„Lehrpläne müssen radikal zusammengestrichen werden“: Was SPD-Fraktionschef Jochen Ott nach PISA ändern will

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DÜSSELDORF. Jochen Ott ist Lehrer von Beruf – und womöglich 2027 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Schon jetzt prägt der SPD-Fraktionschef (und damit wohl gesetzter Herausforderer von Amtsinhaber Hendrik Wüst, CDU) die Bildungspolitik seiner Partei über die NRW-Landesgrenzen hinaus. News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek sprach mit dem gebürtigen Kölner über die Herausforderungen, vor denen die Schulen nicht nur im bevölkerungsreichsten Bundesland stehen. Teil zwei des großen Interviews.

Hier geht es zurück zu Teil eins.

„Liebe Lehrkräfte, wir vertrauen euch“: Jochen Ott auf einer DGB-Demonstration vor der Staatskanzlei in Düsseldorf. Foto: SPD-Fraktion NRW

News4teachers: Also die multiprofessionelle Schule als Antwort auf die PISA-Herausforderung?

Ott: Genau.

News4teachers: Auch als Antwort auf den Lehrkräftemangel?

Ott: In den nächsten zehn Jahren: Ja. Die Schulministerin sagt selber, sie wird den Lehrkräftebedarf erst 2033 irgendwie wieder decken können. Wir sind jetzt in diesem klassischen Schweinezyklus. Den haben wir gefühlt in der Schulpolitik seit Humboldt – es herrscht entweder Lehrermangel oder Lehrerschwemme. Wir haben es nie hingekriegt, das mal gerade zu ziehen. Diese Lage müssen wir erst mal zur Kenntnis nehmen. Die Ministerin behauptet immer, sie hätte den Schulen ganz viel Personal zugeführt. Fakt ist aber, es sind noch mehr Lehrkräfte in Ruhestand gegangen und werden noch weitere in Ruhestand gehen. Und es gibt darüber hinaus immer mehr Lehrerinnen und Lehrer, die aus dem System aussteigen, 800 sind es in NRW allein in diesem Jahr. In dieser Situation ist es sinnvoll, Expertise von außen in die Schulen hineinzuholen – auch mit Blick auf komplexer gewordene Schülerschaften, die besondere Unterstützungsbedarfe haben.

News4teachers: Müssen wir nicht auch darüber sprechen, Lehrkräfte zu entlasten? Wenn man sich zum Beispiel Arbeitszeitstudien anschaut, dann sieht man, dass Korrekturen insbesondere an den Gymnasien ein sehr großes Volumen beanspruchen. Muss das wirklich jede Lehrkraft für sich machen – oder ließen sich Korrekturen nicht auch an Externe delegieren?

Ott: Wir haben hier gerade einen Antrag zur Lehrerarbeitszeit eingebracht. Hamburg hat dafür ein gutes Modell für eine Lehrerarbeitszeit entwickelt, die komplett anders aufgebaut ist als bei uns. Darin wird die Lehrerarbeitszeit auf das Jahr umgerechnet – pro Woche wird da von ca. 46 Stunden ausgegangen. Und dann wird genau festgelegt, wie viel Prozent davon ist Unterricht, wie viel davon sind Konferenzen. Alle haben immer auch Zeitraum für Schulentwicklung, für Fortbildung, ist alles mit in dem Modell drinnen. Und dann gibt es einen Quotienten, nachdem die Unterrichtszeit der einzelnen Fächer berechnet wird – weil die Frage der Korrektur dabei eine zentrale Rolle spielt, die Belastung dadurch aber sehr unterschiedlich ist. Auch Klassenleitung ist eine starke Belastung, wenn du das gut machst. Das Hamburger Modell muss sicherlich weiterentwickelt werden, weist aber vom Grundsatz her in die richtige Richtung. Insofern: Ja, wir brauchen ein anderes Arbeitszeitmodell für Lehrkräfte. Und wir müssen die Frage stellen, ob es eigentlich sinnvoll ist, wenn die Leute sich wund korrigieren? Ich habe gerade eine Anfrage von einem Bündnis von Fachleiterinnen und Fachleitern auf dem Tisch, die sich die Frage stellen, wieso Klausuren eigentlich sechs Stunden geschrieben werden müssen? An der Uni werden in vielen Fächern nur noch anderthalbstündige Klausuren geschrieben. Dazu kommt: Wir haben heute viel intelligentere Prüfungsmodule, um herauszufinden, was Schülerinnen und Schüler können. Ich bin nicht der Meinung, dass jetzt nur noch Multiple Choice stattfinden soll, keine Sorge. Aber so, wie es ist, ist es auch einseitig. Da könnte man entlasten.

News4teachers: In dem Beschluss, der auf dem SPD-Parteitag gefasst wurde, wird auch das Thema Inklusion angesprochen. „Für echte Inklusion braucht es politischen Willen“, heißt es darin. Haben Sie den?

Ott: Ich habe den. Wir brauchen sowohl bei der Inklusion wie auch bei der Integration nicht nur den politischen Willen, etwas umzusetzen, sondern wir müssen vor allen Dingen deutlich machen, dass es dabei gerecht zugehen muss. Den Fehler, den man oft gemacht hat und der heute immer noch gemacht wird, ist, dass die Mittelschicht und die unteren Mittelschichtmilieus meist allein vor die Herausforderung gestellt wird, Integration und Inklusion zu stemmen – während diejenigen, die ökonomisch besser gestellt sind, diesbezüglich nur wenig bis gar nichts zu meistern haben.

Ich war vor kurzem in Gelsenkirchen bei einer Podiumsdiskussion in einer Grundschule, wo das Kollegium nur noch zu 60 Prozent aus grundständig ausgebildeten Lehrkräften besteht. Die übrigen sind Seiteneinsteiger oder Alltagshelfer. Der Migrationsanteil liegt bei 90 Prozent, die Bürgergelddichte ist sehr hoch. Dort wurde mir die Frage gestellt, ob es denn richtig sei, dass Eltern von dort ihre Kinder an eine andere Schule bringen? Darauf habe ich geantwortet: „Das kann ich gut verstehen. Die Eltern sagen sich, ich möchte, dass es meinem Kind gut geht, dass es gute Bildungschancen bekommt. Wenn ich mein Kind hier vor Ort anmelde, muss es zusätzlich noch Integrations- und Inklusionsleistung für diese Gesellschaft erbringen – und niemand unterstützt es dabei. Die Mittelschicht ist erschöpft.“ Als ich das gesagt habe, habe ich Riesenapplaus gekriegt, weil die Politik die Menschen vor Herausforderungen stellt, sie dann aber nicht unterstützt.

