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Kita-Bericht 2026: Personalmangel bremst Sprachförderung – und erschwert den Übergang in die Grundschule

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BERLIN. Sinkende Kinderzahlen entspannen die Lage in den Kindertageseinrichtungen keineswegs automatisch. Der neue Kita-Bericht des Paritätischen Gesamtverbandes zeigt vielmehr ein System, in dem vielerorts Personal fehlt, während die pädagogischen Anforderungen steigen. Besonders deutlich wird das bei der sprachlichen Förderung: Fast zwei Drittel der befragten Einrichtungen können den Förderbedarf der Kinder nach eigener Einschätzung nicht ausreichend decken. Das Problem reicht bis in die Grundschulen hinein – denn auch die Abstimmung beim Übergang gelingt häufig nicht ausreichend.

Unter Druck. (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Mit rund 550.000 nicht in Anspruch genommenen Kitaplätzen könnte der Eindruck entstehen, dass sich der Fachkräftemangel mit sinkenden Kinderzahlen von selbst erledigt. Die bislang größte Kita-Befragung des Paritätischen Gesamtverbandes zeichnet jedoch ein anderes Bild. 3.267 Einrichtungen aus allen Bundesländern haben sich beteiligt. Die Erhebung ist nicht repräsentativ; sie erfasst 5,4 Prozent aller Kitas in Deutschland, wobei die Länder unterschiedlich stark vertreten sind. Befragt wurde vom 12. Mai bis zum 20. Juni 2025.

Hinter den freien Plätzen stehen regional sehr unterschiedliche Entwicklungen. In Ostdeutschland bleiben im Durchschnitt 14,9 Plätze je Einrichtung wegen fehlender Kinder unbesetzt, in Westdeutschland sind es 2,7. In vielen westdeutschen Regionen wiederum verhindert Personalmangel die Nutzung vorhandener Kapazitäten. Bundesweit bleiben nach der Befragung im Schnitt 3,5 Plätze je Kita wegen fehlender Fachkräfte frei. Besonders ausgeprägt ist dieses Problem in Berlin mit durchschnittlich 11,7 Plätzen.

„Wer glaubt, weniger Kinder bedeute automatisch weniger Druck auf die Kitas, irrt“, erklärt Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. „Wo eine Kita schließt, verschwindet eine Infrastruktur, die übermorgen wieder gebraucht werden könnte. Für Familien bedeutet das oft längere Wege und weniger Zeit füreinander.“

Wie angespannt die Personalsituation bleibt, zeigt eine Hochrechnung des Verbandes. In den befragten Einrichtungen waren 2.534 Stellen wegen fehlender pädagogischer Mitarbeitender unbesetzt. Auf Deutschland übertragen entspräche dies rund 49.000 Stellen. Zusammen mit längerfristigen Personalausfällen errechnet der Paritätische rund 107.000 fehlende beziehungsweise nicht verfügbare Stellen. Weil die Befragung nicht repräsentativ ist, handelt es sich ausdrücklich um Hochrechnungen, nicht um amtlich festgestellte Zahlen.

Noch deutlicher fällt die Einschätzung aus den Einrichtungen selbst aus: 65,3 Prozent halten den Personalschlüssel für nicht ausreichend, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Nur 30,5 Prozent verfügen über besser vergütete Funktionsstellen etwa für Sprachbildung oder Inklusion, 62,1 Prozent berichten von regelmäßigen Überstunden.

Für die Familien hat das konkrete Folgen. Innerhalb von vier Wochen mussten 23,3 Prozent der Einrichtungen Eltern einmal bitten, ihr Kind wegen Personalmangels nicht zu bringen oder früher abzuholen, 28,2 Prozent sogar mehrfach. Damit war die Betreuung in 51,5 Prozent der Kitas mindestens einmal eingeschränkt – obwohl die Befragung außerhalb der typischen Erkältungssaison stattfand.

Eine offene Antwort aus der Befragung beschreibt den Alltag so: „Bei uns sind so viele Erzieher ständig krank oder deren kinder sind krank, dass wie keinen Tag ohne Maßnahmeplan arbeiten. Die Eltern haben keine Verlässlichkeit mehr, was auch uns Erzieher sehr unzufrieden macht.“ Der Bericht gibt die Antworten einschließlich sprachlicher Fehler im Original wieder.

Besonders häufig treten solche Einschränkungen in sozial belasteten Quartieren und in Großstädten auf. In Großstädten berichten lediglich 40,3 Prozent von einem störungsfreien Betrieb; 33,7 Prozent mussten innerhalb von vier Wochen mehrfach auf Notmaßnahmen zurückgreifen. Damit trifft der Personalmangel häufig Einrichtungen, in denen zugleich erhöhte Unterstützungsbedarfe bestehen.

