Kostenübernahme durch Jugendämter: Wie Privatschulen dem Staat helfen, die Zahl der Schulabbrecher zu senken

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BERLIN. Privatschulen haben den Ruf, elitär zu sein. Dabei besuchen keineswegs nur Kinder und Jugendliche aus begüterten Familien Bildungseinrichtungen, für die eine Gebühr aufzubringen ist, die schon mal gut und gerne 15.000 Euro im Jahr betragen kann. Was nicht allzu bekannt ist: Viele Schülerinnen und Schüler bekommen ihren Platz an der Privatschule vom Jugendamt bezahlt – aus guten Gründen.

50.000 junge Menschen brechen alljährlich in Deutschland die Schule ab (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

„Zuerst sind es einzelne Schulstunden die geschwänzt werden, darauf folgen Fehltage, die zu Wochen werden – bis irgendwann der Tag kommt, an dem sich ein Schüler entscheidet, gar nicht mehr zur Schule zu gehen“, so heißt es im Blog der Kölner Privatschule.

Die Konsequenz: Rund 50.000 Schülerinnen und Schüler verlassen alljährlich in Deutschland die Schule ohne einen Hauptschulabschluss – mit düsteren Perspektiven. „In Deutschland schwankt die Zahl der frühzeitigen Schul- und Ausbildungsabgänger seit zehn Jahren um rund 10 Prozent, regelmäßig niedrigere Werte erreichen die Nachbarländer Polen, Frankreich und die Niederlande. Ein früher Schulabgang kann zu Arbeitslosigkeit, sozialer Ausgrenzung und Armut führen“, so schreibt das Institut der deutschen Wirtschaft über das Thema.

„Mit Blick auf die beiden Abschlussjahrgänge droht sich die Zahl der Schulabbrecher zu verdoppeln“

Und das Problem dürfte sich noch durch die Corona-Krise verschärft haben. Die deutschen Jugendämter rechnen wegen der Pandemie mit einer stark steigenden Zahl von Kindern und Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen. „Mit Blick auf die beiden Abschlussjahrgänge droht sich die Zahl der Schulabbrecher zu verdoppeln“, sagte Lorenz Bahr, der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter, bereits vergangenes Jahr voraus. Diese Entwicklung werde sich durch viele Schichten ziehen. Auch Kinder aus der Mittelschicht würden einen „früheren Karriereknick“ erleben, warnte Bahr.

Die Ursachen für Schulabbruch sind vielfältig – aber durchaus vorhersehbar. „Jeder Schulabbruch hat eine Vorgeschichte“, so heißt es im Blog der Kölner Privatschule. „Die Protagonisten dieser Geschichten sind Schüler-/innen, die sich hilflos und alleingelassen fühlen. Als einzigen Ausweg sehen sie den Schulabbruch, um vor ihren scheinbaren Niederlagen und Problemen zu flüchten. Es ist nicht immer einfach zu ergründen, warum ein/e Schüler-/in sich eines Tages dazu entscheidet, nicht mehr zur Schule zu gehen. Familiäre Probleme wie z.B. eine Trennung oder Streitigkeiten können diese Entscheidung begünstigen. Es kann zu der Angst kommen der Auslöser für die Probleme der Eltern zu sein und dass nichts tun vielleicht besser ist als das Falsche zu tun. Nicht selten kommt es vor, dass Eltern gar nicht bemerken was bei ihren Kindern vorgeht oder sich einfach nicht dafür interessieren. Auch das Gegenteil kann der Fall sein, wenn ein Kind z.B. übereifrige Eltern mit sehr hohen Ansprüchen hat und den ständigen Druck verspürt Leistungen zu erbringen, die ihm unmöglich erscheinen. Das Resultat sind Versagensängste, die manchmal so groß werden, dass das Kind nicht mehr weiß, was es tun soll und deshalb lieber gar nichts mehr tut.“

Und hier kommen nicht selten Privatschulen ins Spiel. Die Jugendämter finanzieren nämlich vielen Kindern und Jugendlichen, die vom Schulabbruch bedroht sind, den Besuch, der zwischen 50 Euro und über 1.000 Euro pro Monat, bei Internaten sogar mehrere Tausend Euro im Monat betragen kann – wohlwissend, dass diese Klientel an staatlichen Schulen nicht immer angemessen gefördert werden kann.

„Die Beschulung in einer Privatschule bzw. einem Internat kann eine Leistung der Eingliederungshilfe sein“

„Es besteht oftmals die Möglichkeit, eine Kostenübernahme bei Privatschulen zu erlangen, falls das Kind auf die private Schule angewiesen ist und man die Voraussetzungen für eine Kostenübernahme erfüllt. Anfragen, beziehungsweise einen Antrag auf Kostenübernahme für eine Privatschule werden in den meisten Fällen an das Jugendamt gestellt, welche die Voraussetzungen prüft und Ansprüche geltend machen kann“, so heißt es auf dem Privatschulen-Portal. Statistiken darüber, wie viele Kinder das in Deutschland betrifft (und ob sich der Trend verschärft), gibt es nicht.

Wann sind die Jugendämter denn verpflichtet, die Kosten einer Privatschule oder eines Internats zu übernehmen? „Die Beschulung in einer Privatschule oder einem Internat kann eine Leistung der Eingliederungshilfe sein“, so informiert der Hannoveraner Fachanwalt Peter Koch. „Kinder oder Jugendliche haben unter zwei Voraussetzungen Anspruch auf Eingliederungshilfe:

  • Ihre seelische Gesundheit muss mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für ihr Lebensalter typischen Zustand abweichen, und
  • daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt oder eine solche Beeinträchtigung zu erwarten sein.