Hamburg zum Beispiel hat in Brennpunkt-Grundschulen 17, 18 Kinder in der Klasse. In Köln und Düsseldorf sind es 30. Ich war kürzlich in einer Schule in Düsseldorf, wo von 32 Kindern einer Klasse über 20 kein Deutsch sprechen, weil sie als Flüchtlingskinder dazugekommen sind. Da sagen viele Eltern – übrigens interkulturell: „Das kann doch nicht wahr sein. Ich möchte, dass mein Kind ein Aufstiegsversprechen bekommt.“ Und deshalb müssen zum Ausgleich die Klassengrößen an solchen Standorten massiv gesenkt werden. An diesen Schulen muss viel mehr investiert werden.

Wenn du das nicht tust, kannst du von den Menschen nicht erwarten, dass sie diese Politik stützen. Und das bedeutet andererseits, dass man Schulen mit höheren Belastungen im Vergleich eben besser ausstatten muss. In Hamburg ist es zum Beispiel so, dass jede Stadtteilschule 30 Prozent mehr Personal kriegt als die Gymnasien. Das ist mit der absoluten Mehrheit der SPD damals durchgesetzt worden. Das war der richtige Schritt. Wir müssen Ungleiches ungleich behandeln. Und das gilt auch für die Inklusion. Sie wird nur funktionieren, wenn die Leute nicht das Gefühl haben, dass es nur eine Alibi-Inklusion ist, eine Billigvariante, mit der sie und ihr Kind dann allein gelassen werden.

News4teachers: Das heißt aber, in den Verteilungskampf um Ressourcen einzusteigen – und notfalls auch Zielgruppen, die wahlentscheidend sein können, dann etwas wegzunehmen. Gymnasialeltern sind eine starke Lobby…

Ott: Jemand, der Schulministerin oder Schulminister sein will, muss den Mut haben, das Richtige zu tun – und sich notfalls auch mit Leuten anzulegen. Entweder wir regieren, um objektiv Probleme zu lösen. Oder wir regieren nur, um unsere eigenen Supporter zu unterstützen. Die Sozialdemokratie hat Deutschland seit 1918 an vielen Stellen gedient und ihre eigenen Leute schweren Zumutungen ausgesetzt: bei den Notstandsgesetzen zum Beispiel, dem Nato-Doppelbeschluss oder der Hartz-IV-Reform. Wer hat dafür die Schläge bekommen?

News4teachers: Sie sind Geschichtslehrer, man hört es…

Ott (lacht): Ja, tut mir leid. Aber die Sozialdemokratie hat das immer ausgezeichnet, dass sie an das Land zuerst gedacht hat – erst dann an die Partei. Bei der CDU gab es das eigentlich nur einmal, nämlich bei der Wiedervereinigung. Die hat Helmut Kohl durchgezogen, auch gegen Widerstände, das muss man anerkennen. Ich muss von Verantwortungsträgern erwarten, dass sie Probleme seriös angehen. Und ich glaube, dass es für Lösungen auch eine Mehrheit im Land gibt – wenn man erklärt, worum es geht. In der aufgeheizten Welt, in der wir leben, muss eine gemeinsame ethische Grundlage da sein. Bildung ist die beste Versicherung gegen Unfrieden. Und von gesellschaftlichem Frieden profitieren wir am Ende alle.

News4teachers: Das führt uns direkt zur politischen Bildung und zur Demokratiebildung. Sie sind Sozialwissenschaftslehrer, Geschichtslehrer. Umfragen, nach denen auch unter jungen Menschen die AfD relativ stark ist, müssen Sie besonders schmerzen.

Ott: Natürlich. Und ich weiß, dass die AfD bei TikTok höhere Klickzahlen hat als alle anderen Parteien zusammen. Wir werden niemals auf diese Art und Weise hetzen und versuchen, über Beleidigungen oder Beschämungen von Menschen unsere Reichweite zu erhöhen. Deshalb ist die Frage nach der Medienkompetenz, das Gespräch mit den Jugendlichen über das, was in den Medien stattfindet, zentral. Ich habe unlängst mit Lehrkräften gesprochen, die mir berichtet haben, dass Fünf-, Sechstklässler mit Fotos von den Massakern in Nahost über den Schulhof laufen. Diese Bilder, die die Schülerinnen und Schüler sehen, sind so schlimm, so etwas mussten wir als Kinder nie sehen. Das betrifft auch das Thema Sexismus. Was heute an pornografischen Inhalten von Jugendlichen gesehen wird, steht in keinem Verhältnis zu dem, was jede Generation vorher zu sehen bekam. Und das löst enorme Entwicklungen aus – gegen die sich nur in der Schule angehen lässt. Weil nur da alle Kinder und Jugendliche zu erreichen sind.

Dazu musst du aber unsere Lehrkräfte entsprechend fortbilden – und ihnen auch die Zeit geben. Wenn ich höre, es fehlt die Zeit für eine KZ-Gedenkstätten-Fahrt, weil die Klassenarbeiten geschrieben werden müssen, dann wird mir anders. Und wenn ich gesagt bekomme: „Der Besuch des Bundestages oder des Landtages geht nicht, weil an dem Tag ein Vokabeltest angesetzt ist“ – dann ist die Prioritätensetzung aus meiner Sicht falsch. Wir müssen in der Schule junge Menschen zu demokratischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern erziehen. Wenn die nur durch die Schule gehetzt werden und gar keine Zeit haben, sich mal intensiv mit der Menschenwürde zu beschäftigen, dann verlieren wir unsere Basis.

News4teachers: Sind unsere Lehrpläne zu voll?

Ott: Ja. Lehrpläne müssen radikal zusammengestrichen werden. Nummer eins der Erfolgsfaktoren gegen die PISA-Katastrophe ist aus meiner Sicht, den Lehrkräften mehr zu vertrauen. Das sind studierte Leute. Die allermeisten von denen sind hoch engagiert und positiv bekloppt, sonst würden sie so einen Job nicht machen. Die mögen Kinder.

