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Studie: Inklusion kommt kaum voran

GÜTERSLOH. Der Ausbau inklusiver Bildungsangebote geht in zahlreichen deutschen Bundesländern nur schleppend voran.  Nach wie vor ist in vielen Bundesländern inklusive Bildung die Ausnahme.

Nur 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf besuchen einen gemeinsamen Unterricht. Bei den Grundschulen liegt Bremen vorne – bei den weiterführenden Schulen ist Schleswig-Holstein Spitzenreiter. Dies zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung.

In Grundschulen wird noch am häufigsten gemeinsam unterrichtet. Foto: BAG „Gemeinsam leben – gemeinsam lernen“

In Grundschulen wird noch am häufigsten gemeinsam unterrichtet. Foto: BAG „Gemeinsam leben – gemeinsam lernen“

 „Der Ausbau inklusiver Bildung geht zu langsam. Alle Bundesländer müssen diese Aufgabe jetzt schnell und konsequent angehen“, fordert Jörg Dräger, für Bildung zuständiges Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, mit Blick auf die auch von Deutschland ratifizierten UN-Behindertenrechtskonvention. Seit 2009 hat ihr zufolge jedes behinderte Kind Recht auf gemeinsamen Unterricht mit Nichtbehinderten. Das schleppende Tempo der Umsetzung stelle viele Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern vor ein Problem, betont nun die Bertelsmann-Stiftung. Inklusive Bildung ende zu häufig nach der Kita. Während laut Studie in den Kindertageseinrichtungen im Bundesdurchschnitt 68 Prozent der Kinder mit Förderbedarf gemeinsam mit Gleichaltrigen eine inklusive Einrichtung besuchen, sinkt ihr Anteil in Grundschulen auf 35 Prozent. In den weiterführenden Schulen sind es bundesweit lediglich 17,2 Prozent.

Mangel an weiterführende Schulen am größten

Dabei zeigten einige Bundesländer schon heute, dass mehr Inklusion machbar ist: In der Grundschule würden in Bremen 89 Prozent der Kinder mit Förderbedarf gemeinsam unterrichtet. Auf 70 Prozent kämen immerhin Schleswig-Holstein und das Saarland. Brandenburg (54,4 Prozent), Berlin (50,4 Prozent) und Baden-Württemberg (47,6 Prozent) seien ebenfalls auf einem guten Weg. Die anderen Bundesländer wiesen Werte auf, die zum Teil deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegen. Schlusslichter seien Hamburg und Bayern.

An den weiterführenden Schulen ist der Mangel an gemeinsamen Unterrichtsangeboten mit Abstand am größten, so berichten die Autoren der Studie. Spitzenreiter Schleswig-Holstein, Berlin und Brandenburg gäben vielen förderbedürftigen Jugendlichen Unterricht in Regelschulen. Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland und Thüringen wiesen in der Sekundarstufe Inklusionsanteile zwischen 22 und 28 Prozent auf. Die übrigen Bundesländer lägen unter dem Bundesdurchschnitt. Den niedrigsten Inklusionsanteil bei den weiterführenden Schulen hätten Nordrhein-Westfalen (10,9 Prozent), Hessen (9,8 Prozent) und Sachsen-Anhalt (9 Prozent).

Inklusionsquoten zwischen zwei und 60 Prozent

Bei einem Blick auf die einzelnen Förderschwerpunkte zeigen sich der Untersuchung zufolge weitere extreme Länderunterschiede. Im Förderschwerpunkt Lernen beispielsweise schwanken danach die Inklusionsanteile zwischen zwei (Sachsen) und 60 Prozent (Bremen). Durchschnittlich würden 42,6 Prozent aller Schüler diesem Förderschwerpunkt zugeordnet. Im Förderschwerpunkt Sehen würden in Schleswig-Holstein alle Kinder inklusiv unterrichtet, in Bayern nur 11,9 Prozent. „Die großen Unterschiede zwischen den Bundesländern sind kaum nachvollziehbar und können nur das Ergebnis verschiedener Verfahren und Vorgehensweisen sein“, meint  Dräger. „Sie zeigen aber auch, dass mehr Inklusion machbar ist, wenn sie gewünscht wird. Inklusion lässt sich aber nicht von oben verordnen. Schulen müssen dafür ausgestattet werden, Eltern und Pädagogen müssen dafür gewonnen werden. Wenn wir die Rahmenbedingungen für gemeinsamen, individuell fördernden Unterricht schaffen, profitieren nachweislich alle Kinder.“

Schulpolitischer Streit in Niedersachsen

In Niedersachsen hat die Studie bereits die politische Debatte um das Thema Inklusion befeuert. Nach Ansicht der oppositionellen  SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag belegt die Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung die Untätigkeit der Landesregierung in diesem bildungspolitischen Feld. „Landesregierung und Regierungsfraktionen sitzen dieses wichtige Thema aus und ignorieren es seit Jahren. Das ist unverantwortlich – bildungspolitisch und gesellschaftspolitisch“, sagte Frauke Heiligenstadt, stellvertretende Vorsitzende und schulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.

Mehr zum Thema Inklusion:

Inklusion: Eine Schule für alle

http://www.news4teachers.de/2011/09/inklusion-eine-schule-fur-alle/

Inklusives Schulsystem in NRW bis 2021?

http://www.news4teachers.de/2011/08/inklusives-schulsystem-in-nrw-bis-2021/

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http://www.news4teachers.de/2011/08/vbe-lehrerschaft-bei-inklusion-stark-verunsichert/

 

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