Philologen-Umfrage: Lehrkräfte brauchen mehr Fach-Fortbildungen in Präsenz!

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BERLIN. Mehr als 60 Prozent der befragten Lehrkräfte an Gymnasien finden, dass zu wenige Fach-Fortbildungen in Präsenz angeboten werden. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Philologenverbandes (DPhV) unter knapp 3000 Mitgliedern, die News4teachers exklusiv vorliegt. 61 Prozent erklärten allerdings, dass in ihrem Bundesland ausreichend Fach-Fortbildungen digital angeboten werden.

„Digitale Veranstaltungen sind kein Ersatz“: Lehrkräfte möchten wieder mehr Präsenz-Fortbildungen erleben. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

„Das ist immer noch zu wenig!“, urteilt die Vorsitzende des Verbandes Prof. Susanne Lin-Klitzing. „Gerade für das Gymnasium sind fachliche Fortbildungen enorm wichtig.“

Wissenschaftspropädeutik als eine bedeutsame Aufgabe des Gymnasiums verlangt, dass Lehrkräfte fachlich am Puls der Zeit bleiben. Veranstaltungen in Präsenz bieten anderes als rein digitale Veranstaltungen – schon allein, was den Austausch der Lehrkräfte untereinander anlangt. „Deshalb fordert der Deutsche Philologenverband, dass wieder mehr fachliche Fortbildungen in Präsenz angeboten werden, denn rein digitale Veranstaltungen sind eine gute Ergänzung, aber kein Ersatz“, so Lin-Klitzing.

„Da ist noch Luft nach oben, alle Kollegen und Kolleginnen brauchen ihre Freistellungen!“

Erfreulich sind die Ergebnisse zu der Qualität der angebotenen Lehrerfortbildungen: 75 Prozent der befragten Lehrerinnen und Lehrer bezeichneten das Niveau der angebotenen Präsenz-Fortbildungen als gut, 25 Prozent waren damit allerdings nicht zufrieden. 70 Prozent der Lehrkräfte waren auch mit dem Niveau der angebotenen Online-Fortbildungen zufrieden.

80 Prozent fanden, dass in ihrem Bundesland ganz allgemein genügend Online-Fortbildungen angeboten werden. 51 Prozent kritisierten, dass es auch nicht genügend allgemeine Lehrkräftefortbildungen in Präsenz gäbe. 88 Prozent der Befragten gaben an, für Präsenz-Fortbildungen freigestellt zu werden, 77 Prozent gaben an, dass dies auch bei digitalen Fortbildungen geschehe. „Da ist noch Luft nach oben, alle Kollegen und Kolleginnen brauchen ihre Freistellungen!“, so Lin-Klitzing.

Sie betont: „Erfolgreiche und wirksame Fortbildungen zeichnen sich vor allem durch eine Struktur von Input, Erprobung im Unterricht, Reflexion und Coaching aus. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wirksamkeitsforschung von Lehrerfortbildung müssen mehr Eingang in die Fortbildungsplanung der Landesämter erhalten.“ Die Umfrage wurde online im April 2022 durchgeführt. News4teachers

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DerechteNorden
1 Monat zuvor

Die Kolleg*innen haben entweder zu viel Zeit oder in ihren Bundesländern finden Präsenzfortbildungen während der Unterrichtszeit statt.
Ich für meinen Teil finde Online-Fortbildungen sehr hilfreich und – heutzutage besonders wichtig – ökologisch sowie ökonomisch sinnvoller.
Ehrlich, wir kriegen immer mehr aufgehalst und sollen dann zusätzlich Zeit für die Fahrerei zu den Veranstaltungsorten aufbringen und die Umwelt verschmutzen? Nicht wirklich, oder?

