BERLIN. Verschmutzte, stinkende und beschädigte Schultoiletten lösen Ekel aus, können aber auch die Gesundheit gefährden. Eine Initiative zeigt mit einem neuen Webportal, wie Schüler und Lehrkräfte selbst aktiv werden können. Hinter dem Angebot steht die German Toilet Organization (GTO), eine gemeinnützige Organisation aus Berlin, die sich seit mehr als 20 Jahren weltweit für den Zugang zu sicheren Sanitäranlagen und Hygiene einsetzt. Mit der Initiative „Toiletten machen Schule“ engagiert sie sich seit Jahren bundesweit für bessere Schultoiletten und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen.

In vielen Schulen ist die Toilette ein Angst- und Ekelraum oder sogar eine No-Go-Area – das will das neue Hilfsportal ändern. Kindern und Jugendlichen sowie Lehrkräften zeigt die Website „Toiletten machen Schule“ konkret, wie sie gemeinsam das Klo in einen Ort verwandeln können, den alle gern nutzen. „Schluss mit Einhalten und ekeligen Erlebnissen“, heißt es auf der Startseite. Präsentiert werden Informationen, Tipps zur Organisation, interaktive Werkzeuge, Ursachen-Checklisten und Praxisbeispiele aus Schulen.
Die German Toilet Organization verweist darauf, dass Schultoiletten seit Jahren als chronisches Problem gelten. Dabei seien sie entscheidend für Gesundheit, Wohlbefinden und Konzentration der Schülerinnen und Schüler – besonders im Ganztagsbetrieb. Nach Angaben der Organisation schränkt fast jedes zweite Schulkind Essen und Trinken ein, um den Toilettengang zu vermeiden.
Svenja Ksoll von der GTO betont, dass sich auch mit geringen Kosten viel bewirken lasse. Pflanzen, Duftspender, Wandmalereien, eine warme Beleuchtung oder ein Radio könnten die Atmosphäre deutlich verbessern. Adressaten der Mission „Rette die Toilette!“ sind alle der mehr als 32.000 Schulen in Deutschland. Nach Angaben der Organisation erreichen sie seit Jahren täglich Hilferufe von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften, Eltern und Schulträgern, die unter mangelhafter Ausstattung und fehlender Instandhaltung leiden.
„Sind Räume stark vernachlässigt, stinken, wirken alt oder beschädigt, sinkt häufig die Hemmschwelle, weiteren Schaden anzurichten oder Frust dort auszuleben“
Das Dauerproblem Vandalismus lasse sich nicht komplett lösen, aber deutlich eindämmen, meint Ksoll. Auf der Homepage heißt es: „Sind Räume stark vernachlässigt, stinken, wirken alt oder beschädigt, sinkt häufig die Hemmschwelle, weiteren Schaden anzurichten oder Frust dort auszuleben.“ Umgekehrt entstehe mehr Verantwortungsgefühl, wenn Schülerinnen und Schüler Räume mitgestalten und Ideen einbringen könnten. Genau darauf setzt das Portal: Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen soll nicht nur die Toiletten verbessern, sondern auch demokratische Mitwirkung stärken. Die GTO spricht von einem „Ort gelebter Demokratie und Selbstwirksamkeit“.
Unterstützung kommt von der Bundesschülerkonferenz. Deren Generalsekretärin Amy Kirchhoff erklärt laut Pressemitteilung: „Schüler*innen haben ein Recht auf saubere und funktionierende Schultoiletten. Sie sind Teil einer respektvollen und lernförderlichen Schulumgebung. Gute Schultoiletten entstehen aber nicht ohne die konstruktive Einbeziehung der Schüler*innen.“
Wer in seiner Schule etwas ändern will, dem rät das Portal, zunächst ein Team zu gründen, um die Wahrnehmung und den Einfluss zu erhöhen. Danach könne eine Bestandsaufnahme folgen – etwa mit Umfragen und Begehungen anhand von Fragen wie: Wie sieht es hier aus? Wie riecht es hier? Warum bin ich ungern hier?
Der Verein warnt zugleich vor gesundheitlichen Folgen. Seien Toiletten in schlechtem Zustand, mieden Schülerinnen und Schüler die Anlagen, tränken und äßen weniger. Die Folgen reichten von Bauchschmerzen, Verstopfungen und Harnwegsinfektionen bis zu Konzentrationsproblemen.
