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Ins kalte Wasser: Studierende halten in vielen Schulen den Unterricht aufrecht – allein vor einer Klasse (und häufig fachfremd)

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BERLIN. Lehramtsstudierende stehen längst nicht mehr nur im Hörsaal oder in Praktika vor Schulklassen. In vielen Bundesländern übernehmen sie regulären Unterricht, vertreten ausgefallene Lehrkräfte und tragen dazu bei, dass Unterricht überhaupt stattfinden kann. Eine bundesweite Untersuchung des Stifterverbandes zeigt nun erstmals, in welchem Umfang Schulen auf diese Reserve zurückgreifen – und welche Folgen das für die Qualität von Unterricht und Lehrkräftebildung haben könnte.

Sprung ins kalte Wasser. Foto: Shutterstock

Der Hintergrund ist bekannt: Der Lehrkräftemangel hält an. Nach Berechnungen der Kultusministerkonferenz und Prognosen des Bildungsforschers Klaus Klemm werden in den kommenden Jahren zwischen 68.000 und 81.000 Lehrkräfte fehlen. Schulen suchen deshalb zunehmend nach Wegen, Personallücken kurzfristig zu schließen. Eine dieser Lösungen sind Lehramtsstudierende, die als Vertretungslehrkräfte beschäftigt werden. Die jetzt veröffentlichte Studie mit dem Titel „Wenn Studierende Unterricht sichern“ hat erstmals bundesweit untersucht, wie verbreitet diese Praxis ist und unter welchen Bedingungen sie stattfindet.

Für die Untersuchung befragte der Stifterverband Ende 2025 insgesamt 2.268 Lehramtsstudierende an 69 der 72 lehrkräftebildenden Hochschulen Deutschlands. 947 von ihnen arbeiteten zum Zeitpunkt der Befragung als Vertretungslehrkraft, weitere 225 hatten entsprechende Erfahrungen in der Vergangenheit gesammelt. Ergänzend wurden Kultus- und Wissenschaftsministerien der Länder zu ihren Regelungen und Erfahrungen befragt.

Die Ergebnisse legen nahe, dass studentische Vertretungslehrkräfte inzwischen zu einem festen Bestandteil der Unterrichtsversorgung geworden sind. In der Befragung gaben 42 Prozent der Lehramtsstudierenden an, aktuell als Vertretungslehrkraft tätig zu sein. Weitere zehn Prozent hatten diese Tätigkeit bereits ausgeübt. Zwar weisen die Autoren darauf hin, dass der tatsächliche Anteil bundesweit niedriger liegen dürfte, weil sich besonders häufig Studierende mit entsprechenden Erfahrungen an der Umfrage beteiligt haben könnten. Gleichwohl decken sich die Ergebnisse mit anderen Untersuchungen, die ebenfalls auf eine erhebliche Verbreitung hinweisen.

Dabei übernehmen die Studierenden häufig Aufgaben, die weit über gelegentliche Vertretungsstunden hinausgehen. Von den aktuell tätigen studentischen Vertretungslehrkräften berichten 95 Prozent, allein vor der Klasse zu stehen und eigenständig Unterricht zu erteilen. Die Studie zeichnet damit das Bild eines Schulsystems, das vielerorts auf Studierende angewiesen ist, um Unterrichtsausfall zu begrenzen.

Gleichzeitig sehen die Autoren erhebliche Risiken. Vier von zehn studentischen Vertretungslehrkräften befinden sich noch im Bachelorstudium oder in einer vergleichbaren frühen Phase des Staatsexamensstudiums. Vier Prozent unterrichten sogar bereits im ersten Studienjahr. Nach Einschätzung des Stifterverbandes erfolgt der eigenverantwortliche Unterricht damit häufig noch vor Abschluss zentraler Professionalisierungsphasen, in denen pädagogische, diagnostische und fachdidaktische Kompetenzen systematisch aufgebaut werden. Für die Autorinnen und Autoren ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: „Eigenverantwortlicher Unterricht darf grundsätzlich nur von Studierenden im Masterstudium beziehungsweise im fortgeschrittenen Stadium des Staatsexamens (Hauptstudium/2. Studienphase; etwa 4. Studienjahr) übernommen werden.“

