MÜNCHEN. Die neue UNICEF-Studie zum Wohlbefinden von Kindern erhöht den Druck auf die Bildungspolitik – auch in Bayern. Der Bayerische Elternverband (BEV) sieht in den schlechten Ergebnissen Deutschlands einen „deutlichen Weckruf“ und wirft der Staatsregierung vor, grundlegende Probleme im Bildungssystem zu ignorieren. Statt über Hymnenpflicht oder unangekündigte Leistungsnachweise zu debattieren, brauche es mehr Investitionen in Förderung, Personal und Chancengleichheit. Der Verband stellt dabei ausdrücklich auch das bayerische Selbstbild als Bildungsland infrage.

Der Bayerische Elternverband hat die Ergebnisse der neuen UNICEF-Studie zum Kindeswohl als Warnsignal für die Bildungspolitik bezeichnet. „Der Mythos vom Klassenprimus Bayern gerät ins Wanken“, erklärte der Verband in München. Immer mehr Untersuchungen zeigten, dass die Bildungschancen auch im Freistaat zunehmend ungleich verteilt seien. Die strukturellen Probleme des Systems würden immer sichtbarer.
Hintergrund ist die neue „Report Card 20“ des UNICEF-Forschungsinstituts Innocenti, nach der Deutschland beim Wohlbefinden von Kindern nur Platz 25 von 37 untersuchten wohlhabenden Staaten erreicht. Besonders schwach fällt das Abschneiden im Bildungsbereich aus: Deutschland landet dort auf Rang 34 von 41 Ländern mit vergleichbaren Daten. Nur 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen grundlegende Kompetenzen in Lesen und Mathematik. Besonders groß sind die Unterschiede zwischen sozial benachteiligten und privilegierten Familien.
Der BEV sieht darin ein deutliches Signal gegen die bisherige Bildungspolitik (auch) in Bayern. Zwar kündige die Staatsregierung steigende Bildungsausgaben im Doppelhaushalt 2026/2027 an. Tatsächlich lägen die Schwerpunkte aber vor allem bei Infrastruktur und baulichen Maßnahmen. Gleichzeitig halte das Kultusministerium für 2026 an einem Stellenmoratorium fest, zusätzliche Stellen seien erst ab 2027 vorgesehen. Damit fehlten aus Sicht des Verbandes gerade dort Impulse, wo sie seit Jahren notwendig seien: bei individueller Förderung, Lehrerfortbildung und strukturellen Reformen wie längerem gemeinsamen Lernen.
„Wer heute bei Schulen, Kitas und frühkindlicher Förderung spart, zahlt morgen einen hohen Preis“
BEV-Landesvorsitzender Martin Löwe erklärte: „Die UNICEF-Zahlen machen klar: Bildung muss endlich konsequent aus dem Sparkorsett befreit werden. Statt notwendige Reformen anzugehen, blockiert Ministerpräsident Söder mit Machtworten zu Religionsstunden, Exen-Tradition oder restriktiver Digitalisierung und vernebelt mit Scheindebatten wie zur Hymnenpflicht den Blick nach vorn.“ Löwe verbindet die Kritik ausdrücklich mit den langfristigen Folgen sozialer Ungleichheit. Bildung entscheide über Zukunftschancen, gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Stärke. „Wer heute bei Schulen, Kitas und frühkindlicher Förderung spart, zahlt morgen einen hohen Preis“, erklärte er. „Bayern muss jetzt handeln. Bitte aufwachen, Herr Söder!“
Der Verband verweist dabei ausdrücklich auf die zentrale Aussage der UNICEF-Studie, wonach Bildungserfolg in Deutschland besonders stark von der sozialen Herkunft abhängt. Andere Länder zeigten laut UNICEF, dass bessere Ergebnisse auch unter schwierigeren wirtschaftlichen Bedingungen möglich seien, wenn gezielt in benachteiligte Kinder investiert werde.
Die UNICEF-Studie untersucht das Wohlbefinden von Kindern in EU- und OECD-Staaten anhand von Indikatoren zu körperlicher Gesundheit, mentalem Wohlbefinden sowie sozialen und schulischen Kompetenzen. Deutschland erreicht im Gesamtranking Platz 25 von 37 Ländern. Besonders problematisch bewertet UNICEF die Bildungsungleichheit: Während 90 Prozent der Jugendlichen aus privilegierten Familien grundlegende Kompetenzen in Mathematik und Lesen erreichen, sind es bei Jugendlichen aus benachteiligten Familien nur 46 Prozent. UNICEF fordert deshalb stärkere Investitionen in benachteiligte Kinder, eine wirksamere Bekämpfung von Kinderarmut und bessere Zugänge zu Bildung, Gesundheit und sozialer Teilhabe. News4teachers









„ Nur 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen grundlegende Kompetenzen in Lesen und Mathematik. „
Hat der BEV denn Zugang zu Daten der UNICEF-Studie, die auf einzelne Bundesländer heruntergebrochen sind?