Markus
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Das verstehe ich nicht. Online-UNTERRICHT wird kategorisch abgelehnt, weil Präsenz durch nichts zu ersetzen ist und die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden nicht kontrolliert werden kann und die technischen Voraussetzungen nicht da sind und überhaupt eh keine Dienstgeräte vorhanden sind und wenn doch, dann nicht in der notwendigen Qualität und Optik.
Wenn Lehrkräfte erklären, was sie in der unterrichtsfreien Zeit machen kommt unter den Top-Nennungen „Fortbildungen“.
Und plötzlich ist das ZUSÄTZLICH und funktioniert online und wird für die unterrichtsfreie Zeit abgelehnt.
Ich kann diesen verqueren Argumentationen nicht mehr folgen.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Markus

Finden Sie meine Argumentation verquer? Ihr Post lässt mich vermuten, dass Sie mich gar nicht verstanden haben.
Ich halte Online-Unterricht in Maßen für durchaus sinnvoll. Ich habe dazu gar nichts geschrieben. Online-Unterricht und Online-Fortbildungen sind aber nicht vergleichbar: Im ersten Fall geht es um Heranwachsende. Nicht alle haben das notwendige Equipment, die Ruhe zuhause … Die Zeit, um die es hier geht, sind bummelig 30 Stunden. Das genügt hierzu wohl.
Davon mal ab, Fortbildungen suche ich mir selbst aus. In meinem Bundesland finden die außerhalb der Unterrichtszeit statt. In Präsenz müsste ich in der Gegend herumfahren, was mich Zeit kostet und Ressourcen verschwendet.
Und ich bin kein Kind/Teenager mehr, sondern nehme meinen Beruf ernst.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Was für ein Problem haben Sie? Erst verstehen Sie nicht, was ich geschrieben habe und dann voten Sie mich beleidigt down.
Lesen Sie doch einfach mal in Ruhe meine Posts noch einmal, bevor Sie mir hier verquere Logik unterstellen. Danke!

Schattenläufer
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Sehe ich genau so.

Achin
1 Monat zuvor

Zuallerst sollte auf die Qualität der Veranstaltungen geachtet werden. Leider sind die Referenten bisweilen Kollegen, die nicht gerne unterrichten und sich über diese Tätigkeit eine Funktionsstelle oder einen Distinktionsvorteil erhoffen. Während der Fortbildungen erzählen sie aber, wie es „richtig“ geht.
Dann gibt es auch „Experten“ von außerhalb, die bestimmt sehr smart sind, die Alltagsbedingungen an den Schulen aber völlig ausblenden.

Ben
1 Monat zuvor

Ich ignoriere Online-Fortbildungen völlig – muss nicht sein.

laromir
1 Monat zuvor

Vor Corona gab es Fortbildung den ganzen Tag, da lohnte sich die Fahrt und es war effektiv. Jetzt werden die Online-Fortbildungen mittags ab 14 oder 15 Uhr gestartet und gehen bis 17 oder 18 Uhr. Natürlich gesplittet auf 2 bis 3 Nachmittage on top. Was auch sonst. Dazu läuft die Technik manchmal mäßig, breakout rooms laufen nicht gut, es werden PPP runter gelesen und ähnliche ineffektive Aktionen. Hatte bislang erst eine wirklich gute Online-Fortbildung der Rest war für die Füße. Und ich sehe nicht ein, das jetzt nur noch Nachmittag und Abend machen zu müssen, wenn ich eigentlich noch andere Arbeit hätte.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  laromir

In meinem Bundesland sind Fortbildungen immer außerhalb der Unterrichtszeit. Es sei denn es sind mehrtägige Lehrgänge zur Weiterqualifizierung.
Wenn ich also eine Fortbildung in X nach dem Unterricht gebucht habe, dann muss ich nach dem Unterricht also …
Aber bei Ihnen scheint es so zu sein, wie ich vermutet habe. Man kriegt also unterrichtsfrei. Kein Wunder, dass Sie dann so argumentieren.

laromir
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Wenn die Fortbildung ganztägig sind oder mehrtägig, dann gibt es frei, bzw. Der Nachmittag ist eben in der Freizeit. Jetzt haben sie aber alle ganztägigen Fortbildungen auf Samstag oder eben Nachmittag/Abend gelegt und nur noch online. Und 100% der Zeit on Top, sehe ich nicht ein. Bei 50% und guter Fortbildung, konnte man damit leben.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

@Jaromir: Wenn ich keine Wahl habe, weil die für mich wichtigen Fortbildungen immer 100% on top sind, dann möchte ich dafür nicht in der Gegend herumfahren, um 1. die Umwelt nicht zu verschmutzen und 2. nicht Zeit mit Fahren zu verbringen. Was soll denn daran gut sein?

