Mogelpackung Inklusion? Gutachten deckt auf, warum es immer mehr Kinder mit dem Stempel „förderbedürftig“ gibt

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DÜSSELDORF. Ist die Inklusion eine Mogelpackung? Seit Jahren steigt in Deutschland die Zahl der Kinder mit offiziell festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf, ohne dass deshalb nennenswert weniger Schülerinnen und Schüler an Förderschulen unterrichtet würden. Das NRW-Schulministerium wollte wissen, was dahintersteckt und gab ein Gutachten in Auftrag. Das kommt zu erschreckenden Ergebnissen. Demnach bekommen offenbar immer mehr Kinder den Stempel „sonderpädagogisch förderbedürftig“, weil Schulen sich davon mehr Unterstützung erhoffen. Der VBE zeigt sich entsetzt – und fordert Konsequenzen.

Viele Kinder bekommen offenbar das Etikett „sonderpädagogisch förderbedürftig“, obwohl sie es gar nicht sind. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Die Ausgangslage: „In NRW besuchten im Schuljahr 2021/2022 insgesamt 155.169 Schülerinnen und Schüler mit einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung eine allgemeine Schule oder eine Förderschule. Diese Gruppe ist seit 2011 um fast 27.500 Kinder und Jugendliche gewachsen. Der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung ist von 4,7 % auf 6,4 % angestiegen. Die Quote liegt damit so hoch wie nie zuvor und reiht sich in die bundesweite Tendenz ein“

Grundlage für die Entscheidung über einen Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung ist ein Feststellungsverfahren – ein sogenanntes AO-SF-Verfahren („Ausbildungsordnung sonderpädagogische Förderung“)  –, in dessen Zentrum ein Gutachten steht, in dem „Art und Umfang der notwendigen Förderung unter Berücksichtigung der individuellen Situation der Schülerin oder des Schülers“ dargestellt werden sollen. Diese Stellungnahmen „nehmen derzeit viel Zeit in Anspruch und binden die Arbeitszeit der Lehrkräfte für sonderpädagogische Förderung in der Grundschule in zu hohem Maße“, so stellt die Untersuchung, an der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaflter von fünf Hochschulen beteiligt waren, nun fest.

„In NRW besteht in allgemeinen Schulen nach wie vor ein Ressourcen-Etikettierungs-Dilemma, d. h. sonderpädagogische Unterstützung ist vielerorts noch an einen formalen Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung gekoppelt“

Schlimmer: Die Gutachten leisten in vielen Fällen offenbar nicht das, was sie leisten sollen. „So zeigt sich immer wieder, dass die AO-SF-Verfahren eine problematische Differenzsetzung zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Bildungssystem aufrechterhalten bzw. legitimieren. Dies wirkt sich sowohl auf die Arbeit der Lehrkräfte in der Schule als auch auf die Schülerinnen und Schüler und ihre Bildungschancen problematisch aus.“ Deren Biografien würden belastet. Er herrsche eine milieuspezifische Segregation und Bildungsungleichheit. Entwicklungspotenziale blieben unerkannt.

Die Autorinnen und Autoren zitieren aus einer früheren Studie, wonach „Lehrkräfte die AO-SF-Verfahren nicht in erster Linie vorantreiben, um Schülerinnen und Schüler zu einer besseren Förderung zu verhelfen, sondern diese nutzen, um sich z. B. von Verantwortung zu entlasten, Handlungskontrolle wiederzuerlangen oder um (sonder-)pädagogische Ressourcen zu generieren.“

Diesen Befund bestätigen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun. Als Ursachen der steigenden Quoten der AO-SF-Verfahren machen sie vor allem „systemische Problemlagen als zentrale Ursachen“ aus: nämlich „Bedarf nach Entlastung in allgemeinen Schulen“, „prekäre Ressourcensituation im Regelsystem und Gemeinsamen Lernen, „Homogenitätsdruck/geringe Flexibilität im Regelsystem“. Schlussfolgerung: Die aktuelle Konzeption der Feststellungsverfahren im Schul- und Bildungssystem sei Teil der zahlreichen aktuellen Problemlagen – und nicht deren Lösung ist. „Insbesondere vor dem Hintergrund der erheblichen Ressourcen, die für die Erstellung der Gutachten nötig sind, ist ein dringender Handlungsbedarf zu sehen.“

Auch der Blick in die Gutachten selbst – 80 solcher AO-SF-Verfahren aus allen Bezirksregierungen haben die Forscherinnen und Forscher analysiert – macht deutlich, wie problematisch die darin enthaltenen Beurteilungen sind. Festgestellt wird, „dass die involvierten Akteurinnen und Akteure im Schulsystem und die begutachtenden Lehrkräfte zwar bestrebt sind, im Rahmen ihrer Möglichkeiten zugunsten des Kindes zu handeln. Ihre Perspektive wird jedoch durch die vorgegebene Struktur der Gutachten und des Verfahrens nahezu ausschließlich auf die Feststellung von Problemlagen und Unterstützungsbedarfen mit Blick auf das jeweilige Kind gelenkt. Gründe für diese vergeblichen Förderversuche werden dann meist einseitig in der Schülerin bzw. dem Schüler selbst zu verorten versucht. Dabei wird nicht mit erhoben, inwieweit auch strukturelle Problemlagen vorliegen, etwa durch einen Mangel an Ressourcen, fehlende Professionalisierungsmöglichkeiten oder Ungenauigkeiten der eingesetzten Testverfahren. Es findet in kaum einem der für diesen Analyseschritt ausgewerteten Gutachten eine kritische Einordnung der Gutachtenpraxis.“

Standardisierung? Fehlanzeige. „Die Gesamtdauer der Verfahren in und zwischen den fünf Regierungsbezirken zeigt in unterschiedlichem Maße erhebliche Zeitdauerdifferenzen an. Im Durchschnitt dauerten die Verfahren in Detmold 138 Tage, in Arnsberg 222, in Düsseldorf 158, in Köln 114 und in Münster 164 Tage. Noch deutlicher werden die Zeitunterschiede der Verfahrensdauern innerhalb der Regierungsbezirke. Das kürzeste Verfahren dauerte in Detmold 35 Tage, das längste 211 Tage.“

So stellen die Autorinnen und Autoren der Studie fest: „Die derzeitigen Definitionen der einzelnen Schwerpunkte sind zu vage, zu wenig am aktuellen wissenschaftlichen Verständnis orientiert und lassen zu viel Interpretationsspielraum zu. Zudem sind sie hinsichtlich der erforderlichen Kriterien für eine Entscheidung über den Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung unklar formuliert. Hier müssen für die einzelnen Schwerpunkte möglichst präzise und prüfbare Definitionen formuliert werden.“

Weiteres Problem: „In NRW besteht in allgemeinen Schulen nach wie vor ein Ressourcen-Etikettierungs-Dilemma, d. h. sonderpädagogische Unterstützung ist vielerorts noch an einen formalen Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung gekoppelt.“

Empfehlung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: „Präventive Methoden (hier vor allem schon vorschulisch dringend aufzubauende alltagsintegrierte Sprachförderung für alle Kinder, eine frühe Förderung schulischer Basisfertigkeiten sowie eine systematische Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen aller Schülerinnen und Schüler) müssen umfangreich ausgebaut werden, um erhöhten Interventions- und Behandlungskosten, die im Zuge einer sonderpädagogischen Unterstützung aufkommen, kurz-, mittel- und langfristig vorzubeugen. Kinder müssen bereits elementarpädagogisch in den unterschiedlichen Lern- und Entwicklungsbereichen ausreichend individualisierte Unterstützung in sozialer Eingebundenheit erfahren, um im frühen Primarstufenalter nicht in dem Maße sonderpädagogische Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch nehmen zu müssen, wie es derzeit nötig ist, um verpasste Präventionsmaßnahmen aufzufangen.“

Fazit: „In der aktuellen Feststellungspraxis sind viele der eingeleiteten Verfahren auch ein Ausdruck hoher Belastung bzw. eines Bedarfs an Entlastung in allgemeinen Schulen. Die Analysen zur systemischen Gesamtbetrachtung zeigen deutlich, dass die Akquise von Ressourcen durch die Feststellungsverfahren ein zentrales Motiv für die Beantragung sein könnte und gleichzeitig ein zentrales systemisches Problem darstellt.“

„Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem es zu viele Verliererinnen und Verlierer gibt: An erster Stelle die Schülerinnen und Schüler, die nicht rechtzeitig ausreichend gefördert werden können, da hierfür die Personen fehlen“

Der VBE zeigt sich entsetzt – und fordert Konsequenzen. Vorsitzende Anne Deimel betont: „Jede Seite dieses Gutachtens zeigt auf, dass alle Beteiligten – die Schulen, die Eltern und die Schülerinnen und Schüler – über viel zu viele Jahre allein gelassen wurden. Keiner der zuständigen Landesregierungen ist es gelungen, eine tragende Strategie zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention aufzustellen.“

Weiter erklärt sie: „Alle Beteiligten wünschen sich beispielsweise mehr Zeit für Prävention, in der Kinder und Jugendliche durch gezielte individuelle Förderung in ihren Lern- und Leistungsentwicklungen unterstützt werden können. Hierfür fehlen in den allgemeinen Schulen aber schlichtweg die notwendigen Ressourcen. Einzelne Lehrkräfte arbeiten alleine in zu großen Klassen, es fehlen zur Unterstützung insbesondere Lehrkräfte mit sonderpädagogischer Expertise. Hinzu kommen fehlende Räumlichkeiten und in den Schulen fehlendende evidenzbasierte Materialien für die notwendige Diagnostik und Förderung.“

Die politisch Verantwortlichen hätten inklusives Lernen zwar gewollt. Sie hätten es aber versäumt, den Schulen die nötigen Unterstützungsmaßnahmen und Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Deimel: „Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem es zu viele Verliererinnen und Verlierer gibt: An erster Stelle die Schülerinnen und Schüler, die nicht rechtzeitig ausreichend gefördert werden können, da hierfür die Personen fehlen.“ News4teachers

Hier geht es zum vollständigen Gutachten.

„Etikettierungsschwemme“ bei der Inklusion: Warum es in Deutschland immer mehr Schüler mit der Diagnose „Förderbedarf“ gibt

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JoS
1 Monat zuvor

Was für eine unangebrachte und reißerische Überschrift. Niemand bindet sich ein Überprüfungsverfahren ans Bein, wenn es nicht unbedingt notwendig ist, zumal es in der Regel keinerlei spürbare Entlastung durch Inklusionskräfte gibt.
Früher hat man in der Tat die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Regelschulen eher alleine gelassen und mit den vorhandenen Ressourcen irgendwie mitgeschleift, anstatt eine Diagnose zu stellen. Da war ein Kind eben „verhaltensauffällig“ oder „anstrengend“ und wurde sanktioniert bzw. von Schule zu Schule weitergereicht. Es gibt auch noch andere Faktoren, die ihren Beitrag zum Anstieg von Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf beigetragen haben, die ich hier nicht ausführen möchte, weil es definitiv missverstanden würde.

RainerZufall
1 Monat zuvor
Antwortet  JoS

Das widerspricht meinenüberschaubaren Erfahrungen stark! Wir hatten z.T. die direkt für drei ihrer Kinder die Überprüfung beantragte, im Nachhinein wohl ohne sich weitreichendere Gedanken um die Schulbiografien dieser Kinder zu machen …

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  RainerZufall

Da fehlt leider das entscheidende Wort, Lehrkräfte oder Eltern? Als Lehrkraft kann ich zumindest an meiner Schule (NDS) gar nicht einfach so eine Überprüfung beantragen. Vor dem aufwendigen offiziellen Gutachten kommt eine Förderschullehrkraft, schaut sich das Kind erst einmal an und macht ggf. einfache Tests.
Und was meinen Sie mit negativen Auswirkungen auf die Schulbiografien? Mit LE bekommt das Kind zumindest relativ sicher nach Jg. 9 einen Förderschul-Abschluss, der Weg zum HS10/MSA etc. steht danach bei entsprechenden Leistungen genauso offen wie für alle anderen Schüler*innen.

RainerZufall
1 Monat zuvor
Antwortet  JoS

Wie beschrieben beziehe ich mich hier ja ausschließlich auf meine Erfahrungen.
Da wurde eine Kooperation mit Sonderpädagog:innen oft beantragt, noch bevor das Kind die Klassen wiederholen musste. Für verbesserte Rahmenbedingungen, geschweige Förderung in den Schulen hatten die Schulen keine Kapazitäten.

Was die Begutachtung/ Findung eines besseren Beschulungsortes betrifft, sind die Grenzen in einem Brennpunkt doch sehr fließend. Nicht selten steht das seelische Wohl des Kindes im Vordergrund, welches an der Regelschule meist nicht berücksichtigt werden kann…

Ein Freund blieb am Gymnasium zweimal pappen, da wurde nicht lange über einen Schulwechsel fabuliert, aber ich vermute, es gibt keinen Platz mehr fürs Scheitern…

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  RainerZufall

Eine Wiederholung muss man nicht als Scheitern sehen, Kapazitäten für andere Förderung gibt es gar nicht in der Stundentafel. Schulen können dann gar keine Förderung anbieten, es sei denn, sie tricksen (GS,NDS).

Eine Wiederholung muss aber aussichtsreich sein. Das Wiederholen in Klasse 1 kann in NDS nur als freiwilliges Zurücktreten erfolgen.
Am Ende der 2. Klasse gibt es die erste Versetzung und die Lehrkräfte haben das Kind schon 2 Jahre beschult und kennen es recht gut.
Bis dahin sieht man die Lernerfolge und -fortschritte, in welchem Tempo es voran geht oder ob es eher Sprünge sind.

Offiziell darf man zwar differenzieren, aber nicht zieldifferent unterrichten. Wenn aber ein Kind gar nicht wie die anderen lernen kann, dann bringt der zielgleiche Unterricht schon nach kurzer Zeit nichts mehr. Also differenziert man stärker, um dem Kind lernen zu ermöglichen. Über 2 Jahre sieht man dann aber auch deutlich, ob das Kind aufholen kann und ob eine Wiederholung sinnvoll ist. Wenn das Kind eine Beeinträchtigung hat, warum muss es dann auf Zwang wiederholen, um auch dann nicht Schritt halten zu können?
Und wenn die Beeinträchtigung über 2 Jahre (schon nach wenigen Wochen) so deutlich ist, warum muss man dann bis zum 2. oder 3. Jahr mit einer Begutachtung warten?