Ansonsten müsste man sich an den IQB-Ergebnissen orientieren, bei denen diese Quoten in Bayern und Sachsen ja mit Abstand am niedrigsten ausgefallen sind.
„dass bessere Ergebnisse auch unter schwierigeren wirtschaftlichen Bedingungen möglich seien, wenn gezielt in benachteiligte Kinder investiert werde.“
Es stimmt , dass bei die IQB-2024 die Ergebnisse der SuS aus der unteren Schicht in Bayern mit +25 Pkt erheblich höher waren als im Bundesschnitt und in Bayern auch der Anteil SuS ohne ESA mit 5,3% bundesweit am niedrigsten war.
Sieht der BEV das nun im direkten Zusammenhang damit , dass laut Bildungsmonitor 2025 die relativen Bildungsausgaben pro SuS an allgemeinbildenden Schulen in Bayern im Bundesvergleich am höchsten waren?
Mehr Investitionen sind doch gar nicht nötig, denn „Selbst Länder mit deutlich geringerer Wirtschaftskraft wie Rumänien, Ungarn oder die Slowakei schneiden besser ab.“
(zu Sicherheit: Ironie aus).
Rumänien liegt im Gesamtranking auf Rang 9 also 16 Plätze vor DE. Beim Bereich der die Schulen betrifft = „Skills“ liegt ROM 12 Plätze vor DE.
Müsste man mal beim BEV nachfragen, ob man sich auch ähnliche Werte wünscht, wie bei PISA-2022 in Rumänien.
Also u.a. bei den Durchschnittsleistungen in Mathematik und Lesen, beim Anteil „low-performer“ , bei der sozialen Disparität, beim Anteil SuS die sich an der Schule nicht wohl und/oder von Dingen ausgeschlossen fühlen usw.usw.
Was mich etwas verwundert ist, dass sich noch keiner der Experten zu Wort gemeldet hat, die sonst regelmäßig fordern DE sollte sich Länder Estland oder Korea als Vorbild nehmen.
„Der Mythos vom Klassenprimus Bayern gerät ins Wanken“
What? Schnell! Bayernhymne singen!
Das Problem bestünde darin, keine Notwendigkeit zur Verbesserung zu erkennen, solange man sich genug andere unter sich wähnt.
Daumendrück dass die Zuständigen diesen Fehler nicht begehen
Kann sich in Bayern halt kaum einer mit der These anfreunden, man könne Verbesserung dadurch erreichen einfach die Maßnahmen zu kopieren, die in den BL angewendet werden, in denen die SuS noch wesentlich schlechter abschneiden als in Bayern.
Also z.B. SuS aus der unteren Schicht bei IQB-Lesen 58 Pkt schlechter als in BY, SuS mit Migrationshintergrund 53 Pkt schlechter und in denen der Anteil SuS mehr als doppelt so groß war, die weniger als 350 Pkt erreichten.
Mag aber schon sein, dass es auch Leute gibt, die solche Dinge als vorbildlich und nachahmenswert ansehen wollen.
„Kann sich in Bayern halt kaum einer mit der These anfreunden, man könne Verbesserung dadurch erreichen einfach die Maßnahmen zu kopieren, die in den BL angewendet werden, in denen die SuS noch wesentlich schlechter abschneiden als in Bayern.“
Klingt wahnsinnig unprofessionell, Bildungserfolg an einer einzigen Maßnahme festzumachen, aber für Bayern scheint es gut genug zu sein…
Von welchem erfolgreicheren Land kopiert Bayern das Singen der Bayernhymne? 😉
Also Bayern muss etwas ändern, aber Bremen ist schon gut genug? Zur Erinnerung: Der Gymnasialanteil in Bremen ist NIEDRIGER als in Bayern, er ist aus politischen Gründen gedeckelt worden.
Ich wundere mich auch immer, wenn Leute fordern Bayern sollte unbedingt die Maßnahmen von Bundesländern übernehmen , in denen die IQB-Ergebnisse besonders auch der SuS aus der unteren Schicht und mit Migrationshintergrund sehr deutlich schlechter ausfallen, wesentlich mehr SuS nicht die Punktzahlen für die Mindeststandards erreichen und auch die Quote Schulabgänger*innen ohne mind. ESA deutlich höher ist usw..