Das Vorliegen oder Drohen der seelischen Behinderung ist durch ein fachärztliches Gutachten nachzuweisen, welches bestimmten, gesetzlich vorgegebenen Anforderungen genügen muss.“ Fälle, bei denen Gerichte Ansprüche anerkannten, betrafen Hochbegabung ebenso wie das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.

Zwar gilt, so Koch: „Solange staatliche Schulen im Rahmen der Schulpflicht mit eigenen Mitteln, gegebenenfalls ergänzt durch einen Schulhelfer o.ä. den Hilfebedarf ebenfalls decken können, besteht kein Anspruch auf Kostenübernahme für eine Privatschule.“

Andererseits urteilte das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen aber bereits 2013: „Der Vorrang des öffentlichen Schulwesens entfällt, wenn die ergänzende Hilfe nach dem SGB VIII nicht ausreicht, um die von der Schule nicht abgedeckte Bedarfslücke rechtlich und tatsächlich zu schließen und die mangelnde Fähigkeit des öffentlichen Schulsystems, allen behinderungsbedingten Defiziten des Hilfe suchenden zu begegnen, nicht ausgleichen kann.“ Im vorliegenden Fall musste das Jugendamt, das den klagenden Schüler an eine Förderschule verwiesen hatte, den Besuch einer Privatschule finanzieren – ein wegweisender Richterspruch, der viele Kindern und Jugendlichen aus weniger begüterten Familien vor einem Schulabbruch bewahrt.

Denn: An Privatschulen können sie meist individueller gefördert werden. „Ganz wichtig: Die Rahmenbedingungen müssen stimmen! Und genau diese unterscheiden sich bei uns von der Regelschule“, so heißt es dazu auf der Seite der Kölner Privatschule.

Heißt konkret: „Der Unterrichtsausfall tendiert praktisch gegen Null. Unsere Klassen sind deutlich kleiner als in Schulen des öffentlichen Systems. Ein Versinken in den hinteren Reihen wird somit unmöglich – bei uns sitzt jeder in den vorderen Reihen. Ein bloßes Herunterbeten von Unterrichtsstoff gibt es bei uns nicht.“ Die Privatschule betont: „So können wir mit Stolz sagen, dass einige unserer Ehemaligen, die auf der Regelschule als ‚hoffnungslose Fälle‘ galten, heute erfolgreich beispielsweise als Wissenschaftler, Ärzte, Marketing-Profis oder Selbstständige arbeiten.“

Für den Staat rechnet sich das durchaus: Aus potenziellen Sozialhilfe-Empfängern werden spätere Steuerzahler. News4teachers

Privatschulen vor einem Corona-Boom? Sie sind flexibel, digital gut aufgestellt – und attraktive Arbeitgeber (sagt der VDP)

 

 

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Wissenschaftistkeinemeinung
1 Monat zuvor

Es wäre hilfreich, wenn die Aussage in der Überschrift „Wie Privatschulen dem Staat helfen, die Zahl der Schulabbrecher zu senken“ mit Zahlen und Daten belegt wäre. Es gibt knapp 6000 Privatschulen in Deutschland, wie viele „helfen“ hier tatsächlich mit? Handelt es sich um fünf, 50, 500 oder 5000 Kinder und Jugendliche? Spiegelt sich in diesen Schulen gesellschaftliche Vielfalt?

Carsten60
1 Monat zuvor

Hier bei news4teachers scheint es eine wachsende Begeisterung für Privatschulen zu geben, die ja in der Tat durch das Grundgesetz abgesichert sind. „Bernd“ teilte irgendwann mit, seine Kinder würden in eine Privatschule gehen, und das wäre ganz wunderbar. Oben wird suggeriert, Schulabbrüche gebe es praktisch nur an staatlichen Schulen.
Andererseits: die GEW wittert eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, die Privatschulen führen angeblich zu Segregation der bildungsorientierten Eltern, wie schrecklich. Außerdem werden die Lehrer dort schlechter besoldet als in öffentlichen Schulen. Progressive Politiker fordern seit langem, die Privatschulen zurückzudrängen oder gar abzuschaffen.
Dieser Konflikt sollte als solcher vielleicht mal näher diskutiert werden, zumal ja die GEW hier durchaus ein Forum zur Selbstdarstellung hat. Ständig liest man hier, was bestimmte GEW-Funktionäre sagen. Also sollen die sich mal näher zu Privatschulen und deren pädagogischen vorteilen äußern.
Zu Internaten: Es waren Internatsschulen mit speziellen Profilen, die für Schlagzeilen in Sachen sexueller Missbrauch gesorgt haben. Schon vergessen? In Internaten entstehen fast zwangsläufig Strukturen von Abhängigkeiten mit Gewalt. Man vergleiche auch den berühmten Film „Der junge Törless“.

Palim
1 Monat zuvor

Schön, dass daraus ein eigener Artikel wird. Was können die Bekenntnisschulen dafür, unter deren Darstellung die Diskussion begann:

Privatschulen übernehmen die Beschulung einzelner Benachteiligter, wenn der Staat gewillt ist, dafür zu bezahlen. Sie können sich ihre Schüler:innen aber aussuchen, können auch ablehnen und abweisen, einen Vertrag kann man kündigen, die an staatlichen Schulen vorgeschriebenen Vorgehensweisen nach Schulgesetzen greifen dort nicht.
Und: Privatschulen sind weit davon entfernt, alle Schüler:innen aufzunehmen, die vom Jugendamt Unterstützung erhalten.

