BERLIN. Deutschlands Schulen kämpfen weiter mit Personalmangel, steigenden Anforderungen und wachsender Belastung der Lehrkräfte. Der Deutsche Beamtenbund (dbb) fordert deshalb bessere Arbeitsbedingungen und mehr Entlastung im Schulalltag. Anlass waren Treffen von Verbänden von Realschul- und Berufsschullehrkräften, bei denen die Bedeutung dieser Schulformen für die Fachkräftesicherung im Mittelpunkt stand. Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen zugleich, wie stark das deutsche Schulsystem vom Beamtentum geprägt ist – mit erheblichen Unterschieden zwischen den Ländern.

Der Deutsche Beamtenbund hat vor einer weiteren Überlastung von Lehrkräften gewarnt. „Lehrkräfte arbeiten in einem System, das ihnen immer neue Aufgaben auflädt, ohne für genug Personal, Zeit und Entlastung zu sorgen. Das kann auf Dauer nicht gutgehen“, sagte dbb-Bundesvorsitzender Volker Geyer auf dem 26. Bundesrealschultag des Bundesverbands Reale Bildung (BVRB) in Berlin (News4teachers berichtete).
Die Belastung an Schulen sei längst nicht mehr nur eine Folge einzelner Personalengpässe, sondern Ausdruck struktureller Probleme, erklärte Geyer. „Wer Qualität will, darf Überlastung nicht zum Dauerzustand machen. Und wer Nachwuchs gewinnen will, darf die Kolleginnen und Kollegen nicht weiter an die Grenze bringen.“
Nach Darstellung des dbb geraten Schulen zunehmend unter Druck, weil zusätzliche Aufgaben nicht mit ausreichenden Ressourcen verbunden seien. Lehrkräfte müssten neben Unterricht und Leistungsbewertung immer mehr Bereiche abdecken – etwa Inklusion, Sprachförderung, Digitalisierung, Ganztagsangebote oder Verwaltungsaufgaben. Gleichzeitig bleibt der Lehrkräftemangel in vielen Regionen hoch.
„Klar ist: Wir brauchen mehr Personal. Der Lehrkräftemangel ist aber längst nicht mehr nur ein Problem der Personalplanung“, sagte Geyer. „Deshalb sind bessere Arbeitsbedingungen notwendig. Wir brauchen echte Entlastung. Und wir brauchen eine Politik, die endlich begreift, dass gute Bildung nicht zum Nulltarif zu haben ist.“
„Unsere Kolleginnen und Kollegen an den Schulen halten den Unterricht mit großem Engagement und hoher Motivation am Laufen, oft unter Bedingungen, die ihrem Einsatz nicht gerecht werden“
Auch Andreas Hemsing, Zweiter Vorsitzender und Fachvorstand Tarifpolitik des dbb, stellte die Arbeitsbedingungen in den Mittelpunkt. Auf dem Berufsbildungskongress des Bundesverbands der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB) erklärte er: „Eine gute Ausstattung von Schulen ist wichtig, Ausstattung allein macht aber noch keine gute Bildung. Entscheidend sind die Kolleginnen und Kollegen, die daraus guten Unterricht machen.“
Wer Lehrkräfte für den Beruf gewinnen und dort halten wolle, müsse deshalb verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Hemsing nannte faire Bezahlung, verlässliche Perspektiven, Zeit für Qualifizierung und gute Arbeitsbedingungen.
Besonders deutlich wurde er mit Blick auf die Belastungssituation an Schulen: „Unsere Kolleginnen und Kollegen an den Schulen halten den Unterricht mit großem Engagement und hoher Motivation am Laufen, oft unter Bedingungen, die ihrem Einsatz nicht gerecht werden. Das darf nicht zur Normalität werden.“ Berufliche Schulen und Realschulen dürften „nicht davon leben, dass die Kolleginnen und Kollegen dauerhaft über ihre Grenzen gehen“.
Die beiden dbb-Vertreter hoben dabei insbesondere die Bedeutung von Realschulen und beruflichen Schulen für die Fachkräftesicherung hervor. „Es geht nicht darum, Bildungswege gleichzumachen. Es geht darum, sie gleich ernst zu nehmen“, sagte Geyer. Akademisch ausgebildete und beruflich qualifizierte Fachkräfte würden gleichermaßen gebraucht. Hemsing erklärte: „Wer es mit Fachkräftesicherung ernst meint, muss deshalb auch die Schulen stärken, die Orientierung geben, Praxisbezug sichern und verlässliche Anschlüsse ermöglichen.“
Parallel dazu hat das Statistische Bundesamt neue Daten zur Struktur des öffentlichen Dienstes veröffentlicht. Demnach arbeiteten zum 30. Juni 2024 insgesamt 696.000 Beamtinnen und Beamte an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen. Kein anderer Aufgabenbereich innerhalb der knapp zwei Millionen umfassenden Gruppe von Beamtinnen und Beamten, Richterinnen und Richtern sowie Soldatinnen und Soldaten ist größer. Den Angaben zufolge arbeiteten zum Stichtag rund 52.000 mehr Beamtinnen und Beamte an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen als zehn Jahre zuvor.
„Wer in einer solchen Lage den Beamtenstatus für Lehrkräfte infrage stellt, sendet ein fatales Signal an die Kolleginnen und Kollegen“
Das entsprach – andersherum – 74,1 Prozent aller Beschäftigten im Schuldienst der Länder. Besonders hoch war der Anteil verbeamteter Lehrkräfte nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Baden-Württemberg mit 92,4 Prozent, im Saarland mit 88,7 Prozent und in Niedersachsen mit 85,2 Prozent. Deutlich niedriger lag er dagegen in Berlin mit 28,2 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern mit 30,4 Prozent und in Sachsen mit 33,4 Prozent.
