Der zunehmende Lehrermangel wirkt sich sogar schon auf den ÖPNV aus

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ERFURT. Zehntausende Schülerinnen und Schüler fahren täglich in Thüringen mit dem Bus zur Schule. Danach bestreiten die Busse in der Regel den Linienverkehr – aber immer häufiger müssen die Unternehmen dabei improvisieren.

Busse müssen umgelenkt werden, wenn der Unterricht ausfällt. Foto: Shutterstock

Der Lehrermangel bringt die Fahrpläne der Busse im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) von Thüringen immer öfter durcheinander. «Der Lehrermangel schlägt bei uns in den ÖPNV durch», sagte der Geschäftsführer des Verbandes Mitteldeutscher Omnibusunternehmen (MDO), Tilmann Wagenknecht, in Erfurt. Grund seien Unterrichtsausfall und Anrufe der Schulen bei den Busunternehmen, dass Kinder nicht stundenlang warten könnten und vorzeitig abgeholt werden müssten.

Wenn Busse vormittags nochmals kurzfristig zur Schülerbeförderung einspringen müssten, könne das je nach der Ausstattung der Unternehmen Auswirkungen auf den Linienverkehr haben, sagte Wagenknecht. «Das ist die Kehrseite der Integration des Schülerverkehrs in den Linienverkehr.» Nach Angaben von Verbandspräsident Mario König – er leitet selbst ein Busunternehmen im Unstrut-Hainich-Kreis – kommen solche Hilferufe von Schulen wegen Stundenausfalls nicht täglich, aber «ein- bis zweimal pro Woche» vor.

Nach Verbandsangaben sind in Thüringen etwa 2.000 Linienbusse unterwegs. Ihre Zahl, aber auch das Netz, das sie bedienen, sei in den vergangenen Jahren stark optimiert worden. Erst etwa 30 Busse seien mit E-Antrieb unterwegs. Probleme bereite den Unternehmen neben anstehenden Investitionen in neue Elektrobusse auch ein latenter Mangel an Busfahrern.

Nach Schätzungen des Verbandes fahren in Thüringen bis zu zwei Drittel der Schüler mit dem Öffentlichen Nahverkehr. Es bestehe angesichts der Diskussion um das Deutschland-Ticket für 49 Euro und ein eigenes Thüringer Junge-Leute-Ticket für 28 Euro die Hoffnung, dass das Angebot im öffentlichen Nahverkehr vor allem in ländlichen Regionen ausgebaut werde, sagte König.

Einen negativen Einfluss auf die Busunternehmen hätten Schulschließungen. «Das macht den ÖPNV teurer» – das Liniennetz würde ausgedünnt, wenn die Schüler in einer Art Sternverkehr nur noch an eine zentrale Stelle in einer Region gebracht werden müssten. Die Konsequenz sei, «Busse stehen dann vormittags rum». Nach Angaben des Bildungsministeriums gibt es in Thüringen mehr als 251.000 Schülerinnen und Schüler an 967 allgemein- und berufsbildenden Schulen. News4teachers / mit Material der dpa

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Carsten60
11 Tage zuvor

Warum gibt’s denn unter einem Bildungsminister von der Linkspartei einen so heftigen Lehrermangel mit Unterrichtsausfällen?

Carsten60
9 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Was heißt „betroffen“? Das ist kein schlechtes Wetter, sondern eine Folge der Schulpolitik der letzten 10-20 Jahre, oder etwa nicht? Ich dachte immer, die Linkspartei setzt andere Akzente bei der Bildung als die CDU/CSU, aber wo sind nun die Erfolge?
Übrigens ist Thüringen ein Land, das nicht überfüllt ist: seit der Wende hat Thüringen 500.000 Einwohner verloren, das sind mehr als 20 %. Das ist in Berlin viel ungünstiger, weil die Bevölkerungszahl steigt und steigt.

Leo Lausemaus
11 Tage zuvor

Wieso? Weil Busfahrer jetzt als Lehrer eingesetzt werden und dadurch im ÖPNV fehlen?

Realist
11 Tage zuvor
Antwortet  Leo Lausemaus

Nein, das verstehen Sie falsch:

Die Busfahrer fallen wegen Krankheit aus, die haben Corona und so… die sind wirklich krank.

Während die faulen S… auf diesen Zug unverschämterweise aufspringen und Corona simulieren. Die haben halt keinen Bock auf Unterricht…

Carsten
11 Tage zuvor

E-Busse im ländlichen Raum mit 150 km Reichweite im Winter ?

Carsten
11 Tage zuvor

Liegt nicht die Aufsichtspflicht bei Stundenausfall weiterhin bei der Schule ?

Chris
11 Tage zuvor
Antwortet  Carsten

Und wie soll die Schule das machen, wenn die Kollegen, die da für die Aufsicht eingeplant werden würden, die gleichen sind, die eigentlich den Unterricht hätten geben sollen.
Mehr als 32 Kinder darf kein Lehrer beaufsichtigen, selbst wenn er wollte und die Kinder super umgänglich sind.

Last edited 11 Tage zuvor by Chris
mama51
11 Tage zuvor
Antwortet  Chris

Mehr als 32 Kinder darf kein Lehrer beaufsichtigen, selbst wenn er wollte und die Kinder super umgänglich sind.

Bitte wie? Wo gibt’s das denn?! Ich lach mich schlapp!!!!
Ach, was wäre es schön, wenn das stimmen würde!

In unserem Gym gibt’s Klassen mit tw 35 SuS …

dickebank
11 Tage zuvor
Antwortet  mama51

Klassenteiler in NRW für Gymnasialklassen und E-Kurse an GE ist 35.

Die maximale begrenzung der Kursgrößen liegt in der Quadatmeterfläche des Unterrichtsraumes und den m²-Werten für einen Schülerarbeitsplatz. Störend sind dabei die Tische.

Realist
11 Tage zuvor

Die Lösung ist doch ganz einfach:

Lehrkräfte zu einer Fortbildung „Busführerschein“ verpflichten. Und diese dann die Kids nach Hause fahren lassen. Vorteil: Ist kein Unterricht und muss daher auch nicht auf das Stundendeputat angerechnet werden. Win-Win (jedenfalls für die Glorreichen und die Kids)…

Riesenzwerg
10 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Bring sie doch bitte nicht auch noch auf Ideen …… 😉

Riesenzwerg
10 Tage zuvor

Was aber das Schöne daran ist – der Lehrermangel wirkt sich aus, zieht Kreise, stört den ÖPNV, die Eltern und damit die Arbeitgeber …

Ist irgendwie wie bei Corona.

Vielleicht………. man wird noch träumen dürfen, seufz.