Start Politik Söders Hymnenpflicht zum Abschlusszeugnis ab nächstem Schuljahr – ohne “Mitsingpflicht” 

Söders Hymnenpflicht zum Abschlusszeugnis ab nächstem Schuljahr – ohne “Mitsingpflicht” 

31
Anzeige

MÜNCHEN. Bei Schulabschlussfeiern in Bayern müssen künftig Hymnen abgespielt werden – das hat die CSU durchgesetzt. Aber es gibt gewisse Anpassungen gegenüber der Ankündigung von Ministerpräsident Söder: Die Schulen bekommen mehr Zeit (zum Üben?) – und es müssen statt drei nur zwei Hymnen gesungen werden. Die Bayernhymne ist dabei verpflichtend. Um Verballhornungen vorzubeugen, droht die Staatsregierung mit dem Strafrecht. 

Schief singen? Verboten. Illustration: Shutterstock

Die von der CSU forcierte Hymnenpflicht an bayerischen Schulen kommt – aber erst vom kommenden Schuljahr an. Bei Abschlussfeiern müssen künftig mindestens zwei Hymnen gespielt werden, darunter auf jeden Fall die Bayernhymne. Das geht aus einem aktuellen Schreiben des Kultusministeriums an alle weiterführenden Schulen in Bayern hervor.

Damit gibt es im Vergleich zu den bisherigen CSU-Vorstellungen gewisse Anpassungen. Denn die CSU hatte eigentlich alle drei Hymnen – National-, Europa- und Bayernhymne – für Schulabschlussfeiern vorschreiben wollen. Und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte eigentlich auf ein Inkrafttreten der neuen Vorschrift schon zu diesem Schuljahresende gedrungen.

«Ab dem Schuljahr 2026/2027 müssen bei festlichen Schulveranstaltungen zur Verleihung von Abschlusszeugnissen immer die Bayernhymne und mindestens eine weitere Hymne (deutsche Nationalhymne und/oder Europahymne) in würdig-feierlicher Weise in den Festakt integriert werden», heißt es nun in dem Schreiben des Ministeriums. Das Rundschreiben sei Resultat eines Austausches mit der Schulfamilie, darunter seien auch Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Verbände gewesen, hieß es vom Ministerium als Erläuterung.

Keine «Mitsingpflicht»

Manches bleibt dabei den Schulen überlassen. Ob die Hymnen beispielsweise vom Band oder von einer Musikgruppe gespielt werden, liegt «im Ermessen der Schulleitung und richtet sich nach den Möglichkeiten der einzelnen Schule». Eine «Mitsingpflicht» bestehe nicht. Aber das Ministerium mahnt: «Durch das Aushändigen von Textblättern soll den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Abschlussfeier jedoch ein textsicheres Mitsingen ermöglicht werden.»

Damit setzt das Kultusministerium unter Ministerin Anna Stolz (Freie Wähler) einen Vorstoß der CSU um, der auf dem Parteitag im vergangenen Dezember seinen Ausgang genommen hatte. Die Junge Union (JU) hatte damals einen Antrag eingebracht und dafür eine Mehrheit der Parteitagsdelegierten bekommen, in dem es hieß, die CSU-Abgeordneten in Bund und Land sollten sich «für ein verpflichtendes Spielen der Nationalhymne und der Europahymne sowie in Bayern der Bayernhymne zu gesellschaftlich relevanten Anlässen wie der Verleihung von Schul- und Berufsabschlüssen» einsetzen.

Söder hatte im Januar gefordert, die Hymnenpflicht bei Schulabschlüssen rasch umzusetzen. Möglichst schon zum Schuljahresende sollten die Hymnen gespielt oder gesungen werden, sagte er auf der CSU-Fraktionsklausur im Kloster Banz.

Nockherberg-Lästereien über «plakativen Schmarrn»

Der CSU-Vorstoß hatte für Wirbel gesorgt, neben einiger Zustimmung gab es auch viel Kritik – und Spott: Beim Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg lästerte der Kabarettist Stephan Zinner über die CSU-Initiative, man solle doch bitte nicht «so einen plakativen Schmarrn» verlangen.

