchen die Eltern bzw. SuS auch keine bessere Bildung. Wenn es so gut läuft, dann braucht auch keiner sich über LuL beschweren. Dann macht jeder, was er kann/will/schafft und der Rest ist halt dann auch gut. Win-Win? Wenn man auf 40-42 Stunden angestellt ist, dann wird eben der Stift/Computer/AB usw. beiseite gelegt und man schaut mal wie es läuft… Das wäre doch die logische Konsequenz, oder nicht?
Man arbeitet mit dem, was man zugestanden bekommt.

Rosa
1 Monat zuvor

Schulleitungen werden an der Nase herum geführt von den KM und die Erwartungen an Forderungen sind nicht zu leisten. Der Maßstab ist von allen KM sehr hoch in allen Bundesländern und den geforderten Maßstab erbringen die KM auf keiner Ebene um die Schulen zu entlasten. Die Pandemie war schon für Schulen und Schulleitungen eine große Herausforderung und dann der Krieg der eine erneute Herausforderung stellt, die Flüchtlingskinder in die Schulklassen zu integrieren. Alles sollen Schulen umsetzen zum Null Tarif und die Qualität des Unterrichts hat keinen Wert mehr. https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/haushaltsplanungen-schopper-will-entlastungen-der-schulleitungen-100.html Frau Schopper aus BW hat großes Talent für Märchen und falsche Versprechung und Zusagen zu erteilen, die nicht gehalten werden. Das Rückenwindprogramm ist an die Schulen als Mogelpackung ohne Inhalt verteilt worden und keine Förderprogramme eingetroffen und Zusatzstunden können nicht geleistet werden, weil Lehrer an den Schulen fehlen ide nicht vorhanden sind, die diese Aufgabe übernehmen. Die Scheinwelt die Frau Schopper in der Öffentlichkeit verkauft und nicht der Realität entspricht ist den letzten in der Reihe gegenüber ein schweres Versagen ihrer beruflichen Position als KM.

Rosa
1 Monat zuvor

Dringend Handlungsbedarf an Schulen gefordert und nach den Corona Jahren endlich den Flickenteppich entsorgen! https://www.phv-bw.de/phv-bw-zu-seiner-landespressekonferenz-2-jahre-corona-und-den-ergebnissen-einer-repraesentativen-forsa-umfrage-zu-aktuellen-bildungspolitischen-themen/ Klare Forderungen an unsere KM Frau Schopper gerichtet vom PhV-BW. Den Aufforderungen schenkt unsere KM von BW Frau Schopper keine Aufmerksamkeit und ein repektvoller Austausch und Verhandlungsbasis kommt leider nicht zustande.

Konfutse
1 Monat zuvor

@Rosa
Frau Schopper würde sofort auf die Philologen zugehen, wenn diese von ihr fordern würden, dass alle Gymnasien in BW zu Gemeinschaftsschulen oder besser: Einheitsschulen umstrukturiert werden müssen. Aber Frau Schopper ist ja gerade ganz fleißig dabei, im stillen kleinen Kämmerlein Neues zu häkeln: Bleiben wir gespannt auf ihre Agenda der Umstrukturierung des Gymnasiums bis 2030. Wahrscheinlich häkelt sie gerade an den alten Plänen der SPD von 2011 weiter, alle Schulformen einzustampfen, damit alle gleichen Kinder an die gleiche Schule gehen können (mit kleinen Ausnahmen, die upsi, hoppala, genau in der Politikerkaste zu finden sind. Weil der Freund is auch an dem Privatgümmi oder die Mami ist halt schon immer Waldorffan…).
Am Ende ist wahrscheinlich alles egal, weil die Bildung in Deutschland unter dem Tiefpunkt gestürzt ist. Ach so, und daran sind bestimmt die angestellten Lehrer schuld, die vormittags nicht zum Streiken gegangen sind, weil sie sich zwischen ihrem Bildungsauftrag und einem Streikvormittag entscheiden mussten. Übrigens angezettelt von der GEW, die maßgeblich an der politisch gewollten Heterogenität und Inklusion, die seit Jahren eine absolute Oberbelastung der Lehrkräfte im bestehenden System darstellt, beteiligt ist. Logischer wäre es vielleicht von der GEW gewesen, sich schon vor Jahrzehnten für kleinere Lerngruppen einzusetzen um DANN für die Forderung nach Einheitsschulen und Inklusion einzustehen.