Und wenn wir den Lehrerinnen und Lehrern und vor allem dann auch den Schulleitungen die Möglichkeit geben, vor Ort zu schauen, wie sie die deutlich verknappten Lehrpläne umsetzen, sodass wir am Ende zu einer Output-Steuerung kommen, indem wir in den einzelnen Entwicklungsstufen nur noch zentral kontrollieren, ob Grundkenntnisse vorhanden sind, dann kommen wir weiter. Grundsätzlich muss gelten: „Liebe Lehrkräfte, wir vertrauen euch.“

Ich habe zum Beispiel einen Schulleiterkollegen von einer Gesamtschule, der nach Corona feststellte, dass die Schülerinnen und Schüler große Defizite im Lesen aufgebaut haben. Der hat von sich aus entschieden, die Fünft- und Sechstklässler eine Stunde in der Woche nur Lesen zu lassen. Fehlt nur noch, dass einer aus der Behörde sagt: „Das darfst du aber nicht.“ Wir brauchen mehr Freiheit für die Schulen. Ich würde den Schulen auch perspektivisch die Möglichkeit geben, Lehrkräfte selber einstellen zu können. Dazu könnte man ihnen Verwaltungsleitungen an die Seite stellen, die das organisieren.

Ich glaube, die Befreiung des Schulsystems liegt in dem Prinzip, das vor 30 Jahren Johannes Rau schon mal aufgestellt hat: die Selbständigkeit der Schule. Immerhin sind in vielen Schulen 50, 80, 100, 120 Beschäftigte. Das sind alles mittelständische Unternehmen. Ich glaube, die meisten würden ihren Betrieb sehr gut selber organisieren, ohne die Schulaufsicht von oben. Gleichzeitig brauchen wir eine Vereinheitlichung der Strukturen auf Bundesebene, weil – Föderalismus hin oder her – die Kleinstaaterei auf Dauer nicht zukunftsfähig ist. Wir benötigen gleiche Standards auf Bundesebene. News4teachers

Hier geht es zurück zu Teil eins des Interviews:

„Wir haben hier praktisch kein klares Schulsystem mehr“: Wie Lehrer Jochen Ott die Bildungspolitik aufmischt

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Einer
6 Monate zuvor

Noch mehr streichen?
Wir haben früher in der Grundschule gelernt welche Regionen es gibt in NRW und welche Besonderheiten diese haben. Haben ein Instrument gelernt. Meist Flöte oder Xylophon. In der Realschüler haben wir Prozentrechnung mit dem Dreisatz gelernt und in Physik das Berechnen von Stromstärken. In der Höheren Handelsschule noch richtige Buchführung, 10-Finger-Tasrschreiben und den Aufbau von Geschäftsbriefen.
Wurde alles schon gekürzt.

Rainer Zufall
6 Monate zuvor
Antwortet  Einer

Es wird ja aus der Not heraus gekürzt. Es wäre wichtig, verbindlich die Wiederherstellung richtiger Lernpläne zu versprechen.

Aber was bringt die Blockflöte im Plan, wenn sie im Alltag keine Anwendung findet?

Einer
6 Monate zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Interesse an Musik wecken? Noten lernen? Musische Talente fördern?
Mit Ihrer Aussage könnten wir auch gleich den Wasserfarbkasten und den Sportkleidung abschaffen. Das brauch im Alltag auch kaum noch jemand.

HorchHorch
6 Monate zuvor
Antwortet  Einer

Was bringt die Förderung musischer Talente, wenn die Kinder nicht lesen, schreiben und rechnen können? Und das gilt natürlich auch für den Wasserfarbkasten.

KARIN
6 Monate zuvor
Antwortet  HorchHorch

Alles muss seinen Platz haben, so dass die Kinder es kennen und evtl.lieben lernen
Was man nie erlebt oder getan hat, wird später auch nicht mehr in Angriff genommen,
Schüler welche in Mathe usw.nicht gut sind finden ihre Erfolge in der Musik ( Chor, Orchester usw.) oder z.B. Sport ( Vereinsleben, Trainerausbildung, Leistung, Ergeiz, Durchhaltevermögen, Ausdauer!!) Alles sinnvolle Freizeitbeschäftigungen und auch Ausgleich zum anstrengenden Schul- oder späteren Berufsleben!
Ausserdem gibt es auch viele musisch oder sportliche Begabte , die ansonsten unter den Tisch fallen und keinerlei Erfolgserlebnis dann in der Schule mehr haben!

Ça me fatigue
6 Monate zuvor
Antwortet  KARIN

…. und in der Musiktheorie kann man durchaus andere Fächer wiederfinden:

Notenlehre enthält viele mathematische Aspekte

Funktionsweise von Musikinstrumenten ist physiklastig

Musikgeschichte enthält viele Elemente aus dem Geschichts-, Religions-/Ethik-, Powi- und Erdkundeunterricht. Das Lesen, Verstehen und Zusammenfassen der Texte ist eine praktische Anwendung von Kompetenzen aus dem Deutschunterricht.

Bekanntschaften mit Berufen macht man beim Thema Oper, Musical, Musiktheater.

Und so weiter.

Praktisches Musizieren fördert Durchhaltevermögen, Konzentration, Heben des Selbstwertgefühls bei ersten Erfolgen, in der Gruppe arbeiten (aufeinander hören), Fehler zulassen und „überspielen“, sich etwas zutrauen (Hilfe … die anderen hören, was ich mache/spiele/singe), Bewegung … usw.

Es ist eigentlich völlig egal, ob das Gelernte Fachwissen später so gebraucht wird – es fördert in jedem Fall die Allgemeinbildung, konfrontiert die Jugendlichen mit Dingen, auf die sie selbst nie kommen, zeigt bei Erfolg natürliche Wege zur Stressbewältigung, schult das Gehirn auf eine ganz besondere Weise, vernetzt viele Fächer

Wer immer nur auf bekannten und vertrauten Wegen wandert, der lernt nie neue Gegenden kennen …

Das ist so wie in der Grundlagenforschung: hätten unsere Vorfahren nicht irgendwann mit Froschschenkeln gespielt, säßen wir immer noch mit der Kerze im Dunkeln.

G.P.
6 Monate zuvor
Antwortet  HorchHorch

Das Erlernen eines Musikinstruments fördert die Intelligenz.

Rainer Zufall
6 Monate zuvor
Antwortet  Einer

Ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu.

