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Killerphrase Antisemitismus? Forscher und Künstler warnen vor politischer Gängelung

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DÜSSELDORF. Mehr als 1.100 Wissenschaftler, Künstler und Kulturschaffende warnen in einem offenen Brief vor Angriffen auf die Hochschulautonomie. Hintergrund ist ein Streit an der Kunstakademie Düsseldorf um angeblichen Antisemitismus.

Ist es antisemitisch, Kritik an der Politik der israelischen Regierung Raum zu geben? Foto: Shutterstock

Mit einem offenen Brief wehren sich namhafte Vertreter aus Wissenschaft und Kultur gegen eine aus ihrer Sicht wachsende politische Einflussnahme auf deutsche Hochschulen und Kultureinrichtungen. Mehr als 1.100 Unterzeichner, darunter internationale Spitzenwissenschaftler und renommierte Künstler, solidarisieren sich in einem heute veröffentlichten offenen Brief mit Donatella Fioretti, der Rektorin der Kunstakademie Düsseldorf.

Hintergrund ist eine Veranstaltung an der Düsseldorfer Kunstakademie im Januar 2026. Studierende hatten die palästinensische Künstlerin Basma al-Sharif zu einem Werkvortrag eingeladen. Im Vorfeld wurde der Künstlerin unter Verweis auf Beiträge in sozialen Medien Antisemitismus vorgeworfen und die Absage der Veranstaltung gefordert. Zuletzt wurden Rücktrittsforderungen gegen Rektorin Fioretti in Form einer Petition laut, die auch der Oberbürgermeister von Düsseldorf, Stephan Keller (CDU), unterschrieb.

Einer Demokratie unwürdig?

Die Unterzeichner des offenen Briefs dagegen betonen, dass Artikel 5 des Grundgesetzes die Freiheit von Kunst, Wissenschaft und Lehre ausdrücklich schützt, was auch unbequeme oder kontroverse Positionen einschließe. Solche Praktiken der Einschüchterung und der Druck auf Leitungen durch politische Exekutive und Legislative seien einer Demokratie unwürdig.

Der Brief warnt davor, dass die aktuelle Eskalation zu einem gefährlichen «Präzedenzfall» für politische Eingriffe in die verfassungsrechtlich geschützte Wissenschafts- und Kunstfreiheit sowie die Hochschulautonomie werden könnte.

Nach einer juristischen Überprüfung durch die Hochschule wurde festgestellt, dass die Äußerungen der Künstlerin strafrechtlich nicht relevant und von der Meinungsfreiheit gedeckt sind. In der Folge entschied sich die Hochschulleitung gegen eine Absage, ließ den Vortrag jedoch aufgrund von Drohungen in sozialen Medien nur hochschulintern stattfinden.

Metapher der AfD werde aufgegriffen

Besonders scharf kritisieren die Unterzeichner des Briefs die im Wissenschaftsausschuss des NRW-Landtags verwendete Formulierung vom «Deckmantel» der Kunst- und Wissenschaftsfreiheit. Diese Metapher, die laut den Initiatoren ursprünglich von der AfD in die Debatte eingeführt wurde, werde nun vermehrt auch von anderen Parteien aufgegriffen, um Freiheitsrechte unter einen Generalverdacht zu stellen.

Zu den Erstunterzeichnern gehören prominente Persönlichkeiten wie der Fotograf Wolfgang Tillmans, die Rektorin des Wissenschaftskollegs zu Berlin, Barbara Stollberg-Rilinger, die Direktorin des Einstein Forums, Susan Neiman, sowie die Philosophinnen Nancy Fraser, Eva von Redecker und Juliane Rebentisch. Auch der Holocaustforscher Michael Rothberg und die Kuratorin der documenta 12, Ruth Noack, unterstützen den Aufruf.

Am Mittwoch soll Fioretti in einer Sondersitzung des Ausschusses für Kultur und Medien des Landtags zu den Vorgängen Stellung nehmen. Die Initiatoren des Briefes fordern die Abgeordneten auf, sich in dieser Sitzung auf die grundgesetzlich verbriefte Freiheit und das Zensurverbot zu besinnen. News4teachers / mit Material der dpa

Kunstakademie-Rektorin Fioretti wehrt sich gegen Rücktrittsforderung – “Cancel-Kultur hat keinen Platz”

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Achin
27 Tage zuvor

Peinlich an solchen Unterschriftenaktionen bleibt stets das überbordende Selbstbewusstsein von Menschen, die in ihrem Berufsalltag niemals mit einem Querschnitt der Bevölkerung in Berührung kommen und dann die Möglichkeiten unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung nutzen, um sich mit einer Unterschrift wohlfeil bei den Kräften der “Guten” und “Emanzipierten” (jeweils m/w/d) einzuordnen, um gleich darauf wieder ihrem privilegierten Leben nachzugehen.

