„Art Bewältigungsstrategie“: Mehr Fälle von Magersucht unter Jugendlichen seit Corona

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NÜRNBERG. An Magersucht erkranken vor allem Mädchen in der Pubertät. Während der Corona-Krise ist die Zahl der Fälle gestiegen. Und Fachleute sehen noch einen weiteren besorgniserregenden Trend.

Magersucht betrifft mehr Mädchen als Jungen. Foto: Shutterstock

Zehn Kilogramm hat Lea in den vergangenen Monaten zugenommen. Ein täglicher Kampf – auch emotional. Noch immer ist die große 16-Jährige dünn. Doch wenn sie in den Spiegel schaut, sie sieht etwas ganz anderes. «Weil man ein gestörtes Wahrnehmungsbild hat, hält man sich für doppelt so breit», erzählt sie. Eigentlich habe sie sich noch nie wohl in ihrem Körper gefühlt. Und irgendwann habe sie dann heimlich immer weniger gegessen.

20 Kilogramm hatte Lea am Ende abgenommen, als sie auf die psychosomatische Station für Kinder und Jugendliche am Klinikum in Nürnberg kam. Diese hat seit Beginn der Corona-Krise zunehmend mit magersüchtigen Patientinnen wie Lea zu tun. «Es sind eineinhalb bis zweimal so viele wie vor der Pandemie», sagt Chefarzt Patrick Nonell.

«Ihr Essverhalten zu kontrollieren, ist eine Form Bewältigungsstrategie, um wieder mehr Kontrolle zu bekommen»

Eine ähnliche Entwicklung sieht der Bundesfachverband Essstörungen überall im Land. «Dadurch, dass die Zahlen so zugenommen haben, fehlen Therapieplätze», sagt der Verbandsvorsitzende Andreas Schnebel, der auch die Beratungsstelle Anad in München leitet. «Auch in den stationären Einrichtungen wird es eng.» Und er sieht noch eine andere Entwicklung: Die Patientinnen werden jünger.

Dass seit Corona mehr Jugendliche mit einer Essstörung wie Magersucht oder Bulimie behandelt werden müssen, bestätigen auch die Auswertungen von Krankenkassen unter ihren Versicherten. Demnach stellt die DAK-Gesundheit für 2020 eine Zunahme bei den Krankenhaus-Behandlungen wegen Essstörungen von 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr fest, unter den 15- bis 17-Jährigen sind es sogar 13 Prozent mehr. Die KKH kommt nach eigenen Angaben auf ein überproportionales Plus von rund 7 Prozent bei den 13- bis 18-Jährigen.

Eine gesicherte Erklärung haben die Fachleute dafür nicht, nur eine Vermutung, die auch der Nürnberger Spezialist Nonell teilt. Gerade Mädchen, die an Magersucht erkrankten, könnten Stress oft nicht so gut verarbeiten, sagt er. In der Pandemie litten sie besonders stark unter der Verunsicherung und der Sorge, die Kontrolle zu verlieren. «Ihr Essverhalten zu kontrollieren, ist eine Form Bewältigungsstrategie, um wieder mehr Kontrolle zu bekommen.»

Was genau ihre Magersucht ausgelöst hat, kann Lea heute nicht mehr genau sagen. Während der Lockdown-Zeiten sei sie viel alleine zu Hause gewesen, weil ihre Mutter und ihr Stiefvater weiter arbeiten gingen. «Das hat es mir auf jeden Fall leichter gemacht, es zu verbergen», sagt sie. Sie habe sehr ungeregelmäßig gegessen, Mahlzeiten ausgelassen oder sich nach Fressattacken übergeben.

15 Jahre war Lea damals alt. Ein typisches Alter für Magersucht. An dieser leiden vor allem Mädchen in der Pubertät. In der Münchner Beratungsstelle von Andreas Schnebel tauchen seit einigen Jahren aber auch jüngere Mädchen auf, teilweise schon 8- oder 9-Jährige. «Das hängt damit zusammen, dass heute alles früher anfängt wie die Pubertät und der Zugang zu sozialen Medien», sagt der Fachmann.