Das zeigt sich besonders bei der Sprache. Lediglich 7,2 Prozent der Kitas betreuen ausschließlich Kinder, in deren Familien vorrangig Deutsch gesprochen wird. In 28,2 Prozent spricht mehr als ein Drittel der Kinder zu Hause vorrangig eine andere Sprache. 79,8 Prozent der Einrichtungen betreuen Kinder geflüchteter Eltern, gegenüber 72,5 Prozent bei der Befragung 2023. Mehrsprachigkeit ist damit in den Kitas längst Regelaufgabe.

Gleichzeitig kann Sprachförderung häufig nicht im erforderlichen Umfang stattfinden. Rund ein Viertel der Einrichtungen betreut einen hohen Anteil von Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf beim Spracherwerb; 65,4 Prozent geben an, diesen Bedarf nicht ausreichend decken zu können. An den fachlichen Instrumenten liegt das offenbar weniger: Mehr als 80 Prozent verfügen über geeignete Verfahren zur Beobachtung und Förderung der Sprachentwicklung. Was fehlt, sind vor allem Zeit und Personal.

„Für emotionale Förderbedarfe gibt es leider sehr wenig Hilfe. Kinder mit Migrationshintergrund, Fluchterfahrung oder wenig Förderung zu Hause bringen nicht nur sprachliche Defizite mit“

„Sprachförderung braucht Zeit und Unterstützung“, heißt es in einer Rückmeldung. Eine andere Fachkraft macht deutlich, dass sprachliche Förderung dabei nur einen Teil der Aufgabe darstellt: „Es stört mich sehr, dass die Förderung vom Land weiterhin ‚nur‘ auf Sprache ausgelegt ist. Für emotionale Förderbedarfe gibt es leider sehr wenig Hilfe. Kinder mit Migrationshintergrund, Fluchterfahrung oder wenig Förderung zu Hause bringen nicht nur sprachliche Defizite mit.“

Gerade in sozial belasteten Einrichtungen verschärft sich das Problem. Je höher der Anteil der Kinder mit Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket, desto seltener reicht der Personalschlüssel für die Sprachförderung. In Kitas mit einem hohen Anteil dieser Kinder sagen lediglich 28,4 Prozent, dass sie den Sprachförderbedarf mit der vorhandenen Personalausstattung abdecken können. Der Bericht sieht die bestehenden Personalschlüssel deshalb als „weit davon entfernt“ an, chancengerecht zu sein.

Diese Lücke bekommt spätestens beim Übergang in die Grundschule zusätzliche Bedeutung. Denn ausgerechnet die Sprachentwicklung zählt für die Kita-Verantwortlichen zu den wichtigsten Voraussetzungen eines erfolgreichen Schulstarts: 87,1 Prozent bewerten sie als sehr wichtig, nur das Selbstvertrauen liegt mit 91,5 Prozent noch höher. Konzentrationsfähigkeit nennen 72,6 Prozent. Mathematische Fähigkeiten halten dagegen 30,3 Prozent für sehr wichtig.

Damit entsteht eine direkte Verbindung zwischen Personalausstattung, Sprachförderung und Schulstart. Der Bericht weist zwar keinen kausalen Zusammenhang zwischen Personalmangel in der Kita und späteren schulischen Leistungen nach. Er zeigt aber, dass eine große Mehrheit der Einrichtungen Sprache für zentral beim Übergang hält – während eine ebenso große Mehrheit den vorhandenen Förderbedarf nicht ausreichend decken kann.

Erschwert wird der Übergang zusätzlich durch die organisatorischen Bedingungen. Nur 9,1 Prozent der Kitas haben es mit lediglich einer aufnehmenden Grundschule zu tun. Bei 44,9 Prozent verteilen sich die Kinder auf zwei bis drei Schulen, bei 30,3 Prozent auf vier bis fünf; weitere 14,5 Prozent berichten von Wechseln zu sechs oder mehr Grundschulen.

Mit steigender Zahl der beteiligten Schulen wird die Kooperation schwieriger. Arbeitet eine Kita mit nur einer Grundschule zusammen, bewerten 67,6 Prozent die Verständigung über den Übergang als ausreichend. Bei zwei bis drei Schulen sind es noch 44,3 Prozent, bei vier bis fünf nur noch 21 Prozent. Sind sechs bis neun Grundschulen beteiligt, sinkt der Anteil auf 13,6 Prozent. Der Bericht beschreibt die Übergangsgestaltung entsprechend als zunehmend „komplex und fragmentiert“.

Dabei hängt die Qualität der Kooperation mit der Einschätzung der Schulvorbereitung zusammen: Wo die Verständigung mit den Grundschulen funktioniert, beurteilen die Kitas ihre Möglichkeiten zur Vorbereitung der Kinder deutlich positiver. Die Autorinnen und Autoren sehen darin einen Hinweis auf die Bedeutung „institutionell abgesicherter Kooperationsstrukturen“.