Für die notwendige Unterstützung der staatlichen Schulen gibt es keine Bereitschaft – und offenbar keine Lobby.
Um die Kostenübernahme für eine Schulbegleitung muss man vehement kämpfen und sieht sich nach zähen Verfahren dann auch mal Vorwürfen und Ablehnungen durch das Amt gegenüber, weil die Sachmittel nicht ausreichen, um allen Schüler:innen die notwendige Unterstützung finanzieren zu können.

Dass Privatschulen mit ihren (angeblichen oder tatsächlichen) guten Bedingungen werben, ist verständlich.
Privatschulen erheben Schulgeld und erhalten Geld vom Staat.
Privatschulen können auch Spenden annehmen, ohne dass ein staatlicher Schulträger darüber befindet, ob die Spende angenommen werden kann und wofür das Geld eingesetzt werden darf. Der Staat begünstigt dies dann zusätzlich auch noch mit der steuerlichen Absetzbarkeit von Spenden und Schulgeld. Der Staat finanziert also einzelnen die private Bildung zu Bedingungen, die anderen versagt bleiben. Auch gibt es keine Instrumente, die Überfinanzierung reglementieren.

Privatschulen können in ihren Unterricht Personal stellen, das keine staatliche Ausbildung hat. Wie stark kontrolliert der Staat diese Vorgaben auch nach dem Genehmigungsverfahren der Schule? Wie hoch ist der Anteil des Unterrichts, der durch anderes Personal erteilt wird? Für BW gibt es die Vorgabe, dass mindestens 2/3 des Personals staatliche examinierte Lehrkräfte sein müssen.
Hier soll die private Schule keinen Nachteil bilden, aber das staatliche System arbeitet nicht an einer Verbesserung der Versorgung eigener Schulen und gegen den Lehrkräftemangel, sondern sieht selbst einen Vorteil in prekären Beschäftigungsverhältnissen für das Personal in Schulen.
Gleichzeitig müssen sich staatliche Schulen an den zusätzlichen Möglichkeiten der Privatschulen messen lassen – ohne Schulgeld, ohne Spenden, ohne Steuervergünstigungen.
Die Forderung, dass es zu keiner Benachteiligung kommen soll, gilt jedoch nur in eine Richtung, da es bisher keine gesetzlichen Vorgaben gibt, dass staatliche und private Schulen zu gleichen Teilen die Aufgaben der Bildung und Erziehung übernehmen müssen oder dass auf gleichwertige Verhältnisse zu achten ist.
Dass das Sonderungsverbot und seine Auslegung umstritten ist und es durchaus zur Sonderung kommt, wird seit Jahren diskutiert.
https://www.news4teachers.de/2017/07/arme-kinder-findet-man-auf-privatschulen-selten-und-daran-sind-die-behoerden-selbst-schuld-studie-wegen-mangelnder-kontrolle-koennen-sich-privatschulen-abschotten/
https://fragdenstaat.de/anfrage/schulgeld-an-privatschulen-in-freier-tragerschaft-ersatzschulen-staffelung-der-schulgelder-um-dem-sonderungsverbot-zu-genugen/#nachricht-96585

Es ist also von mehreren Seiten die Privatisierung der Bildung erwünscht.
Statt ins staatliche Schulsystem zu investieren, nutzt man es für Einsparungen.
Statt Chancengerechtigkeit anzustreben, finanziert man parallele Systeme, die eine Auslese – oder Sonderung und Segregation – ermöglichen und begünstigen.
https://www.news4teachers.de/2016/11/studie-schulpolitik-und-verwaltungspraxis-zementieren-soziale-abschottung-privater-schulen/

Verlierer sind alle.

In ein paar Jahren stellt man dann fest, dass die weltanschaulichen Ausrichtungen der privaten Schulen besondere Blüten trägt oder dass die landesweite Versorgung nicht mehr gewährleistet werden kann (vgl. Schulschließungen kath. Schulen in HH), so wie man es in anderen Bereichen längst deutlich sehen kann, wenn man denn will.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

@ Palim: Ihre Argumentation erinnert verdächtig an die der GEW-Funktionäre. Ist das Zufall?
„Statt Chancengerechtigkeit anzustreben, finanziert man parallele Systeme, die eine Auslese ermöglichen und begünstigen.“
Vielleicht teilen Sie mal mit, in welchem realen Land der Erde das prinzipiell anders ist. Etliche Länder haben auf dem Papier eine einheitliche Schule, aber dann gibt es z.B. in Japan und Südkorea Aufnahmeprüfungen, wo man für bestimmte Schulen eben eine bestimmte hohe Punktzahl braucht und für andere eine niedrigere. Die Vorbereitungskurse für diese Aufnahmeprüfungen finden an privaten Nachhilfeschulen statt und müssen teuer bezahlt werden. Das ist der Inbegriff einer sozialen Segregation. Dennoch preist PISA die Bildungsgerechtigkeit in Japan und Südkorea.
Das ist in vielen Ländern ähnlich. Auch in Schweden gibt es mehr und mehr private (oft religiöse) Schulen, in Holland gehen mehr als die Hälfte der Kinder in Privatschulen. Also bitte: reden Sie nicht immer übers Wolkenkuckucksheim, sondern benennen Sie ein real existierendes Vorbild für Ihre Vorstellungen, an dem man sich orientieren könnte.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Es ist erstaunlich, dass sie sich immer wieder die Zeit nehmen, und meine Äußerungen mit denen von irgendwelchen GEW-Funktionären (wer soll das sein?) vergleichen. Wäre ja schön, wenn sich Gewerkschaftsvertreter, die sich vorrangig um bessere Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte kümmern, auch die bessere Ausstattung der Schulen im Blick behalten.