Derzeit stehen aber viele wichtige Lerninhalte im Plan, die aufgrund von Krankheiten, Vertetungsstunden und Klassenaufteilungen aber nicht umgesetzt werden können.
Beim Zusammenstreichen wäre also darauf zu achten, dass die Kinder auch ein Mindestmaß an Abwechslung und Anregungen erhalten sowie dass Schulen die Flexibilität erhalten, nach eigener Lerhrkäfteversorgung das Angebot gestalten zu können.

Aber es wurde ja auch nicht behauptet, es würde einfach. Die Notsituation macht es meiner Meinung nach aber notwendig.

Mo3
6 Monate zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Was bringt es Notentheorie zu lernen, wenn man kein Instrument spielt? Die Blockflöte ist die praktische Anwendung. Ich fand es gut.

HorchHorch
6 Monate zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Wenn ich mich entscheiden muss, ob Kinder Blockflöte oder Rechnen lernen, dann entscheide ich mich für Rechnen.

KARIN
6 Monate zuvor
Antwortet  HorchHorch

Stimme ich Ihnen bedingt zu!
Aber, Schüler werden durch Spaß am Tun, Abwechslung im Schulalltag motiviert und immer wieder neu aktiviert zu lernen.
Als 2015 die erste Sprachklasse bei uns in der Berufsschule beschult wurde, erhielten die Jugendliche ja in jedem Fach Deutsch als Zweitsprache.
Im Laufe des 1.HJ bröckelten die Schüler in den Hauptfächern immer mehr weg, fehlten unentschuldigt oder legten sich Termine in die Unterrichtszeit!
Ich selber erteilte anfänglich Nahrungszubereitung, welche sich aber bald erschöpft hatte ( Obstsalat, Gemüsesuppe usw.),Da die Schüler ein oder kaum Deutsch verstanden.
Auf meine Bitte hin dürfte ich meine Unterrichtszeit von 4 Std. sehr frei gestalten, ich griff den Deutschunterricht auf u d vertiefte diesen durch Spiele dazu, freies Sprechen usw. Mein Unterricht war immer gut besucht, auch die Sozpäd. waren begeistert!
Vorteil von mir, ich musste keine Noten vergeben und könnte mich wirklich auf die Schüler, Probleme mit Spaß einlassen!

Ça me fatigue
6 Monate zuvor
Antwortet  HorchHorch

Ein Teil der Notenlehre ist die praktische Anwendung der Bruchrechnung!!!

Feinmotorik wird beim Notenschreiben ebenfalls geübt – besonders, wenn man die Notensysteme zeichnen lässt (Anwendung der Geometrie: 5 äquidistante parallele Geraden zeichnen usw.)

Unfassbar
6 Monate zuvor

Und wenn wir den Lehrerinnen und Lehrern und vor allem dann auch den Schulleitungen die Möglichkeit geben, vor Ort zu schauen, wie sie die deutlich verknappten Lehrpläne umsetzen, sodass wir am Ende zu einer Output-Steuerung kommen, indem wir in den einzelnen Entwicklungsstufen nur noch zentral kontrollieren, ob Grundkenntnisse vorhanden sind, dann kommen wir weiter. Grundsätzlich muss gelten: „Liebe Lehrkräfte, wir vertrauen euch.““

Ich habe Angst davor, weil das zu unglaublich viel Arbeit führt und einen Schulwechsel für die Kinder nahezu unmöglich macht. Wenn nur noch Grundkenntnisse abgefragt werden, warum soll der Unterricht mehr machen, als nur diese Grundkenntnisse zu vermitteln?
Die Lehrpläne sind alles mögliche, aber nicht zu voll, sie sind eher viel zu leer. Wenn Deutschland wieder auf das Niveau kommen möchte, wo es mal war, dann muss auch den Kindern viel mehr zugetraut und zugemutet werden.

mama51
6 Monate zuvor
Antwortet  Unfassbar

„Grundsätzlich muss gelten: „Liebe Lehrkräfte, wir vertrauen euch.“
DAS ist mMn das erste Problem! Viele SL, SSAs, KMs misstrauen ihren LK und schütten sie deshalb mit Bürokratie „ohne Ende“ zu!:-( Warum auch immer….???

Die Lehrpläne sind alles mögliche, aber nicht zu voll, sie sind eher viel zu leer. Wenn Deutschland wieder auf das Niveau kommen möchte, wo es mal war, dann muss auch den Kindern viel mehr zugetraut und zugemutet werden.
Auch das ist wahr!Hier mangelt es ebenfalls am Vertrauen. Nämlich Vertrauen der Eltern in die Lehrerschaft und in Ihre Kinder. Die können oft mehr, als „man“ glaubt. Es muss ihnen nur zugemutet werden!

KARIN
6 Monate zuvor
Antwortet  mama51

Ja, genau!!

Carabas
6 Monate zuvor
Antwortet  Unfassbar

Die Lehrpläne sind zudem viel zu generalisiert.

Dil Uhlenspiegel
6 Monate zuvor
Antwortet  Unfassbar

Man muss Schulen und Lehrkräften vertrauen. Darum stärken wir intensiv deren Verantwortung.

Hysterican
6 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Sehr richtig!
Lieber Dil …. und damit hätten wir auch gleich wieder die Schuldigen ausgemacht, wenn z.B. aufgrund des fortgesetzten Lehrkräftemangels usw usf. der Laden nicht läuft und die Ergebnisse hinter den von der Politik im Einklang mit den Medien formulierten Zielen verbleiben.

Ale
6 Monate zuvor
Antwortet  Unfassbar

Die Lehrpläne sind zu leer? Ich unterrichte an einer kaufmännischen Schule, Oberstufe und Berufsschule. Früher hatten wir beim Einzelhandel 1/2 Schuljahr 2h pro Woche „Grundlage des Rechnen“ mit Dreisatz, Prozent aber auch das Verstehen von Aufgaben. Hat man gestrichen, weil dei Schüler das ja schon offiziell können. Nur können das ca 10% der Schüler. Dafür ist man tiefer in den BWL eingestiegen, was gerade für den 2jährigen Abschluss oft viel zu tief ist Oberstufe Geschichte: wenn ich die Methodik richtig machen will (so eine Karikatur beschreiben und interpretieren ist echt komplex, wenn man es richtig macht), wenn man Argumentationsketten einüben will und das Textverständnis fördern, dann ist das inhaltliche des Lehrplanes kaum noch umsetzbar. Und von gemeinsamen Diskutieren, aktuellen Themen usw habe ich noch nicht mal gesprochen. Früher gab es an den Berufsschulen im Fach GGK 6 Prüfungsaufgaben, drei davon hat der Lehrer ausgewählt, von denen wiederum 2 der Prüfling. Hier war ein bisschen Freiheit vorhanden, auch in den Lehrplänen, man konnte auf die Schüler eingehen und die Stärken einer Klasse beachten. Heute: eine Prüfung für alle ohne Wahlaufgabe, oft mit reproduktivem Wissen bestückte Aufgaben. Auch hier: man rennt dem Lehrplan hinterher. Nein, die Lehrpläe sind nicht zu leer sondern zu voll. Jedenfalls in meinen Augen