Jakop Zierep von der Bundeschülerkonferenz sagte, das Thema werde seit Jahren angesprochen, aber zu wenig ernst genommen. Er forderte neben Sauberkeit auch kostenlose Periodenprodukte in allen Toiletten. Zudem müsse es genderneutrale Toiletten in jeder Schule geben.
Die GTO verweist außerdem auf strukturelle Probleme bei Finanzierung und Instandhaltung. „Die Bereitstellung eines gesunden, funktionierenden Schulumfelds braucht verlässliche Investitionen in Sanierung, Reinigung und Instandhaltung“, erklärte Ksoll laut Mitteilung. Auch der Betrieb des neuen Portals solle langfristig öffentlich gefördert werden. Derzeit werde die Arbeit durch gemeinnützige und private Förderer ermöglicht.
Der Berliner Staatssekretär für Schulbau, Torsten Kühne, sagte, die Hauptstadt sei dabei, den Sanierungsstau an den rund 700 Schulstandorten aufzulösen. In den vergangenen sieben Jahren seien rund sieben Milliarden Euro investiert worden, zudem gebe es mehr als 40 neu gebaute Schulen.
Auf der Homepage wird auch dokumentiert, dass Schulen mit mindestens zwei Toilettenreinigungen pro Tag von besseren Bedingungen berichten. In einigen Städten wird erprobt, Reinigungskräfte fest einer Schule zuzuordnen und nicht nur spätabends, sondern auch tagsüber während des laufenden Betriebs einzusetzen. Dadurch werde Reinigungsarbeit sichtbarer – und zugleich die Hemmschwelle für Verschmutzung erhöht. News4teachers / mit Material der dpa
Das Hilfsportal ist unter toiletten-machen-schule.de erreichbar.
Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats „Gesunde Schule“.
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Danke für den Artikel, den nehme ich gerne mit in die nächste Konferenz 🙂
Unsere Schülertoiletten sind neu, werden täglich gereinigt und sind am Morgen stets blitzsauber. Im Laufe des Tages wird haufenweise Toilettenpapier abgerollt (wir haben nur noch Großspender, da Rollen stets versenkt wurden) und überall verteilt, fast täglich ist mindestens ein Großspender abgerissen, kostenlose Hygieneartikel (ja, sowas gibt es seit einigen Jahren bei uns) werden zum Toilette verstopfen genutzt, die Kabinenwände und -Türen beschmiert. Vorrangig auf den Jungstoiletten, aber auch auf den Mädchentoiletten. Gern wird auch mal die Abschaltautomatik des Wasserhahns am Handwaschbecken blockiert.
Und jetzt frage ich mich schon, ob die Diskussion zum Thema „saubere Toilette“ vielleicht auch mal innerhalb der Schülerschaft erfolgen sollte. Ich habe höchsten Respekt vor unserem Reinigungspersonal, was die Toiletten jeden Tag aufs Neue akribisch reinigt, und vor unserem Träger. Ich hätte, schon aus Kostengründen, längst die Toilettenräume zugesperrt und je ein Dixie auf den Hof gestellt.
Bei ihnen gibt es auch auf dem Jungsklo kostenlose Hygieneartikel? Das nenne ich fortschrittlich.
Natürlich. Es könnte ja einer spontan sein Geschlecht ändern wollen.
So sind wir. Wir haben seit einigen Jahren SuS mit Transidentität, und deshalb beide Toiletten bestückt.
Absoluter Horror bei uns. Die Toilettensituation führt bei uns dazu, dass sich Kinder lieber krank abholen lassen, anstatt auf Toilette zu gehen und dass ich als Lehrer mich schon versetzen lassen wollte.
wenn das Mensaeseen schon scheisse ist, warum sollten dann die Toiletten gut sein? Gleich und Gleich gesellt sich halt gern.
Kann da Gegenteiliges berichten, wobei da Schüler*innen füreinander kochen, nicht die Toilettenwartung und -säuberung verwantworten…. Hmmm..
Meiner Meinung nach braucht es an einer Schule, in der die Vorschläge der Organisation funktionieren, diese Maßnahmen nicht, weil dort die Toiletten völlig in Ordnung sind.
Sie sind nicht im Schuldienst, oder?
Ich stelle mir gerade vor, wie zwei 15jährige Rabauken das Schulklo betreten und sagen: Oh cool, eine Grünpflanze und ein Duftspender. Dann lassen wir heute mal das Randalieren.