Start Politik Verschiebebahnhof: Lehrer müssen ans Gymnasium zurück – anderen Schulen drohen Lücken

Verschiebebahnhof: Lehrer müssen ans Gymnasium zurück – anderen Schulen drohen Lücken

28
Anzeige

DÜSSELDORF. Mit der Rückkehr zu G9 verschiebt sich der Lehrkräftemangel in Nordrhein-Westfalen: Lehrkräfte, die während der Umstellung an anderen Schulformen ausgeholfen haben, kehren zum neuen Schuljahr an die Gymnasien zurück. An den Schulen, die bislang von diesen Abordnungen profitiert haben, drohen dadurch neue Lücken. Das Schulministerium will gegensteuern und Personal gezielt dorthin lenken, wo die Not besonders groß ist. Doch vollständig auffangen kann das Land den Wegfall der Lehrkräfte nicht.

Von hierhin nach dorthin. (Symbolbild.) Foto: Shutterstock

Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium ist in Nordrhein-Westfalen abgeschlossen – und nun drohen neue Probleme bei der Lehrkräfteversorgung. Mit einer neuen Steuerung von Stellen will das Schulministerium die Schulen entlasten, bei denen Lücken drohen. Hintergrund ist, dass das Modell der sogenannten Vorgriffstellen in NRW ausläuft. Damit wurden Gymnasiallehrer bis zum Abschluss der G9-Umstellung befristet an andere Schulformen abgeordnet und überbrückten dort Personalengpässe.

Zum neuen Schuljahr 2026/27 kehren sie nun alle wieder an ihre Stammgymnasien zurück, denn erstmals werden ab Anfang September wieder neun statt acht Jahrgangsstufen an den Gymnasien unterrichtet.

Pool für Unterrichtsausfall als Rettung

Zum 1. Juni waren noch Lehrkräfte im Umfang von 1.240 Stellen an andere Schulformen abgeordnet gewesen, wie aus einer Antwort des Schulministeriums auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion hervorgeht. Damit die Lücken, die nach dem Abgang dieser Gymnasiallehrer an den anderen Schulen entstehen, zumindest teilweise kompensiert werden, greift das Ministerium auf den bereits bestehenden Pool für den Ausgleich von Unterrichtsausfall zurück. Besonders Schulen mit hoher sozialer Belastung sollen unterstützt werden.

Ein Teil der insgesamt 4.250 Stellen aus diesem Pool werde neu gesteuert, hieß es. Künftig besteht laut Ministerium in einem begrenzten Umfang die Möglichkeit, Lehrkräfte für zwei Jahre an besonders belasteten Schulen einzustellen. Danach wechseln die Lehrer planmäßig an ihre Stammschulen.

Hilfe für Schulen mit besonders schwieriger Personalsituation

Mit dem neuen Steuerungsmodell sollen zunächst bis zu 300 Lehrerstellen und ab dem Schuljahr 2027/28 dann insgesamt 600 Stellen anders verteilt werden. Ziel ist es, Lehrkräfte der Sekundarstufe II für bis zu zwei Jahre an Schulen mit besonders schwieriger Personalsituation abzuordnen.

«Jede Stelle, die auf diese Weise besetzt wird, trägt dazu bei, die Unterrichtssituation an schwerer zu versorgenden Schulen zu verbessern», hatte NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) im Frühjahr gesagt. Die Ministerin hatte aber auch betont, dass eine vollständige Kompensation aller wegfallenden Vorgriffsstellen nicht möglich sein werde.

Weiterhin tausende offene Stellen an Schulen

Mit mehr als 166.000 Stellen hat die Personalausstattung an den Schulen in NRW nach Angaben der Landesregierung einen neuen Höchststand erreicht. Laut einer Mitteilung von Anfang Juni arbeiten über 12.600 Menschen mehr an den Schulen als zu Beginn der Wahlperiode 2022.