Besonders deutlich werden die Probleme beim fachlichen Einsatz. Mehr als 90 Prozent der studentischen Vertretungslehrkräfte unterrichten mindestens ein Fach, das sie selbst nicht studieren. Selbst in den Kernfächern Deutsch und Mathematik ist fachfremder Unterricht weit verbreitet. Von denjenigen, die Deutsch unterrichten, studieren lediglich 57 Prozent dieses Fach. In Mathematik liegt der Anteil sogar nur bei 41 Prozent. Damit stehen häufig Studierende vor Klassen, die weder die fachwissenschaftliche noch die fachdidaktische Ausbildung für das jeweilige Fach vollständig durchlaufen haben.

Die Autoren sehen darin einen bildungspolitischen Widerspruch. Gerade die Stärkung von Lese- und Mathematikkompetenzen gehört seit Jahren zu den zentralen Zielen von Bund und Ländern. Nach den schwachen Ergebnissen internationaler Leistungsvergleichsstudien wie PISA werden erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern zu verbessern. Zugleich zeigen zahlreiche Studien, dass fachliche und fachdidaktische Kompetenzen der Lehrkräfte einen wesentlichen Einfluss auf den Lernerfolg haben. Vor diesem Hintergrund erscheint der umfangreiche fachfremde Einsatz von Studierenden besonders problematisch. Die Autorinnen und Autoren fordern deshalb: „Studentische Vertretungslehrkräfte dürfen in zentralen Basiskompetenzfächern wie Deutsch und Mathematik nur bei entsprechender fachlicher Qualifikation eingesetzt werden. Auch in den anderen Fächern sollte nicht fachfremd unterrichtet werden.“

„Studierende dürfen keine Klassenleitungen übernehmen und nicht an Abschlussprüfungen beteiligt werden“

Hinzu kommt, dass manche Studierende Aufgaben übernehmen, die üblicherweise erfahrenen Lehrkräften vorbehalten sind. Neun Prozent der Befragten geben an, Klassenleitungen zu übernehmen oder an Abschlussprüfungen beteiligt zu sein. Sechs Prozent führen eine Klassenleitung, zwei Prozent wirken an Abschlussprüfungen mit, ein weiteres Prozent übernimmt beides. Die Autorinnen und Autoren sehen darin eine problematische Entwicklung. Sie fordern: „Studierende dürfen keine Klassenleitungen übernehmen und nicht an Abschlussprüfungen beteiligt werden. Diese Aufgaben erfordern umfassende professionelle Erfahrung und gehen über einen qualifikationsangemessenen Einsatz von Studierenden hinaus.“

Noch deutlicher fallen die Defizite bei der Betreuung aus. Zwar berichten rund 60 Prozent der Befragten von einer festen Ansprechperson oder einem Mentoring an ihrer Schule. Mehr als ein Drittel erhält jedoch überhaupt keine Begleitung. Besonders gering ist die Unterstützung durch die Hochschulen. Lediglich vier Prozent der studentischen Vertretungslehrkräfte geben an, dass ihre Tätigkeit hochschulisch begleitet wird. Dabei gilt die Reflexion praktischer Erfahrungen als eine zentrale Voraussetzung professioneller Entwicklung im Lehramtsstudium.

Die Tätigkeit wirkt sich zudem auf den Studienalltag aus. Rund die Hälfte der Befragten berichtet von zeitlichen Konflikten zwischen Studium und Erwerbstätigkeit. Gleichzeitig bewerten die meisten ihre Erfahrungen positiv. Mehr als neun von zehn studentischen Vertretungslehrkräften erklären, die Tätigkeit motiviere sie zum Abschluss ihres Studiums. 95 Prozent bewerten ihren Schuleinsatz insgesamt als gut oder eher gut. Die Studie beschreibt damit ein Spannungsverhältnis: Einerseits gewinnen die Studierenden wertvolle Praxiserfahrungen, andererseits geraten Studium und Berufstätigkeit häufig in Konkurrenz zueinander.