„Ich wundere mich auch immer, wenn Leute fordern Bayern sollte unbedingt die Maßnahmen von Bundesländern übernehmen“
Weil diese wissenschaftlich belegt sind und Bayern STÄRKEN würden? 😉
https://bibliothek.wzb.eu/wzbrief-bildung/WZBriefBildung402020_matthewes.pdf
https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0272443
https://idw-online.de/de/news805108
Naja, „kein Grund zur Entwarnung, ist manchen Forist*innen offenbar gut genug, nichts verbessern zu wollen – nur weil Fachleute, Politiker*innen und andere Lehrkräffte in Bayern das dringend anraten
…
(https://www.br.de/nachrichten/bayern/bildungsstudie-bescheinigt-schuelern-schlechtere-leistungen,UzuFB4A)
„Weil diese wissenschaftlich belegt sind und Bayern STÄRKEN würden?“
Haben Sie die obigen Studien eigentlich mal gelesen?
trotzdem
Und falls ja, wollen Sie die allen Ernstes als wissenschaftlichen Nachweis ins Feld führen dass die Leistungen von SuS in Bayern besser würden, wenn man wie in anderen BL die Grundschulzeit verlängern würde usw. usw.?
Wer behauptet das??
Ich glaube nicht, dass Sie die Bundeslander anhand eines einzigen Kriteriums vergleichen können, aber wenn Bayern meint, alles komplett anders machen zu müssen, was im Vergleich schlechtere Länder tun… (augenroll)
Es gibt u.a. eine Studie in der einzelne Bundesländer auf Grundlage der NEPS-Daten verglichen wurde. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass vom Bildungssystem in Bayern besonders auch leistungsschwächere SuS profitieren würden und Effekte sozialer Herkunft auf die Kompetenzen eher abgeschwächt würden.
Auch hier auf n4t wurde darüber berichtet.
Haben Sie denn wirklich noch nie davon gehört oder gelesen?
„Wer behauptet das?“
Das wird nahegelegt durch eine gewisse Einseitigkeit bei der Berichterstattung. Oder gab es hier einen Artikel über das Schulsystem in Bremen, der ähnlich kritisch rangeht und die schwachen Ergebnisse und mangelnde Investitionen kritisiert?
„Der Mythos vom Klassenprimus Bayern gerät ins Wanken“
Das scheint mir die Intention solcher Studien zu sein, diese Ansichten ins Wanken zu bringen. Denn die Leistung wird bei den Metriken herausgekürzt und nur die Spreizung als „Bildungsungerechtigkeit“ interpretiert.
Wenn wir, statt irgendwelche Forderungen zu erheben, mal den Bericht eingehender betrachten würden, würde uns schon etwas auffallen.
Auf Seite 36 sehen wir die Grafik mit den Bildungsergebnissen. Mexico liegt 7 Plätze besser als Deutschland. In Mexico erreichen ca. kaum 20% aus der unteren Schicht die Mindestkompetenz, in Deutschland fast 50%. Der unbedarfte, unwissenschaftliche Leser könnte das deutsche Ergebnis besser finden. Ist es aber nicht!
Denn die oberen 20% liegen, trotz aller Reformen, immer noch bei ca. 90% Mindestkompetenz und bei Mexico sind es nur ca. 55%. Also gar nicht so weit von den schlechtesten 20% in Deutschland entfernt. Wir interpretieren das Ergebnis von Mexico als gerechter, weil die besseren und schlechteren auf niedrigerem Niveau enger zusammen liegen.
Also eifern wir dem Ergebnis von Mexico nach oder, wenn wir PISA nehmen dem in deren Messung bildungsgerechtesten Land (Cambodia), nur geben wir, wie vom BEV gefordert noch viel mehr Geld dafür aus. Klingt logisch.
Es scheint auch hier im Forum Leute zu geben, die die Meinung vertreten man sollte nach Ländern oder Bundesländern suchen, wo es die Kompetenzen der SuS aus der unteren Schicht und SuS mit Migrationshintergrund besonders niedrig ausfallen, dann deren Maßnahmen kopieren und darauf hoffen, dass es damit besser würde.
Ich finde es auch gut, wenn hier mit Fakten und Kennzahlen argumentiert wird, statt mit Bauchgefühl.
Warum wohl die Leute plötzlich so still sind, die sonst gerne Länder wie Estland, Kanada oder Neuseeland als Vorbild für die DE-16 nennen?