Besonders peinlich wird es, wenn damit noch autoritär-patriachiale Gesellschaften, wie im oberen Fall, gestärkt werden sollen.

Achin
27 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Was Sie mal wieder bei Ihrer geneigten Leserschaft hineinlesen:

Eine Unterschriftenaktion wie die obere, die mit keinem Wort die verbrecherischen Terrorakte der sog. Hamas erwähnt, sagt eine ganze Menge über die in der Regel gut bestellten Unterzeichnenden aus.

Susanne M.
27 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich würde sogar noch weitergehen: Kritik an jeder Regierung auch außerhalb des universitären Raumes muss erlaubt sein. Menschen machen Fehler. Regierungen bestehen aus Menschen, ergo machen auch Regierungen Fehler.
Ich meine damit sachliche Kritik. Keine Hetze, Häme oder Rassistisches.

Rainer Zufall
27 Tage zuvor
Antwortet  Achin

Der Logik folgend also ALLE Petitionen, Volksbegehren, Demonstrationen und Proteste untergraben? Die hatten ja die Zeit (augenroll)

Anders Leo Castor
27 Tage zuvor

Vielleicht zur Einordnung einfach mal nachlesen, was der WDR dazu schreibt:

“In einer schriftlichen Erklärung forderte die jüdische Gemeinde vehement die Absage der Veranstaltung. (…)

Auch die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubauer war am Mittwoch als Demo-Teilnehmerin vor Ort. Sie sieht die Düsseldorfer Kunstakademie als einen Ort für alle. Mit ihrer Teilnahme wolle sie deutlich machen, dass sich das künstlerische Werk der Frau nicht trennen lässt von ihren öffentlich nachzulesenden antisemitischen Äußerungen und Haltungen. Die Kunstakademie könne entscheiden, wem sie eine Bühne bietet. In diesem Fall habe sie aber falsch entschieden.

Besonders die Äußerungen der Künstlerin in Bezug auf den Terrorangriff der Hamas auf Israel relativierten “den größten Terrorangriff auf Menschen jüdischen Glaubens seit der Shoah”, so die Ministerin. Trotz des Rechts auf Hochschul-Autonomie, müsse klar sein, “dass das Prinzip der Kunstfreiheit nicht bedeutet, dass Antisemitismus egal sein darf”. (…)

In Social-Media-Posts spricht Basma al-Sharif unter anderem von der Blutlust Israels, von Israel als zionistischem Gebilde, vom Genozid in Gaza und teilt Boykott-Aufrufe gegen Israel. Ebenso teilt sie Zeichen wie das rote Dreieck, das als Symbol der Hamas für die Markierung möglicher Angriffsziele gilt.

Die Jüdische Gemeinde in Düsseldorf zeigt sich deshalb über die Einladung al-Sharifs entsetzt. “Kunstfreiheit darf nicht als Schutzschild missbraucht werden, um Gewalt, Terror und antisemitisches Denken zu relativieren oder zu normalisieren.”

https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/kunstakademie-duesseldorf-veranstaltung-kuenstlerin-kritik-100.amp

Der linke und islamistische Antisemitismus, der auch durch den offenen Brief zum Ausdruck kommt, ist nicht minder ekelhaft als der rechte. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man das oben Geschilderte als Kritik an der israelischen Regierung und als “angeblichen” Antisemitismus betrachten kann.

Anders Leo Castor
26 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Die Jüdische Gemeinde und der Antisemitismusbeauftragte sind über den hier aufgetretenen Antisemitismus entsetzt und eine (leider erhebliche) Anzahl von Künstlern und Wissenschaftlern nimmt dies zum Anlass, die Freiheit von Wissenschaft und Kunst anzumahnen.

Wäre vielleicht glaubwürdiger, wenn das auch mal passieren würde, wenn linke Aktivisten wieder einmal eine Veranstaltung an einer Hochschule verhindern (wollen), die ihnen nicht gefällt.

Inzwischen hat ja sogar die taz erkannt, dass es auf der Linken ein ganz erhebliches Antisemitismusproblem gibt.

Wenn ich mich richtig erinnere, hat die Redaktion (zurecht) darauf hingewiesen, dass jeder AFD-Wähler die rechtsextremen Ziele der Partei billigt oder sogar fördert.

Das sehe ich bei diesem offenen Brief analog in Bezug auf Antisemitismus leider auch gegeben.

Ich möchte die Redaktion ausdrücklich für ihr Engagement gegen Rechtsextremismus loben, würde mir aber wünschen, dass auch der zunehmende linke und muslimische Antisemitismus nicht aus vermeintlicher moralischer Überlegenheit wegrelativiert wird.