„Schulen werden auf absehbare Zeit nicht auf studentische Vertretungslehrkräfte verzichten können“

Aus Sicht des Stifterverbandes reicht es deshalb nicht aus, Studierende lediglich als zusätzliche Personalreserve einzusetzen. „Der Einsatz studentischer Vertretungslehrkräfte muss verpflichtend begleitet werden. Dabei geht es vor allem um die Vor- und Nachbereitung sowie die Reflexion des Unterrichts. Nur so lässt sich vermeiden, dass sich unreflektierte Handlungsroutinen verfestigen, statt Professionalisierung zu fördern.“ Ebenso müsse „der Einsatz studentischer Vertretungslehrkräfte zeitlich und strukturell so gestaltet werden, dass Studienverlauf und Studienerfolg nicht beeinträchtigt werden.“

„Schulen werden auf absehbare Zeit nicht auf studentische Vertretungslehrkräfte verzichten können. Doch solange Schulen, Hochschulen und Ministerien nur auf ihre begrenzten Ressourcen verweisen und die Verantwortung bei den jeweils anderen suchen, wird sich am Schuleinsatz Lehramtsstudierender wenig verbessern“, sagt Bettina Jorzik, Programmleiterin für Hochschullehre und Lehrkräftebildung im Stifterverband. „Verantwortlichkeiten müssen künftig klar abgesteckt werden und alle Beteiligten ihren Beitrag leisten.“

Wie die Autoren im Fazit schreiben, sind studentische Vertretungslehrkräfte „keine bloßen Lückenfüller, sondern leisten unter den aktuellen Bedingungen einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Schulsystems“. Entscheidend sei deshalb „nicht das Ob, sondern das Wie ihres Einsatzes – mit klaren Rollen, guter Begleitung und fairen Arbeitsbedingungen“.

Brisant ist dabei vor allem, dass diese Forderungen keineswegs neu sind. Bereits im Januar 2023 hatte die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz empfohlen, studentische Vertretungslehrkräfte nur in fortgeschrittenen Studienphasen einzusetzen, fachfremden Unterricht zu vermeiden, Klassenleitungen auszuschließen und eine verbindliche Betreuung sicherzustellen. Die nun vorgelegten Daten legen nahe, dass diese Empfehlungen vielerorts bislang nicht umgesetzt werden. News4teachers 

Hier geht es zum Policy Paper des Stifterverbands, das die Studie zusammenfasst. 

Pädagogik-Professor: Lehramtsstudierende zur Assistenz in den Unterricht

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28 Kommentare
Heinz
1 Monat zuvor

Naja das schöne an Schulen im Gegensatz zu anderen Berufen (z.b. einem Chirurg) ist doch:

In Schulen stirbt niemand den tot sofort, wenn es vollkommen falsch läuft. Es ist ein langsamer schleichender tot, der sich über Legislaturperioden hinweg zieht und nur in internationalen Vergleichen immer mehr sichtbar wird.

Niemand würde einen Medizinstudenten die Verantwortung für eine schwere Operation geben. Niemand würde den Fahrschüler den Reisebus fahren lassen. Niemand würde dem Azubi für Luft- und Raumfahrttechnik alleine den Satteliten bauen lassen. Und wenn ich ehrlich bin, ich lasse nicht mal einen Azubi an meine Haare beim Friseur dran.

Mannkannesnichtfassen
1 Monat zuvor
Antwortet  Heinz

Das ganze System stirbt einen langsamen Tod. Studenten fachfremd alleine vor einer Klasse sind nur ein Symptom der ganzen Krankheit.

Ich_bin_neu_hier
1 Monat zuvor
Antwortet  Heinz

„Und wenn ich ehrlich bin, ich lasse nicht mal einen Azubi an meine Haare beim Friseur dran.“ Und wie lernt der das dann? Natürlich gibt es Grenzen, was man einem Azubi anvertrauen kann, insbesondere die Sicherheit anderer Personen – da bin ich ganz bei Ihnen. Davon abgesehen sind die Grenzen dessen, was Azubis eigenständig leisten können, allerdings viel weiter gesteckt, als man unwillkürlich meinen würde:

https://www.ardmediathek.de/video/ndr-info/emsland-nur-noch-azubis-auf-der-baustelle/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS83Y2Q5YzFmNi1mNzg3LTQ0ZmMtOGY3Yi0zNWI2MzViM2YwZWY

Das Problem ist natürlich, diese Azubis arbeiten auf der Baustelle als Team, und Lehrkräfte arbeiten im Klassenzimmer stark eigenverantwortlich. Zudem können die an der Schule eingesetzten Studierenden während des Unterrichts eben nicht nicht auf den Input eines Mentors zurückgreifen, selbst wenn sie das möchten.