Paul Wellmann
6 Monate zuvor
Antwortet  Unfassbar

Und die vielen Autodidakten in den Lehrkörpern der Schulen, die quer, vonder Seite oder von irgendwoher einsteigen, wissen dann genau, was sie zu tun haben.
Den Satz von der Entrümplung der Lehrpläne ist ein Blödsinn sondergleichen, der stets reflexartig herausgehauen wird, oft von Leuten, die nichts von Schule und Lehre verstehen.

Ann
6 Monate zuvor

„positiv bekloppt, sonst würden sie so einen Job nicht machen.“

tja

Rainer Zufall
6 Monate zuvor

„Positiv bekloppt“

Danke ☺️

Hans Malz
6 Monate zuvor

Bei der letzten SPD geführten Landesregierung (allerdings mit grüner Schuliministerin) konnte man sehen, wie den Lehrkräften an den Schulen „vertraut“ wurde. Das Grauen pur!

Frau Schäfer und ihr tolles Schulgesetz war auch nicht ganz unumstritten. Na, ja … vielleicht bin ich auch schon zu lange dabei und habe deshalb ein ungesundes Misstrauen aufgebaut.

Ich glaube dem guten Mann auf jeden Fall kein Wort, denn er wird (wenn er denn Ministerpräsident werden sollte) auf die die selben Strukturen treffen, wie alle anderen.

Und, wie auch schon andere geschrieben haben, war er wohl auch als Lehreranfänger immer in politischen Gremien aktiv. Fast alle, die ich kenne schaffen das zumindest in den ersten zwei bis drei Jahren gar nicht, da plötzlich die Lehrerrealität über sie hereinbricht. Bei solchen Supermännern bin ich immer besonders vorsichtig, wenn die mir was erzählen wollen…

Fräulein Rottenmeier
6 Monate zuvor
Antwortet  Hans Malz

„Und, wie auch schon andere geschrieben haben, war er wohl auch als Lehreranfänger immer in politischen Gremien aktiv. Fast alle, die ich kenne schaffen das zumindest in den ersten zwei bis drei Jahren gar nicht, da plötzlich die Lehrerrealität über sie hereinbricht. Bei solchen Supermännern bin ich immer besonders vorsichtig, wenn die mir was erzählen wollen…“

Ich hatte vor einigen Jahren mal einen politisch aktiven Junglehrer, der immer wieder schulisch entlastet werden wollte für seine Fraktionstätigkeit. Dem habe ich den entsprechenden Teil der ADO zu den allgemeinen und vorrangigen Dienstpflichten eines Lehrers kopiert und an seinen Platz gelegt….dann war Stille….

Vielleicht war Herr Ott da erfolgreicher….wer weiß….

Daniel P.
6 Monate zuvor

Naja, Herr Ott hatte die Fächer Geschichte, Sozialwissenschaften und katholische Religion …

d.h. nur einzelne Korrekturen in Oberstufenkursen (falls überhaupt), keine ganzen Klassensätze

d.h. wahrscheinlich auch keine Klassenleitung, weil man ja „genügend Stunden haben muss in der Klasse“

Ohne Klassenleitung und Korrekturen kann man halt deutlich mehr außerhalb von Schule machen.

Aber schön, dass er die Belastung durch Klassenleitung und Korrekturen zumindest sieht und anspricht.

Alex
6 Monate zuvor

So, das Hamburger Modell geht also von 46 Wochenstunden aus. Dann hoffe ich mal, dass die Hamburger Kollegen in den Ferien keinen Finger krumm machen, denn diese Zeiten sind offensichtlich schon eingerechnet.

Fräulein Rottenmeier
6 Monate zuvor
Antwortet  Alex

Das ist aber nicht gemeint….sondern die unterrichtsfreie Zeit ist mit eingepreist. Das bedeutet es wird auch hier von 30 Tagen Urlaub ausgegangen und die – sagen wir ca. 6 Stunden in der Woche – sind dann während der unterrichtsfreien Zeit zu arbeiten (mit Korrekturen, Fobis).

Was gut an dem Modell ist, dass wirklich alle Tätigkeiten mit berücksichtigt werden….ein besseres Modell hat übrigens die Telekomstiftung erarbeitet, da das Hamburger Modell so seine Schwächen hat….die Modell der Telekomstiftung geht von ca. 1560 Arbeitsstunden im Jahr aus, die dann prozentual in verschiedene Bereiche einfließen.

Fräulein Rottenmeier
6 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Danke, ich hatte nicht die Muße es zu suchen…

Alex
6 Monate zuvor

Wenn von 30 Tagen Urlaub ausgegangen wird, dürfte die wöchentliche Arbeitszeit max. 41 Stunden betragen. Die 46 Stunden sind die typische „Umrechnung“ für komplett freie Ferienzeiten. ( regulär etwa 44 Wochen a 41 Stunden = 1804, ergibt bei etwa 40 Schulwochen 45,1 Stunden in Vollzeit). Wenn sich die Berechnung der einzelnen Anteile an 46 Stunden pro Woche orientiert, dann müssen zwangsläufig die Ferien rausgerechnet sein. Wenn die Schulleitung dann Fobi, Konferenzen, Korrekturen, Klassenraumumzüge etc. in den Ferienzeiten ansetzt, müssten diese als Überstunden gewertet werden oder während der Schulzeiten „abgebummelt“ werden. Dazu bräuchte man aber endlich mal eine offizielle Arbeitszeiterfassung.