Die viel wichtigere Frage: Warum sollten wir uns die Benachteiligung in anderen Ländern zum Vorbild nehmen?
Möchten wir auch die Bildungs- und Arbeitsbedingungen der Länder übernehmen, in denen unsere Kleidung genäht wird, damit wir uns anpassen?

Kann man die Privatschulen anderer Länder mit denen in Deutschland vergleichen? Gibt es dort Sonderungsverbote?
Gibt es staatliche Finanzierungen für die Privatschulen?
Wenn Sie sich so gut auskennen, können Sie das vielleicht beantworten.

Finnland soll wenige Privatschulen haben.
Vielleicht gucken Sie sich da um, was möglich ist.

In Sachsen und Bayern gibt es besonders viele Privatschulen, in Schleswig-Holstein wenige. Warum?

@dickebank verweist darauf, dass die evangelischen und katholischen Bekenntnissschulen in NRW nicht zwangsläufig Privatschulen seien, weil sie in der Trägerschaft der Kommunen bleiben. Welche Vorzüge haben sie? Worin unterscheiden sie sich von Schulen ohne Bekenntnis?
War es nicht auch in NRW so, dass die Einzugsgebiete aufgehoben wurden und zwischen allen Schulen freie Wahl besteht?

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

@ Palim: Ich lese halt nicht gern das ewig gleichlautende Blabla fürs Wolkenkuckucksheim. Unrealistische Forderungen aufzustellen ist halt zu billig.
Die staatlichen Bekenntnisschulen in NRW, die Sie ganz stolz herausstellen, sind in Wahrheit ein jämmerliches Relikt aus der Kaiserzeit, selbst im katholischen Bayern sind sie abgeschafft. Eigentlich werden die nur durch die Sturheit der katholischen Oberhirten vom Schlage eines Woelki am Leben erhalten, es gibt Bürgerinitiativen, sie zu Gemeinschaftsschulen umzuwandeln (im Sinne von: nicht konfessionsgebunden). Schauen Sie mal bitte auf die Seite
https://kurzebeinekurzewege.de
und genießen Sie die dortigen Meldungen, dass es an etlichen Orten nur eine einzige Grundschule gibt, und die ist katholisch. Gemäß Gerichtsurteil haben dann katholische Kinder Vorrang bei der Aufnahme, evangelische Seelen mag man auch nehmen, aber Atheisten, Humanisten und Muslime haben schlechte Karten. Mit anderen Worten: ein Sortieren von Erstklässlern nach dem Taufschein wird praktiziert, aber ein Sortieren nach Leistung, das ist natürlich tabu. Ganz bestimmt ist das letztere auch Ihre Meinung. Ich finde das grotesk.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

@carsten60
Was stellen Sie sich denn vor?
Eine Aufnahmeprüfung für die Grundschule?

Ansonsten: Es zwingt Sie niemand, GEW-Verlautbarungen zu lesen.
Und auch meine Beiträge müssen sie nicht lesen. Der Name steht ja oben an, da kann man diese auch auslassen, wenn es einem zu viel wird.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

@ Palim 14.4. um 11:24: Sie behaupten einerseits ständig zu wissen, wie es besser geht, andererseits formulieren sie nichts als Fragen und versuchen keine Antworten zu geben. Deutschland kann keine Insel der Seligen sein, wo alles besser ist als im Ausland. Frankreich hat genau das Schulsystem, das die GEW uns empfiehlt (Vorschulen ab 3 Jahren, Ganztagsschule, Gemeinschaftsschule ohne Gliederung). Bei der Bildungsgerechtigkeit sieht es aber nicht besser aus, steht sogar bei PISA 2015. Natürlich gibt’s auch dort Privatschulen, Sonderungsverbote stehen immer nur auf dem Papier, das ist gar nicht flächendeckend kontrollierbar. Die reichen Leute können ihre Kinder immer auch in ausländische Internate schicken, z.B. in die teure Schweiz, für französischsprachige Leute gibt’s bestimmt welche am schönen Genfer See, für deutschsprachige am ebenso schönen Thuner See. Bei der sozialen Mobilität (d.h. Mischung der sozialen Schichten im zeitlichen Verlauf) sieht es übrigens in Deutschland besser aus als in vielen anderen Ländern.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

„Deutschland kann keine Insel der Seligen sein, wo alles besser ist als im Ausland.“

Doch, könnte.
Man muss es nurumsetzen.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

@Palim – für mich sind Bekenntnisschulen nicht zwangsläufig Privatschulen. Hier in NRW gibt es Bekenntnisschulen im Bereich der Primarstufe, also katholische oder evangelische Grundschulen, die aber in Trägerschaft der jeweiligen Kommunen sind.

Alles andere sind Ergänzungs- oder Ersatzschulen, die in Trägerschaft einer Landeskirche, einer Diözese, eines kirchennahen Schulträgervereins oder Ordens oder einer freikirchlichen Gemeinde stehen.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Ich denke, dass es regional sehr große Unterschiede gibt.
In manchen Städten oder Kommunen sind sämtliche Schulen Kirchen angeschlossen und konkurrieren untereinander, es gibt dann 1-2 staatliche Schule, die die anderen Kindern aufnehmen und entsprechendes Klientel haben.