Der Staatsregierung ist es aber ernst, wie auch das Schreiben des Ministeriums zeigt. Da wird zum besonderen Ärger der Gewerkschaft GEW sogar auf das Strafgesetzbuch verwiesen. «Auf die Einhaltung des §90a StGB (Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole) ist zu achten», mahnt das Ministerium. «Offensichtlich befürchtet das Ministerium, dass die staatlich verordnete Singstunde nicht von allen so bierernst genommen wird wie gewünscht und schwenkt schon mal vorsorglich die Keule des Strafgesetzbuches», kritisierte GEW-Vize Markus Weinberger.

Die GEW erneuerte auch ihre grundsätzliche Kritik an dem CSU-Vorstoß. «Integration, Gemeinschaft und Identifikation stellt man nicht mit Gesangspflichten her», sagte die Landesvorsitzende Martina Borgendale. Viel wichtiger seien zukunftsfähige Konzepte, wie man in diesen Zeiten eine Demokratiestärkung und eine Bildung für alle gerecht umsetzen könne.

Ministerium: Hymnen schon fest in Lehrplänen verankert

Das Kultusministerium betont in dem Schreiben an die Schulen selbst, bereits jetzt seien die genannten Hymnen fest in den bayerischen Lehrplänen verankert. Ob im Musikunterricht der Grundschule oder im Rahmen einer analytischen oder kreativen Beschäftigung im Unterricht an weiterführenden Schulen, bei fachübergreifenden Projekten oder in der Verfassungsviertelstunde: Es gebe viele Möglichkeiten und Anlässe, damit sich Schülerinnen und Schüler mit den Hymnen und ihren Werten aktiv auseinandersetzen können. «Das trägt zur Persönlichkeitsbildung bei und fördert die Identität und den Zusammenhalt in unserem Land.» Vom Schuljahr 2026/2027 an solle es aber eine noch stärkere Auseinandersetzung mit allen drei Hymnen und ihren zugrundeliegenden Werten geben.

Andererseits sollen auch besonders kreative Umsetzungs- und Präsentationsideen zum Umgang mit dem Thema Hymne gesammelt werden. «Festival der Ideen» nennt das das Kultusministerium. Schulen, die das Thema sowohl bei der Abschlussfeier als auch im Unterricht und im Schulleben besonders gelungen umsetzen, sollen eine Auszeichnung erhalten. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Hymnensingen in der Schule: In die Lehrerkonferenz hineingehört (eine Satire)

Anzeige

Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
31 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments
Susanne M.
1 Tag zuvor

Je mehr Krise, desto mehr demonstrativer Patriotismus.

Rainer Zufall
1 Tag zuvor
Antwortet  Susanne M.

Wenn nicht gar überzeichnet und gespielt…

Küstenfuchs
1 Tag zuvor

Ein wirklich bescheuertes Kapitel deutscher Bildungspolitik.

dickebank
1 Tag zuvor

… bayrischen Symbolpolitik, so viel Zeit muss sein.

Hysterican
7 Stunden zuvor
Antwortet  dickebank

…ich finde, man sollte in Bayern dann auch das plakative “Fähnchen im Populismuswind” a’la Söder integrieren … so mit – je nach Nachrichtenlage und AfD-Vorlagen – definierten Aktionen, wie Baumumarmungen, öffentliches Wurstfressen, Starkbiersaufen, Atomkraftbegeisterung, Grünenbashing usw.
Das bringt Schwung, Leben und Abwechslung in diese ewig gleichen und langweiligen Abschlussveranstaltungen und ähnlichen Events … wichtig dafür wäre auch ein Wort- und SatzBaukasten mit “rethorischen Versatzstücken des großen Vorsitzenden aka Ministerpräservativs von Bayern”, sodass alle immer Zugriff haben auf die populistischen Schlagwörter, die tagesaktuell gefordert werden.
Unsäglicher Scheiß!!