Verschiedene Studien stützen diese Vermutungen, sagt Silja Vocks, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Osnabrück. Die früher einsetzende Pubertät könne dazu führen, dass die körperliche Reife möglicherweise nicht kompatibel mit der psychischen Reife sei. Gleichzeitig seien Kinder und Jugendliche immer früher in den sozialen Medien unterwegs, wo diese permanent mit geschönten Bildern konfrontiert würden. «Je fragiler das Körperbild, desto offener ist man für diesen Einfluss.»

Problematisch seien vor allem spezielle Magersucht-Foren und Bilder oder Videos von ausgemergelten Teenagern unter speziellen Hashtags auf TikTok, Instagram und anderen sozialen Netzwerken, sagt die Expertin Iren Schulz von der Initiative «Schau hin!». «Da treffen sich Gleichgesinnte, die sich gegenseitig hochpushen.»

«Ich hoffe, dass es irgendwann Tage gibt, an denen ich mich so akzeptieren kann, wie ich bin»

Während der Corona-Beschränkungen verbrachten junge Leute noch mehr Zeit im Internet, dieses war zum Teil ihr einziger Kontakt zur Außenwelt – und auf Instagram und anderen Kanälen bekamen sie unentwegt überarbeitete Bilder von Freundinnen, Mitschülerinnen und anderen Gleichaltrigen zu sehen, wie der Münchner Psychologe Schnebel erläutert. Weil sie diese aber nicht mehr trafen, hielten sie deren geschöntes Aussehen für echt. «Die realen Vergleiche sind weggefallen.»

In den vergangenen Monaten hat sich Lea Gramm für Gramm ins Leben zurückgekämpft – und wieder gelernt zu essen. «Ich hoffe, dass es irgendwann Tage gibt, an denen ich mich so akzeptieren kann, wie ich bin», sagt sie. «Ich will ein normaler Teenager werden können.»

Doch das gelingt nach Angaben von Nonell nur etwa der Hälfte aller Magersüchtigen. 30 Prozent erleiden Rückschläge, bei 20 Prozent wird die Erkrankung chronisch – mit dramatischen Folgen für ihre Gesundheit. «Es ist eine sehr ernstzunehmende Erkrankung. Zwei Prozent der Betroffenen sterben daran», sagt Nonell.

Expertin Schulz sieht bei den sozialen Medien deshalb eine besondere Verantwortung, wenn sie sich an eine so junge Zielgruppe richten. «Da ist noch eine ganze Menge zu tun», findet sie. Beim Umgang mit falschen Körperbildern könnte es aber auch zum Teil am fehlenden Problembewusstsein liegen. «Das ist ein Graubereich – nicht wie bei Pornografie, wo das gesetzlich genau geregelt ist.» Von Irena Güttel, dpa

Mehr Suizid-Versuche von Kindern: Sind Schulschließungen ursächlich für psychische Probleme?

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Palim
1 Monat zuvor

Das hängt auch damit zusammen, dass es viel zu wenig Therapieplätze gibt, sodass psychische Probleme nicht behandelt werden und eine Magersucht als Anzeichen dessen sichtbar wird. Auch dafür gibt es dann zu wenige Therapieplätze.

Heike
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Für mich ist die Tatsache, dass Essstörungen unter Jugendlichen seit Jahren rasant zunehmen und durch Corona „nur“ einen weiteren Schub erhalten haben, weitaus alarmierender als die zu geringe Zahl an Therapieplätzen.
Mehr Vorsorge zu treffen, dass psychische Nöte und Krankheiten, die zu Essstörungen führen, gar nicht erst auftreten, ist viel wichtiger als nachträgliche Therapie. Dazu müsste man sich allerdings endlich mal seriös fragen, worunter die Jugendlichen leiden und nicht sofort mit billigen Erklärungen kommen, die sich vordergründig kinderlieb, verständnisvoll und überaus einfühlsam anhören, letztlich jedoch an der wahren Ursache vorbeigehen. Die jahrelange Verwöhnungs- bzw. Erleichterungspädagogik sowohl im Elternhaus als auch in der Schule sollte z.B. endlich mal hinterfragt werden.