Fräulein Rottenmeier
6 Monate zuvor

Das Modell…..

dickebank
6 Monate zuvor

Nehmt den Pirelli-Kalender, der hat wenigstens 12 verschiedene Models:)

Chris
6 Monate zuvor

„ Das ist aber nicht gemeint….sondern die unterrichtsfreie Zeit ist mit eingepreist. Das bedeutet es wird auch hier von 30 Tagen Urlaub ausgegangen und die – sagen wir ca. 6 Stunden in der Woche – sind dann während der unterrichtsfreien Zeit zu arbeiten (mit Korrekturen, Fobis).“

Ich nehme dann meine 30 Tage Urlaub in den Herbst-, Weihnachts- und Osterferien. Das der Arbeitgeber meine Arbeitskraft in den Sommerferien in Form von Korrekturen. Ich abruft, ist ja nicht mein Problem. 😉

Wenn der Interviewte es uns wirklich erleichtern will, soll er diese blöden Rahmenlehrpläne begraben, aus der dann jede Schule die eigenen Didaktischen Jahrespläne basteln muss, und dafür wieder die klassischen Stoffverteilungspläne der 1980er einführen. Dazu dann noch weg mit der Inklusion, da mit den wenigen Lehrern so nicht umsetzbar und weg mit der aufgestülpten Handlungsorientierung, die viel zu textlastig ist.

Wenn es um Effizienz geht, also aus möglichst wenigen Lehrerstunden möglichst viel Unterrichtsinhalt herauszuholen, muss lehrerzentrierter Unterrichtet mit Hilfe eines eingeführten Lehrbuchs DAS sein, was auch in einer UPP wieder vorzeigbar ist.

Indra Rupp
6 Monate zuvor
Antwortet  Chris

Und wenn Sie alt sind, dann auch weg mit Ihnen, weil wir haben Pflegenotstand.

123
6 Monate zuvor
Antwortet  Alex

Als Hamburger: Ja, das Modell hat durchaus seine Schwächen. Die Idee ist super, die Umsetzung war eine verkappte Arbeitszeiterhöhung. Insofern arbeiten wir hier in Hamburg im Schnitt mehr als anderswo. Einigen Kolleg:innen am Gym sind hier bei 29 Stunden Unterricht „gedeckelt“.

Aber hier will auch niemand zurück. Alles, was anderswo „gratis“ erfolgen muss (AGs, Schulentwicklung, Fortbildung) wird hier bezahlt. Dieses Prinzip sollte in Schule grundsätzlich gelten. Der Job ist mehr als Unterricht.

Stefan
6 Monate zuvor
Antwortet  123

Das schöne an den ganzen Modellen ist, dass die laut EuGH-Urteil ohne Zeiterfassung nicht geeignet sind.

„Eine nationale Regelung, die keine Verpflichtung zur objektiven und verlässlichen Erfassung der Zahl der täglichen und wöchentlichen Arbeitsstunden enthält, ist nach Auffassung des EuGH nicht geeignet, um die praktische Wirksamkeit der von der Charta und der EU-Arbeitszeitrichtlinie verliehenen Rechte sicherzustellen (Rn. 50). “

Quelle z. B.: https://datenbank.nwb.de/Dokument/780301/, gibts aber auch als Originaltext

Das ist natürlich auf vielen Ebenen sinnvoll, weil man sich eben nicht rausmogeln kann. Eine Abschlussklasse Deutsch mit 16 Schülern mehr als eine andere Abschlussklasse sollte einfach nicht gleich angerechnet werden, da alleine der Korrekturmehraufwand ist ca 2 Wochen mehr (3 Klausuren a 90 min + Abschlussprüfung a 150 Min).

Die Kunstlehrerin, die gut setzen kann, ist für jedes Plakat, die Schülerzeitung, die Webseite, den Jahresbericht und den ganzen Bums für Lokalzeitung zuständig und bekommt dafür 1 Stunde angerechnet?

Das lässt sich noch ewig ausweiten und müsste endlich auf eine vernünftige Zahlenbasis gestellt werden. Und natürlich geht es hier nicht darum, nach 40 Stunden und 1 Sekunden den Stift fallen zu lassen, aber wenigstens ein finanzieller Ausgleich der geleisteten Arbeit und ein wenigstens rudimentäres Einhalten des Arbeitsschutzes wäre schon fein.

Spirale
6 Monate zuvor

In Hamburg ist es zum Beispiel so, dass jede Stadtteilschule 30 Prozent mehr Personal kriegt als die Gymnasien.“

Stell dir vor, es gibt offene Stellen, und kein ausgebildeter Lehrer bewirbt sich.

DieStadtteilschule hat – nicht ganz zu Unrecht – unter Hamburger Lehrer einen miesen Ruf. Die Stadtteilschulen haben auch deshalb zwar (vielleicht!) mehr Stellen, aber trotzdem viel weniger voll qualifizierte Lehrer.

Weiterhingeht es bei Personal nocht nur um Lehrer, sondern eben auch um Verwaltungskräfte. Die bekommste als Schule tendenziell auch schneller als Lehrer.

Zusammengefasst: Hier wird eine Nebelkerze geworfen.

Und das Problem sind nicht „volle Lehrpläne“, das Problem sind bildubängsferne und bildungsunwillige Sozialschichten, die ihre Kinder nicht geeignet auf die Schule vorbereiten können oder eben auch wollen. Es kann nicht angehen, dass das Niveau weiter sinkt, auch schon deshalb nicht, weil die Mittel- und Oberstufe durch die Vereinheitlichung des Abiturs schwerer wird. Da ist mit einer „Entschlackung der Lehrpläne“ NIEMANDEM geholfen.

Adressiert werden muss due frühkindliche Förderung, möglichst lang und möglichst früh, bei diagnostizieren Defiziten zur Not eben mit Zwang, damit ALLE Kinder überhaupt Schulfähig sind. Aber gerne dafür fehlt das Personal, gerade hier fehlt auf Kommunaler Ebene das Geld. Die Kitas brauchen häufig mehr Raum, mehr Rechte gegenüber Anwohnern (Stichpunkt Lermbelästigung) und mehr Personal, was die voll ausgebildeten Erzieher so entlastet, dass die mehr Zeit für ihre Arbeit haben.

Das das ein SPD-Hansel nicht blickt, glaube ich nicht, insofern: Nebelkerze zwei.

Da NRW häufig ein Schlüsselbundesland für Kanzler ist, sprich wer Ministerpräsident ist, hat gute Chancen als Kanzler-Kandidat, sollte man den Typen im Auge haben.

Leone
6 Monate zuvor
Antwortet  Spirale

„SPD-Hansel“ und „denTypen“: solche Abfälligkeiten disqualifizieren den Beitrag.