Trotzdem wird diese Unterrichtserfahrung von den Studierenden selbst zu Recht überwiegend als bereichernd und motivierend empfunden – es fehlt halt nur, wie immer im deutschen Schulsystem, an der sinnvollen Ausstattung mit Ressourcen: Anrechnungsstunden für Lehrkräfte, die als Mentoren eingesetzt werden, zeitliche Freiräume im Stundenplan für gemeinsame Besprechungen usw. Das ist auch kein Wunder – das ist es schließlich, was Lehrermangel bedeutet: einen Mangel an Ressourcen, nämlich qualifiziertem Personal.

Heinz
1 Monat zuvor
Antwortet  Heinz

Die ersten beiden sollten natürlich „Tod“ heißen.

Nick
1 Monat zuvor

Die Besoldung für verbeamtete Lehrer nach A14 ist also gar nicht erforderlich. Es geht auch kostengünstiger… Ironie off.

Richmond
1 Monat zuvor
Antwortet  Nick

Gymnasiallehrer haben sich A14 redlich verdient. Sonst wandern sie in andere Branchen ab, wo die Arbeitszeiten und das Gehalt besser sind!! 🙂

Nick
1 Monat zuvor
Antwortet  Richmond

In der Masse? In welche Branchen?

Hannah
1 Monat zuvor
Antwortet  Richmond

Welche Branche wartet denn auf Gymnasiallehrer? Und wie viele geben freiwillig den Beamtenstatus mit all seinen Privilegien auf? Und in welchen Branchen hat man bei mind. 42,5 Stunden Wochenarbeitszeit ein besseres Gehalt und 12 Wochen frei im Jahr?

Nick
1 Monat zuvor
Antwortet  Hannah

Hinzu kommt ein entsprechendes Alter. Wo kann ein Gymnasiallehrer mit einem vergleichbaren Gehalt A14 im Alter x>45 Jahre in der freien Wirtschaft überhaupt noch unterkommen? Dann kommt noch die Frage der gesetzlichen Krankenversicherung und die Anrechnung der Dauer der Betriebszugehörigkeit für die nachfolgende Rente…

Katze
1 Monat zuvor

„Fischer, wie tief ist das Wasser?“ – ein Kinderspiel. Es heißt zwar Studierende „ins kalte Wasser“, aber an unseren Schulen ist nichts kalt. Das Wasser ist lauwarm, flach und seit Jahren abgesenkt. Viele Bademeister sind längst von Bord gegangen, und genau in dieses Restwasser schickt das System seine Lehramtsstudierenden. Nicht, weil sie bereit wären, sondern weil niemand anderes mehr da ist. Ein Medizinstudent im dritten Semester würde nicht einmal am offenen Herzen assistieren dürfen, aber im Klassenzimmer gilt: Wer Lehramt studiert, darf operieren. Fachfremd? Natürlich – Hauptsache egal.
So läuft das schulische All‑inclusive‑Animationsprogramm weiter: Die Studierenden jonglieren zwischen Zahlen‑Zumba, Karaoke‑Grammatik und Physik‑Wassergymnastik, während das fachliche Flachwasser glitzert wie eine Pfütze, die sich für ein Meer hält. Unterricht wird zur Animationseinheit, und die Studierenden sollen gleichzeitig schwimmen lernen und Rettungsschwimmer spielen.
Und während sie bis zur Wade im lauwarmen Restwasser stehen, behauptet die Bildungspolitik am Beckenrand, das sei genau die Tiefe, die man brauche. Wer wundert sich noch, warum niemand wirklich mehr richtig schwimmen kann.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