Über die 2 Jahre ist es sinnvoll, sonderpädagogische Begleitung zu haben, die bei uns eher in einer Beratung besteht. Noch besser wäre es, sehr frühzeitig Stützkurse einrichten zu können, damit Kinder von Beginn an zielgerichtete Förderung erhalten und sich dann wieder im Regelunterricht einbringen können. Der Förderunterricht sollte dann unter eben dieser Maßgabe erfolgen, also dem Aufholen. Ist dies nicht möglich, müsste eine zieldifferente Beschulung die Folge sein, die aber ebenso Förderung bedingt. Und sowohl für Stützkurse wie auch für zieldifferente Förderung müssen Ressourcen im System stehen, die mehr sind als ein sporadischer Besuch und mehr als Beratung, sondern Stunden in der Stundentafel, Stunden am Kind, Stunden, die nicht als Vertretungsreserve verpuffen.

Man versagt den Kindern die frühzeitige Förderung in Stützkursen oder Förderunterricht, die Begleitung im Unterricht durch Teamteaching, die sonderpädagogische Begleitung und Förderung, und meint, die ersten 1-3 Schuljahre regeln sich von allein.

Das tut es nicht und gerade die ersten Jahre sind immens wichtig. Wer über 1-3 Jahre Misserfolge erlebt, muss dann erst mühsam zum Lernen finden.

Weil sie das verhindern wollen und täglich mit diesen Kindern in ihren Klassen leben und lernen, versuchen Grundschullehrkräfte dies zu verhindern. Sie können nämlich die Hilfe, die diese Kinder benötigen, nicht einfach für 3 Jahre vom Schreibtisch wischen und das Kind sich selbst überlassen und keinen Gedanken mehr darauf verwenden, wie Inklusion für 6-8jährige mit und ohne Beeinträchtigung gelingt, oder sich dem Anschein hingeben, Inklusion wäre, die Kinder mit in die Klasse zu setzen und das genüge als Anstrengung.
Grundschullehrkräfte übernehmen also die Inklusion allein und ohne Unterstützung.

Der Vorwurf, man wolle sich Unterstützung erschleichen und würde mehr Kinder als nötig melden, steht von Anbeginn immer wieder im Raum. Leider gibt es keine Hinweise, wie ein inklusiver Unterricht ohne weitere Ressourcen gelingen kann, außer dass die Grundschullehrkräfte die immense zusätzliche Belastung stemmen. Alternativ kann man sich mit einer Betrauung der Kinder begnügen und die Kinder im Lernen sich selbst überlassen.
Ebenso darf Inklusion nicht davon abhängig sein, dass Fördervereine mit Mitteln einspringen. Dass Ehrenamtliche die Aufgabe der Förderung übernehmen, ist oft der ergriffene Strohhalm, gleichzeitig aber ein Ausdruck eines völlig unzureichend aufgestellten Systems. Wie sähe es in anderen Branchen aus, wenn Ehrenamtliche die Aufgaben übernehmen, die gerade eine hohe Spezialisierung erfordern?

Manchmal möchte ich einen Unterrichtsgang in die Amtsstuben machen, um dort mal zu zeigen, wem diejenigen, die in ihren Büros sitzen, die Hilfe versagen und dass diese Kinder jahrelang zusätzlich zur ohnehin vorhandenen Beeinträchtigung benachteiligt werden.

Tritra
1 Monat zuvor
Antwortet  JoS

In der Theorie stimme ich Ihnen zu. Denn da haben alle Kinder die gleichen Chancen. In der Praxis sieht es leider ganz anders aus und Kinder haben nach dem Förderschul Abschluss nicht die gleichen Möglichkeiten. Natürlich werden die Kinder nicht abgelehnt, weil sie eine FÖS besucht haben, sondern weil die Klassen voll sind, das Kind aus dem Falschen Bezirk kommt etc.

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  Tritra

An der IGS geht’s einfach nahtlos weiter, da wird niemand abgelehnt. Und ja, in Ballungsräumen sind Schulplätze tatsächlich rar.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  RainerZufall

? In SH nehmen Förderschulys, wenn sie sich gut machen, am ESA teil, den sie in der Regel bestehen, weil sie sich so gut gemacht haben. Damit verlieren sie den Förderstatus.
Die Biographie ist damit „sauber“. Also kein Problem.

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

So ist es auch in NDS. Alles andere würde ja auch keinen Sinn ergeben.

RainerZufall
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Das freut mich sehr, wenn es bei Ihnen gut funktioniert.
Bei uns ist die „gute“ Inklusionsschule übervoll, die übrigen tuen sich schwer, Sonderpädagog:innen fehlen vorne und hinten – die Förderschulen sollen ja bestehen bleiben…

Wie viele Schüler:innen am Ende zu ihrem Abschluss und einer Ausbildung finden, bekommen wir leider sehr selten mit. Die Statistik sieht noch viel Luft nach oben.

RainerZufall
1 Monat zuvor

Also alles wie immer

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  RainerZufall

Um mal zurück zur Studie zu kommen:

Das Land NRW gibt ein Gutachten in Auftrag. Ziel soll sein, zu ergründen, warum es mehr Verfahren gibt. Als Ausgangslage wird aber auch gleich benannt, dass der Lehrkräftemangel eine Herausforderung ist. Hoffentlich arbeitet das Land auch am Lehrkräftemangel, attraktiven Arbeitsbedingungen und einer Arbeitszeiterhebung, um die bestehenden Lehrkräfte zu schützen und ihnen die notwendige Fürsorge und den Gesundheitsschutz zu gewähren.

Was aber noch verblüffender ist: Schon im Auftrag des Landes wird ein angebliches Ressourcen-Etikettierungs-Dilemma vorgegeben. Dies taucht dann auch in den Begründungen der Wissenschaftler:innen immer wieder auf und wird gar nicht in Frage gestellt.

Gleichzeitig fordern die Wissenschaftler:innen aber, dass Lehrkräfte beim Erstellen der Gutachten das Verfahren selbst kritisieren sollen und dass Angaben fehlen würden. Das Land gibt die Vorgaben für Inhalt und Format der Gutachten, die am Ende rechtskräftig sein müssen und nicht von den Lehrkräften selbst, sondern von einer übergeordneten Stelle beschieden werden. Da hätte man als Fazit ja ziehen können, dass das Land die Vorgaben schärfen müsse.

Der Auftrag führt in der Methode u.a. zu Interviews mit Expert:innen. Für die Verfahren sind nun aber nicht die Lehrkräfte, die täglich im Unterricht stehen und die Gutachten erstellen, die Expert:innen, sondern Wissenschaftler:innen der Erziehungswissenschaften.

Warum hat man denn die Lehrkräfte nicht befragt hinsichtlich ihrer Einschätzung der Verfahren, hinsichtlich des Aufwandes und des Nutzens und hinsichtlich der Kritik, die den Wissenschaftler:innen in den Gutachten fehlten? Die Lehrkräfte hätten, wie hier die Forist:innen, leicht begründen können, warum 95% der Gutachten positiv beschieden werden: der Aufwand ist so immens und der Nutzen so gering, dass man nur dann, wenn man ganz sicher, ist, das Verfahren eröffnet. Die Gutachten zeigen nur die absolute Spitze des Eisbergs und diese wird von unten nach oben getrieben. Unter der Oberfläche finden sich noch ganz andere Bedarfe, die aber niemand erhebt.

Die Wissenschaftler:innen kommen unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Schulen nicht gut ausgestattet sind. Eine kritische Betrachtung der Aufgaben der Lehrkräfte in den Schulen findet jedoch gar nicht statt, lieber führt man erneut das vom Land vorgegebene Dilemma an.
Zudem meinen die Wissenschaftler:innen, dass mehr Sonderpädagog:innen zu mehr Gutachten führen, was zu dem Anstieg der Gutachten gar nicht passt, da ja Lehrkräftemangel herrscht. Welche Konsequenz soll das Land daraus ziehen? Den Lehrkräftemangel verschärfen oder das Stellen von Gutachten unterbinden? Wo keine Gutachten sind, bestehen auch keine Beeinträchtigungen? (Darauf wird es hinauslaufen!)

Im Fazit wird dann vorgeschlagen, dass Expert:innen die Schulen beraten sollen, wie sie mit den unzureichenden Ressourcen besser zurechtkommen. Wer sollen diese Expert.innen sein? Wer hat im inklusiven Setting mit mangelnden Ressourcen unterrichtet und gefördert und kann entsprechende Erfahrungen vorweisen, dass er oder sie Schulen beraten könnte?

Dazu sollen Schulen dann die Barrieren abbauen und flexible Förderangebote schaffen und Beurteilungen flexibel handhaben. Die Aufgabe wird also den Schulen, sprich den Lehrkräften, aufgetischt: Wir enthalten die Ressourcen weiterhin vor, seht zu, wie ihr damit unterrichtet, benennt alles flexibel, dann fällt das gar nicht weiter auf. Am Ende seid ohnehin ihr Lehrkräfte schuld, das geben wir als Land dann schon vor, indem wir euch ein Dilemma zuschreiben.

Als Beispiel werden Hamburg und Bremen genannt, weil dort die Anzahl der positiven Gutachten zurück gegangen oder gleich geblieben sind.
Es geht also gar nicht um eine bestmögliche Förderung im Rahmen der Inklusion, sondern darum, die Ressourcen weiter einzuschränken. Da trifft es sich gut, wenn man behauptet, Lehrkräften falsch etikettieren, so kann man dann begründen, warum die Ressourcen zu hoch seien. Jedoch wurde dies gar nicht überprüft. Es wurden keine Kinder begutachtet. Es wurde auch nicht erhoben, ob die Ressourcen in den Schulen tatsächlich zur Verfügung standen oder ob Lehrkräftemangel dazu führt, dass Förderstunden ausfallen oder Lehrkräfte vielfach belastet sind, sodass sie den täglichen Spagat nicht leisten können. Immerhin führen die Wissenschaftler:innen irgendwo mittendrin an, dass die Folge kein Vermindern der Ressourcen sein sollte. Im Folgenden wird aber das Doppelsystem Regelschule/FöS angesprochen und von einem Verschieben der Stunden von der FöS ins Regelsystem gesprochen. Das gibt es in NDS längst, es hat aber nicht dazu geführt, dass die Gutachen sinken.

Ebenso wird nicht berücksichtigt, ob die bestehenden und die neuen Vorgaben mit der Arbeitszeit der Lehrkräfte überhaupt bewältigt werden können oder an welcher Stelle Entlastung in ein völlig überlastetes System gegeben werden kann.

Die Studie wurde unter der Vorgabe des Etiketten-Schwindels in Auftrag gegeben, heraus kommt, dass man etwas sucht, mit dem man die Ressourcen weiter zusammenstreichen kann. Worst Practice!

dickebank
1 Monat zuvor

Liegt das vielleicht an den vielen nicht abgeschlossenen AO-SF-Verfahren?

Häufig wird ein AO-SF-Verfahren von der GS im dritten Schuljahr beantragt für Kinder, die die zweijährige Schuleingangsphase schon drei Jahre lang besucht haben. Die meisten dieser AO-SF-Verfahren werden dann nicht mehr während der GS-Zeit abgeschlossen. Da in NRW die Grundschulakten nicht an die weiterführend Schulen weiter gegeben werden dürfen, wissen die aufnehmenden Schulen nichts über die noch nicht abgeschlossenen Verfahren. Selbst wenn die Eltern der betroffenen Kinder im Aufnahmegespräch darauf hinweisen würden, dürfen die Akten nicht weitergegeben werden. Durch den Schulwechsel werden die laufenden Verfahren geschlossen. Die weiterführende Schule muss dann ein neues Verfahren im Regelfall im sechsten Jahrgang einleiten und nach Möglichkeit innerhalb des laufenden Schuljahres abschließen. Nach Ansicht der Schulaufsicht wäre es im siebten Jahrgang zu spät für eine Förderung; ein Antrag im fünften Jahrgang wäre selbstverständlich zu früh, das Kind muss sich ja erst einmal eingewöhnen.

Wird ein Verfahren erst einmal eingeleitet, müssen die Eltern lediglich einen Schulwechsel vornehmen und das AO-SF-Verfahren ist erst einmal beendet. Es muss dann von der neuen Schule ggf. neu eingeleitet werden, wobei die erfolgsaussichten eher gering sind, da das Kind dann ja bereits in einem höheren Jahrgang ist.

Die Mühlen der Schulbürokratie halt, was willste machen.

Btw lediglich (amtlich) festgestellter Förderbedarf führt bei der Klassenbildung (Neubildung im fünften Jahrgang) zur Anrechnung und somit zu einer geringeren Schülerzahl in der neuen Klasse. Bei späterer Feststellung des Förderbedarfes hat es keinerlei Auswirkungen aug Klassen- und Kursgrößen. Letzteres ist dann für die Zusammensetzung von G-Kursen und WPI-Kursen wie Arbeitslehre oder Darstellen und Gestalten besonders spannend.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Dass die Verfahren erst in Klasse 3 begonnen werden, liegt ja daran, dass es zuvor gedeckelt wird.
Auch in NDS gibt es auch solche Vorgaben und verschleppte Verfahren und Hürden ohne Ende, dennoch steigen die Zahlen und das, obwohl die Ressourcen gar nicht erweitert werden, da es lediglich eine winzige Grundversorgung je Klasse, nicht je Kind, gibt.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Hier kommt es immer sehr stark auf den vermuteten Förderschwerpunkt an.
Handelt es sich um den Förderschwerpunkt Lernen, kann ein AOSF in der Regel erst im dritten Schulbesuchsjahr der Schuleingangsphase gestellt werden. D.h. das Kind ist in Klasse 2 und es ist fraglich, ob das Kind ins dritte Schuljahr versetzt werden kann. Hier wird dann ein AOSF beantragt, um zu schauen, ob ein Kind einen besonderen Förderbedarf im Bereich Lernen hat oder evt. auch in Bereich der geistigen Entwicklung.
Kann ein Verfahren nicht abschließend bis zum Schuljahresende beendet werden, geht das Kind ohne Versetzung in Klasse 3 über.
Bei einem Wechsel der Schule innerhalb derselben Stadt oder innerhalb des Kreises reist das AOSF automatisch mit. Auch überregional ist dies durchaus möglich.
Sollte allerdings ein Formfehler gemacht werden – und das kommt gar nicht so selten vor – und man versetzt das Kind, ist das AOSF automatisch beendet, da das Kind ja mit der Versetzung eine Bescheinigung erhält, dass es die Lernziele der Schuleingangsphase erreicht hat….

