DÜSSELDORF. Mit der Rückkehr zu G9 verschiebt sich der Lehrkräftemangel in Nordrhein-Westfalen: Lehrkräfte, die während der Umstellung an anderen Schulformen ausgeholfen haben, kehren zum neuen Schuljahr an die Gymnasien zurück. An den Schulen, die bislang von diesen Abordnungen profitiert haben, drohen dadurch neue Lücken. Das Schulministerium will gegensteuern und Personal gezielt dorthin lenken, wo die Not besonders groß ist. Doch vollständig auffangen kann das Land den Wegfall der Lehrkräfte nicht.

Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium ist in Nordrhein-Westfalen abgeschlossen – und nun drohen neue Probleme bei der Lehrkräfteversorgung. Mit einer neuen Steuerung von Stellen will das Schulministerium die Schulen entlasten, bei denen Lücken drohen. Hintergrund ist, dass das Modell der sogenannten Vorgriffstellen in NRW ausläuft. Damit wurden Gymnasiallehrer bis zum Abschluss der G9-Umstellung befristet an andere Schulformen abgeordnet und überbrückten dort Personalengpässe.
Zum neuen Schuljahr 2026/27 kehren sie nun alle wieder an ihre Stammgymnasien zurück, denn erstmals werden ab Anfang September wieder neun statt acht Jahrgangsstufen an den Gymnasien unterrichtet.
Pool für Unterrichtsausfall als Rettung
Zum 1. Juni waren noch Lehrkräfte im Umfang von 1.240 Stellen an andere Schulformen abgeordnet gewesen, wie aus einer Antwort des Schulministeriums auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion hervorgeht. Damit die Lücken, die nach dem Abgang dieser Gymnasiallehrer an den anderen Schulen entstehen, zumindest teilweise kompensiert werden, greift das Ministerium auf den bereits bestehenden Pool für den Ausgleich von Unterrichtsausfall zurück. Besonders Schulen mit hoher sozialer Belastung sollen unterstützt werden.
Ein Teil der insgesamt 4.250 Stellen aus diesem Pool werde neu gesteuert, hieß es. Künftig besteht laut Ministerium in einem begrenzten Umfang die Möglichkeit, Lehrkräfte für zwei Jahre an besonders belasteten Schulen einzustellen. Danach wechseln die Lehrer planmäßig an ihre Stammschulen.
Hilfe für Schulen mit besonders schwieriger Personalsituation
Mit dem neuen Steuerungsmodell sollen zunächst bis zu 300 Lehrerstellen und ab dem Schuljahr 2027/28 dann insgesamt 600 Stellen anders verteilt werden. Ziel ist es, Lehrkräfte der Sekundarstufe II für bis zu zwei Jahre an Schulen mit besonders schwieriger Personalsituation abzuordnen.
«Jede Stelle, die auf diese Weise besetzt wird, trägt dazu bei, die Unterrichtssituation an schwerer zu versorgenden Schulen zu verbessern», hatte NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) im Frühjahr gesagt. Die Ministerin hatte aber auch betont, dass eine vollständige Kompensation aller wegfallenden Vorgriffsstellen nicht möglich sein werde.
Weiterhin tausende offene Stellen an Schulen
Mit mehr als 166.000 Stellen hat die Personalausstattung an den Schulen in NRW nach Angaben der Landesregierung einen neuen Höchststand erreicht. Laut einer Mitteilung von Anfang Juni arbeiten über 12.600 Menschen mehr an den Schulen als zu Beginn der Wahlperiode 2022.
Gleichzeitig stieg aber auch der Personalbedarf an den Schulen. Zum Stichtag 1. Juni 2026 waren landesweit 4.822 Stellen für dauerhafte Einstellungen unbesetzt. Außerdem standen unter anderem aufgrund von Elternzeiten oder Beurlaubungen 2.950 Stellen für befristete Einstellungen von Vertretungskräften zur Verfügung. In Summe sind das mehr als 7.770 offene Stellen. News4teachers / mit Material der dpa