Sie, Palim, und ich scheinen sich in einem Punkt wesentlich zu unterscheiden. Während ich mich gern frage, was an einem Konzept falsch ist, wenn seine Ergebnisse zu wünschen übrig lassen und ständig schlechter statt besser werden, fordern sie gern mehr Ressourcen für Abhilfe. Ich denke da auch an die Inklusion. Während ich dem Konzept von Anfang an misstraute und mich von der Realität bestätigt sah, lobten Sie die Inklusion weiterhin, forderten für das Gelingen aber mehr personelle und materielle Hilfe.
Ich lehne mehr Therapieplätze für essgestörte Jungendliche nicht ab, doch es wäre besser, wenn Essstörungen gar nicht erst aufträten. Hier mehr Klarheit zu schaffen, um entsprechende Änderungen in der Erziehung vornehmen zu können, ist unerlässlich.
Das würde der rasant steigenden Nachfrage nach Therapieplätzen auch entgegenwirken. Wer nicht erkrankt, braucht auch nicht therapiert zu werden.

Rosa
1 Monat zuvor

Die Folgen der Corona Jahre bei den heranwachsenden Kindern ist massiv.https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-coronavirus-montag-271.html#Mehr-Magersucht-seit-Corona Man hat den letzten in der Reihe viel zuwenig Aufmerksamkeit in dieser schweren Lebensohase zukommen lassen und der Aufschrei von Kliniken und Therapeuten ist schon lang bekannt.

Rosa
1 Monat zuvor

Die Wartezeit auf einen Therpieplatz ist sehr lange und die Psychologen sind an der Belastungsgrenze angekommen.https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/bw-will-psychische-folgen-der-corona-pandemie-fuer-kinder-und-jugendliche-bekaempfen-100.html Manche Therapeuten führen gar keine Warteliste und geben einem gar nicht die Möglichkeit sich auf die Warteliste setzen zu lassen und dies finde ich ein Verbrechen für den Hilfesuchenden in seiner Notlage. Es gibt viel zu wenig Therapie Plätze um diesem Ausnahmezustnad gerecht zu werden und die Flüchtlingsflut hat nochmals die Situation verstärkt.

G.B.
1 Monat zuvor
Antwortet  Rosa

Rosa, ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber immer, wenn ich in den Kommentarspalten mehr als zwei Ihrer Kommentare hintereinander stehen sehe, lese ich keinen davon mehr (die Unmengen an Links ohnehin nicht) und scrolle auch nicht mehr weiter runter.
Es ist nur noch ermüdend.

Rosa
1 Monat zuvor

Das Zentralinstitut in Mannheim führt eine Warteliste und die Folgen der Corona Jahre und die schwere seelische Belastung die darauß entstnden ist, ist bei vielen heranwachsenden Kindern nicht mehr zu übersehen. Die Erkrnakungen sind tweilweise so schwer, dass ein längerer Aufenhalt zum Heilungserfolg nötig macht.https://www.mannheimer-morgen.de/orte/mannheim_artikel,-mannheim-depression-bei-jugendlichen-mannheimer-zi-meldet-wartelisten-_arid,1932973.html Auch das ZI – Mannheim leiset in den letzten Monaten und hat auch mehrmals Aufschrei geschaltet um die Lebensituation vieler Jugendlicher und Kinder und die Notlage der mangelenden Entwicklungsphase die sehr lange gehemmt war ins Bewußtsein zu rufen bei der Politik und KM.

Rosa
1 Monat zuvor

Schon vor einem Jahr 2021 war der Aufruf von Kliniken um Gehör für die schwere Lebensphase von Kindern und Jugendlichen hörbar und im Jahr 2022 erneute Hilferufe von Kliniken.https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/mannheim/zi-mannheim-jugendliche-corona-selbstmord-depression-notfaelle-100.html Was hat die Politik und die KM getan um den heranwachsenden Generation mehr Aufmerksamkeit, Handlungsfähigekeit und Ernsthaftigkeit auf Verbesserungen ihrer Lebensphase. Die KM aus BW hat viele Versprechungen nicht eingehalten und die Mogelpackungen ohne Inhalt waren der Gipfel. Ein Aufholprogramm ist an vilen Schulen gar nicht angekommen und die Lernrückstände der Schüler ist eine große Last für viele und haben keine Lichtblicke erhalten der anghäuften Rückstände gerecht zu werden

Rosa
1 Monat zuvor

Der Neubau am ZI sollte schon längst abgeschlossen sein und leider geht der Neubau nicht voran.https://www.rnz.de/nachrichten/mannheim_artikel,-mannheimer-innenstadt-zentralinstitut-fuer-seelische-gesundheit-baut-einen-neuen-campus-_arid,379535.html Dabei ist die Warteliste sehr lang und viele warten auf einen Therapie -Platz.