Im Bereich des Förderschwerpunktes Geistige Entwicklung kann ein AOSF auch schon vor Schulbeginn gemacht werden, in der Regel möchten dies die Eltern auch so, da das Kind derartige Einschränkungen hat, dass es am Regelunterricht nicht teilnehmen kann und zielgleich unterrichtet werden völlig unmöglich ist. Auch hier reist das AOSF automatisch bei Umzug mit. Da hier auch besonders viele AOSFs gestellt werden, dauern die Verfahren leider auch immer länger und manchmal leider auch über den Schulanfang hinaus. Zudem sind die Förderschulen völlig überlaufen, so dass Kinder, deren Eltern sich eine Förderschule gewünscht haben, in einer Schule des gemeinsamen Lernens landen, was manchmal völlig fatal ist (z.B. bei mehrfacher Schwerbehinderung mit pflegerischer Notwendigkeit).

Die AOSFs zum Hören/Kommunikaion, Sehen und Körper/Motorik und Sprache sind meist schnell über die Bühne gebracht, da es sich um offensichtliche (überwiegend ärztlich bestätigt) Beeinträchtigungen handelt und hier gibt es meist auch genug Plätze an einer Förderschule bzw. Ist eine Einzelintegration an einer Regelschule auch problemlos möglich.

Und gibt es noch ESE…..langes , schwieriges Feld und am schwierigsten eindeutig zu diagnostizieren. Ein AOSF in diesem Bereich kann als einziger Förderschwerpunkt jederzeit gestellt werden und kann auch unterjährig beendet werden. Auch hier reist das AOSF mit….

Die allermeisten AOSF werden also in der Schuleingangsphase gestellt oder vor Schulanfang. Es ist wirklich selten, dass beim Übertritt in die weiterführende Schule noch ein AOSF offen ist, denn dann hätte es ja mehr als 2,5 Jahre gedauert (und dann halte ich für völlig abwegig). Und da jedes Jahr der Förderbedarf neu bestätigt werden muss, wird auch die weiterführende Schule schon bei Anmeldung wissen, ob ein Kind mit Förderbedarf angemeldet wird.
Einzig bei ESE und auch bei Lernen kann es sicherlich sein, dass die GS noch kein Verfahren eingeleitet hat, aus welchem Grund auch immer und die weiterführende Schule sich dann dazu entschließt….

BFZ-Fachkräftin
1 Monat zuvor

In Hessen ist das anders. Da reicht die Diagnose Hören, Sehen, motorische Entwicklung alleine nicht mehr aus, um einen anerkannten Förderbedarf zu bekommen, sondern es muss zusätzlich noch einen zweiten Förderschwerpunkt (L, ESE, Sprache) geben. Das nennt sich „Doppelkriterium“ und hat aus Sicht von uns Fachleuten an der Basis allein den Sinn, dass es weniger festgestellte Förderbedarfe gibt. D.h. in Hessen bekommt ein Hörgeschädigtes Kind erst dann das Recht auf eine sonderpädagogische Förderung, wenn es so schlecht in der Schule ist, dass die Versetzung mindestens gefährdet ist. Eigentlich dürfen wir auch dann noch kein Gutachten erstellen, sondern erst, wenn die Wiederholung keinen Erfolg verspricht. Das ist so unpädagogisch und macht uns alle nur noch wütend. Ich habe im Studium gelernt, wie ich Kinder gut fördern kann. Warum darf ich das nicht tun?

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  BFZ-Fachkräftin

Was ist das denn für ein Kacksystem?
Wir haben auch gerade ein Hörgeschädigtes Kind in Einzelintegration. Wir haben vor Einschulung ein AOSF durchgeführt und als klar war, dass das Kind bei uns beschult werden soll (wir sind keine Schule des gemeinsamen Lernens) wurde dem Kind alles zur Verfügung gestellt (Kopfhörer, Mikrophone für alle anderen Kinder, einen speziellen Tisch), so dass das Kind nun gut versorgt dem Unterricht zielgleich verfolgen kann. Zusätzlich kommt eine SoPä für zwei Stunden in der Woche und berät auch die Klassenlehrerin….

Henriette
1 Monat zuvor
Antwortet  BFZ-Fachkräftin

Das erlebe ich in Hessen ganz genauso. Die Hürden für die Feststellung von Förderbedarf sind oft (zu) hoch, sodass selbst Kinder, die ein differenzierter Unterricht nicht erreicht, keinen Förderanspruch haben. Diese sind meist durch den Vorklassenbesuch schon älter, wiederholen eine Klasse und sitzen dann mit 11 oder 12 Jahren mit enormen Defiziten in der 4. Klasse. Mag sein, dass sie tatsächlich keinen „angeborenen“ Förderbedarf haben, aber einen erworbenen durch mangelnde elterliche Förderung bzw. Vernachlässigung allemal – was für das Jugendamt aber meist nicht gravierend genug ist, um unterstützende Maßnahmen einzuleiten. Vielleicht ist das ein Grund für die Zunahme an festgestellten Förderbedarfen in NRW? Und es fehlt „einfach nur“ ein zusätzlicher Förderbedarf, der nicht ursächlich kognitiv, sondern sozial bedingt ist? Für uns Lehrkräfte ist der Unterstützungsbedarf für diese Kinder am Ende gleich groß. (Natürlich sollte das nicht dazu führen, dass Kinder fehldiagnostiziert werden.)

Egvina
1 Monat zuvor
Antwortet  BFZ-Fachkräftin

Verstehe ich das richtig, dass einem tauben oder blinden Kind in Hessen kein Förderstatus zuerkannt wird?

Henriette
1 Monat zuvor
Antwortet  Egvina

Nur Kinder mit festgestelltem Förderstatus GE oder LER haben unmittelbar Anspruch auf sonderpädagogische Förderung. Sie werden nicht lernzielgleich unterrichtet und bekommen ein Förderzeugnis. Alle Kinder mit anderen Förderschwerpunkten (Sprache, Hören, Sehen, KME, ESE) werden nach der Zielsetzung der allgemeinen Schule unterrichtet, bekommen ein „normales“ Zeugnis und haben erst dann Anspruch auf sonderpädagogische Förderung, wenn die jeweilige Beeinträchtigungen sich so stark auf das schulische Lernen auswirken, dass sie ihr Leistungspotenzial nicht umsetzen können. Wie das in der Praxis dann aussieht und wie schwierig es ist, diese Förderung zu bekommen, weiß ich leider nicht.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Henriette

Aber wie und von wem lernen diese Kinder dann z. B. die Gebärdensprache, Lippenlesen und Blindenschrift?

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Eigentlich hatte ich gehofft, dass mir jemand hier die Frage beantworten kann, denn in diesem Bereich kenne ich mich überhaupt nicht aus und bisher wird beim Thema Inklusion fast gar nicht über diese Kinder gesprochen. gilt Inklusion nur für Kinder mit kognitiven Beeinträchtigungen und em-soz?

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Inklusion gilt für alle.
Im Rahmen des Gutachtens und des Bescheides werden Förder-Empfehlungen gegeben, in NDS bleibt die Wahl der Schule den Eltern vorbehalten.
Auch Kinder mit dem Unterstützungsbedarf Sehen oder Hören, körperlich-motorischen Einschränkungen und mit Geistiger Beeinträchtigung werden in den Regelschulen beschult. Oft werden dann räumliche und technische Möglichkeiten beantragt und möglichst auch geschaffen. Zudem gibt es I-Hilfen für die Eingliederungshilfe.

Kinder, die Blindenschrift oder Gebärdensprache lernen müssen, hatten wir bisher nicht.
Die Förderschulklassen sind rar, wenn diese gewählt werden, benötigt das Kind einen Taxi-Transfer oder einen Internats-Platz.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Danke für die Antwort! Es wäre aber schon auch noch interessant (ich glaube nicht nur für mich), wenn betroffene (Eltern, Kinder) oder auch Sonderschullehrer aus diesem Bereich hier mal schreiben würden, wie denn die Inklusion in der Praxis für sie aussieht.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

@Redaktion
Sehr geehrte Redaktion,
zu Recht wird Inklusion immer wieder hier bei n4t thematisiert. Als (ehemalige) Sonderschullehrerin verfolge ich dies seit längerer Zeit sehr interessiert. Allerdings scheinen mir die Artikel und Kommentare etwas einseitig, besonders auf Schüler mit kognitiven und em-soz Beeinträchtigungen, fokussiert zu sein. Andere Förderbedarfe werden kaum berücksichtigt. Läuft Inklusion in diesen Fällen ohne Probleme? Oder gilt dort etwas anderes? Sind z. B. Blindenschulen nicht aussondernd? Aber wo und wie sonst lernen blinde Schüler Mobilitätstraining und Blindenschrift?
Vielleicht könnten Sie auch dazu einmal Artikel oder Interviews veröffentlichen. Sie schrieben ja vor einiger Zeit, dass in Ihrer Redaktion eine blinde Journalistin arbeitet. Vielleicht könnte sie sich diesem Thema einmal widmen? Mir fallen da für den Anfang spontan folgende Themen ein:

  • ein Interview mit der VdK-Vorsitzenden Verena Bentele (selbst auch blind)
  • und vielleicht noch ein Bericht über die Blindenschule in Königs Wusterhausen (besteht seit ca. 70 Jahren, hat einen guten Ruf – allerdings auch ein Internat – also Exclusion pur). – oder eine andere Blindenschule in Ihrer Nähe
  • Interessant währen natürlich auch Berichte von Betroffenen (Schüler, Eltern, Lehrer)

Natürlich könnte man dann ähnliches zu anderen Förderbedarfen (Hörgeschädigte, „Autisten“, körperlich-motorisch Beeinträchtigte u. a. fortführen, um ein wirklich „rundes Bild“ zu den Herausforderungen der Inklusion zu bekommen.
Mit freundlichen Grüßen
potschemutschka

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

@Redaktion
Eigentlich hatte ich irgendeine Antwort auf diese „Idee“ von Ihnen erwartet. Wenn auch nur: „Wir haben keine Kapazitäten für solche Recherchen!“ oder „Diese Themen (Förderschwerpunkte) interessieren (außer potschemutschka) niemanden.“ …
Schade!

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Das Interesse an der Situation der seh- und hörbehinderten Schüler (Stichwort Inklusion) scheint hier bei n4t tatsächlich sehr gering zu sein. Deshalb verstehe ich „das Schweigen“ der Redaktion zu meinen Fragen.
Nur eines verstehe ich dabei nicht:
Es gibt in der BRD ca. 300.000 sehbehinderte Menschen, und ebenso viele hörbehinderte. Ca. 250.000 Menschen nutzen die Gebärdensprache (wo haben sie das gelernt). 7000 Kinder haben derzeit den Förderschwerpunkt „Sehen“ – wo und wie werden diese beschult? … – (das sind nur die Zahlen, die ich auf die Schnelle gefunden habe.)
Das interessiert kaum jemanden!
Aber: In DE leben dagegen ca. 200.000 non-binäre Menschen. Wieviele Artikel und Kommentare gab es zum Thema „Gendern mit Sonderzeichen“ hier bei n4t, um diese Menschen „sichtbar“ zu machen und in die Gesellschaft/Schule zu integrieren?
Das passt irgendwie nicht!

BFZ-Fachkräftin
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

genau das ist ja der Irrsinn. Diese Dinge finden einfach nicht statt, wenn das Kind keine extra Förderung bekommt! Und auch wenn ein Kind eine Förderstunde bekommen sollte (die vielleicht auch ein paar mal stattfindet und nicht ausfallen muss, weil die BFZ-Kraft krank ist, Gutachten schreibt oder Gespräche führt), dann heißt das ja noch nicht, dass diese BFZ-Kraft für den Bereich Sehen und Hören ausgebildet ist! das ist das nächste Problem. Hier in Hessen haben wir z.B. das Problem, dass man den Förderschwerpunkt Hören gar nicht in Hessen studieren kann. Da kann man immer nur hoffen, dass Kollegen aus anderen Bundesländern nach Hessen wechseln, um ihr Fachwissen mitzubringen. Eventuell ist das ja auch der Grund, warum man diesen Ansprucht nicht gewähren will, weil man weiß, dass es hierfür keine Fachkräfte gibt!?

BFZ-Fachkräftin
1 Monat zuvor
Antwortet  Egvina

Ja, grundsätzlich gibt es da keinen Förderbedarf mit dem Recht auf eine Förderung. Sollte das Kind allerdings Lernprobleme haben oder bekommen, dann hat es zwei Probleme und dann ist das Doppelkriterium erfüllt! Hat das Kind allerdings eine Teilhabeassistenz (in der Regel unausgebildet), dann hebt diese ein Kriterium wieder auf, denn sie ist ja der Ausgleich dafür! Das ist wirklich Irrsinn. Es gibt ja einen Grund warum das sonderpädagogische Fachrichtungen sind, auf die man sich spezialisieren kann. In den Förderschulen für Hören oder Sehen sind viele Kinder, die einen ganz normalen Regelabschluss machen. Trotzdem gibt es eine Reihe von speziellen pädagogischen Maßnahmen, die Sinn machen. Diese Maßnahmen werden in Hessen diesen Kindern in der Inklusion gerade vorenthalten.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  BFZ-Fachkräftin

„Doppelkriterium“? – Also bei uns (Berlin) führte das zu einem Bürokratie-Dilemma, welchen Förderschwerpunkt beantragen wir für ein Kind mit diversen „Problemen“ – stark sehbehindert, leichte kognitive Beeinträchtigungen, em-soz Auffälligkeiten, geringe körperliche Belastbarkeit, motorische Unruhe, Neurodermitis, … wir wurden von Pontius zu Pilatus geschickt, die Mutter suchte verschiedene Fachärzte auf => keine eindeutigen, aussagekräftigen Befunde, einen wie auch immer gearteten Förderbedarf zu beantragen. Dazwischen dann noch Corona. so „lief“ das von Ende der 1. Klasse bis zur 4. Bei einem Elterngespräch erwähnte die Mutter (sehr liebevoll und interessiert an ihrem Kind, aber sehr chaotisch und intellektuell nicht die „hellste“) zufällig, dass sie selbst unter einer seltenen Erbkrankheit leidet. Als ich diese Krankheit danach googelte, war mir klar, was das Problem des Jungen ist. Ich kontaktierte daraufhin verschiedene Stellen (Schulpsychologie, Facharzt per e-mail), um zu erfahren, was zu tun ist, um dem Kind zu helfen. Antwort: die Mutter soll einen Gen-Test veranlassen. Ich erfuhr auch wie und wo, um es der Mutter zu erleichtern.
Tja, trotz mehrfacher Gespräche mit der Mutter durch mich und die Sozialpädagogin konnten wir sie nicht von der Notwendigkeit überzeugen. Sie beharrte darauf, dass ihr Kind unmöglich diese Krankheit haben könne, obwohl alle Symptome darauf hinwiesen. Verdrängung? Kurz danach verzogen Mutter und Kind in einen anderen Stadtbezirk. Ich denke jetzt noch oft an dieses Kind. Was hätte er für einen Weg gemacht, wären die gesamten Umstände besser gewesen? Trotz seiner vielen Probleme und Auffälligkeiten, war es ein lernwilliges und willensstarkes Kind. Aber gegen Eltern und auch die gesamte Bürokratie ist man auch als Sonderpädagoge machtlos, erst recht als „normaler“ Lehrer.

