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Digitalpakt: „Alle sind in der Planung. Haushaltsprozesse laufen, Bedarfe werden ermittelt, Angebote eingeholt und Partner gesucht“

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BERLIN. Der Digitalpakt sollte Deutschlands Schulen ins digitale Zeitalter bringen – doch vielerorts stockt die Umsetzung. Woran liegt das? Welche strukturellen Probleme bremsen, und was hat sich trotz aller Kritik bereits verändert? Darüber spricht News4teachers mit Norman Jahn im Vorfeld der Bildungsmesse Learntec. Als „Bildungsermöglicher“ (so sein Selbstverständnis) bringt er seine jahrzehntelange Expertise als leitender Kommunalbeamter ein. In seinem Buch „Hummel sein – Digital Pakt Schule“ beschreibt Jahn die Schul-Digitalisierung aus der Praxisperspektive der Schulträger – also jener Ebene, die den Digitalpakt tatsächlich umsetzen muss.

“Bildungsermöglicher”: Leitender Kommunalbeamter Norman Jahn. Illustration: News4teachers

News4teachers: Der Digitalpakt ist angelaufen, aber er dümpelt noch. Warum?

Jahn: Viele fragen sich gerade, ob der Digitalpakt ein Hoffnungsträger oder eine Mogelpackung ist, weil es nicht wirklich vorangeht. Es gab einen großen Push im November und Dezember, danach hört man wenig. Auch von der Bundesregierung kommt wenig Druck. Das liegt daran, dass zwischen Bundesbildungsministerium und Bundesrechnungshof noch finanzielle Fragen geklärt werden müssen. Außerdem müssen die Länder noch unterschreiben. Der Digitalpakt 2 hat weniger Geld als der erste, und gleichzeitig wird geprüft, inwieweit bereits erbrachte Leistungen angerechnet werden können.

News4teachers: Was heißt das konkret?

Jahn: Es geht darum, dass Leistungen wie digitale Lehrerfortbildungen oder Plattformen, die schon aufgebaut wurden, förderfähig sein können. Es gibt ein Rückrechnungsdatum zum 1. Januar 2025. Alles, was seitdem passiert ist, kann angerechnet werden. Das schmälert den verfügbaren Fördertopf zusätzlich. Wir sprechen also über einen Digitalpakt bis 2030 mit weniger Geld, bei dem gleichzeitig bereits getätigte Ausgaben berücksichtigt werden können. Das muss rechtlich sauber geklärt werden.

News4teachers: Gilt das auch für Kommunen?

Jahn: Ja, auch Kommunen können beispielsweise Personalkosten oder Investitionen in Netzwerktechnik anrechnen. Im Digitalpakt 1 gab es erstmals die Möglichkeit, IT-Personal aufzubauen. Diese Kosten mussten 2025 selbst getragen werden. Dass sie jetzt angerechnet werden können, ist aus meiner Sicht gerecht. Gleichzeitig muss aber verhindert werden, dass der Eindruck entsteht, der Bund finanziere alles allein – das wäre verfassungsrechtlich problematisch. Deshalb wird das gerade genau geprüft.

News4teachers: Ist diese Rückrechnung nicht eigentlich ein Booster?

Jahn: Eigentlich müsste sie das Problem lösen. Aber die Kommunen sind vorsichtig geworden, weil die Förderrichtlinie noch nicht veröffentlicht ist. Erst wenn sie vorliegt, gibt es Planungssicherheit. Viele Kommunen können es sich aktuell nicht leisten, einfach in Vorleistung zu gehen.

News4teachers: Heißt das, sie investieren derzeit eher zurückhaltend?

Jahn: Genau. Viele stehen unter Druck, weil Geräte aus den ersten Beschaffungsrunden jetzt ausfallen. Die wurden Ende 2019 oder Anfang 2020 angeschafft, und die Lebensdauer liegt bei drei bis fünf Jahren. Gleichzeitig fehlen oft die finanziellen Spielräume, um einfach nachzukaufen.

News4teachers: Das heißt, der Digitalpakt 2 trifft auf eine Phase, in der schon Ersatzbeschaffungen nötig sind?

Jahn: Ja, genau. Wir kommen jetzt aus einer Phase, in der Infrastruktur aufgebaut wurde, in eine Phase, in der diese Infrastruktur im Unterricht genutzt wird. Jetzt zeigt sich, ob die Systeme tragen. Und gleichzeitig müssen Geräte ersetzt und Systeme weiterentwickelt werden. Von einer Anschaffung gehen wir derzeit in eine zukünftige Ersatzbeschaffungslage.

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News4teachers: Wo liegen dabei die größten Herausforderungen für die Schulträger?

Jahn: Die Dimension wird oft unterschätzt. Ein Schulträger mit 30 Schulen betreut schnell 50.000 bis 60.000 Nutzer. Das ist eine Größenordnung, die man sonst kaum findet. Gleichzeitig fehlen in vielen Fällen noch grundlegende Voraussetzungen wie Glasfaseranschlüsse. Und es kommen neue Anforderungen hinzu, etwa bei IT-Sicherheit oder beim sinnvollen Einsatz von Filtern im Unterricht.

News4teachers: Welche Konsequenzen hat das für die Organisation vor Ort?

Jahn: Es entstehen neue Aufgabenprofile. Wir brauchen zum Beispiel jemanden, der Technik und pädagogische Anforderungen zusammenbringt – eine Art pädagogischen ITler. Gleichzeitig gibt es viele praktische Probleme im Alltag, für die man jemanden braucht, der sich kümmert, etwa bei defekter Hardware. Wenn am Kabel gewackelt werden muss, muss da auch jemand sein der dies tut.