Andererseits gibt es Regionen, in denen genau eine Privatschule mit einer Ausrichtung vorhanden ist und Eltern anzieht, die es sich leisten können und wollen. Diese Privatschulen haben die einzige Konkurrenz in den staatlichen Schulen.
Und wenn Kinder diese Privatschule verlassen, wird es bekannt, weil sie dann an den staatlichen Schulen wieder auftauchen und die Kinder sich untereinander kennen.

Ich verstehe nicht, wie der Staat gerade die Bildung aus der Hand geben kann und dabei zusieht, dass weltanschauliche Inhalte über dem Curriculum stehen.
Ich verstehe nicht, warum der Staat mit Geld die Segregation fördert und eine Überfinanzierung nicht reglementiert.
Meiner Meinung nach müsste das Sonderungsverbot in beide Richtungen gelten: Schulen sollen gleiche Chancen ermöglichen und es ist Aufgabe des Staates – in diesem Fall der Länderhoheit – für ausgeglichene Verhältnisse an den Schulen zu sorgen.

Bla
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

@Palim
Ich glaube das liegt vielleicht auch an der staatlichen Bezuschussung? Ebenso vllt. an der Religionszugehörigkeit (bei kirchlichen Trägern)? Gerade hier ist Bayern halt schon ein Unterschied zu anderen Bundesländern?
CSU, schon christlich im Namen, hat wahrscheinlich wenig gegen kirchliche Privatschulen.
Desweiteren ist die Bezuschussung (deutlich) weniger, als in Berlin, wenn ich mich nicht ganz irre? Daher für den Staat bzw. BL Bayern auch ein Kostenfaktor und lukrativ.
Ebenfalls wirbt die Schule selbst und hat hier durchaus Privilegien bei der Auswahl der LuL, SuS und Eltern.

Den LuL-Schlüssel (für BW) haben Sie bereits oben genannt. Das (alberne) Argument: „Das sind doch keine richtigen LuL“ ist halt nur bedingt richtig. Sehr viele sind durchaus „voll ausgebildete“ LuL mit Lehramtsstudium (1.+2. StEx) und verzichten (auch im Nachhinein!) auf eine Beamtenstelle. Aber auch hier ist es richtig zu nennen, dass die Privatschulen eben auch andere qualifizierte Leute aus anderen Bereichen anwerben können. Bspw. ein Master-ITlern für die Systembetreuung und den Informatikunterricht. Das ist ein Luxus, welchen sich staatliche Schulen oft nicht leisten können bzw. bürokratisch eine höhere Bürde mit sich bringt. Hier wird dann gerne zwangsweise den Klassenleitungen der Infounterricht zugeschustern (bspw. Mittelschule), auch wenn Sie fachlich doch recht wenig Ahnung haben. Gilt natürlich – wie immer – nicht für alle Schulen.

Darüber hinaus: Ob das 2. Staatsexamen (und auch das 1. schon …) soo wichtig und sinnvoll ist kann man gerne diskutieren. Meiner Meinung nach läuft hier schon sehr gewaltig was schief an vielen Stellen. Auch das ist für Einige einer von vielen möglichen Gründen, sich eben gegen das staatliche System (Regelschule) zu wenden.
Hier kann man an Privatschulen auch eher eine Festanstellung – nicht nur auf Vertretungsbasis als angestellter LuL an Regelschulen – bekommen. Aber auch hier braucht man erstmal eine staatliche Genehmigung der jeweiligen Lehrkraft.
An der Privatschule kann man bspw. auch eine Gymnasiallehrkraft (wenn sie das gehaltstechnisch mitmacht) gezielter für Fachunterricht (Englisch, Spanisch, Französisch) auch an der Mittelschule (und FOS) einsetzen. Ebenso native Speaker, wenn sie die Bedingungen erfüllen (Studium, Fremdsprachenausbildung…).

Kalkspatz
1 Monat zuvor

Die Privatschulen leben vor allem von ihrem Ruf. Schaut man genauer hin, ist es damit oft nicht weit her. Elitär sind die wenigsten. Auch hier konnte man wiederholt lesen, dass die Beschäftigten dort nicht selten nicht mal eine abgeschlossene Lehrerausbildung haben.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Kalkspatz

Wenn eine Ergänzungsschule, bekanntlich ohne staatliche Refinanzierung, auf Jugendamtskinder angewiesen ist, um über die Runden zu kommen, dann ist da abgesehen von den kleinen Klassen nicht viel mit elitär. Diese Kinder sind ja nicht ohne Grund unbeschulbar. Extremer Lerneifer gehört nicht dazu.

Thomas Höhmann
1 Monat zuvor

Ich lese das so: Schüler mit einer besonderen familiären Belastung gehen mit größerer Wahrscheinlichkeit irgendwann auf eine Privatschule. Die Privatschulen werden damit fertig, die staatlichen eher nicht… Ja, warum schafft man die staatlichen dann nicht einfach ab? Sie sind doch weniger leistungsfähig!

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Thomas Höhmann

Vielleicht lesen Sie noch einmal den ersten Beitrag in diesem Strang:
Wie viele der benachteiligten Schüler:innen übernehmen die Privatschulen und wie viele verbleiben an den staatlichen Schulen?

Wenn private Schulen im Bereich der Förderung Benachteiligter so leistungsstark sind, könnte man sich das ja auch zu Nutze machen und gerade diese Schüler alle an die privaten Schulen geben.

