KÖLN. Die dbb-Jahrestagung in Köln wird zum Forum grundsätzlicher Debatten über den Zustand des Staates. Während Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst das Berufsbeamtentum verteidigt und finanzielle Zusagen macht, rückt Innenminister Alexander Dobrindt Übergriffe auf Beschäftigte in den Fokus – und der dbb erhöht im laufenden Tarifkonflikt den Druck auf die Länder.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat sich klar gegen Abstriche beim Berufsbeamtentum ausgesprochen und zugleich zugesichert, ein Tarifergebnis für die Beschäftigten der Länder vollständig auf die Beamtinnen und Beamten zu übertragen. „Dieser Staat braucht das Berufsbeamtentum, und zwar einen anständig ausgestatteten“, sagte Wüst bei der dbb-Jahrestagung in Köln. An wichtigen Stellen werde es nie ohne verbeamtete Beschäftigte gehen.
Wüst erneuerte dabei sein Bekenntnis, den angestrebten Tarifabschluss in der laufenden Einkommensrunde eins zu eins auf die Besoldung der Beamtinnen und Beamten in Nordrhein-Westfalen zu übertragen. Ausreichend ausgestattetes Personal sei eine zentrale Voraussetzung für einen krisenfesten, modernen Staat. „Ohne sie wird es nicht gehen. Dieser Staat braucht das Berufsbeamtentum“, sagte der Ministerpräsident.
„Wir haben Lehrerinnen und Lehrer tausendfach aus Regionen mit besserer Versorgung in Regionen mit schlechterer Versorgung abgeordnet“
Als Beispiel nannte Wüst die unpopulären Abordnungen von Lehrkräften an Schulen mit besonderem Unterstützungsbedarf. „Wir haben Lehrerinnen und Lehrer tausendfach aus Regionen mit besserer Versorgung in Regionen mit schlechterer Versorgung abgeordnet“, berichtete er. Viele Lehrkräfte müssten nach dem zweiten Staatsexamen zunächst für mehrere Jahre an andere Schulen als ihre Wunschschule gehen. „Und in der Regel sind das jetzt auch nicht die einfacheren Schulen, sondern das sind die schwierigeren Schulen“, sagte Wüst. Und meinte: „Versuch das mal ohne Berufsbeamtentum.“
Manche meinten, solche Maßnahmen ließen sich ebenso gut mit angestellten Lehrkräften umsetzen. „Nein, kannst du eben so nicht“, betonte der CDU-Politiker. Gerade dort, wo der Staat besonders gefordert sei, brauche es Verlässlichkeit, Bindung und Durchsetzungsfähigkeit.
Wüst widersprach damit erneut Überlegungen aus der Bundes-CDU, das Berufsbeamtentum auf wenige Kernbereiche zu beschränken. Er teile nicht die Ansicht von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, der vorgeschlagen hatte, das Beamtentum künftig auf Polizei, Feuerwehr, Zoll und Finanzbehörden zu begrenzen. Linnemann habe sich auf die Bundesebene bezogen, sagte Wüst. „Ich fange solche Debatten hier nicht an. Ich habe andere Probleme und andere Herausforderungen.“
Linnemann hatte im vergangenen Sommer in der Diskussion über Renten- und Beamtenversorgung dafür plädiert, nur noch dort zu verbeamten, wo ein besonderes Treueverhältnis zum Staat bestehe. Lehrkräfte zählte er nicht dazu. Laut Statistischem Bundesamt gibt es in Deutschland rund 1,7 Millionen Beamtinnen und Beamte, die größte Gruppe darunter sind Lehrerinnen und Lehrer.
Auf der Jahrestagung stellte Wüst den Erhalt des Berufsbeamtentums in einen größeren Zusammenhang staatlicher Handlungsfähigkeit. Viele Bürgerinnen und Bürger zweifelten daran, dass der Staat noch funktioniere, sagte er. Das stärke Populisten und Extremisten. Politik müsse neues Vertrauen schaffen, unter anderem durch eine konsequente Verwaltungsmodernisierung. Ziel sei es, Verfahren zu beschleunigen, staatliche Strukturen effizienter zu machen und den Beschäftigten mehr Vertrauen entgegenzubringen.