NRW-Biene
1 Monat zuvor

Bei uns an der Schule (GeS NRW) kommen in jedem Jahrgang einige „U-Boote“ in Klasse 5 an. Auf Rückfragen kommt in der Regel aus den Grundschulen die Rückmeldung, dass man sich das durchaus gedacht hatte, aber keine Kapazitäten, um diese Kinder zu testen.

Marie
1 Monat zuvor
Antwortet  NRW-Biene

Uns fehlen nicht die Testkapazitäten, uns fehlen die Förderkapazitäten nach beendetem AOSF. Warum soll ich mir die Mühe machen, mich monatelang mit einem aufwändigen Verfahren rumzuschlagen, wenn das Kind anschließend genau so in meiner Klasse sitzt und von mir extra Material bekommen muss wie vorher auch?

Sonderpädagogin in der GS
1 Monat zuvor
Antwortet  Marie

Ich halte das auch für Blödsinn, was die Studie sagt. Wir bekommen in NRW ja keine zusätzlichen Ressourcen, wenn wir mehr Kinder durchs AOSF kriegen.
Ich als Sonderpädagogin bin für alle Kinder mit sonderpadagischem und individuellem (also ohne AOSF) Förderbedarf zuständig.
AOSF -Verfahren leiten wir also im Sinne der Schüler ein, nicht um Ressourcen zu bekommen. Im Gegenteil, das frisst Ressourcen. Aber ich bekomme ja auch keine Entlastung für ein AOSF.
Ich mache die gleiche Arbeit, ob ein Kind ein geführtes AOSF hat oder nicht. Aber es macht schon Sinn, einen Förderbedarf zu dokumentieren, damit das Kind z.B. Nachteilsausgleiche bekommt oder nach Bedarf raus aus dem GL an die Förderschule wechseln kann.
Aber: In aller Regel blockt das Schulamt schon 80% der Antragstellungen ab und befindet ohne Gutachten, dass der Förderbedarf nicht gegeben, also nicht überprüft wird.
Vielleicht haben die, die dann doch durchgehen, eben deshalb diese hohe Quote, wenn dann auch genehmigt wird, denn das sind die sehr eindeutigen Fälle.

Ich reiße mich definitiv nicht um Gutachten. Aber ich hätte gerne mehr Personal für Prävention und für die Förderung. Ich bin als Sonderpädagogin alleine für eine ganze zweizügige Grundschule zuständig. Und das nicht, weil Stellen nicht besetzt sind. Mehr ist einfach nicht vorgesehen. Ich teile meine Arbeitskraft also auf 8 bzw derzeit 9 Klassen auf.
Und ja, man würde gerne mehrere präventiv arbeiten und sehr viel intensiver fördern. Aber wann denn bitte???

Fisch
1 Monat zuvor

„Aber: In aller Regel blockt das Schulamt schon 80% der Antragstellungen ab und befindet ohne Gutachten, dass der Förderbedarf nicht gegeben, also nicht überprüft wird.
Vielleicht haben die, die dann doch durchgehen, eben deshalb diese hohe Quote, wenn dann auch genehmigt wird, denn das sind die sehr eindeutigen Fälle.“

Genau, das Schulamt wählt aus, welchen Anträgen stattgegeben wird und welchen nicht. Dadurch wird eine Vorauswahl getroffen.

Die Auswahl der Gutachten, die für die Studie getroffen worden ist, war ja auch nicht frei. Dann hätte bei der Auswahl vorab festgelegt werden müssen, dass je die Hälfte mit Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs und die Hälfte ohne ausgesucht werden müssen.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  NRW-Biene

U-Boot-Kinder wird es immer geben. Das hat leider verschiedene Gründe….wir haben auch schon Kinder ohne AOSF an die weiterführende Schule weitergegeben, teils aus Unwissenheit, teils weil die Klassenlehrerin den Bedarf anders eingeschätzt hat, teils weil die Eltern sich ganz beharrlich gesträubt haben und wir es laufen gelassen haben….ja, auch wir machen Fehler!

Uwe
1 Monat zuvor
Antwortet  NRW-Biene

Ich hatte mal (als Klassenlehrer einer 5)eine Schülerin mit einem IQ von 54 die eine Hauptschulempfehlung von der Grundschule bekommen hat.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Uwe

… und weiter?

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Das würde mich auch stark interessieren….

Uwe
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Naja AOSF geistige Entwicklung eingeleitet , deswegen kenne ich ja den IQ. Man hat 4 Jahre ignoriert das die Schüler*in nicht lesen und schreiben konnte. Und nicht den Zehnerübergang bewältigt hat,

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Uwe

.. und weiter?

Uwe
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Was weiter? GL und jetzt in einer betreuten Werkstatt. Die übliche „Karriere“

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Uwe

Also keine Inklusion?

Uwe
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Klar Inklusion, ich habe in meinen 26 Jahren Hauptschullehrer 2 Schüler*innen an die Förderschule gegeben. Vor 25 Jahren , als neuangefangener Lehrer und ich habe das bitter bereut. Habe ich nie wieder gemacht. Ich berate die Eltern immer in Richtung gemeinsames Lernen. Die Schülerin blieb bis zur 9 in meiner Klasse.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Uwe

@Uwe
Was bedeutet „GL“?

Uwe
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

„Gemeinsames Lernen“ = Inklusion an der Regelschule (also in meiner Klasse). Sonst hätte ich das AOSF gar nicht gemacht und das habe ich der Mutter natürlich auch empfohlen.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Uwe

Okay, danke!

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

@Uwe
Wie ging es mit dem Kind weiter? Welche Unterstützung erhielten Sie und das Kind? Oder mussten Sie allein zurecht kommen?

Lanayah
1 Monat zuvor
Antwortet  Uwe

Ist doch jetzt ein komplettes Gegenbeispiel für das im obigen Artikel beschriebene Gutachten…..

RainerZufall
1 Monat zuvor
Antwortet  NRW-Biene

Es hätten ja auch Beratungslehrer*innen beantragt werden können, aber hier ist z.T. nich größerer Personalmangel mit noch längeren Wartezeiten =/

dickebank
1 Monat zuvor

Aus OWL weiß ich, dass die Akten nicht einmal innerhalb einer Kommune von der GS zur weiterführenden Schule weitergeleitet worden sind.

Ich beziehe mich in erster Linie auf die Anerkennung der Förderschwerpunkte ESE und L. Alle anderen Förderschwerpunkte wie Hören und Sehen sowie Motorik sind unkritisch bezgl. der Verfahren.

Alex
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Aus Datenschutzgründen dürfen Akten gar nicht weitergeleitet werden. Bei uns gibt es allerdings einen intensiven Gesprächsaustausch mit der Gesamtschule, so dass die immer wissen, wenn Kinder mit Förderbedarf kommen. Außerdem werden diese Kinder schon weit vor den regulären Anmeldungen auf die weiterführenden Schulen verteilt, damit die restlichen Aufnahmekapazitäten ausgerechnet werden können. Im Gegensatz zu Grundschulen zählen FöKi in weiterführenden Schulen nämlich doppelt.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Alex

So ist es! Vor dem Übergang gibt es Verteilungskonferenzen und die Kinder mit Förderbedarf werden an die Schulen verteilt.
Akten werden nicht mitgeliefert, aber man kann auch so zusammenarbeiten…..

dickebank
1 Monat zuvor

Verteilungskonferenzen – geht in Großstädten mit mehreren Schulen der gleichen Schulform innerhalb einer Gemeinde.

Hat eine Gemeinde nur eine allgemeinbildende weiterführende Schule in ihrem Gemeindegebiet, ist die Verteilungskonferenz reine Formsache.

Marie
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Aber auch dann weiß die aufnehmende Schule, wer mit welchem Förderschwerpunkt kommt.

Alex
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Die meisten dieser AO-SF-Verfahren werden dann nicht mehr während der GS-Zeit abgeschlossen.“ Wo brauchen denn die Schulämter fast 2 Schuljahre, um ein AOSF abzuschließen? Die sind zwar teilweise langsam, aber sooo langsam nun auch wieder nicht.
In Grundschulen werden Förderkinder übrigens nicht doppelt gezählt und haben damit keinen Einfluss auf den Klassenteiler. Wer, wie wir, aktuell keine SoPä hat, hat eben Pech und sitzt mit den Kindern allein da – ob mit oder ohne Schein.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Alex

Jedes abgeschlossene Verfahren kostet Geld. Punkt.

Alex
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Ach ja? Wofür denn?

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Jedes AoSF- Verfahren kostet Personal….und zwar erheblich….

Sonderpädagogin in der GS
1 Monat zuvor

Ich kriege das gleiche Geld, egal wie viele Gutachten ich pro Jahr schreibe. Ich mach das doch sozusagen in meiner Freizeit!!

Alex
1 Monat zuvor

Ich kriege auch das gleiche Geld (und zwar derzeit noch deutlich weniger als die SoPä), unabhängig davon, ob und wie viele FöKi ich in meiner Klasse habe. Die Anträge schreibe ich mangels SoPä an der Schule auch alle selbst, dazu die Elterngespräche, das Verfahren an sich – bleibt alles an mir hängen. Die zusätzliche Vorbereitung macht sich auch nicht von selbst. Aber laut KuMi brauchen wir faulen S… ja nur ein bisschen FoBi…

Arne Hämpel
1 Monat zuvor
Antwortet  Alex

Fragt bitte nicht nach Gehältern von Integrativen Lerntherapeuten mit pädagogischer Ausbildung, Lehrerfahrung und Zusatzausbildung Land Berlin E9 mit Brailleschrift und/ oder Gebärdensprache, der das dann wieder aufräumt und dem Kind Lesen und Schreiben und/ oder Rechnen als basale Fähigkeiten beibringt und sie in einer Regelschule oft mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Nachteilsausgleich an der Gesellschaft teilhaben lässt. Höchstens drei Jahre(Integrative Lerntherapie). Und manche Kinder wurden in der 8. oder 9. Jahrgangsstufe entdeckt, eines zwei Wochen vor den anstehenden MSAprüfungen. Jetzt macht er bald Abitur, obwohl ihn alle aufgegeben hatten, um mal ein positives Beispiel zu machen, ich komme jetzt alleine klar Zitat. Aber als ich statt 6-9 Prozent fast 25 % teilhabeberechtigte Kinder entdeckte, gab’s schon Differenzen mit der SL. Soviele können nicht lesen, schreiben oder rechnen. Vermutet werden in Ballungsgebieten 6-8 Prozent, total veraltete Zahlen, nach Corona. Könnte noch mind. drei Kolleg*innen gebrauchen und viele Klassen*Lehrerinnen sind Sonderpädagoginnen und JÜL und jahrgangsübergreifend und Gemeinschaftsschule für alle.

mathea kühnel
1 Monat zuvor

Jammern auf hohem Niveau. Ich als GS- Lehrerin bekomme weniger Geld als die Sonderpädagogen und muss trotzdem AOSFs schreiben. Zusätzlich zu Klassenleitung, Zeugnissen, Elternsprechtagen, etc, etc ….

Spirale
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Genau DAS ist es. Warum das hier einige nicht verstehen wollen, erschließt sich mir nicht.

Würden die Verfahren abgeschlossen werden, bräuchte es ggf. mehr Personal. Also mehr Geld, denn das kann nicht von Luft und Liebe bezahlt werden.

Es geht in diesem System IMMER ums Geld. Bei jeder Frage oder jeder Entscheidung. Das betrifft die (Nicht-)Förderung der Inklusionskinder (was eh ein Sparmodell ist) oder Kurse im Ganztag, die nicht stattfinden können.

Und wenn es keine Geldfrage ist, dann wird es eine Frage des Personals. Wobei das auch mit der teils miesen Bezahlung zusammenhängt. Wo wir wieder beim Geld sind.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Alex

So ist es…kein Verfahren dauert so lange! Es sei denn, es handelt sich um ESE, wo sich Verfahren lange hinziehen können oder zu spät gestellt werden…denn hier werden Kinder zielgleich unterrichtet…..

Lanayah
1 Monat zuvor

ESE initiiere ich in det Grundschule gar nicht mehr. Es macht viel Aufwand und bringt der Grundschule keinerlei Vorteile. Ganz im Gegenteil: Wenn ich ein extrem verhaltensauffälliges Kind z. B. nicht mit auf eine Klassenfahrt nehme, weil nicht machbar, müsste ich mir bei einem festgestellten Förderstatus vielleicht noch Exclusion vorwerfen lassen.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Lanayah

Oh doch, wir tun das! Wir sind keine Schule des gemeinsamen Lernens und ist gibt da Grenzen der Ertäglichkeit.
Letztes Jahr hatten wir ein Kind, welches schon am Einschulungstag jede Grenze gesprengt hat. Ab Tag zwei war dieses Kind nicht mehr im Klassenverband und nach zwei Wochen war das AOSF geschrieben und abgeschickt. Nach nur 6 Wochen war es durch und das Kind war auf der Förderschule…..da allerdings auch nicht lange, denn von da ging es gleich in die geschlossene Psychiatrie….
Okay, Extremfall…..gibt es glücklicherweise nicht oft!

Aber auch bei gemäßigten Fällen, lassen wir überprüfen….

Alex
1 Monat zuvor

Sind nicht in NRW per se alle Grundschulen Schulen des Gemeinsamen Lernens?

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Alex

Nein

Fisch
1 Monat zuvor
Antwortet  Alex

Das ist in jeder Kommune / Kreis unterschiedlich. Das legt das örtliche Schulamt fest.