Thomas Höhmann
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Vermutlich machen die benachteiligten Schüler mehr Mühe. Da, wo es viele von ihnen gibt, ist also besondere Sorgfalt geboten. Wenn alle Schulen so wirtschaften würden wie die privaten, würde das System vielleicht weniger belastet werden.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Thomas Höhmann

Die Jugendamtskinder brauchen streng genommen sehr kleine Klassen und idealerweise Einzelbetreuung. Wie das im staatlichen System mit Klassengrößen an oder über 30 funktionieren soll, weiß ich nicht. Auch wenn es für die Kinder sicherlich besser ist, können die Ergänzungsschulen die Kontinuität beim Personal nicht garantieren. Dafür ist die Bezahlung, oftmals weit unter TVL oder gar dem Beamtentum, viel zu schlecht.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Ja, Georg, darin sehen bestimmte Personen ein wirtschaftliches Arbeiten.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Thomas Höhmann

„Wenn alle Schulen so wirtschaften würden“…
… blieben die übrigen Schüler:innen, die mehr Mühe machen, aber um die sich keiner kümmern möchte, genau wo?
Wo sind sie denn jetzt, wenn doch die Privatschulen nur Einzelne aufnehmen?

Die Benachteiligten machen eine Menge mehr Mühe.
Da ist viel Sorgfalt geboten, darum kümmern sich eine Menge Lehrkräfte an den staatlichen Schulen. Staatliche Schulen können Schüler:innen nicht abweisen – ja, in manchen Bundesländern abschulen, aber dann übernimmt eine andere staatliche Schule, was auch zutrifft, wenn Kinder die Privatschulen verlassen.
Das ist eine umfassende, zeitintensive und Kräfte zehrende Aufgabe, für die es keinen Ausgleich gibt. Das Deputat ist trotzdem hoch, die zusätzlichen Aufgaben, die in Privatschulen an andere Personen gegeben werden können, müssen in staatlichen Schulen von den Lehrkräften übernommen werden und seit Jahrzehnten findet jeden Monat irgendjemand noch eine Aufgabe, die wichtig ist, weshalb sie zusätzlich in Schulen zu übernehmen ist.

Es fragt niemand, wie viele benachteiligte Schüler in bestimmten Standorten der staatlichen Schulen sitzen oder ob es dort zusätzliche Ressourcen bräuchte, um eine bessere Begleitung und Förderung erreichen zu können.
Lehrkräfte dieser Schulen werden auch nicht bei außerunterrichtlichen Aufgaben entlastet, um mehr Arbeitszeit für Unterricht, Erziehung und Beratung zur Verfügung zu haben.

Eltern, die Privatschulen wählen, wünschen sich – neben weltanschaulicher Ausprägung – andere Bedingungen, in denen mehr Geld, mehr Personal, mehr Zeit für das eigene Kind vorhanden ist oder auch bestimmte Kinder nicht in den Klassen sind. Dafür sind sie gewillt, Geld zu bezahlen, für das es steuerliche Begünstigungen gibt.
Diese Unterstützung bleibt den staatlichen Schulen verwehrt.
Gleichzeitig fehlt es an staatlichen Schulen an allen Ecken und Enden, für jeden sichtbar, vielfach bemängelt und eingefordert. Durch die Segregation verbleiben an den Schulen Eltern, die sich nicht kümmern können oder möchten, die kein zusätzlichen Geld einbringen können, die selbst mit Benachteiligungen zu kämpfen haben. Während Privatschulen die Zusammenarbeit beenden können, wenn Eltern sich nicht kümmern, versuchen staatliche Schulen dies aufzufangen oder auszugleichen, was leider nicht immer gelingt.

Man vergleicht also Schulen mit überwiegend begünstigten Schüler:innen, hervorragender finanzieller Ausstattung und vielen Freiheiten mit Schulen mit weit mehr benachteiligten Schüler:innen, zu knapper finanzieller Ausstattung, an der seit Jahren eingespart wird, und keinerlei Freiheiten.
Wer da wirklich gut wirtschaftet, wäre zu überdenken.
Ob dieses Vorgehen der Gesellschaft zuträglich ist, sollte mit bedacht werden.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

@ Palim 15:10: Ich habe nicht von Aufnahmeprüfungen gesprochen, sondern von Aufnahmeverfahren bei Übernachfrage. Dann geht’s nach dem Taufschein, und Ungetaufte haben keine Chance.
Sie müssen übrigens meine Beiträge auch nicht lesen oder kommentieren. Niemand muss hier irgendwas.
Was GEW-Funktionäre von sich geben, lesen wir hier sehr oft in freundlichen Artikeln, die hauptsächlich aus Zitaten eben dieser Leute bestehen. Das ähnelt dem, was Sie schreiben.
Nebenbei: staatliche Bekenntnisschulen gibt es angeblich auch in Niedersachsen, aber nicht so viele wie in NRW.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

@ Palim 15:10: Falls Sie das „Sortieren nach Leistung“ meinen, dann bezieht sich das auf den Übergang auf die weiterführenden Schulen (das ja heftig angegriffen wird), nicht auf die Einschulung. Allerdings: In Japan gibt’s sogar an manchen Grundschulen Aufnahmeprüfungen. Der PISA-Sieger. Deutscher Schlendrian unterliegt bei PISA eben dem ostasiatischen Eifer.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

@carsten60, 17.01
„ genießen Sie die dortigen Meldungen, dass es an etlichen Orten nur eine einzige Grundschule gibt, und die ist katholisch.“

Die „Sortierung nach Leistung“ haben Sie ins Spiel gebracht. Es ging um Grundschulen und Sie wollten die Kinder nicht nach Taufschein sortieren, sondern nach Leistung.
Da bleibt dann nur ein vorschulischer Leistungstest.
Viel Spaß beim Organisieren und bei der Elterninformation.