Dil Uhlenspiegel
6 Monate zuvor

„Und wenn ich gesagt bekomme: „Der Besuch des Bundestages oder des Landtages geht nicht, weil an dem Tag ein Vokabeltest angesetzt ist“ „, dann sage ich, das hat niemand jemals irgendwo im Ernst gesagt und ist frei erfunden, um den erwünschten rhetorischen Kopfschüttel-Effekt bei der Zuhörerschaft herbeizuführen und sie gleichzeitig mit mir zu verbünden. Warum ich das weiß? Weil ich unterrichte, diesen Trick und andere zu erkennen, nach Bildungsplan.

Und wenn ich jetzt schon höre, ich interpretiere hier einfach billig etwas hinein, das mir in den Kram passt, nur um Leser auf meine Seite zu ziehen, dann sage ich: Vertraut mir einfach, ich bin selber Lehrer (gewesen).

Daniel P.
6 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Das mit dem Vokabeltest ist sicherlich überspitzt, aber gerade in kurzen Schuljahren (wie z.B. 2022/23 in NRW) muss man schon gucken, wie man alle Klassenarbeiten in allen Fächern überhaupt noch verteilt bekommt auf die wenigen Schulage – viele Feiertage, Abiprüfungen, Kurssystem im Differenzierungsbereich, was Einschränkungen mit sich zieht.

Es muss ja vor einer Arbeit auch noch ein bisschen Unterricht stattgefunden haben.

Da fallen dann tatsächlich solche Aktionen weg. Ich kann ja nicht einfach sagen: „Dann schreiben wir halt eine Französischarbeit weniger und fahren dafür in den Landtag.“

Insofern ja, natürlich Rhetorik, aber trotzdem nicht vollkommen aus der Luft gegriffen.

Dil Uhlenspiegel
6 Monate zuvor
Antwortet  Daniel P.

Sicher, aber dann muss man diese systeminterne Dauerproblematik sauber ansprechen und nicht mit einem platten Fantasiebeispiel nach einem wohlbekannten Effekt greifen. Denn Vokabeltests liegen wohl auch dort in der Entscheidung des einzelnen Lehrers und das bedeutet dann doch wieder nur, dass …

Fräulein Rottenmeier
6 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Wohl wahr und so schade….

GriasDi
6 Monate zuvor

Bin schon auf Pisa nach den Streichungen gespannt.

Rainer Zufall
6 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

Ich bin auf Pisa gespannt, nachdem (hoffentlich) (irgendwann) der Lehrkräftemangel vorbei und die Streichungen zurück genommen sind.

Stefan
6 Monate zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ich lehne mich aus dem Fenster und sage: Gar nicht, weil es nicht wirklich einen Lehrermangel gibt. Die derzeitigen Entwicklungen waren ja vor 10 – 12 Jahren bereits absehbar. Es gab die ersten deutlichen Rückgänge in den Studierendenzahlen, weil Leute mit Topnoten auf der Straße blieben.

Hier hätte man politisch etwas tun können: Personalreserven aufbauen um kommende Engpässe abzudecken. Ich gehe mal davon aus, dass das aus den Ministerien auch in die Landtage getragen wurde, aber dafür hätte man Planstellen schaffen und auch zahlen müssen. Das wollte man schlicht nicht und hat es nicht gemacht. Jetzt haben wir die tatsächliche Entwicklung und zu wenige Lehrer. Das ist aber nicht wirklich ein Mangel sondern ein grober Planungsfehler.

Der geht aber noch weiter. Bei Regelbetrieb war die geplante Soll-Personaldecke 105%. Wenn ich davon jetzt die Krankheitstage im Durchschnitt (das sind aber eher Drehstuhlsitzer und nicht in Kampfvirenzonenagierende), die Pflichtfortbildungen und die Klassenfahrten abziehe, bin ich im Soll-Minus (!). Aber auch das muss vorher bekannt gewesen sein, das ist ja jetzt keine höhere Mathematik sondern wird in jedem Betrieb mehr als 2 Leute grob gemacht.

Man hat sich für Schulen aber aktiv dagegen entschieden, das zu tun. Das kann daher kein Mangel sein, sondern einfach eine wissentliche und gewollte Falschplanung.

Das wirkt jetzt etwas kleingeistig hier auf den Begriffen rumzureiten, ist aber aus meiner Sicht enorm wichtig. Denn hier liegt für mich der Hase im Pfeffer. Man ist sich klar im Bilde, dass Lehrkräfte mehr arbeiten als sie müssten oder dürften, misst das nicht. Dann stellt man weniger Personal zur Verfügung, als notwenig ist und tut dann schockiert, wenn das „Produkt“ schlechter wird. Da das Produkt jetzt leuchtende Kinderaugen hat, kann man jetzt wieder an der Personal appellieren, doch bitte hier zusammenzuhelfen, um doch was zu tun. Natürlich ohne dafür zu zahlen.

Ganz praktisches Beispiel für dieses Verhalten wäre: Der Nachbar hat 3 Kinder und geht über Wochen nicht einkaufen, weil sie ihm schon immer was zu essen bringen, wenn er nichts mehr hat. Gleichzeitig kauft er sich aber immer schön neue Sachen. Wenn die Kinder abnehmen, veröffentlicht er eine schockierte Studie über den Gewichtsabfall der Kinder. Einkaufen geht er aber nicht. Und dieser Nachbar ist unser Dienstherr.

Nadine
6 Monate zuvor
Antwortet  Stefan

Ich stimme Ihnen zu, allerdings: In den MINT-Fächern ist der Lehrermangel da- aber wir implementieren dieses Fach ja auch nicht fest im Stundenplan ab Klasse 5- zumindest nicht in meinem Bundesland.
Woher sollen dann die Lehrer für diese Fächer kommen?

Dil Uhlenspiegel
6 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

Soll ich die nächsten PISA-Ergebnisse und die offiziellen Reaktionen darauf gleich verraten oder soll der Zauber eines Hauchs von Spannung noch erhalten bleiben?

Spoiler: Es hat zu tun mit diesem hier. Um die Ecke denken du musst, ganz fest. https://image.hagebau.de/pdp_zoom/wandtattoo-die-maus-gelbe-ente-1-selbstklebend–1000000000300134.jpg

Canishine
6 Monate zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Was mich daran erinnert, dass schon seit den Achtzigern ein sprachliches Integrationsproblem intergalaktischen Ausmaßes wir haben.