@Katze

„Und während sie bis zur Wade im lauwarmen Restwasser stehen, behauptet die Bildungspolitik am Beckenrand, das sei genau die Tiefe, die man brauche.“

Und nur wer schon seit längerer Zeit im lauwarmen Restwasser steht, kann die Veränderung der – nun ja – Qualität der – hüstel – Flüssigkeit bemerkt haben.
Aus weiter Entfernung sieht die Flüssigkeit im Planschbecken ja auch aus wie reinstes Quellwasser.
Wer näher rangeht, merkt vielleicht den eigenartigen Geruch und nein, ich meine nicht (nur) den Geruch von Sonnencreme … 😉
TIPP: Warum ist das Restwasser lauwarm? 🙁
Fragen über Fragen, aber die Bildungspolitik-Planschbecken-Betreiber müssen erst die Antwort-Kompetenz-Kompetenzen klären …
Ahoi! 😉

Ich_bin_neu_hier
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Es gibt in vielen Fällen exakt zwei Möglichkeiten: 1. Die Studierenden unterrichten.2. Niemand unterrichtet die Schüler. Das ist natürlich eine absurde Situation, zu der es nie hätte kommen dürfen.
Aber jetzt, wo sie eingetreten ist: Was von beidem ist Ihnen lieber?

Küstenfuchs
1 Monat zuvor

Liebe Redaktion,

sie sollten unbedingt differenzierter berichten. In Schleswig-Holstein beispielsweise ist es selbst für gerade fertig gewordene Referendare an Gymnasien extrem schwer, eine Planstelle an einem Gymnasium zu bekommen. Laut Aussage des Abteilungsleiters für Personal gibt es mit Ausnahme von Musik und Kunst keine Mangelfächer mehr, selbst Physik oder Chemie sind im Gymnasialbereich bei durchschnittlichen Examensnoten kein Selbstgänger.
Und wenn das in Schleswig-Holstein so aussieht, wird es auch in anderen Bundesländern im Bereich der Gymnasien kaum so aussehen, dass noch von einem allgemeinen Lehrermangel gesprochen werden kann. Bestenfalls ganz wenige Fächer sind noch schlecht zu besetzen.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Erstmal danke für diese Informationen.

Handelt es sich denn um „echten“ Überschuss, also sind alle Schulen wirklich so ausgestattet wie es REAL nötig wäre?

Oder ist es (wieder) der Trick, einfach nur die reinen Papiertiger (inklusive langfristig Kranke, Schwangere usw.) im Verhältnis zu (bewusst unterplanten, um Geld zu sparen) Planstellen zu messen?

Hans Malz
1 Monat zuvor

Und die meisten machen das gut! Ein schöner Nebenjob und gleichzeitig nehmen die auch die Praxis mit zurück in die Uni. Können da einige gut gebrauchen…
Ohne die Studenten könnten wir die Stundentafel überhaupt nicht realisieren.

Ulla
1 Monat zuvor

Mein Neffe studiert auf Lehramt und hat gerade mal drei Semester hinter sich. Seine Fächer für die Primarstufe: Mathe, Deutsch, Religion. Jetzt unterrichtet er an zwei Tagen pro Woche an einer Grundschule, und zwar alle Fächer, wo er gerade gebraucht wird. Er hat auch schon kurzfristig eine Klassenleitung übernommen.
Das machen die Schulen aber nicht, um die Studenten auszunutzen, sondern aus purer Verzweiflung. Es sind halt nicht genug ausgebildete Kräfte da. Und das Ministerium kann am Ende des Schuljahres mitteilen: Wir hatten kaum Unterrichtsausfall.

Palim
1 Monat zuvor

Ich wünsche mir auch ganz viel …

Schulen erhalten nur einen Bruchteil des Ausfalls ersetzt mit zeitlicher Verzögerung, zuvor muss sich die Schule irgendwie selbst retten, eine generelle Vertretungsreserve gibt es nicht.

Entsprechend ist die Personalsituation in diesen Schulen extrem angespannt und die Kolleg:innen müssen nicht nur den Unterricht der fehlenden Lehrkräfte übernehmen, sondern auch sämtliche andere Aufgaben, die anfallen und die von den Studierenden nicht übernommen werden.

