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Aus für queeres Jugendnetzwerk Lambda? Prien will Vielfalt nicht mehr fördern

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BERLIN. Die Kritik an der Neuausrichtung der Bundesförderung für Demokratie- und Jugendarbeit nimmt zu. 198 Organisationen haben sich inzwischen einem offenen Brief des queeren Jugendnetzwerks Lambda angeschlossen und verlangen, dessen institutionelle Förderung über 2026 hinaus zu sichern. Zugleich warnt der Bundesverband Queere Bildung, der Abbau spezialisierter Strukturen schwäche ausgerechnet jene Präventionsarbeit (auch) in Schulen, die Queerfeindlichkeit begegnen soll, bevor sie sich verfestigt und in Gewalt umschlägt.

Teenager. (Symbolbild.) Foto: Shutterstock

Auslöser des Protests ist die Kündigung der Rahmenvereinbarung zwischen dem Bundesbildungsministerium und dem Jugendnetzwerk Lambda. Der bundesweit tätige Verband vertritt die Interessen queerer junger Menschen und bietet ihnen Beratung, Vernetzung und Räume zur Selbstorganisation. Er unterstützt Schulen mit Bildungs- und Beratungsangeboten zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Landesverbände führen Workshops mit Schülerinnen und Schülern durch, beraten Lehrkräfte und Schulsozialarbeit sowie begleiten Schulen beim Aufbau diskriminierungssensibler Strukturen und queerer Arbeitsgemeinschaften.

Ohne eine tragfähige Anschlussfinanzierung müsse Lambda seine Angebote Ende 2026 einstellen, erklärt der Vorstand. Zuletzt erhielt Lambda jährlich rund 380.000 Euro aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes.

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Der Konflikt um Lambda ist dabei kein isolierter Förderstreit. Er gehört zu einer grundlegenden Neuordnung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, mit der Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) die bisherige Förderlandschaft inhaltlich und strukturell umbaut. Teile des Programms, darunter Innovationsprojekte und eine aus rund 200 Vorhaben bestehende Infrastruktur, sollen Ende 2026 auslaufen.

Prien begründet diesen Kurs mit mangelnder Wirksamkeit bisheriger Maßnahmen. Nicht alles habe sich in der Praxis bewährt, erklärte sie im Bundestag. Zugleich stellt sie die politische Ausrichtung des Programms infrage. Es sei der Eindruck entstanden, „dass das Programm eine Ausrichtung hat, die eher in das linksliberale Milieu hineinreicht“. Sie wolle es deshalb „breit in der Mitte der Gesellschaft aufstellen“.

Damit verändert die Ministerin allerdings nicht nur einzelne Förderschwerpunkte. Sie löst längerfristig aufgebaute Kooperationen auf und zwingt Organisationen, sich nach neuen, teilweise noch nicht vorliegenden Kriterien erneut zu bewerben. Betroffen sind Einrichtungen, die Schulen und andere Bildungsträger bei Antisemitismus, Rassismus, Hass im Netz, Diskriminierung und Radikalisierung unterstützen – darunter renommierte Institutionen wie die Bildungsstätte Anne Frank oder HateAid.

Die GEW hatte deshalb bereits im Frühjahr vor einem Abbau bewährter Kooperationsstrukturen gewarnt. Schulen benötigten fachlich kompetente Partner für Medienbildung, Diskriminierungsschutz und Radikalisierungsprävention. Unsichere Förderbedingungen könnten Fachkräfte aus dem Arbeitsfeld drängen und vorhandenes Wissen zerstören. Demokratiebildung brauche stabile Rahmenbedingungen und nicht ständig wechselnde Förderlogiken, erklärte die GEW-Vorsitzende Maike Finnern.