Lanayah
1 Monat zuvor

Offensichtlich gibt es da Unterschiede bei den Bundesländern. Bei uns sind alle Schulen sogenannte inklusive Schulen, und wir sind alle durch eine insgesamt 6-tägige Fortbildung wahnsinnig qualifiziert für alle Arten an sonderpädagogischem Förderbedarf.

uwe
1 Monat zuvor

Also in NRW dürfen ESE Schüler*innen an der Regelschule bleiben (sie werden ja zielgleich unterrichtet) . Die Eltern müssen einem Schulwechsel zustimmen. Wozu ich keinem Elternteil raten würde (ESE Schulen sind ein Alptraum)

Palim
1 Monat zuvor

Ich kenne auch verschleppte Verfahren und verstehe nicht, warum esse lange dauert. Akten werden einfach liegen gelassen, anders ist das nicht zu erklären.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Nett ist ein Bescheid vom Schulamt, in dem dann steht, dass der Förderbedarf leider nicht abschließend festgestellt werden konnte und die Entscheidung vertagt wird. Dazu ist nach einem halben Jahr ein weitere Einschätzung der Schule nötig…..nee, ist klar…..das Problem hat sich dann bestimmt erledigt….*kopfschüttel*

Palim
1 Monat zuvor

Blinde sehen, Lahme gehen…

anders ist das nicht zu erklären

Fisch
1 Monat zuvor

Das liegt auch an der aktuell hohen Anzahl von beauftragten Gutachten, die nicht mehr zu bewältigen sind.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Fisch

Das ist für Niedersachsen dadurch bedingt, dass man Gutachten nur noch im 2. Halbjahr zulässt, da muss dann eben alles in den wenigen Monaten erfolgen, was zuvor klar war.
Dann zu sagen, das sei nicht schaffbar, hilft weder Kindern noch Lehrkräften.

Gutachten, die verschleppt werden, sollten nach bestimmter Zeit (6 Monate) an eine Schlichtungsstelle gegeben werden oder irgendwo auftauchen. Es kann ja nicht sein, dass man ein Verfahren eröffnet und dies nicht zum Abschluss kommt.

Lehrkräfte an Regelschulen können die Kinder nicht ablehnen, sie beschulen sie jeden Tag. Egal, wie viele Kinder mit Unterstützungsbedarf es sind, da kann man nichts auf die lange Bank schieben. Bevor das Verfahren eröffnet wird, hat die Regelschullehrkraft über mehr als 1 Jahr gefördert und dokumentiert. Sie dann damit stehen zu lassen, weil man es nicht schaffen könnte, ist beschämend. Das kommt häufiger vor, aber das Land NRW unterstellt seinen Lehrkräften ja, sie würden aus Etikettenschwindel Meldungen produzieren.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Alex

Wie auch, die I-kinder werden ja auch nur bei der Bildung der Eingangsklassen doppelt auf die Klassengröße angerechnet. Welches Kind kommt den schon mit abgeschlossenem AOSF-Verfahren zur Einschulung.

Alex
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Falsch, auch bei abgeschlossenem AOSF vor Einschulung (und ja, die gibt es auch) zählen diese Kinder nicht extra für den Klassenteiler. Übrigens gibt es eine ebenso katastrophale Regelung für Flüchtlingskinder, die zählen erst nach 2 Jahren zur Klasse, offiziell hat meine Klasse also im Moment 3 Kinder weniger….

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Ziemlich viele sogar…..eben nur nicht im Bereich Lernen….und oft nicht im Bereich ESE….
Im Bereich GG sind es bei in der Stadt dieses Jahr knapp 100 Kinder…..

dickebank
1 Monat zuvor

OMG – die unstrittigen AOSF-Verfahren, die Folge von körperlichen Beeinträchtigungen (Hören/Sehen/Motorik …) sind und im Regelfall mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten erfolgen, sind nicht das Problem.
Die Bilder zur Inklusion mit den Rollstuhlfahrer*innen sind hierfür der beste Beweis:(

Ich habe mich bei meinen Posts auf die Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfes bei den Förderschwerpunkten L und ESE bezogen.

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

That’s it!!
Man fängt immer wieder bei Null an.

Realist
1 Monat zuvor

Weiter erklärt sie: „Alle Beteiligten wünschen sich beispielsweise mehr Zeit für Prävention, in der Kinder und Jugendliche durch gezielte individuelle Förderung in ihren Lern- und Leistungsentwicklungen unterstützt werden können. Hierfür fehlen in den allgemeinen Schulen aber schlichtweg die notwendigen Ressourcen. Einzelne Lehrkräfte arbeiten alleine in zu großen Klassen, es fehlen zur Unterstützung insbesondere Lehrkräfte mit sonderpädagogischer Expertise. Hinzu kommen fehlende Räumlichkeiten und in den Schulen fehlendende evidenzbasierte Materialien für die notwendige Diagnostik und Förderung.““

Schon witzig. Die „Frösche im Teich“ (also die Lehrkräfte, die an der Basis fern ab von den politisch Verantwortlichen die wirkliche Arbeit machen) sagen genau das seit mindestens 10 Jahren. Niemand wollte auf sie hören, Politik und „Wissenschaft“ haben dies immer als „Gequacke“ der Frösche abgetan, die EInführung der Inklusion war ja von Politik und „Wissenschaft“ gewollt und mit den entsprechenden „Studien“ abgesegnet.

Und jetzt kommt eine andere „Studie“ daher und bestätigt genau das, was alle an der Basis Tätigen schon immer wussten. Aber meine Prognose: Auch diesmal wird man nicht auf die Basis hören, sondern sich im Elfenbeintum und am grünen Tisch weitab von der Praxis die nächste „Reform“ ausdenken, die alles nur verschlimmbessert. EIne unbelehrbare Politik und „Wissenschaft“ bleibt genau dies: Unbelehrbar.

Bernie
1 Monat zuvor

Licht und Schatten….
Zum einen bin ich skeptisch…. wer ein Gutachten in Auftrag gibt, möchte meist ein bestimmtes Ergebnis. Das Ergebnis „Schulen machen AO-SF, um Ressourcen zu bekommen“ halte ich für falsch. Vereinzelt mag das so sein, aber pauschalisierend? Nope. Zumal es keine Sonderpädagogen gibt.
Zum anderen finde ich den Gedanken richtig, die Gutachten anders anzugehen. Alle KuK sind komplett überlastet. Ich erinnere mich an ein Schuljahr, in dem ich 7 Gutachten (ESE) schreiben durfte : alle im Kindergartenbereich.
Bin mal gespannt, was das Ministerium sich wieder einfallen lässt, um uns (Sonderpädagogen in der Inklusion) zu sagen, dass wir ja eigentlich nicht ausgelastet sind und mehr und anders arbeiten sollen…..

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Bernie

Nach meinem Stand wird es Schulen verboten, den AO-SF aktiv zu empfehlen, weil daraus eventuelle Kostenansprüche geltend gemacht werden können. Das Verfahren muss immer von den Eltern ausgehen.

Alex
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

In NRW-Grundschule gilt tatsächlich im Bereich Lernen die Bedingung, dass das Kind das 3. Jahr in der Schuleingangsphase sein muss. Ansonsten hat mir noch niemand verboten, ein AOSF zu empfehlen. Im Antrag muss man dann eh ankreuzen, dass er von den Eltern kommt. Bei welchen Schulen soll das Verbot denn gewesen sein?

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Muss es ja eh. Allerdings können diese Infornationen ja sobstwie zu Eltern gelangt sein.
Ich hab nix gesagt.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Glauben Sie allen Ernstes, dass es für Eltern toll ist ein AOSF in Betracht zu ziehen bei ihrem eigenen Kind? Viele Eltern wollen eine Überprüfung auf gar keinen Fall auch wenn sie sehen, wie ihr Kind leidet.
Gerade beim Förderbedarf Lernen muss man die Eltern sehr lange und intensiv beraten, damit sie zulassen, dass eine Überprüfung stattfindet….niemand will für sein Kind bescheinigt haben, dass nicht so lernfähig ist, wie andere Kinder….

Marie
1 Monat zuvor

„Unsere“ Eltern sind da meistens sehr einsichtig. Spätestens, wenn die Kinder die 2. „Ehrenrunde“ in der Grundschule drehen sollen, stimmen sie dem AOSF zu, damit das Kind halbwegs altersgemäß mit der eigenen Klasse mitgeht. Das Thema Förderschule steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt.

447
1 Monat zuvor

Hä?
Nö, ist es nicht – allerdings ist es (zumindest in NRW) absolut dumm und schädlich für das Kind, KEINEN Antrag zu stellen.

Darum sag ich ja: Ich lasse mir doch nicht verbieten, Eltern über ihr Recht aufzuklären, nur weil die da oben Geld sparen wollen.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Niemand, wirklich niemand verbietet es Ihnen! Wie kommt man auf ein so schmales Brett?
Sie sind sogar verpflichtet, Eltern über die Möglichkeit eines AOSFs aufzuklären und sie zu beraten….

Anika von Bose
1 Monat zuvor

In Niedersachsen können Eltern der Einleitung eines sonderpädagogischen Überprüfungsverfahrens gar nicht widersprechen. Auch eine Förderkommission wird nur auf Antrag der Eltern durchgeführt. Wie viele Eltern wissen das, werden sie darüber überhaupt in Kenntnis gesetzt? Dabei ist die Förderkommission der einzige Ort, wo mit den Eltern überhaupt darüber gesprochen wird und die Eltern wenigstens die Möglichkeit haben dem Verfahren zu widersprechen, am besten schriftlich! Mit ungewissem Ausgang.

Sonderpädagogen in der inklusiven Schule werden universell eingesetzt – unabhängig davon für welchen Förderschwerpunkt sie ausgebildet sind…vielfach sind noch nicht mal die da, um Kinder zu begutachten. Ich habe schon meine Zweifel an diesem System und ich kann alle Eltern verstehen die verunsichert sind und ihre Zweifel äußern.

Seit die Förderschule Lernen sukzessive abgewickelt wird, hat die Anzahl der Kinder mit einem festgestellten sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf GE und ESE erheblich zugenommen! Man schließt diesen Förderschulzweig, um neue GE und ESE Schulen zu bauen.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Das Land NDS hat so gut wie keine ESE-Schulen, sie sind überwiegend privat und können die Schüler aufnehmen oder ablehnen.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Das war mal so – ja. Aber es werden zunehmend mehr Förderschulen, die vormals zum Beispiel eine Förderschule Lernen waren. Ein Beispiel dafür ist die Pestalozzischule in Celle, das war mal eine Förderschule Lernen und wurde in eine Förderschule für Emotional und Soziale Entwicklung umgewandelt. Ansonsten gibt es eine besonders starke Verschiebung in den Förderschwerpunkt GE. Da platzen alle Förderschulen aus allen Nähten….

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Die Umwandlung der FöS LE in ESE wurde hier versucht und abgelehnt – noch vor der Einführung der Inklusion.
Inzwischen ist ein privater Anbieter im Schulgebäude mit ESE-Angebot.

Die GE-Meldungen wurden hier erheblich gedeckelt, die Leitung der FöS lässt Gutachten einfach nicht mehr zu und setzt willkürliche Fristen.
Es würde mich nicht wundern, wenn man eher zu dem Ergebnis käme, dass Lehrkräfte viele Kinder gar nicht melden oder nicht melden können, weil es systemisch unterbunden wird.
Dann wundern sich die weiterführenden Schulen, warum das Kind zuvor nicht aufgefallen sei – ist es, aber weitere Möglichkeiten wurden verwehrt.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Das ist ja unfassbar was Sie da berichten. Das eine Schulleitung einer Förderschule Gutachten deckelt…wie kann sie das? Schlussendlich müsste man die RLSB einschalten und sie bitten dazu eine Stellungnahme abzugeben. Vielleicht sogar betroffene Erziehungsberechtigte.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Nein, muss es nicht! Vor Schulbeginn ja, aber danach nicht mehr. Natürlich ist es einfacher, wenn es mit Unterschrift der Eltern passiert, ist aber nicht zwingend….

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Welche Kostenansprüche sollten geltend gemacht werden? Ein AOSF ist immer ergebnisoffen und im dialogischen Verfahren. Da können keine Kosten geltend gemacht werden…..

Heide Blume
1 Monat zuvor
Antwortet  Bernie

Ich habe die letzte Jahre immer 6 Gutachten geschrieben (Nds.) … Jedes Jahr im Frühjahr eine Qual!

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Heide Blume

Wenn man die Vorgabe setzt, dass Gutachten nur ab Februar zu schreiben sind, ist das dadurch verursachtes Leid. Bei vielen Kindern könnte die Meldung auch zu anderen Zeitpunkten erfolgen.

Als Grundschullehrkraft hat man die Arbeit mit den Gutachten auch, die gesamte Vorarbeit, bis das Gutachten überhaupt zugelassen wird, das Drängen, dass das Verfahren überhaupt weiterläuft, dazu mehr Unterricht und Inklusion ohne Ressourcen. Es gibt keine Begrenzung der Gutachten.

Ich bin heilfroh, dass die Regel-Überprüfung in Klasse 4 weggefallen ist.

Der Landesrechnungshof NDS hat vor Jahren festgestellt, dass viel zu viele Ressourcen in die Gutachten gehen, die in der Regel positiv beschieden werden. Der Aufwand ist so groß, dass man sich vorher genau überlegt, ob man ein Gutachten anstrebt.
Auch deshalb halte ich den Vorwurf ungerechtfertigter Gutachten für falsch.

asablau
1 Monat zuvor

Es ist doch immer das Gleiche… Leider ändert das nie etwas an der Situation. Förderschulen werden geschlossen, die Hauptschule gibt es nicht mehr und jetzt sollen alle Kinder (ach ja, Migrationshintergrund nicht vergessen!) munter in die „normalen“ Schulen – ohne zusätzliche geschulte Lehrkräfte, ohne Material, … und dann natürlich voll individualisierten Unterricht machen. Das ist nicht zu schaffen.

Lanayah
1 Monat zuvor

Als ich den ersten Satz der Überschrift las, dachte ich: Ja; genau! Das mit der Inklusion ist eine Mogelpackung. Beim Weiterlesen wurde ich dann aber enttäuscht und musste feststellen, dass hier Lehrkräften unterstellt wird, sie würden mogeln. Das halte ich für Stimmungsmache. So leicht wird ein Förderstatus gar nicht festgestellt. Das Verfahren ist sehr aufwändig, mit viel Mehrarbeit verbunden, und wenn ein Status festgestellt wurde, kommt ja keine personale Verstärkung. Ich stelle auch fest, dass es immer mehr Kinder mit Förderbedarf g i b t. Aber statt nach Gründen zu suchen, warum das so ist, wird unterstellt, Lehrkräfte würden das faken.

Lisa
1 Monat zuvor

„:Lehrkräfte die AO-SF-Verfahren nicht in erster Linie vorantreiben, um Schülerinnen und Schüler zu einer besseren Förderung zu verhelfen, sondern diese nutzen, um sich z. B. von Verantwortung zu entlasten, Handlungskontrolle wiederzuerlangen oder um (sonder-)pädagogische Ressourcen zu generieren.“
Ich kann man gar nicht alle Störungsbilder kennen. Ich bin medizinischer Laie. Wenn es irgendwo hakt, lasse ich Fachleute testen.
Ansonsten:
Überraschung! Jeder nimmt an Förderungen mit was er nur kann. Politik und Wirtschaft würden so etwas nie tun….nicht wahr?