Birkenstock
1 Monat zuvor

Therapieplätze – der erste Schritt wäre doch eine Beratung oder die gesicherte ärztliche Diagnose einzuholen. Erst bei lebensbedrohlichen Zuständen würde es direkt einen Therapieplatz geben.
Magersucht (Anorexie oder Anorexia nervos) ist eine Essstörung, die durch das krankhafte Bedürfnis gekennzeichnet ist, Gewicht zu vermindern.

https://www.dhs.de/suechte/essstoerungen

Rosa
1 Monat zuvor
Verhältnismäßigkeit
1 Monat zuvor

Ich erinnere mich, dass ich mir in Kommentaren auf news4teacher anhören durfte, dass es keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen Coronamaßnahmen und psychischen Problemen gäbe. Es hätte schon vor Coroba genauso ausgesehen und obwohl ich auch vor Corona suizidale Jugendliche als Lehrer begleitet habe, hab ich einfach keine Ahnung.
Rosa – ich teile Ihre besorgte Haltung und finde es nach wie vor traurig, wie die Haltubg von Team Vorsicht so bedingungslos als richtig galt. Wie gefährlich das Experiment Abschaffung der Maskenpflicht ist sehen wir ja gerade an den rapide abfallenden Zahlen.
Seit Abschaffung entspannt sich die Lage an Schulen – ich frag mich immer wieder ob der Preis für die Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen vertretbar ist…

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor

Danke, dass News 4 Teachers auch über andere Folgen der Pandemie berichtet, nämlich jene, die oftmals untergingen, kleingeredet wurden oder überhaupt nicht zur Sprache kamen. Aus genau diesem Grund trete ich hier stets für eine absolute Normalität an Schulen ein (selbst, wenn ich mir dafür viele Beschimpfungen anhören muss).

Natürlich gab es schon vor Corona viele Probleme und zu wenige Therapieplätze. Corona wirkte hier wie ein Brennglas, die Maßnahmen haben zusätzliche Brände verursacht. Ja, sie waren zu Beginn der Pandemie und bis zur Impfung eventuell notwendig (wenn auch nicht in diesem Umfang, insbesondere in Bezug auf unsere Kinder) – nur jetzt muss Schluss sein. Normalität ist wichtig, um weitere Schäden, die weit über Corona hinausgehen, zu vermeiden.

Kritischer Dad*NRW
1 Monat zuvor

„Absolute Normalität!“ Bekannter Stöhr-Sprech halt.
Dann folgt bald statt „absolutesten“ eher die „einzig wahre Normalität“ und was kommt dann?
Normalität sieht 2022 anders aus – nur wie genau?

Und wo bleiben die bisher gerne argumentativ verwendeten Mitmenschen aus sozial geschwächten Verhältnissen und teils vernachlässigten SuS mit psychischen Störungen, Suizidalität und suchtkranken Elternteilen auf einmal?
Wir werden mangels Ferigtexten seine Antworten eher nicht bekommen!

Rüdiger Vehrenkamp
1 Monat zuvor

Gerade für das von Ihnen genannte Klientel braucht es eine schützende Umgebung – und hier kann die Schule ein Anker sein. Oder viele Jugendeinrichtungen, die während des Lockdowns ebenfalls geschlossen waren. Natürlich verhindern offene Schulen keine psychischen Krankheiten, aber sie werden besser erkannt und nicht selten stellen die Lehrkräfte wichtige Ansprechpartner dar. So ganz verstehe ich wirklich nicht, worauf Sie hinauswollen.

Im Übrigen gilt Prof. Stöhr als renommierter Experte, er schlägt halt nur andere Töne an als Prof. Drosten, der hier mitunter als der einzig akzeptierte Virologe zu gelten scheint, weil der das gewünschte Narrativ bedient.