Schattenläufer
1 Monat zuvor

Die Form ist egal finde ich. Auf den Inhalt kommt es an.

Fachliche Fortbildungen meide ich, außer bei technischen Neuerungen wie z.B. dem 3D Druck normalerweise.
Wer ein Studium abgeschlossen hat sollte fachlich so weit vor dem Inhalt des Lehrplan sein, dass man sich das schenken kann.

Fortbildungen zu Verwaltung und Technik sind oft unumgänglich. Die Präsenz ist da nicht das A & O. Vielmehr finde ich es wichtig Gruppen mit etwa gleichen Voraussetzungen zu bilden. Nichts ist schlimmer, wie Gruppen aus Kollegen die nur einige ausgewählte Wissenslücken und Fragen haben und Kollegen die zunächst eine Erklärung brauchen wo der PC an geht.

Besonders schlimm finde ich pädagogische Fortbildungen mit KMK Zuschnitt.
Professoren die Konzepte vorstellen denen man anmerkt, dass der Referent sich seit 20 Jahren keinem Problem-Schüler auf weniger als 50 Meter genähert hat.

Mein persönliches High-Light war eine Fortbildung zu einer neuen (oder eher alten aber überarbeiteten) Schulform.
Das KMK schickte eine junge Frau die schwerlich die 30 erreicht haben konnte und bisher nach dem 2. Staatsexamen ihre komplettes Berufsleben am Ministerium und am Landesinstitut für Medien (Fortbildungsträger des Ministeriums) verbracht hatte.
Diese begann die Fortbildung vor 40 Kollegen mit 10-30 Jahren Berufserfahrung mit dem Satz „Ich werde ihnen jetzt aufzeigen, wie sie durch eine geänderte Arbeitshaltung innerhalb kurzer Zeit alle pädagogischen Probleme beim Umgang mit den problematischen SuS dieser Schulform lösen können.“
Diese Fortbildung war in Präsenz. Gerettet hat das auch nichts. Online wäre es nach diesem Satz wenigstens möglich gewesen die Kamera und das Mikro ab zu schalten und auf eine technische Störung zu verweisen.

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Bei den Fortbildungen, die ich bisher besucht habe, kann ich gefühlt 10% des Inhalts umsetzen und anwenden. Manche Fortbidlungen sind unterirdisch und völlig überflüssig, aber man macht sie, um sein Soll zu erfüllen. Das ließe sich durchaus effizienter gestalten, oft ist weniger mehr. Und auch ich habe das Gefühl, dass da manchmal Referenten vom KM gestellt werden, die ziemlich überfordert und oft gänzlich realitätsfern sind.
Die beste Fortbildung für mich ist der Austauch mit Kollegen, Multiplikatorenmethode, mit der man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann und gegenseitig Unterrichtsbesuche. Das klappt natürlich nur bei einem aufgeschlossenen und hilfsbereiten Kollegium. Aber es klappt.

Rike
1 Monat zuvor

Ich halte Online- Fortbildungen für sehr effektiv, wenn sie denn gut sind. Die von mir so belegten Veranstaltungen betrafen ausschließlich Themen der Umsetzung der Digitalisierung im Distanz- und Präsenzunterricht und waren fast ausnahmslos sehr gut, da von Kollegen gehalten, die sich mit dem jeweiligen Tool super auskannten, weil sie es selber ständig nutzen. Sie fanden alle am Spätnachmittag/ Abend, also außerhalb der Unterrichtszeit statt.
Alle von staatlicher Seite angebotenen Fortbildungen, die ich in den letzten Jahren besucht habe, waren grottenschlecht, verstaubt und verdienten den Namen Fortbildung nicht, jedenfalls in meinen Fächern ( Ma, Phy). Keine neuen Impulse, kein Bezug zur aktuellen Schülerschaft, nur Wiederholung altbekannter Fakten oder realitätsfernes Geschwafel. Die Zeit kann ich besser verbringen.