Hysterican
1 Monat zuvor

Geliefert wie bestellt!

Wen wundert das ernsthaft … kostet halt Geld!

Unsere Rede seit ewigen Zeiten… ubd es wird sich nix ändern … just gerade – und absehbar – sind die Kassen in der BRD dummerweise leer.

Da muss man einfach mal Prioritäten setzen, wie z.B. das Dienstwagenprivileg.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Hysterican

Ich hätte als Beispiele Entwicklungshilfe oder Bundeswehr genannt, aber nun gut…

Anika von Bose
1 Monat zuvor

Wir haben keine inklusiven Schulen – das ist das größte Problem! Denn inklusive Schulen sind Schulen, die auf die Bedürfnisse aller Schülerinnen und Schüler ausgerichtet ist! Denn wie kann eine Schule sich inklusiv nennen, wenn Ressourcen abhängig von einem Überprüfungsverfahren sind? Unsere Bildungseinrichtungen leiden/kranken unter der „Verrechtlichung“ der Bereitstellung von Ressourcen und fachlicher Expertise. Und den Nachwies zu führen, ob die Zuteilung von Ressourcen und Expertise rechtmäßig ist verschwendet wichtige Ressourcen, die die Schülerinnen und Schüler dringend brauchen.

Finagle
1 Monat zuvor

Das Gutachten hätte ich schon vor 8 Jahren schreiben können. Dienstbesprechung. Rektorin: „Der Anteil der förderbedürftigen SuS hat sich von 14% auf 17% erhöht. Wir sehen also einen Trend in Gesellschaft.“ Frage: „Wurden den gleich viel getestet? Wir haben letztes Jahr 11 vom Sibuz testen lassen und nun waren es was? 20?“ Rektorin: „Es liegt in unserem Interese eine Mindestzahl zu haben, da wir dadurch Lehrerstunden bekommen.“

Aha, keine weiteren Fragen.
Wobei man sich schon fragen muss, was man von einem Test halten soll, der wahlweise zu schnell das Prädikat „Förderbedarf“ verteilt oder schlicht nur bei Bedarf durchgeführt wird.

Marie
1 Monat zuvor
Antwortet  Finagle

Ich weiß ja nicht, in welchem glorreichen Gebiet Sie so wohnen. Bei mir in NRW generieren Kinder mit Förderbedarf keine einzige zusätzliche Lehrerstunde. Sie haben nicht mal Anspruch auf regelmäßige Stunden beim SoPä.

Finagle
1 Monat zuvor
Antwortet  Marie

„Glohrreiches“ Berlin… wobei die Zahl ist nur auf dem Papier da. Besetzt kann sie nur aus naheliegenden Gründen nicht werden.

Hans Wocken
1 Monat zuvor

Endlich eine umfängliche Studie zu einem drängenden Problem der Inklusionsreform, das allerdings seit vielen Jahren bekannt ist. Bereits 2016 habe ich in dem Aufsatz „Die verführerische Faszination der Inklusionsquote“ die „Etikettierungsschwemme“ und den „SeparatioNsstillstand“ erstmals beklagt, danach in mehreren Arbeiten immer wieder, jetzt zuletzt in der Zeitschift für Heilpädagogik (Heft 5 2024). Die Autoren erwähnen all diese Arbeiten mit keinem Wort. Das ist schon bemerkenswert. Natürlich kann dies als persönliche Eitelkeit abtrun. Aber zu einer seriösen wissenschaftlichen Arbeit gehört auch eine vollständige Darstellung des aktuellen, relevanten Forschungsstandes:

Egvina
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Wocken

In wie vielen BL gibt es denn Stundenzuweisungen nach Inklusionsquote? In NRW schon mal nicht.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Wocken

Eigentlich müssten Sie sich doch freuen, dass jemand Ihre Behauptungen und Vorwürfe erneut aufgreift.

Ich erinnere mich an Ihre Texte, auch bei N4t gab es Artikel dazu.

Ich verstehe aber bis heute nicht, wie man für eine Inklusion ohne Ressourcen plädieren kann und warum man Lehrkräften die Arbeit aufbürdet und sie dann mit Vorwürfen und Unterstellungen überhäuft, statt sie zu fragen, wie man sie unterstützen kann, um Inklusion zu verbessern.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Wocken

@Hans Wocken
Ich habe da mal ein paar Fragen: Wie wurde festgestellt, dass Kinder falsch als Lernbehindert z. B. eingestuft wurden? Wieviele dieser Kinder wurden also noch einmal unabhängig (von Ihnen oder Ihrem Team) getestet, begutachtet und nach welchen Kriterien und in welchen Zeitabständen? Welche standartisierten Tests wurden dafür verwendet? In wievielen verschiedenen Bundesländern oder noch besser Schulbezirken verschiedener BL wurde die Studie durchgeführt?
Ich frage als pensionierte Sonderschullehrerin für die Förderbereiche Lernen und Sprache, mit 40 Jahren Berufserfahrung.

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Fragen über Fragen … aber wahrscheinlich keine zufriedenstellenen Antworten. Denn die Ressourcen, die dafür notwendig sind, gibt es gar nicht.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

… für Studien fehlen auch Ressourcen (Geld und Personal)?

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

@Hans Wocken
Schade, dass Sie als Erziehungswissenschaftler und Sonderpädagoge diese Fragen nicht beantworten. Es wäre doch wirklich interessant zu wissen, wie es zu diesen Aussagen im Artikel gekommen ist. Die meisten Praktiker hier im Forum scheinen, wenn ich die Kommentare hier richtig deute, genau wie ich, ein Problem mit diesen Aussagen zu haben. Anders gesagt, wir verstehen nicht so richtig, wie es zu diesem Ergebnis gekommen ist.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Wocken

Lieber Herr Wocken,

die Erkenntnisse sind schon seit Jahren da: seit Einführung der „inklusiven Schule“ (die wir amS nicht haben, deshalb die Gänsefüßchen…) hat dafür Sorge getragen, dass die Anzahl der sonderpädagogischen Überprüfungsverfahren sich nahezu verdoppelt hat. Klar ist damit auch, dass Förderschulen in der Vergangenheit sehr viel restriktiver begutachtet haben, als die „inklusive Schule“ und der Misstrauensvorbehalt mit denen man Förderschulen begegnet ist und immer noch begegnet nicht in Ordnung ist: man hat ihnen immer vorgeworfen sich selbst zu erhalten.

Was mir immer noch unbegreiflich ist, wenn man eine Schule für alle (= eine inklusive Schule) , also eine Gemeinschaftsschule, so nicht will – warum hat man den integrativen Weg nicht konsequent weiter gefördert? In Niedersachsen haben sich immer mehr Schulen integrativ ausgerichtet und waren erfolgreich, beliebt (sie wurden deswegen vermehrt angewählt und hatten lange Wartelisten) und vielfach ausgezeichnet! Zwischen 2009 und 2014 haben sich allein die Schülerzahlen an den Förderschulen Lernen um über 5000 Kinder reduziert! Viele Regionen haben ihre Förderschulen Lernen geschlossen. Ein Ressourcenetikettierungsproblem gab es nicht, ein Anstieg der Fördergutachten gab es auch nicht, geschweige denn eine Verschiebung der SuS mit dem Förderschwerpunkt Lernen in den Förderschwerpunkt GE oder ESE! Wo stünden wir heute, wenn wir auf diesen Etikettenschwindel „inklusive Schule“ verzichtet hätten?

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Kann ich so nicht bestätigen, früher wurde nicht restriktiver getestet, zumindest nicht in den Verfahren, an denen ich beteiligt war.

Auch in NDS gibt es mehr Verfahren, obwohl die Vorgaben immer heftiger werden und der Aufwand so immens ist. Auch weiß man als GS-Lehrkraft, dass die Kinder häufig in der Klasse bleiben werden.

Als noch das Rik in NDS lief, waren die Bedingungen für die Umsetzung der Inklusion noch gar nicht gesetzt. Man hat gehofft, dass es sich an anderen BL orientiert. 2 Std Grundversorgung reichen einfach nicht, Testungen, Vertretung, Lehrermangel reduzieren die Stunden weiter. Früher gab es 1 Std pro Klasse und zusätzliche Sprachstunden. An sich setzt NDS die Inklusion mit allen Schwerpunkten in den GS um, ohne die Ressourcen angepasst zu haben. Dass man nun erst Ende 2 überprüfen darf, passt genau dazu. Der nächste Schritt wird sein, SoPäd-Stunden zu streichen, weil ja keine Gutachten vorliegen und man es inklusiv in der Klasse umsetzen soll.

Wenn man die Studie aus NRW liest, steht genau das auch zwischen den Zeilen. Man verweist auf die Einsparungen in anderen Ländern und wird auch in NRW den Rotstift ansetzen. Worst practice als Maßstab.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Sie persönlich können nicht bestätigen, dass FÖS restriktiver begutachtet haben – das mag Ihren persönlichen Erfahrungen an Ihrer Förderschule so entsprechen. Aber es gibt ja valide Zahlen dazu. Warum haben sich die Anzahl der Gutachten in der Inklusion dann nahezu verdoppelt? Der Zusammenhang lässt sich doch nicht abstreiten. Mit der steigenden. Anzahl der Gutachten, hat man einfach durch Einschränkungen versucht diese einzudämmen. Das ist natürlich Kokolores und hilft nicht weiter.

Das die Rahmenbedingungen, insbesondere die sonderpädagogische Grundversorgung von 2 Stunden pro Woche und Klasse (für die Förderschwerpunkte ESE, Sprache und Lernen) nicht der Schulrealität entsprechen ist völlig unbestritten. Aber immer mehr Gutachten zu schreiben führt uns auch nicht ans Ziel. Da begeben wir uns in einen neuen Teufelskreis – denn diese Verfahren brauchen Ressourcen, die zur Unterstützung der Kinder fehlen. Inklusive Schule muss neu aufgestellt werden, insofern man bereit ist die Widersprüche zu klären. Wie zum Beispiel passen Schulformen in ein inklusiven Schulkonzept? Warum dürfen Kinder denen man das Etikett eines sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfs verpasst hat an einem Gymnasium bleiben, SuS die diesen Nachweis nicht haben müssen die Schulform wechseln…Wie inklusiv ist eine Schule, die erstmal einen Anspruch nachweisen muss, bevor die Rahmenbedingungen angepasst werden?

Oder müssen wir uns eingestehen, dass wir eigentlich keine Schule für alle Kinder wollen, sondern allenfalls eine Integration von „besonderen Kindern“ in ein bestehendes System. Bei uns wird Inklusion als etwas Additives behandelt und das passt nicht. Dann doch lieber eine vernünftig umgesetzte Integration an bestehenden Schulformen, aber nicht dieser Etikettenschwindel.

Müssen Kinder zwangsweise in bestimmte Schubladen geordnet werden? Was ist eine Entwicklungsverzögerung und was eine Behinderung? Wird den Kindern überhaupt noch die Zeit zugestanden sich zu entwickeln?

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Wenn man das Kind 2 oder 3 Jahre beschult, hat man doch viel Zeit, die Entwicklung des Kindes einzuschätzen.

Auch ich finde die Schulen nicht inklusiv aufgestellt, aber die Gutachten waren früher noch viel intransparenter, u.a. weil die Lehrkräfte der Regelschulen weit weniger Ahnung hatten und weil die Schüler:innen dann nach der 3. Klasse die Schulen wechselten. Das ist heute anders.

Man hat als Lehrkraft keine Vorteile von dem Status der Kinder, außer dass man für diese Kinder die Note aussetzen und die zieldifferente Beschulung durchführen darf, die zuvor nur als Differenzierung laufen darf, die zeitgleich sein müsste, aber nicht sein kann, wenn das Kind lernbeeinträchtigt oder geistig beeinträchtigt ist.

In meiner Beobachtung sind wirklich mehr Kinder beeinträchtigt, aber einige Kinder gingen früher ab Klasse 1 auf FöS, die dann gar nicht in der Grundschule beschult wurden. Auch diese Gutachten vor der Einschulung gab es früher schon.

Es gab auch Gutachten oder eher Begutachtungen, die früher ergebnisoffen geführt wurden, es war eine Überprüfung, keine Anmeldung zur Förderschule. Das ist heute anders, weil man als Lehrkraft die viele zusätzliche Arbeit nur übernimmt, wenn man sich recht sicher ist und weil vorab schon vielfältige Unterlagen belegen müssen, dass das Kind erhebliche Schwierigkeiten hat. Ohne diese kommt es gar nicht erst zur Überprüfung.
Wenn es also trotz erschwerter Bedingungen zu Meldungen kommt und unabhängige Personen den Förderbedarf feststellen, warum zweifelt man dann die Gutachten an?

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Ich bin zwar an einer IGS und nicht an der GS oder Förderschule, kann aber die Ausführungen von Palim bestätigen. Die Gutachten sind extrem zeitraubend und die Hürden für eine Genehmigung werden permanent vergrößert, trotzdem gibt es immer mehr Verfahren. Ganz einfach weil es immer mehr Kinder mit Förderbedarf gibt.

omg
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Stimmt. Herr Wocken geht seit 30 Jahren mit dem „Solgan“ hausieren.
In Hessen wir die Masse an Stunden systemisch verteilt. Es ändert sich nichts daran, welche Stundenzahl man erhält, wenn man zusätzliche Überprüfungen durchführen lässt.

Das bedeutet aber auch, dass Schulen mit wenigen IB Zahlen dann druchaus mehr Stunden erhalten können, wie Schulen im Brennpunkt mit hohen Zahlen.

Sarmantha
1 Monat zuvor

Dass Inklusion eine Mogelpackung ist, habe ich schon immer gedacht, allerdings in anderem Sinne als vom Artikel gemeint.
Sie trägt nur dazu bei, dass in den Regelschulen immer mehr Kinder zu Schulversagern werden und auch als förderbedürftig gelten. In der Theorie sollten ja eigentlich alle von der Inklusion profitieren. In der Realität geht es jedoch nicht einmal den Kindern mit Behinderung besser, sondern ebenfalls nur schlechter.
Auch die Inklusion erweist sich von vorn bis hinten nur als eine von vielen gutmenschlichen Schnapsideen.