Rainer Zufall
1 Tag zuvor

Alle Halbjahre wieder… Bitte nicht die Fähnchen vergessen.

Fand den Kompromissvorschlag schön, dass die Kinder dann auch das “Trömmelche” singen dürfen, um etwas Gemeinschaftsstiftendes dabei zu haben 😀
https://www.spiegel.de/politik/hymnenpflicht-an-schulen-wir-haetten-da-einen-vorschlag-a-efea70f4-ce57-4c93-9739-f6a600e61ae7

Meiomei
1 Tag zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Das Thema ist durch.

Bis auf die Berufsschulen findet die Veranstaltung (Übergabe der Abschlusszeugnisse) nur einmal im Jahr stattt.
Die deutsche Nationalhymne sollten die meisten kennen ( wird ja mehrfach bei Sportveranstaltungen gespielt auch wenn manche Schlagerstars brühen).
Die bayrische Hymne lernen dann zumindest die Jugendlichen kennen. Die Hymnen sollten bzw. Können ja zuvor im Unterricht besprochen werden.
Und welche weiteren Lieder die Musiklehrer in ihrem Unterricht bearbeiten, dürfen sie selber entscheiden. Letztendlich geht es vielleicht 90 Minuten Unterricht (Thema) und 5 Minuten Musik bei einer Zeugnisübergabe.
Wenn dann die Trömelche auch noch gesungen wird, dann soll es so sein. Was immer das auch ist. Bei einer zweistündingen Abschlussfeier hat sicherlich Platz, aber ich glaube nicht das das die Jugnedlichen unbedingt singen wollen.

S.P.
1 Tag zuvor

“Aushändigen von Textblättern…”. … Wie soll das denn funktionieren, bei geschätzt 300 – 500 Zuschauern/Gästen, wenn wir jetzt schon bei zu hoher Kopierer- und Druckernutzung eine Rüge erhalten!? Da wird sich unser Sachkostenträger aber ganz schnell querstellen!

Und zum Rest: Da würd ich’s gerne bayerisch halten und sagen “Da schauma mal!” … Wird so aber leider nicht gut ausgehen, wenn uns die bisher feierlichsten Momente durch m.E. populistisch befohlenen Patriotismus zerstört werden! Liest hier eigentlich die HeuteShow mit? 🙂

Meiomei
1 Tag zuvor
Antwortet  S.P.

Textzettel kann man austeilen. In der Zwischenzeit kommen bei den Abschlussfeieren in der Regel Beamer zum Einsatz. Dann kann der Liedtext gezeigt werden

TaMu
1 Tag zuvor
Antwortet  S.P.

Als ob man Mitsingtexte heutzutage nicht längst auf eine Wand projizieren würde…

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  TaMu

Bayernhymnen-Karaoke – darf man da auch als Gast hin?

TaMu
21 Stunden zuvor
Antwortet  dickebank

Ich hoffe doch!

S.B.
20 Stunden zuvor
Antwortet  dickebank

Der Hauptwohnsitz sollte in Bayern sein.

Pensionist
49 Minuten zuvor
Antwortet  S.B.

Und zwar südlich der Donau!

Susanne M.
1 Tag zuvor
Antwortet  S.P.

Laminieren und wieder austeilen? Die Hymnentexte ändern sich nicht.

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  Susanne M.

Aber jedesmal desinfizieren bevor die wieder ausgeteilt werden.

Kathrin Weininger
1 Tag zuvor
Antwortet  dickebank

Man fragt echt, wie die Menschen früher überlebt haben – wenn man solche Forderungen liest…

dickebank
20 Stunden zuvor

Lebenserwartung war halt niedriger und die Anzahl vom Verordnungen und ministeriellen Erlassen geringer.

Hysterican
7 Stunden zuvor
Antwortet  dickebank

…. und die Anzahl kirchlicher Feiertage, an denen man gemeinsam dem Singen – wenn auch zumeust kirchlicher Lieder – frönen konnte … rs gejt doch nichts über ein paar beingeile “Maria-Lichtmess-Lieder” … da ist richtig Pepp drin…. chakka-bumm-chack-chack

S.B.
20 Stunden zuvor
Antwortet  S.P.