„Der Staat hat die Verantwortung, hinter seinen Beschäftigten zu stehen“
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) stellte in seiner Rede ebenfalls das Berufsbeamtentum in den Mittelpunkt, setzte jedoch einen anderen Akzent. Er verurteilte vor allem die zunehmenden Übergriffe auf Beschäftigte des öffentlichen Dienstes. „Der Staat hat die Verantwortung, hinter seinen Beschäftigten zu stehen“, sagte Dobrindt. Gewalt gegen Staatsbedienstete dürfe nicht folgenlos bleiben – und betreffe längst nicht nur Polizei und Rettungskräfte, sondern auch viele andere Bereiche des öffentlichen Dienstes.
Der strafrechtliche Schutz müsse ausgebaut, Verfahren beschleunigt werden, forderte der Minister. „Wer respektlos auftritt, soll möglichst sofort die Konsequenzen zu spüren bekommen.“ Das sei eine Grundvoraussetzung für einen funktionierenden Staat und für den Erhalt der Demokratie. Zugleich bekannte sich Dobrindt klar zum Berufsbeamtentum als tragender Säule des Staates und kündigte an, die amtsangemessene Alimentation der Bundesbeamtinnen und -beamten „in einigen Wochen“ umsetzen zu wollen.
Der dbb-Bundesvorsitzende Volker Geyer nutzte die Jahrestagung, um den Druck in der laufenden Einkommensrunde für die Beschäftigten der Länder zu erhöhen. Die Tarifverhandlungen mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder gingen am 15. und 16. Januar in eine entscheidende Phase, sagte Geyer. Er forderte ein verhandlungsfähiges Angebot. Der dbb verlangt ein Einkommensplus von sieben Prozent, mindestens aber 300 Euro.
Der öffentliche Dienst sei das Rückgrat des Staates, werde aber seit Jahren überlastet, sagte Geyer. Zu wenig Personal, zu wenig Mittel und immer neue Aufgaben gefährdeten die Handlungsfähigkeit. In einer aktuellen Bürgerbefragung hätten 73 Prozent der Befragten angegeben, der Staat sei nicht mehr handlungsfähig. Wenn Politik immer mehr verlange, den Beschäftigten aber immer weniger gebe, schwäche das den Staat insgesamt, warnte Geyer.
Pikant: Im Gegensatz zu seinem unionsinternen Konkurrenten Wüst hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigt, künftige Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst erst mit einer Verzögerung von sechs Monaten auf die Besoldung der Beamtinnen und Beamten zu übertragen. News4teachers
Schwarze Null: Markus Söder spart auf Kosten (vor allem) der Lehrkräfte









Der Lehrberuf ist nicht mehr wettbewerbsfähig.
Die Gehälter stagnieren, die Arbeitszeiten sind fest, unflexibel und zu hoch und es gibt keine 35-Stunden Woche.
Deshalb brauchen wir 4-Tage Woche, 30 % Homeschooling und an die Inflation angepasste Gehälter. Ganz besonders im Trend von Homeoffice und modernen Tarifverträgen!
Ich arbeite an eine Schule wo die SuS einen Tag zu Hause sind und sage: Das ist das absolut Kacke. Es verstärkt Bildungsungerechtigkeit. Ist für die Lehrkräfte extrem anstrengend und du musst alles doppelt machen und schaffst dadurch noch weniger Stoff.
Hinweis: Bei Kopplung der Gehälter an die Inflation stagnieren die Gehälter.
das ist das mindeste und sonst nicht hinnehmbar.
Meine Frau arbeitet in nem Unternehmen und hat 2 Tage Homeoffice, 7 Stunden Tage höchstens und wir 41 Stunden und verdienen nicht so viel.
Haben wir nicht Lehrermangel und Gen Z weiß Bescheid?
Eigentlich müssen wir mehr verdienen, wenn wir so wenig Homeoffice haben oder gar keins?!