Sissi
1 Monat zuvor

@ Kritischer Dad* NRW
Um beim Thema F50 zu bleiben.
Ob RVs Allheilmittel Schule für jedes Kind das Richtige ist, bezweifle ich.
Schule kann Zuflucht sein, dann ist ein erster Diagnoseeinstieg gemacht.
Wenn aber z.B. Mobbing = häufig ursächlich ist, was dann?
Auch , wenn aus Selbstwertgründen Notendruck aufgebaut wird oder die Eltern diesen bedingen -und nun? Welchen Textbaustein holen Sie raus? Vorsicht! Es geht um Gesundheit und manchmal Überleben !
Wo ist Ihr differenziertes Denken und Vorgehen, RV? Auch Schüler sind eigenständige Wesen , einzigartig, jeder.
Klar, leichter arbeiten ist mit einem einzigen Rezept, funktioniert nicht – brennt an.
Es gibt übrigens gute Fortbildungen zur Thematik, z.B. beim UGB ( Prof Leitzmann ist dieie anerkannte Ernährungskoryphäe, im Team ist mind. ein Psychologe/ Psychotherapeut.
Bei Fortbildungen waren immer wieder Soz Päds dabei…….)

Sissi
1 Monat zuvor

Anbei eine Übersicht, von welchen Erkrankungen wir im Bereich der Essstörungen reden. F 50 (0 – 9) allesamt im psychisch /psychosomatischen Bereich angesiedelt :

https://gesund.bund.de/icd-code-suche/f50

D.h, es sind immer beide Komponenten zu sehen, Körper und Psyche. Aufgabe von Azt und Therapeut ist zunächst, herauszufinden, wie die Zusammenhänge sind, wie schwer der Körper bereits geschädigt ist. Nicht selten ist z.B bei der Magersucht eine ambulante Therapie nicht mehr möglich, weil Gewicht, Organzustand…zeigen, dass es höchste Eisenbahn ist: break. Das bedeutet idR Klinik, meist psychosomatisch/ verhaltenstherapeutisch. Bewährt hat sich inzwischen ein Intervallkonzept, dass den Patienten zwischen den Klinikaufenthalten die Möglichkeit zur Alltagserprobung gibt (möglichst inkludiert, im Notfall die Klinik zu kontaktieren) Die Abbrecher- und die Rückfallquote ist groß ( nur zu machen, wenn die Ichbinkrank- Einsicht und Das: ich will! da sind ) und die Klinikplätze sind seit/ während corona drastisch weniger. Außerdem wirds bei
6 Mon, derzeit wohl länger; es zählt jeder Tag.
Es waren vor corona schon zu viel F50erkrankungen, während und nach dürfte v.a. auch noch eine große Dunkelziffer vorhanden sein. Die meisten kaschieren und hoffen zu lange.
Lektüre zu F50 – Erkrankung – Therapie etc.

https://www.minimed.at/medizinische-themen/psyche/essstoerung/

@ Heike, – beides: sowohl Verwöhnungs- als auch hardcore- Pädagogik können auslösend wirken, wie noch vieles mehr, v.a. auch Selbstwertproblematik/ Elternhaus / Schule. Wir bewegen uns im psychischen Bereich. Eins ist sicher, wieder rauszukommen ist knallhart- je nach Klinikkonzept mit harter bis hardcore- Therapie.
@ Palim – ja: Therapie nach Diagnose/Psychotherapeut so schnell wie möglich, jeder AufschiebeTag schadet und ja:
Es wird noch schwieriger mit den Therapieplätzen, drum würde ich nicht auf eine ambulante Gelegenheit warten/ wenn dann die Chemie nicht passt? sondern mich an mehrere Kliniken wenden, manchmal sagt jemand ab, und wenn man nicht suizidal ist, hält einen keiner fest, vlt. fällt die Diagnose ja auch nicht F50mäßig aus. – Oder es kann noch etwas abgefedert werden; auch das Herausnehmen aus dem alltäglichen Umfeld bringt oft die ersten Erkenntnisse.
@ Verhältnismäßigkeit
F50Erkrankungen sind ernst zu nehmen; wenn nicht ausgeheilt, können sie Körper und Geist lebenslang schädigen. DU und Einschränkungen
Können sicher mit in den Erschwerniskorb, sind aber bestimmt nicht Nr1.
Da es F50 auch vor corona zu häufig gab:
Wieder ein Versuch Ihrerseits, wie immer zu instrumentalisieren, mMn “ eine unethische Sauerei“
Es geht, wenns dumm läuft, um Leben und nicht um die Durchsetzung Ihrer sehr einseitigen
Nurichhaberecht- Gedanken.