Wer also mehr Betreuung und Unterstützung fordert, wer die Klassenleitung für Studierende vermeiden will, belastet die bestehenden Kollegien noch mehr, denn es bedeutet doppelte oder dreifache Klassenleitung und noch mehr Wechsel der Lerngruppen – Jahr um Jahr.

Das ist nachweisbar, also die normale Situation in den Schulen:

  • Zunächst werden alle Zusatzstunden ersatzlos gestrichen, also Förderung/ Deutsch als Zweitsprache. Es gab bei uns in den letzten 15 Jahren kein Jahr, in dem dies nicht der Fall war.
  • Die Grundversorgung ist allein auf den Pflichtunterricht beschränkt, die meisten Schulen sind schon zu Schuljahresbeginn unter 100% ausgestattet.
  • Die Anzahl der Vertretungsstellen, die studentisch besetzt werden, spricht für den immensen Bedarf und die schlechte personelle Ausstattung der Schulen.
  • Knapp 3 Wochen vor den Ferien in NDS sind allein für die Grundschulen noch etwa 350 Stellen unbesetzt und man muss davon ausgehen, dass nur wenige noch besetzt werden können. Die Schulen werden also überbrücken müssen.
  • Das ist nicht das erste Jahr so, es werden seit Jahren weniger Stellen ausgeschrieben, als dem Bedarf entspräche.

Die Schulen erhalten in diesen Jahren und auch danach keinen Ausgleich. Dies führt zu einer ständigen Überlastung und Überreizung des gesamten Systems. Die Kolleg:innen sind bemüht, das System aufrecht zu erhalten, gehen aber häufig über ihre Grenzen, auch Jahr um Jahr – und das schon lange.

Tatsächlich bräuchten die Schulen erheblich mehr Unterstützung:

  • Schulen, die mit Studierenden als Vertretung auskommen, benötigen zusätzliche Ressourcen, um die Studierenen betreuen zu können. Ansonsten kommen diese Aufgaben zu den üblichen und zu denen, die man übernehmen muss, weil die Schule keine angemessene Ausstattung mit Lehrkräften hat.
  • Schulen, die sich über das Jahr retten und viele Aufgaben mit kleinerem Team übernehmen, benötigen im darauf folgenden Jahr einen Ausgleich: Die prozentuale Versorgung, die im Jahr fehlt, sollte im Jahr danach nicht nur auf 100% ausgeglichen sein – mit Lehrkräften, sondern zu gleichem Anteil aufgestockt werden, um aufarbeiten zu können, was im Jahr zuvor nicht möglich war, und um Entlastung und Ausgleich für die Kollegien zu bieten.
  • Es braucht endlich eine Reserve an Lehrkräften, die für ausfallende Lehrkräfte (Krankheit, Elternzeit u.a.) einspringen können. Bestehende Vertretungsverträge zeigen deutlich den Bedarf, können statistisch ausgewertet werden und geben eine jähliche Quote vor, die im System sein sollte. Darüber hinaus kann mit Studierenden ergänzt werden – nicht aber generell.
  • Zusatzbedarfe sind notwendig, sie werden benötigt, deshalb werden sie beantragt und bewilligt. Sie sollten nicht ersatzlos gestrichen werden, zumal es zu großen Teilen diejenigen Schulen, Schüler:innen wie Lehrer:innen, trifft, in denen Benachteiligte beschult werden.
  • Statt seit Jahrzehnten auf sinkende Geburtenzahlen zu hoffen, hätte die Lehrkräfteausbildung längst gestärkt werden müssen. Die Arbeitsbedingungen müssen verbessert, die Arbeitszeiterhebung nach EU-Recht umgesetzt, A13 für alle in allen BL eingesetzt und die Überprüfung und Anpassung der Besoldung einschließlich Abstandsgebot durchgeführt werden.

Das alles braucht also mehr Lehrkräfte, nicht weniger.
Wenn man dies nicht will, muss man mit Abstrichen in den Aufgaben rechnen und äußert immer, wenn man solche Forderungen abschmettert, deutlich, dass einem Bildung nicht wichtig ist.