Warum nur Textblätter anfertigen? Die Noten sind mindestens genauso wichtig. Dann lernt man nebenbei gleich das Notenlesen.

Rüdiger Vehrenkamp
1 Tag zuvor

Grundsätzlich bin ich ja ein Fan des bayerischen Bildungssystems, aber das hier ist reinster Quatsch. Ich würde mir als Schule Mittel und Wege suchen, die Hymnenpflicht durchus “kreativ” zu gestalten.

S.B.
20 Stunden zuvor

Das Üben der Hymnen reicht locker für die Verfassungsviertelstunde.

TaMu
1 Tag zuvor

Ich hätte gerne eidesstattliche Versicherung von Herrn Söder, dass er im Alter von 14 bis 25 nicht ebenfalls gesungen hat: „… wir betreten vollgetrunken, Himmlische, dein Heiligtum“.

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  TaMu

Tipp:
Einfach nicht zur Entlassfeier gehen. Die Schule bzw. der Schulträger ist dann für die Zustellung des Abschlusszeugnises als “Urkunde” zuständig oder muss einen Ersatztermin in den räumen der Schule oder des Schulamtes anbieten. Zur Abholung aber bitte einen gültigen personalausweis oder Reisepass mitbringen:)

Maybe
1 Tag zuvor
Antwortet  dickebank

Gute Idee !

TaMu
1 Tag zuvor
Antwortet  dickebank

Das hat jetzt aber nichts mit meinem Beitrag zu tun, oder?

dickebank
20 Stunden zuvor
Antwortet  TaMu

Nein, aber dafür bestimmt der Bruder von Aiwanger. Im übrigen kannte der Maggus damals eh nur das Frankenlied.
Wohlauf die Luft geht frisch und rein …

Maybe
1 Tag zuvor

” MÜNCHEN. Bei Schulabschlussfeiern in Bayern müssen künftig Hymnen abgespielt werden – das hat die CSU durchgesetzt. Aber es gibt gewisse Anpassungen gegenüber der Ankündigung von Ministerpräsident Söder: Die Schulen bekommen mehr Zeit (zum Üben?) – und es müssen statt drei nur zwei Hymnen gesungen werden. Die Bayernhymne ist dabei verpflichtend. Um Verballhornungen vorzubeugen, droht die Staatsregierung mit dem Strafrecht. ”

Bin schon gespannt auf die nächsten Satiresendungen – herrliche Vorlage.
Jedenfalls ist der “Kieni” wieder mal in aller Munde.
Warum muss ich bloß immer an den kleinen König Kallewirsch denken…

kazoo
21 Stunden zuvor
Antwortet  Maybe

Schade!… 😉
Wo´s doch so ne schöne Verballhornung gäbe:

https://www.youtube.com/watch?v=I2r-drqYWTE&list=RDI2r-drqYWTE&start_radio=1

Fraup
1 Tag zuvor

Und nun stelle man sich den „Supergau“ in Sachsen-Anhalt vor… . Das Singen der Nationalhymne und das Hissen der Flagge wird zur Pflicht. Tja, Herr Söder, durch Ihren „Vormarsch“ wird dann relativiert???!

Roland
1 Stunde zuvor

Ich hatte schon überlegt, ob ich als Schulleiter nicht alle drei Hymnen abspielen würde – gleichzeitig. Aber das wäre vermutlich diese “Verballhornung”.

Oder etwas sachlicher:

Was Söder auf die Reihe kriegt: Hymnenpflicht, Genderverbot, Verfassungsviertelstunde.
Was Söder – trotz aller großen Sprüche – nicht auf die Reihe kriegt: Wohnungen bauen, Bayern energieunabhängig und klimaneutral machen.

Wenn es mit den wichtigen Sachen nicht so hinhaut, dann stellt man halt den patriotischen Kulturkampf ins Schaufenster.