Mediennutzung von Jugendlichen: Professorin mahnt zu besserem Datenschutz

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MERSEBURG. Dass Eltern beim Umgang mit eigenen Daten im Internet für Kinder wichtige Vorbilder sind, dürfte mittlerweile zwar allgemein bekannt sein. Dennoch ist es um den Datenschutz bei Kindern und Jugendlichen in Internet schlecht bestellt, beklagt die Merseburger Wirtschaftsprofessorin Doreén Pick.

Die Pandemie war ein starker Beschleuniger eines generellen Trends. Geschlossene Spielplätze, Schulen und Jugendclubs, kein oder kaum Kontakt zu Freunden – all das bedeutete, neue Wege für Freizeit und Lebensfreude zu finden. Für die meisten Kinder und Jugendlichen bedeutete dies schlicht: „Ab ins Netz“. BWL-Professorin Doreén Pick, von der Hochschule Merseburg, nennt wesentliche Aspekte für das Verständnis von Privatheit und Datenschutz bei Kindern.

Ein Junge auf einem Schreibtischstuhl sieht aus Untersicht auf eine Bildschir
Kinder und Jugendliche hätten oft nur wenig Bewusstsein dafür, was mit ihren Daten geschieht. Foto: Lars Plougmann / flickr (CC BY-SA 2.0)

Verlockungen
Vor allem unterhalterische Angebote wie Computerspiele seien bei Kindern und Jugendlichen populär. Seit der Pandemie verbrächten sie teils mehrere Stunden täglich mit Browser-Games. Dabei täten die Spiele-Produzenten viel, um ihre Kundschaft zum kontinuierlichen Spielen zu motivieren: Geschenkte Gadgets (z. B. neue Avatare), Gewinnspiele und Aufforderungen, in Social Media etwas mit Klarnamen zu posten. Viele folgten diesen Offerten. Die Verlockungen haben eines gemeinsam: Es werden viele personenbezogene Daten von Kindern und Jugendlichen gesammelt und für deren Profilbildungen und die Entwicklung weiterer, digitaler Produkte ausgewertet. Den jungen Gamern sei das aber meist nicht bewusst, so Pick.

Vorbilder
Bei der Mediennutzung sind es primär die Eltern, Familie und Freunde, die Vorbildfunktion besitzen. Bei denen sieht es nach Doreén Picks Meinung allerdings in Hinblick auf ein Bewusstsein für den Schutz der eigenen Daten oft düster aus. „Ich habe nichts zu verstecken“ und „Es ist bequemer, einfach alle Daten freizugeben und nicht noch Cookie-Einstellungen vorzunehmen“, seien häufige Aussagen. Eine solche Haltung trage dazu bei, dass auch Kinder und Jugendliche in diesem Umfeld nur bedingt lernen, wie sie mit der Freigabe ihrer Daten umgehen könnten. Viele Studien hätten außerdem gezeigt, so Pick, dass sich viele Eltern mit ihren Kindern kaum zu Fragen von Privatheit und Datenschutz auseinandersetzten.

Vernachlässigungen
Mit der Einführung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Mai 2018 wurden wichtige gesetzliche Vorschriften für den Schutz personenbezogener Daten erlassen. Aber gerade in diesem Fall fehlten wichtige Details in der DSGVO, stellt Pick fest. Diverse regulatorischen Lücken erlaubten es den Digital-Unternehmen weiterhin, zahlreiche personenbezogene Daten von und über Kinder und Jugendliche zu sammeln, auszuwerten und außerhalb der EU zu speichern. Datenschutz sollte daher nicht nur an der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen oder der Vorbildfunktion von Familie und gesetzlichen Regeln festgemacht werden. Vielmehr brauche es nach Ansicht Doreén Picks auch mehr eigene Verantwortung durch die Produzenten digitaler Inhalte, vor allem wenn diese Kinder und Jugendliche betreffen. (zab, pm)

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