Die Erhebungen zur Anzahl der Vertretungen gehören in alle Leistungs-Studien.
Und sie gehören auf den Schreibtisch aller, die noch mehr Aufgaben und Erwartungen in die Schulen geben wollen: Es gibt davon mehr als genug trotz einer mangelhaften Ausstattung der Schulen.

Wer Forderungen an Schulen erhebt, sollte zunächst Forderungen stellen und erfüllen, dass Schulen eine vernünftige Ausstattung erhalten.

Die Balkon
1 Monat zuvor

Wenn sie Unterrichtende sind, sind sie keine Studierenden. Deutsch für Fortgeschrittene.

447
1 Monat zuvor

Vor einigen Monaten begann ich in übertriebener Weise, von „hauptsache warmer, atmender Körper steht vor der Klasse“ u.ä. zu schreiben.

Wie so oft war diese Prognostikdrohne leider wieder mal vor der Welle…

Roland
1 Monat zuvor

Ein erheblicher Teil der Unterrichtsversorgung wird von angestellten Lehrkräften, Seiteneinsteigern und Lehramtsstudierenden sichergestellt.
Gleichzeitig wird seit Jahren betont, wie hochkomplex und anspruchsvoll der Lehrerberuf sei und warum immer höhere Besoldung notwendig sei. Erst hieß es, ohne A13 gehe die Grundschule unter. Dann kam A13. Jetzt wird erklärt, warum eigentlich A14 erforderlich sei.
Offenbar ist der Beruf einerseits so anspruchsvoll, dass immer neue Besoldungsforderungen gerechtfertigt werden. Andererseits vertraut das System darauf, dass diejenigen einspringen, die am wenigsten verdienen oder noch gar nicht fertig ausgebildet sind.
Vielleicht sollte man sich deshalb einmal fragen, wer die Unterrichtsversorgung tatsächlich aufrechterhält. Die Antwort lautet vielerorts jedenfalls nicht: die A14-Beamten.
Sondern die angestellte Kollegin, der Seiteneinsteiger oder der Lehramtsstudent.
Und vielleicht sollte die Debatte darüber genauso engagiert geführt werden wie die Diskussion über den nächsten Besoldungsabstand.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Roland

Das ist so einfach nicht richtig.

Am Ende sind es diejenigen, die für den Unterricht eingesetzt werden, die den Unterricht bzw. die Betreuung aufrecht erhalten.
Wenn es nur och Betreuung gibt, ist es gar kein Unterricht. Das ist aber für Kinder und Eltern nicht immer ersichtlich.

Hinzu kommt, dass durch die Vertretungssituationen sehr viel wegfällt, das eine Lehrkraft damit in Verbindung bringt. Vertretenden Studierenden nimmt man einiges ab, hilft ihnen, im Unterricht muss man Abstriche machen, die man bei einer Lehrkraft nicht machen würde, pädagogische Mitarbeitende dürfen das Bearbeiten von Aufgaben beaufsichtigen, aber keine Noten geben… Es ist ein Kunststück, unter den Bedingungen die Schüler:innen überhaupt einigermaßen zu versorgen und auszubilden.

Es sind aber nicht „die Lehrkräfte“, die das so wünschen oder wollen, sondern sie sind die, die die mangelhafte Planung ausbaden und auffangen müssen – im Team mit denen, die kurzfristig eingestellt werden für ein paar Wochen oder vielleicht einige Monate. Es ist nicht so, dass man sie einarbeitet und sie dann bleiben, sondern es sind häufig wechselnde Personen, sodass man immer wieder von vorn beginnt.
Diese Vertretungen können Neuerungen nicht umsetzen und implementieren, sie können keine Schulentwicklung machen, sie sind für den Unterricht und Aufsichten eingesetzt, aber nicht für Beauftragungen.
Und ja, es ist gut, dass sie Unterricht übernehmen, ansonsten fiele er aus. Wenn die Kinder jedes Mal zur Betreuung, die es oft ist, wirklich auf den Schulhof geschickt würden, wäre vielleicht ersichtlicher, wie häufig dies vorkommt. Das haben aber nicht die Lehrkräfte zu verantworten.