„Es geht um die Frage, ob junge queere Menschen auch künftig eine eigene bundesweite Stimme, sichere Räume und verlässliche Strukturen der Selbstorganisation haben“

Die Kündigung von Lambda hat eine breite Unterstützungsbewegung ausgelöst. Zu den Unterzeichnern des offenen Briefes zählen nach Angaben des Verbands Jugendorganisationen, Landesjugendringe, Wohlfahrtsverbände, queere Initiativen und weitere zivilgesellschaftliche Akteure – und die Bildungsgewerkschaft GEW. Mehr als 600 Menschen hätten zudem seit Bekanntwerden der Kündigung einen Mitgliedsantrag bei Lambda gestellt.

„Die große Unterstützung zeigt, dass es hier nicht allein um das Jugendnetzwerk Lambda geht. Es geht um die Frage, ob junge queere Menschen auch künftig eine eigene bundesweite Stimme, sichere Räume und verlässliche Strukturen der Selbstorganisation haben“, erklärt der Bundesvorstand. Eine konkrete Finanzierungsperspektive für das Jahr 2027 gibt es nach Darstellung des Verbands bislang nicht. Das Ministerium verweist darauf, Lambda könne weiterhin Mittel aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes beantragen. In einer schriftlichen Antwort auf eine parlamentarische Frage vom 21. Juli erklärte die Parlamentarische Staatssekretärin Mareike Lotte Wulf, eine weitere Förderung sei grundsätzlich möglich.

Allerdings hat Prien erst in der vergangenen Woche klargestellt, dass „Vielfalt“ allein künftig kein Kriterium mehr für eine Bundesförderung aus dem Programm ist (News4teachers berichtete). Sie verband die Neuausrichtung mit einer grundsätzlichen Kritik an Identitätspolitik, die die Rechte von Minderheiten in den Fokus rückt. „Ich glaube, dass Identitätspolitik den universalistischen Konsens über Menschenrechte und Menschenwürde zerstört“, so Prien.

Weiter erklärte sie: „Wir konzentrieren uns noch mehr auf Sicherheit im Netz, Demokratiebildung und Extremismusprävention. Dabei haben wir den Rechtsextremismus weiter besonders im Blick, weil von ihm die größte Gefahr ausgeht. Aber auch Linksextremismus, Islamismus und Antisemitismus nehmen wir mehr in den Fokus. Das zielt vor allem auf junge Menschen, die das Vertrauen in unser System zu verlieren drohen.“

„Wer queere Menschen wirksam schützen will, darf Queerfeindlichkeit nicht erst dort bekämpfen, wo sie tödlich wird“

Der Bundesverband Queere Bildung hält die Trennung von Extremismusprävention und zielgruppenspezifischer Antidiskriminierungsarbeit jedoch für problematisch. Queerfeindlichkeit sei nicht lediglich ein Randphänomen, sondern könne als „Brückenideologie“ den Zugang zu rechtsextremen, islamistischen und anderen menschenfeindlichen Weltbildern erleichtern. Wer erst eingreife, wenn sich eine extremistische Haltung bereits verfestigt habe, setze zu spät an.

„Wer queere Menschen wirksam schützen will, darf Queerfeindlichkeit nicht erst dort bekämpfen, wo sie tödlich wird“, erklärt Kira Splitt, geschäftsführende Gesamtprojektleitung des Bundesverbands. „Es ist unbegreiflich, dass unsere Bundesregierung aktuell den Schutz queeren Lebens beschwört, während sie gleichzeitig weiterhin am Kahlschlag unserer über Jahrzehnte aufgebauten Community-Strukturen arbeitet.“

Der Verband reagiert damit auch auf einen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day. Der mutmaßliche Täter habe sich zum Islamismus bekannt, heißt es in der Stellungnahme. Gleichzeitig gehe knapp die Hälfte der Angriffe auf CSD-Veranstaltungen bundesweit auf Rechtsextreme zurück. Für den Bundesverband zeigt sich darin, dass Queerfeindlichkeit in unterschiedlichen extremistischen Milieus anschlussfähig ist.