Bestimmt gibt es Eltern, die das begrüßen, weil sie auch sonst die Segregation gut heißen. Wäre nur ärgerlich, wenn das eigene Kind dann nicht per Geldüberweisung an der bevorzugten Schule eingekauft werden kann.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

@ Palim: Ich habe nicht gesagt, dass ich die Grundschüler nach Leistung sortieren will, sondern das bezog sich auf die generelle Ablehnung in „progressiven Kreisen“, überhaupt irgendwie — etwa in der Sek I — nach Leistung zu sortieren.
Sie wollen wohl davon ablenken, dass das Sortieren nach Taufschein allgemeine Praxis in NRW (und Teilen von Niedersachsen) ist und auch von den „progressiven“ Leuten nicht weiter kritisiert wird. Und warum gibt’s das? Im Interesse der Pfaffen, nicht im Interesse des Volkes oder gar der Kinder. Man möchte die Kinder „katholisch impfen“, das ist das Ziel. Die evangelischen Schulen sind da in der Minderzahl und auch nicht so penetrant frömmelnd mit wöchentlichen Schulgottesdiensten am Werke.
Übrigens: Vorschulische Tests zur „Sprachkompetenz“ gibt es doch, die sind auch sinnvoll. Und natürlich könnte man sogar Grundschulkinder nach irgendwelchen Kriterien „sortieren“ anstatt sie mit dieser hilflosen JüL-Maßnahme zu verunsichern. Da werden alle in einen Topf geworfen, und manche dürfen dann früher raus und andere erst später. Aber nein, wenn „JüL“ draufsteht, dann ist alles ganz wunderbar. Und Sitzenbleiben ist ganz schlecht, aber die „Verweilkinder“, die in der 2-jährigen Eingangsphase drei Jahre „verweilen“, die sind ganz wunderbar. Hauptsache, die Terminologie stimmt, und die Parteigenossen sind zufriedengestellt.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Ich kann mich nicht zu katholischen Schulen in NRW äußern, da ich nicht vor Ort bin. Ich hatte gehört, dass Kinder ohne Taufschein denen mit evangelischer Taufe vorgezogen würden. Hier sind es evangelikale Schulen, denen ist der Taufschein egal, aber man muss sich verpflichten, die Andachten etc. mitzumachen und sich anderen Vorgaben zu beugen. Kinder lernen also früh, Sachen zu verschweigen, um sich anzupassen, andernfalls werden Eltern zum Gespräch gebeten (es geht u.a. um Kinderbücher und Kinderfilme, die dem evangelikalen Schulträger nicht genehm sind, weil es um Zauberei und Phantasie geht).

Die vorschulischen Tests zur Sprachkompetenz und den dann anschließenden Unterricht hat NDS wieder gestrichen, das sollen jetzt die Erzieher:innen in den KiTa mit übernehmen. Spart 500 Lehrerstellen und verbessert die Unterrichtsversorgung auf einen Schlag, weil es keine vorschulische Sprachförderung durch die Lehrkräfte mehr gibt.

Achim Albrecht
1 Monat zuvor

„An Privatschulen können sie meist individueller gefördert werden.“ Woher nimmt der Autor diese Behauptung, dass „meist“ eine bessere Förderung als an einer stattlichen Schule möglich sei?“ Es ist sehr gut, dass es Provatschulen gib, die auch so etwas wie die Förderung besonders schwierig zu fördernder Kinder und Jugendlicher gibt. Die Behauptung, das gelte für die „meisten“ ist allerdings frei erfunden. Die Kosten, die der Staat Monat für Monat für solch ein Kind zahlt, würden auch zusätzliche Fördermaßnahmen im Rahmen staatlicher Schulen decken – man müsste das nur wollen.

Bla
1 Monat zuvor
Antwortet  Achim Albrecht

@Achim Albrecht
Den einzelnen gegebenen „Förderaufwand“ von LuL sehe ich eher gleich. Dort ist es stark von der jeweiligen Lehrkraft abhängig.

Das mit den Kosten ist eben ein wichtiger Punkt. Das müsste man machen. Macht man (Staat/Kommune/Bund/Land) aber meiner Meinung nach zu wenig. Das ist eben an vielen Schulen (leider) die Realität.

Privatschulen können das Personal direkter werben. Mit kleinerer Bürokratisierung.
Braucht man eine/n Sozpäd? Wirbt man.
Braucht man eine Schulbegleitung? Stellt man den Antrag.
Braucht man zusätzliche Förderstunden? Lässt man sie bewilligen und stellt Fachpersonal ein. (Lerntherapeuten bspw.)
Ob und wie das gemacht wird. Ist wieder eine andere Sache. Das wird stark schulabgängig sein.
Ein weiterer wichtiger Punkt (darf man sicherlich kritisch sehen!) ist die SuS-Auswahl. Hier kann die Privatschule durchaus überlegen, ob sie die SuS individuell unterstützen und fördern kann. Ebenso, wie viele (besonders) förderbedürftige SuS sie aufnimmt.
Dieses Privileg steht den (meisten?) Regelschulen nicht zu. LuL/Schule kann das oft einfach nicht mehr auffangen.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Bla

In den staatlichen Schulen läuft es anders:
Braucht man eine Sozialpädagogin … kann man lange warten, bis das Land bereit ist, an Schulen welche einzustellen, ist es aber nicht oder nur im viel zu geringem Maße.

