Start Tagesthemen Schüler-Gewalt: Bildungssenatorin will durchgreifen (nicht so hart wie ihre Partei)

Schüler-Gewalt: Bildungssenatorin will durchgreifen (nicht so hart wie ihre Partei)

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BERLIN. Gewalt, Mobbing, religiöser Druck: Berlins Schulen sollen künftig verbindlicher und einheitlicher auf Konflikte und Grenzüberschreitungen reagieren. Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hat dafür einen 13-Punkte-Plan vorgelegt, der Prävention und Unterstützung ausbauen, zugleich aber auch die Konsequenzen bei Regelverstößen verschärfen soll. Vorgesehen sind unter anderem ein landesweit einheitlicher Maßnahmenkatalog, verpflichtende Anti-Gewalt-Trainings und eine neue Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit erheblicher Selbst- oder Fremdgefährdung. Pikant: Von den Spezialschulen für gewalttätige Schülerinnen und Schüler, die die CDU im Wahlkampf angekündigt hat, findet sich in dem Papier der Senatorin nichts. 

Viele Lehrkräfte erleben täglich Gewalt in der Schule (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Gewalt an Berliner Schulen kennt viele Varianten. Es beginnt bei sexistischen Sprüchen, Schubsen oder Anschreien und reicht über Mobbing bis hin zum Verprügeln. Nach Überzeugung von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch gibt es dringenden Handlungsbedarf. Notwendig seien Maßnahmen, um Gewalt und Konflikten vorzubeugen und besser und schneller darauf reagieren zu können, sagte die CDU-Politikerin bei der Vorstellung eines «13-Punkte-Plans für sichere Schulen» in der Bildungsverwaltung.

So sollen Gewalt und Grenzüberschreitungen künftig nicht mehr von Schule zu Schule unterschiedlich behandelt werden. Stattdessen soll es einen einheitlichen Katalog für Regelverstöße und Krisenvorfälle geben, der festlegt, welche Schritte aus dem Vorfall folgen müssen.

Ein verbindliches Verfahren und einheitliche Bußgelder sind auch für Schülerinnen und Schüler vorgesehen, die immer wieder ohne Grund in der Schule fehlen und damit gegen die Schulpflicht verstoßen.

Gewalt in der Schule klar entgegentreten

Günther-Wünsch hält es auch für richtig, Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen zu verschärfen, wenn Schüler etwa durch Gewalt wiederholt auffällig werden. Eine Konsequenz könnte sein, Anti-Gewalt-Trainings verbindlich anzuordnen. Dafür müsste allerdings das Schulgesetz geändert werden. Aus Sicht der Bildungssenatorin darf das kein Hindernisgrund sein: «Wer Gewalt ausübt, muss Folgen spüren.»

Eine Versorgungslücke sieht die Bildungspolitikerin für Kinder und Jugendliche mit «erheblicher Selbst- und Fremdgefährdung», bei denen bisherige Hilfsangebote mehrfach versagt haben. Für solche Fälle soll es künftig eine sogenannte intensivpädagogisch-therapeutische Jugendhilfeeinrichtung geben.

Die regelmäßigen Gespräche zum Lernstand von Schülerinnen und Schülern sollen um die Themen soziale Belastungen und Konflikte erweitert werden. Außerdem ist eine landesweite Positivliste vorgesehen mit empfehlenswerten Präventionsangeboten, wie die CDU-Politikerin ankündigte. Sie sollen sich stärker am Bedarf der jeweiligen Schule orientieren.

Die Bildungsverwaltung hatte bereits Ende Juni eine umfassende wissenschaftliche Studie zu dem Thema vorgestellt (News4teachers berichtete). Das «Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer» zeige, dass Themen wie Gewalt und Angst vor Gewalt, Mobbing und Cybermobbing sowie religiöser Konformitätsdruck eine große Rolle an Berliner Schulen spielten, sagte Günther-Wünsch. Es reiche nicht, bei der Beschreibung des Problems stehenzubleiben.

Konflikte in Schulen schaden dem Lernklima

«Wir wollen früh helfen», sagte Günther-Wünsch mit Blick auf bessere Prävention. «Wir wollen aber auch eingreifen, wenn Grenzen überschritten werden. Und wir werden konsequent handeln, wenn Gewalt ausgeübt und Regeln auch bewusst wiederholt gebrochen oder verletzt werden.»

Die Bildungssenatorin wies auf mögliche Folgen von Gewalt und Konflikten auch für das Lernen hin: Wenn ein Kind Angst davor habe, auf dem Schulhof geschlagen zu werden, könne es sich schlecht im Mathematikunterricht konzentrieren. «Und eine Schülerin, die über WhatsApp gedemütigt wird, auch außerhalb von Schule, kann das schlecht am Eingang zum Klassenzimmer ablegen.»

Wichtig sei, Probleme in Schulen künftig früher zu erkennen, Unterstützung gezielter einzusetzen und Schule und Jugendhilfe verbindlicher zusammenbringen.

Pikant: Von dem Plan der Berliner CDU, zunächst Kleinklassen und anschließend spezialisierte «Schulen für Erziehungshilfe» für besonders gewaltbereite oder radikalisierte Schülerinnen und Schülern einzurichten, findet sich in dem Papier der Bildungssenatorin nichts. Die Partei will die rechtlichen Möglichkeiten dafür schaffen. «Dies muss nach festen Kriterien auch ohne die Einwilligung der Schülerinnen und Schüler oder ihrer Eltern möglich sein», heißt es in dem CDU-Wahlkampfpapier. Die Wahl zum Berliner Senat findet am 20. September statt.

Mansour: Kein Migrationsphänomen

Der Psychologe Ahmad Mansour, der Berliner Schulen im Rahmen seiner Präventionsarbeit kennt, sagte, es sei notwendig, sich die Frage zu stellen, woher Gewalt und Konflikte kämen. Dabei gehe es nicht um ein Berliner Phänomen und auch nicht um ein Migrationsphänomen.

Schulen müssten Orte sein, wo diese Probleme angenommen und gelöst würden. Dabei sei die Vermittlung von entsprechenden Werten wichtig. Schulen müssten außerdem dazu beitragen, Empathiefähigkeit zu stärken und die Fähigkeit, andere Lebensmodelle, andere Meinungen und anderes Verhalten zu akzeptieren. «Das ist eine Riesenaufgabe, eine Generationsaufgabe, aber damit müssen wir jetzt anfangen», sagte Mansour. News4teachers / mit Material der dpa

Hier lässt sich der vollständige 13-Punkte-Plan herunterladen. 

CDU-Plan: Spezialschulen für gewalttätige Schüler – doch: Wer soll dort unterrichten?

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