Für Schulen ist die Debatte vor allem deshalb relevant, weil Bildungs- und Präventionsangebote häufig dort ansetzen, wo abwertende Einstellungen erstmals offen sichtbar werden. Nach Angaben des Bundesverbands arbeiten bundesweit mehr als 90 Projekte mit kontakt- und dialogorientierten Konzepten. Sie führen beispielsweise Workshops mit Schülerinnen und Schülern durch, beraten pädagogische Fachkräfte und entwickeln Handlungsstrategien gegen Diskriminierung.

Der Verband beruft sich auf die 2025 veröffentlichten Ergebnisse eines Feldexperiments mit rund 10.000 Schülerinnen und Schülern. Demnach könne kontaktbasierte queere Bildungsarbeit dazu beitragen, Vorurteile und Diskriminierung abzubauen. Schon heute könnten die vorhandenen Projekte die Nachfrage nicht vollständig bedienen, erklärt Queere Bildung. Rund ein Drittel des Bedarfs bleibe ungedeckt. Dies habe nicht nur Folgen für queere Jugendliche, die keinen Zugang zu entsprechenden Angeboten erhielten. Auch Lehrkräfte, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter sowie andere pädagogische Fachkräfte würden vielerorts allein gelassen, wenn sie Unterstützung im Umgang mit queerfeindlichen Äußerungen, Mobbing oder Gewalt suchten. News4teachers 

Prien streicht Bildungsprojekte zusammen – und stellt zur Begründung den Rassismus in Deutschland mal eben infrage

 

 

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14 Kommentare
Rainer Zufall
16 Tage zuvor

Ich glaube, da gibt es ein Missverständnis.
Frau Priens Partei wurde gewählt, UM solchen Plattformen den Boden zu entziehen, WEIL diese wirksam sind.

Aber keine Sorge, sobald jemand aus der Union PERSÖNLICHES Interesse daran hat, wird dies wieder aufgenommen – vorher nicht. Wozu auch? -___-

Stephan
16 Tage zuvor

Ich denke viele Missverständnisse entstehen durch die Vereinnahmung des Begriffs queer für alle nicht konservativ hetero-orientierten Lebensentwürfe.
Sind Geistliche die sich aktiv a-sexuell ausrichten auch queer? Ich denke viele in der Bevölkerung denken bei queer sofort an Transvestiten (die aber oft gar nicht homosexuell sind) oder, siehe CSD, offen zur Schau gestellte Fetischarten. Ich vermute ein Großteil der nicht Heteros in Deutschland fühlt sich da auch nicht wirklich repräsentiert.
Ich finde eine kritische Differenzierung (Einordnung) wichtig, vor allem sobald es auch politisch wird.

Kater Karlo
15 Tage zuvor
Antwortet  Stephan

Genau so eine Antwort ist Grund genug, warum Projekte zur/über „queere Vielfalt“ notwendig sind. Ist es doch ein gehöriger Unterschied, ob ich auf etwas bewusst verzichte, obwohl ich sexuelle Bedürfnisse habe (Geistliche im Zölibat) oder ob ich per se keine sexuellen/romantischen Bedürfnisse habe (aromantisch/asexuell). Zölibat und „traditionell- heterosexuell“ (was ist daran eigentlich traditionell, wo es diverseste unterschiedliche sexuelle Ausrichtung nicht nur bei homo sapiens sapiens schon immer gegeben hat, sondern auch im Tierreich) schließen sich nicht gegenseitig aus. Genau so wenig wie Zölibat und Homosexualität. „Queerness“ ist ja vor allem erst mal der Wunsch, durch Begriffe Inklusion auszudrücken. Dass es auch in er queeren Bubble Ausschluss und Diskriminierung gibt, ist ja nun auch kein Geheimnis.

Jan
15 Tage zuvor

Die CDU wurde unter anderem genau dafür gewählt. Frau Prien macht also nur Ihren Job. Ich persönlich finde das sehr gut.

Rainer Zufall
14 Tage zuvor
Antwortet  Jan

Ist Ihr gutes Recht. Warum finden Sie es persönlich gut, dass die Unterstüzung des Netzwerks beendet wird?

blau
15 Tage zuvor

Ich denke, Prien hat da etwas nicht verstanden. Identitäts- und Demokratieförderung müssen kein Widerspruch sein. Man sollte in beide gleichermaßen investieren. Das dient Menschenrechten und -würde am meisten.