Gleichzeitig stieg aber auch der Personalbedarf an den Schulen. Zum Stichtag 1. Juni 2026 waren landesweit 4.822 Stellen für dauerhafte Einstellungen unbesetzt. Außerdem standen unter anderem aufgrund von Elternzeiten oder Beurlaubungen 2.950 Stellen für befristete Einstellungen von Vertretungskräften zur Verfügung. In Summe sind das mehr als 7.770 offene Stellen. News4teachers / mit Material der dpa

Tausende Lehrkräfte zwangsweise versetzt: Wie Abordnungen Unruhe in Schulen bringen – und Betroffene belasten

Anzeige

Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
28 Kommentare
dickebank
1 Monat zuvor

Man muss dem MSB und dessen Hausspitze aber zugute halten, dass das so nicht vorhersehbar gewesen ist

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

G9, Inklusion, Migration, Ganztag, Pensionierungen, …

Die „unvorhersehbaren“ Ereignisse, die zu Beginn des Schuljahres plötzlich vor der Schultür stehen, nehmen scheinbar kein Ende…

dickebank
30 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Das sind die Folgen davon, wenn zwischen Wand und Tapete auf Sicht gefahren wird.

unfassbar
30 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Ich bin gespannt, ob die Anzahl abgeordneter Lehrer mit der Anzahl zurückkehrender Lehrer übereinstimmt. Ich kann mir vorstellen, dass einige aufgrund der Bedingungen an den anderen Schulformen entnervt und ausgebrannt aufgaben.

Auch bin ich gespannt, ob es Lehrerinnen geschafft haben, über Elternzeiten die Abordnungsperiode überspringen konnten.

Hans Malz
30 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

Nein, es ist noch schlimmer: Einige Sek II Kollegen finden die anderen Schulen gar nicht so schlecht und bleiben da. Bei uns sind es drei.

unfassbar
30 Tage zuvor
Antwortet  Hans Malz

A13 für alle regelt das. Weniger Arbeit für dasselbe Geld.

dickebank
30 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

Aber dann ohne Ratszulage.
Und wenn’s mit dem ersten Beförderungsamt nicht klappt, kann man ja immer noch wechseln.

dickebank
30 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

Gibt es wirklich so viele Masochisten oder doch nur zu wenige A14- und A15- Stellen an anderen Schulen abseits der GY? Warum Wechseln all die OStR und StD nicht an andere Schulformen, wenn man da doch angeblich weniger arbeiten muss?
Vermutlich glauben diejenigen, 25,5 Deputatsstunden im gebundenen Ganztag seien nicht so anstrengend wie das gleiche Deputat an einem GY.
BK ist ja auch suboptimal, wenn man sieht, wie lang da der Unterrichtstag dauert. Und GS geht nicht, wer will schon wissenschaftspropädeutisch mit Kindern arbeiten. Und HS auch nicht, weil KL-Prinzip ist echt anstrengend und keine Vorkenntnisse als Sozialarbeiter vorhanden. Und dann noch die fehlenden Einstellmöglichkeiten für das „hohe Rosd“, von dem man steigen müsste.

Lera
30 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

Schätzen Sie mal:

Wie hoch ist der Anteil von Lehrern am Gymnasium, die am Laufbahnende A13 haben?

An der Grundschule sind es so um und bei 95%.

Da ist die Welt also doch noch in Ordnung.^^

Hans Malz
29 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

Andere Arbeit trifft es eher.

Schotti
29 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

A13 bedeutet nicht gleiche Bezahlung. Es gibt verschiedene A13 Ämter.

unfassbar
29 Tage zuvor
Antwortet  Schotti

Ich beziehe es auf ganz normale Lehrer ohne Beförderung.

Zumindest in NRW-Gesamtschulen unterrichten die Sek I-Lehrer wie die Sek I/II-Lehrer 25,5 Wochenstunden bei mittlerweile beide A13. Bei gleicher Erfahrungsstufe ist nur Sek I erheblich weniger Arbeit und mit etwas Glück auch weniger Nachmittagsunterricht als in der Sek II. Die D/E/M-Kollegen können bei den Korrekturen ein Lied davon singen, in der Fächergruppe II sowieso. Zugegebenermaßen sind die Unterrichtsstunden in den Grundkursen (oder Klassen mit viel Grundkursklientel) erheblich anstrengender als in der Oberstufe.

dickebank
30 Tage zuvor
Antwortet  unfassbar

Die anderen Schulformen waren in erster Linie Grundschulen.
Die „Junglehrer“ sind doch an ihren Stammschulen (GY) quasi auf Vorrat für die Rückkehr zu G9 gebunkert worden und an Die GS „ausgeliehen“ worden, mit der Zusage nach der befristeten Abordnung an ihre Stammschule zurückkehren zu können. Warum sollten die jetzt abspringen?