News4teachers: Die Kommunen planen aber bereits für den Digitalpakt 2?

Jahn: Ja, auf jeden Fall. Alle sind in der Planung. Haushaltsprozesse laufen, Bedarfe werden ermittelt, Angebote eingeholt und Partner gesucht. Viele haben gelernt, dass sie das nicht allein schaffen und auf externe Dienstleister angewiesen sind.

“Es gibt hierzulande inzwischen viele funktionierende Strukturen, die sich auch international sehen lassen können”

News4teachers: Wird die Umsetzung durch andere Programme erschwert?

Jahn: Ja, weil parallel mehrere große Programme laufen, die auf dieselben Ressourcen zugreifen – wie das Startchancenprogramm. Gleichzeitig gibt es das Problem der Doppelförderung. Maßnahmen müssen genau voneinander abgegrenzt werden, was zu einem hohen Abstimmungsaufwand führt.

News4teachers: War nicht weniger Bürokratie versprochen?

Jahn: Es wird auch schlanker, etwa bei der Antragstellung. Aber wirklich einfach wäre es nur, wenn man den Schulträgern pauschal Mittel zur Verfügung stellt und ihnen mehr Vertrauen gibt. Aktuell kommt hinzu, dass viele Kommunen in der vorläufigen Haushaltsführung sind. Das bedeutet, dass neue Maßnahmen oft erst nach Genehmigung des Haushalts gestartet werden können.

News4teachers: Wie wirkt sich das konkret aus?

Jahn: Viel läuft im Moment über Vorbereitung: planen, abstimmen, Angebote einholen. Sobald der Haushalt genehmigt ist, wird umgesetzt – bis zum Jahresende. Danach beginnt der Prozess wieder von vorn. Von außen wirkt das oft so, als würde es stocken, aber im Hintergrund passiert sehr viel.

News4teachers: Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Jahn: Es wird oft unterschätzt, was bereits erreicht wurde. Flächendeckendes WLAN an Schulen war vor wenigen Jahren kaum vorstellbar. Deutschland ist mit seinen vielen Schulträgern schwer mit anderen Staaten vergleichbar, aber es gibt hierzulande inzwischen viele funktionierende Strukturen, die sich auch international sehen lassen können.

News4teachers: Welchen Rat geben Sie Schulträgern im Umgang mit dem Digitalpakt?

Jahn: Einfach anfangen. Es gibt immer Dinge, die man jetzt schon tun kann: sich informieren, planen, Kontakte knüpfen. Wichtig ist, die Medienkonzepte der Schulen zu kennen und darauf aufbauend ein eigenes Konzept zu entwickeln – mit einer Perspektive von fünf bis zehn Jahren und abgestimmt mit der Politik.

News4teachers: Wie wichtig ist dabei der Austausch?

Jahn: Sehr wichtig. Viele Probleme sind ähnlich, aber oft wird das Rad neu erfunden. Austausch hilft, schneller voranzukommen und voneinander zu lernen.

News4teachers: Gibt es aus Ihrer Sicht noch einen zentralen Punkt für den weiteren Verlauf des Digitalpakts?

Jahn: Ja. Wir müssen stärker differenzieren. Im ersten Schritt ging es um eine einheitliche Infrastruktur für alle. Jetzt müssen wir genauer hinschauen, welche Schulformen welche Anforderungen haben. Und wir müssen offener werden für Experimente und neue Ansätze – auch mit dem Risiko, dass nicht alles funktioniert. Nur so kann sich das System weiterentwickeln. News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek sprach mit Norman Jahn.

Das Buch von Norman Jahn „Hummel sein – Digital Pakt Schule“ lässt sich hier bestellen. Die Learntec findet vom 5. bis 7. Mai 2026 in der Messe Karlsruhe statt. 

Digitalpakt: Welche Spielräume das Vergaberecht Schulträgern bei Ausschreibungen lässt

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DerechteNorden
26 Tage zuvor

Es wird viel zu wenig zusammengedacht. Das ist der Nachteil von föderalen Strukturen.
In Berlin überlegt man sich dieses, auf Länderebene will man aber das und auf kommunaler Ebene …
Hinzukommt, dass das nicht nur Hard- und Software betrifft, sondern auch die Organisation und Richtlinien. Alle wollen irgendwie was zu sagen haben … Ist aber nicht immer förderlich, wie man hier wieder gut erkennen kann.

Einer
26 Tage zuvor

Übersetzer:
Alle sind in der Planung.” –> Wir haben es an andere delegiert.”Haushaltsprozesse laufen,” –> Wir rechnen gerade erstmal was an Geld da ist.”Bedarfe werden ermittelt,” –> Wir haben den Schulen gesagt, sie sollen man schauen und prüfen ob sie überhaupt Geräte benötigen und natürlich den Bedarf dann auch begründen!”Angebote eingeholt” –> wir schauen mal welches Unternehmen uns die Geräte (die wir als Sinnvoll erachten!) möglichst billig besorgen kann.“und Partner gesucht” –> wir müssen noch schauen, welches Unternehmen und die sinnvollen Geräte möglichst billig einrichten kann.
Kurz zusammengefasst: Es wird immer noch nur gedacht und nichts gemacht!

potschemutschka
26 Tage zuvor
Antwortet  Einer

🙂