Lakon
1 Monat zuvor

Wenn ich die Bildungsdiskussion und die privaten Lehrerberichte der letzten Jahre aus Berlin richtig verfolgt habe, gibt es in Berlin wesentlich größere Probleme als die Klassengrößen, und die meisten haben mit politischen Entscheidungen und den ständigen neuen Konzepten zu tun.

Aleidis, von edlem Wesen
1 Monat zuvor
Antwortet  Lakon

Na klar, das sind die größeren Probleme für die Berliner Lehrer (gewesen): A/E 13 für alle und Verbeamtung.

Nika
1 Monat zuvor

In 42 Lehrerjahren ( in NRW) habe ich erleben dürfen/müssen, dass die Schulen auch oder gerade auch in wirtschaftlich guten Zeiten hintenan standen / vergessen/vernachlässigt wurden. Die Bedeutung der Bildung kam immer wieder in Sonntagsreden vor. Und das war es dann. Allein die Tatsache, dass in der Regel der kleinere Koalitionspartner das Kultusministerium „großzügig “ übernehmen darf, sagt schon alles.

maxi
1 Monat zuvor

Schön, dass mal wieder gestreikt wird.
Es glaubt doch aber wohl niemand, dass dabei etwas herauskommt. Die GEW schmückt sich immer gern mit solchen Federn, ansonsten betrachte ich sie als eine Ideologin, die mit ihrer Befürwortung realitätsfremder Reformen wesentlich zum heutigen Schulelend beigetragen hat.
Fast immer wenn eine neue Sau mit hehrem, aber illusionärem Anspruch (wie etwa „Bildungsgerechtigkeit“), durchs Dorf getrieben, ist die GEW garantiert dabei.
Der Einfluss dieser Gewerkschaft auf die jahrzehntelange Schulpolitik, die zwar immer mehr Belastung der Lehrer bedeutete, zugleich aber immer weniger Bildung der Schüler/innen bedeutete, ist ein einziges Trauerspiel.

Carsten60
1 Monat zuvor

Merkwürdig ist aber, dass in Japan die Grundschulklassen im Durchschnitt etwa 35 Schüler haben:
https://www.japandigest.de/aktuelles/koliumne/bildung-in-japan-teil-1/
Und Noten gelten dort als besonders wichtig, sie sind jedenfalls noch nicht abgeschafft, und Japan gehört zu den PISA-Siegern. Zudem sind die japanischen Schriftzeichen ja viel komplizierter als unsere Schrift, wie machen die Japaner das nur? Vielleicht sollten unsere Bildungspolitiker (auch die GEW) mal eine Exkursion nach Japan machen und sich das erklären lassen.

o.O
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Erkunden Sie sich mal zum Thema japanische Schulen mit den Schlagwörtern:
Disziplin, Drill, Prügelstrafe, Verletzungen im (schulischen) Kampfsportunterricht durch Erzieher/Lehrkräfte, Selbstmordrate, Rechtsklagen japanische Schule
Ich kenne mich aktuell nicht aus, wie/ob das noch so ist. Aber sooo selten hört man nicht von solchen Dingen in Bezug auf Japan. Wäre das dann ein super Vorbild?
Davon mal abgesehen, dass die Gesellschaft Japan und Deutschland auch sehr schwierig zu vergleichen ist. Dort sind die Sachen doch durchaus etwas gesellschaftlich härter? Würde das auf die deutsche Gesellschaft passen? Ich denke mal, der Aufstand wäre vorprogrammiert.

Amanakoku
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Ich glaube, der Unterschied lässt sich als „Spaßschule“ (Deutschland) vs. „Leistungsschule“ (Japan) fassen.

E.T.
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Ja, in Japan klappt es mit 35 Schülern. Dort sind die Kinder noch wohlerzogen und Noten werden als wichtig angesehen. Früher war das bei uns auch mal so. Da waren 35 Kinder kein Problem.
Ist es da ein Wunder, dass Japan zu den Pisa-Siegern gehört?
Bei uns werden Kinder immer schlechter erzogen, weil Erziehung angeblich nur böser Drill ist. Und Noten sind angeblich auch ganz schlimm. „Experten“ wollen sie am besten ganz abgeschaffen, weil sie die Schüler angeblich nur ängstigen und deren krative Kräfte lähmen.
Deutschland ist seit vielen Jahren auf dem Holzweg. Und wenn jemand den falschen Weg eingeschlagen hat, ist jedes Vorwärtsgehen nur noch Rückschritt.
Bei uns wird man aus Fehlern nicht klug, sondern meint, sie noch verstärken zu müssen, damit endlich das herauskommt, was man sich in schöner, realitätsferner Theorie versprochen hat.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