Verbandschef Geyer kritisierte mit Blick auf aktuelle Diskussionen „zunehmende Attacken gegen das Berufsbeamtentum“ und warnte vor den Folgen von Forderungen, Lehrkräfte nicht länger zu verbeamten. „Die Lehrkräfte an unseren Schulen stehen unter Druck. Wer in einer solchen Lage den Beamtenstatus für Lehrkräfte infrage stellt, sendet ein fatales Signal an die Kolleginnen und Kollegen“, sagte er.
Für den dbb sei der Beamtenstatus „ein unverzichtbarer Pfeiler eines verlässlichen Schulsystems“. Geyer verwies dabei unter anderem auf die Verlässlichkeit des Unterrichtsbetriebs. „Schulen sind ein streikfreier Raum, das sichert Verlässlichkeit.“ Zudem bedeute der Beamtenstatus Verfassungstreue und sei „ein Bollwerk gegen Extremismus“. News4teachers









Sind die Zahlen aus Berlin noch aktuell? Neulich lasen wir doch, dass jetzt wieder die Mehrheit verbeamtet ist.
Dass nur verbeamtete Lehrer gute Lehrer sind diskreditiert und diffamiert alle anderen Lehrer. Das sollte der Beamtenbund endlich mal bedenken.
Es sind die angestellten Lehrer, die streiken dürfen. In Berlin streikten sie ein dutzend Mal für bessere Arbeitsbedingungen. Was tun der Beamtenbund und die Beamten?
Sie freuen sich, denn nur verbeamtete Lehrer und Lehrerinnen sind gute Lehrer und Lehrerinnen.
Dass nur verbeamtete Lehrer gute Lehrer sind diskreditiert und diffamiert alle anderen Lehrer. Das sollte der Beamtenbund endlich mal bedenken.
Da haben Sie selbstverständlich recht, mit dieser Kritik! 🙂
Eine andere Frage lautet allerdings auch:
Was tut der Beamtenbund eigentlich gegen das inzwischen reichlich ausufernde Beamtenbashing in der breiten Öffentlichkeit? Dort werden ja nicht nur Lehrkräfte, sondern auch alle unteren A- Besoldungsgruppen wie Feuerwehr, in Finanzämtern, Justizvollzugsanstalten, in der allgemeinen Verwaltungsarbeit von Gemeinden, Städten, etc. … niedergemacht. 🙁
Auch da sehe ich deutlich einen starken Handlungsbedarf des Beamtenbundes.
So lange die 71% – Marke steht, soll mich bashen, wer mag. Sack Reis!
Die „neue deutsche (asoziale) Einstellung“ :
Wenn jeder nur an sich denkt, ist auch an alle gedacht! 🙁
Bravo! Weiter so!
Arschlöcher gibt’s halt überall. Sack Reis!
Und wenn man die bäuchlings eingräbt, sind das die üblichen Felgenkiller.
Ja und? Warum sollten mich andere interessieren? Ich bin nur für mich selbst und meine Familie verantwortlich. Der Rest ist seines Glückes Schmied.
Und warum sollte er an andere denken? Ich bin nur für mich selbst und für meine Familie verantwortlich. Alle anderen sind mir da herzlich egal.
Sie vergessen einen merkwürdigen Effekt:
Bei Polizisten, Finanzbeamten usw. „““versteht“““ (in Anführungszeichen, weil es kein Verstehen sondern ein Hierarchiereflex ist) jeder sofort, WARUM die Beamte sein müssen: Weil der Staat hier zur Existenzsicherung volle Kontrolle haben muss.
Bei Lehrkräften dagegen – da meint halt jeder Hinz und Kunz, mitreden zu können…weil Lehrer ein mittlerweile kastrierter, machtloser Beruf sind.
Jeder versteht: „Auch wenn ich es hasse einen Strafzettel gegen mich durchgesetzt zu haben – das muss so sein, sonst geht irgendwann garnix mehr.“
Machen Sie mal das gleiche Beispiel mit Mathematik auf: „Das Erlernen von Mathematik muss auch gegen meine Gefühle gegen mich durchgesetzt werden, weil sonst…“
„Wer Qualität will, darf Überlastung nicht zum Dauerzustand machen. Und wer Nachwuchs gewinnen will, darf die Kolleginnen und Kollegen nicht weiter an die Grenze bringen.“
Wenn es um andere und deren Stress und psychische Belastung geht, höre ich ein GANZ anderes Lied.
Haben wir vielleicht eine schlechte „Passung“ zwischen Lehrkräften und Berufung?
Was unterscheidet die von Quereinsteiger*innen und Schüler*innen?
Müssten die üblichen Verdächtigen jetzt nicht über Schneeflocken ablästern, „Faulheit“ verantwortlich machen, Work-Life-Balance infragestellen und an die „Eigenverantwortung“ appelieren?
Im Ernst: Was soll den dbb-Mitgliedern konkret angedroht werden, was den „faulen“ Eltern gewünscht wird?
Wohin sollen die Lehrkräfte nach unten aussortiert werden?
Ich stimme den Beschreibungen voll zu, aber ich kann die hanebüchene Heuchelei kaum ermessen, welche die Forist*innen bei so einem Thema ausschütten werden -__-