Alles entschuldigende oder beschönigende Drumrumgerede von „Experten“ hilft nicht wirklich weiter, sondern verschleiert nur das, was dem stinknormalen Verstand so langsam nicht mehr zu verschleiern ist. Im ersten Moment fahren ja viele Menschen auf Moral und Humanität ab, was durchaus ehrenwert ist. Wenn sich dann aber herausstellt, dass der Schuss in Wahrheit nach hinten losgeht, finde ich es keineswegs mehr ehrenwert, weiterhin zu schießen und sich nur darüber Gedanken zu machen, wie der immense Schaden besser begrenzt werden könnte.

Mika
1 Monat zuvor

Was ich hier jedoch nicht lese, ist, dass auch nur einem Kind ein Förderbedarf bestätigt wurde, der objektiv nicht vorhanden war! Und wenn das so ist, dann ist das Problem ja wohl eher die fehlende Standardisierung des Verfahrens und hat nicht mit welcher Motivation der Lehrkräfte auch immer zu tun! Die Untersuchung wurde vom Kultusministerium in Auftrag gegeben. Da hat man wohl eine Formulierung finden müssen, die fehlenden Ressourcen für die Förderung der Kinder zu verschleiern. Macht sich ja auch besser, wenn man anstatt: „Sorry, wir haben weder Personal noch Geld für die Förderung von bedürftigen Kindern“ sagen kann: „Das Verfahren, nach welchem der Förderbedarf festgestellt wird, ist intransparent, und die Lehrer lassen gern einen Förderbedarf feststellen, um sich der Verantwortung zu entledigen.“ Letzteres hört sich doch an nach: „Eigentlich haben die Kinder gar keinen Förderbedarf!“. Und schwups ist man das Problem mit den fehlenden Ressourcen für die Förderung los.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Sie glauben, dass standardisierte Testverfahren die Lösung wären? Ernsthaft? Glauben Sie, dass die Ergebnisse dieser Verfahren repräsentativ sind? Sie sind vielleicht für die Tester einfacher und bequemer zu handhaben – eine besondere fachliche Expertise braucht man nicht, aber die Ergebnisse solcher Testverfahren sind keinesfalls repräsentativ.

Die Fragestellungen standardisierter Testverfahren dürfen nicht angepasst werden und orientieren sich an normal entwickelten Kindern, Entwicklungsverzögerungen sind hier gar nicht berücksichtigt – das heißt wenn die getestete Person eine Fragestellung, z. B. aufgrund sprachlicher Defizite oder einer erhöhten Rückmeldebedürftigkeit, nicht beantwortet dann ist das Ergebnis dieser Testung vorprommiert! Die Getesteten haben von vorne herein keine Chance zu positiven Testergebnissen zu kommen. Wir haben bereits solche Testverfahren in der Diagnostik und ich halte sie für diskriminierend. Zuletzt sind solche Verfahren auch davon abhängig wie gut Getestete und Tester miteinander harmonieren.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Tja, das Problem der (standardisierten) Tests. Ich bin auch kein Freund davon. in 40 Dienstjahren habe ich so einiges erlebt. Es hängt sehr viel davon ab, welchen Test man durchführt, die „Chemie“ zwischen Tester und Getestetem, die Tagesform der Beteiligten und, und und … Dazu kommt: den Test führen dem Kind fremde (unabhängige) Personen durch, die das Kind „aus den Akten kennen“, 2-3 Stunden mal im Unterricht dabeisitzen und dann das Kind 2h lang testen. Dann noch Gespräche mit Lehrern und Eltern – danach Gutachten („Urteil“). Die Gutachter, die ich kennengelernt habe, versuchen wirklich sich in dieser kurzen Zeit ein objektives Bild vom Kind zu machen, aber ist das möglich? Sie sind ständig unter Zeitdruck und an mehreren Schulen unterwegs.
Ich habe z. B. auch schon erlebt, dass Tests nicht vollständig durchgeführt wurden und das bei der Bewertung nicht berücksichtigt wurde. Mein Hinweis, dass das betreffende Kind gerade in diesem, nicht geprüften Teil, mMn. gravierende Probleme hat, wurde übergangen – Kein Förderbedarf! Ich wies die Eltern daraufhin auf ihr Widerspruchsrecht gegen den Bescheid hin. Danach bekam ich einen Anruf vom Schulrat, wieso ich die Eltern „aufhetze“. Dieses Widerspruchsrecht gegen einen Förderbescheid haben Eltern in Berlin übrigens seit einigen Jahren nicht mehr, sie müssten jetzt klagen! – “ 2 Jahre später, neue Schulleitung fragt mich als Sopäd warum uns dieses Kind „untergegangen“ sei und wir nicht bemerkt hätten, dass es gravierende schulische Probleme hat, die jetzt zu Schulverweigerung führten. Die Klassenlehrerin des Kindes hat übrigens auch ohne Förderbedarf das beste für das Kind versucht, individuelle Hilfen gegeben soweit möglich, aber bewerten musste sie das Kind „normal“, ohne Abstriche.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

In Niedersachsen können Eltern nicht verhindern, dass ihr Kind überprüft wird. Sie können dem Ergebnis des Fördergutachtens, dass in der Förderkommission besprochen wird (diese Förderkommission findet aber nur statt, wenn Eltern das explizit beantragen…) eine Stellungnahme beilegen und so zur Kenntnis geben, dass sie mit dem Ergebnis und der Überprüfung nicht einverstanden sind. Ob ihre Eingabe Berücksichtigung findet liegt dann im Ermessen des zuständigen Dezernenten…

Tja das System krankt an allen Ecken und Enden.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Mir ist gerade noch ein Beispiel eingefallen, warum ich kein Fan von „Tests“ bin: Kurz vor meinem Ruhestand hatten wir einen Schüler (Muttersprache D, sprach aber kaum verständlich), Kita äußerte Verdacht auf GE, wir vermuteten nach einigen Monaten individueller Förderung und Beobachtungen Förderbedarf Lernen, neben verschiedenen psychischen und sozialen Problemen und stellten den entsprechenden Antrag. Das Kind wurde nur mit einem non-verbalen Test geprüft und die Ergebnisse waren im unteren Norm-Bereich. Allerdings muss man dazu wissen, dass der Vater und das Kind ständig mit Computerspielen beschäftigt waren und der Junge dadurch, schon von klein an, auf Aufgaben wie Musterreihen vervollständigen „programmiert“ war. Daher vermutlich auch seine sonstigen Auffälligkeiten (mangelnder Wortschatz und Sprachverständnis, ständige Müdigkeit, geringe Belastbarkeit, motorische Unruhe, …) => kein Förderbedarf, keine Unterstützung für den Lehrer und für das Kind nur das, was der Lehrer nebenbei zu den anderen Schülern der Brennpunktschule noch an eigenen „Reserven“ für dieses Kind mobilisieren kann.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Ich sprach nicht von standardisierten Tests, sondern von einem standardisiertem Verfahren zur Feststellung des Förderbedarfs. Mit den dazu verwendeten Testverfahren kenne ich mich nicht aus – also kann ich diesbezüglich nichts darüber aussagen, ob und welche Tests für die Feststellung des jeweiligen Förderbedarfs geeignet sind.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Ein „Standardisiertes Verfahren“ für den Förderbedarf Lernen, das kenne ich noch von „früher“. Wird aber seit 1990 nicht mehr angewendet. 🙂

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Ein standardisiertes Verfahren zur Feststellung eines Förderbedarfs…man nennt diesen Vorgang auch Überprüfungsverfahren – könnte man mit Test, Testung in den Zusammenhang stellen.

Xxc
1 Monat zuvor

Ich war selbst früher an einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen. Damals haben die Lehrer gesagt, dass sie mich nicht umschulen wollen, weil ich sonst angeblich gemobbt werden würde. Die Lehrer haben sogar andere Schüler fertig gemacht, wenn sie den Wunsch geäußert haben gerne auf eine normale Hauptschule zu kommen. Als ich nach der 9. Klasse mich getraut habe auf eine normale Hauptschule zu gehen, hat meine neue Mathelehrerin mich gefragt, warum ich überhaupt solange auf einer Förderschule war. „Wenn ich dir was erkläre, verstehst du es doch“. Hat sie mir gesagt. Danach hab ich sogar die mittlere Reife gemacht und dann die Fachhochschulreife.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Xxc

Das tut mir leid, dass Sie so negative Erfahrungen machen mussten und es freut mich, dass Sie trotz allem Ihren Weg gemacht haben. Ich hoffe, dass die So-Päds wirklich nur das beste für Sie wollten und deshalb Sie sin diesem Sinn beraten haben. Allerdings sind auch Schulen nicht frei von „Fehlern“.
Ich selbst habe Anfang der 90er Jahre einmal einen umgekehrten Fall an meiner damaligen Sonderschule Lernen gehabt:
Zu Beginn des Schuljahres bekam ich einen neuen Schüler in meine 8. Klasse, Umzug der Familie innerhalb Berlins, Migrationshintergrund. Sehr schnell fiel mir und auch Fachlehrern auf, dass der Junge anscheinend nicht lernbehindert war. Es dauerte ein paar Wochen, bis die Schülerakte von der vorherigen Schule bei uns ankam. Aus der Akte ging hervor, dass der Schüler in der 6. Klasse(Berlin 6 Jahre GS) eine Hauptschulempfehlung bekam und keine Überprüfung auf Fö-bedarf Lernen gestellt wurde. Wir luden daraufhin die Eltern zu einem Gespräch ein, zum Glück spreche ich ganz gut russisch und konnte mich mit ihnen verständigen. Es stellte sich heraus, dass die Hauptschule die Eltern bewusst „abgewimmelt“ hatte und ihnen die Sonderschule schmackhaft machte (ganz tolle Schule). Die Eltern wussten nicht, dass sie ihr Kind auf der Sonderschule angemeldet haben und diese Schule (vor dem Umzug zu meiner Schule) hat auch nicht genau hingesehen. Warum auch immer. Daraufhin hat sich meine Schule mit unserer benachbarten Hauptschule in Verbindung gesetzt, damit der Junge dorthin wechseln konnte. Allerdings hat er dadurch ein Jahr verloren. Wir und die Hauptschule stuften ihn in die 7. Klasse ein. Aber ich glaube, es war am besten so. Übrigens sprach der Junge sehr gut deutsch, seine Eltern leider nicht, sonst hätten sie den „Fehler“ bemerkt. Die andere Schule hätte mMn. für solch ein „Beratungsgespräch“ einen Dolmetscher hinzuziehen müssen!

Lisa
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ich habe das eher bis noch vor 15 Jahren auch erlebt, dass Schulen – nicht nur Förder , sondern auch Hauptschulen – „fitte“ Schüler gerne einmal für sich behalten wollten. Da ging es aber oft um drohende Schulschließungen, und jedes Kind zählte.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Lisa

Könnte auch ein grund sein. ich hatte damals eher das „Gefühl“, dass die Hauptschule einen „Migranten“ weniger wollte.

Freia
1 Monat zuvor

Der Schulalltag sieht leider gegenteilig aus. Es kommen etliche S:S mit echter Lernbehinderung undiagnosziziiert aus der Grundschule in die weiterführende Schule. Diese müssen dann dort ohne Ressource erfasst, diagnostiziert und aufgefangen werden. Den Grundschulen müssten mehr Ressource dafür zur Verfügung gestellt werden, damit diese Kinder eine echte Chance auf Bildung und Förderung erhalten und sie nicht einfach undiagnostiziert weitergereicht werden.

Egvina
1 Monat zuvor
Antwortet  Freia

Ohne Ressourcen müssen die Kinder an den GS ebenfalls erfasst, diagnostiziert und aufgefangen werden. Wir haben allerdings auch schon öfter die Erfahrung gemacht, dass die weiterführenden Schulen schnell damit bei der Hand sind, für die Kinder, die wir KL an den GS durch individuelle Förderung zielgleich unterrichten konnten, ein AO-SF zu eröffnen.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Freia

Die Vorgaben werden immer enger und die Bedingungen, ein Verfahren zu beginnen, höher, Gutachten werden nicht anerkannt, ja, die Bedingungen dafür sind teilweise intransparent.
Die Schule muss über Zeugnisse, durchgängige Förderpläne und Arbeitsnachweise schon vorab dokumentieren, was alles an Förderung erfolgt ist – über mehr als 1 Jahr, bevor ein Verfahren eröffnet werden darf. selbst wenn das Kind im 1. Halbjahr extrem auffällig ist, wird es zu keinem Verfahren kommen.

Danach kam für NdS die Ansage, dass man erst nach 1 Jahr melden dürfe, nun darf man erst zum 2. Halbjahr im 2. Schuljahr melden (da waren wir schon vor der Einführung der Inklusion und es war übel). Mit Wiederholung in Klasse 1/2 wäre das Kind dann im 3. Schulbesuchsjahr.
Erst dann wird das Verfahren eröffnet und ab Februar sind die SoPäds dann mit den Testungen und ihrem Teil des Gutachtens beschäftigt, mit Glück ist das bis zum Sommer fertig, aber das gelingt nicht immer.

Dann bleibt der Schule, dass das Kind aufrückt, was es wegen der Wiederholung ohnehin täte.
Zusätzliche Stunden bekommt die Schule ohnehin nicht, wegen des Lehrkräftemangels oft nicht einmal die Grundversorgung.
Ausfallende SoPäds (z.B. Langzeiterkrankung) werden nicht ersetzt, weil keine Lehrkräfte da sind und es dafür keine Vertretungsreserve gibt. Die Grundschule muss dann ohne SoPäd auskommen.

Liegen für eine Beeinträchtigung keine medizinischen Diagnosen oder Berichte vor, ist das Erstellen eines Gutachtens Hören/Sehen quasi unmöglich. Eine Lehrkraft kann ein Kind nicht zum Augenarzt zwingen und auch nicht zum SPZ.
Gutachten, die mehrere Schwerpunkte haben, sind besonders knifflig, auch da fehlen Regelungen für Zuständigkeiten.

Michael Felten
1 Monat zuvor

Artikel wie Gutachten plädieren indirekt dafür, die Zuerkennung eines formalen Förderstatus abzuschaffen – unter dem Vorwand, dieser wirke segregierend, es brauche einfach generell bessere präventive Förderarbeit.

Welche Missachtung von Spezifik und Tiefe sonderpädagogischer Förderbedarfe!

Im übrigen war schulische Inklusion bei gedeckelten Ressourcen schon immer eine „Mogelpackung“.

Wer die Feststellung von Förderbedarf (AO-SF) schleift, ersetzt nur das Ressourcen-Etikettierungs-Dilemma durch das noch stärkere Fokus-Unschärfe-Dilemma: Was nicht mehr begrifflich gefasst wird, bleibt allzu schnell un- bzw. unterfördert.

