BERLIN. Deutschlands Lehrkräfte schätzen ihre Fähigkeiten, digitalen Unterricht zu gestalten, überwiegend positiv ein. Eine aktuelle repräsentative Befragung des Digitalverbands Bitkom zeigt allerdings auch erhebliche Unsicherheiten: Fast jede dritte Lehrkraft befürchtet, mit dem technologischen Fortschritt nicht Schritt halten zu können. Zugleich wünschen sich viele mehr Weiterbildung, insbesondere beim Jugendmedienschutz und beim pädagogischen Einsatz digitaler Anwendungen. Bemerkenswert ist, dass sich eine große Mehrheit für verpflichtende Fortbildungen ausspricht.

Deutschlands Lehrkräfte stellen sich selbst ein überwiegend gutes Zeugnis für ihre digitalen Fähigkeiten aus. Auf einer Schulnotenskala von eins bis sechs bewerten sie ihre Kompetenz, Unterricht digital zu gestalten, im Durchschnitt mit der Note 2,3. Fast zwei Drittel, nämlich 64 Prozent, halten ihre Fähigkeiten für gut oder sehr gut. Das geht aus einer repräsentativen Befragung hervor, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dafür wurden 501 Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarstufen I und II zwischen Ende Mai und Ende Juni 2026 telefonisch befragt. Die Ergebnisse hat der Verband jetzt veröffentlicht.
Die positive Selbsteinschätzung steht allerdings neben einer verbreiteten Sorge, den Anschluss an die technische Entwicklung zu verlieren. 32 Prozent der befragten Lehrkräfte befürchten, dem rasanten Fortschritt digitaler Technologien nicht folgen zu können. Jede fünfte Lehrkraft (21 Prozent) gibt zudem an, häufig unsicher zu sein, weil Schülerinnen und Schüler mit neuen Technologien mitunter besser vertraut erscheinen als sie selbst.
Wie unterschiedlich die Perspektiven auf die digitalen Fähigkeiten der Lehrkräfte ausfallen können, zeigt ein Vergleich mit einer früheren Bitkom-Erhebung. Im Jahr 2025 bewerteten Schülerinnen und Schüler die Digitalkompetenz ihrer Lehrerinnen und Lehrer im Durchschnitt mit der Note 2,9. Damit fiel ihr Urteil merklich kritischer aus als die aktuelle Selbsteinschätzung der Lehrkräfte.
„Digitalkompetenz ist nichts, was man sich einmal aneignet und dann jahrelang abrufen kann. Entscheidend ist, dass Lehrkräfte unkompliziert und kontinuierlich die Möglichkeit bekommen und nutzen, ihr Wissen aufzufrischen und neue Anwendungen zu testen“, erklärt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.
Wie groß der Bedarf aus Sicht der Lehrkräfte ist, zeigt die Befragung zu ihren Weiterbildungswünschen. Dabei fällt auf, dass nicht die technischen Grundlagen und auch nicht die Künstliche Intelligenz an erster Stelle stehen. Am häufigsten wünschen sich die Befragten zusätzliche Kenntnisse darüber, wie Kinder und Jugendliche vor Gefahren im Internet geschützt werden können.
„Mit KI und immer neuen digitalen Anwendungen verändert sich auch der Unterricht in hohem Tempo“
41 Prozent der Lehrkräfte würden sich gerne zum Jugendschutz im Netz weiterbilden, etwa zu Cybermobbing oder Cybergrooming. Damit liegt dieses Themenfeld deutlich vor allen anderen abgefragten Bereichen. An zweiter Stelle stehen pädagogische Aspekte des digitalen Lernens. 32 Prozent der Befragten wünschen sich hierzu weitere Qualifizierung. Fast ebenso viele, nämlich 31 Prozent, interessieren sich für Fortbildungen zu Lernapps und Lernsoftware. 29 Prozent würden gerne mehr über digitale Werkzeuge zur Unterrichtsplanung, Organisation und Leistungsbewertung erfahren.
Erst danach folgt die Künstliche Intelligenz: 27 Prozent der Lehrkräfte möchten ihre Kenntnisse auf diesem Gebiet erweitern. Beim Urheberrecht und Datenschutz liegt der Anteil bei 25 Prozent. Technische Grundlagen, etwa die Bedienung und Funktionsweise von Geräten und Anwendungen, nennen 20 Prozent.
Bemerkenswert: 78 Prozent der befragten Lehrkräfte sprechen sich dafür aus, regelmäßige Fortbildungen zu digitalen Themen und Methoden verpflichtend zu machen. Eine große Mehrheit unterstützt damit einen Ansatz, der über freiwillige Angebote hinausgeht. Aus Sicht des Digitalverbands ist diese Verbindlichkeit notwendig, um die Schulen mit der technologischen Entwicklung Schritt halten zu lassen. Wintergerst fordert, digitale Kompetenzen systematisch in allen Phasen der Lehrkräftebildung zu verankern.
„Mit KI und immer neuen digitalen Anwendungen verändert sich auch der Unterricht in hohem Tempo. Es reicht daher nicht, wenn sich nur ein Teil der Lehrkräfte fortbildet. Wer zeitgemäßen Unterricht will, muss Fortbildung zur Regel machen – mit praxisnahen Angeboten und festen Zeitbudgets. Digitalkompetenzen gehören verbindlich ins Studium, ins Referendariat und in die berufsbegleitende Weiterbildung von Lehrkräften“, erklärt der Bitkom-Präsident. News4teachers
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