Joachim Schwarz
1 Monat zuvor

Mein Bäcker will mir für 15 Cents keine Brötchen verkaufen. Er will 19 haben. Zahle ich die nicht, hat er einen Kunden weniger und ich keine Brötchen. Das ist gerecht.
Schade, dass die öffentliche Hand die Funktion von Anreizen nur bedingt (abhängig von der Regierung) versteht. Wer mehr Lehrer haben will, muss die Bedingungen verbessern. Das Gehalt ist einer von vielen Faktoren. Der Beruf MUSS attraktiver werden, wenn ihn noch genug Leute machen sollen!

dickebank
30 Tage zuvor
Antwortet  Joachim Schwarz

19 ct, schon länger keine Brötschen/ Semmeln/Schrippen/Rundstücke/Labla mehr gekauft, oder?

Schotti
29 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Im Aldi kosten die Brötchen 19ct

dickebank
29 Tage zuvor
Antwortet  Schotti

Ausgangspunkt war
„mein Bäcker will …“ und nicht der nächstgelegene ALDI.

Schotti
30 Tage zuvor

Landesweit sollen 4822 Stellen unbesetzt sein.

Ausgeschrieben sind aktuell auf dem offiziellen Portal 33 Stellen. In Worten: Dreiunddreißig

So findet man sicher Personal.

dickebank
30 Tage zuvor
Antwortet  Schotti

Immerhin 6,8 Promille – Also bei dem alkoholpegel wärst du tot, so wie die Nachwuchsgewinnung im Schulsystem halt auch.

Fräulein Rottenmeier
30 Tage zuvor
Antwortet  Schotti

Zugute halten muss man allerdings, dass gerade Sommerferien sind und niemand diesen Einstellungsriesenaufwand, wo viele KuKs anwesend müssen, durchführen kann….

unfassbar
30 Tage zuvor

Darüber hinaus werden Stellen nicht nach dem aktuellen, sondern nach dem erwarteten zukünftigen Bedarf ausgeschrieben. Da der absehbar abnimmt, braucht es nicht so viele Stellen.

dickebank
30 Tage zuvor

Also in HE, RP oder SL bewerben, die haben heute wieder angefangen.

Schotti
29 Tage zuvor

Die waren vorher auch nicht ausgeschrieben und werden es auch nach den Ferien nicht sein. Das sind Ausreden.

Lera
30 Tage zuvor
Antwortet  Schotti

Das ist ein interessantes Phänomen, auch in anderen Bundesländern, die angeblich verzweifelt suchen, ist erstaunlich wenig in den Stellenportalen sichtbar – nicht nur in den Sommerferien. Für Quer- und Seiteneinsteiger gibt es oft gar keine expliziten Anfragen von Schulen – scheinbar.

Fräulein Rottenmeier
30 Tage zuvor
Antwortet  Lera

Ich empfehle sehr, mal den Haushaltsentwurf bzw. Den verabschiedeten Haushalt des Landes NRW zu lesen. Darin kann man jede einzelne Stelle nachvollziehen, die im Haushaltsjahr geschaffen wird. Das ist in diesem Jahr so bitter wenig, dass man Tränen in den Augen hat…..auch wiederbesetzt werden Stellen nur ganz wenige…..
Es wird immer nur kolportiert, dass Stellen leider, leider nicht besetzt werden können, klar, wenn man sie gar nicht erst ausschreiben darf, ist das durchaus schlüssig….
Und nein, das ist leider keine Verschwörungstheorie, sondern die traurige Wahrheit….

dickebank
30 Tage zuvor

Alles kw-Stellen, schließlich geht es um Stellenabbau.

dickebank
29 Tage zuvor

Was die Lage verschärft, auf die wenigen ausgeschriebenen Stellen bewerben sich eine Vielzahl von Bewerbern. Die Betreffenden schicken ihre Bewerbungen natürlich an (fast) alle Schulen, bei denen das eigene Profil zur Ausschreibung passt. Das heißt am Ende gibt es vielleicht eine glückliche Schule, aber eben auch viele, bei denen das Stellenbesetzungsverfahren nicht abgeschlossen werden kann. Am Ende werden so nicht einmal die wenigen ausgeschriebenen Stellen besetzt werden können.