Braucht man eine SchulPsychologin … muss man auch warten, bis es Termine gibt, die Versorgung ist in den BL sehr unterschiedlich und die staatlichen SchulpsychologInnen sind hier auch für Kinder an privaten Schulen zuständig.

Braucht man eine Einschulungsuntersuchung, übernehmen das die staatlichen Stellen, also organisiert die staatliche Schule die Termine und sieht, wer (später woanders) eingeschult wird und sieht auch die Ergebnisse der Untersuchung.

Braucht man eine Integrationshilfe, stellen die Eltern (!) den Antrag, die Lehrkräfte bekommen einen umfangreichen Fragebogen (12 Seiten), das ist viel Arbeit, bewilligt wird es von der Kommune (Landkreis), die nicht Schulträger (Gemeinde) ist und auch spart.

Braucht man Förderstunden, muss man nach Erlasslage gehen, stellt 1x im Jahr diverse Anträge, bekommt Stunden für Lehrkräfte bewilligt. Es gibt also keine Möglichkeit, externe Förderung zu bkeommen. Die Stunden werden aber sofort gestrichen, sobald die Schule in eine Vertretungslage kommt. Also sind die Stunden schnell wieder weg und das Land ersetzt die Förderstunden nicht, sondern gewährt nur die Versorgung der Pflichtstundentafel – also Stunden vor der gesamten Klasse.
Die im Erlass genannten, beantragten und bewilligten Förderstunden werden dann nicht erteilt, darüber hinaus hat die staatliche Schule keine Möglichkeiten, aber den Auftrag und die Aufgabe, alle SuS zu beschulen, die angemeldet werden. Da kann man nicht ablehnen, weil einem der Unterstützungsbedarf nicht gefällt oder Kinder andere Bedürfnisse haben.

Braucht man eine Sonderpädagogin, hat man ggf. zu Beginn des Schuljahres eine Stundenzuweisung. Dieser deckt nicht die Stunden ab, die der Erlass vorsieht, sondern nur einen Teil der Stunden. Fällt die Sonderpädagogin im Jahr aus, hat man keine Stunden mehr oder bekommt noch ein paar Stunden von einer Nachbarschule ab – beide Schulen haben dann noch weniger Stunden als offiziell vorgesehen.

Es ist also nicht vorgesehen, dass staatliche Schulen zusätzliche Leistungen erhalten, wie es bei Privatschulen üblich ist, sondern üblich, dass man die im Erlass genannten Möglichkeiten einspart, um den Pflichtstundenunterricht annähernd gewährleisten zu können.

Bla
29 Tage zuvor
Antwortet  Palim

Genau das.
Da hat die Privatschule – wenn sie will/sich das leisten kann bzw. leisten will eben andere Möglichkeiten.

Das heißt jetzt nicht, dass alle Privatschulen mehr Förderstunden/-lehrer usw. haben. Es geht mir nur um die (bürokratischen) Möglichkeiten.

Was wiederum mitunter „An Privatschulen können sie meist individueller gefördert werden.“ erklärt.

Palim
25 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Was nur geht, weil Eltern an privaten Schulen bereit sind, dies mit ihren monatlichen Gebühren zu finanzieren, was wiederum nur eine bestimmte Klientel schafft.

Die angeblich besseren Bedingungen sind also von der besser gestellten Klientel bezahlt, denen die staatlichen Schulen nicht gut genug sind. Könnten sie das Geld doch dem Förderverein der Schule spenden, ihn satt ausstatten und dieser dann die Bedingungen verbessern. Aber auch das geht vor allem dort, wo die Bevorteilten die Schulen besuchen.

Wenn man also mit dem Schulgeld die Förderung für das eigene Kind finanziert,
erkauft man sich letztlich die Segregation.

Bla
23 Tage zuvor
Antwortet  Palim

Ja, das sehe ich ähnlich. Die Eltern sind bereit für Rahmenbedingungen zu zahlen. Das zeigt doch schon mal, dass der Staat sich das nicht leisten will und viele „flüchten“. Dazu kommen natürlich noch andere Sachen, wie das jeweilige Konzept. Dort Unterscheiden sich viele Schulen auch nochmal deutlich. Nicht jeder Privatschule hat ultrareiche Eltern … Dafür gibt es dann Förderanträge usw.
Aber nicht nur die Eltern zahlen für die Rahmenbedingungen.
Viele LuL zahlen indirekt durch teilweise deutlich! weniger Gehalt. Auch das kann man mal sehen – was wohl häufig bei „Neiddebatten“ komplett ignoriert wird.

Guter Witz … Einige Regelschulen durften noch nichtmal privat geförderte Luftfilteranlagen und Laptops verwenden. Ein Freund von mir arbeitet bei einem Großunternehmen IT und die wollten ihre 2 Jahre alten Laptops (Top Zustand) ihrer Förderschule vor Ort spenden … Das ging aus vielen diversen – völlig praxisfremden – Gründen nicht. Somit mussten sie diese entsorgen.
Aber auch hier kann die Schule nichts dafür … Ist/war halt ein Politik gemachtes Problem dort.

Wenn der Staat bessere Rahmenbedingungen machen würde, bräuchte es das für viele Eltern/SuS nicht. Kann/Sollte man jetzt die Eltern deshalb verteufeln? Ich weiß ja nicht … Der Staat hat deshalb auch nicht weniger Geld für Regelschulen/SuS – eher noch mehr wirtschaftlich gesehen.
Was Sie hierbei auch nicht erwähnen ist, dass viele sich auch ein anderes Konzept (bspw. Keine Noten) wünschen. Auch hier gibt es keine staatlichen Alternativmöglichkeiten.