Lehrkräfte erhalten auch nicht per se A14, sie erhalten auch keinen Ausgleich für alles, was daran hängt, sie erhalten kein Gehör dafür, dass sie vor 15 Jahren schon den Mangel angemahnt haben.

Ulla
1 Monat zuvor
Antwortet  Roland

Die Studenten, Seiteneinsteiger usw halten nicht das System aufrecht. Sie stopfen notdürftig die größten Lücken. Das könnten sie nicht, wenn sie nicht die erfahrenen Kollegen an ihrer Seite hätten. Ich bereite momentan für einen Quereinsteiger in der Parallelklasse den Unterricht vor, erkläre ihm das weitere Vorgehen und unterstütze ihn bei Korrekturen. Das wird nur leider nirgends erwähnt und erst recht nicht bezahlt.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Ulla

So lange das aber geschieht kann der Mangel nicht durchschlagen – und dann ist die Politik nicht gezwungen uns Ressourcen zu geben…

sage
1 Monat zuvor

Hmm… Ich bin Berlinerin und habe selbst in „unbeliebten“ Bezirken und an Brennpunktschulen einige Monate keinen Job gefunden. Ich bin zwar Studentin, aber mir fehlt nur noch meine Masterarbeit. Meistens wurde ich geghosted, manchmal kam die Antwort, dass die Schule bspw. gut besetzt sei. Wie schaffen es denn die Studenten im Bachelor, an einen Job zu kommen…? Mir kam es so vor, als würde niemand einen Studenten einstellen wollen. Ich würde auch gerne wie die anderen Erfahrungen sammeln und Verantwortung übernehmen. Der Konkurrenzkampf ist riesig, also würde wohl kein Student Klassenleitertätigkeiten und Abschlussprüfungen ablehnen. Leider musste ich jetzt vorübergehend auf einen Job in der freien Wirtschaft ausweichen. Ich bin auch weiterhin nicht sehr optimistisch, dass es von irgendeiner Schule eine positive Rückmeldung geben wird und informiere mich über Ausbildungsmöglichkeiten.

Nick
1 Monat zuvor
Antwortet  sage

Das „leider“ würde ich nicht in Verbindung mit dem „Job in der freien Wirtschaft“ in Verbindung bringen. Wer weiss? Vielleicht öffnet sich eine neue Tür?

mama51
1 Monat zuvor

Verallgemeinern sollte man die „Defizite“ der studentischen Hilfskräfte trotz allem nicht!
Mein Kollegium freut sich, dass es sie gibt.
Der Unterricht wird für diese jungen Menschen von den KuK der Parallelklassen vorbereitet und sie sind während des Unterrichts, davor und auch danach für sie da. Wenn es in der Stunde Probleme gibt können sie sich an die KuK im Nachbarsaal wenden und es wird ihnen geholfen. Immer!!!
Wir machen das gerne, auch wenn es die berühmte „Mehrarbeit“ ist, denn alles ist besser, als doppelte/dreifache Betreuung durch EINE richtige (?) LK.

Wir mögen keinen „indischen Unterricht“ = diesseits und jenseits des Ganges…

Und selbst dafür muss ja der U. vorbereitet werden, dass die Kinder sinnvolle Aufgaben haben. Also kann es genauso gut für die studentische „Hilfskraft“ sein!
Wenn bei uns Vertretung (durch wen auch immer!) nötig ist, sind trotzdem am Ende des Krankenstandes alle Kinder des Jahrgangs auf dem gleichen „Stand“! Das ist unser Ziel 🙂
Und wir wollen unsere Helfer/innen nicht verheizen, und das kriegen wir auch hin 🙂 , weil wir es wollen!

Von 4 Hilfskräften haben in den letzten Jahren inzwischen 3 ihr Ref. bei uns absolviert und sind übernommen worden. Sie leisten gute Arbeit und fühlen sich bei uns wohl.

Dass die Personalsituation insgesamt völlig marode ist, steht außer Frage. Dass sich was ändern muss, auch!

Einige Kuk hier im Forum werden unserem Ansinnen und unserer Orga sicher widersprechen, das ist okay!
Doch wir fahren mit unserem „System“ seit mindestens 10 Jahren sehr gut und sind der Meinung:
Never change a running system.