Kritischer Dad*NRW
1 Monat zuvor
Antwortet  Sissi

Der BFE Bundesfachverband Essstörungen kann aktuell 4 freie Therapieplätze vermitteln.
Bei Betroffenen oder deren Angehörigen ist sicher auch die Motivation mitentscheidend am Erfolg und wie @ Sissi bemerkt hat, das alltägliche Umfeld ist oft ein Indikator.

Indra Rupp
1 Monat zuvor

Punkt 1 : Magersucht existiert meines Wissens nach nur in westlichen Ländern – genau wie die entsprechenden Schönheitsvorbilder dafür ( Stars und Sternchen, Gala, Medien)

Punkt 2 : Es gibt noch eine andere Gruppe außer jungen ( Hetero…) Mädchen, die zu Magersucht neigen und das sind schwule Männer – also immer diejenigen w/m, die Männern gefallen wollen. Nichts gegen die, auf optische Reize fokussierte und evolutionstechnisch Fortpflanzungs- ect förderliche Natur des Mannes, aber es muss nicht so aus dem Ruder laufen, wie in unserer westlichen Welt. Man bedenke das Tierreich, wo eher der Mann glänzen muss. Die Frau dagegen braucht Tarnfarben um ungestört brüten zu können (und keine bunten Federn um dem Mann zu gefallen, denn der will ja sowieso…). Dazu letztens ein Artikel samt Kommentaren bei queer. de über Frauen, die sich TRAUEN, mit unrasierten Beinen und kurzer Hose herumlaufen und wer hat das mit dem rasieren eigentlich losgetreten? Eine Rasiererfirma aus den 20ern…? (Link nachfolgend)

Punkt 3 : In der Pandemie, wie im Artikel beschrieben, waren Kontakte surrealer und es wurden mehr Medien genutzt.

Punkt 4 : Letzten Endes ist es auch eine Frage von der eigenen psychischen Stärke, ob man durch Punkt 1 oder 2 krank wird. Punkt 3 dagegen bietet im Grunde nur die Gelegenheit, ist aber keine Ursache und kein Auslöser.

Frage : Macht es Sinn, Jugendliche möglichst nicht sich selber zu überlassen ( Pandemie), damit sie keine Möglichkeit finden ihre Krankheit auszuleben oder wäre es besser an der Ursache zu arbeiten? Schirmen wir sie von Medien ab und verhindern Lockdowns, da sie sonst mehr Zugang zu Medien finden, oder hinterfragen und ändern wir das Idealbild der Frau bzw für den Mann, das eben diese Medien abbilden? Wollen wir verhindern, dass Jugendliche, die lieblos aufwachsen, keine Zeit bekommen, darüber nachzudenken (Pandemie) und investieren wir in die entsprechende Medizin ( Therapieplätze) oder investieren wir besser darin, ein liebevolles und selbstbewusstes aufwachsen der Kinder zu ermöglichen?

Nebenbei : Mehr oder weniger Autoritär, Schulkonzept A oder B, Kinderwagen oder Tragetuch, Fertigmilch oder Stillen, TV oder kein TV…… all das ist nicht entscheidend! Entscheidend ist, ob es ehrlich gut gemeint ist, wenn auch mit tausend Fehlern und nicht narzistisch, egoistisch, selbstverliebt – egal ob von Eltern Seite oder von der Gesellschaft ausgehend.

Kinder merken es, wenn sie nur eine Rolle spielen sollen um Anderen zu gefallen und deren Selbstverliebtheit und deren Weltbild zu bestätigen, wenn sie selber garnicht „gesehen“ und „gehört“ werden. Wenn sie dagegen aufrichtig um ihrer selbst Willen geliebt werden, dann sind sie sehr belastbar bezüglich der tausend Fehler, die Andere an ihnen machen.

gehtsnoch
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

zu Punkt 1:
„Essstörungen: Nicht nur weiße Mädchen Magersucht und Bulimie – fast immer sind junge Mädchen betroffen. Migrantenkinder sogar doppelt so häufig wie deutsche Kinder.
Möglicher Grund: Hierzulande stehen junge Mädchen unter besonders großem Anpassungsdruck.“ (27.11.2009)
https://www.news.de/gesundheit/855034215/nicht-nur-weisse-maedchen/1/

Indra Rupp
1 Monat zuvor