Marie
6 Monate zuvor

„…, dass die Mittelschicht und die unteren Mittelschichtmilieus meist allein vor die Herausforderung gestellt wird, Integration und Inklusion zu stemmen.“ Na, endlich sagt mal jemand offiziell, dass Lehrer zur Mittelschicht oder gar zum unteren Mittelschichtniveau gehören. 😉 Oder wer, glaubt Herr Ott, stemmt hier ohne jede Hilfe Integration und Inklusion in den Schulen?

lehrer002
6 Monate zuvor

Nein, die Lehrpläne müssen in den Hauptfächern verstärkt mit mehr konkreten Inhalten gefüllt werden. Die kompetenzorientierten Lehrpläne sind in praktisch angelegten Fächern wie Kunst, Musik, Sport sehr sinnvoll, aber es zeigt sich deutlich, dass die Lehrpläne nicht genug Inhalte fordern in Deutsch, Mathe, Englisch.

Rüdiger Vehrenkamp
6 Monate zuvor

Ach, das klingt alles immer wirklich schön. In Baden-Württemberg versprachen uns Grüne und SPD (damals mit Kultusminister Andreas Stoch) mit Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung und der Einführung von Gemeinschaftsschulen das Schulmodell der Zukunft. Die Ergebnisse in Vergleichsarbeiten zeigen aber, dass Schülerinnen und Schüler in BW immer weniger können, die Niveaus immer mehr sinken und Lehrkräfte immer mehr arbeiten müssen. Verbessert hat sich nichts.

Über alle Parteien hinweg werden in Wahlkämpfen immer mehr Gelder für Bildung versprochen. Dann sind die Wahlen vorbei und wo wird immer zuerst gespart? In der Bildung. Teils geschieht das durch Schulschließungen recht offensiv, teils im Verborgenen, beispielsweise, wenn man Inklusion so gestaltet, dass in Regelklassen einfach ein Stuhl hinzugestellt wird. Oder auch, indem man ein gegliedertes Schulsystem abschafft und eine Lehrkraft in einer Klasse alle Niveaustufen von Förderschule bis Gymnasium gleichzeitig bedienen soll.

Zitat:
„’Das kann ich gut verstehen. Die Eltern sagen sich, ich möchte, dass es meinem Kind gut geht, dass es gute Bildungschancen bekommt. Wenn ich mein Kind hier vor Ort anmelde, muss es zusätzlich noch Integrations- und Inklusionsleistung für diese Gesellschaft erbringen – und niemand unterstützt es dabei. Die Mittelschicht ist erschöpft.‘ Als ich das gesagt habe, habe ich Riesenapplaus gekriegt, weil die Politik die Menschen vor Herausforderungen stellt, sie dann aber nicht unterstützt.“

Haben nicht die Regierungsparteien aller Bundesländer seit Jahren zu dieser Erschöpfung durch das Herumdoktorn an Schulsystemen mit beigetragen? Ist Herr Ott nicht ein Teil dieser Politik? Natürlich kriegt er hier Applaus, er nennt den Status Quo. Was er nicht tut, konkrete Maßnahmen nennen. In BW war die Gemeinschaftsschule jedenfalls nicht die Lösung, die das dortige Schulsystem gerettet hat. Auch heterogene Klassen trugen nicht zu einem Bildungserfolg der Kinder bei. Im Gegenteil. Erst nicht vorhandene Probleme wurden durch Reformpädagogen, einem Wegfall des Leistungsgedankens und einer völlig falschen Einschätzung des Berufes von Lehrkräften und Sozialarbeitern überhaupt erst geschaffen.

dickebank
6 Monate zuvor

Wenn Inhalte gestrichen werden sollen, stellt sich zwangsläufig die Frage, in welcher Farbe denn:) Und bitte auf den Blauen Engel achten!

Dil Uhlenspiegel
6 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Korrekt!

Canishine
6 Monate zuvor

„Ich habe unlängst mit Lehrkräften gesprochen, die mir berichtet haben, dass Fünf-, Sechstklässler mit Fotos von den Massakern in Nahost über den Schulhof laufen. […] Das betrifft auch das Thema Sexismus. […] Und das löst enorme Entwicklungen aus – gegen die sich nur in der Schule angehen lässt. Weil nur da alle Kinder und Jugendliche zu erreichen sind.“
Vielleicht könnte man bestimmte Inhalte im Netz ja mit einem geistigem Nutri-Score versehen: Vorsicht, bei Konsum dieses Inhalts ist eine nachfolgende Präventions-Projektwoche in deiner Schule unabwendbar.

Der Zauberlehrling
6 Monate zuvor

Es kann nicht die Aufgabe eines Politikers sein, die öffentliche Meinung abzuklopfen und dann das Populäre zu tun. Aufgabe der Politiker ist es, das Richtige zu tun und es populär zu machen.

Walter Scheel.

Ich hoffe, dass er gewählt wird und dass er die Bürde des Amtes tragen kann.

Weiterhin hoffe ich, dass er mit der Übernahme des Amtes nicht das große Vergessen bekommt.

Schulen sind immer dann mittelständische Unternehmen, wenn es in den Kram passt und nichts kostet, wenn Vergleiche angestellt werden hinsichtlich der Leistungsfähigkeit und -bereitschaft- und wie der Lehrer da im Hintertreffen ist. Niemals, wenn es um Erfahrungen und Annehmlichkeiten der „freien Wirtschaft“ geht. Und bei uns stellen die Vergleiche mit der „freien Wirtschaft“ immer diejenigen an, die außer dem Lehrerpult im Leben nichts anderes gesehen haben. Aber das ist ein anderes Thema.

RSDWeng
6 Monate zuvor

In über 40 Jahren an bayerischen Realschulen hatte ich insgesamt 4 Lehrpläne zu beachten. Ehrlich gesagt, ich wusste immer nur grob, was darin stand, und fühlte mich nicht gegängelt oder überlastet, und trotz dieses lockeren Umgangs mit den amtlichen Vorgaben haben fast immer über 95% der Schüler in meinen Fächern die Abschlussprüfung bestanden, wobei die Aufgaben zentral vom Kultusministerium kamen. Ich glaube, man sollte ruhig seiner pädagogischen Freiheit einfach mehr Raum lassen. Das ist gut für die Schüler und auch für einen selbst.