Die Personalprobleme drohen sich unterdessen selbst zu verstärken. 89,5 Prozent der Einrichtungen berichten von einer starken psychischen Belastung der Beschäftigten; in 43,5 Prozent hat innerhalb eines Jahres mindestens eine Fachkraft die Einrichtung aus psychischen Gründen verlassen. Der Bericht spricht von einer „gefährlichen Dynamik“: Belastung führe zu Ausfällen und Kündigungen, die wiederum die Belastung der verbliebenen Beschäftigten erhöhten. 52,5 Prozent geben bereits an, dass die Beziehung zwischen Kindern und pädagogischen Bezugspersonen unter der Personalsituation leidet.

„Jetzt ist nicht die Zeit für Personalabbau. Sondern es ist Zeit, Bildungsgerechtigkeit endlich umzusetzen“

Sinkende Kinderzahlen lösen dieses Problem nicht zwangsläufig. In Sachsen schrumpften laut Bericht 50,6 Prozent der Teams, weil mehr Fachkräfte gingen als hinzukamen. Auch andere ostdeutsche Länder sind von Personalabbau beziehungsweise schrumpfenden Teams betroffen. Die demografische Entwicklung kann damit statt einer besseren Fachkraft-Kind-Relation auch dazu führen, dass Personal parallel zur Kinderzahl abgebaut wird.

Der Paritätische fordert deshalb, Ressourcen nicht mehr allein nach der Zahl der betreuten Kinder zu verteilen. Ein Sozialindex in der Kita-Finanzierung soll Belastungslagen wie Armut, Migration und Inklusionsbedarf berücksichtigen. Gerade die Befunde zur Sprachförderung stützen diesen Ansatz: Einrichtungen haben sehr unterschiedliche pädagogische Aufgaben, werden durch einheitliche Personalschlüssel aber nur begrenzt entsprechend ihrer tatsächlichen Bedarfe ausgestattet.

„Jetzt ist nicht die Zeit für Personalabbau. Sondern es ist Zeit, Bildungsgerechtigkeit endlich umzusetzen“, erklärt Rock. News4teachers

Hier lässt sich der vollständige Kita-Bericht herunterladen. 

Sprachförderung beginnt im Kita-Alltag (und steht und fällt mit genügend Fachkräften)

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6 Kommentare
Biene
1 Tag zuvor

Ich bin begeistert! Seit 63 Jahren wird auf dieses Problem hingewiesen.
Seit 63 Jahren sind wir in der „Bildungskrise“ und haben ebenfalls seit 63 Jahren einen Mangel an dem Erziehungspersonal in KITAS und KIGAS!
Fazit: Die Politik hat seit 63 Jahren nichts gelernt und ihre Reformen von damals hallen immer noch negativ nach! Welch Begeisterung in den Lehrerzimmern und Pausenräumen unserer KITA/KIGA-Kräfte.
Übrigens ebenfalls lustig: Anfang 1960er-Jahre wurde das 9. Pflichtschuljahr eingeführt (zuvor waren es nur 8).
Geschichte wiederholt sich nicht, sie ist nur ein fürchterlicher Wiedergänger.
Wem etwas auffällt, bitte breit grinsen und sich sagen, dass die damaligen Politiker es schon nicht gekonnt hatten, die Sache mit den „vernünftigen Reformen“.

Rainer Zufall
22 Stunden zuvor
Antwortet  Biene

„Geschichte wiederholt sich nicht, sie ist nur ein fürchterlicher Wiedergänger.“
Zumindest wurde zu dieser Zeit keine Partei dafür gewählt, noch weniger für Kinder zu tun.

„Vielleicht hätten diese Bildungspolitiker mal ihren Horizont gen Osten erweitert.“

Auf was beziehen Sie sich konkret?

Rainer Zufall
22 Stunden zuvor
Antwortet  Biene

Falscher Person geschrieben. Sorry

S. Starke
1 Tag zuvor

So eine tolle Erfindung! Deshalb gab es in der DDR Vorschulteile der Sprachheilschulen mit tollen Bildungsplänen für Kinder mit Sprachentwicklungsverzögerung mit speziell ausgebildeten Vorschulpädagogen.
Diese Einrichtungen wurden nach der Wende schnell abgeschafft, denn nur die Pädagogik der BRD ist die Wahre.
Vielleicht hätten diese Bildungspolitiker mal ihren Horizont gen Osten erweitert.

Stefan
21 Stunden zuvor

Für mich, der fast 30 Jahre im sozialpädagogischen Kontext in Schule tätig war klingt das eher nach noch früherer Ausmusterung anstatt einer echten Integration.

Reinhard Hopp
7 Stunden zuvor

Rechtsgarantien beschließen ist halt leichter als Personal, das nie geboren und nicht ausgebildet wurde, einzustellen.