Rainer Zufall
14 Tage zuvor
Antwortet  blau

Frau Prien möchte wohl lieber in einer der unzähligen queeren Jugendnetzwerke von Mitte-Rechts investieren (augenroll)

blau
15 Tage zuvor

Wo sollen die jungen Menschen denn in ihrer Identitätsfindung unterstützt werden? Schule leistet das nicht in ausreichendem Maß, da braucht es einen Raum ohne Wertung und nicht unbedingt die Mitschüler, die man täglich sieht. Wenn dieser Raum nicht gefüllt ist, dann wird er mit Social Media gefüllt. Das kann keiner wollen. Alles, was im realen Leben Jugendliche abholt, ist heutzutage goldwert.

Hysterican
14 Tage zuvor
Antwortet  blau

„Schule leistet das nicht in ausreichendem Maß, …“

Kann mir das mal jemand einordnen, während wir hier krampfhaft versuchen, den „normalen“ Bildungsbetrieb aufrecht zu erhalten?

Ich habe noch ne ganze Reihe von Orchideen, die während meines Sommerferienabsentismus dringend einer artgerechten und angenessenen Gießung bedürfen.

Wer übernimmt den Job, während ich versuche, mein Energielevel für das kommende Schuljahr ins Plus zu bringen?

Rainer Zufall
13 Tage zuvor
Antwortet  Hysterican

„Kann mir das mal jemand einordnen, während wir hier krampfhaft versuchen, den „normalen“ Bildungsbetrieb aufrecht zu erhalten?“
Gerne. Sie untergraben die Sinn- und Notwendigkeit, indem Sie die Aussagen/ Ausreden jener Politiker*innen in Verantwortung bzw. deren Wählerschaft heranziehen, um in einem Akt der Kreislogik den Mangel mit sich selbst zu rechtfertigen, ohne irgendein inhaltliches Argument vorweisen zu müssen/ können.

Hysterican
12 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Nö – falsch!!
Ich versuche lediglich meinen ArbeitsAlltag zu bewältigen.

Sie dürfen aber gerne noch einen weiteren hobby-psychologischen Deutungsversuch unternehmen.
Nur Mut! – vielleicht kommt rein zufällig noch was Brauchbareres heraus – während Sie – wie quasi immer – im Nebel herumstochern.

Rainer Zufall
11 Tage zuvor
Antwortet  Hysterican

Wie previlegiert, dass SIE bestimmen, was Ihren Arbeitsalltag ausmacht.
Schon dreist, wenn Ihre Schutzbefohlenen Ihre Vorstellungen zu durchbrechen wagen.

„vielleicht kommt rein zufällig noch was Brauchbareres heraus – während Sie – wie quasi immer – im Nebel herumstochern.“
Ich habe derzeit keinen Grund anzunehmen, dass da auf etwas zu stoßen wäre :/

Rainer Zufall
14 Tage zuvor
Antwortet  blau

„Eigenverantwortung“ solls richten, funktioniert gerade dieser Tage super auf social media …
Habe gestern ein Video zur Entdeckung von Penecillin gesucht und musste mich ungelogen durch hunderte KI-Schrottvideos und „selbstgemachte“ Antibiotika scrollen -__-

Bildungsnah
13 Tage zuvor

Ohne eine tragfähige Anschlussfinanzierung müsse Lambda seine Angebote Ende 2026 einstellen, erklärt der Vorstand.“

Es scheint sich also nicht um eine Organisation zu handeln, die Spenden oder Mitgliedsbeiträge nutzt. Wenn das Angebot ohne Steuerfinanzierung komplett eingestellt werden muss, wirft das schon Fragen auf. Es scheint sich um eine Nichtregierungsorganisation zu handeln, die zu 100% von den Zuwendungen der Regierung abhängig ist.