Magie also auch im 21. Jahrhundert: Schaffe die Begriffe ab – und Du hast die Probleme gelöst …

Elisabeth
1 Monat zuvor

Genau so erlebt in BaWü. Bis heute mache ich mir Vorwürfe, dass ich zugelassen habe, dass meiner Tochter der Förderbedarf Lernen zuerkannt wurde. Die Förderschule wurde uns schön geredet, kleine Klassen, individuelle Unterstützung, und ein Abschluss sei ja auch an der Förderschule möglich… Im letzten Schuljahr bot die Schule dann plötzlich doch keinen Abschluss an, und ein Wechsel an die Regelschule war keine Option mehr, da der Englischunterricht u.a. durch Servietten-Falten (!!!) ersetzt worden war. Ein ganzer Jahrgang ohne Abschluss, ohne Chance auf Ausbildung usw. – mit Schülern, von denen einige (notgedrungen über Umwege) inzwischen die mittlere Reife geschafft haben!
Leider bin ich zu lange naiv gewesen, und habe geglaubt, der zuerkannte Förderbedarf sei etwas Sinnvolles. Meiner Tochter hat es in ihrer persönlichen und schulischen Entwicklung sehr geschadet.

Elisabeth
1 Monat zuvor

Genau so erlebt in BaWü. Bis heute mache ich mir Vorwürfe, es zugelassen zu haben, dass meiner Tochter der Förderbedarf Lernen zuerkannt wurde. Es wird einem ja schöngeredet, wir dachten tatsächlich, unsere Tochter würde in der Regelschule bei ihren Freunden bleiben und ein paar extra Stunden haben. Doch weit gefehlt! Schon kurz nach Erhalt des Förderbescheides hat die Förderschule „ihre“ Schülerin eingefordert; die inklusive Förderstunden an der Regelschule wurden kurzerhand beendet; man hat uns in Gesprächen mit dem Schulamt unter Druck gesetzt, bis wir dem Wechsel an die Förderschule zugestimmt haben. Diese Förderschule wirbt mit ihrem Ganztags-Konzept, alle Wege stehen angeblich offen, selbstverständlich auch ein Abschluss. Ich war leider naiv genug, zu glauben, mein Kind sei gut aufgehoben. Im letzten Schuljahr wurde dann kurzfristig plötzlich doch kein Abschluss angeboten. Für einen Wechsel zurück an die Regelschule war es zu spät, da der Englischunterricht u.a. durch Servietten-Falten (!!!) ersetzt worden war. Ein ganzer Jahrgang stand da ohne Abschluss, ohne Aussicht auf Ausbildung – aber das sei ja nicht schlimm, denn ihr Weg führe sowieso in die Werkstatt für behinderte Menschen.
Erst an diesem Punkt bin ich aufgewacht. Von diesen angeblich lernbehinderten Schülern haben inzwischen einige (notgedrungen auf Umwegen) ohne besondere Förderung die mittlere Reife erworben.
Ich weiß nicht, wer letztlich den Vorteil aus der Zuerkennung von Förderbedarfen hat – unserer Tochter hat es jedenfalls in ihrer persönlichen und schulischen Entwicklung sehr geschadet.

Lisa
1 Monat zuvor
Antwortet  Elisabeth

Niemand hat einen Vorteil. Es geht darum, dass keine Ressourcen da sind, wirklich zu inkludieren, nur Sonntagsreden und deshalb Kinder eben nicht gefördert werden. Den Eltern tut das weh, den Lehrern auch, und die Schüler sind die Leidtragenden. Ich kann eigentlich nur raten, politisch zu kämpfen, sich mit anderen Eltern zusammen zu schließen, die Abgeordneten anzuschreiben, zu demonstrieren und Petitionen zu verfassen. Auch interessant: Bei den Parteien nachfragen, wie denn genau ihre Pläne für Bildung aussehen.

Einfachich
1 Monat zuvor

Das schlimmste an allem sind die Tests für die Kinder. Niemand denkt daran wenn ein 5 bzw. 6 jähriger auf einmal einem Fremden gegenüber sitzt.
Ich selber habe ein besonderes Kind, also sowieso zum Test.
Die „nette“ Dame kommt schon mit Vorurteilen gegenüber Trisomie 21 guckt abwertend und meint du bist aber klein und zart ohne Hallo oder ähnliches…Test gelaufen…
Kind muss nun in eine G Schule und lernt fleißig wo oben und unten ist und Farben, leider nur kann sie das schon alles, sogar die Hälfte alles Buchstaben und Zahlen bis 20 kann sie lesen, nicht perfekt schreiben aber erkennt sie, nutzt nur nix weil einer gelesen Trisomie 21, also behindert und dumm.
So zieht sich das durch ihr ganzes Leben, sie ist normal wie jedes andere Kind auch kann lernen und versteht auch, nur andere wollen sie nicht. Natürlich hat sie in dem einen oder anderen Bereich eine Einschränkung, aber was sie alles kann interessiert niemanden, weil sie hat ja eine Diagnose.
Inklusion gibt’s anscheinend nur auf dem Papier, wir haben davon noch nicht viel erlebt.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Einfachich

„Inklusion gibt’s anscheinend nur auf dem Papier“

So ist es – was hier in D abläuft, ist eine riesige fiese Sparmaßnahme auf dem Rücken der Kinder und Lehrkräfte. Die Regelschulen sind offiziell zur Inklusion verpflichtet, nur bekommen sie keine Sonderpädagogen in der notwendigen Zahl. Wenn Ihr Kind Glück hat, ist von den 20? Unterrichtsstunden pro Woche genau 2h ein Sonderpädagoge dabei, um individualisiert mit Ihrem Kind auf dessen Niveau zu arbeiten. Ist der Sopä krank oder muss Vertretung machen: Pech gehabt. In den ersten Wochen und vielleicht Monaten kann Ihr Kind mithalten, danach wird ihm immer stärker bewusst, dass es eben nicht so lernen kann wie die anderen. Und bei bis zu 25 Kindern in der Klasse ist die Bereitstellung individualisierter Materialien durch die Regellehrkraft nur sehr begrenzt möglich, zumal wir keine Ausbildung in Sopä haben.
Unter diesen Umständen halte ich persönlich die Förderschule im Interesse des Kindes auch für die bessere der beiden schlechten Lösungen.
Frage: kann die Förderschule nicht besser für Ihr Kind passende Angebote machen?

Einfachich
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Sie sitz nun in einer Klasse mit 9 stark geistig und körperlich behinderten Kindern, die zu dem auch noch körperliche Pflege brauchen , 1 Lehrerin und 1 Pädagogin. Die haben keine Zeit auf meine einzugehen und ihr anderes zu lernen. Das versuche ich so gut es geht nach dem Schultag od am Wochenende noch.
Es ist traurig das man einfach abgestempelt wird.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Einfachich

In welchem BL ist denn die freie Schulwahl ausgehebelt?

In NDS haben die Eltern das Recht, eine Schule zu wählen, das kann immer auch eine Regel-Grundschule sein.
Das erfolgte Gutachten zwingt nicht mehr zum Schulwechsel. Auch das kann ein Grund sein, warum es mehr Gutachten gibt, Eltern sind eher einverstanden, wenn das Kind an der Schule bleiben kann, Widersprüche werden seitens der Landesschulbehörde ohnehin gemieden.

Einfachich
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Wohnen in sachsen. Hier kann man anscheinend nicht wählen egal was man versucht. Es ist ganz schlimm

Einfachich
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Sie muss jetzt ein Jahr in die G Schule. Versuche natürlich gleich eine andere noch zu finden. Das sie dort nichts wirklich lernen wird. Und wenn ich sie jeden Tag ne halbe Stunde fahren muss wäre mir auch egal. Hauptsache sie kann ordentlich lernen.

Hellen
1 Monat zuvor

Ich arbeite in der Förderschule

und ich kann nur sagen, daß kein einziges Kind, ohne Schulbegleitung in der Regelschule gut aufgehoben wäre.

Die Grundschullehrer sind jetzt schon am Limit, was soll denn diesen noch zugemutet werden.

Die Zahl ist erhöht aufgrund der Zuwanderung, da auch viele Kinder mit Förderbedarf nach Deutschland kommen
da dies ein Bleibestatus begünstigt
und Eltern im Herkunftsland nicht die Förderung erhalten die sie hier erhalten.

Sozialstaat Deutschland

Der Schreiber der Kolumne sollte vielleicht eine Woche in der Förderschule hospitieren und sich selbst ein Bild machen.

AlexB
1 Monat zuvor

[NRW] Vor einigen Jahren wurden wir (Grundschule) ins Schulamt geladen zu einer Fachtagung Inklusion. Tenor: Wir etikettieren möglichst nicht mehr, sondern arbeiten präventiv. Alle GL-Schulen erhalten einen Grundbedarf an Sonderpäda-Stellen, den sie besonders für die Förderung der Kinder nutzen können, so dass keine Anträge mehr gestellt werden müssen.
Wir haben sehr erfolgreich und präventiv gearbeitet mit unserem Sonderpäda-Team, gemeinsam mit den Klassenleitungen. Im vergangegenen Jahr hieß es dann: Wir müssen Sonderpädagogen abordnen, weil wir zu wenige etikettierte AOSF-Kinder haben und andere Schule mehr. Aus ist’s mit der Prävention. Die Forlge: Jetzt etikettieren wir wieder wie die Wilden, um unser Team zurückzubekommen, denn der Bedarf ist natürlich nicht kleiner geworden.

Fazit: Eine Änderung von ganz oben hat den Bedarf künstlich erhöht. Ein erfolgreiches Modell ist von ganz oben mit einem Federstrich kaputt gemacht worden. Und jetzt wundert man sich und muss Gutachten in Auftrag geben.

Hinzu kommen natürlich steigende gesellschaftliche Problemlagen, die hier mit keinem Wort berücksichtigt werden: Viel zu geringe vorschulische Förderung, massive mediale Überforderung, mangelnde haptische Forderung. Tablets und Smartphones für Kleinkinder, um diese ruhig zu stellen. Merkt denn eigentlich keiner, dass dies Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten hat und immer mehr Förderbedarf besteht?

Dagmar Schäfer
1 Monat zuvor

Eine Bildungswende in den Grundschulen ist Grundlage!
Jede Grundschulklasse braucht ein pädagogisches Verantwortungs-Team.

Unterschreiben Sie die Initiative
https://www.openpetition.de/!jxbss

Dass Kinder und Jugendliche in Inklusion zu Demokraten/Innen mit freiheitlichen Grundwerten werden, erreichen wir niemals durch „Unterrichten im Stressbetrieb“, sondern dadurch, dass sie diese Werte von Anfang an erfahren und erleben können.

Dies beginnt spätestens in einer Grundschule, wo sich jedes Kind gesehen und gehört fühlen kann, wo es als anerkanntes Mitglied sein Potential entwickeln kann. Und in der Gruppe lernt, miteinander zu sprechen,Unstimmigkeiten zu klären und Engagement zeigen darf.
Doch leider lassen wir unsere Grundschulen seit Jahrzehnten im Stressbetrieb laufen und begnügen uns mit gutgemeinten Leitbildern und Lehrplänen, die aber im Realbetrieb ihre Ziele weit verfehlen.

Die Primarschulen brauchen eher heute als morgen eine Bildungswende. Sie besteht ganz einfach darin, dass für die Kinder Verantwortungsteams gebildet werden. Diese haben Zeit für jedes Kind und können die Klasse über mehrere Jahre so führen, dass kein Kind mehr verloren geht, sinnstiftender und förderlicher Unterricht mit Blick auf jedes Kind stattfinden kann. Die Berg Fidel Schule macht das seit Jahrzehnten vor.

Es muss aufhören, dass man die sechsjährigen Kinder in Klassen steckt, in die abwechselnd einzelne Lehrkräfte kommen, die unter Zeitdruck stehen, mitten in der besten Unterrichtsstunde gehen müssen, weil das nächste Fach auf dem Plan steht und für Kooperation und Fürsorge keine Luft haben. Oder Kinder ständig Vertretungen, Unterrichtsausfälle erleben müssen, die Kontinuität und das persönliche Gespräch vermissen lassen.

Unsere Schulpolitik ist leider ohne Vision und flickschustert unter Druck einfach weiter. Geld für Bildung ist wichtig, es kann aber auch einfach im System versickern.

Wer nachdenkt, weiß, dass wir chancengerechte und inklusive Bildung – und genauso wichtig: Bildung, die die jungen Menschen fähig zur Demokratie, zum konstruktiven Engagement macht – nur erreichen, wenn wir den Kindern einen Rahmen geben, in dem sich jedes freudig angenommen, integriert und gut gefördert weiß. Das braucht Personal und eine klare Absicht, die nicht nur auf dem Papier steht.
In 10 Jahren können wir dort sein, wenn jetzt Wahrheiten ausgesprochen und berücksichtigt werden.

Bitte unterschreiben Sie dafür die Initiative
https://www.openpetition.de/!jxbss

Mein_Senf
1 Monat zuvor

Ich kann das nach 20 Jahren beantworten: Ja, es ist eine Mogelpackung! Früher im GU (Gemeinsamer Unterricht) hatten wir 3/4 aller Stunden im Teamteaching, sobald nur 2 Förderkinder in der Klasse waren. Jetzt wird ein Förderbedarf kaum noch anerkannt, auch wenn er sichtlich beeinträchtigt und der Förderlehrer kommt für 1-2 Stunden vorbei – obwohl es 5 Kinder mit Förderbedarf und weitere 6-7 mit VM (Vorbeugende Maßnahmen) gibt. Alle sind damit überfordert, man wird keinem Kind gerecht – weder denen, die Hilfe brauchen, noch denen, die gefordert werden müssten/könnten.

Arne Hämpel
1 Monat zuvor

Kann das für Berlin, ja wir sind entgegen Landesmeinung ein Ballungsgebiet, nur bestätigen, eine Abschaffung von Sonderschulen und Sonderpädagogischen Förderzentren hätte sofort nach der Wiedervereinigung bundesweit in die Wege geleitet werden müssen. All das pädagogische Personal und andere Professionen gehören in und an die Schule, den dort befinden sich die Schüler*innen und damit kann ein multiprofessioneller Austausch stattfinden. So kann eine inklusive Schule für alle und Bildungsgerechtigkeit nicht funktionieren und ist offenbar politisch nicht gewollt, von monetären Ressourcen abgesehen. Man kann 1 km Autobahn bauen oder 1 gute Gemeinschaftsschule gut bis sehr gut ausstatten, das Geld ist da, man muss es nur richtig verteilen. Integrativer Lerntherapeut an einer Gemeinschaftsschule