Naja. So schlecht verdienen zumindest verbeamtete Lehrkräfte nicht. Mal das Lebenseinkommen betrachten und entspannen!
Sie haben mindestens sechs Wochen Homeoffice oder sind Sie in den Ferien – außerhalb der sechs Wochen Urlaub – jeden Ferientag sieben bis acht Stunden an der Schule? Und sind Sie auch während der Schulzeit jeden Werktag mindestens sieben bis acht Zeitstunden an der Schule?
Wenn nicht, dann entwerten Sie mit solchen Äußerungen weiter das Lehrerbild und damit die Basis für Verbesserungen. Vielen Dank dafür.
Tja bei 2-3 Homeoffice kommen aber alle anderen auf fast 27 Wochen zuhause dank des Homeoffices.
Schlechte Karten für Lehrer mit 6 Wochen, die auch jeder Arbeitnehmerals Urlaub hat.
Wirklich schlechte Karten.
am besten wäre die 4 Tage Woche und etwas Distanzunterricht. Es ist nicht nur das Geld in Inflationszeiten, sondern auch das fehlende Homeoffice.
In anderen Berufsfeldern wird doch auch eine Pauschale bezahlt und es gibt Extras.
Hasi hat 3 Tage Homeoffice und verdient doppelt, geht eher in Rente und hat 8 Wochen Urlaub
Hasi ist aber kündbar, bekommt keine Pension und hat keinen Eid geschworen!
Wenn er jetzt auch noch das Wort „zeitgleich“ verwenden würde…
Da bin ich einmal gespannt.
Bisher ist die Strategie der Länder ja: “Kassen leer! Sozialausgaben explodieren, Steuereinnahmen brechen ein! Der öD sollte dankbar sein arbeiten zu dürfen!”
Wahrscheinlich zum dritten Mall das “beste Ergebnis aller Zeiten”, das Verdi im Schulterschluss mit den Ländern verkünden wird. Und wer das nicht so sieht, ist ein Querulant, hat den “Ernst der Lage” nicht erkannt, ist “unsolidarisch”…
Als Lehrer ist man so ziemlich von allem abgehängt: 15%-20% Reallohnverlust seit Covid (je nach Berechnung), expodierende PKV-Beiträge, jeden Tag zur Schule, während andere im Homeoffice chillen (und fällt dann einmal wegen des Wetters die Schule aus, heult die ganze Republik herum und schimpft auf die f… S… : “Wir sind früher bei Schneesturm zwei Stunden zur Schule gelaufen und zwei zwei Stunden zurück. Gesehen haben wir nichts, dafür haben wir uns 20-mal auf dir Fr… gepackt und KEINER hat gefehlt”….).
Gen Z weiß Bescheid: Homeoffice und Lohnsteigerungen, die auch den Namen verdienen, sind eine feine Sache. TV-L und Präsenzpflicht nicht.
Sind Ihre PKV-Beiträge schon so hoch wie die Ihrer angestellten Kollegen? Ich bezweifle es.
Jau, das ist der Scheiß im Flachland. Wir sind im Bergischen zumindest auf dem Hinweg einen großen Teil des Schulwegs gerodelt⛷️
In den Gewerkschaften tummeln sich mehr Beamte als Angestellte.
Die Vorteile der Verbeamtung wird genutzt UND die Option der Angestellten, den Lohn zu “handeln” mitgenommen.
KEIN Arbeitgeber ist bereit, einfach mehr Personalkosten FREIWILLIG zu haben.
Ich VERMUTE, dass die Tarifgespräche die Vertreter aktiv für weniger Erhöhung diese Übernahme akzeptieren. Das ist nicht richtig!
„Zugleich bekannte sich Dobrindt klar zum Berufsbeamtentum als tragender Säule des Staates und kündigte an, die amtsangemessene Alimentation der Bundesbeamtinnen und -beamten „in einigen Wochen“ umsetzen zu wollen.“
Da bin ich mal gespannt ob und wie sie das umsetzen.