@ o.O.: Ich habe nicht sagen wollen, dass ich das in Japan für vorbildlich halte. Ich wollte nur auf die ständige Unehrlichkeit hinweisen, wenn man nicht zugeben will, woran die PISA-Erfolge von Japan wohl liegen könnten. Stattdessen schwafelt selbst Herr Schleicher drumherum und schreibt das „Lehr- und Lernformen [zu], die auf den einzelnen Schüler zugeschnitten sind“ (und das bei 35 Schülern in einer Klasse). Das klingt dann so nach einer „individuellen Förderung der Schüler“ ganz im Sinne der GEW und der Grünen:
https://www.derstandard.at/story/2000049134159/pisa-chef-schleicher-fordert-oesterreich-muss-schulreformen-konsequent-umsetzen
Übrigens: In Japan ist die Prügelstrafe abgeschafft, es soll sie aber dennoch gerade beim Sport öfter geben. Aber sowas hören wir ja auch über die Trainer in unseren Sport-Leistungszentren.

o.O
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

@Carsten60
War jetzt auch nicht als „Angriff“ Ihnen gegenüber gedacht.
Ich wollte nur damit ausdrücken, dass der Vergleich nicht so einfach ist.
Prügelstafe wurde abgeschafft, aber es gibt immer wieder Gespräche sie wieder einzuführen, wenn ich mich nicht irre?

Pisa hat nie das bemessen, wozu die deutschen Lehrpläne gedacht waren. Natürlich kann man auf einige Sachen verzichten und auf Pisa hin die Lehrpläne gestalten und „drillen“. Ob das sinnvoll ist, ist wieder eine ganz andere Sache. (Kann mich aber auch Irren, gerne korrigieren)

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  o.O

@ o.O.: Ich stimme zu, dass PISA hier Vergleiche anstellt, die eigentlich nicht gerechtfertigt sind. Aber unsere großen Bildungsforscher und auch die KMK, die schwören doch auf PISA & Co. In der neuen Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der KMK sitzen etliche, die bei PISA beteiligt waren. Das ist das neue „Goldene Kalb“. Der von mir oben angegebene Link beweist es.
Was als Gesetz auf dem Papier steht und was praktiziert wird, ist auch immer unterschiedlich. Aber wer in der Pädagogik greift denn Länder an, in denen es die Prügelstrafe gibt? Ich glaube, die Türkei gehört auch noch dazu, nicht offiziell, aber inoffiziell. Von den Koranschulen wird auch einiges berichtet. Das alles sollte mal offener diskutiert werden. Ich sehe aber keine Bereitschaft, besonders nicht bei Herrn Schleicher. Lieber schimpft er auf das deutsche Schulsystem.

Honigkuchenpferd
1 Monat zuvor

Nur noch in Berlin können/konnten die Lehrer in Größenordnungen streiken, weil sie dort mehrheitlich noch angestellt sind. Sie machen es aber trotzdem kaum. Ja, dann kann man sie auch verbeamten.

teachinginberlin
1 Monat zuvor

Das Datum war einfach unmöglich gewählt. An dem Tag fanden an so vielen Schulen die Präsentationsprüfungen der Oberstufe statt. Wer an der Mittelschule (ISS) arbeitet, steht gerade in seinen 10. Klassen und macht MSA (auch wenn es jetzt keiner mehr ist) Vorbereitung, da unmittelbar nach den Ferien Deutsch und Mathe geschrieben werden. An meiner Schule, wo sonst eine hohe Beteiligung der KuK stattfindet, war diesmal keiner da – vor allem aus diesen Gründen. Der GEW ist die Situation an den Oberschulen bekannt.
Zudem ist nicht jede angestellte Lehrkraft in der GEW. Wir reden in dem Kontext auch von ordentlichen Verdienstausfällen, die kann sich nicht jeder leisten. Die GEW leidet in Berlin unter einem starken Vertrauensverlust, vor allem weil sie sich sehr stark gegen die Verbeamtung gestellt haben, während sie in Berlin bei Corona mehr als zahnlos waren/sind.
Bitte auch mal differenzieren zwischen Streik und Demonstration.